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Masken im Schweizer Brauchtum

Wie wichtig sind unsere Bräuche heute noch? Manche geraten in Vergessenheit, andere werden immer noch von ganzen Regionen gelebt. Ganz besonders Bräuche, in denen Masken eine zentrale Rolle spielen, scheinen trotz (oder wegen!) ihrer jahrhundertelangen Geschichte nach wie vor im Trend zu sein. Worin also liegt die Faszination von Masken im Brauchtum? Und was verbirgt sich dahinter? Weiterlesen

Zorro und die Panzerknacker

Ein Treffen ohne Maske in Zeiten von Corona? Schwierig. Es sei denn, man trifft sich im virtuellen Raum. Immerhin eine der wenigen Möglichkeiten, wieder mal ganze Gesichter zu sehen. Genau das haben eine Geografin und eine Sprachlehrerin der Alten Kanti getan. Dass der im Chatraum Microsoft Teams geführte Wortwechsel dann ausgerechnet um das Thema Masken kreist – wen wunderts! Weiterlesen

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona II

Als Rektor Dr. Andreas Hunziker Ende 2020 für sage&schreibe eine «Chronologie der Ereignisse» rund um die Corona-Pandemie skizzierte, zeichnete sich bereits ab, dass eine Fortsetzung unumgänglich sein würde. So präsentieren wir ein halbes Jahr später also Teil II dieser Chronologie, die zeigt, wie herausfordernd Corona-Management auch an der Alten Kanti ist. Weiterlesen

«Ich empfinde den Niqab für mich persönlich nicht als nötig»

Das Thema Verschleierung war schon immer Brennstoff für angeregte Auseinandersetzungen, und gerade seit der Abstimmung über das Verhüllungsverbot im März 2021 steht insbesondere der Niqab im Mittelpunkt der Diskussion. Maske? Erniedrigende Verhüllung? Oder religiöses Bekenntnis? –- Und was ist eigentlich mit dem Kopftuch?
Fatima Musliju, Schülerin einer dritten Klasse an der Alten Kanti und überzeugte Kopftuchträgerin, gibt Auskunft über ihre Überzeugungen, ihre Haltung zu Niqab und Kopftuch und über ihre Erfahrungen im Alltag.
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Larven sind keine Masken!

Einmal im Jahr ist es so weit – jeweils am Montag nach Aschermittwoch beginnen in den Strassen Basels mit dem Morgenstreich um vier Uhr früh die «drey scheenschte Dääg»: die Basler Fasnacht. Obwohl sie auch 2021 der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist, haben wir uns auf die Suche nach dem Geheimnis der berühmten Larven gemacht. Weiterlesen

Sonne auf dem Teller

Lichtnahrung bezeichnet verallgemeinernd und vereinfachend eine Ernährungsweise, bei der angeblich die Energie aus Sonnenlicht als Hauptnahrungsquelle dient. Dies ist Bestandteil eines esoterischen Konzeptes, das auch als «Breatharianismus» bezeichnet wird. Breatharianisten glauben, dass aus Licht alle lebensnotwendigen Stoffe gewonnen werden können. In Extremfällen verzichten sie deshalb auf die Aufnahme jeglicher herkömmlicher Nahrung, inklusive Flüssignahrung wie Suppen und Säfte. Weiterlesen

Zimmer 11


Vaters Hand umklammert meine. Er hält sie ungewohnt fest, so dass die zarten Fingerchen meiner Kinderhand fast abgedrückt werden. Die freie Hand folgt der weiss gestrichenen, rauen Wand. Wieder biegen wir um eine Kurve, diesmal wenden wir uns nach rechts und folgen den nummerierten Zimmertüren. Alle diese Türen haben denselben grau glänzenden Knauf, dieselbe weiß lackierte Oberfläche. Unsere Schritte eilen uns voraus, ergießen sich vor uns in den fast menschenleeren Gang und hallen von den kalkweißen Wänden. Vereinzelte Gestalten, in weiße Kittel gehüllt, fließen ruhig wie kleine Rinnsale von einem Zimmer ins nächste. Ansonsten ist es bedrückend still. Wir folgen weiterhin dem immer enger werdenden Flur. Ich weiß, wohin dieser Weg uns führen wird. In meinem Kopf schwappen die Gedanken wie eine dicke Flüssigkeit von der einen Wand zur anderen, klatschen gegen das Innere meines Kopfes, so dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann. Die Schlinge um meine Hand zieht sich noch enger zusammen und zerrt mich unerbittlich weiter. Da! Hier ist sie! Kalt, ohne Farbe, ohne Gefühl, versperrt sie uns den Weg ins Zimmer. Aha, Zimmer 11. Ich blicke hoch in das Gesicht meines Vaters. Aschfahl, kaum lebendig, schwebt es dort oben. Die Sorgen haben tiefe Falten in sein Gesicht gefressen. Langsam, ganz langsam, löst er den Griff um meine Hand, dreht den Türknauf nach links und stößt sachte die Tür auf. Seufzend gibt sie den Weg ins Zimmer frei. Ganz behutsam, als würden wir über zartflauschige Wolken waten und ihnen ja keine Delle verpassen wollen, treten wir ein. Hinter uns fällt die Tür kaum hörbar ins Schloss. Kühles Mondlicht ist die einzige Lichtquelle in diesem vor Kummer und Schwärze geradezu überquellenden Krankenzimmer. In seinem Schein erkenne ich Trauernde, zwei tuscheln leise zusammen, den Rücken dem Krankenbett zugewandt. Ich weiß, wo dieses Krankenbett steht, rechts in der Ecke des Raumes steht es. Links an der Wand, welche meine Schulter streift, stehen zwei hölzerne Stühle und ein kleiner runder Tisch. Rechts befindet sich das karg eingerichtete Bad, zu welchem die Tür jedoch geschlossen sein wird. Ich bin mir sicher, dass sie geschlossen ist, weil sie immer geschlossen war, wenn wir zu Besuch kamen. Aber vielleicht ist sie es heute ausnahmsweise doch nicht? Ich widerstehe der Versuchung, nachzusehen. Mein Blick klebt nun an der gelblich schimmernden Zimmertapete über dem Ort, wo das Bett steht. Ich will sie nicht sehen! Nicht so! Mein Herz pocht. Und dann auch noch diese Stille, diese alles verwüstende, mich auffressende Stille! Sie ist unerträglich. Gierig steuere ich auf die geschlossene, sauber geputzte Fensterfront zu. Luft ! Der Gedanke an frischen, noch nicht vom Gram weggeatmeten Sauerstoff tobt in meinem Kopf. Doch plötzlich…verweinte Augen, rötlich glänzend, die Lippen zusammengepresst. Ein Mann taumelt auf mich zu, seine Augen klammern sich hilfesuchend an meinen fest, während sich seine wulstigen Finger in das Fleisch meines Oberarmes graben. Doch ich fühle den Schmerz nicht, nicht diesen. Sobald er mich erreicht hat, presst er mich an sich. Mein kleines Gesicht gräbt sich in einen rundlichen Bierbauch. Der raue Stoff des weißen Hemdes streicht über meine Wange. Und da ist sie! Eine einzelne Träne muss sich aus meinem Auge gekämpft haben, denn sie kullert über meine Wange und zerfließt im Stoff. Als der Mann sich schwerfällig von mir löst und sich auf einen der beiden Stühle fallen lässt, spüre ich die Trauer. Sie hatte sich unbemerkt wie ein Tuch über mich und alle hier in diesem Raum gelegt, uns isoliert von aller Freude. Weitere Tränen strömen in unregelmäßigen Abständen über meine Wangen auf den Hals. Benommen wanke ich in Richtung des Betts, um sie zu sehen, mich ein letztes Mal zu verabschieden. Doch während ich mich zu ihr vorkämpfe, ruht mein Blick auf den Sternen draußen am beruhigenden, dunkelblauen Nachthimmel. Der Mond ist aufgegangen, die goldenen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. Dieses Lied, welches sie, wie auch mein Vater, mir zu singen pflegte, fällt mir ein. Die Melodie hallt durch den Raum, umfließt die Silhouetten aller Anwesenden und taucht sie in goldenes Licht. Doch nur für einen kurzen Augenblick. Dann erreiche ich das Totenbett, wo mich Vater auf seinen steifen Schoss hebt. Sein Dasein fängt mich auf, bewahrt mich davor, in der Verlustangst zu ertrinken. Er gibt mir die Kraft, sie anzusehen. Sie liegt auf der geblümten, fein säuberlich gefalteten Bettwäsche. Die kurzen Haare sauber zurückgekämmt, das Kinn mit Hilfe einer Stütze in Position gehalten, ruht sie auf dem Bett. So schön hergerichtet wie sie ist, wirkt sie wie eine Statue. Ich lasse den Blick über ihre blassblau angelaufenen Lippen gleiten und folge ihren unebenen Wölbungen. Ob sie Durst hat? Oder Hunger? Sie muss sicherlich ganz dringend ins Bad! Ist ihr vielleicht kalt? Liegt sie denn auch ganz bestimmt bequem? Die Augen wandern weiter, über den von Adern durchzogenen Hals bis hin zur Brust; sie hebt und senkt sich nicht mehr. Die Luft muss ihre vom Krebs zerfressene Lunge vollständig verlassen haben. Ihre Hände und Arme umrahmen den schmächtigen Oberkörper. Die kraftlosen Beine, in schwarze Hosen gezwängt, stramm gestreckt, hindrapiert. Noch einmal, ein letztes Mal, beginne ich sie von Kopf bis Fuß mit meinen Augen abzutasten, mir jedes Detail ihrer letzten Erscheinung einzuprägen. Die glatte Stirn, die filigranen, mit Perlen geschmückten Ohren, ihren Lieblingspullover. Ein schwarzer Strickpullover aus Baumwolle mit einem eingenähten, weißen Hemdkragen. So zufrieden wie sie hier liegt, mit geschlossenen Augenlidern, befreit von ihrer Erschöpfung, könnte man meinen, dass es einfacher sei, sie gehen zu lassen. Doch in Wahrheit starrt mich das fürchterliche Gesicht des Todes an. Es ist kaum zu ertragen! Ob ich sie noch ein letztes Mal berühren darf? Ehrfürchtig lege ich meine Hand auf die ihre. Sie ist eiskalt! Diese Kälte, die Kälte des Todes, versetzt mir einen Schrecken, jagt über die Fingerspitzen meinen Arm hinauf direkt in das vor Qual und Kummer zu zerbrechen drohende Herz. Ich zucke zurück, nur, um sie dann noch einmal fester zu halten. Ihr ist bloß kalt, ich muss ihre Hand nur kurz wärmen. Warum sagt sie denn nicht, dass sie friert? Erst als mein Vater meinen kleinen Körper sanft hochhebt, löst sich die nun kalte Kinderhand von der ihren. Bevor sich die Tür hinter uns schließt, erhasche ich einen letzten Blick auf den Sternenhimmel. Der Mond ist aufgegangen die goldenen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. «Papa, wo ist sie jetzt?», flüstere ich in sein Ohr. Er hält inne, dann hebt er mich auf die andere Seite seiner Hüfte und geht wortlos weiter. Draußen zeigt er auf einen Stern, den hellsten aller Sterne. «Siehst du diesen Stern dort oben? Dort ist sie jetzt.»

Von Sophie Kuse

Verschwörungstheorien III: Warum den Illuminaten bald die Welt gehören könnte

Immer wieder werden die sogenannten Illuminaten für die verschiedensten bizarren Ereignisse verantwortlich gemacht. Die Gruppe, zusammengesetzt aus den einflussreichsten Menschen der Welt, soll nämlich im Untergrund an einer neuen Weltordnung arbeiten. Was steckt tatsächlich hinter dem mutmasslichen Sündenbock für ungewöhnliche Geschehnisse? Weiterlesen

Gespiegelt


«Du hast mein Leben zerstört, Marah. Das werde ich dich nie vergessen lassen!»

Marah weicht vom Spiegel zurück. Ihr Spiegelbild funkelt sie aus kalten, grünen Augen an. Das waldgrüne Kleid schmiegt sich an ihre helle Haut. Sorgfältig streicht sie eine nicht-vorhandene Falte aus dem Kleid. Ihr Gesicht ist blass. Die kastanienbraunen Haare sind zu einem strengen Knoten zurückgebunden. Eine einzelne Haarsträhne sträubt sich widerspenstig, doch erfolglos – Marah streicht sie mit einer schnellen Handbewegung zurück an ihren Platz. Sie mag keine Unordnung. Alles muss absolut perfekt sein – und zwar immer!

Sie wendet sich vom Spiegel ab und begibt sich nach unten. Nolan wartet schon auf sie an der Eingangstür. Er trägt einen dunkelgrünen Anzug, abgestimmt auf ihr Kleid. Alles passt, alles ist perfekt.

Nach einigen Minuten Fahrt kommen sie an ihrem Zielort an. Vor dem majestätischen Gebäude steht eine Limousine neben der nächsten, eine schöner und imposanter als die andere. Mit ihrem Ehemann am Arm stolziert Marah durch das mächtige Eingangstor. Heute sollte sie endlich geehrt werden für all die harten Jahre voller Arbeit, die sie in ihren Beruf gesteckt hat. Nolan strahlt voller Stolz, während er neben der Top-Immobilienmaklerin der Stadt – wenn nicht sogar des Landes – steht. Sie kann alles verkaufen, und sie kann es an jeden verkaufen. Niemand schlägt ihr ein Angebot aus.

Das Telefon klingelt. Marah wendet sich ab und entfernt sich einige Schritte von den anderen. Sie hebt ab.

«Eine Insassin des Ignatium – Staatsgefängnisses versucht Sie zu erreichen. Um anzunehmen, drücken Sie bitte die Eins. Wollen Sie ablehnen, drücken Sie die Nummer Zwei.»

Nein, nicht heute. Sie drückt die Zwei und nimmt das Telefon vom Ohr. Als sie sich wieder gefangen hat, schreitet sie bestimmt zurück zum Gespräch, und zu ihrem Mann.

Doch Marah ist alles andere als gefasst. Ihre Hände zittern kaum merklich, aber sie zittern. Ihre Haut fühlt sich heiss an. Gott, schwitzt sie etwa? Das kann doch jetzt nicht sein! Marah entschuldigt sich und eilt einem Tablett Champagner hinterher. Champagner, der wird sie jetzt beruhigen. Doch nach einer halben Stunde Smalltalk mit einigen Anwesenden ist sie alles andere als gelassen.

Endlich ist es soweit. Ihr Chef führt die versammelte Menge in einen riesigen Saal. Die Wände sind mit einem blutroten Vorhang abgedeckt. Rot – was für eine schreckliche Farbe. Sie bringt so viel…Zerstörung. Marah ist noch immer heiss. Ihre zittrigen Hände klammern sich an ihr bereits viertes Champagnerglas. Dann beginnt die Rede. Es ist eine Laudatio von ihrem Chef, doch sie hört sie gar nicht. Ihr ist heiss. So heiss. Wieso nur? Das passt gar nicht zu ihr. Sie hat immer alles unter Kontrolle. Bei ihr läuft immer alles nach Plan.

Klatschen. Ja, die Leute klatschen. Sie steht in der Mitte des gigantischen Raumes. Nolan lächelt ihr zu und hebt sein Glas in die Höhe. Alle andern tun es ihm gleich. Dann fallen die Vorhänge. Und da sind sie. Spiegel. Aus der Ferne hört sie ihren Chef sagen, dass sie heute nur sich selbst sehen soll. Sie stehe heute im Mittelpunkt, sie habe es sich verdient. Doch Marah sieht nicht sich…sie sieht Naira. Naira ist überall. In welchen Spiegel sie auch schaut, eine Erinnerung starrt zurück.

Die Spiegel kommen näher, immer näher.

Stop!

Vergeblich. Marah streckt ihre Arme von sich, will die Spiegel auf Distanz halten, doch sie halten nicht an. Nein, sie verschlingen sie.

Rauch. Marah erkennt den beissenden Geruch sofort. Wie könnte sie vergessen, wie er riecht…nach allem…. Dann hört Marah sie. Die Schreie. Wie in jener unheilvollen Nacht. Dieses Feuer…es ist so heiss. Aber sie ist an der Gala, da ist kein Feuer. Plötzlich sieht sie Naira. Naira sollte nicht hier sein – nein, sie kann nicht hier sein. Und trotzdem versucht sie, ins Haus zu gelangen. Doch das ist unmöglich. Niemandem im Haus könnte sie mehr helfen.

Nein, Naira, es hat keinen Sinn! Es ist zu spät!

Aber wir müssen doch….

Nein!

Die Sirenen der Feuerwehr sind zu hören. Angst steigt in ihr auf. Marah spürt, wie das Gewicht ihres Rucksacks sie nach unten zieht. Er ist so schwer, sie kann – und will – diese Last, die er mit sich bringt, nicht mehr tragen. Sie lässt ihn fallen.

Die Feuerwehr ist dabei, das Feuer zu löschen. Rettungskräfte gehen ins Haus, um nach den Eltern von Marah und ihrer Zwillingsschwester Naira zu suchen. Doch finden können sie nur noch ihre Körper. Ihre Seelen sowie die Erinnerung an sie werden für immer im Haus sein, in den Spiegeln – das ist zumindest das, was ihre Mutter immer zu sagen pflegte: «Unsere Erinnerungen an diejenigen, die nicht mehr bei uns sind, werden wir nie verlieren, Marah. Wenn wir in einen Spiegel sehen, werden wir uns erinnern, denn wir tragen sie in uns. Für immer.»

Nie glaubte Marah tatsächlich an diese Geschichte, aber an diese unheilvolle Nacht wird sie sich für immer erinnern können. Kein Spiegel wird sie das je vergessen lassen. Denn ihr ganz persönlicher Fluch macht das unmöglich. Wo auch immer sie sich sieht, sieht sie auch ihre Zwillingsschwester, und ihr Anblick wird sie nie vergessen lassen, was sie ihr in dieser Nacht angetan hat.

