2021, Aktuelles, Alte Kanti, Sage & Schreibe Nr. 33, Verabschiedung

Aus dem Leben eines „Hausmeisters“

Unfähige Liftmonteuere, kapitale Wasserschäden, Einbrüche oder unverbesserliche Parkpinkler – als Mitarbeiter des Hausdienstes hat Ruedi Suter so einiges erlebt. Für sage&schreibe blickt der frischgebackene Jung-Pensionär noch einmal auf fast 18 Jahre Alte Kanti zurück.

Von Andreas Neeser, Redaktionsleitung

Im Oktober 2003, unmittelbar nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten am Paul-Karrer-Haus trat Ruedi Suter ins Team des Hausdienstes ein. Und gleich ging es richtig los – denn die neu montierten Aufzüge funktionierten einfach nicht richtig. Als «Hausmeister» des Paul-Karrer-Hauses war Ruedi Suter dafür verantwortlich, dass die Schülerinnen und Schüler die sieben Stockwerke nicht zu Fuss bewältigen mussten, also war er auch für das Funktionieren der Aufzüge zuständig. Fast täglich war er mit einem Moneuer unterwegs, so oft jedenfalls, dass er von einem Kollegen scherzhaft auf die Notbetten im Keller hingewiesen wurde; so wäre er buchstäblich jederzeit für Liftreparaturen zur Verfügung gestanden. Die Notübernachtungen blieben ihm freilich erspart, denn ein «neuer» Monteur machte die Liftanlage auf wundersame Weise im Nu funktionstauglich.
Mehrheitlich war das Leben als Hauswart im Paul-Karrer-Haus zwar arbeitsam, sagt Ruedi Suter, aber unaufgeregt. Es sei denn, ein kapitaler Wasserschaden im Haus überflutete das ganze zweite Untergeschoss. Auch die Mensa – damals noch eine Baracke, ein längst in die Jahre gekommenes bauliches Provisorium, das von allen wenig liebevoll «Providurium» genannt wurde – gab immer mal wieder Anlass zu Notfalleinsätzen. Entweder war eingbrochen worden oder es gab Probleme mit den zahlreichen «Drögelern», die sich nachts vor der Mensa aufhielten und weggewiesen werden mussten, manchmal auch mithilfe der Polizei. Mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht erzählt Ruedi auch von einem Wildpinkler, den er über Jahre hinweg erfolglos davon zu überzeugen versucht hatte, dass der Kantipark für derlei Geschäfte weder gedacht noch geeignet war.
Ruedi Suters mal mehr, mal weniger aufregendes Arbeitsleben an der Alten Kanti wurde 2015 jäh unterbrochen. Angefangen hatte es mit Gleichgewichtsproblemen, dann kamen Gedächtnislücken dazu, die Ärzte waren ratlos – bis Ruedi eines Abends zusammenbrach. Als er zwei Tage später aus der Narkose erwachte, teilten ihm die Ärzte mit, sie hätten eine Zyste aus dem Hirn entfernt. Ruedi erholte sich zwar nach und nach, doch trotz einer längeren Rehabilitation in einer entsprechenden Einrichtung war eine Reduktion des Arbeitspensums auf 50 Prozent unumgänglich. Fortan war Ruedi Suter zuständig für die interne und externe Post, überwachte die Toiletten in allen Gebäuden und half dort aus, wo gerade Not am Mann war. Mehr war nicht mehr möglich.
Ruedi Suter ist dankbar, dass er überhaupt noch weiterbeschäftigt wurde, damals. Denn selbstverständlich sei das nicht, sagt er. Und überhaupt, er blicke gerne zurück, vor allem auf die gute Zusammenarbeit mit Daniel Meier und Beat Spielmann – und natürlich auf die vielen Highlights, angefangen bei der jährlichen «Frühlingsputzete» zusammen mit zupackenden Schülerinnen und Schülern. Auch die zahlreichen Weihnachtsaperos mit Glühwein und Häppchen auf dem Dach des Paul-Karrer-Hauses oder die Personalausflüge – etwa ins Papillorama oder ins Kloster Muri – wird er nicht vergessen.
Zwar hat Ruedi Suter noch immer einiges um die Ohren, ganz zur Ruhe setzen mag er sich nicht; aber wenn er sich dann doch mal ein Gläschen gönnt, erinnert er sich gern und auch mit Dankbarkeit an die langen Jahre an der Alten Kanti.
Und wir erinnern uns gern an ihn. – Heb der Sorg, Ruedi.