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Aus den Augen, aus dem Sinn

«Was passiert eigentlich mit unserem Abfall, den wir bequem in der Mülltonne entsorgen?» Oder: «Was können wir gegen Foodwaste tun?» Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 2. Klassen der Alten Kanti Aarau am Projekthalbtag «Herausforderung Abfall».

Einige Minuten nach acht. Die Sonnenstrahlen fallen durch die Fenster der Aula im Albert-Einstein-Haus. Das Geplauder der Schülerinnen und Schüler verstummt langsam. Eine junge Frau betritt die Bühne. Sie stellt sich als Botschafterin von ZeroWaste Switzerland vor.
«Der Verein ZeroWaste sensibilisiert die Bevölkerung und hilft den Leuten, ihre Gewohnheiten zu ändern und somit ihren Abfall zu reduzieren», erklärt sie.
Ein kurzer Vortrag hält einige erstaunliche Fakten und Zahlen bereit. Dabei misst sich die Schweiz mit den Top Scorern der Meistverbraucher und Meistwegwerfer. Aber es geht ZeroWaste nicht um Shaming, sondern darum, ein Umdenken anzuregen nach dem Prinzip RESIST – REUSE – REDUCE – RECYCLE – ROT.

Nun begeben sich die Schülerinnen und Schüler in ihre abteilungsübergreifenden Gruppen. Eine Gruppe macht sich auf in Richtung Kehrichtverbrennungsanlage, eine andere geht in die Altstadt und besucht den Unverpackt-Laden in der Milchgasse. Eine weitere Gruppe nimmt den Bus nach Buchs und nimmt an einem Verpackungsworkshop in der Schoggi Frey teil. Natürlich gibt es auch einen Workshop über Foodwaste. Und ich gehe mit meiner Gruppe dorthin, wo dreckiges Wasser wieder klar wird – in die Kläranlage.

Damit es am Ende eine saubere Sache wird…
Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir die Kläranlage AVAU direkt neben der Telli-Überbauung.
Ein Herr Mitte vierzig erwartet uns schon vor dem blauen Eingangstor. Ein etwas strenger Geruch liegt in der Luft. Der Mann führt uns durch die Anlage und erklärt, dass es drei Reinigungsstufen gibt: die mechanische, die biologische und die chemische.
Sehr vereinfacht gesagt, werden zuerst die Feststoffe aus dem Wasser gefiltert, dann wandeln Mikroorganismen, welche in der Kläranlage gezüchtet werden, die giftigen Stoffe in harmloses Nitrat um. Am Ende fliesst dann das grösstenteils gereinigte Wasser in die Aare. Mit dem Bus geht es zurück in die Schule.

Bitterer Nachgeschmack
11:50 Uhr. Ich sitze in der Mensa. Vor mir ein Teller Schnitzel-Pommes. Daneben ein Plastikbecher Eistee mit einem blau-weiss gestreiften Röhrchen. Ich nehme einen Schluck. Ein Echo der Worte der jungen Frau von ZeroWaste klingt nach: «Jeder von uns erzeugt pro Jahr 700kg Abfall, 100kg davon ist Plastik.» Ich halte inne. Dann nehme ich einen zweiten Schluck. Irgendwie hat sich der süssliche Geschmack des Eistees verflüchtigt…

Von Andrin Liechti, G2G