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In kleinen Schritten zu einer umweltbewussteren Kanti

Auch 2021 gab es im Rahmen des Projektunterrichts an der Alten Kanti wieder einen Aktionstag rund um die Themen Ernährung, Lebensmittel und Abfall. Genau genommen war es ein Halbtag am 14. September 2021, an dem sich die Abteilungen G19A, G19F und G19H beteiligten und der von Sabrina Aegerter, Fabia Brentano, Lara Dredge und Manuela Knecht geleitet wurde. Ein Erfahrungsbericht. Weiterlesen

Beten und arbeiten in Einsiedeln

Schon seit fast elf Jahrhunderten lebt im Kloster Einsiedeln eine Gemeinschaft der Benediktiner. Sie lebt nach der Regula Benedicti, dem Kodex des heiligen Benedikt. Ein Tag im Kloster ermöglichte uns einen Einblick in die Lebensart und die Gedankenwelt der Einsiedler Mönche.

Von Olivier Schade und Johannes Voss, G19A


[Bild: zVg]

Hoch ragen die beiden Glockentürme über den Hausdächern von Einsiedeln auf, als wir Richtung Kloster gehen. Jedoch wird uns die wahre Grösse des Klosters erst bewusst, als wir auf dem neuen Vorplatz stehen.
Wir sind verabredet mit Frater Clemens an der Klosterpforte. Frater Clemens ist ein Bruder, der die Priesterweihe noch nicht empfangen und somit den Titel des Paters noch nicht bekommen hat. Er begleitet uns durch die weiten Gänge des Klosters, über einen Hintereingang in den unteren Chor der Kirche. Dort stehen bereits einige Patres im Messegewand, um an der täglichen Messe, dem Konventamt, teilzunehmen. Die Wände und Säulen und auch die Decke sind reich geschmückt mit vergoldeten Verzierungen und farbigen Gemälden. Ein bleibender Eindruck. Viel Zeit zum Staunen bleibt uns aber nicht, da die letzten Glockenschläge verstummen und die Messe beginnt.

Festlicher Empfang
Aus der Stille heraus öffnet sich unversehens eine Seitentür: Zwei Novizen und – wie wir später erfahren – zwei Schüler der Stiftsschule kommen in weisse Gewänder gekleidet herein. Der Vorderste schwenkt ein Weihrauchfass, die ihm nachfolgen, tragen eine Kerze in der Hand. Abwechselnd wird nun gebetet und gesungen, zwischendurch werden Bibeltexte rezitiert. Ein Zwischenspiel der Orgel leitet das diesjährige Fest der Kreuzerhöhung ein. Gegen das Ende der Messe gibt uns Frater Clemens ein Zeichen, dass auch wir uns in den Kreis der Mönche um den Altar begeben sollen, um an der heiligen Kommunion teilzunehmen – was wir dann auch tun. Nach dem Vaterunser knien wir uns vor dem Altar nieder und nehmen die Hostie ein.
Während die Messebesucher/-innen die Klosterkirche nach der Kommunion verlassen, dürfen wir von der Empore aus noch die Mittagsmeditation mitverfolgen. Nach fünfzehn Minuten meditativer Ruhe schreiten wir mit den Mönchen in den grossen Saal zum Mittagessen. Ausnahmsweise darf heute während des Essens gesprochen werden, denn der Tag der Kreuzerhöhung ist ein Feiertag.
Im Speisesaal treffen wir Pater Lorenz, den Informationsbeauftragten des Klosters, mit dem wir uns verabredet haben. Er erklärt uns die Regeln beim Essen: Zum Beispiel schöpft sich jeder selbst seine Mahlzeit in den Teller und reicht dann den Topf weiter. «Die Sitzordnung folgt dem Eintrittsalter, nach oben ansteigend», erklärt Pater Lorenz, «dadurch sitzt jeder Bruder immer neben dem gleichen Nachbarn.» Er erzählt uns von der langen Zeit, die er bereits im Kloster verbracht hat. Seit nicht weniger als 60 Jahren nämlich lebt er schon innerhalb der Einsiedler Klostermauern. Und was hat ihn am meisten geprägt? Er überlegt nicht lange: «Das Gebet, das Zusammenleben in der Gemeinschaft. Das hat mich so lange hier gehalten.»

Brüderlicher Alltag
Das Festmahl wird per Tischglocke beendet, und dann gibt es den Mittagskaffee. Der Kaffee wird immer im Stehen eingenommen und dient als Möglichkeit für entspannte Gespräche unter den Brüdern und Gästen. Daraufhin ziehen wir uns mit Pater Lorenz in ein Zimmer für die Fortsetzung unseres Gesprächs zurück. Er schildert uns den Tagesablauf für die Mönche im Kloster: Der Tag beginnt schon früh. Um halb sechs geht es bereits los mit der Mette. «Es ist eine Tradition der Benediktiner, am Morgen bei Dunkelheit das erste Gebet abzuhalten. Überhaupt steht das Gebet im Zentrum unseres Alltags», führt er aus. So folgt dann die erste von sechs über den ganzen Tag verteilten Gebetszeiten. Die wichtigsten Anlässe sind allerdings das Konventamt am Vormittag und die Vesper vor dem Abendbrot. Zwischen den festen Zeiten geht jeder seinen Aufgaben nach – denn neben dem Gebet soll auch gearbeitet werden. Das Leben im Kloster dreht sich um die Gemeinschaft zwischen den Brüdern, das Gott gewidmete Leben und die damit verbundene Leidenschaft für den Glauben. Die Brüder verbringen also die meiste Zeit im Kloster. So ist es auch verständlich, dass sie keinen Broterwerb haben. Ihr Lebensunterhalt wird aus der Klosterkasse finanziert, welche durch Einkünfte aus den Ländereien und aus diversen klostereigenen Handwerksbetrieben stetig wieder aufgefüllt wird. Jeder Mönch lebt höchst bescheiden in einem kleinen, einfach eingerichteten Zimmer auf etwa zwanzig Quadratmetern; private Besitztümer haben die Mönche praktisch keine.

Schätze aus Jahrhunderten
Auf dem Klosterrundgang führt uns Pater Lorenz in die alte Klosterbibliothek. Bücherregale erstrecken sich vom Boden bis an die gewölbte Decke, sie sind gefüllt mit Büchern vom 16. bis 19. Jahrhundert. Dieser prächtige Grosse Barocksaal voller theologischer Schriften versetzt uns in Staunen. Allerdings wird der Bücherschatz im Alltag kaum noch gebraucht, denn auch das Kloster Einsiedeln hat sich dem Zeitgeist angepasst. An Informationen können die Brüder viel leichter über Google auf ihren Smartphones oder persönlichen Computern gelangen.
Weiter geht’s in Richtung der Stiftsschule, in der Schülerinnen und Schüler im Anschluss an die Primarschule bis zur Matura ausgebildet werden. Obwohl die Schule offiziell vom Kloster geführt wird, funktioniert der Lehrbetrieb unabhängig von der Klosterleitung. Es gibt jedoch einzelne Brüder, die dort unterrichten, und verschiedene Formen der Zusammenarbeit, wie zum Beispiel beim Konventamt.

Das Kloster der Zukunft
Das Internet und die Stiftsschule sind zwei wichtige Fenster in die Welt hinaus, und sie verändern in gewisser Hinsicht auch das Denken der Brüder. Die grösste Herausforderung für das Kloster der Zukunft sieht Pater Lorenz denn auch darin, mit der Digitalisierung klug umzugehen und der modernen Denkweise von Novizen Rechnung zu tragen. Auch für die junge Generation soll das Klosterleben in Einsiedeln attraktiv gestaltet werden – ohne in Bezug auf die Regula Benedicti Abstriche zu machen. «Interessanterweise aber», merkt Pater Lorenz an, «wollen junge Brüder den Alltag im Kloster tendenziell wieder konservativer gestalten». Einige von ihnen wünschen sich gewisse alte Regeln zurück. «Da gilt es Kompromisse zu finden», meint Pater Lorenz. Er lehnt sich zurück, faltet die Hände über der Brust. Seine Aussage scheint ihn nachdenklich zu stimmen. Denn natürlich ist der Nachwuchs zentral für die Zukunft des Klosters. Dann schaut er uns an und sagt lauter als vorher: «Aber Sorgen mache ich mir keine. Die Gemeinschaft hat sich über so viele Jahrhunderte bewährt; wir werden gute Lösungen finden.»


[Bild: https://www.freunde-kloster-einsiedeln.ch]

Masken im Schweizer Brauchtum

Wie wichtig sind unsere Bräuche heute noch? Manche geraten in Vergessenheit, andere werden immer noch von ganzen Regionen gelebt. Ganz besonders Bräuche, in denen Masken eine zentrale Rolle spielen, scheinen trotz (oder wegen!) ihrer jahrhundertelangen Geschichte nach wie vor im Trend zu sein. Worin also liegt die Faszination von Masken im Brauchtum? Und was verbirgt sich dahinter? Weiterlesen

3 Gedichte mit Audio

Sterbender Sommer
Bernsteinbraune Augen
verlieren sich
in der weiten Menge
der warme Wind wirbelt
in meinem Haar
und roten Blättern
an der Ecke zum Park

Die Schönheit der Welt
liegt in den Zyklen
Geburt und Vergehen
und alles ein Anfang

Denn ich bin verliebt
in den Jungen
der im Café sein Buch liest
in die Mädchen an der Kreuzung
in die alte Dame am Zeitungskiosk

Und vielleicht
ist das Liebe auf Zeit.

—————-
Schwarzer Schnee
Du tanzt barfuss im Schnee
unter tintenschwarzer Nacht
unsere Atemwolken schimmern
im blassen Fensterlicht
wann bist du so schön geworden?

Jubelnde Silvestergäste
hier draussen hören wir sie nicht
zu zweit allein
jung und frei
du tanzt, ich sehe dich –
doch du

—————–
Graffito
I’m sorry I fell for you during a pandemic
steht oben geschrieben
an der düstergrauen Wand

Warum sind es immer fremde Menschen
die mir am vertrautesten sind?

Von Tabea Geissmann

Ein Quöllfrisch – und ab nach La Spezia

Ende November trafen sich drei weisse verheiratete Männer, mittleren Alters im Zimmer15 und diskutierten zwei Stunden lang mehr oder weniger erfolgreich über den BegriffLifestyle. Getrunken haben sie dazu ein Appenzeller Quellfrösch, welche einer der dreiaus einer weissen 5-Rappen-Plastik-Tüte des nahen Grossverteiler gezaubert hatte.

Von Michael Bouvard, Simon Scholl und Michael Schraner

Michael B.: Eigentlich weiss ich gar nicht so recht, was das heisst Lifestyle.Michael Sch.: Übersetzt heisst es ja Lebensstil und be-schreibt eine Lebensweise. Man definiert sich über die Zu-gehörigkeit zu einer Peergruppe und über Materielles.

Simon: Im Sport definieren sich Fussballer über Frisuren und Tattoos, Snowboarder und Skifahrer über bestimmte Kleidermarken und Skater über ein bestimmtes Outfit und eine eigene Sprache.

Michael Sch.: Bei uns in der Kanti gab es die Buntfalten-hosenfraktion und diejenigen welche die Hosen tief trugen und Hip-Hop hörten. Zweimal dürft ihr raten, zu welchen ich gehört habe.

Michael B.: Also gehört alles dazu, was das Leben ausmacht, Musik, Kleider, Film, Vorbilder. Aber auch alles was man von sich weist, von was man sich abgrenzt und wasman nicht sein will.

Michael Sch.: Ja, genau. Auch Antimaterielles, Einstellung, Haltung und Werte gehören zu einem Lifestyle.

Michael B.: Dabei stellt sich aber immer auch die Frage: bin ich das wirklich, oder will ich das nur sein?

Simon: Du meinst, um dazu zugehören oder weil dieserLifestyle gerade cool und angesagt ist?

Michael B.: Ja, genau! Und eine gewisse Beharrlichkeit und Kontinuität gehört meiner Meinung nach zu einem echten Lifestyle. Man kann nicht nach zwei Monaten bereits kein Surfer mehr sein.

Michael Sch.: Aber die Rollenspieloptionen der sozialen Plattformen sind viel flexibler, als dies unsere analoge Jugend vor 30 Jahren war. Der Lifestyle unserer Kinder besteht doch gerade daraus, an verschieden virtuellen Orten in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen.

