2020, Aus aller Welt, Kolumne, Sage & Schreibe Nr. 32

Armenien – Der Krieg und die gleichgültige Welt

Armenien ist mein Heimatland. Es ist eines der ältesten Länder der Welt, mit einer Geschichte, die bereits 3000 vor Christus anfängt. Das heutige Armenien bildet mit etwa 29.7km2 einen sehr kleinen Teil des historischen Armeniens. Wie auch andere Länder hat mein Heimatland in seiner Geschichte Kriege, Gewinne und Verluste erlebt. Die dunkelste Seite unserer Geschichte ist der armenische Genozid, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der türkischen Landesführung begangen wurde und der über 1,5Mio. Armeniern das Leben kostete.

Die heutige türkische Regierung lehnt die Anerkennung des damaligen Genozides nicht nur ab, sondern hat im September 2020 mit Aserbaidschan zusammen einen neuen Krieg gegen Armenien geplant und gestartet. In diesem Krieg sind ausserdem terroristische Gruppen aus Syrien und Libyen involviert. Europäische Medien berichten, dass das von Armeniern bewohnte Berg-Karbach, nach internationalem Recht zu Aserbaidschan gehört. Nur schon logisches Denken offenbart die Absurdität dieser Aussage. Ist es möglich, dass ein vollständig von christlichen Armeniern bewohntes Gebiet wie Berg-Karabach zu einem muslimischen türkisch-aserbaidschanischen Staat gehört, welcher hundert Jahre zuvor Hunderttausende Armenier ermordet hat? Die Antwort ist eindeutig. Ausserdem ist zu erwähnen, dass Berg-Karabach nie ein Teil des unabhängigen Aserbaidschan gewesen ist.

Heute, Ende November, ist der Krieg zwar vorbei, aber in meinem Heimatland herrscht eine humanitäre Katastrophe. Und die westliche Welt, die während des Krieges nur zugeschaut hat, tut auch jetzt nichts. Diese Situation verletzt mich sehr.

Zum Text auf Armenisch

Von Gohar Tamrazyan, G3L