2020, Alte Kanti, Menschen, Sage & Schreibe Nr. 31, Verabschiedung

Amabilité, générosité, loyauté

Zur Pensionierung von Markus Zimmermann

Fortunato l’uom che prende
Ogni cosa pel buon verson
E tra i casi e le vicende
Da ragion guidar si fà.

Lorenzo Da Ponte

Die Feststellung, er könne sehr gut mit Wandtafel unterrichten, war Markus’ Reaktion auf die Digitalisierungsbemühungen unserer Schule. Nicht nur ohne digitale, sondern gänzlich ohne Karte führte Markus seine faszinierten Schwerpunktfachschülerinnen zielsicher durch Paris. Sie hatten den Eindruck, mit einem Einheimischen unterwegs zu sein, dessen Passion für seine Stadt und seine Sprache jederzeit spürbar war. Markus ist kein Mensch, der sich dem gesellschaftlichen Wandel entziehen möchte, auch wenn seine manchmal eher technikkritische Haltung es vermuten liesse. Sie verdeutlicht jedoch, was Markus auszeichnet: Er steht in einer wechselhaften Zeit für Konstanz und Inhaltsorientierung. Diese Eigenschaften haben es ihm ermöglicht, seinen Beruf über so viele Jahre – ja sogar Jahrzehnte – hinweg ohne Effekthascherei loyal und pflichtbewusst auszuüben.

Zu behaupten, mit seiner Pensionierung gehe eine Ära zu Ende, mag zwar abgedroschen klingen, stimmt in seinem Fall jedoch tatsächlich. Seine minuziöse Unterrichtsvorbereitung und sein seriöser Korrekturstil waren zeit- und arbeitsintensiv und in Zeiten der Effizienzsteigerung definitiv keine Selbstverständlichkeit.

Ach, der Güte sanfte Waffen nützen mehr als strenge sein!
Peter von Winter

Hoch rechne ich dir, lieber Markus, ebenfalls an, dass du selbst nach sehr offen gelebten Auseinandersetzungen in der Fachschaft nie jemandem gegenüber einen Groll gehegt hast. Von diesem Grundoptimismus profitierten nicht nur deine Schülerinnen und Schüler, sondern auch das Kollegium, das du gleichermassen freundlich und respektvoll behandelt hast. Ich denke da beispielsweise an die vermehrte Zusammenarbeit in der Fachschaft: Für das von jüngeren Lehrerinnen vorgeschlagene Experiment «Querkorrektur der Maturitätsprüfungen» hast du dich – trotz anfänglicher Skepsis – verhalten optimistisch, jedoch mit Neugierde und einem Französisch-Korrekturkuchen im Gepäck auf den Weg nach Aarau gemacht. Auch gewisse Entlastungsmassnahmen hast du mit viel Humor und deiner ganz persönlichen chinesischen Übersetzung (Zu-mut-ung) mitgetragen.

Deine Grosszügigkeit der Fachschaft gegenüber (ich sage nur: Sprüngli-Brioches!) ist legendär, doch auch deine Schülerschaft sowie das übrige Kollegium konnten stets auf deinen Sinn für Humor und deine natürliche Güte zählen. Allein Stillosigkeit und Vulgarität waren dir unverzeihliche Übel!

Natürlich hat es dich als engagiertes Chormitglied gefreut, wenn sich deine Schülerschaft ebenfalls für Musik und jegliche Art von Kultur begeistern liess, übel genommen hast du einen kulturferneren Lebenswandel jedoch niemandem.

Deine humorvollen, sprachwitzigen und geistreichen Spontanbeiträge, welche stets von einem verschmitzten Lachen begleitet wurden, werden uns allen fehlen.

Jeder, der die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
Franz Kafka

Dass deine offensichtliche Fähigkeit, Schönes zu erkennen und zu pflegen, dich weiterhin jung, neugierig und weltoffen sein lässt, wünschen wir dir alle von ganzem Herzen.

Von Nicole Oeschger, Französischlehrerin