Simon: Diese Rollen geben wohl auch Halt und helfen einem sich zu definieren, zu finden und auszuprobieren.

Michael B.: Durch vorgefertigte Rollen wird vieles einfacher und klarer. Viele Fragen stellen sich gar nicht.

Anschliessend wurde länger darüber debatiert, ob Lifestyle sich auf die Freizeit beschränkt, bzw. ob die Realität als Kantilehrer oder das Eltern sein auch Lifestyle sind und ob man als Einzelner verschiedene Lifestyles hat oder ob ein Lifestyle aus verschiedenen Welten bestehen kann. Dabei wurde auch ein Banker erwähnt, der in seiner Freizeit leidenschaftlich Origami faltet und über Leute gesprochen, deren äusseres Bild nicht zum Inneren passt(punkige Schale um einen konservativen Kern).

Simon: Jugendliche habe heute Mühe, sich von den Erwachsenen abzugrenzen und leben gesundheitsbewusster und ökologischer als unsere Generation.

Michael B: Man könnte darüber spekulieren, ob damit auch die Lifestylevielfalt abgenommen hat?

Michael Sch.: Vermutlich ja. Und die Jugendlichen sind perspektiveloser. Eine Art Biedermaier reloaded. Mit dem einzigen Ziel, einmal eine Familie zu gründen und sich ein Haus zu leisten.

Michael B.: So, wie wir drei ; – ).

Im Weiteren Verlauf wurde darüber gesprochen, ob Lifestyle ein Phänomen unserer Zeit ist oder ob es im Mittelalter auch schon einen Lifestyle gegeben hat. Einig wurde man sich darüber, dass Lifestyle ein gesellschaftlich-kulturelles Luxusproblem ist und ein Rollenswitch und der Fokus auf sportlich-kulturelle Äusserlichkeiten und Produkte immer extremere Formen annimmt(der Energy Drink vom Hip Hop Star). Eigenartigerweise wurde dabei auch der barocke Begriff des Gesamtkunstwerks ins Feld geführt.

Michael B.: Es stellt sich die Frage, ob es in der heutigen alghorithmisch gelenkten Welt noch die Möglichkeit gibt, einen echten, ehrlichen, intrinsich motivierten Lifestyle zu leben?

Simon: Man dreht sich beim Suchen im Internet im Kreis, es findet keine Entwicklung statt.

Michael Sch.: Die echte Wahl gab es doch nie. Als Skaterlebt man auch in einer Bubbel und wenn man auf dem Landaufgewachsen ist, hatte man auch keine echte Wahl.

Simon: Entscheidend ist doch, dass es sich für einen echt anfühlt. Egal ob früher oder heute ob KI determiniert oder real existierend.

Im Weiteren Verlauf des Gesprächs drehen sich die drei Herren mehrfach im Kreis, ohne weitere Aspekte herauszuschälen. Der Begriff der Authentizität wurde dabei mehrfach bemüht. Die Echtheit bestimmter Lebensphasen und Ideen wurden diskutiert und die Relevanz von Vorbildfiguren betont.

Michael B: Wie ernst war etwas? War ich damals ein Fake?

Simon: Im Moment war es ernst und damit ist es ok.

Michael Sch.: Wir tun immer so, wenn wir immer freie Wahl hätten. Doch das stimmt einfach nicht.

Michael B: Je älter man wird, umso breiter ist der Lebensfächer, früher konnte man noch viel fokusierterter agieren.

Michael Sch.: Der sentimentale Blick zurück gehört aufjeden Fall auch zu unserem Lifestyle.

Michael B.: Ein Lifestyle ist immer auch ein Filter für die Welt, die uns umgibt.

Je länger das Gespräch dauert – wir sind hier erst bei Minute 44 der Aufzeichnung – umso mehr wird es zu einem intensiven Gespräch unter guten Freunden. Dem Lifestyle der drei Familienväter tut es offenbar gut, einmal wieder einfach Zeit zu haben, bzw. sich Zeit zu nehmen. Die wichtigsten Themen werden anschliessend in der schulnahen Pizzeria besprochen. Das Aufnahmegerät blieb dabei ausgeschaltet.

Biryani Rezept

Von Paynavi Punithakumar, G19A

Reis:
2 Tassen Basmatireis -Reis waschen
3 Tassen Wasser
2TL Salz
1 kleines Stück Butter -Wasser, Salz, Butter und Safran aufkochen
2 Msp. Safran -Reis dazu geben
-Evtl. übrig gebliebenes Wasser vom Reis abgiessen

3 Karotten -Kartoffeln und Karotten in kleine Würfel schneiden und
2 Kartoffeln -mit Salz und Chillipulver gut durchmischen
1 TL Salz
Chillipulver (Menge je nach Schärfe)
Öl – In einer Pfanne zuerst Karotten frittieren, danach die Kartoffeln
50g Erbsen -Erbsen anbraten
Am Schluss den fertigen Reis mit dem Gemüse gut durchmischen.

Poulet-Curry:
2 grosse Zwiebeln -Zwiebeln in kleine Stücke schneiden und in einer Pfanne auf mittlerer Stufe anbraten
500 g Poulet Fleisch -Das Fleisch in mittelgrosse Stücke schneiden und wenn die Zwiebeln goldbraun sind, in die Pfanne geben.
1 ½ TL Salz -Nach etwa einer Minute mit Salz und rotem Curry würzen und Wasser dazugeben, anschliessend aufkochen lassen
Rotes Curry (nach Schärfe anpassen)
100 ml Wasser -Etwa zehn Minuten auf niedriger Stufe weiterkochen lassen
1/2 Zitrone oder Limette -Vom Herd nehmen und Saft der Zitrone oder Limette dazu pressen und gut umrühren. Reis mit dem Curry und mit gekochten Eiern servieren.

«Du kannst du sein»

Mark alias Kira Lafleur hat in der Kunst, in Drag zu performen, das Glück gefunden. Wir haben die 21-Jährige Aargauerin, eine Grösse in der Zürcher Drag-Szene, über Zoom zu ihrer nicht alltäglichen Kunst befragt und einen jungen Menschen kennengelernt, dem es ein Anliegen ist, seine Leidenschaft mit anderen Menschen zu teilen, aber auch Missverständnisse zu klären und mit Vorurteilen aufzuräumen.

Von Amina Colombo und Elin Cattaneo, G19A


[Bild: zVg]

sage&schreibe:Wann hast du mit Drag-Performances begonnen und wie bist du darauf gekommen?
Kira Lafleur:
Angefangen hat alles, als ich mit 12 Jahren das erste Mal Videos von Dragqueens gesehen habe. Da war ich noch etwas skeptisch, aber als ich dann auf eine Casting-Show für Dragqueens gestossen bin, war ich immer faszinierter. Ich dachte mir, da ich gerne singe, tanze und performe, kann ich das auch machen. Also fing ich an, mich zu schminken, und übte, auf High Heels zu tanzen.

Woher kommt dein Künstlername Kira Lafleur?
In der Schule war mein Spitzname Kiba. Da ich mich mit dem Namen sehr wohl fühle, wollte ich diesen teilweise beibehalten, so entstand Kira. Im Nachhinein erfuhr ich, dass «kira kira» auf Japanisch «funkelnd» heisst, was dem Namen einen schönen Touch gibt. Lafleur ist der Nachname einer Freundin, und da es der schönste Nachname ist, den ich je gehört habe, musste ich ihn einfach übernehmen. Er ist auch insofern passend, als ich gerne mit Blumen und Bouquets bastle und diese auch als Kopfschmuck trage.

Sind deine Verwandlungen nur «for fun» oder geht es dir um ein Statement?
Anfangs war es vor allem der Spass am Kostüm, dem Schminken und Tanzen, der mich vorangetrieben hat. Es war auch ein wichtiger Teil meiner Selbstfindungsphase. Drag half mir, aus dem Binären System herauszutreten. Drag ist etwas Rebellisches, das mich aus diesem Schubladendenken befreit hat und mir etwas gezeigt hat, was ich vorher noch nicht kannte. Mittlerweile ist es daher mehr ein Statement, rauszugehen und nicht der Norm zu entsprechen. Auch jüngeren Generationen möchte ich so zeigen: Du kannst du sein.

Was hast du für ein Verhältnis zu den Begriffen «männlich» und «weiblich»?
Grundsätzlich mag ich die Wörter nicht, denn was ist schon männlich und was weiblich? Wenn Menschen den Begriff «männlich» benutzen, meinen sie oft breit, muskulös, dominant. Ich höre lieber solche Begriffe als das Wort «männlich», denn auch Frauen können breit, muskulös und dominant sein. Ich würde jedoch lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die Bezeichnungen männlich und weiblich nie benutze, dafür sind sie in unserem alltäglichen Sprachgebrauch zu fest verankert.

Die Begriffe «trans» und «transgender» sind heute sehr präsent. – Hat eine Dragqueen etwas damit zu tun?
Es hat insofern etwas damit zu tun, dass es auch Transgender Drag-Performer gibt und es für viele ein Weg ist, sich in Bezug auf sein gefühltes Geschlecht selbst zu finden. Jedoch ist es wichtig zu betonen, dass trans/transgender ein soziales Geschlecht ist. Drag hingegen ist eine Kunstform, du schlüpfst in eine Rolle. Wenn eine Person transgender ist, hat das hat nichts mit einer Rolle zu tun.

Wie gehst du mit Unverständnis um?
Ich persönlich werde nicht oft mit verschlossenen Menschen konfrontiert, denn wenn ich in Drag bin, befinde ich mich immer in einem aufgeschlossenen Umfeld. In komplettem Performance Outfit in meiner Nachbarschaft herumzulaufen, traue ich mich aber bis heute nicht.
Es kommt schon vor, dass mich Menschen verwirrt anschauen, aber ich mag das. So werden sie mit etwas konfrontiert, was sie noch nicht kennen und was noch immer ein Tabuthema ist. Wenn wir uns aber zeigen, bleiben wir nicht ungesehen. Wichtig ist mir, dass es die Leute zum Nachdenken anregt.
Interessierten Personen erkläre ich auf humor- und respektvolle Art, was Drag ist. Ich kann mir vorstellen, dass man in gewissen Kreisen und Freundesgruppen nie über dieses Thema redet, deshalb will ich niemanden verurteilen und gebe mir Mühe, möglichst verständnisvoll zu sein.

Worin besteht die Faszination, als Mann in Frauenkleidern aufzutreten?
Was sind Frauenkleider? Wer sagt denn, dass Röcke und High Heels Frauen vorbehalten sind? Wenn man in der Geschichte zurückgeht, merkt man, dass hohe Schuhe ursprünglich für Männer gedacht waren. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist Louis XIV. Vor geraumer Zeit durften Frauen keine Hosen tragen – und mittlerweile ist es komplett normal. Kleider sind nur Stoff; warum also sollten wir Menschen aufgrund ihres Geschlechtes vorschreiben, was sie zu tragen haben? Für mich geht es darum, einen zentralen Aspekt meiner Persönlichkeit auszuleben und dabei anzuziehen, was ich möchte.

Bist du auf der Bühne eine Frau oder ein verkleideter Mann?
Ich bin nicht-binär, bezeichne mich also weder als Mann noch als Frau – unabhängig von der Bühne. Ich kann mir aber vorstellen, dass es viele Männer gibt, die Drag machen und ihre Rolle auf der Bühne als Frau bezeichnen würden. Ich selbst bin sowohl auf als auch neben der Bühne einfach ich. Abgesehen vom Make-up und den hohen Schuhen gibt es keinen Unterschied zwischen Mark und Kira. Viele trennen ihre Rolle aber ganz klar. Auf der Bühne sind sie eine Kunstfigur, vor- und nachher wieder sie selbst.

Wie ist der Umgang in der Szene? Ist man befreundet oder herrscht grosse Konkurrenz?
Weil wir in der Schweiz eine verhältnismässig kleine Szene haben, unterstützen wir einander gegenseitig. Wir schätzen es, andere Drag-Künstler kennenzulernen. Eine gewisse Konkurrenz gibt es in Bezug auf die Auftrittsmöglichkeiten. Wir wollen ja alle auftreten – so oft wie möglich.