Die Feuerwehr löscht das Feuer. Sie sind sich sicher, dass es Brandstiftung war. Dann finden sie einen Rucksack. Marah’s Gesicht ist von Tränen aufgeweicht. Eine unscharfe Gestalt fragt sie, ob sie wisse, wem der Rucksack gehöre. Und da ist sie wieder – die Angst.

«Naira.»

Sie spürt, wie ein Arm um sie gelegt wird. Es ist Nolan. Marah klammert sich an ihn. Sie schaut in die Spiegel rund um sich herum. Und dann in die Gesichter der Menschen, die sie erwartungsvoll anschauen.

«Wo warst du?»

«In den Spiegeln.»

«War Naira da?»

«Ja, sie ist immer in den Spiegeln Nolan. Immer.»

«Dann lass sie dort. Lass die Erinnerung an sie in den Spiegeln.»

Sie nickt und richtet sich auf. Mit geradem Rücken steht sie in der Mitte des Saales. All diese Menschen sind ihretwegen hier. All diese Menschen wollen, dass sie etwas sagt. Ihre Hände zittern nicht mehr. Da ist eine Ruhe, die sich über sie selbst, aber auch über den ganzen Saal legt.

Ihre Vergangenheit ist genau das – in der Vergangenheit. Genauso wie ihre Schwester. Dagegen kann sie nichts tun. Jetzt nicht mehr. Diese Geschichte, die sie so lange unterdrückt hat, ist jetzt vorbei. Genauso wie diese Erinnerung. Nie wieder wird sie daran denken. Sie ist am Höhepunkt ihres Lebens und nichts und niemand wird ihr das ruinieren. Erst recht keine Erinnerung oder irgendein Spiegelbild. Das wird sie schlicht und einfach nicht zulassen. Ihr Leben, ihre Kontrolle.

Ihr Blick schweift über die Menschen. Ihre Worte nehmen den ganzen Saal ein. Da ist sie wieder.

Mit einer eleganten Bewegung hebt sie ihr Champagnerglas und alle stossen an. Marah lächelt. Es ist ein aufgesetztes Lächeln, doch das bemerkt niemand. Noch nie hat es jemand bemerkt. Für alle ist es ein perfektes Lächeln. Ein perfektes Lächeln für einen perfekten Abend in einem perfekten Leben.

Von Skyla Rossi

Armenien – Der Krieg und die gleichgültige Welt

Armenien ist mein Heimatland. Es ist eines der ältesten Länder der Welt, mit einer Geschichte, die bereits 3000 vor Christus anfängt. Das heutige Armenien bildet mit etwa 29.7km2 einen sehr kleinen Teil des historischen Armeniens. Wie auch andere Länder hat mein Heimatland in seiner Geschichte Kriege, Gewinne und Verluste erlebt. Weiterlesen

Peace


Dicker schwarzer Edding wasserfest auf fast allen Materialien, auch auf dem Fensterglas der Strassenbahn. Der Junge steckte ihn wieder ein, schulterte seinen Rucksack aufs Neue, wartete genauso lange bis die blecherne Stimme verkünden liess: «Nächster Halt Kunsthaus», kramte dann ein Taschentuch aus einer seiner unzähligen Hosentaschen und liess damit die Träne aus seinem Gesicht verschwinden. Er streckte seinen Rücken durch, schob die letzte seiner widerspenstigen Strähnen unter die alte Mütze seines Vater, starrte noch ein letztes Mal auf seinen Schriftzug und trat mit einem angestrengten Lächeln aus der Strassenbahn auf die wartenden Menschen zu. Er würde das Wochenende schon irgendwie überstehen, wenn er ihnen keine Angriffsfläche bot.

Was hatte der Junge mit der hässlichen Mütze bloss an dieser Scheibe gefunden? Die junge Frau verdrehte die schwarz umrahmten Augen, als sie das mickrige, unsicher wirkende «PEACE» in der unteren Ecke des Fensters sah. Nicht gut genug für meinen Account, dachte sie, stieg ein, zog sich die Kopfhörer wieder über die Ohren und schaltete die gleiche Musik wie immer ein. Das laute Schlagzeug übertönte den leisen Ton der Fussglocke, auf die sie versehentlich trat. Sie drückte weiter auf ihrem Handy herum, staunte über eines der Bilder auf Instagram – «SCHEISS SYSTEM» war dort riesig auf eine Wand geschmiert – und hinterliess ein Herzchen, während sie gedankenverloren mit einer ihrer blonden Strähnen spielte.

Eine ältere Frau rannte auf die Bahn zu, hämmerte hektisch auf den grünen Knopf neben der sich schliessenden Türe. Sie durfte sich nicht schliessen…! Erleichtert stolperte sie die drei Stufen hinauf, drängte eine Jugendliche zur Seite und klammerte sich an einer der Metallstangen im Eingangsbereich fest. Ohne etwas wahrzunehmen starrte sie aus dem Fenster. Sie musste nach Hause aufs Land fahren, einkaufen und kochen. Hätte ihr Chef sie doch bloss nicht so lange im Büro aufgehalten, sie musste rechtzeitig fertig werden, um ihre Kinder zu begrüssen. Sie fasste sich an die Stirn, als ihr klar wurde, dass sie ihre Jacke im Büro vergessen hatte. Sie atmete tief durch und sah auf ihre goldene Armbanduhr, deren Zeiger sich viel zu schnell bewegten. Sie fluchte. Sie musste doch den Zug noch erwischen, warum fuhr die Tram denn so langsam! Sie sprang aus dem Waggon, kümmerte sich nicht darum, dass sie einige Leute anrempelte und rannte mit einem letzten hektischen Blick auf ihr Handgelenk auf die Gleise im Hauptbahnhof zu.

Mit einem leisen Ächzen hievte sich der Mann mit der Aktentasche in der Hand in die Tram. Warum konnten diese Irren nicht einmal aufpassen. Diese Woche war er nun schon drei Mal fast über den Haufen gerannt worden. Mit blitzenden Augen sah er sich um. Schon wieder lag am Boden eine dieser stinkenden Getränkedosen und das Fenster direkt neben ihm war auch schon wieder vollgeschmiert. «PEACE», pah, als ob es das jemals geben würde, das hatte es noch nie gegeben! Er konnte diesen Saustall nicht dulden, suchte verzweifelt nach etwas, was er dagegen tun könnte. Er fand nur einen Kugelschreiber, aber er hatte nicht vor aufzugeben! Wütend versuchte er den Schriftzug zu übermalen, von ein paar Kratzern abgesehen, gelang es ihm jedoch nicht. Er schmetterte den zerbrochenen Plastikkugelscheiber auf den Boden, als er bemerkte, dass er ihn etwas zu sehr strapaziert hatte, kickte nach der Getränkedose am Boden und stieg aus. Innerlich wild fluchend über die respektlose moderne Gesellschaft.

Das kleine Mädchen wartete ein wenig, bis es sicher sein konnte, dass der Anzugträger nicht zurückkommen würde und verliess dann seinen Sitz. Die Strassenbahn fuhr unsanft an, während das Kind sich vor dem Fenster, genau dort, wo zuvor der Mann gestanden hatte, auf die Zehenspitzen stellte und sich die fünf schwarzen Buchstaben ansah. P-E-A-C-E, was das wohl hiess? Vorsichtig kramte es aus seiner Schultasche einen violetten Filzstift und malte eine Blume hinter das Wort. Das Mädchen lächelte, als es aus der Tram stieg. Endlich hatte das Wochenende begonnen.

Von Carla Reuter

Mondlicht

Abnehmend, zunehmend, voll, leer. Der Mond hat viele Gesichter und weckt seit dem Beginn der menschlichen Existenz unsere Neugierde. Es existieren etliche Mythen über den hellsten Himmelskörper am Nachthimmel. Der wohl bekannteste ist der des schlechten Schlafs. Nicht selten wird eine unruhige Nacht auf den vollen Mond geschoben. Auch manche Kritiker, die von unwissenschaftlichen Deutungen sonst nicht viel halten, geben zu, dass sie dann schlechter schlafen. Aber was steckt wirklich dahinter? Weiterlesen

Հայաստան – Պատերազը և անտարբեր աշխարհը

Հայաստանն իմ հայրենիքն է։ Այն աշխարհի ամենահին երկրներից է, որի պատմություը սկսվում է դեռևս մեր թվյարկությունից առաջ երրորդ հազարամյակից։ Ներկայիս Հայաստանը կազմում է պատմական Հայաստանի միայն շատ փոքր մասը, մոտ 29,7 km2։ Մյուս պետությունների նման Հայաստանն էլ պատմության ընթացքում ունեցել է տարբեր պատերազմներ, հաղթանակներ, պարտություններ։ Մեր պատմության ամենատխուր էջը թերևես հայոց ցեղասպանությունն է, որը կազմակերպվեց 20-րդ դարի սկզբին թուրքական իշխանության կողմից և որի ժամանակ կոտորվեցին ավելի քան 1,5մլն հայեր։ Weiterlesen

Von Lichtern und Nachttöpfen

Zu «Licht» ist das meiste schon gesagt. Wenigstens vom literarischen Standpunkt aus. Kein Schriftsteller, von der Zeit auf den Sockel gehoben, der nicht irgendetwas übers Licht gesagt hätte. Seitenweise könnte ich sie hier abfeiern, von Novalis über Mörike bis zu Michael Krüger. Allerdings, selbst wenn schon alles gesagt wurde, sind wir doch, wir Allwissenden, wir Herren dieser Welt, Beherrscher aller Feuer, stets aufs Neue gebannt, wenn Helios, Sohn des Hyperion und der Theia, seine Pferde schirrt und gleissend ins Firmament steigt, auch wenn wir couldn’t say exactly where the night became the day*, um nun doch einen dieser Dichter zu zitieren, wenn auch keinen deutschsprachigen. Unabhängig aber, wie weit sich unsere Spezies von ihrem Urgrund entfernt, sie bleibt doch bis zum heutigen Tag gebannt vom archaischen Schauspiel der Sonnenauf- und -untergänge, zwar weniger als Pendlerhorde abends auf den Bahnhöfen denn als Pauschaltouristen beim Sundowner in der Ägäis. Womöglich eine Alterserscheinung, dass mir der Sonnenaufgang mittlerweile näher liegt als der Untergang. Und so stehe ich frühmorgens immer wieder draussen im Dämmerlicht und harre der Sonne, deren tägliches Rührstück ich freilich nur im Winterhalbjahr bezeugen kann; im Sommer geht sie bekanntlich mitten in der Nacht auf. Weiterlesen

Kleines neues Virus versus grosse Alte Kanti

Als am 13. März nachmittags die Meldung die Runde macht, dass die Schulen ab der kommenden Schulwoche schliessen würden, ertönt in den Gängen der Schulgebäude das Jubelgeschrei der Schülerinnen und Schüler: Ferien! Und dann erst noch auf unbestimmte Zeit! Jeder Gedanke an das für diese «Ferien» verantwortliche Virus und die unabsehbaren Folgen im Gesundheitswesen oder in der Gesellschaft, jeder weiterreichende Gedanke scheint in diesem Moment sekundär. Weiterlesen

Das Abo


Ich starre auf die Rechnung und überfliege erneut die Mitteilung. Offene Rechnung … Bitte begleichen Sie diese innerhalb von 30 Tagen. Mit einer Hand schliesse ich den Briefkasten und mit der anderen taste ich nach dem Schlüssel in meiner Tasche.
Ich hebe den Kopf, als Frau Roths Stimme von der anderen Strassenseite zu mir herüberhallt.
«Was schauen Sie denn so erschrocken, Frau Hauser? Haben Sie etwa ein Gespenst gesehen?»
Ich räuspere mich.
«Nein, nein, alles in Ordnung. Nur die Handyrechnung meines Sohnes – Sie wissen ja, wie Jugendliche sind.» Weiterlesen

Wege zum Erfolg ermöglichen

Der aktuelle Newsletter unserer Schule ist mit «Die Alte hat einen Neuen» überschrieben: Ja, wir haben einen neuen Rektor! Ebenfalls auf der Shortlist für den Titel war: «Die Alte hat eine Neue» – nämlich eine neue Schulleitung. Gleich zu dritt haben wir diesen August in unseren Funktionen in der Schulleitung begonnen. Und ich freue mich, innerhalb der Schulleitung die Wirtschaftsmittelschule und die Informatikmittelschule sowie weitere Ressorts wie etwa die der externen Kommunikation mit zahlreichen Anlässen betreuen zu dürfen. Weiterlesen

Flair im János-Tamás-Haus

Auf dem Parkplatz der Alten Kanti, genauer: vor dem Tamáshaus, steht wie immer eine Honda oder ein ähnlich schwerer Töff. Er ist ein Schauobjekt, das auch an einem warmen Sommernachmittag die Aufmerksamkeit von neugierigen Schülern, nein, nicht von Schülerinnen, auf sich zieht. Gerade hat Petra für heute die letzte Unterrichtsstunde beendet, tritt aus dem János-Tamás-Haus und geht in Richtung ihres Fahrzeugs. Dort angekommen, wird sie mit bewundernden Augenpaaren und folgendem Ausruf empfangen: «Wow, gehört dieser Töff dir?» Der Schüler, welcher zuvor bei Petra Unterricht hatte, ist auch bereits da. «Ihr dürft sie doch nicht duzen, sie ist meine Posaunenlehrerin», platzt es aus ihm heraus. Petra hingegen reagiert mit einem Schmunzeln. – Diese Episode aus den neunziger Jahren passt hervorragend zu Petra Bachmanns Charakter. Ihre Spontanität ist wie eine Blume, die sich öffnet, aber überlegt und aufmerksam, denn sie duftet nur, wenn das Umfeld für Petra stimmt.


[Bild: Sarah Böhler]

Wenn die Posaunistin im János-Tamás-Haus war, dann spürte man es im Nordteil oder im Lehrerzimmer durch die Wände hindurch. Es war nicht ihr «profumo», es war ein freundlicher Blick, ein Lachen oder ein aufgewecktes Wort, welches wie ein fröhlicher Luftzug durch die Räume hallte.

Petra Bachmann, aufgewachsen in Bayern, unterrichtete an der Alten Kantonsschule Aarau während nicht weniger als 35 Jahren Posaune und zeitweise auch Klavier. Bei den Schülerinnen und Schülern erfreute sich Petra mit ihrer fröhlichen, frischen und kommunikativen Art grosser Beliebtheit. Das Resultat dieses motivierenden Unterrichts mit Herzblut und pädagogischem Können kam besonders in den öffentlichen Ensembleauftritten zur Geltung. Das Publikum durfte stets in abwechslungsreiche Klangwelten eintauchen.

Auf die Frage, welches Fach Petra neben ihrem Instrument noch unterrichten möchte, sagt sie spontan: «Sport, da Musik und Bewegung zusammenpassen.»

Als Posaunistin hat Petra eine vielseitige Karriere hinter sich. Sie spielte 30 Jahre lang im Aargauer Sinfonie-Orchester und war im Opernhaus in Zürich als Zuzügerin tätig. Sie absolvierte auch ein Studium in Blasmusikdirektion und dirigierte danach mehrere Jahre eine Brass Band. Zudem spielte sie im Blechbläserquartett AROWE BRASS, u.a. mit dem Trompeter André Wey. Der unterwartete Tod dieses geschätzten Kollegen vor einigen Jahren hat Petra sehr erschüttert. Die Musik hat ihr geholfen, diesen Schmerz zu verarbeiten und mit Hingabe ihren Unterricht fortzusetzen.

Ihrer Wahlheimat Schweiz bleibt sie auch nach der Pensionierung treu: «Meine Lieblingsstadt ist nur ein Städtchen und es heisst Sempach. – Sempach hat Geschichte, Charakter und Charme. Die Menschen sind nett, es ist für mich schnell erreichbar und es liegt am herrlichen Sempachersee, wo es vermutlich schweizweit die schönsten Sonnenuntergänge gibt.»

Wir wünschen Petra für Ihre Zukunft von Herzen alles Gute, vor allem spannende Highlights auf allen Ebenen und Horizonten bei ihren Trekkingvorhaben in den Schweizer Alpen.

Als Kollegin werden wir Petras Ausstrahlung vermissen, aber uns bleibt eine schöne Erinnerung an eine wache und spontane Kollegin.

Unserer Fachschaft gibt Petra übrigens Folgendes auf den Weg: «Haltet zusammen, unterstützt euch und hört euch gegenseitig zu. Seid euch immer bewusst, dass ihr mit eurer Arbeit den Schülerinnen und Schülern etwas vom Schönsten weitergeben dürft: die Liebe zur Musik.»

