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88 Tasten, unzählige Begegnungen

Von Mathias Trottmann, Vorstand Fachschaft Instrumentalmusik

Wer das Unterrichtszimmer von Daniel Woodtli betritt, trifft auf einen Lehrer, der mit ruhiger Stimme spricht, aufmerksam zuhört und scheinbar mühelos zwischen Mozart, Beethoven, Einaudi und den musikalischen Vorlieben seiner Schülerinnen und Schüler navigiert. Da ist einer mit Engagement und viel Fachwissen am Werk. Umso erstaunlicher vielleicht, dass sein eigener Weg zum Klavier nicht aus purer Leidenschaft begann.
Denn eigentlich waren es seine Eltern, die den ersten Ton angeschlagen hatten. Genauer gesagt war es ein Handel: Fussball gegen Klavierunterricht. Er durfte in den Fussballclub, wenn er gleichzeitig mit dem Klavierspiel begann. Was als elterliche Bedingung anfing, entwickelte sich jedoch zu einer echten Leidenschaft. Und schon bald wurde klar, dass sein Talent eher auf den schwarzen und weissen Tasten als auf dem grünen Rasen lag. Das Fussballtraining verschwand aus seinem Alltag, die Musik aber blieb.
Einen Schlüsselmoment erlebte Daniel Woodtli gegen Ende der Bezirksschule. Mozarts d-Moll-Fantasie und später Beethovens «Pathétique»-Sonate eröffneten ihm eine neue Welt. Zum ersten Mal entwickelte sich die Vorstellung, dass Musik, das Klavier, mehr sein könnte als ein Hobby – vielleicht sogar ein Beruf.
Dass er einmal selbst unterrichten würde, ergab sich jedoch beinahe zufällig. Mit gerade einmal 16 Jahren übernahm er einen Privatschüler seiner damaligen Klavierlehrerin. Die Lektionen verliefen nach einem einfachen Ritual: zuerst Kaffee und Kuchen, dann Musik. Der Schüler spielte sein Stück vor – manchmal sogar zweimal, wenn die Zeit reichte – und erhielt anschliessend Hinweise für die nächste Woche. «Didaktisch war das wahrscheinlich noch nicht besonders fundiert», sagt Daniel Woodtli heute schmunzelnd.
Nachdem er bereits an Musikschulen unterrichtet und seine Konzertreifeprüfung abgelegt hatte, begann er 1997 als Klavierlehrer an der Alten Kanti. Denn insbesondere nach einigen Stellvertretungen an der Kantonsschule Wettingen war ihm klar, dass ihm die Arbeit mit Jugendlichen besonders liegt. Die Stelle an der Alten Kanti bot genau das, wonach er gesucht hatte: die Möglichkeit, auf einer höheren Schulstufe zu unterrichten und die Freude an Musik mit jungen Menschen auf Augenhöhe zu teilen. Der Unterricht wurde so zu einem gemeinsamen Arbeiten an musikalischen Ideen.
In fast drei Jahrzehnten hat er Generationen von Schülerinnen und Schülern begleitet. Das eigentliche Erlernen des Klavierspiels sei im Kern gleich geblieben, sagt er. Doch die Auswahl an Literatur sei heute wesentlich grösser. In den 1980er-Jahren habe es kaum hochwertige Klaviermusik ausserhalb des klassischen Repertoires gegeben. Heute ist das ganz anders: Den Lernenden stehen unzählige Möglichkeiten offen – von klassischer Literatur über zeitgenössische Werke bis hin zu Improvisation, Jazz und Pop.
Verändert hat sich in dieser Zeit auch die Schule selbst. Informationen wurden einst per Lehrerversand verbreitet, später folgten die ersten Kurse zur Einrichtung eines E-Mail-Kontos. Was damals als technische Neuerung erschien, wirkt heute beinahe nostalgisch. Die Digitalisierung hat den Schulalltag grundlegend verändert – auch die Musik und der Klavierunterricht. Notenmaterial ist elektronisch verfügbar, fast jedes Werk kann gestreamt werden, zahlreiche Programme unterstützen die Spieltechnik oder helfen beim Komponieren.
Neben seinem Unterricht prägte Daniel Woodtli über viele Jahre auch das kulturelle Leben der Schule. Er organisierte unzählige Konzerte und engagierte sich jahrelang mit kreativen Ideen und Projekten im Team «Alte Kanti Kultur». Nicht zu vergessen ist dabei seine unermüdliche Arbeit als Korrepetitor. Musik war für ihn nie lediglich ein Unterrichtsfach, sondern immer auch Begegnung, Erlebnis und gemeinsames Schaffen.


Lieber Dani
Du hast unsere Fachschaft über viele Jahre geprägt und bereichert. Du hast dich stets für unsere gemeinsame Vision der Kanti eingesetzt, ohne dich in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Für dein grosses Engagement, deine Verlässlichkeit, deine Hilfsbereitschaft und deine Leidenschaft für die Musik danken wir dir herzlich.
Für deinen nächsten Lebensabschnitt wünschen wir dir von Herzen alles Gute!