Können alle Personen Drag machen?
Ja unbedingt! Alle können Drag machen, egal welches Geschlecht oder welche Sexualität. Sobald du dich wohl fühlst dich in Drag zu präsentieren und zu performen, tu es! Denn es wäre etwas paradox, wenn wir in der Drag Community Personen ausschliessen würden, obwohl wir ja für Gleichberechtigung kämpfen. Drag macht Spass, jeder, der Lust hat, soll es tun.

Kira Lafleur auf Instagram kiralafleuur

Drag/Dragqueen Eine Dragqueen performt (übertriebene) Weiblichkeit im Kontext einer Performance. Dragqueens sind oft, aber nicht immer, Cis-Männer, denn grundsätzlich handelt es sich bei Drag um eine Performance, die unabhängig vom Geschlecht der Person ist.
Nicht-binär: Oberbegriff für Personen, die sich nicht in das zweigeteilte Geschlechtersystem einordnen können oder wollen, sich also nicht ausschliesslich als männlich oder weiblich identifizieren. Solche Personen möchten sich auch nicht auf ein Personalpronomen reduzieren lassen. Sie verwenden wahlweise er/ihm oder sie/ihr.

Trans/transgender: Als transgender bezeichnet man Personen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona – Teil III

Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2020 ist Rektor Dr. Andreas Hunziker mit seinem Team vor allem als Krisenmanager an der Corona-Massnahmen-Front gefragt. – A never ending story? Teil III seiner Aufzeichnungen jedenfalls lässt noch nicht wirklich auf eine nachhaltige Entspannung der Situation schliessen.

Von Dr. Andreas Hunziker, Rektor

Schulbeginn im August – ohne Masken
Eher unerwartet für alle entscheidet die Kantonsregierung, dass das Maskentragen zum Schulstart im August trotz steigender Fallzahlen freiwillig ist. Eine Massnahme, die von vielen mit Freude und Erleichterung aufgenommen wird – sieht man doch endlich wieder Gesichter statt Verhüllungen –, die aber auch bei zahlreichen Lehrpersonen Unverständnis hervorruft. Und tatsächlich: Nachdem wir vor den Sommerferien fast keine positiven Fälle mehr hatten, sieht die Situation im August wieder anders aus. Etliche Schüler/-innen werden nach den Ferien positiv getestet, mehrere Abteilungen wechseln für eine Woche in den Fernunterricht – eine bewährte schulorganisatorische Massnahme, die für mehr Ruhe sorgt.
Da die Fallzahlen seit Schulbeginn exponentiell zunehmen, führt die Regierung drei Wochen nach dem Schulstart die Maskenpflicht wieder ein. Ob ein Start mit Masken nicht doch vernünftiger gewesen wäre?

Repetitive Tests / Impfen
Da beim Schulstart keine Tests zur Verfügung stehen – die vorhandenen Spucktestlösungen sind mit Keimen verunreinigt und daher unbrauchbar –, können wir das repetitive Testen erst in der 2. Woche wieder aufnehmen – mit einer sehr kleinen Beteiligung, was nicht erstaunt, wird den doppelt Geimpften und den Genesenen doch von der Teilnahme abgeraten.
Im August und September steht jeweils für drei Tage eine mobile Impfstation des Kantons auf dem Areal. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler nutzen das niederschwellige Angebot und lassen sich piksen. Die Impfkampagne an den Schulen bringt aber auch die Impfgegner aufs Parkett, ja sogar aufs Areal der Alten Kanti, wo sie mit einer Flyer-Aktion auf sich aufmerksam machen. Ich staune über die gelassenen, differenzierten und souveränen Reaktionen unserer Schülerschaft. Während der Impfaktion ist auch das Medieninteresse riesig, zudem wird das Areal von mehreren Polizisten in Zivil überwacht. Die Impftage verlaufen aber störungsfrei.

Projekt, Abteilungs- und Schwerpunktfachwochen – Ausflüge mit Zertifikat
Im September sind die ersten Abteilungs-, Projekt- und Schwerpunktfachwochen geplant. Bald stellt sich heraus, dass so eine Woche, selbst wenn sie in der Schweiz stattfindet, nicht mehr so einfach durchführbar ist wie früher. Für die meisten externen Aktivitäten brauchen wir ein 3G-Zertifikat: geimpft, genesen oder getestet. Schliesslich können unsere Projekte – Schulreisen, Studienwochen in der Westschweiz, Sozialeinsätze, Exkursionen und vieles mehr – erfreulicherweise regulär durchgeführt werden.
Die Zertifikatspflicht verändert auch den Umgang bei Veranstaltungen mit externem Publikum. Neu müssen alle Anwesenden ein Zertifikat vorweisen – eine Schutzmassnahme, die von einer grossen Mehrheit getragen wird. Für die geplanten Auslandsreisen im Frühjahr 2022 verlangen wir 2G – was bedeutet, dass nur ins Ausland mitreisen darf, wer geimpft oder genesen ist. Auch hier stellen wir fest, dass diese Massnahme mehrheitlich verstanden und begrüsst wird, nicht zuletzt wegen der sehr hohen Impfquote an der Schule.

Gleichzeitig hoffe ich aber, dass wir uns bald wieder (zertifikats-)frei bewegen können, dass wir keine Diskussionen mehr führen müssen mit Massnahmenkritikern und Impfgegnerinnen, dass unsere Gesellschaft nicht noch mehr gespalten wird, dass nicht noch mehr Freundschaften in Brüche gehen.

Die Alte Kanti in der grossen weiten Welt

Im Zeitalter der Digitalisierung ist es selbstverständlich, dass auch eine so alte und ehrwürdige Institution wie die Alte Kanti sich die Vielzahl von digitalen Möglichkeiten zu Nutze macht. sage&schreibe bietet hier eine Übersicht über die verschiedenen Arten, wie die Alte Kanti in der grossen weiten Welt auf sich aufmerksam macht. Weiterlesen

«Das Leben ist kurz, deshalb darf es auch intensiv sein»

Ein Künstler-Atelier, ausgestattet mit verschiedensten Werkzeugen. An den Wänden hängen nebst Tiergeweihen Fotos von Landschaften und unendlichen Weiten – aus Grönland oder Patagonien. Eines ist darauf immer zu erkennen: ein Mann, der sich ein Ziel gesetzt hat. Sei es als Expeditionsführer in der Arktis oder als Gleitschirmpilot mit einer Gämse als Passagier im Arm – seine Lebensart bedeutet Risiko. – Wir befinden uns im Büro von Thomas Ulrich. Und was für uns auf den ersten Blick nach Risiko aussieht, ist in Wahrheit detaillierte Planung.

Von Tatjana Gligorevic, Nick Häusler und Anna Piani, G19A


[Bild: zVg]

Es sind Selbständigkeit und Freiraum, die seinen Beruf ausmachen. Wie er sein Leben zu leben hat – das ist allein seine Sache. Ein ewiger Einzelgänger, der dafür sowohl Zuspruch als auch Kritik erntet. Thomas Ulrich tippt auf seine Uhr: «Ich wollte etwas finden, bei dem ich nicht ständig nachsehen muss, wann denn endlich Feierabend ist.»
Der Vierundfünfzigjährige schloss eine Lehre als Zimmermann ab, die ihn aber nicht erfüllte. Er entdeckte seine Leidenschaft für die Fotografie und schlug damit den Weg zum weltweit anerkannten Abenteuerfotograf ein. Erstmals finanziell abgesichert, machte er dann weitere Ausbildungen, etwa als Bergführer oder Gleitschirmpilot. So gesehen folgte sein Weg zur Berufung einem aufbauenden Prozess.
In grossen Figuren wie Sir Ernest Shackleton findet er Ideen für seine Projekte. So hat der legendäre Polarforscher die kommende Expedition, die für November dieses Jahres ansteht, inspiriert: «Quer durch Südgeorgien».

Die Angst, der Freund und Helfer
Thomas Ulrich – ein Abenteurer, der sich selbst als «ängstlich» bezeichnet und seine Expeditionen immer akribisch vorausplant. Es ist die Angst, die ihn am Leben hält; Als dreifacher Familienvater darf er es sich nicht leisten, fahrlässig zu handeln. Daher hält er sich von Extremsportarten wie Base-Jumping fern, diese seien zu wenig greif- und kalkulierbar.
Denn nicht alle Abenteuer enden gut. Tragische Geschichten von Freunden aber waren bisher kein Beweggrund, dem Abenteuer fernzubleiben. «Anders wäre es, wenn ich meine Kinder in Gefahr brächte. Deshalb bin ich sehr froh, dass sie nicht in meine Fussstapfen getreten sind!», fügt er schmunzelnd hinzu. Denn erst als er selbst Vater wurde, merkte er, welcher Sorge er seine eigenen Eltern aussetzte. Trotz allem hinderten die elterlichen Bedenken und Ängste ihn nicht daran, seine Träume und Ziele zu verwirklichen.

Ein Traum, der zum Albtraum wurde
2006 setzte sich der Abenteurer das Ziel, den arktischen Ozean von Sibirien nach Kanada zu durchqueren – allein. Doch das Scheitern gehört selbst bei genauster Planung dazu. Seine Reise endete damit, dass er vier Tage lang auf einer Eisscholle festsass. Nach seiner international vielbeachteten Rettung fand er sich in einem tiefen Loch wieder, aus dem er es lange Zeit nicht herausschaffte. Die Vorwürfe gingen tief, am meisten aber setzten ihm die Selbstvorwürfe zu. «Da habe ich schon auch am Sinn gezweifelt von dem, was ich tue.» Letztlich aber waren es diese intensiven Momente, die ihn Ruhe und Gelassenheit lehrten.

In der Natur sind wir alle gleich
Auf Gruppentouren sind es oft wohlhabende Leute in Führungspositionen, die bis zu 65’000 Franken zahlen, um ihn zu begleiten. Die Arktis aber, sagt Ulrich, lasse die Wichtigkeit von Positionen oder von Geld verblassen. Denn dort fänden sich alle auf derselben Ebene wieder. «Auf dem Eis kommt man sich näher. Solche existenziellen Erfahrungen prägen die Menschen auf eine einzigartige Weise. Das Leben ist kurz, deshalb darf es auch intensiv sein. – Ein bequemes Leben ist nichts für mich!»

Monatelang zu zweit unterwegs
Die Belastung bei Reisen, die Thomas Ulrich nicht als Leiter einer Gruppe antritt, sei deutlich geringer. Abenteuer mit Freunden kann er gelassener angehen und dabei lediglich die Verantwortung für sein eigenes Handeln und das der Begleitperson tragen. Selbstverständlich könne es schwierig sein, monatelang mit derselben Person und der Einsamkeit konfrontiert zu sein, sagt er, doch man sei zu beschäftigt mit den wirklich grossen Problemen, um sich darüber auch nur Gedanken zu machen.

Kein Vegetarier, dafür Jäger
Während einer weiteren Expedition nagte der Hunger an Ulrich und seinem Freund; die Nahrung war ihnen ausgegangen, der einzige Ausweg war das Erlegen eines Seehundes.
Aus dieser Begegnung, die letztlich sein Überleben gesichert hatte, entwickelte sich eine Leidenschaft: Heute ist Ulrich passionierter Jäger. Davon zeugen auch Hirschgeweihe und unterschiedliche Fotos in seinem Büro. Seinen Aussagen zufolge ist die Jagd für ihn so etwas wie das Gegenstück zur Massentierhaltung – eine gerechte Art des Fleischkonsums: «Wäre ich kein Jäger, so wäre ich wohl Vegetarier!» Auf der Jagd werde der Mensch auf seine natürlichen Eigenschaften reduziert. Insbesondere die Konfrontation mit sich selbst, der eigenen Persönlichkeit, ist auf der Jagd allgegenwärtig. In solchen Augenblicken, führt Ulrich aus, scheine die Zivilisation um einen herum zu verschwinden. Die Natur und die eigenen Sinne nutzen zu müssen, das sei etwas, was heutzutage nur sehr selten von uns verlangt werde.

«Haltet an euren Träumen fest!»
Thomas Ulrich lebt nun schon länger nach dem Prinzip, dass es jene Momente sind, von denen man nicht weiss, wohin sie führen, die das Leben spannend machen und einem Kraft geben. Deshalb wird er nicht aufhören, diese Momente immer aufs Neue zu suchen. – Und dann schliesst er energisch: «Eine erste Schwierigkeit ist kein Grund, sich geschlagen zu geben, denn es gibt nicht nur einen Weg, das Leben zu bestreiten. Haltet an euren Träumen fest! Die Welt steht einem offen, wenn man es zulässt!»