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Von Esther Flückiger, Klavierlehrerin

«Eine Schule wie vor 25 Jahren – das wäre heute undenkbar»

Zur Pensionierung von Rektor Martin Burkard

Martin Burkard verlässt die Alte Kanti. Nicht weniger als 36 Jahre hat er an der ältesten Kantonsschule der Schweiz gewirkt, anfangs als Lehrer für Deutsch und Latein, während der letzten 22 Jahre hat er die Geschicke der Schule geleitet. Mit Martin Burkards Pensionierung geht eine Ära zu Ende. Versuch einer Bilanz im Gespräch. Weiterlesen

Être und avoir oder Das Wesen der Bildung

Être und avoir? Da denken die meisten wohl zuerst einmal an Lektionen, in denen die beiden Hilfsverben geübt und in allen zu kennenden Tempi und Modi durchkonjugiert werden. Es mag wenig erstaunen, wenn eine Französischlehrerin einen Text im «sage&schreibe» mit den beiden Verben beginnt und diesen sogar noch einen prominenten Platz im Titel des Textes zugesteht: Es sei mir erlaubt, siebzehn Jahre Französischunterricht – und natürlich ganz grundsätzlich die Faszination für mein Fach, die mich immer noch begleitet – in den folgenden Gedanken nicht ganz aussen vor zu lassen. Die Konjugation kann dabei aber für einmal getrost vergessen werden. In den grundsätzlichen Gedanken einer Prorektorin zu Schule und Bildung ist eine weit allgemeinere Warte gefragt. Was also haben sein und haben mit Bildung zu tun? Sehr viel. Weiterlesen

Der Lehrer und die Lücke

Zur Pensionierung von Roland Latscha

Geht einer wie Roland Latscha nach siebenunddreissig Jahren als Deutsch- und Philosophielehrer in den Ruhestand, ist man versucht, auf die Lücke hinzuweisen, die so einer hinterlässt. Dass es sich dabei um eine grosse Lücke handelt, versteht sich von selbst, nicht zuletzt in Anbetracht der ungewöhnlich langen Dienstzeit. Weiterlesen

Kapitän und humorvoller Menschenfreund

«Mein erstes gemeinsames Unternehmen mit Martin Burkard war eine Schulreise. Wir ahnten damals nicht, dass dies der Anfang einer intensiven Zusammenarbeit und herzlichen Freundschaft werden sollte. 14 Jahre später wurde Martin Rektor der AKSA, gerade als MAR 95 umgesetzt werden sollte. Ich wurde als Konrektorin sofort in die politischen und pädagogischen Auseinandersetzungen einbezogen. Wir waren stark gefordert, das Schiff MAR durch die hoch gehenden Wogen zu steuern. Ich erlebte Martin als besonnenen Kapitän, der sich nicht vom Kurs abbringen liess, und war stolz darauf, ihn unterstützen zu dürfen. Martin, es war schön, mit dir zusammen zu arbeiten!»

Silvia Bonati
Deutschlehrerin von 1968-2005
Konrektorin von 1995-2007

«Caesar, Commentarii Belli Gallici, Seneca, Ad Lucilium Epistulae Morales, Vergil, Aeneis – diese drei Bücher sind neben meinem Maturitätszeugnis die einzigen Relikte aus meiner Zeit an der «Alten Kanti» in Aarau. Damit verbunden sind tolle Erinnerungen an den jungen, beliebten und mitreissenden Lateinlehrer Martin Burkard, von dem man schon nach der ersten Lektion wusste, dass er eine grosse Leidenschaft für die Werke von Friedrich Dürrenmatt und den Fussballclub Grasshopper Zürich hegte.»

Andreas Bachmann
Rechtsanwalt
Schüler an der Alten Kanti Aarau von 1984-1988

«Ich habe mit Martin Burkard zwischen 2010 und 2016, während wir als Rektoren den beiden Aarauer Kantonsschulen vorstanden, eng zusammengearbeitet. Ich habe Martin in diesen Jahren als hilfsbereiten und sehr erfahrenen Kollegen, der mir immer wieder zur Seite stand, kennen und schätzen gelernt. Martin war nie belehrend, vielmehr zeigte er mögliche Wege und Herangehensweisen auf, was bei mir zu zahlreichen interessanten und erhellenden Einblicken führte. Ich verdanke Martin Burkard viel.»

Daniel Franz
Rektor Kantonsschule Baden

«Mit Martin Burkard geht ein Rektor in Pension, der sich über Jahrzehnte hinweg mit enormer Hingabe und viel Leidenschaft nicht nur für die Alte Kantonsschule, sondern für den gesamten Mittelschulbereich im Aargau eingesetzt hat. Ich danke Martin Burkard für seine Arbeit, seine Loyalität und seine grossen Verdienste für die Bildung in unserem Kanton und wünsche ihm alles Gute für seinen neuen Lebensabschnitt.»

Regierungsrat Alex Hürzeler
Vorsteher Departement Bildung, Kultur und Sport

«Martin habe ich als blitzgescheit, einsatzfreudig und hilfsbereit kennen gelernt. Als ich ihn anfragte, als Bearbeiter der Umsetzung der MAR Vorgaben ins BKS zu kommen, war er sofort bereit dazu. Viele weitere Eigenschaften Martins traten zutage, er war zuverlässig, führungsstark, zuvorkommend, ziel- und lösungsorientiert, seine Sozialkompetenz und sein Verhandlungsgeschick halfen ihm, kreativ umsetzbare Lösungen zu finden. Zudem war und bleibt er ein humorvoller Menschenfreund. Die Wahl zum Rektor der AKSA war folgerichtig. Beste Wünsche für das neue Leben!»

Bruno Biberstein
ehem. Generalsekretär BKS

Die süsse Verführung der Ablenkung

Aqua. 14:50 Uhr. Weder Motivation noch Aufmerksamkeit sind unter den vielen Schülern, die zur nächsten Lektion schlurfen, zu erkennen. Erschöpft von den vielen Unterrichtsstunden, wünschen sie sich nichts lieber, als nach Hause zu gehen. Aus der Ferne vernehmen einige von ihnen jedoch ein leises: «Pop, plop, pop,…». Gedanklich immer noch nicht ganz anwesend, suchen sie nach dem Ursprung des Geräusches. Doch plötzlich fängt die Nase einen Duft ein. Popcorn! Endlich aus der Trance herausgeholt, wird eruiert, woher dieser Geruch kommt und wer ihn erzeugt. Ist es jemand, den man kennt? Wenn ja, wie stellt man es an, dass man etwas vom Popcorn abbekommt? Aber nein, man kennt die Person natürlich nicht und muss so oder so in die nächste Stunde. Doch der Geruch des Popcorns lässt einen nicht los. Das ganze Gebäude ist davon erfüllt. Auch wenn man schon im Klassenzimmer sitzt, riecht man ihn noch und hört das Poppen der Körner. In den letzten Minuten vor Unterrichtsbeginn kann man an nichts anderes mehr denken. Dann ertönt die Schulglocke. Die Lehrperson beginnt zu sprechen, doch man kann all dem nicht folgen, denn vor lauter Popcorn hat man völlig vergessen, dass man eigentlich noch auf die Toilette hätte gehen müssen. Nach kurzem Hin- und Herrutschen auf dem Stuhl fragt man dann doch lieber, ob man die Toilette aufsuchen dürfe. Unter dem missmutigen Blick der Lehrperson sowie dem Starren aller Mitschüler verlässt man das Zimmer. Auf der Toilette hört man ein Gespräch mit. Über wen oder was sprechen die zwei? Zurück in der Stunde, denkt man an das mitgehörte Gespräch. Haben sie nicht über etwas geredet, wovon man auch schon gehört hat? Da man sowieso müde ist und das Geschwafel der Lehrperson nicht sonderlich interessant zu sein scheint, denkt man lieber über das Gespräch auf der Toilette nach, oder darüber, ob man sich zu Hause nicht auch Popcorn machen könnte. Die Stunde scheint endlos, während man nervös mit dem Stift in der Hand herumspielt, kleine Zeichnungen auf den Rand eines Blattes kritzelt, dem Ticken der Uhr zuhört und den Zeiger beobachtet, wie er langsam über das Zifferblatt kriecht. Die qualvoll lange Stunde geht endlich vorüber, aber mitbekommen hat man nichts. Nun ja. Es ist manchmal halt viel leichter, sich ablenken zu lassen von den eigenen Gedanken, als sich anzustrengen und zuzuhören.

Von Skyla Rossi, G2l

Indigene Visionen und Weltbilder als Alternativen zum europäisch-westlichen Denken

Weltwahrnehmung. Welch eine Vieldeutigkeit schwingt in diesem einen Wort. Wie kaum ein zweites in der deutschen Sprache vermag es sämtliche Ausrichtungen des menschlichen Ingeniums zu umreissen. Jede Meinung, jede Ahnung und Erinnerung, gar jede emotionale Regung ist Weltwahrnehmung, vorausgesetzt man bezieht die Begrifflichkeit Welt auf alles Äussere, das den Menschen umgibt und auf ihn wirkt – so auch die Begegnung mit sich selbst –, und bezeichnet Wahrnehmung als Informationsfluss aller Sinne. Weiterlesen

Ein kleines Abenteuer

Vielleicht war es eine schlechte Idee, Opa aus dem Altersheim zu schmuggeln. Für einen Rückzieher war es nun aber sowieso zu spät. Opa hielt meine Hand und genoss die spätsommerliche Luft. Als die Sonnenstrahlen auf sein faltiges Gesicht fielen, schloss er die silbernen Augen. In der sanften Brise wippte sein fedriges Haar hin und her. Wir schlenderten über den Parkplatz und ich lächelte die anderen Besucher verkrampft an, um nicht aufzufallen. Ich strich mir die blonden Locken aus der Stirn. Bis jetzt lief alles gut. Der blassblaue Trabant stand schief in der Parklücke. Weiterlesen

Auf der Schwelle zur Wirklichkeit

Ein Grollen. Für einige Sekunden ist alles hell. Dann wieder absolute Dunkelheit. Das nächste Grollen. Doch schon bald ist das erstarrende Geräusch verschwunden. Dann lässt sich nur dem Stürmen des Regens lauschen. Auf einmal wird erneut alles hell, der Waldrand blitzt durch das verregnete Fenster. Und abermals das Grollen und das Toben des Regens. Ein Pfeifen. Durch die Latten des kleinen Hauses bläst der Wind. Die Bretter biegen sich. Die Balken ächzen. Hammer und Nägel liegen griffbereit. In drei Decken eingewickelt, mit Mütze und selbst gestrickten Wollsocken an den zitternden Füssen und dem Knistern des Kamins im Hintergrund liegt er in seinem aus Holz gezimmerten Bett. Auf dem Nachttisch eine Tasse qualmender Tee. Die Hütte gleicht eher einer Baracke. Es reicht gerade so für sein Bett. Der kleine Kleiderschrank lässt seine schief hängende Tür bei jeder unvorsichtigen Bewegung fallen. Daneben ein kleiner, gasbetriebener Herd und ein Kamin aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Ein Jäger hatte sich einst die Hütte gebaut. Und irgendwann verlassen. Am Waldrand, abseits der Zivilisation, nicht weit von einem kleinen Teich.
Das Knistern des Feuers ist beinahe verschwunden. Zeit, Holz nachzulegen. Der Kopf als Erstes, gefolgt von Schulter und Bauch, und ganz zum Schluss die Beine werden von der Decke befreit. Ein schneller und gekonnter Armschwung zur Öllampe. Es folgt der Hüftschwung und schon ist er bei den gestapelten Holzscheiten. Ein Paar in die Glut zu werfen genügt und das Feuer ist wieder entfacht. Mit schnellen Schritten und einem finalen Sprung wirft er sich zurück ins Bett.
Drei Schläge. Ruhe. Nochmals. Drei heftige Schläge gegen die Tür. Das verrostete Vorhängeschloss hält die Tür fest. Mit einem Knall landet der Laden des Kleiderschranks auf dem Boden. Der Kopf verschwindet unter der Decke. Dann wieder ein Blitz. Ohne Donner. Ruhe. Ein dunkler Schatten bleibt beim Fenster stehen. Eine Nase, eine Stirn quetschen sich ans Fenster und starren hinein. Sehen sie ihn im Bett liegen? Ganz vorsichtig schaut sein Auge durch eine kleine Luke in der Daunenfestung hindurch. Ein Gesicht. Es kommt ihm sehr bekannt vor. Und dann erkennt er ihn. Sein Vater. Er schaufelt sich frei. Mit einem grossen Satz ist er an der Tür. Dreht den Schlüssel um. Ein leises Quietschen und die Tür steht offen. Er geht hinaus. Grelles Licht. Nichts zu erkennen. Erst nach ein paar Sekunden bekommt er seinen Vater und den Jäger in kurzen Hosen und T-Shirt zu sehen. Hinter ihm brennt immer noch das Feuer im Kamin. Kurzes Gespräch. Beide auf dem Weg zum Teich, zum Angeln. Sie wollten nur kurz Hallo sagen. Verabschiedung. Angeln war noch nie sein Ding. Mit kleinen Schritten und gesenkten Hauptes kehrt er in seine Hütte zurück. Ein kurzes Zögern auf der Türschwelle. Er schaut auf seine Füsse. Nasse Socken. Verwirrt blickt er zurück. Alles trocken. Am Waldrand erkennt er den Wagen des Jägers. Die rote Farbe lässt sich nur noch erahnen. Überdeckt mit grauem Staub. Sein Blick wandert langsam wieder zu den Füssen. Durchnässt. Der Pullover ebenso. Er steckt den Schlüssel zurück ins Schloss und schliesst die Tür ab. Das Feuer im Kamin knistert. Ihm ist kalt.

Von Noah Schönfeld, G2G

Traum oder nicht Traum – das ist Zirkus

Der Vorhang geht auf, die Artisten des «Jour de fête» erwecken die Manege zum Leben und versetzen das Publikum in Staunen. Das Thema der 35. Monti-Inszenierung ist das bunte Treiben eines Jahrmarktes. Der Circus Monti ist bekannt für seine träumerischen und atemberaubenden Vorstellungen mit Artisten aus aller Welt. Sobald die Show beginnt, befinden sich die Zuschauer in einer Traumwelt. Und was ist das für ein Leben, wenn die Lichter gelöscht sind? Wir haben hinter die Kulissen geschaut. Weiterlesen

Gewitter im Kopf

Einem Palast vergangener Tage ähnelnd, so ragte die imposante Basis vor ihm auf.
Sie war Teil eines staatlichen Verbundes, dem Zentrum für Netzwerk-Verarbeitungsstellen.
Die Basis B-213 war natürlich in ihre Umgebung, eine Höhle von enormen Ausmassen, eingebettet, sodass sie wie aus dem Boden gewachsen erschien. Die ganze Grösse der Grotte war nur zu erahnen, denn ihr Rand verlor sich in tiefem Schwarz. Nur gelegentlich konnte man Licht aus angrenzenden Höhlen erblicken. Die Basis befand sich genau in der Mitte des Hohlraums; sie war von überall her sichtbar, so als wollte sie gesehen und bestaunt werden. Weiterlesen

Heute ist ein guter Tag

«Hellblau oder gestreift?» Obwohl ich ihr die Frage nun schon zum dritten Mal stelle, scheint sie deren Inhalt nicht zu begreifen. Oder sie wägt noch ab. Ungeduldig rutsche ich auf dem altmodischen Holzstuhl hin und her, versuche ihrem kritischen Blick standzuhalten. Heute ist eigentlich ein guter Tag – und doch sieht es aus, als ob sie diese wenigen Worte überfordern würden.
Ich erwäge, ihr die Entscheidung abzunehmen und einfach selbst zu wählen – die Verlockung ist gross. Dennoch halte ich ihr stand und warte ab. Ich warte ab, wie mir geraten wurde.
«Sei geduldig, verlange nicht zu viel, mach oft Pausen …» Weiterlesen

Traum

«Mami? Was schreibst du denn übers Träumen?» – «Ja, was denkst denn du, was Träumen ist?» Als Antwort auf meine Frage präsentiert mir meine 6-jährige Tochter kurze Zeit später die zwei folgenden Skizzen mit der Erklärung: «Träumen ist wie Denken – aber beim Träumen schläft man und beim Denken ist man wach.» Weiterlesen

Gedankenbruch

«Lasst mich! Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid?» Eine keifende Stimme über-tönte trotz des Lärms, der mittags immer in der Mensa herrschte, alle Gespräche, und als die Besitzerin der Stimme aufstand, waren alle Augen auf sie gerichtet. Ich fand es faszinierend, wie schnell etwa zweihundert Schüler ihre Gespräche einstel-len und eine Aufmerksamkeit zu Tage fördern konnten, wie es wohl nur selten in einer Unterrichtsstunde geschah. «Ihr versteht es nicht, ihr versteht es nicht, und so etwas schimpft sich meine Freunde! Ich werde das verdammte Zeug nicht mehr nehmen, ich kann nicht mehr atmen, es erstickt mich, seid still, seid still!» Die Worte wiederholend stand sie da, die Hände auf ihre Ohren gepresst, bis nicht nur ihre ‹Freunde›, sondern wirklich jedes Lebewesen im Raum schwieg und sie an-starrte. Ihre Miene war verschreckt, angespannt, ihre Augen zuckten hin und her, als ob sie nach einem Fluchtweg aus diesem Hexenkessel von Menschen suchte. Immer mehr schienen ihre Instinkte sie zu beherrschen; dann, auf einmal, verän-derte sich ihr Ausdruck und etwas anderes, mindestens genauso Unkontrolliertes, nahm den Platz der Panik ein. Weiterlesen

«Man hat nur dort Ängste, wo man auch Wünsche hat.»

Peter Fischer ist Fachpsychologe für Psychotherapie in einer Gemeinschaftspraxis in Zürich, oberhalb des Freud-Institutes. Er empfängt das sage&schreibe-Team, um über Träume und die Traumdeutung zu sprechen, aber auch Einblicke zu geben in die professionelle Auseinandersetzung mit den Botschaften des Unbewussten. Weiterlesen

Die Traumfängerin

Die Luft war kalt und strich um ihre blossen Beine. Neben den müde funkelnden Sternen hing der Mond am Himmel. Unter ihren Füssen knirschten die Blätter, die sich verfärbt hatten und von den Ästen der Bäume gesegelt waren. Die Fenster der Häuser waren dunkel, die gesamte Lilienstrasse schlief; einzig das Licht der Laternen erhellte die Strasse.
In ihrem weissen Kleid tapste die Traumfängerin die Häuser entlang, bis sie vor einem roten Backsteinhaus stehen blieb. Der Briefkasten im Vorgarten stand schief da. Efeu kletterte an der Fassade hoch. Zwei edle Blumentöpfe standen vor den Stufen, die zur Haustür hinaufführten. Weiterlesen

Ihre Freundschaft

Sind Sie zufrieden mit sage&schreibe? Sogar begeistert? – Dann müssen Sie hier weiterlesen!
Zweimal jährlich präsentiert Ihnen die Alte Kanti in sage&schreibe vielfältige thematische Beiträge, verfasst von Schülerinnen und Schülern und von Lehrpersonen aller Fachschaften. Jedes Heft ist ein publizistisches Gemeinschaftswerk, das aus unterschiedlichen Perspektiven vertiefte, immer wieder überraschende Einblicke in den Alltag an der Schule bietet und über den Ententeich hinausblickt.
Wenn Sie dieses Engagement schätzen und gleichzeitig verhindern möchten, dass sage&schreibe dem vom Kanton Aargau verordneten Konzept der papierlosen Schule zum Opfer fällt, freut uns das sehr.
Der Ausdruck Ihrer Freundschaft in Form eines einmaligen oder wiederkehrenden Unterstützungsbeitrags sichert die Finanzierung des Heftes für die Zukunft. – Wie wir uns bei Ihnen revanchieren, verrät der Freundschafts-Flyer.

