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«Aber lieber Beethoven, was haben Sie denn da wieder gemacht?!»

Unter der kompetenten Leitung von Michael Schraner präsentierte ein 150-köpfiger Chor, professionell begleitet vom Symphonieorchester argovia philharmonic, einen denkwürdigen Beethoven-Abend und begeisterte das Publikum in der bis auf den letzten Platz besetzten Stadtkirche Aarau. Genau so macht klassische Musik Spass.

Gloria

Kyrie

Ein stimmungsvoller Auftakt

Die intensiven Proben haben sich offensichtlich gelohnt. Der riesige Chor setzte sich aus dem Chor der Alten Kantonsschule Aarau, dem Kammerchor C21 und den Aargauer Vokalisten zusammen; Darüber schwebten die Stimmen der vier Solisten Regula Konrad (Sopran), Anja Kühn (Alt), Jan-Martin Mächler (Tenor) und Peter Zimpel (Bass).

Bereits mit den heroischen Ouvertüren Die Geschöpfe des Prometheus und Coriolan verzückten die Konzertierenden die Zuhörerinnen und Zuhörer. Auch das Da Pacem Domine von Arvo Pärt (*1935), 2004 komponiert, fügte sich in seiner ausgesprochenen Sinnlichkeit aufs Feinste in den Ludwig van Beethoven (1770-1827) gewidmeten Konzertabend ein.


Impressionen aus der Kirche

Ein für Furore sorgendes Werk

Mit Beethovens Messe in C- Dur op. 86 haben sich die Musikerinnen und Musiker einem gigantischen Werk der Wiener Klassik gewidmet. Die Messe wurde 1807 uraufgeführt, stiess damals aber nur begrenzt auf Begeisterung. Längst nicht alle Zeitgenossen Beethovens waren von seinem kontroversen und irritierenden, aber auch gewaltigen und ekstatischen Werk hingerissen. Beethovens Auftraggeber, Fürst Esterhàzy, soll sich sogar lustig gemacht haben über den aufklärerischen Geist des Stücks. «Aber lieber Beethoven», soll Esterhàzy gesagt haben, «was haben Sie denn da wieder gemacht?!» Der Fürst hatte im Frühjahr 1807 den damals 37-jährigen Komponisten mit der nicht ganz einfachen Aufgabe betraut, eine Messe für den feierlichen Gottesdienst zum Namenstag von Esterhàzys Frau Maria Josepha Hermengilde von Lichtenstein zu komponieren. Heute wissen wir: Beethoven war der Aufgabe durchaus gewachsen – und schuf die grandiose Messe in C-Dur.

Beethoven selbst schätze das Werk sehr, und Gleiches lässt sich vom Aarauer Publikum sagen. Die mitreissende und zauberhafte Musik zog die Zuschauer vollkommen in ihren Bann. Einmal gewaltig, rhythmisch, kraftvoll und furchtlos, dann wieder zart, sinnlich, sehnsüchtig und lieblich vermochte die Interpretation auf ganzer Linie zu überzeugen. Die Konzertierenden sangen und spielten auf höchstem Niveau; wie sie die Klänge der Messe durch den hohen Kirchenraum schweben liessen, machte auf eindrückliche Weise deutlich: So macht klassische Musik einfach Spass.

Mit dem stimmungsvollen Agnus Dei endete schliesslich ein fulminanter Konzertabend: Dona nobis pacem, ein überaus sanfter und inniger Schusspunkt. Das Publikum bedankte sich mit minutenlangem stehendem Applaus. Wir sind uns sicher, Beethoven hätte sich über diesen Abend ebenso gefreut wie wir.

Von Nadine Girod und Antonia Schmid, G3L