[Bild: zVg]

Studentenfutter

Die Seite für Ratsuchende, Ideenlose, Sparfüchse und Neugierige. Hier gibt es zwar kein Trockenobst mit Nüssen, aber immerhin eine genussvolle, leichtverdauliche Mischung aus allerlei Wissenswertem rund um die Alte Kanti. 

Von Regina Knüsel und Alessandro Landolfo, G19A

Life Hacks
Wissenswertes rund um das Leben an der Alten Kanti

Bekannt ist, dass man in der Mensa seine leeren körperlichen Energiespeicher nach einem stressigen Tag durch das Mampfen von Cookies & Co. auffüllen kann. Ein Stockwerk über der Cookie-Station, im Medienzentrum, gibt es allerdings auch eine Ladestation für unseren geliebten Begleiter, das Handy.
Wer kennt es nicht? Der Akku ist leer, dabei braucht man seinen treuen Begleiter doch unbedingt noch. Sei es, um auf dem Nachhauseweg Musik zu hören, um in der Pause die neusten Instaposts zu checken oder um noch kurz ein Simpleclub-Video vor der Prüfung reinzuziehen. Was also tun, wenn der Akku kurz vor dem Ende steht? Wir haben die Lösung für euch. Nachdem ihr in der Mensa eure eigenen Batterien aufgefüllt habt, geht ihr beschwingt die Treppe rauf direkt ins Medienzentrum. Dort gibt es in der gemütlichen Sitzecke neben Sofas auch eine grosszügige Handyladestation. Ein echter Lifesafer, wenn man mal wieder das Ladekabel zu Hause hat liegen lassen…

Alte Kanti Unexplored
Orte, von denen man (vielleicht) noch nichts weiss

Der Teich der Alten Kanti. Allle kennen ihn, doch die meisten Schülerinnen und Schüler wissen kaum etwas darüber. Deswegen haben wir uns Insiderwissen über den Teich und seine nächste Umgebung geholt.
Zum Beispiel gibt es da diese zwei kleinen Entenhäuser. Früher lebte hier einmal ein Schwan, der von der Stadt aufgesammelt und hier ausgesetzt worden war. Mit dem Schwan teilten sich vor einiger Zeit auch Enten dieses kleine Zuhause, sie hatten sich diesen Wohnort (mindestens teilweise) selbst ausgesucht. Jetzt aber leben in den Häuschen nur noch unzählige Spinnen. Nach Auskunft von Dani Meier, dem Alte-Kanti-Gärtner, ist geplant, in einem der Häuschen eine Pumpe zu installieren, die das Wasser aufbereitet, damit der Teich nicht mehr ein Durchlauf ist, der die Wasserrechnung der Schule in astronomische Höhen treibt. Staying on a budget!
Mit seinen 1.4m Tiefe ist der Teich durchaus tief genug, um darin zu schwimmen. Deswegen schlagen wir vor, dass man den Schwimmunterricht vom Telli-Hallenbad in den schönen Frei-Luft-Teich verlagert. Das Turmspringen dürfte etwas schwierig werden, aber das KSA ist ja nicht weit von hier. Und wenn es also im Sommer wieder einmal besonders heiss wird, wisst ihr nun, wo ihr euch eine kleine Abkühlung holen könnt. 🙂

Update Alumni
Brandaktuelles aus dem Schulalltag für alle Ehemaligen

Seit August wird die Mensa von CICO und nicht mehr vom SV-Service geführt. Wir haben ausgiebig getestet, fassen hier die Änderungen zusammen und geben auch gleich unseren Senf dazu.
Eine grossartige Veränderung ist, dass es nun jeden Tag eine Tagespizza wie auch Pizza Margherita gibt. Die neuen Pizzen haben wir speziell unter die Lupe genommen und einiges Interessantes herausgefunden.
Pro Tag werden ca. 25-30 Pizzen verkauft, die in der Mensaküche vom Pizzaiolo selbst vorbereitet werden. Fertig gebacken werden sie dann, wenn sie bestellt werden. Im Pizzaofen haben bis zu acht Pizzen Platz. Schmecken tun die Pizzen ausgezeichnet, und der Teig ist schön knusprig.
Eine weitere Änderung ist, dass es wieder ein «ungesundes» Menü gibt, und was sich zu unserer Freude kaum geändert hat, ist das Snackangebot. Hat man Lust auf Cookies, Waffeln & Co., kann man diese wie eh und je in der Mensa kaufen. 🙂 Was wir auch sehr cool finden, ist, dass es jede Woche einen Anti-Foodwaste-Tag gibt.
Fazit: Wir sind bereits einige Male in der «neuen Kantine» essen gegangen und haben immer gut gegessen. Wir können die neue Mensa also mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

Fremd und doch zuhause

Viktoria Dzhamgarova, Armenierin aus der Ukraine, und Suthasini Punithakumar, aus Sri Lanka, sind beide in die Schweiz ausgewandert. Sie erzählen, wie sie die Kultur ihrer Heimatländer hier leben und weitergeben.

Von Paynavi Punithakumar und Valeria Tomassini, G19A


[Bild: Paynavi Punithakumar & Valeria Tomassini]

«Ich fühle mich zu 100 Prozent armenisch»
Ich bin in Aserbaidschan geboren. Doch schon als ich vier Jahre alt war, musste ich mit meiner Familie in die Ukraine fliehen, da der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan ausbrach. Viele Menschen flüchteten in die Ukraine, unter anderem auch viele meiner Verwandten.

Meine Ururgrosseltern kamen aus Armenien. Ihnen war ihre Herkunft und ihre Kultur sehr wichtig und sie gaben sie ihren Kindern weiter. Auch diese gaben die armenische Lebensart weiter, und so machten es auch meine Eltern. Obwohl wir in der Ukraine lebten, erzählten mir meine Eltern viel über die armenische Kultur. Wie die Menschen in Armenien zu allen, auch Fremden, offen sind und sie an ihre Tische einladen. Sie kochten mit mir armenische Gerichte, die immer mit vielen Kräutern gewürzt sind, und sie erzählten mir viel über die armenische Geschichte. Schon immer liebte ich die armenische Kultur, und obwohl ich nie in Armenien gelebt habe: Ich fühle mich zu 100% armenisch und würde sogar sagen, dass Armenien meine erste Heimat ist.

Mit 29 Jahren zog ich in die Schweiz. Seither lebe ich hier mit meinem Mann. Ich wusste schon immer, dass die Ukraine nicht mein Land ist. Ich liebe Struktur und Ordnung, weswegen die Schweiz perfekt ist für mich, obwohl ich teilweise noch Mühe habe mit der Sprache. Wegen der räumlichen Distanz habe ich jedoch weniger Kontakt mit meinen Freunden und meiner Familie in der Ukraine. Das finde ich sehr schade, denn für mich ist das auch ein Verlust meiner Kultur. Die Menschen, mit denen man seine Kultur teilt, machen nämlich die Kultur aus. So würde ich behaupten, dass ich die armenische Kultur besser in der Ukraine ausleben konnte als in der Schweiz, da ich dort mehr Menschen hatte, mit denen ich sie teilen konnte.
Auch hier in der Schweiz habe ich Freundinnen aus Armenien, welche ich ab und zu treffe. Gemeinsam kochen wir armenische Gerichte und tanzen zu armenischer Musik. Zwar gibt es hier auch Vereine, in denen man gemeinsam seine Kultur pflegen kann, doch dafür fehlt mir die Zeit.

Wäre ich noch in der Ukraine, würden auch meine Kinder mehr von der armenischen Kultur lernen. Hier erleben sie ja nur meine Erziehung und lernen die Kultur nur durch mich kennen. Aber die Mischkultur hat auch Vorteile. So habe ich hier viel von anderen Müttern gelernt. Die Art, wie sie mit den Kindern umgehen, ist ziemlich anders. Sie schenken ihnen viel mehr Vertrauen.
Für mich hat meine Lebensart viel mit meiner eigenen Identität zu tun, und deshalb finde ich es auch wichtig, dass man sie mit anderen Menschen teilen kann – überall.

«Meine Kinder sollen wissen, wo ihre Wurzeln liegen»
Ich bin in Sri Lanka geboren, genauer gesagt im Norden von Sri Lanka, in Jaffna. In Sri Lanka gab es lange Zeit einen Bürgerkrieg, der das Land in tamilische und singhalesische Orte teilte. Der Norden gehört zum tamilischen Teil, daher bin ich Tamilin. Aufgrund dieses Krieges flüchteten viele ins Ausland, denn dort erhoffte man sich Chancen und Möglichkeiten für ein besseres Leben.
Mit 26 Jahren bin ich in die Schweiz gekommen, doch viele Familienmitglieder sind in Sri Lanka geblieben. Trotzdem trage ich auch in der Schweiz die Geschichte meiner Familie und meiner Vorfahren in mir.
Würde ich die Kultur nicht pflegen, würde ein Teil dieser Geschichte verloren gehen. Besonders die religiösen Traditionen verstärken die Verbindung zu meiner Familie. So fühle ich mich meiner Familie nahe, obwohl ich geographisch weit weg von ihnen bin.

Wie ich lebe, hat viel mit dem zu tun, wer ich als Person bin. Es hat einen grossen Einfluss auf meine eigene Identität. Daher ist es mir sehr wichtig, meine Kultur meinen Kindern weiterzugeben; sie sollen wissen, wo ihre Wurzeln liegen.
Mein Mann und ich erzählen ihnen viele Geschichten. Wir essen viele tamilische Gerichte, pflegen kulturelle Traditionen, gehen gemeinsam an tamilische Feste und halten den Kontakt mit unserer Familie in Sri Lanka.
Ich denke, die tamilische Kultur ist sehr wichtig für meine Kinder, da sie von klein auf sehr viel mit ihr zu tun hatten. Sie werden sicher auch ihren Kindern vieles aus der tamilischen Kultur beibringen. So bleibt unsere Kultur in gewisser Hinsicht immer am Leben.

Es ist schwierig, eine fremde Kultur in einem anderen Land vollständig auszuleben, obwohl es mir viel bedeutet. Es ist wichtig, offen zu sein für Anpassungen, da man vieles aus der neuen Kultur lernen und übernehmen kann. So ist durch das Leben in der Schweiz in meiner Familie eine spannende Mischkultur entstanden.
Während in Sri Lanka meistens traditionelle Kleidung getragen wird, ist dies in der Schweiz so nicht möglich, deshalb ziehe ich diese hier nur an tamilischen Festen an. Auch die religiösen Fastenzeiten sind hier nur schwierig einzuhalten. So habe ich mich insofern angepasst, als ich während der Fastenzeit nur auf Fleisch und Eierprodukte verzichte. Doch Feste wie Todestage von Bekannten und traditionelle Hochzeiten werden auch hier in der Schweiz gleich gefeiert wie in meinem Heimatland.
In meiner Heimat gibt es viele religiöse Traditionen, die mir ans Herz gewachsen sind. So hat beispielsweise jedes Haus in Sri Lanka ein Gebetszimmer, in dem die Menschen beten können. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich auch hier in der Schweiz ein Gebetszimmer habe.
Ein Verlust, der sich leider nicht ersetzen lässt, ist das Gefühl der Gemeinschaft. In einem Dorf in Sri Lanka kennen sich alle, Feste werden meistens mit dem ganzen Dorf gefeiert. Eine solch starke Verbindung mit seinen Mitmenschen gibt es in der Schweiz nicht. Und genau dieses Gefühl der Gemeinschaft vermisse ich.


[Bild: Paynavi Punithakumar]

Hypebeasts – einfach lächerlich!