Die neue Alte Kanti

«Kleider machen Leute» –Schon Gottfried Keller führte uns vor Augen, wie wichtig das Auftreten ist und was passieren kann, wenn die Wirkung nach aussen nicht mit dem Inhalt übereinstimmt.
Auch die Unternehmenswelt hat die Bedeutung eines einprägsamen, positiven Bildes längst erkannt und dabei die Form mithin gar über den Inhalt gestellt. Das kann allerdings nur kurzfristig funktionieren, denn bekanntlich haben ja Lügen kurze Beine; wir ärgern uns schnell, wenn wir nicht das erhalten, was wir versprochen bekommen.
Negative Beispiele mindern jedoch die Bedeutung eines guten Auftritts nicht. Sie fordern uns vielmehr auf, dass wir nach aussen das darstellen, was auch drin ist. Konsistent, offen, ehrlich. Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern gerade auch für Schulen.

Ein Blick zurück
Mit Mandarinen und grünen Äpfeln haben wir 2005 den Auftritt des damals neuen Logos und der neuen Website der Alten Kantonsschule Aarau lanciert. Farblich frisch, neu, für viele überraschend, für einige auch befremdend. Der Auftritt – das Corporate Design (CD), wie man es heute nennt –, wurde von Andrea Gsell, einer ehemaligen Schülerin der Alten Kantonsschule, erfolgreich gestaltet und umgesetzt.
Simone Leuenberger, eigentlich Deutschlehrerin an unserer Schule, baute auf dieser Basis die Website auf. 2006 durften wir für die besonders klar strukturierte und optisch frisch gestaltete Website einen Preis der Weiterbildungszentrale (WBZ) entgegennehmen.
Mit den Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass unser elektronischer Auftritt rein technisch bald überholt sein würde und die gestalterischen Trends und technologischen Fortschritte neue Möglichkeiten eröffneten. Im Sommer 2018 beschloss die Schulleitung, eine neue Website und gleichzeitig auch einen neuen Auftritt auf den Weg zu bringen.

Neuer Auftritt und neue Website
Die beiden Projekte wurden zeitgleich gestartet. In der Arbeitsgruppe «Neue Website» mit Cyrill Engeli, Simone Leuenberger, Stefan Märki und Michael Eger beschafften wir uns Informationen zu den Bedürfnissen, um die Ausschreibung für eine neue Website vornehmen zu können. Gleichzeitig holten wir mit Unterstützung des Departements BKS von mehreren Agenturen Offerten für die Gestaltung des neuen Auftritts ein.
für die externe Website samt Aufbau einer neuen internen Website entschieden wir uns für die Firma zeitgeist; für die Gestaltung des neuen Corporate Designsfür die reaktor ag. Bei beiden Agenturen handelt es sich um Aarauer Unternehmen, was die Zusammenarbeit deutlich vereinfachte.
Am Anfang des neuen Auftritts stand ein Workshop mit der Schulleitung, um die Werte der Alten Kantonsschule aufzunehmen und damit sicherzustellen, dass am Ende auch das nach aussen dargestellt wird, was wir sind.
Es zeigte sich gleich: Wir sind die Alte Kanti. Unser Name soll Programm sein, der Name mit der eigens für und mit uns entwickelten Schrift, der Farbe und weiteren grafischen Elementen soll unser Logo sein. Konsistent, offen, ehrlich.
Es folgten die Anwendungen für die verschiedenen Informationsmittel wie Flyer, Drucksachen, Briefe oder auch die Website. Letztere wurde in der Zwischenzeit von der Arbeitsgruppe in Absprache mit der Schulleitung mit Herrn Wegmann von zeitgeist konzeptionell aufbereitet und mit den umfangreichen Bedürfnissen hinsichtlich interne Informationsvermittlung mit schulNetz, Webmail etc. abgestimmt.
Das Resultat der beiden längeren Prozesse liegt nun vor. Und wir meinen: Es kann sich sehen lassen. Nun liegt es an uns, das neue Kleid auch richtig zu tragen.


[Bild: zVg]

Herzlichen Dank!
Für die befruchtende Zusammenarbeit in Form von Gesprächen, Erwägungen, Rückkommensanträgen und Entscheiden danke ich Reto Hell und Marcel Deubelbeiss von reaktor ag sowie Beat Wegmann von zeitgeist ganz herzlich. In diesen Dank schliesse ich Anouk Gyssler ein, welche die Texte neu formuliert hat. Intern danke ich Cyrill Engeli für die grosse Unterstützung, Sonja Pirotta und Michael Bouvard für die wertvollen gestalterischen Inputs und allen weiteren Personen, die sich für das Gelingen der beiden Projekte eingesetzt haben und weiterhin einsetzen werden.

Von Ulrich Salm, Prorektor

musicfactory time

Während Monaten waren die Schülerinnen und Schüler der Schwerpunktfach- und Ergänzungsfachklasse der Neuen sowie der Alten Kantonsschule Aarau damit beschäftigt, ihre eigenen Werke zu komponieren. Am 4. April 2019 kamen diese Werke im Rahmen der musicfactory zur Aufführung. Die ehemalige Emus-Schülerin Michelle Claus führte locker durch den musikalischen Abend. Weiterlesen

Verschwörungstheorien I: Warum die Erde flach ist

Die NASA lügt, und die Mondlandung ist ein Fake – das behaupten die Anhänger der sogenannten Flat Earth Theory, der Theorie der flachen Erde, einer Verschwörungstheorie, die angeblich beweist, dass die Erde in Wahrheit nicht rund, sondern flach ist. Auf den ersten Blick mag dies ziemlich absurd wirken. Es lohnt sich aber durchaus, einige Aspekte genauer zu betrachten. Weiterlesen

Sieben Stücke, die den Abend versüssen

Die Sonne ist kurz davor, den Horizont zu streifen, sodass die reformierte Kirche in Buchs goldenen bestrahlt wird. Die Temperatur sinkt und die letzten Musikerinnen und Musiker betreten den hinteren Teil des Gebäudes, während die Besucher beim Haupteingang warten. Sinfoniekonzert der Alten Kanti. Eine genaue Ahnung von dem, was an diesem 24. März 2019 auf sie zukommt, haben die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht. Das stört sie auch nicht, denn alle sind hier, um sich zu überraschen lassen. > Weiterlesen

Aargauer Mensa-Check I

Für den grossen Aargauer Mensa-Check haben wir alle sechs Mittelschulen im Kanton besucht, mit den Verantwortlichen gesprochen und das Essen vor Ort getestet. Über tausend Gäste gehen in den jeweiligen Mensas täglich ein und aus. Drei bis vier Menüs werden angeboten, darunter mindestens ein vegetarisches. Doch worin unterscheiden sich die Mensas überhaupt?  Für den ersten Teil des Mensa-Checks haben wir die Mensas in Baden, Wohlen und an der Neuen Kantonsschule Aarau auf Herz und Nieren geprüft. Weiterlesen

Die fahrende Sardinenbüchse

«Weg von der Tür!», ruft der Busfahrer missmutig durch die Sprechanlage. «Ich kann nicht losfahren, solange ihr da nicht weggeht!» Unter den Fahrgästen macht sich genervtes Murmeln breit, während drei Schüler verzweifelt versuchen, einen grösseren Abstand zwischen sich und die Tür zu bringen. Nach einigen Sekunden, in denen gedrückt, geschoben und gezwängt wird, ertönt endlich der Motor. Alle Passagiere atmen erleichtert auf. Doch dann senkt sich der Bus auf der Einstiegsseite erneut ab. Ein keuchender Schüler, der offensichtlich direkt vom Sportunterricht kommt, drückt hektisch auf den Knopf, in der Hoffnung, dass sich die Tür erneut öffnet. Und siehe da, der Busfahrer ist gnädig und erweitert die Schar der leidenden Fahrgäste um eine Person. Weiterlesen

Warum Lesen unglücklich macht

Glück ist als Dauerzustand im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen. Diese melancholische Einsicht verdanken wir Sigmund Freud, dem 81-jährigen Hellmuth Karasek und der Firma Ikea. Freud schrieb sie 1930 in Das Unbehagen in der Kultur nieder; der berühmte Literaturkritiker Karasek zitierte sie 2015 in einem Werbespot für Ikea: In einem behaglichen Sessel rezensiert Karasek «das meistverbreitete Buch der Welt», nämlich den Ikea-Katalog. Er liest: «Glück ist, wenn du ein superbequemes Sofabett, ein paar Beistelltische und eine gute Wifi-Verbindung hast». Daraufhin lässt er den Katalog sinken, schaut halb besserwisserisch, halb milde in die Kamera und kontert mit Freud. Weiterlesen

China – 1 Land, 4 Regionen, 4 Küchen

China ist ein Land mit langer Geschichte und Tradition, wenn es ums Essen und um Essgewohnheiten geht. Es gibt viele verschiedene Regeln und Bräuche, wie anständig gegessen wird. Grundsätzlich wird das Essen nicht jedem Einzelnen auf einem eigenen Teller serviert, sondern alles wird auf den Tisch gelegt, sodass jeder das essen kann, was er will. Weiterlesen

Finalis

Grässlich. Einfach grässlich. Endlich habe ich ein passendes Wort für die Kakofonie namens «Babywillstmeinneuesstückhören». Existiert eigentlich Ohrenkrebs? Ich fürchte, schon. Bestimmt gibt es Klänge, welche die Ohrenzellen mutieren lassen. Und am Ende werde ich eine Radio-Therapie in einem spezialisierten Krankenhaus irgendwo in Israel über mich ergehen lassen müssen. – Es regnet wieder. Zum wievielten Mal heute? – Vielleicht bin ich einfach zu altmodisch und checke das moderne Zeug nicht. Ich meine, wenn du mir von deinen musikalischen Reisen erzählst, die nur in deinem Kopf stattfinden, dann wird mir einfach nur übel. Moment – diese Passage kenne ich – die kommt auch in einem anderen Stück vor, nicht? Na ja. Mama hat immer gesagt, das Leben mit einem Musiker sei anstrengend. Sie hatte Recht. Mama hat immer Recht. Ich sollte sie vielleicht mal anrufen und fragen, wie es ihrem Pudel geht. Bono. Schon sein Vorgänger hiess so. Sie wählt immer denselben Namen. Keine Veränderungen – kein Stress. Gutes Motto, Mama. Weiterlesen

Glück und die Sprache der Kunst

Der Künstler Raja Dibeh ist 48 Jahre alt und hat erlebt, was niemand erleben will. Blut, Leid und Krieg hat er in seiner Heimat Syrien tagtäglich gesehen und hautnah erfahren. Vor allem für islamistische Rebellengruppen wie den IS war Raja Dibeh als christlicher Künstler eine Zielscheibe. Deshalb musste er flüchten und lebt nun seit vier Jahren in der Schweiz. Zusammen mit anderen Geflüchteten wohnt er in einer Asylunterkunft in Schupfart. Wir haben ihn nach der Bedeutung von Glück gefragt. Weiterlesen

Glück

Irgendwie haben wir es ja vermutet: Glückserfahrungen haben nicht nur mit Psychologie, sondern auch eine ganze Menge mit Biologie zu tun. Die Zusammenhänge zwischen körperlichen Prozessen und seelischer Empfindung sind ebenso spannend wie komplex – und es zeigt sich: Auch aus biologischer Sicht ist das Glück ein flüchtiges und alles andere als ungefährliches «Geschenk». > Weiterlesen

Weniger lauffe – meh Liftschlüssel

Das tägliche Rennen gegen die Zeit beziehungsweise die eigenen Mitschüler um den letzten freien Tisch im Erdgeschoss des Aquariums. Der leidige Kampf um einen Platz im Lift. Immer kein Kleingeld in der Mensa. – Das muss nicht sein! Der sage&schreibe-Fotowettbewerb «Weniger laufe, mehr Liftschlüssel» macht das Leben an der Alten Kanti lebenswerter. – Vielleicht auch deines!
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Wunder? Wunder!

„Glauben Sie an Wunder?» Kaum jemand im Umfeld einer Kantonsschule wird diese Frage mit einem uneingeschränkten «Ja» beantworten. Wunder wirken wie ein Relikt aus alten Tagen. Sie erinnern an Aberglaube und Magie. Im Denken unserer Zeit scheinen sie keinen Platz mehr zu haben. Der Gang Jesu auf dem Wasser? – Spontane Heilungen an Wallfahrtsorten? – Eine Madonna, die Blutstropfen weint? – Wundersame Erscheinungen am Himmel? Nein, danke! Weiterlesen

Von Eintretenswahrscheinlichkeiten für das Unglaubliche

Bei einem Kaffee und einem Chai im Barista Shop haben sich der Biologie Stefan Girod (SG) und der Pianist Daniel Woodtli (DW) über einen der ganz grossen Begriffe unterhalten. Im Dialog unternehmen die beiden Lehrer der Alten Kanti Aarau einen ebenso unterhaltenden wie anregenden Gedankenspaziergang – immer im Spannungsfeld zwischen der Macht der Fakten und der Macht des Göttlichen. Weiterlesen

Die Wunderstätte

Schmid Beck im beschaulichen Zunzgen ist eine Feinbäckerei, Konditorei und Chocolaterie der besonderen Sorte, denn sie trägt die herausragende Qualität bereits in ihrem Namen: «echt weltmeisterlich». Um die Genusswelt zu erkunden und der Leidenschaft der Erschaffer auf die Spur zu kommen, sind wir tief in die preisgekrönte Wunderstätte eingetaucht. Weiterlesen

Der Wunderbaum – Fluch und Segen

Tatsächlich: Es gibt einen Baum, aus dem eines der tödlichsten natürlichen Gifte und gleichzeitig ein tagtäglich gebrauchtes Öl gewonnen wird. Vielleicht klingelts bei der einen oder anderen Krimi-Leseratte oder bei faltengeplagten Beautyfans bei den Begriffen Rizin und Rizinusöl. – Was hat es wirklich auf sich mit dem Wunderbaum? Wir haben über die «Giftpflanze des Jahres 2018» recherchiert. Weiterlesen

Leichte Kost

Einhundert Gramm durchschnittliches Brot enthalten etwa zweihundertsiebenundsechzig Kalorien. Eine Schreibe davon wiegt ungefähr fünfzig Gramm, hier jedoch können wir von mindestens siebzig ausgehen. Also sind wir mit einer Scheibe schon mal bei einhundertneunundachtzig Kalorien. Je nach dem, von welchem Teil des Brotes das Stück stammt, lassen sich durch die Kruste weitere Kalorien addieren oder subtrahieren. Weiterlesen

Ελλάδα

Η Ελλάδα είναι χώρα της νοτιοανατολικής Ευρώπης. Συνορεύει βορειοδυτικά με την Αλβανία, αποτελείται από την ήπειρο και την Πελοπόννησο και έχει πάνω από 3000 νησιά. Η χώρα βρέχεται από το Λιβυκό Πέλαγος στον Νότο και το Ιονικό Πέλαγος στη Δύση. Η Ελλάδα έχει Έκταση 131’957 τετραγωνικά χιλιόμετρα και είναι τρείς φορές μεγαλύτερη απο τήν Ελβετία. Η χώρα έχει περίπου 11,2 χιλιάδες πληθυσμό. Λόγο των πολλών νησιών η Ελλάδα έχει μια ακτογραμμή από 13’000 χιλιόμετρα. Αν και υπάρχουν πολλά νησιά και μεγάλη επιφάνεια θάλασσας, η Ελλάδα έχει επίσης 80 της εκατό βουνά. Weiterlesen

Zwischenstunde

Ding – ein paar letzte Plopps ertönen aus der Mikrowelle, dann ist es ruhig. Ich nehme die Tüte vorsichtig in die Hand und trage sie zu unserem Tisch. Ein buttriger Duft steigt daraus auf, der Duft einer Zwischenstunde. Alle haben ihre Schulsachen ausgepackt, Stifte liegen achtlos verstreut auf dem Tisch. Wirklich am Arbeiten ist jedoch niemand. Dazu fehlt die Motivation. Weiterlesen

#3 Poesie

In unregelmässigen Abständen hält der passionierte Filmer und Fotograf Tobias Gamp (G4L) seinen Blick auf die Welt in einem ganz persönlichen Video fest. Mal frech, mal schräg, mal nachdenklich, mal knallig – immer aber zusammen mit Alexander Levnajic (G3B). Nur zusammen sind sie «Ganz Gamp.»