Von Daut Limani und Olivier Schade, G19A

Vor allem bei jungen Leuten, die nicht wissen, was sie mit dem Geld der Eltern oder dem Lehrlingslohn anfangen sollen, ist oft zu beobachten, dass sie sich teure Markenkleider anschaffen. Dies gibt dem Ego einen Boost, und ausserdem ist man bei seinen Freunden besser angesehen, wenn man die neusten und teuersten Markenkleider trägt. Das glauben sie wenigstens. Denn es ist natürlich ein grosser Quatsch! Und zudem ökonomisch höchst fragwürdig. Durch starke Limitation der Stückzahl wird der Preis nämlich künstlich hochgetrieben. Da spielt es dann keine Rolle, ob die Kleider gut aussehen oder nicht. Für die sogenannten Hypebeasts, die auf diese Masche hereinfallen, zählt einzig, dass sie etwas aus der neusten Kollektion der angesagten Marken besitzen. Es geht also nicht um eine Frage des Styles, sondern einfach darum zu zeigen, dass man viel Geld ausgeben kann für wenig Mode. Reine Protzerei. Die erworbenen Kleider werden zudem oft wild durcheinander kombiniert – und teilweise wird das Preisschild mit dem Markenlabel bewusst nicht entfernt.
Nichts gegen das Tragen von Markenkleidern, aber wer seinen Selbstwert mit Geldverschwendung und hoffnungslos überteuerten Trendklamotten aufpeppt, ist doch ziemlich arm dran. Anders gesagt: Wenn Hypebeasts cool sein sollen, dann gute Nacht Jugend. Klar machen Kleider Leute, aber wenn man sich nur über Kleider definieren kann, vergisst man, worauf es bei Menschen wirklich ankommt. Hypebeasts könnten sich die Wörter «Charakter» oder «Eigenständigkeit» an den 300-Franken-Hoodie hängen. Aber vermutlich müsste man ihnen erst erklären, was diese Begriffe bedeuten.

Lernen für das Klima

Es war das Buch «The Magic of Tidying-up», das Carla Opetnik den Anstoss für ihre besondere Lebensweise bot. Heute ist es Carla selbst, die ihre Mitmenschen «mit einer Prise Ungeduld» und grossem Engagement zum Nachdenken bewegen will, um die Welt ein Stück offener – grüner – zu machen. Ihre Leidenschaft vermittelt die Zürcher Studentin in zahlreichen Projekten wie «bonnieversum» oder «minimalwastezurich». Im Web-Interview bietet sie uns einen Einblick in eine alternative Welt –eine, welche die Bedeutung von Konsumverzicht thematisiert und den Begriff der «Nachhaltigkeit» in ein neues Licht rückt.

Von Tatjana Gligorevic, Nick Häusler und Anna Piani, G19A


[Bild: zVg]

Carla Opetniks Tag beginnt mit einer Dusche. Dann die Velofahrt zum Take-Away, einkaufen, Mittagessen in der Mensa. Wenn sie unterwegs ist, trägt sie stets wiederverwendbare Becher und Taschen bei sich, besucht Unverpacktläden, die Lebensmittel zum Abfüllen anbieten, verwendet Badeartikel in Seifenform und besitzt ein Gemüse-Abo für günstiges Gemüse, dem der Kompost droht. Carla Opetnik lebt «Zero Waste». Und das seit nunmehr vier Jahren.
Anfangs war sie knallhart mit sich selbst, wollte alles richtig und nachhaltig angehen – und verlor dabei das eigentliche Ziel aus den Augen. Nachhaltig zu leben ist schliesslich ein Lernprozess. Sie schmunzelt, als sie uns berichtet, wie sie sich mit grossen Glasbehältern und Baumwollsäcken ins Abenteuer stürzte. Heute geht sie deutlich gelassener mit der Sache um. Auch mit dem anfänglichen Unverständnis der Eltern gegenüber ihrer Lebensweise hat sie umzugehen gelernt – und mittlerweile lässt sich ihre Mutter sogar gelegentlich von der Tochter inspirieren. «Das Wichtigste dabei», sagt Opetnik augenzwinkernd, «sie versucht es.»
Es sind nämlich die kleinen Dinge, Entscheidungen und Intentionen, die den Unterschied ausmachen. Für sich selbst beispielsweise hat Carla herausgefunden, dass sie auf das Reisen nicht komplett verzichten will. Also überlegte sie sich eine Strategie: Wenn sie nicht ums Fliegen herumkommt, soll ihr Aufenthalt in Wochen mindestens der Anzahl Flugstunden entsprechen. Wer so denkt, stellt zwangsläufig den Verzicht über die spontane Befriedigung von Bedürfnissen.
Carla Opetnik erzählt uns eine Geschichte, die ihr besonders naheging, und muss dabei breit grinsen: Im Engadin wurde sie neulich trotz Brille und Schal beim Snowboarden erkannt und angesprochen, was für sie im ersten Moment «total absurd» war. «Aber da habe ich gemerkt: Hey! Ich mache das nicht nur für mich – Es inspiriert auch andere!»
Obwohl die Studentin für ihre Lebensweise öfter Lob und Zuspruch erntet, sitzen Aussagen wie die, dass sie allein ohnehin nichts verändern könne, meist tiefer. «Menschen mögen Veränderungen oft nicht», erklärt sie. Doch jede und jeder sollten so ehrlich sein, sich ab und zu die richtigen Fragen zu stellen. «Es ist unangenehm, sich mit den Problemen unserer Erde auseinanderzusetzen», sagt sie. Aber man müsse unangenehm sein. Auch mit sich selbst. Schliesslich gehe Widerstand immer von unangenehmen Minderheiten aus, und ohne Widerstand gebe es keine Bewegung – und schon gar keine Veränderung.
Was also können wir nun tun, um nachhaltiger zu sein? – Nachhaltigkeit, sagt Opetnik, sei nicht auf einen Punkt begrenzt: deshalb geht es darum, sich mit dem eigenen Konsumverhalten eingehender zu beschäftigen und herauszufinden, was man sich gönnen und der Umwelt zumuten wolle – eben ein langer, individueller Lernprozess. Ihrer Meinung nach ist es schon ein Schritt in die richtige Richtung, dass über Klimaschutz auch in der Politik gestrittenwird. «Vor zehn Jahren wäre eine Abstimmung über ein Klimagesetz undenkbar gewesen. – Deshalb», sagt sie mit Nachdruck, «fangt an, euch Gedanken zu machen – mit Freude. Wir alle haben eine grosse Bewegungsmacht, derer wir uns bewusst werden müssen.» Sie schaut in die Kamera und lächelt. Natürlich meint sie uns. Aber längst nicht nur.


[Bild: zVg]

Wir helfen dort, wo es uns braucht

Schon seit vielen Jahren gibt es an der Alten Kanti Aarau eine Schulkommission. Genau. Nur, was tut so ein Gremium? Und braucht es so was überhaupt? – sage&schreibe hat bei Dr. Ruedi Bürgi, ehemaliger Oberrichter und Präsident der Schulkommission, nachgefragt – und überraschende Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen unserer Schule bekommen.

Von Giada Di Lorenzo und Alexandra Ihle, G19A


[Bild: Naima Zürcher]

sage&schreibe: Was genau ist die Schulkommission und was sind ihre Aufgaben?
Ruedi Bürgi:
Eine Schulkommission gibt es an jeder Mittelschule im Aargau. Früher hatte die Kommission eine Aufsichtsfunktion. Heute aber dient sie als beratende und unterstützende Organisation; somit ist sie selbst nicht tätig an der Schule, arbeitet aber eng mit dem Rektor und auch mit der Schulleitung als Ganzem zusammen. Unsere Aufgabe besteht darin, übergeordnete wie auch aktuelle Fragen und Probleme zur Schule und deren Entwicklung zu diskutieren und Lösungsansätze zu finden oder Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Die Kommission kann auch als Ombudsstelle Beanstandungen von Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern oder deren Eltern behandeln und wird zudem bei Personalauswahl der Schulleitung beigezogen. Als Präsident der Kommission stehe ich in nahem Kontakt mit dem Rektor Dr. Andreas Hunziker. Gemeinsam schlagen wir jeweils die Traktanden vor, die an unseren Sitzungen behandelt werden.

Wer bestimmt die Mitglieder der Schulkommission?
Das Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS) wählt für eine Amtszeit von 4 Jahren eine Schulkommission von fünf bis sieben Mitgliedern und deren Präsidenten. Es gibt für die Besetzung der Stellen keine öffentliche Ausschreibung. Die Wahlvorschläge werden vom Präsidenten, von der Kommission und vom Rektor gemacht. Wir versuchen in der Schulkommission verschiedene Bereiche der Gesellschaft (Wirtschaft, Kultur, Volks- und Hochschulen) abzudecken, um mit breit gefächerten Kompetenzen eine möglichst differenzierte Auseinandersetzung mit den sich stellenden Fragen zu gewährleisten.

Aus welcher Motivation ist die Schulkommission entstanden?
Zu Beginn wurde unsere Arbeit innerhalb des BKS erledigt. Die Verwaltung erkannte aber, dass sie relativ weit weg vom schulischen Alltag war. Somit gründete man eine separate Organisation, die näher bei den Bedürfnissen der Gymnasien war und dabei auch Aufsichtsfunktionen übernahm, die dann aber später, wie erwähnt, in eine Beratungs- und Begleitfunktion umgewandelt wurde.

Was würde passieren, wenn es keine Schulkommission gäbe?
Die Schulleitung hätte dann keine Anlaufstelle mehr, um sich einen Rat einzuholen. Die Erfahrung zeigt, dass sie froh ist um ergänzende Einschätzungen aus anderen Blickwinkeln der Gesellschaft und der Berufswelt. Die Welt am Gymnasium würde sich jedoch auch ohne uns geordnet weiterdrehen, denn die Schulen sind organisatorisch und fachlich sehr gut aufgestellt. Ich könnte mir im Übrigen durchaus vorstellen, dass die Schulkommissionen der Gymnasien – wenn man sie beibehalten will – zu einem einzigen kantonalen Schulberatungsgremium mit dann leicht geändertem Aufgabenprofil zusammengeführt würden.

Warum weiss praktisch niemand, dass es eine Schulkommission gibt?
Wenn das so ist, dann ist das wunderbar! Denn das bedeutet, dass an der Alten Kanti alles rund läuft. Wir arbeiten im Hintergrund, und wir helfen dort, wo es uns braucht.

Wir haben die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte

Die Jenischen, oft auch «Fahrende» genannt, gehören zu einer Minderheit in der Schweiz, der von der Gesellschaft wegen ihrer Lebensart nicht selten mit Zurückhaltung, Misstrauen oder gar offener Ablehnung begegnet wird. Wir wollten genauer wissen, was das für ein Leben ist, wenn man während der Sommermonate mit der ganzen Familie von Ort zu Ort zieht. Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft Zürich und heute «sesshaft», hat sich unseren Fragen gestellt.

Von Naima Zürcher und Anna Lisa Lüthy, G19A

sage&schreibe: Sie waren lange Jahre mit Ihrer Familie unterwegs. In welcher Beziehung stehen Sie zur jenischen Lebensweise?
Daniel Huber: Grundsätzlich sind ja nicht alle Jenischen unterwegs, und wer auf die Reise geht, tut es nur während der warmen Monate. Ich zum Beispiel war nicht von klein auf auf der Reise. Aufgewachsen bin ich im Helmetschloo, in einer jenisch geprägten Strasse von Zürich, wo ich mit meinem Vater in einer kleinen Wohnung lebte. Mein Vater war ein sogenanntes Kind der Landstrasse. Zur Erklärung: 1926 begann die schweizerische Stiftung «Pro Juventute» den Fahrenden, insbesondere den Jenischen und Sinti, ihre Kinder wegzunehmen. Die Intention dieses Projektes war es, die sogenannte «Vagantität», also alles Nichtsesshafte, zu bekämpfen. Zu dieser Zeit wurden bis zu 700 Kinder unrechtmässig von ihren Familien getrennt.
Als Kind ging ich am Wochenende mit meinem Vater auf einen Platz, wo sich jenische Bekannte aufhielten. So hatte ich bereits in meiner Kindheit engen Kontakt mit der jenischen Kultur. Erst im Alter von 15 Jahren verkündete mir mein Vater dann, dass es jetzt ab auf die Reise geht. Anschliessend war ich dann fast 20 Jahre lang auf der Reise. Of d Reis gah, da isch öppis ganz Speziells. Während dieser Zeit habe ich meine heutige Ex-Frau kennengelernt und bin später mit meinen Kindern umhergereist. Seit einigen Jahren bin ich aber aufgrund meines Amts als Präsident der Radgenossenschaft sesshaft geworden. Natürlich gefällt mir auch das sogenannt sesshafte Leben, aber im Frühling würde ich schon manchmal gern wieder losziehen.

Auf der Reise sein – wie müssen wir uns das vorstellen?
Auf der Reise sein, bedeutet eine ganz andere Art von Freiheit. Me isch spontan wie de Wind. Im Sommer über reisen wir immer wieder an neue Orte, und im Winter rasten wir auf festen Halteplätzen, dadurch sind wir das ganze Jahr zusammen. Der Zusammenhalt ist stark. Man arbeitet im Team, sitzt gemeinsam am Feuer oder geht zusammen in die Ferien. Ja, auch wir gehen nämlich in die Ferien. (Lacht.)

Inwiefern beeinflusst die jenische Lebensweise die Kinder?
Die Kinder von Jenischen, Roma oder Sinti sind wie alle anderen Kinder. Vielleicht sind sie etwas wilder, aber dafür werden sie schon viel früher selbstständig. Anders als «normale» Kinder werden sie im Sommer zu Hause unterrichtet und sind im Winter stets in einer anderen Schule untergebracht. Mit jedem neuen Standplatz ändert sich somit auch die Schule. Dementsprechend müssen sich die Kinder immer wieder neu einleben, wovon sie in ihrer Entwicklung jedoch auch profitieren können.

Wir verstehen unter dem Begriff «zuhause» einen festen Ort, einen Ort, an dem wir aufgewachsen sind. Was bedeutet Heimat für euch?
Für uns Reisende ist zu Hause kein fester Ort oder ein Gebäude, es sind vielmehr schöne Erinnerungen, die man auf der Reise erleben darf. Daneben sehen wir natürlich die Schweiz als unsere Heimat – und die kennen wir wahrscheinlich besser als viele sesshafte Einheimische. Heimat ist aber auch ein Gefühl, dass wir zum Beispiel spüren, wenn wir an einem der wenigen Durchgangsplätze halten dürfen. Dann schätzen wir das sehr, dann ist das für uns auch Heimat.

Welches sind die unschönen Seiten an Ihrer Lebensart?
Es ist teilweise auch eine sehr schwierige Lebensart. Du weisst ja nie, was morgen ist. Du weisst oft nicht, wie viel du am nächsten Tag verdienst, ob du überhaupt etwas reinholst für das Überleben. Bei uns ist vieles unvorhersehbar. Dies ist sicher auch ein Grund, weshalb die Behörden unsere Lebensweise eher argwöhnisch betrachten: Man kann uns nicht wirklich fassen. Dabei entstehen Vorurteile.
Gerade auch während Corona war es schwierig. Die Plätze wurden dichtgemacht. – Aber ohne diese Plätze sind wir verloren. So wird eine Minderheit kaputt gemacht. Man nimmt ihr den Lebensraum. Wir brauchen diese Plätze, und wir zahlen ja auch dafür. Aber gut, Corona war und ist für alle schwierig. Jedenfalls sind wir wohl die am besten kontrollierten Menschen in der Schweiz. Ich sage auch immer: Wir haben die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte. Auch wenn viele das Gegenteil behaupten: Wir wollen nicht mehr Rechte als andere. Wir wollen das gleiche Recht.

Womit haben denn die vielen Vorurteile gegenüber den Fahrenden zu tun?
Das ist schwierig zu erklären. Diese Frage müsste ich eigentlich umkehren. Sie müssten mir eigentlich erklären, woher diese Vorurteile stammen. – Aber wenn du eine Minderheit bist, hast du einfach einen Stempel. Wir haben nun mal einen anderen Lebensstil. Die Sesshaften verbinden unseren Lebensstil oft mit Campieren. Aber wir campieren nicht, wir wohnen. Wir haben ja kein Haus, kein Land. Vielleicht ist da auch ein gewisser Neid. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese grosse Freiheit auch eine gewisse Eifersucht bei den Sesshaften auslöst.
Ich denke auch ein Problem ist, dass man alle in den gleichen Sack wirft. Es wird nicht einzeln gewertet, wie bei den Sesshaften. Dazu kommen natürlich auch die Medien, die negativ über uns berichten.

Was sollte sich denn ändern?
Stand- und Durchfahrtsplätze zu schaffen, das ist unglaublich wichtig. Ohne diese Plätze können wir unsere Kultur nicht leben. Es gibt viele Orte, wo man solche Plätze schaffen könnte. Ich frage mich dann immer: Warum macht man das nicht?
Auch bezüglich der Schule gibt es einen Bedarf an Verbesserung. Unsere Kinder bekommen kein normales Zeugnis, weil sie nur im Winter in die Schule gehen und die restliche Zeit Aufgaben erhalten. Aber wenn du kein Papier hast, bist du ein Niemand. Wir brauchen die gleichen Chancen wie Sesshafte.
Oder die Älteren. Sie waren ihr Leben lang unterwegs, und wenn sie nicht mehr können, müssen sie ins Heim, wo sie vereinsamen. Deshalb: Ein Standplatz für die Alten, das fände ich sehr schön.

Was können wir Sesshafte von den Reisenden lernen?
Vielseitigkeit. Jenische haben nie Gewissheit, müssen immer improvisieren. Sie sind Vielseitigkeitskünstler. Überlebenskünstler. Das haben viele Sesshafte ein bisschen verlernt. Sie sind fixiert auf den eingeschlagenen Weg und bei Abzweigungen schnell überfordert.
Das andere ist das Zusammengehörigkeitsgefühl. Uns ist die sehr wichtig. Da rede ich von Familie.
Grundsätzlich finde ich die Begegnung zwischen Jenischen und Sesshaften zentral. Du müsste man viel mehr tun. Wir können nämlich alle voneinander lernen.

Rennen ist ein Teil von mir

Valentina Rosamilia besucht die Sportabteilung der Alten Kanti Aarau und kann über 800m mit der Leichtathletik-Weltklasse mithalten. Wir haben darüber gesprochen, was es bedeutet, so viel Zeit und Leidenschaft in den Sport zu investieren und worauf es bei einem Wettkampf ankommt.

Von Rahel Furrer, G19A


[Bild: zVg]

Valentina macht Sport, seit sie klein ist; damals trainierte sie neben Leichtathletik auch noch Eishockey und Triathlon. Wirklich festgelegt auf die Leichtathletik hat sie sich erst im Herbst letzten Jahres, und dies mit Erfolg: Im Sommer 2021 lief sie über 800m auf den dritten Platz bei der U20 EM und auf den zweiten Platz bei der U20 WM.

Die richtige mentale Einstellung
Es erfordert viel, einen solchen Wettkampf erfolgreich zu meistern. Nicht nur die körperliche Kondition, sondern auch die mentale Einstellung ist entscheidend. «Bei einem guten Wettkampf denke ich während dem Laufen an gar nichts», meint sie. Kommen nämlich Gedanken hoch wie ‹ich bin müde› oder ‹meine Beine brennen›, ist es unmöglich, sein volles Potential auszuschöpfen. «Ich bin überzeugt, dass der Kopf vor allem beim Sprung zwischen Mittelfeld und den top drei viel ausmachen kann. Ob du sagst, ‹ich schaffe das noch!› oder ‹ich kann nicht mehr›, das ist entscheidend.» Mentales Training macht sie jedoch keines. Sie sagt: «Wenn man oft solche Momente erlebt, wo es um alles geht, kommt die richtige Einstellung mit der Zeit von allein.»
Vor einem Wettkampf fühle sie sich zwar nie gut, die Nervosität sei einfach zu gross. Manchmal stimmen auch die Umstände nicht zu hundert Prozent, vielleicht ist es zu heiss, vielleicht schmerzt es irgendwo. Und trotzdem muss sie in diesem Moment ihr Bestes geben können. Valentina versucht schon vor dem Start, jeglichen Einfluss von aussen auszublenden und sich nur auf sich selbst zu fokussieren, um die erwähnte Nervosität so gut wie möglich in Schach zu halten. Sie mag es gar nicht, wenn ihr schon dann erste Zuschauer zujubeln. «Denn ob es während eines Rennens gut oder schlecht läuft, das kann nur ich bestimmen und niemand anderes», sagt Valentina. Zusätzlich helfen ihr die Routine und ein klarer Ablauf vor dem Wettkampf, mit dem grossen, auch selbst auferlegten Leistungsdruck umzugehen.

Spitzensport bedeutet Verzicht
Neben der mentalen Einstellung ist richtiges Training essenziell, um Topzeiten zu laufen. Valentina trainiert 15 bis16 Stunden in der Woche, geführte Trainings wechseln sich mit selbständigen Einheiten ab. Viel Zeit für Hobbies bleibt da nicht, trotzdem pflegt Valentina als kontaktfreudige und offene Person unter anderem gerne ihre Freundeskreise, die nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Rom anzutreffen sind, wo sie neulich ein halbes Jahr verbrachte. Anfang 2020 reiste sie nach Italien, um mit ihrem Team zu trainieren. Wegen Corona konnte sie aber insgesamt nur vier Monate lang geführte Trainings absolvieren. Zeitweise durfte sie die Wohnung ihrer Gastfamilie nicht verlassen. Für eine Spitzensportlerin eine harte Zeit, denn Trainings werden nach einem bestimmten Zeitplan absolviert, und Corona pfuschte da kräftig rein. Glücklicherweise hatte dies jedoch, wie schon bekannt, keine negativen Auswirkungen auf die späteren Erfolge von Valentina.
Spitzensport bedeutet viel Verzicht, ist für Valentina jedoch eine enorme Bereicherung in ihrem Leben. «Rennen verbinde ich mit so vielen glücklichen Erfahrungen, auch aus meiner Kindheit», erzählt sie. «Wenn es mal nicht so gut läuft, sollte man daran denken, wofür man es eigentlich tut und wie weit man schon gekommen ist.» Da erinnert sie sich beispielsweise an die Situation, wenn ihr nach einem erfolgreichen Wettkampf die Zuschauer zujubeln und sie eine Medaille umgehängt bekommt. Laufen ist etwas, worauf sie vertrauen kann. «Ohne Rennen würde es eigentlich gar nicht gehen. Rennen ist ein Teil von mir», sagt sie mit leuchtenden Augen.


[Bild: zVg]

Lifestyle

Beim Wort Lifestyle handelt es sich wortgeschichtlich um eine doppelte Entlehnung:
Zuerst übernahm das Englische den Begriff aus dem Deutschen, dann kam er als Rückentlehnung wieder ins Deutsche zurück.
Das Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache zeichnet den Weg des Wortes sehr präzise nach. Demgemäss wird der Begriff Lebensstil des Individualpsychologen Alfred Adler im Jahr 1929 auf Englisch mit «life-style» (mit Bindestrich) wiedergegeben. Erst ab 1946 erscheint lifestyle als eigener Eintrag im Oxford English Dictionary mit der Bedeutung «style or way of living». Das neue englische Wort verbreitet sich anschliessend über den Bereich der Individualpsychologie hinaus in den der Soziologie: Der Begriff Lebensführung von Max Weber wird 1958 mit «style of life» übersetzt, und Louis Wirth gibt seinem Aufsatz den Titel Urbanism as a Way of Life, deutsch: «Urbanität als Lebensform». Aus der Soziologie wird der Begriff lifestyle in die entstehende Konsum- und Werbeforschung übernommen und Ende der Achtzigerjahre zurück ins Deutsche entlehnt. Allerdings verengt sich dabei die Bedeutung: Im Englischen heisst lifestyle dasselbe wie das deutsche «Lebensstil», im Deutschen dagegen ist lifestyle ein Unterbegriff von «Lebensstil». Es bezeichnet einen «Lebensstil, der dem Zeitgeist entspricht und der der sozialen Distinktion dient». Lifestyle feiert das pulsierende Lebensgefühl der Stadtbevölkerung, die Mode und Design, Fitness und Wellness und ganz allgemein hochwertige, erlesene Konsumangebote schätzt.