Griechenland

Das im Südosten von Europa liegende Griechenland grenzt an das südliche Ende des Balkans und besteht aus der bekannten Halbinsel Peloponnes sowie mehr als 3000 Inseln. Eingegrenzt wird das griechische Festland vom im Süden liegenden Libyschen Meer und dem Ionischen Meer im Westen. Griechenland erstreckt sich über eine Fläche von 131 957 km² und ist somit fast dreimal grösser als die Schweiz. Es leben 11,2 Millionen Einwohner auf dem Festland und den umliegenden Inseln. Wegen seiner vielen Inseln besitzt das Land eine Küstenlinie von über 13’000 km. Obwohl viele Inseln und eine grosse Wasserfläche zu Griechenland zählen, hat die Nation einen Gebirgsanteil von fast 80 Prozent. Weiterlesen

Schweizer und Schweizerinnen umarmen sich viel

Die 18-jährige Claire Ngo aus Kanada kam im August 2018 in die Schweiz, wo sie zuerst einmal einen zweiwöchigen Deutschkurs für Anfänger besuchte. Ab September war sie dann ein Jahr lang Austauschschülerin in der G2F an der Alten Kanti Aarau. Der vorliegende Text ist ihr sprachlich nicht bearbeitetes) Abschiedsreferat, das sie anlässlich eines Farewell-Dinners des Rotary Clubs Aarau Alpenzeiger gehalten hat. Weiterlesen

Glückspost

«Die Arthritis, weisst du, die wird immer schlimmer. In den Händen auch. Zwei Reihen stricken, Andi, zwei, dann muss ich’s schon wieder hinlegen», jammert Oma Ingrid. Ihr Körper versinkt beinahe im übergrossen Bademantel, und händeringend blickt sie ihren Enkel an. Die Glückspost, die Andi ihr hilflos entgegenstreckt, lässt ihre Augen für einen Moment aufleuchten. «Wie lieb von dir! Sag Erika lieben Dank. Willst du Kaffee? Komm, ich ruf die Heike, die bringt dir einen.» «Nee nee, lass mal Oma. Ich trink doch eh keinen Kaffee, weisst du doch. Ich muss ja sowieso auch gleich weiter. Hab noch viel zu tun. Schule und so», murmelt der schlaksige Junge, vergräbt die Hände tief in den Hosentaschen seiner verwaschenen Jogginghose und der Rechten ertastet ein kleines Plastiktütchen, das er fest mit den Fingern umschliesst. Weiterlesen

«Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit sind unser wichtigstes Gut»

Mit 43 Jahren ist Christian Dorer bereits Chefredaktor von BLICK, SonntagsBlick, Blick am Abend und Blick online. Der Absolvent der Alten Kantonsschule Aarau bestimmt, was jede Woche 1.8 Millionen Schweizerinnen und Schweizer lesen. Wie fühlt sich so viel Verantwortung (und Macht) an? Wie begegnet Christian Dorer der digitalen Herausforderung? Und wie geht er mit der allgegenwärtigen Gefahr von Fake News um? – Wir haben den einflussreichsten Journalisten der Schweiz in Zürich zum Gespräch getroffen. Weiterlesen

Die vier Sinne des Menschen

Wenn im Wald ein Feuer brennt, können wir das mithilfe unserer Sinne feststellen, was uns in verschiedenen Szenarien einen evolutiven Vorteil bringen kann. Das Feuer werden wir aber nie in seiner Gesamtheit erfassen können. Dafür sehen wir gelbe Flammen züngeln und hören ein Knistern, obwohl das Feuer genau genommen weder Farben besitzt noch Geräusche erzeugt. Wie kommt’s? Weiterlesen

«Schau, deine Schuhe sind Mittwoch!»

Stell dir vor, der September wäre hellgrün, der Februar eisig-rosa, das «E» gelb, alle 20er Zahlen rötlich und die Melodie der Schulglocke orange. Genau so geht es Victoria Dvořák, einer Schülerin der Alten Kantonsschule Aarau. Wir treffen sie an einem Mittwoch in einem Café. Sie erzählt uns von ihrem Leben als Synästhetikerin und legt uns ihre ungewöhnliche Wahrnehmung offen: die Verknüpfung von Musik, Zahlen und Wörtern mit Farben.  Weiterlesen

Vom (Un-)Sinn der Ökonomie

Veronika Potykanowicz (PotVe), Wirtschaftslehrerin an der Alten Kantonsschule Aarau, sucht über WhatsApp das Gespräch mit ihrer 19-jährigen Nichte Bernadette Schwarz (SchBe) aus Österreich, die zurzeit Umweltsystemwissenschaften an der Universität Graz studiert. Immer im Zentrum des Dialogs zwischen der Pädagogin und der jungen Idealistin: der (Un-)Sinn der Ökonomie. Weiterlesen

Freddy Nock: Sinnfindung und das Seil

Viele Leute fürchten sich davor, über einen Baumstamm zu gehen; Freddy Nock hat das Balancieren, noch dazu in schwindelerregenden Höhen, zu seinem Beruf gemacht. Bei einem Besuch des Artisten zu Hause in Uerkheim haben wir einen Einblick in seine Arbeit erhalten – und von seinem neusten Projekt erfahren, das alles andere in den Schatten stellen wird. Weiterlesen

Fünf Sinne, ein Erlebnis

Der Mensch hat fünf Sinne. Was auch immer wir tun: Erst das Zusammenspiel aller Sinne ermöglicht die ganzheitliche Wahrnehmung eines Erlebnisses. – Wie aber ist es, wenn wir uns bei einem Erlebnis ausschliesslich auf einen Sinn konzentrieren? Wir haben uns aufgemacht in ein Burger-Restaurant und uns beim gemeinsamen Essen jeweils ganz auf einen einzigen Sinn konzentriert. Ein sinnliches Experiment. Weiterlesen

ZIRP

Ich hetze auf den letzten Drücker ins Zimmer – geschafft. Mein Kopf braucht etwas Zeit, um sich zurechtzufinden. Also, ganz langsam: Ich sitze in einer Biologiestunde. Biologie zählt dieses Jahr für die Matur, also sollte ich mich nun zwei Stunden konzentrieren. Unser heutiges Thema: Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen. ZIRP. Meine Sinne erinnern mich gerade wieder daran, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, kurze Hosen anzuziehen. Vorsichtig löse ich mein Bein vom Stuhl und platziere es etwas weiter rechts; zwecklos – es fängt schon wieder an, am Stuhl festzukleben. ZIRP. Die Hitze ist unerträglich. Wieso bekommen wir bei diesen Temperaturen nicht hitzefrei? Weiterlesen

Himmelblaue Himbeere

Bazar. Der süsse Duft, kaum spürbar
Zimt, Koriander, Nelken
die Himbeere, süss und verführerisch
wie das Geschrei der Verkäufer
himmelblau, Himmelbeere, mitten im Bazar
die Verlockung, süsser als Honig
verstörende Farbe, einzigartig
die Sinne berauschend
alles vergessend, vergessen
versinken
und schweben, höher und höher
ekstatisch, ein Geschmack wie Vollendung
der Abgang ist böses Erwachen
himmellos bitter bleibt Ingwer
im Nachgeschmack.

 

Von Nadine Girod und Su Haskaya, G3L 
Aquarell von Nicole Wehrli, G3K

Digitalisierung an der Schule – Alte Kanti 4.0?

Digitalisierung – für die einen ein Zauberwort, das Türen in ungeahnte neue Lebens- und Arbeitsräume öffnet, für die anderen ein Unwort, der Inbegriff einer datengesteuerten, gefühlskalten, insgesamt inhumanen Welt. – Wie auch immer: Als moderne Mittelschule sind wir verpflichtet, uns dem Wandel auch in diesem Bereich zu stellen, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Eine Bestandesaufnahme. Weiterlesen

Ertrinken

Mein Zug war schon da, als ich den Bahnsteig erreichte und auf den Türöffner drückte. Ich setzte mich an den erstbesten Platz am Fenster, und als der Zug langsam losfuhr, heftete sich mein Blick an einen der vielen Regentropfen an der Scheibe. Ich beobachtete, wie ein Tropfen grösser wurde, runterkullerte und alle, die seinen Weg kreuzten, mit sich riss. Etwa hundert Tropfen später wurde meine Haltestelle angekündigt. Ich stieg aus und blickte nach oben, fühlte, wie der Regen auf mein Gesicht prasselte, den Hals runterlief, und sah, wie sich meine Schultasche verfärbte. Ich machte mich auf den Weg nach Hause.  Weiterlesen

Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn die Tür aufgeht

So ein Lift ist schon eine praktische Erfindung. Ohne Lift würden wir nicht weit kommen, vor allem nicht in die oberen Stockwerke des Aquariums beziehungsweise Paul-Karrer-Hauses. Da sind wir schon ab und zu dankbar, dass es gleich drei an der Zahl hat. Doch das gerät manchmal in Vergessenheit, wenn wir uns über die Lifte aufregen müssen, und das ist keine Seltenheit. Weiterlesen

Glühbirnen, Doppelnetzgeräte und Diodenlaser

Schweizer Physikolympiade – dazu braucht es Physiktalente aus der Schweiz, Prüfungsunterlagen und spezifische Utensilien für den experimentellen Teil des Wettkampfs. Am 24./25. März 2018 ging es für 24 Schülerinnen und Schüler darum, sich für den europäischen Wettbewerb in Moskau zu qualifizieren. sage&schreibe war beim experimentellen Teil der Prüfungen an der Neuen Kantonsschule Aarau vor Ort. 
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Immer am Ball bleiben!

Er trainiert bis zu 18 Stunden pro Woche. Denn Volleyball ist seine Leidenschaft! Irian Mika ist ein wahrhaft grosser Spieler – nicht nur wegen seiner 192 cm Körperlänge: Der 20-jährige spielt im Nationalliga-A-Team von Volley Schönenwerd. Als Schüler der Sportabteilung der Alten Kanti stellt Irian jeden Tag unter Beweis, dass sich Spitzensport und Gymnasium bestens vereinen lassen! Weiterlesen

Eviva España!

España meets Aarau – und dies in der einladend dekorierten reformierten Kirche Buchs. Das Orchester der Alten Kantonsschule Aarau, verstärkt durch das Holzbläserensemble, verzauberte das Publikum regelrecht mit temperamentvollen südländischen Klängen. Das Herz Spaniens pulsierte, und die Wärme des Frühlings war trotz der tiefen Temperaturen deutlich zu spüren.
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#02 Aufzüge

In unregelmässigen Abständen hält der passionierte Filmer und Fotograf Tobias Gamp (G3L) seinen Blick auf die Welt in einem ganz persönlichen Video fest. Mal frech, mal schräg, mal nachdenklich, mal knallig – immer aber zusammen mit Alexander Levnajic (G3L). Nur zusammen sind sie «Ganz Gamp.»

Inclusive Digital Video Training in Youth Work (InDVT)

What is InDVT and what does it do for our society?

The InDVt is a project sponsored by the European Union involving several countries. The objective of the project is to create a way of teaching youth trainers to increase the use of “inclusive videos” in their daily work. It is intended to be used for non-formal youth trainings of any sort.

The platform for all the basic and enhanced training was created by the partners in Bulgaria. They developed a website which will be translated into many different languages. On the platform there are several training modules each written by a different partner. You can access information, such as how to collect digital videos, the digitization of videos and TV, raising digital awareness, digital videos in inclusive training and last but not least some tips for trainers. After completion of each module, one will be able to take a self-assessment to test if one has understood the material correctly.

In addition, there is one surprising element in the platform. They have an absolutely stunning resource page, where they list a lot of examples they have found during researches dealing with these topics. Each of the accessible videos has a deeper meaning and can directly be applied to educational and awareness raising purposes. Thanks to nanoo.tv and Mr. Henning Timcke, all of these videos are now on a secured platform and will always be available to youth trainers in the future.

The Meeting

On the 15th of December 2017, the third partner meeting of the InDVT Project took place in Prague. With participants from Bulgaria, Germany, Switzerland and the Czech Republic many competent partners convened at the University of Life Science in Prague.

The project partner responsible for Switzerland, Mr. Henning Timcke, was entitled to bring two guests along to the event in Prague. After due consideration he decided to invite a couple of students from the “Alte Kantonsschule Aarau” with whom he had just finished a project. Natalia Castro Castell and Pascal Meier were given the opportunity to attend, and they were very grateful to join him on this adventure.

The goal of the meeting was to enhance the product proposition in such a way that it would become more user-friendly and ready to be campaigned to a broader base of youth trainers. After an exhausting day of discussing improvement ideas, all partners agreed on the next steps to be pursued and implemented during the following weeks. All the attending representatives unanimously agreed that the meeting was considered a full success.

Prague the city

The day after the meeting the two students from Aarau had some time to explore the city of Prague. Cognizant that a single day of sightseeing was not enough to see the entire city, after a conversation with local guides, we had decided to make our own very ambitious plan. Within a couple of hours, we managed to see most of the sights and monuments, such as the beautiful Karls Bridge, the John Lennon Wall, the Petřín observation tower and some more impressive old buildings. During a small break in the old part of the city, we enjoyed some delicious Czech food in an old restaurant and tasted some hot wine in one of the many wonderfully decorated Christmas markets.

Conclusion

In summary, it can be said that the trip was very successful, both in terms of what we learned and experienced in a different environment. Personally, the highlight of the trip was the dinner with all the partners during which we enjoyed delicious local Czech dishes, like the amazing dumplings, and the good and interesting conversations. We were really honored to be able to have had the opportunity to further observe this project and to represent our school. It will be interesting to follow the further development of this InDVT project and the success it will have.

Websites:
InDVT: http://inclusivevideo.org/de
Nanoo.tv: https://portal.nanoo.tv

By Pascal Meier, G3L

Turin, die verkannte Schöne

Drei Tage Turin! Eine Stadt, die in ihrem alten Glanz als ehemalige Hauptstadt Italiens erstrahlt und die Besucher – auch bei Regen – mit ihrer Schönheit in ihren Bann zieht. Turin überzeugt in allen Bereichen: beeindruckende Architektur, glorreiche Paläste, interessante Museen, gemütliche Cafés, Kirchen, Lauben, leckeres Essen und vieles mehr. Ein Erlebnisbericht über die Projektwoche Turin vom Frühjahr 2018. Weiterlesen

Atem und Hoffnung

Zwei Germanistinnen schreiben einander Briefe mit Luft. Ihr Gespräch über den Atem wird zu einer Reise ins Universum und ins eigene Innerste. Atemzug für Atemzug.

Von Lara Dredge und Rahel Hubacher, Deutschlehrerinnen

Liebe Lara
Beim Nachdenken über das Phänomen Luft drängt sich der Aspekt des Atems auf – wir kommen ja nicht umhin, ständig Luft zu holen. Goethe spricht in diesem Zusammenhang von der «ewigen Systole und Diastole», dem ewigen Ein- und Ausatmen. Für ihn sind die gegenläufigen Bewegungen des Ein- und Ausatmens Sinnbild für eine fortwährende Entzweiung ebenso wie für eine ewige, letztlich unzerstörbare Einheit.

Kürzlich habe ich gelesen, dass der Austausch über den Atem keine Grenzen kennt, weder geographisch noch zeitlich. Mit jedem Atemzug nehmen wir Milliarden von Atomen auf. Wenn man ausatmet, gibt man sie wieder ab und sie verteilen sich. Dieser Austausch über die Atemluft ist unermesslich: Die Luft, die wir einatmen, enthält Atome aller Menschen, Zonen und Zeiten. Wenn wir einatmen, wandern Atome durch unseren Körper, die einst Jesus, Mozart, Einstein und Gandhi gehört haben. Genauso enthält unsere Atemluft Atome von Männern und Frauen, von denen wir uns mit aller Deutlichkeit distanzieren – Hitler, Pol Pot, die Verantwortlichen der Massaker von Srebrenica oder Kigali. Der Gedanke, dass uns jeder Atemzug mit allen Geschehnissen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft verbindet, vom Anfang des Universums bis zu seinem Ende, ist überwältigend. Der Atem ist in diesem Sinne naheliegend und fundamental – und zugleich zeiten- und weltenumspannend.

Herzlich, Rahel


 

Liebe Rahel
Diese fundamentale Bedeutung ist auch der deutschen Sprache eingeschrieben, da schöpft jemand Atem und hat vielleicht einen längeren Atem als ein Kurzatmiger, dem im Notfall schnell der Atem ausgeht. Mitunter verschlägt es einem den Atem, vielleicht sogar dann, wenn wir von einer Sache in Atem gehalten worden sind – bis zum letzten Atemzug?

Die Vorstellung, dass die Atome alles Vergangenen, wie du sagst, durch alle Zeiten bis hin zum Jetzt uns umgeben, ist atemberaubend. Was meint dann gesunde Luft? Eine, die nicht belastet oder ist mit den Irrtümern früherer Generationen? Wenn die Luft rein ist – prägt uns das als Menschen ebenso, wie wenn dicke Luft herrscht? Beeinflusst es unser Werden? Es liegt in der Luft, sagt man – was genau? Ein Zeichensystem von Atomen, die unser Wesen verändern, lenken, bestimmen?

Herzlich, Lara


 

Liebe Lara
Den langen (und ruhigen) Atem suchen viele, gewiss auch die Fähigkeit und die Kraft, für reine Luft zu sorgen. Die Irrtümer früherer Generationen können wir nicht ungeschehen machen, wohl aber die Verbindung zu den Menschen stärken, die mit uns dieses Leben teilen. Anspruchsvoll genug! Dabei helfen die in Stille geschöpften Atemzüge. In Eichendorffs Gedicht «Mondnacht» rauschen leis die Felder, die Ähren wogen sacht – es ist alles ganz still und doch wunderbar bewegt, sodass der Seele gleichsam Flügel wachsen. Dass die Literatur solche Momente erfahrbar macht und damit das kaum fassbare Zeichensystem, von dem du sprichst, vermitteln kann, ist grossartig und beglückend.

Herzlich, Rahel


 

Liebe Rahel
Grossartig und beglückend: Möge die Realität, die dazu anstiftet, solche Momente einzufangen, lange andauern. Wenn ich an Grossstädte denke und an verpestete Luft in den Industriegürteln nicht nur der Dritten Welt, frage ich mich, wie lange der Mensch im Raum-Zeit-Kontinuum des Universums verbleibt. Dass sich alles verändert, ist eine Konstante, und doch bleibt, so die Theorie, die Energie die gleiche. Unsere Zukunft – die des Menschengeschlechts – wäre möglicherweise die, als Atome einverleibt zu werden in andere Seinsweisen? Wer würde dann noch Bücher lesen können?