Von Peter Sutter, Lehrer für Deutsch und Geschichte

Lebensstile: Abgrenzung und Anpassung
Der Lebensstil entspricht den Vorlieben und typischen Verhaltensweisen einer Person. Gemäss Dorsch. Lexikon der Psychologie verraten Kleidung, Statussymbole, Aktivitäten (Freizeit- und Konsumverhalten), Interessen und Meinungen die soziale Identität. Mit dem Lebensstil ist es möglich, sich von der Gesamtgesellschaft zu differenzieren und zu etwas Besonderem zu werden, wie das bespielsweise die Dandys, die Hippies oder die Punks schon rein äusserlich durch ihre Selbststilisierung vorgemacht haben. Der Unterschied kann aber auch auf Verzicht beruhen wie beim Minimalismus oder beim Veganismus. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bedeutet gleichzeitig eine Abgrenzung von allen anderen Gruppen oder stellt den Versuch dar, andere von der Zugehörigkeit auszuschliessen.
Sowohl gesellschaftlich wie auch unter Staaten hat der Lebensstil des Überlegenen eine Vorbildwirkung: Beispielsweise versuchte das Bürgertum im Deutschen Reich den Stil des Adels zu imitieren, oder im Kalten Krieg richteten sich beide Lager nach ihrer Vormacht aus. Mit der Übernahme des American Way of Life anerkannte Westeuropa die symbolische Macht der USA.
Eine ähnliche Vorbildwirkung hat die Mode. Bereits 1905 zeigt Georg Simmel in seinem Aufsatz Philosophie der Mode, dass Vorreiter und Trendsetter, die sich von der Masse abheben wollen und offen für Neues sind, eine neue Kleidermode oder neue Verhaltens- und Denkmuster lancieren. Je mehr sich die Neuerung in der Öffentlichkeit manifestiert, desto mehr diffundiert sie in weniger innovative und experimentierfreudige Bevölkerungsgruppen, bis schliesslich auch konservative und traditionelle Milieus die Neuerung übernehmen, dies allerdings aus konformistischen Beweggründen. Spätestens jetzt verlieren die innovativen Individualisten das Interesse an der Neuerung und befriedigen ihr Bedürfnis nach Distinktion auf andere Art.
Am Beispiel der Mode werden zwei Dinge deutlich:
– Lebensstile sind etwas sehr Dynamisches: Sie unterliegen einem steten Wandel.
– Der Lebensstil ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, indem er für Konsum und damit für Wachstum sorgt.

Zielgruppen in der Werbung
Das Konzept des Lebensstils wurde in die Marktpsychologie aufgenommen. Man analysierte, welche Verhaltensmuster mit welchem Kaufverhalten korrelierten. Auf diese Weise sollten laut Gabler Wirtschaftslexikon möglichst homogene Zielgruppen definiert werden, deren Konsumneigungen vorhersagbar waren.
Ein Beispiel dafür sind die Sinus-Milieus des unabhängigen Instituts für Markt- und Sozialforschung SINUS, gemäss Werbung eines der wirkungsvollsten Zielgruppenmodelle, da nicht nur nach Geschlecht, Alter, Bildung, Beruf und Einkommen unterschieden wird. Diese Typologie gruppiert Menschen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln, gemäss den zwei Dimensionen „soziale Lage“ (Unter-, Mittel- oder Oberschicht) und „Grundorientierung“ („Tradition“, „Modernisierung / Individualisierung“ und „Neuorientierung“). Je weiter oben ein Milieu in dieser Grafik erscheint, desto gehobener sind Bildung, berufliche Stellung und Einkommen. Je weiter rechts es angeordnet ist, desto offener ist es für Neues. Die Überlappungen stehen für fliessende Übergänge zwischen den Milieus.


[Bild: www.cybersystems.ch]

Als Beispiele seien die SINUS-Charakterisierungen von zwei dieser Milieus angeführt:
Adaptiv-Pragmatische: Die moderne junge Mitte; 6%
– Ausgeprägter Lebenspragmatismus, Realismus und Nützlichkeitsdenken
– Leistungs- und anpassungsbereit, aber auch Wunsch nach Spass und Unterhaltung
– Zielstrebig, flexibel, aufgeschlossen – gleichzeitig starkes Bedürfnis nach Verankerung und Zugehörigkeit
Digitale Kosmopoliten: Die experimentierfreudige, weltoffene, digital geprägte Avantgarde; 8%
– Urbaner Styler: jung, hip, nonkonformistisch; online und offline vernetzt
– Globale Mobilität: mental, kulturell, sozial, geografisch
– Leistungsorientiert – aber kein klassisches Karrieredenken; auf der Suche nach neuen Grenzen und neuen Lösungen
Wer sich im Detail informieren möchte, kann bei SINUS ein Konsum & Lifestyle-Paket bestellen, das für jedes der zehn Sinus-Milieus grundlegende Informationen zu 22 Items wie Lebensstile, Freizeitaktivitäten und Konsumverhalten enthält. Das Paket kostet 1‘550 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

Wenn man die Worthäufigkeit von Zielgruppe untersucht, stellt man gemäss Der deutsche Wortschatz DWDS fest, dass der Begriff Mitte der 1960er Jahre aufkommt, etwa mit dem Gauloises-Typ, und seine Verwendung ab Mitte der 1980er Jahre steil ansteigt, bis sie 2007 die Spitze erreicht und nachher auf hohem Niveau stagniert.
Heute stösst die Einteilung der Menschen in homogene Gruppen an ihre Grenzen, weil der Trend zur Individualisierung immer mächtiger wird. Aktuelle Forschungsergebnisse von SINUS zeigen unmissverständlich: Jede einzelne Kundin und jeder einzelne Kunde möchte ein auf sie oder ihn persönlich zugeschnittenes Angebot erhalten. Dieses Bedürfnis verlangt nach individualisiertem Marketing.
In ihrem höchst lesenwerten Aufsatz «Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt» legen Hannes Grassegger und Mikael Krogerus eindrücklich dar, dass die neue Methode, Kunden oder Wähler anzusprechen, Big Data ist – wie es die Brexit-Anhänger 2016 oder Donald Trump in seinem Wahlkampf zum US-Präsidenten erfolgreich genutzt haben. Das neue Modell kann eine Person anhand von nur zehn Facebook-Likes besser einschätzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege, mit 70 Likes ihr Verhalten eindeutiger voraussagen als ein Freund. Mit psychologischem Targeting, also auf sie abgestimmte persönliche Werbung, lässt sich sehr gut beeinflussen, welche Produkte diese Person kaufen beziehungsweise wen sie wählen wird. Denn die Botschaft des Unternehmens oder der Partei wird mit dem kombiniert, worauf diese Person anspricht. Diese Entwicklung wird die Bedeutung von Werbekonzepten, die sich mit der gleichen Nachricht an Grossgruppen wenden, drastisch mindern.

Der Konsumzyklus

Von Lena Tschannen, G20F

Bald ist es wieder so weit. Diese grelle, blendende Zeit im Jahr, wo die Geschäfte bereits Anfang November ihr gesamtes Weihnachtssortiment herausholen und die perfekten Geschenke im Schaufenster stolz positionieren. In dieser Zeit ist dem Weihnachtswahn nicht zu entkommen. Wohin man auch geht, die grellen Weihnachtsgirlanden, Samichläuse und Engel werden folgen. Weihnachten, das Fest des Gebens und Nehmens.
Was war noch mal der Ursprung dieses Festes? Ah, ein Geburtstag! Da ist es nur logisch, dass man sich beschenkt – stellvertretend für das Geburtstagskind, das leider längst verstorben ist. Wer war das noch mal? Weiss das noch jemand?
Zweifellos ist der Ursprung von Weihnachten in der heutigen Konsumgesellschaft längst untergegangen. Jedes Jahr wird er aufs Neue begraben unter einem Haufen Weihnachtsguetzli und Geschenke. Das Fest der Liebe. Eine Sünde! Da hilft auch nicht der Besuch des Weihnachtsgottesdienstes, mit dem ohnehin nur für eine Stunde die innere Leere gefüllt wird.
Aber bald ist ja Ostern. Dann kann wieder sorgenfrei die Schokolade weggegessen werden. Hauptsache, ein weiteres Datum im Konsumkalender unserer Gesellschaft.

Im Kreis

Ziehen im Oberschenkel, Schmerzen im linken Knie. Toxische Männlichkeit, zumindest in Bezug auf den
Säurehaushalt der Beinmuskulatur. Dranbleiben! Dem Typen hinter mir gestehe ich so kurz vor der
Passhöhe kein Überholmanöver mehr zu. Die Lippen sind trocken, der Atem geht stossweise, das
Merinotrikot nimmt den Schweiss zuverlässig auf. Vorfreude auf die obligate Cola Zero auf einer
Scheitelhöhe von 2239 Metern.
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Treffpunkt Text 2021

Sie ist da – die zweite illustrierte Anthologie mit Texten von aktuellen und ehemaligen Schreibtalenten der Alten Kanti. – Ein Buch, das definitiv ins Regal aller Freunde von guter Literatur gehört.

Von Andreas Neeser, Redaktionsleitung

Der zweite Band der Reihe «Treffpunkt Text» enthält Geschichten und Gedichte von 14 Autorinnen:

Caroline Buck, Lena Franke, Tabea Geissmann, Tatjana Gligorevic, Hannah Hermann, Sarah Hunziker, Sophie Kuse, Anja Obrist, Skyla Rossi, Sofiya Schweizer, Priska Steinebrunner, Anna Sophia Stöckli, Olivia Studer, Sara Katarina Trailovic.

Künstlerisch bereichert wird die Textsammlung von der eigenständigen, ausdrucksstarken Bilderspur von Sebastian Samek.

Das Buch in englischer Broschur wurde in einer Auflage von 350 Exemplaren gedruckt und kann zum Preis von CHF 20 (CHF 10 für Schülerinnen und Schüler) auf dem Sekretariat erworben werden: info@altekanti.ch.

Weitere Texte von Schreibtalenten sind zu finden auf der Website von «Treffpunkt Text»: www.treffpunkttext.ch.

Zorro und die Panzerknacker

Ein Treffen ohne Maske in Zeiten von Corona? Schwierig. Es sei denn, man trifft sich im virtuellen Raum. Immerhin eine der wenigen Möglichkeiten, wieder mal ganze Gesichter zu sehen. Genau das haben eine Geografin und eine Sprachlehrerin der Alten Kanti getan. Dass der im Chatraum Microsoft Teams geführte Wortwechsel dann ausgerechnet um das Thema Masken kreist – wen wunderts! Weiterlesen

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona II

Als Rektor Dr. Andreas Hunziker Ende 2020 für sage&schreibe eine «Chronologie der Ereignisse» rund um die Corona-Pandemie skizzierte, zeichnete sich bereits ab, dass eine Fortsetzung unumgänglich sein würde. So präsentieren wir ein halbes Jahr später also Teil II dieser Chronologie, die zeigt, wie herausfordernd Corona-Management auch an der Alten Kanti ist. Weiterlesen

«Ich empfinde den Niqab für mich persönlich nicht als nötig»

Das Thema Verschleierung war schon immer Brennstoff für angeregte Auseinandersetzungen, und gerade seit der Abstimmung über das Verhüllungsverbot im März 2021 steht insbesondere der Niqab im Mittelpunkt der Diskussion. Maske? Erniedrigende Verhüllung? Oder religiöses Bekenntnis? –- Und was ist eigentlich mit dem Kopftuch?
Fatima Musliju, Schülerin einer dritten Klasse an der Alten Kanti und überzeugte Kopftuchträgerin, gibt Auskunft über ihre Überzeugungen, ihre Haltung zu Niqab und Kopftuch und über ihre Erfahrungen im Alltag.
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Larven sind keine Masken!