Herzlich, Lara


 

Liebe Lara
Du erwähnst das Universum. In Verbindung mit unserem Ausgangspunkt – der Atemluft – denke ich an die chinesische Kosmologie, die in der Idee des Atems gründet. Die frühen chinesischen Denker haben die Auffassung eines lebendigen Universums geprägt, in dem alles miteinander zusammenhängt und sich gegenseitig stützt. Dabei ist der Atem die Grundeinheit. Interessant ist die Vorstellung eines «dreigliedrigen» Atems. Die Chinesen unterscheiden einen oberen, einen unteren und einen Atem der «mittleren Leere». Der Atem der mittleren Leere, der sich zwischen dem «Yang», der aktiven Kraft, und dem «Yin», der empfangenden Sanftheit, bewegt, hat die Gabe, die beiden anderen Arten des Atems zu einer positiven Interaktion zu bewegen. Daraus folgt, dass das, was sich zwischen zwei Wesen ereignet, so wichtig ist wie die Wesen selber. Das Entscheidende ist also das, was in der Interaktion und der Beziehung zwischen zwei Menschen entsteht. Das ist zugleich eine Form von Transzendenz – das, was in der Beziehung entsteht, überschreitet den Einzelnen. Die Chinesen sagen, dass auf diese Weise wahre Schönheit entstehe – Schönheit, die uns berühre, weil sie sich in der lebendigen Begegnung ereigne. Diese Schönheit ist der ebenso wahre Gegenpol zu der von dir erwähnten verpesteten Luft. Wenn wir die Entschlossenheit finden können, Abkommen für reine Luft einzuhalten, dann im Bewusstsein dieser überwältigenden und verletzlichen Schönheit.

Herzlich, Rahel


 

Liebe Rahel
Wahre Schönheit entsteht durch das wohlwollende Zueinanderfinden! Das, würde ich meinen, ist in unserem Beruf zentral. In der Beziehung zwischen den Lernenden und uns Lehrpersonen einerseits, aber auch in der Interaktion zwischen uns (Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler etc.) und allen möglichen Texten, Autorinnen, Autoren, im Dialog zwischen Welten, Ansichten, Epochen, Meinungen, Zeichensystemen…

Ich schöpfe Atem und Hoffnung.

Herzlich, Lara

Atmen, du unsichtbares Gedicht!
Immerfort um das eigne
Sein rein eingetauschter Weltraum. Gegengewicht,
in dem ich mich rhythmisch ereigne.

Einzige Welle, deren

allmähliches Meer ich bin;
sparsamstes du von allen möglichen Meeren, –

Raumgewinn.

Rainer Maria Rilke, aus: Die Sonette an Orpheus / II,1

 

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Joseph Freiherr von Eichendorff, aus: Mondnacht

 

Ich setzte den Fuss in die Luft
und sie trug.

Hilde Domin, aus: Nur eine Rose als Stütze

Wo die Luft gemacht wird

Zum Schneiden dicke Luft nach einer Doppelstunde Physik? Tagelanger Gestank nach chemischen Experimenten? Unerträgliche Hitze im Sommer? Nicht im Paul-Karrer-Haus der Alten Kanti. Denn hier sorgt eine ausgeklügelte Heizungs-und Belüftungsanlage für ein neutrales Klima – wenigstens in Bezug auf die Luft. Eine begleitete Entdeckungsreise ins klimatische Herz des Gebäudes.

Paul-Karrer-Haus – fünf vor Zwei. Wir sind mit Beat Spillmann und Pascal Auf der Maur vom Hausdienst der Alten Kantonsschule Aarau verabredet. Sie werden uns zeigen, wie das Haus mit der vielen dicken Denkluft der Schülerinnen und Schüler umgeht. Ein letzter Check, ob wir alles dabeihaben, dann kommen die beiden auch schon. Wir werden freundlich begrüsst und begeben uns gleich an einen Ort, zu dem Schülerinnen und Schüler normalerweise keinen Zutritt haben: den Technik-Raum des Paul-Karrer-Hauses. Da liegt unter anderem das Lüftungssystem verborgen, das für die frische und jederzeit kühle Luft im Haus sorgt.


[Bild: Alexander Levnajic]

Beim Betreten der Räume fällt uns die Wärme auf. Ebenso der Lärm der Maschinen, von denen einige beindruckende Masse aufweisen und einigermassen geheimnisvoll aussehen. Zum Glück sind Herr Auf der Maur und Herr Spillmann vom Fach und beginnen ganz von vorn: Hier unten befindet sich nicht nur das Lüftungssystem des Paul-Karrer-Hauses, sondern auch die Heizungsübergabestation für alle Gebäude des Schulgeländes. Dazu noch Luftschutzkeller und diverse Lagerräume. Auch von der Lüftungsanlage müsste eigentlich im Plural gesprochen werden. Während nämlich die Hauptanlage alle Schulräume im Paul-Karrer-Haus mit frischer Luft versorgt, dienen verschiedene kleinere Anlagen zur Belüftung des Erdgeschosses, der Toiletten oder der Nebenräume.

Rauchalarm in den Schulzimmern
«Der Luftumwälzungsprozess beginnt damit, dass zahlreiche Ventilatoren Aussenluft ansaugen», erklärt Spillmann. Der Lüftungseingang befindet sich auf dem Vorplatz des Paul-Karrer-Hauses, liegt leicht erhöht, von Sträuchern geschützt, damit sich keine Personen auf das Gitter setzen.

Dazu gebe es eine witzige Geschichte, sagt Beat Spillmann. Und natürlich wollen wir sie hören. Die Sträucher, erzählt er, seien auch deshalb gepflanzt worden, weil die Schülerinnen und Schüler dort früher regelmässig gesessen und geraucht hätten. Der Ventilator habe diese wenig appetitliche Luft natürlich angesogen und den Rauchgeruch im ganzen Gebäude verteilt. Schmunzelnd fügt Spillmann an, ein wenig schade sei es schon, dass die Schüler sich dort nicht mehr aufhalten könnten; immerhin habe man jeweils ein kleines Vermögen gemacht, wenn das darunterliegende Auffangbecken für Regenwasser gesäubert wurde. Den Schülerinnen, sagt er, sei nämlich oft Kleingeld aus den Taschen gefallen. «Da kamen so 20 bis 30 Franken im Jahr zusammen. Für unsere Kaffeekasse.»

Weitere Bilder finden Sie in unserer GALERIE.

[Bild: Alexander Levnajiv]

Umweltfreundliche und kostengünstige Wärme
Zurück zum Theoretischen. Bevor die Luft in den Kreislauf eintritt, wird sie gefiltert. Die Filter werden jährlich gewechselt, um saubere Luft zu garantieren. Nach dem Filtern gibt es zwei Optionen: Entweder wird die Luft mit Hilfe der Kältemaschine gekühlt, oder sie wird erwärmt. Die Wärme wird von den Industriellen Betrieben Aarau als Fernwärme bereitgestellt.
Das war nicht immer so. Bis im Jahr 2016 nämlich wurde eine Ölheizung für den gesamten Wärmebedarf eingesetzt. «Fernwärme», erläutert Beat Spillmann, «ist zwar umweltfreundlicher, leider aber noch nicht kostengünstiger. – Beim Hinausblasen der verbrauchten Luft aus dem Gebäude wird ihr die Wärme oder die Kälte entzogen und wiederverwendet. Damit kann der Energieverbrauch reduziert werden. Dieser Vorgang geschieht über einen Wärmetauscher.»

Im nächsten Schritt wird die Luft mit Hilfe eines sogenannten Wabensystems befeuchtet. Dabei geben Sprühdüsen kleinste Wassertropfen an die Luft ab, um die Luftfeuchtigkeit konstant auf 45% bis 48% zu halten. Das für diesen Vorgang benötigte Wasser wird vorher entkalkt und entmineralisiert, damit die feinen Sprühdrüsen nicht verstopfen. In zwei Hauptkanälen mit diversen Abgängen zu den Stockwerken wird die Luft nach oben transportiert und in die verschiedenen Zimmer verteilt. Gleichzeitig wird die verbrauchte Luft abgesaugt und aus dem Gebäude geblasen.

«Im Zug der Renovation in den Jahren 1999 und 2000», erklärt Pascal Auf der Maur, «wurde das 1969 eingeweihte Gebäude komplett saniert. Dazu zählte auch das Ersetzen der alten Lüftungsanlage durch eine dem aktuellen Stand der Technik entsprechende neue Anlage.» Schon damals war vorgegeben, dass die neue Anlage gewisse Energievorschriften zu erfüllen habe; so durfte zum Beispiel der maximale Unterschied zwischen Innen- und Aussentemperatur im Sommer nicht mehr als 5° Celsius betragen. Wurden draussen also 30° Celsius gemessen, durfte im Innern des Gebäudes auf höchstens 25° Celsius runtergekühlt werden. «Daher konnte man eigentlich nur von einer Temperatur-Erträglichkeits-Anlage sprechen», ergänzt Spillmann mit einem Schmunzeln.

Grenzwerte, Durchschnittwerte, Peaks
Im Sommer werden jeweils am Morgen zwei Rauchabzüge im 7. OG des Hauses eingeschaltet; die sollten eigentlich im Brandfall den Rauch nach draussen befördern, doch während Hitzeperioden dienen sie dazu, einen Sog zu generieren, der die kühle Morgenluft ins Gebäude hinein- und die warme Luft hinausbläst. So wird die Temperatur in der Eingangshalle und im Treppenhaus noch angenehmer – und auch frischer. Das sei auch nötig, sagt Auf der Maur. «Die CO2-Werte müssen unbedingt eingehalten werden. Schweizweit gilt ein Kohlenstoffdioxid-Grenzwert von maximal 1’500 ppm (1), gemessen über eine längere Zeitspanne. Aber diesbezüglich sind wir gut unterwegs mit unserer Anlage.» Tatsächlich zeigen Messungen, dass der Durchschnittswert im Paul-Karrer-Haus bei belegten Klassenzimmern zwischen 600 und 1000 ppm liegt, also weit unter dem vorgeschriebenen Grenzwert. Wir sind erstaunt. Mit unserer Wahrnehmung jedenfalls deckt sich das nicht zu hundert Prozent. Wir haken nach. Keine Grenzwertüberschreitungen? Keine Ausreisser nach oben? Pascal Auf der Maur überlegt. «Entscheidend ist der Durchschnitt, und der ist top. Aber ja, es kommt schon mal vor, dass es Ausschläge gibt. – Das sind sogenannte Peaks», ergänzt er. «Also das Gröbste, was wir je gemessen haben, waren gut 1’500 ppm.»

Ein Hauch von Abenteuer
Nach all den theoretischen Ausführungen nimmt unser Ausflug in die Innereien des Paul-Karrer-Hauses eine unerwartete Wende. Das Angebot, den Verbindungsgang zwischen den Gebäuden zu besichtigen, können wir unmöglich ablehnen. In diesem Gang befinden sich einerseits Leitungen, die den Wärmeaustausch vom Paul-Karrer-Haus in die anderen Gebäude ermöglichen, andererseits dient der Gang auch als Notausgang. Falls man im Keller gefangen sein sollte. Und dann geht’s los. Über eine lange, für Unterhaltsdienste bereitgestellte Leiter gelangen wir alle sicher in den erhöhten Verbindungsgang. Es ist ziemlich eng und düster hier. Und schon fällt unser Blick auf einen grossen, knallrot auf die Wand gemalten Schriftzug: «Notausgang». Wir fühlen uns wie in einer schlechten Episode von «American Horror Story», in der man in jedem Moment mit dem Unmöglichen und Undenkbaren rechnen muss. Nach ein paar Metern treten wir glücklicherweise wieder den Rückweg an. Der Abstieg stellt sich dann aber als unerwartet schwierig heraus. Die Leiter wackelt um einiges mehr als vorher, wir spüren den Puls im Hals. Entsprechend sind wir heilfroh, Augenblicke später wieder sicheren Boden unter den Füssen zu haben.

Nachdem wir uns von unseren kompetenten Technik-Guides verabschiedet haben, schauen wir uns an und sind ziemlich sicher, dass wir dasselbe denken: Eine interessante und sehr lehrreiche Expedition war das. Aber diese 1500 ppm: Entweder ist der Grenzwert für gute Luft in Schulzimmern zu hoch angesetzt, vor allem im Sommer, oder unsere Nasen sind zu empfindlich. Aber das ist ein anderes Thema. Vielleicht für ein anderes Mal.

(1) ppm steht für engl. «parts per million». Mit diesem Mass werden Teilchenkonzentrationen im Millionstelbereich bezeichnet.

Von Marion Müller, G3L

Das Spiel mit der Luft

Luft ist Leben. Und wenn sie über unsere Stimmbänder streicht, können wir sogar Laute erzeugen, verbal miteinander kommunizieren. – Und beim Spielen eines Blasinstrumentes? Was spielt die Luft da für eine Rolle? Die beiden Klarinettisten Thomas Hunziker und Julian Remund geben Auskunft.

Wenn wir reden, denken wir gar nicht daran, ein- und ausatmen zu müssen, und wir brauchen uns nicht um die Stimmbänder zu kümmern, denn alles funktioniert ganz automatisch. Ganz anders beim Klarinettenspiel. Hier wird die Luft gebraucht, um das Holzblatt am Mundstück zum Schwingen zu bringen und dem Instrument Töne zu entlocken. Weil es in erster Linie um das Instrument geht, wird die physiologische Bedeutung der Luft zweitrangig. Luft also nicht als Lebenselixier oder Kommunikationshilfe, sondern zum Spiel. Setzt dies den Körper nicht unter Stress?


[Bild Tobias Gamp]

Wir haben nachgefragt bei zweien, die es wissen müssen: Der eine ist Julian Remund, Schüler der AKSA und vor kurzem als Klarinettist aufgenommen in das Spitzenförderungsprogramm Musik des Kantons Aargau, der andere ist Thomas Hunziker, weit herum gefragter Klarinettist und Lehrer von Julian.

Lufthaushalt als Selbstverständlichkeit
Während des Klarinettenunterrichts mit Julian erklärt Thomas Hunziker: «Der Lufthaushalt ist auch beim Spielen eines Blasinstrumentes eine völlige Selbstverständlichkeit. Wir beschäftigen uns überhaupt nicht aktiv damit. Während des Spiels nehmen wir so viel Luft auf, wie der Körper braucht. Es ist wie beim Reden: Man atmet ein, ohne dass man bewusst daran denkt. Einfach mit dem Unterschied, dass das Ausatmen durch das Instrument hindurch geschieht.»

Trotzdem, meint Julian, habe er manchmal das Gefühl, beim Spielen keine Luft mehr zu haben. Es fühle sich an, als laufe er einen Berg hoch. Man verlangt dem Körper also einiges ab beim Spielen, und je nach Passage ist das Atmen eben doch unregelmässiger als beim Sprechen. «Dann geht es darum, möglichst schnell wieder in einen natürlichen Atemrhythmus zu kommen», sagt Julian, «daran arbeite ich.»

Entspannt zur Höchstleistung
Ist es von Vorteil, als Bläser oder Bläserin ein grosses Lungenvolumen zu haben? – Ein bewusstes diesbezügliches Training gebe es nicht, meint der junge Musiker. Das Lungenvolumen passe sich automatisch den Bedürfnissen an. Allein das regelmässige Üben genüge, um die Lungen entsprechend zu trainieren. Dass sich dabei, ähnlich wie beim Sport, ein Trainingseffekt einstelle, merke man, wenn man während der Ferien für längere Zeit nicht gespielt habe. Dann brauche es eine gewisse Zeit, bis sich das ganze Atmungssystem wieder angepasst habe. «Als Musiker arbeitet man ein Leben lang daran, ein stabiles Luftkissen zu haben», erklärt er. «Beim Spielen aber nimmt man es nicht mehr wahr. Je selbstverständlicher die Luftzirkulation für einen Bläser wird, desto besser», sagt er und sieht seinen Lehrer an. «Genau», sagt Hunziker. «Wenn du bereits das Einatmen als einen entspannenden Vorgang erlebst, hast du alles im Griff. So wird nämlich der gesamte Atemzyklus während des Spielens als natürlich erlebt. Du kommst kaum in Atemnot und kannst dich ganz auf die Finger und auf das Ausgestalten des Stückes konzentrieren. Klar, lange Passagen sind eine Herausforderung,  weil sie das Luftholen anspruchsvoll machen. Umso wichtiger ist es, danach schnellstmöglich wieder zum regelmässigen Atemzyklus zurückzufinden.»

Julian Remund: Claude Crousier, Brouillasse & Broussaille

Thomas Hunziker: Othmar Schoeck, Sonate für Bassklarinette und Klavier (am Klavier: Tomas Dratva)

Das Spiel mit der Luft – für den Lehrer und den Schüler eine Leidenschaft. Und eine Kunst, in der es sich mit jedem Atemzug weiter zu perfektionieren gilt. Oder anders gesagt: Wer als Bläser vorne mit dabei sein will, braucht einen langen Atem.

Von Nadine Girod und Antonia Schmid, G3L

«Die Schweiz war immer mein Traumland.»

Enson Ng ist 17 Jahre alt und kommt aus Malaysia, genau gesagt aus der Hauptstadt Kuala Lumpur. Noch bis Januar 2018 lebt der Austauschschüler in Schöftland. Die ausgeprägte Körperlichkeit bei Begrüssung, Verabschiedung und auch zwischendurch, kamen ihm hier anfangs komisch vor, aber mittlerweile hat sich Enson daran gewöhnt – und er spricht sogar ein paar Sätze «Schwiizertüütsch».

Was war dein bisher bestes Erlebnis in der Schweiz?
Das ist schwer zu sagen. Etwas vom Besten war aber bestimmt, als ich in Laax war und zum ersten Mal in meinem Leben Schnee gesehen habe. Es war unglaublich und so aufregend. Ich hoffe sehr, dass ich diesen Winter vielleicht sogar einmal Ski fahren gehen kann, das wäre echt toll.


[Bild: Delia Limacher]

Wie kam es dazu, dass du dich für die Schweiz entschieden hast?
Viele Leute denken, ich sei wegen der deutschen Sprache in die Schweiz gekommen. Aber das ist nicht der Hauptgrund. In Kuala Lumpur, wo ich wohne, haben wir so viele Gebäude, alles ist zugepflastert. Wann immer ich hingegen die Schweiz googelte, sah ich wunderschöne Naturaufnahmen. Die Schweiz war immer mein Traumland, und jetzt ist der Traum wahr geworden.

Wie sieht dein Alltag in der Schweiz aus?
Unter der Woche gehe ich natürlich in die Schule und danach mache ich oft Musik (ich spiele Gitarre) oder treffe mich mit Freunden. An den Wochenenden gehe ich häufig zu Austauschschülertreffen. Und ich unternehme auch viele Reisen mit meinen Kollegen. Ich versuche die Schweiz so gut wie möglich zu bereisen, da dieses Land einfach zu schön ist.

Hast du einen Kulturschock erlebt?
Ja! Die asiatische Kultur ist sehr anders, zum Beispiel in Bezug auf die Tischmanieren. Hier in der Schweiz esst ihr Reis mit Gabel und Messer, wir in Malaysia würden das niemals tun. Ich esse Reis immer mit Löffel und Gabel – oder natürlich mit Chopsticks.

Woran wirst du dich noch in 50 Jahren erinnern?
Ganz sicher an die wunderschöne Landschaft, aber auch an die Züge. In Malaysia sind wir immer mit dem Auto unterwegs. Unter anderem, weil es zu heiss ist in den Zügen, aber auch, weil wir kein so gutes öffentliches Verkehrssystem haben. Die Unabhängigkeit als Zugfahrer geniesse ich sehr. Und ich finde es auch schön, dass die Schweizer viel zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind.

Fiel es dir leicht, hier Freunde zu finden?
Anfangs war es sehr schwer, vor allem auch wegen der Sprache. Ich hatte gehört, dass die Schweizer nicht so offen sind, was irgendwie auch stimmt. In der Schule kamen anfangs nicht viele auf mich zu, ich war oft allein. Jetzt ist es aber viel besser und ich habe tolle Freunde gefunden. Die Schweizer sind vielleicht nicht so offen, aber wenn du sie besser kennenlernst, können sie sehr gute Freunde werden.

Was ist deiner Meinung nach der grösste Unterschied zwischen einem Malaysier und einem Schweizer?
Das ist sehr schwer zu sagen, aber es ist auf jeden Fall ein sehr grosser Unterschied vorhanden. Hier in der Schweiz beispielsweise läuft alles immer sehr pünktlich ab. In Malaysia hingegen hat die Zeit nicht diese Wichtigkeit. Hier gibt es zudem viel mehr Regeln – und sie werden strikter eingehalten.

Von Su Haskaya und Laura Wälchli, G3L

«Man sitzt da einfach im Kreis und trinkt Tee.»

Andrea Audétat aus Suhr war 2016 für ein Jahr in Japan, in Saitama City. Während dieser Zeit hat sie bei nicht weniger als vier verschiedenen Gastfamilien gewohnt. Für «sage&schreibe» hat sie noch einmal zurückgeblickt auf eine spannende und lehrreiche Zeit.

Was war dein bestes Erlebnis in Japan?
Das Beste Erlebnis – das war wahrscheinlich die Reise mit allen Austauschschülerinnen und -schülern nach Kyoto und Hiroshima. In Hiroshima haben wir den berühmten Itsukushima-Shinto-Schrein angeschaut. Danach die Atombombenkuppel. – Das war sehr eindrücklich. Eine absolut prägende Erfahrung. Mit dem Schnellzug sind wir dann nach Kyoto gefahren. Dort haben wir Tempel besichtigt, sind shoppen gegangen und hatten einfach Spass.


[Bild: Alexander Levnajic]

Wie kam es dazu, dass du dich für Japan entschieden hast?
Die USA kenne ich von Ferienaufenthalten, auch die lateinamerikanische Kultur ist mir vertraut, da meine Mutter ursprünglich aus Mexiko stammt. – Ich wollte einfach etwas komplett Neues und Anderes, Fremdes sehen.

Wie sah dein Alltag in Japan aus?
In die Schule gehen, danach noch in einen Biologieclub. Es gab da übrigens auch Tee-Clubs. Bei diesen ‹Teezeremonien› ist es so: Man sitzt da einfach im Kreis und trinkt Tee. Es gibt sogar einen genauen Ablauf, wie man den Tee zubereitet, dieser ist aber ziemlich kompliziert. Tee ist ein sehr wichtiger Bestandteil im Leben der Japaner; die trinken mehr Tee als Wasser. – Und natürlich habe ich auch gerne Zeit mit der Gastfamilie verbracht.

Hast du einen Kulturschock erlebt?
Nein nicht wirklich, ich hatte mich ja auf Japan vorbereitet. Was ich aber bis heute nicht verstehe: Ich habe in Japan keinen einzigen öffentlichen Abfalleimer gesehen. Trotzdem ist es extrem sauber. Die Leute schmeissen ihren Abfall wohl einfach nicht weg.

Woran wirst du dich noch in 50 Jahren erinnern?
Als ich im Skytree war. Von dort sieht man bis ans Meer und sogar bis zu den Bergen. Die einzige Fläche, die man sieht, sind die Parks der Stadt. Die sind aber künstlich angelegt. Sonst gibt es keine Grünflächen.

Fiel es dir leicht, Freunde zu finden?
In der Schule eher nicht. Einfach weil die Japaner zu schüchtern sind, um auf andere zuzugehen. Auch die Sprache war ein Problem. Aber irgendwann pendelte sich alles ein und ich fand doch noch Freunde, auch deshalb, weil ich immer mit einer Gruppe von Leuten zu Mittag gegessen habe.

Was ist deiner Meinung nach der grösste Unterschied zwischen einem Schweizer und einem Japaner?
Schwer zu sagen. Ich habe das Gefühl, ein Schweizer würde eher reklamieren, wenn ihm etwas nicht passt. Der Japaner nimmt sehr vieles einfach still hin.

Von Su Haskaya und Laura Wälchli, G3L

Sparen und weiterentwickeln an den Aargauer Kantonsschulen: das Unterrichtsmodell 2019+

Die Aargauer Kantonsschulen müssen – wie schon oft in früheren Jahren – auch bei den bevorstehenden finanziellen Sanierungsmassnahmen ihren Beitrag leisten. Sie haben den Auftrag, für den kantonalen Aufgaben- und Finanzplan 2018-2021 Einsparungen in der Höhe von rund zwei Millionen Franken zu erbringen. Die Rektorenkonferenz hat deshalb zusammen mit der Sektion Mittelschule eine Gesamtschau vorgenommen und eigene Vorschläge in die Spardiskussion eingebracht. Vorgelegt wurden drei Massnahmen. Die erste Massnahme betrifft die Betriebskosten der Schulen. Konkret sollen ab Schuljahr 2018/19 die Schülerpauschalen für Lehrmittel sowie Investitionen im Unterrichtsbereich über alle Kantonsschulen hinweg um je ca. 6% gekürzt werden. Ebenfalls ab Schuljahr 2018/19 werden im Bereich der Alten Sprachen (Latein, Griechisch und Hebräisch) die Synergien zwischen den Schulen besser genutzt, indem der Unterricht regional koordiniert und schulstandortübergreifend durchgeführt wird. Als dritte Massnahme wurde die Einführung eines neuen Unterrichtsmodells an den Kantonsschulen vorgeschlagen, die auf Beginn des Schuljahres 2019/20 erfolgen soll. Die Rektorenkonferenz ist überzeugt, dass dieser Massnahmenkatalog in Anbetracht der aktuellen Situation eine vertretbare Lösung ist, denn er erfüllt den Sparauftrag mit einem pädagogisch durchdachten Leistungsabbau und verteilt die Sparlast auf viele Schultern. Gleichzeitig schaffen die Massnahmen – insbesondere das Unterrichtsmodell 2019+ – in einem schwierigen Umfeld aber auch die Möglichkeit für notwendige Weiterentwicklungen an den Kantonsschulen, indem ein Teil der erzielten Einsparungen für wichtige Verbesserungen und Neuerungen reinvestiert wird.

Ein neues Unterrichtsmodell für die Aargauer Kantonsschulen
Gemäss dem von der Rektorenkonferenz vorgeschlagenen Unterrichtsmodell 2019+ soll an den Aargauer Kantonsschulen ab dem Schuljahr 2019/20 nicht mehr in 45-Minuten-Lektionen, sondern in Lektionen von 80 Minuten Dauer unterrichtet werden. Gleichzeitig werden die Stundentafeln aller Bildungsgänge (Gymnasium, Fach-, Wirtschafts- und Informatikmittelschule) revidiert und den heutigen Anforderungen angepasst.

80-Minuten-Lektionen bringen viele Vorteile auf der Sekundarstufe II
Aus der Sicht der Rektorenkonferenz bieten 80-Minuten-Lektionen auf der Sekundarstufe II mehrere pädagogische und schulische Vorteile. So reduziert sich beispielsweise für die Schülerinnen und Schüler die Anzahl der Fächer pro Tag und damit die «Zerstückelung» von Unterrichtsinhalten deutlich. Gleichzeitig sind längere Lektionseinheiten für viele Lernformen ein günstigeres Zeitgefäss als 45-Minuten-Lektionen, denn sie ermöglichen den Einsatz eines breiten Repertoires an Unterrichtsmethoden und einen Unterricht, in dem Phasen von Instruktion, selbständigem Lernen und individualisiertem Unterricht gut aufeinander abgestimmt werden können. Schliesslich fördern längere Lektionen die vertiefte Auseinandersetzung mit einem Unterrichtsgegenstand und das problemlösende Lernen – genau das, was auf der Sekundarstufe II im Zentrum steht. Erfahrungen anderer Schulen im In- und Ausland zeigen zudem, dass sich Langlektionen in der Praxis bewähren und bei Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und Eltern in der Regel auf grosse Akzeptanz stossen.

Revidierte und aktualisierte Stundentafeln in allen Bildungsgängen
Die Grundausrichtung und die Grundstruktur der Bildungsgänge sind eine wichtige Voraussetzung für die hohe Qualität von Gymnasium, Fach-, Wirtschafts- und Informatikmittelschule im Aargau. Das bestätigen auch externe Bildungsexperten und Vergleiche mit anderen Mittelschulen in der Schweiz. Deshalb sollen Grundausrichtung und -struktur der verschiedenen Bildungsgänge unangetastet bleiben. Die Zusammensetzung und die Gewichtung der Unterrichtsstunden (die sogenannten Stundentafeln) hingegen bilden gewisse gesellschaftliche Entwicklungen und damit verbundene Anforderungen zu wenig ab. Insbesondere beim Gymnasium ist eine Aktualisierung der 20 Jahre alten Stundentafel angezeigt. So haben politische Bildung, digitale Medien, Informatik und Technik heute eine andere Bedeutung als noch vor zwanzig Jahren. Weniger Veränderungen gibt es in den Stundentafeln der drei anderen Mittelschultypen, weil diese Stundentafeln relativ jung sind.

Die fünf wichtigsten Veränderungen im Gymnasium

  1. Die vorgeschlagene Stundentafel für das Gymnasium verkürzt die Unterrichtspräsenzzeit für die Schülerinnen und Schüler über alle vier Jahre um durchschnittlich rund 5%.
  2. Das Verhältnis zwischen den beiden grossen Fachbereichen «Sprachen» und «MINT» (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) wird ausgeglichener gestaltet. Konkret wird der Bereich MINT über das Fach Informatik und ein Naturwissenschaftspraktikum gestärkt. Die zweite Landessprache (Französisch, Italienisch) und Englisch werden im Gegenzug gekürzt.
  3. Das Ergänzungsfach wird gestärkt und soll sich neu über zwei Jahre erstrecken. Damit können die Schülerinnen und Schüler in den oberen beiden Klassenstufen einen weiteren Schwerpunkt setzen. Zudem wird eine Akzentuierung der erfolgreichen zweigliedrigen Struktur des aargauischen Gymnasiums erreicht: Breite der Allgemeinbildung in der Grundstufe, Vertiefung in der 3. und 4. Klasse.
  4. Politische Bildung und Medienbildung werden in der Stundentafel explizit verankert. Beide Themen sind wichtig und sollen entsprechend das notwendige Gewicht erhalten. Es ist vorgesehen, Medienbildung dem Fach Deutsch und Politische Bildung dem Fach Geschichte anzugliedern.
  5. Die Ressourcen für die Betreuung der Schülerinnen und Schüler werden erhöht. Konkret geht es um die Entlastung der Klassenlehrer/innen. Dies ist unter anderem notwendig, weil die Betreuung von Schülerinnen und Schüler, die beispielsweise eine Krise durchleben, oder die Integration von Schüler/innen mit einer Behinderung auch auf der Sekundarstufe II sehr anspruchsvoll geworden ist.

Mit dem Unterrichtsmodell 2019+ werden 1.6 Millionen Franken gespart
Das neue Unterrichtsmodell kann Einsparungen in der Höhe von 1.6 Millionen Franken bringen. Gespart wird mit dem Abbau von Unterrichtszeit für die Schüler/innen. Das hat unter dem Strich zur Folge, dass für die Lehrpersonen weniger Pensen zur Verfügung stehen. Mit dem Unterrichtsmodell 2019+ ergibt sich über alle sechs Tagesmittelschulen eine Reduktion von rund zehn Vollzeitstellen. Die Rektorenkonferenz geht davon aus, dass der Stellenabbau grösstenteils über natürliche Fluktuation erfolgen kann.

Einbezug der Lehrer/innen
Die Rektorenkonferenz hat am 22. September 2017 im Kultur- und Kongresszentrum Aarau zwei Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit allen Aargauer Kantonsschullehrpersonen durchgeführt. Ziel dieser Anlässe war es, den Lehrerinnen und Lehrern das Unterrichtsmodell 2019+ vorzustellen sowie ein Stimmungsbild und Hinweise im Hinblick auf eine allfällige Umsetzung einzuholen. Beide Aspekte – Stimmungsbild und Hinweise – bilden zusammen mit den Beiträgen aus einer anschliessenden rund sechswöchigen Vernehmlassung die Basis für die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in der Rektorenkonferenz. Denn ein so wichtiger Schritt kann nur mit Rückhalt bei den Lehrpersonen erfolgen. Die Rektorenkonferenz schliesst ihren Meinungsbildungsprozess im Dezember ab und entscheidet dann über das weitere Vorgehen.

Grundlage für den vorliegenden Text ist ein im September 2017 verabschiedetes Positionspapier der Rektorenkonferenz der Kantonsschulen Aargau.

Von Dr. Martin Burkard, Rektor Alte Kantonsschule Aarau

 

Der aktuelle Stand der Diskussion im Zusammenhang mit dem Unterrichtsmodell 2019+ im Beitrag des Regionaljournals Aargau/Solothurn:

Der kubische Retter

Endlich ertönt das befreiende Klingeln der Schulglocke. In Windeseile packe ich meine Sachen in den Rucksack und stürme aus dem Zimmer. Schon die ganze Stunde habe ich darauf gewartet, mit dem kühlen Nass meine ausgetrocknete Kehle zu benetzen. Die Treppe hinunterstolpernd, bahne ich mir einen Weg durch den dichten Strom von Schülerinnen und Schülern. Der kubische Retter steht erhaben in der Ecke, als warte er nur darauf, eine verzweifelte Schülerin aus ihrer Not zu befreien. Zittrig werfe ich mit viel Mühe meine silbrigen Taler ein. Weiterlesen

Peng!

Chiara Leone besucht die vierte Klasse der Sportabteilung an der AKSA. Seit über zehn Jahren trainiert die Fricktalerin im Schiessstand. In ihrer Sportart durfte sie schon mehrere Erfolge feiern; so nahm sie an zwei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft teil. Kürzlich konnte sie sogar den Alpencup in Bologna gewinnen. Es bleibt der Traum von Olympia.

Der Fussabstand ist ausgemessen, der stabilisierende Anzug passt genau, und das Gewehr wird minutenlang in die richtige Position gebracht. Nichts wird dem Zufall überlassen. Den Blick auf das Ziel gerichtet, steht die 19-jährige Chiara Leone im Keller des Werkhofs in Frick. Mit dem Finger am Abzug zielt sie auf die zehn Meter entfernte Zielscheibe. Dann – peng!


[Video: Chiara Leone beim Training]

Angefangen hat alles, als Chiara einmal ihren Vater zum Volkschiessen begleitete. Auf Anhieb war sie von dieser Sportart begeistert und fing an, regelmässig zu trainieren. Am Sportschiessen faszinieren sie vor allem die Präzision und die mentale Stärke, beides absolut essentiell für diesen Sport.

Da sie immer besser wurde und so immer mehr Trainingseinheiten nötig wurden, entschloss sie sich, die Sportkanti zu besuchen. Mittlerweile ist ihr Alltag gut geregelt, und ihr Körper hat genügend Zeit, sich zu regenerieren. Ihr Training ist sehr vielfältig: Natürlich beinhaltet es das Schiessen – fünfmal die Woche, ausserdem Kraft- und Ausdauertraining, welches eine optimale Basis für die Saison bietet. Nicht zu vergessen das Mentaltraining, welches in der heutigen Zeit immer wichtiger wird. «Ein tiefer Ruhepuls und eine gute Rumpf- und Bauchmuskulatur», sagt Chiara Leone, «sind unabdingbar für die Gelassenheit und Stabilität beim Schiessen.»

Das Gewehr als Sportgerät
Chiara Leone schiesst über die 10m-Distanz mit dem Luftgewehr und über die 50m mit einem Kleinkalibergewehr. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Gewehren sei nicht sehr gross, sagt sie, das Kleinkalibergewehr habe halt einfach den heftigeren Rückstoss. Auf die Frage, welche Bedeutung sie dem Gewehr zuschreibt, das ja eigentlich ein Instrument zum Töten ist, antwortet Chiara sehr bestimmt: Das Gewehr sei für sie ein Sportgerät, nichts mehr – wie der Fussball für einen Fussballer. Weder sie noch ein anderer Sportschütze würden es je einsetzen, um jemandem zu schaden.

Olympia wartet
Wettkämpfe mit dem Luftgewehr laufen bei den Frauen immer gleich ab: Man hat 50 Minuten Zeit, um 40 Schüsse abzugeben. Vorher hat man eine Viertelstunde Zeit, um sich im Stand einzurichten, dann nochmals 15 Minuten, um Probeschüsse abzugeben. Die mentale Vorbereitung ist ein zentraler Aspekt des Sportschiessens. Chiara sagt, sie stelle sich vor jedem Wettkampf den Ablauf genau vor und versuche das dann bei jedem einzelnen Schuss so umzusetzen.


[Bild: Tobias Gamp]

Chiaras bisher eindrücklichstes Erlebnis war, als sie vor drei Jahren ihren ersten nationalen Wettkampf gewinnen konnte. «Ich war krasse Aussenseiterin», sagt sie mit einem Augenzwinkern, «konnte aber einen sehr guten Wettkampf zeigen und sogar die damalige Junioren-Weltmeisterin schlagen.»

Ein gutes Omen für Olympia.

Von Evamaria Fuchs und Mirjam Sutter, G3L

Leerschlag

 

An einem verregneten Freitag vor drei Wochen hatte sie erfahren, dass sie für immer verlassen worden war. Ein Klingelton störte die abendliche Ruhe der Wohnung, einige Worte fielen am anderen Ende der Leitung, zögernd, mit belegter Stimme. In dem Moment verstummte etwas in ihr, etwas störte den Takt, der bis anhin ihr Leben geordnet hatte. Im Dunkeln fand ihr Blick nichts, woran er sich festhalten konnte, glitt ins Weite. Vor ihren Augen verschwammen die Umrisse der Einrichtung, ihre Finger umklammerten den Hörer. Das Schweigen hatte an ihr gezerrt, als hätte es ihr ein Geräusch entreissen wollen. Weiterlesen

Kolam

Was im Eingang der tamilischen Häuser täglich wie eine Blume blüht, ist das Kolam. Kolam meint Schönheit und ist eine spezielle Kunstform, die unter Zeichnungskunst eingeordnet wird. Analysten behaupten, dass es den Brauch Kolam schon gab, bevor die tamilische Buchstabenschrift entstand. Am Anfang wurden nur einfache Linien gezogen. Als man mit der Zeit den Dreh raus hatte und sich die Hand daran gewöhnte, machte man komplexere Muster mit komplexeren Formen.

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Das Multitalent

Sie vollbringt Spitzenleistungen auf ganz unterschiedlichen Gebieten. Nina Kathe ist Spitzensportlerin und viel versprechende Wissenschaftlerin. Und ganz entspannt. Begegnung mit einem Phänomen.

Lächelnd sitzt uns Nina Kathe in ihrem leuchtend grünen Top gegenüber. Grün ist übrigens, wie wir später erfahren, auch ihre Lieblingsfarbe. Bei Kaffee und Kuchen im Restaurant Tuchlaube staunen wir über den Weg, den die Neunzehnjährige bereits zurückgelegt hat. 2016 hat sie als Jahrgangsbeste die Alte Kantonsschule Aarau abgeschlossen, darf sich Medaillengewinnerin an der Internationalen Biologie-Olympiade nennen, ist Schwarzgurtträgerin in Karate und seit ein paar Wochen Biomedizin-Studentin.


[Bild: Delia Limacher]

Die Kämpferin
Mit sieben Jahren besuchte Nina zum ersten Mal ein Probetraining in Karate, und schon früh zeigte sich nicht nur ihre besondere Begabung, sondern auch eine echte Leidenschaft. Heute trainiert Nina drei- bis viermal pro Woche in der Kampfschule Aarau. Zusätzlich absolviert sie momentan noch selbstständig einige Trainingseinheiten, um sich konditionell und mental optimal auf die Karateprüfung in einem Jahr vorzubereiten, wo sie sich den zweiten schwarzen Gürtel holen will.

Die Forscherin
Als wir auf ihre zweite grosse Passion zu sprechen kommen, funkeln ihre Augen. Biologie und Medizin. Für ihre Maturaarbeit untersuchte sie Antibiotikaresistenzen und versuchte dabei Wege zu finden, diese auszutricksen. Dabei testete sie an zwei verschiedenen Bakterien zwei verschiedene Resistenzen, vier Wochen lang – während der Sommerferien. Die Begeisterung für die Forschung hat sie nicht losgelassen, entsprechend hat sie vor kurzem an der Universität Zürich ein Studium in Biomedizin begonnen. Jetzt profitiert sie auch von all der Vorarbeit, die sie schon während der Kantizeit geleistet hat. Während der letzten beiden Schuljahre nämlich fehlte Nina jede Woche ein bis zwei Halbtage; als Schülerstudentin besuchte sie an der Universität Zürich Vorlesungen in Biologie und beschäftigte sich mit neurologischen Prozessen im Gehirn. Ihre überdurchschnittlichen Fachkenntnisse waren die Grundlage für den Gewinn der Goldmedaille an der Schweizer Bio-Olympiade. Und es sollte noch besser kommen: Auch an der internationalen Bio-Olympiade in England gewann sie eine Medaille – diesmal Bronze. «Mindestens so wichtig wie die Medaille aber sind die Kontakte», sagt Nina. «Ich habe Wissenschaftler aus der ganzen Welt kennengelernt. Das waren sehr spannende Begegnungen.»

Die Managerin
Wer mit Nina spricht, wird den Gedanken nicht los, dass irgendein Geheimrezept hinter diesen Erfolgen steckt. Auf die entsprechende Frage antwortet Nina mit einem Schmunzeln. Dann sagt sie: «Einen Trick oder so gibt’s natürlich nicht. Aber ich bin wohl ein ziemlich gut organisierter Mensch. Und: Manchmal ist weniger mehr; das habe ich gelernt.» Sie ergänzt: «Klar, Interesse ist natürlich immer hilfreich. Ich habe mich einfach schon früh für alle möglichen Wissensgebiete interessiert. Und zum Glück kann ich sie ziemlich gut managen.»

Sie trinkt genüsslich den letzten Schluck Kaffee und lehnt sich zurück. Ganz entspannt.

Von Laura Wälchli und Delia Limacher, G3L

Anita Baltzer – das menschliche Zentrum der AKSA

Über 20 Jahre lang war Anita Baltzer so etwas wie die Seele der Alten Kantonsschule, zuerst auf dem Sekretariat, dann als Rektoratsassistentin. Seit Oktober 2017 ist sie nun pensioniert. Zeit für einen Blick zurück.


[Bild: Tobias Gamp & Alexander Levnajic]

An mehreren aargauischen Kantonsschulen wurde eine Mathematiklehrperson gesucht. Eine Lehrerin bewarb sich an nicht weniger als vier Schulen – und überall wollte man sie anstellen. Sie entschied sich schliesslich für die Alte Kantonsschule Aarau. Warum? Hier sei sie am freundlichsten behandelt und empfangen worden. Ungefragt nannte sie auch die Person, die sie mit diesem Kompliment vor allem meinte: Anita Baltzer.

Gute Laune gegen die Bürokratie
Anita Baltzer kannte jede Lehrperson an unserer Schule, auch jede Stellvertreterin und jeden Stellvertreter. Das galt aber auch umgekehrt: Alle kannten sie. Bei der Anstellung der allermeisten Lehrerinnen und Lehrer, die an der Alten Kanti unterrichten, war sie involviert. Sie hat die Kontakte hergestellt, Termine organisiert und vor allem Verträge ausgestellt. Es waren Hunderte in den fast zwanzig Jahren, in denen ich mit ihr zusammenarbeiten durfte. Hinzu kommen die Lohnverfügungen und all die weiteren Formulare und offiziellen Meldungen, welche die staatliche Bürokratie erfordert. Anita Baltzer kam stets gut damit zurecht, besser als manche Lehrpersonen. Zwar wurden ihre Nerven kurz vor der Pensionierung mit der neuen Lohnadministration arg strapaziert, doch irgendwie kam Anita Baltzer auch mit ALSA klar, wie sie überhaupt bei zahllosen Problemen und Problemchen eine Lösung wusste – auch und gerade in zwischenmenschlichen Bereichen. Und immer hatte die positive Stimmung, die sie verbreitete – sei es beim Arbeiten, am Telefon, in ihren Mails und nicht zuletzt in den Kaffeepausen –, eine geradezu ansteckende Wirkung.

Lange Wege, kurze Wege
Ihr Büro hatte Anita Baltzer gleich neben dem Rektorat. Sie war meine direkte Nachbarin und das war sehr gut. Aber noch vor einigen Jahren war das anders gewesen. Zwischen den beiden Büros lagen früher nämlich das Schulsekretariat und das Büro des ehemaligen Schulverwalters. Anita Baltzer und ich waren froh, dass der Umbau der Sekretariatsräumlichkeiten unsere Wege schliesslich verkürzte und die produktive Zusammenarbeit erheblich erleichterte. Anders, das hat sich über die Jahre gezeigt, wäre die Fülle von Aufgaben und Geschäften im Personalwesen einer grossen Schule wie der Alten Kanti gar nicht zu bewältigen.

Anita Baltzer für alle Fälle
Anita Baltzer hat unzählige Arbeitszeugnisse und -bestätigungen entworfen und ausgestellt. Sie hat Urlaubsgesuche und Rücktrittsschreiben beantwortet und Lehrpersonen bei krankheitsbedingten Abwesenheiten nicht nur administrativ betreut. Sie hat Aktennotizen verfasst. Sie hat mich aber auch an den jährlichen Jahresschlussfeiern in verschiedensten Belangen unterstützt. Sie hat Blumen, Wein und andere Geschenke für Pensionierte und Referenten besorgt. Sie hat die notwendigen Kontakte zu den Amtsstellen und -personen mit sehr viel menschlichem Geschick gepflegt.

Kommissionsarbeit bei Kaffee und Nussgipfel
An den Sitzungen der Schulkommission der Alten Kanti war die Präsenzdisziplin stets sehr gut, soweit dies über die letzten fast zwanzig Jahre beurteilt werden kann. Wenn einmal jemand fehlte, war das halt so; die Traktanden wurden dennoch abgehandelt und bewältigt. Nur eine Person durfte nicht fehlen: Anita Baltzer. Ohne sie hätte es weder ein Protokoll noch – weit schlimmer – Schinken- und Käsebrote gegeben, und unsere Sitzungen wären nie das gewesen wären, was sie zwanzig Jahre lang waren: interessant, vielseitig und vor allem herzlich. Das lag am Präsidenten, der all die zwanzig Jahre derselbe war, und eben an der Seele der Kommission: Anita Baltzer. Es fing jeweils schon bei den Vorbereitungssitzungen zu dritt an: Bei den Treffen von Präsident, Protokollführerin bzw. Aktuarin und mir wurden Termine gesucht und Geschäfte andiskutiert, vor allem aber freuten sich alle auf die Nussgipfel zum Kaffee, wofür sich die Frau verantwortlich fühlte, die im vorliegenden Text schon mehrfach Erwähnung fand.

Erfolgreiche und freundschaftliche Zusammenarbeit
Begonnen hatte alles 1994. In diesem Jahr kam Anita Baltzer als Rektoratssekretärin an die Alte Kanti Aarau. Hier hatte sie einige Jahr zuvor die damalige Handelsdiplomschule und heutige WMS besucht und abgeschlossen und auch ihren Mann kennengelernt, mit dem sie noch heute verheiratet ist. Rektor der Schule war damals Max Lindegger, der Anita Baltzer schon nach knapp zwei Jahren als Sekretärin und Protokollführerin für die damalige Projektleitung zur aargauischen MAR-Umsetzung empfahl. Hier durfte ich Anita Baltzer mit ihrem Elan und ihrer Ausstrahlung kennenlernen. Zu diesem Zeitpunkt nahm unsere erfolgreiche und geradezu freundschaftliche Zusammenarbeit  ihren Anfang. Diese Zusammenarbeit war nicht nur für uns beide interessant, angenehm und bereichernd, sondern wohl auch für die Schule gewinnbringend und vorteilhaft.

Ende Oktober, vor wenigen Wochen also, ging Anita Baltzer in Pension. Sie war eine Art menschliches Zentrum unserer Schule. Die Mitarbeitenden, die Lehrpersonen und die Schulleitung vermissen sie. Vor allem aber sind wir ihr dankbar für all das, was sie in ihren über zwanzig Jahren an der Schule für uns war und was sie für die Alte Kanti und uns geleistet hat.

Von Dr. Martin Burkard, Rektor

Robert Hairgrove und die magische Zahl

Mit einem virtuosen und gefeierten Beethoven-Rezital unter texanisch anmutenden Hitzeverhältnissen in der Aula der Alten Kanti nahm Robert Hairgrove vor den Sommerferien auf adäquate künstlerische Art Abschied von der Schule.


[Bild: Frédéric Giger]

Robert Hairgrove wurde in Texas geboren, studierte Klavier in Baltimore und Austin, später führte ihn der Gewinn eines DAAD Stipendiums an die Musikhochschule nach Hamburg. Zu seinen wichtigsten Lehrern gehörten John Perry, Walter Hautzig und Alber Hirsh. In Europa begann er bald eine langjährige internationale Konzert- und Aufnahmetätigkeit.

1985 wurde Robert Hairgrove als Klavierlehrer an unsere Schule gewählt und blieb 32 Jahre lang der Alten Kanti treu. Sein Unterricht war geprägt von Begeisterung und Leidenschaft für alle Geheimnisse der Pianistik, von treffenden Sprachbildern bei der Vermittlung musikalischer Inhalte und insbesondere von seiner virtuosen Beherrschung der spieltechnischen Aspekte. Nicht zufällig fand eine beachtliche Zahl seiner Schülerinnen und Schüler den Weg in den Musikerberuf.

In der Fachschaft setzte sich Robert Hairgrove immer ein für Fairness, für Herzlichkeit und für inhaltliche Klarheit und Präzision. Als begeisterter Computerfachmann – eine zweite Begabung! – kümmerte er sich zudem um alle elektronischen Belange der Fachschaft Instrumentalmusik. In Kammermusikprojekten und als Liedbegleiter wirkte er oft in Aulakonzerten mit und begleitete am Klavier regelmässig Schülerinnen und Schüler an Prüfungen, in Lunchtime-Konzerten und Musizierstunden.

Lieber Bob, für all den Einsatz in deinem Unterricht und für die Kolleginnen und Kollegen dankt dir die Fachschaft Instrumentalmusik von Herzen. Möge die schöne Symbolik der magischen Beethovenzahl 32 ein gutes Omen sein für deine zukünftigen künstlerischen und privaten Unternehmungen!

Von Tomas Dratva, Klavierlehrer und Pianist

Heinz Boppart – auf zwei Rädern in die Zukunft

Vor etwa einem halben Dutzend Jahren tauchte in der Fachschaft Physik und Mathematik einer auf, der sowohl der Älteste als auch der Jüngste war. Er war ein Jung-Lehrer, hatte uns aber nicht nur ein paar Lebensjahre, sondern auch bedeutende berufliche Stationen und viel Lebenserfahrung voraus.

Heinz Boppart hat seine berufliche Karriere mit einer Elektroniker-Lehre bei der BBC begonnen, danach ein Physikstudium an der ETH und ein Postdoc in Harvard absolviert. Jahre später gab er zugunsten einer Anstellung an der Alten Kanti den Job als Vizedirektor bei der UBS auf. Daran mussten wir uns erst gewöhnen. Heinz Boppart machte es uns aber leicht: Mit seinem Hintergrund brachte er einen erfrischend anderen Wind in unsere Fachschaft, und mit seinem unbestechlichen Aussenblick und seiner Neugierde gegenüber dem Schulbetrieb zwang er vor allem uns alte Hasen zum Nachdenken über viele eingeschliffene Schul-Gewohnheiten.


[Bild: zVg]

Ich vermute, dass er sich bei uns gut aufgehoben fühlte – sonst hätte er sich wohl nicht bereit erklärt, die ganze Fachschaft an den legendären VSG-Kongress «science – cuisine» ins Wallis zu chauffieren. Nach dem grandiosen Buffet im Château de Venthône brauchten wir uns zum Glück keine Sorgen um die sichere Rückkehr zu machen.

Lieber Heinz, auch wenn wir noch nicht alle gemeinsam geplanten Projekte abgeschlossen haben: Wir lassen dich ziehen und freuen uns auf Postkartengrüsse von deinen Fahrradtouren. In diesem Sinn wünschen die Fachschaften Physik und Mathematik dir und deiner Frau Elisabeth alles Gute für den Weg zu neuen spannenden Lebensstationen.

Von Martin Jordi, Physiklehrer

Wort & Klang

In der «ausverkauften» Aula der Alten Kantonsschule  trafen die Talente der literarischen Begabungsförderungsgruppe «Treffpunkt Text» auf die Solist(inn)en der kantonalen Spitzenförderung Musik. Der anspruchsvolle, rundum gelungene literarisch-musikalische Novemberabend war eine Premiere. Mit hoffentlich vielen Nachfolgern. Weiterlesen

1 – 68 – 60

Im November fand an der Alten Kantonsschule erstmals der zusammen mit der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW konzipierte TecDay statt. 1 Tag. 68 Workshop-Module. 60 Schulklassen. Und alles drehte sich für einmal um Technik und Naturwissenschaften. Ein Stimmungsbericht.

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