Einmal im Jahr ist es so weit – jeweils am Montag nach Aschermittwoch beginnen in den Strassen Basels mit dem Morgenstreich um vier Uhr früh die «drey scheenschte Dääg»: die Basler Fasnacht. Obwohl sie auch 2021 der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist, haben wir uns auf die Suche nach dem Geheimnis der berühmten Larven gemacht. Weiterlesen

Sonne auf dem Teller

Lichtnahrung bezeichnet verallgemeinernd und vereinfachend eine Ernährungsweise, bei der angeblich die Energie aus Sonnenlicht als Hauptnahrungsquelle dient. Dies ist Bestandteil eines esoterischen Konzeptes, das auch als «Breatharianismus» bezeichnet wird. Breatharianisten glauben, dass aus Licht alle lebensnotwendigen Stoffe gewonnen werden können. In Extremfällen verzichten sie deshalb auf die Aufnahme jeglicher herkömmlicher Nahrung, inklusive Flüssignahrung wie Suppen und Säfte. Weiterlesen

Zimmer 11


Vaters Hand umklammert meine. Er hält sie ungewohnt fest, so dass die zarten Fingerchen meiner Kinderhand fast abgedrückt werden. Die freie Hand folgt der weiss gestrichenen, rauen Wand. Wieder biegen wir um eine Kurve, diesmal wenden wir uns nach rechts und folgen den nummerierten Zimmertüren. Alle diese Türen haben denselben grau glänzenden Knauf, dieselbe weiß lackierte Oberfläche. Unsere Schritte eilen uns voraus, ergießen sich vor uns in den fast menschenleeren Gang und hallen von den kalkweißen Wänden. Vereinzelte Gestalten, in weiße Kittel gehüllt, fließen ruhig wie kleine Rinnsale von einem Zimmer ins nächste. Ansonsten ist es bedrückend still. Wir folgen weiterhin dem immer enger werdenden Flur. Ich weiß, wohin dieser Weg uns führen wird. In meinem Kopf schwappen die Gedanken wie eine dicke Flüssigkeit von der einen Wand zur anderen, klatschen gegen das Innere meines Kopfes, so dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann. Die Schlinge um meine Hand zieht sich noch enger zusammen und zerrt mich unerbittlich weiter. Da! Hier ist sie! Kalt, ohne Farbe, ohne Gefühl, versperrt sie uns den Weg ins Zimmer. Aha, Zimmer 11. Ich blicke hoch in das Gesicht meines Vaters. Aschfahl, kaum lebendig, schwebt es dort oben. Die Sorgen haben tiefe Falten in sein Gesicht gefressen. Langsam, ganz langsam, löst er den Griff um meine Hand, dreht den Türknauf nach links und stößt sachte die Tür auf. Seufzend gibt sie den Weg ins Zimmer frei. Ganz behutsam, als würden wir über zartflauschige Wolken waten und ihnen ja keine Delle verpassen wollen, treten wir ein. Hinter uns fällt die Tür kaum hörbar ins Schloss. Kühles Mondlicht ist die einzige Lichtquelle in diesem vor Kummer und Schwärze geradezu überquellenden Krankenzimmer. In seinem Schein erkenne ich Trauernde, zwei tuscheln leise zusammen, den Rücken dem Krankenbett zugewandt. Ich weiß, wo dieses Krankenbett steht, rechts in der Ecke des Raumes steht es. Links an der Wand, welche meine Schulter streift, stehen zwei hölzerne Stühle und ein kleiner runder Tisch. Rechts befindet sich das karg eingerichtete Bad, zu welchem die Tür jedoch geschlossen sein wird. Ich bin mir sicher, dass sie geschlossen ist, weil sie immer geschlossen war, wenn wir zu Besuch kamen. Aber vielleicht ist sie es heute ausnahmsweise doch nicht? Ich widerstehe der Versuchung, nachzusehen. Mein Blick klebt nun an der gelblich schimmernden Zimmertapete über dem Ort, wo das Bett steht. Ich will sie nicht sehen! Nicht so! Mein Herz pocht. Und dann auch noch diese Stille, diese alles verwüstende, mich auffressende Stille! Sie ist unerträglich. Gierig steuere ich auf die geschlossene, sauber geputzte Fensterfront zu. Luft ! Der Gedanke an frischen, noch nicht vom Gram weggeatmeten Sauerstoff tobt in meinem Kopf. Doch plötzlich…verweinte Augen, rötlich glänzend, die Lippen zusammengepresst. Ein Mann taumelt auf mich zu, seine Augen klammern sich hilfesuchend an meinen fest, während sich seine wulstigen Finger in das Fleisch meines Oberarmes graben. Doch ich fühle den Schmerz nicht, nicht diesen. Sobald er mich erreicht hat, presst er mich an sich. Mein kleines Gesicht gräbt sich in einen rundlichen Bierbauch. Der raue Stoff des weißen Hemdes streicht über meine Wange. Und da ist sie! Eine einzelne Träne muss sich aus meinem Auge gekämpft haben, denn sie kullert über meine Wange und zerfließt im Stoff. Als der Mann sich schwerfällig von mir löst und sich auf einen der beiden Stühle fallen lässt, spüre ich die Trauer. Sie hatte sich unbemerkt wie ein Tuch über mich und alle hier in diesem Raum gelegt, uns isoliert von aller Freude. Weitere Tränen strömen in unregelmäßigen Abständen über meine Wangen auf den Hals. Benommen wanke ich in Richtung des Betts, um sie zu sehen, mich ein letztes Mal zu verabschieden. Doch während ich mich zu ihr vorkämpfe, ruht mein Blick auf den Sternen draußen am beruhigenden, dunkelblauen Nachthimmel. Der Mond ist aufgegangen, die goldenen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. Dieses Lied, welches sie, wie auch mein Vater, mir zu singen pflegte, fällt mir ein. Die Melodie hallt durch den Raum, umfließt die Silhouetten aller Anwesenden und taucht sie in goldenes Licht. Doch nur für einen kurzen Augenblick. Dann erreiche ich das Totenbett, wo mich Vater auf seinen steifen Schoss hebt. Sein Dasein fängt mich auf, bewahrt mich davor, in der Verlustangst zu ertrinken. Er gibt mir die Kraft, sie anzusehen. Sie liegt auf der geblümten, fein säuberlich gefalteten Bettwäsche. Die kurzen Haare sauber zurückgekämmt, das Kinn mit Hilfe einer Stütze in Position gehalten, ruht sie auf dem Bett. So schön hergerichtet wie sie ist, wirkt sie wie eine Statue. Ich lasse den Blick über ihre blassblau angelaufenen Lippen gleiten und folge ihren unebenen Wölbungen. Ob sie Durst hat? Oder Hunger? Sie muss sicherlich ganz dringend ins Bad! Ist ihr vielleicht kalt? Liegt sie denn auch ganz bestimmt bequem? Die Augen wandern weiter, über den von Adern durchzogenen Hals bis hin zur Brust; sie hebt und senkt sich nicht mehr. Die Luft muss ihre vom Krebs zerfressene Lunge vollständig verlassen haben. Ihre Hände und Arme umrahmen den schmächtigen Oberkörper. Die kraftlosen Beine, in schwarze Hosen gezwängt, stramm gestreckt, hindrapiert. Noch einmal, ein letztes Mal, beginne ich sie von Kopf bis Fuß mit meinen Augen abzutasten, mir jedes Detail ihrer letzten Erscheinung einzuprägen. Die glatte Stirn, die filigranen, mit Perlen geschmückten Ohren, ihren Lieblingspullover. Ein schwarzer Strickpullover aus Baumwolle mit einem eingenähten, weißen Hemdkragen. So zufrieden wie sie hier liegt, mit geschlossenen Augenlidern, befreit von ihrer Erschöpfung, könnte man meinen, dass es einfacher sei, sie gehen zu lassen. Doch in Wahrheit starrt mich das fürchterliche Gesicht des Todes an. Es ist kaum zu ertragen! Ob ich sie noch ein letztes Mal berühren darf? Ehrfürchtig lege ich meine Hand auf die ihre. Sie ist eiskalt! Diese Kälte, die Kälte des Todes, versetzt mir einen Schrecken, jagt über die Fingerspitzen meinen Arm hinauf direkt in das vor Qual und Kummer zu zerbrechen drohende Herz. Ich zucke zurück, nur, um sie dann noch einmal fester zu halten. Ihr ist bloß kalt, ich muss ihre Hand nur kurz wärmen. Warum sagt sie denn nicht, dass sie friert? Erst als mein Vater meinen kleinen Körper sanft hochhebt, löst sich die nun kalte Kinderhand von der ihren. Bevor sich die Tür hinter uns schließt, erhasche ich einen letzten Blick auf den Sternenhimmel. Der Mond ist aufgegangen die goldenen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. «Papa, wo ist sie jetzt?», flüstere ich in sein Ohr. Er hält inne, dann hebt er mich auf die andere Seite seiner Hüfte und geht wortlos weiter. Draußen zeigt er auf einen Stern, den hellsten aller Sterne. «Siehst du diesen Stern dort oben? Dort ist sie jetzt.»

Von Sophie Kuse

Verschwörungstheorien III: Warum den Illuminaten bald die Welt gehören könnte

Immer wieder werden die sogenannten Illuminaten für die verschiedensten bizarren Ereignisse verantwortlich gemacht. Die Gruppe, zusammengesetzt aus den einflussreichsten Menschen der Welt, soll nämlich im Untergrund an einer neuen Weltordnung arbeiten. Was steckt tatsächlich hinter dem mutmasslichen Sündenbock für ungewöhnliche Geschehnisse? Weiterlesen

Gespiegelt


«Du hast mein Leben zerstört, Marah. Das werde ich dich nie vergessen lassen!»

Marah weicht vom Spiegel zurück. Ihr Spiegelbild funkelt sie aus kalten, grünen Augen an. Das waldgrüne Kleid schmiegt sich an ihre helle Haut. Sorgfältig streicht sie eine nicht-vorhandene Falte aus dem Kleid. Ihr Gesicht ist blass. Die kastanienbraunen Haare sind zu einem strengen Knoten zurückgebunden. Eine einzelne Haarsträhne sträubt sich widerspenstig, doch erfolglos – Marah streicht sie mit einer schnellen Handbewegung zurück an ihren Platz. Sie mag keine Unordnung. Alles muss absolut perfekt sein – und zwar immer!

Sie wendet sich vom Spiegel ab und begibt sich nach unten. Nolan wartet schon auf sie an der Eingangstür. Er trägt einen dunkelgrünen Anzug, abgestimmt auf ihr Kleid. Alles passt, alles ist perfekt.

Nach einigen Minuten Fahrt kommen sie an ihrem Zielort an. Vor dem majestätischen Gebäude steht eine Limousine neben der nächsten, eine schöner und imposanter als die andere. Mit ihrem Ehemann am Arm stolziert Marah durch das mächtige Eingangstor. Heute sollte sie endlich geehrt werden für all die harten Jahre voller Arbeit, die sie in ihren Beruf gesteckt hat. Nolan strahlt voller Stolz, während er neben der Top-Immobilienmaklerin der Stadt – wenn nicht sogar des Landes – steht. Sie kann alles verkaufen, und sie kann es an jeden verkaufen. Niemand schlägt ihr ein Angebot aus.

Das Telefon klingelt. Marah wendet sich ab und entfernt sich einige Schritte von den anderen. Sie hebt ab.

«Eine Insassin des Ignatium – Staatsgefängnisses versucht Sie zu erreichen. Um anzunehmen, drücken Sie bitte die Eins. Wollen Sie ablehnen, drücken Sie die Nummer Zwei.»

Nein, nicht heute. Sie drückt die Zwei und nimmt das Telefon vom Ohr. Als sie sich wieder gefangen hat, schreitet sie bestimmt zurück zum Gespräch, und zu ihrem Mann.

Doch Marah ist alles andere als gefasst. Ihre Hände zittern kaum merklich, aber sie zittern. Ihre Haut fühlt sich heiss an. Gott, schwitzt sie etwa? Das kann doch jetzt nicht sein! Marah entschuldigt sich und eilt einem Tablett Champagner hinterher. Champagner, der wird sie jetzt beruhigen. Doch nach einer halben Stunde Smalltalk mit einigen Anwesenden ist sie alles andere als gelassen.

Endlich ist es soweit. Ihr Chef führt die versammelte Menge in einen riesigen Saal. Die Wände sind mit einem blutroten Vorhang abgedeckt. Rot – was für eine schreckliche Farbe. Sie bringt so viel…Zerstörung. Marah ist noch immer heiss. Ihre zittrigen Hände klammern sich an ihr bereits viertes Champagnerglas. Dann beginnt die Rede. Es ist eine Laudatio von ihrem Chef, doch sie hört sie gar nicht. Ihr ist heiss. So heiss. Wieso nur? Das passt gar nicht zu ihr. Sie hat immer alles unter Kontrolle. Bei ihr läuft immer alles nach Plan.

Klatschen. Ja, die Leute klatschen. Sie steht in der Mitte des gigantischen Raumes. Nolan lächelt ihr zu und hebt sein Glas in die Höhe. Alle andern tun es ihm gleich. Dann fallen die Vorhänge. Und da sind sie. Spiegel. Aus der Ferne hört sie ihren Chef sagen, dass sie heute nur sich selbst sehen soll. Sie stehe heute im Mittelpunkt, sie habe es sich verdient. Doch Marah sieht nicht sich…sie sieht Naira. Naira ist überall. In welchen Spiegel sie auch schaut, eine Erinnerung starrt zurück.

Die Spiegel kommen näher, immer näher.

Stop!

Vergeblich. Marah streckt ihre Arme von sich, will die Spiegel auf Distanz halten, doch sie halten nicht an. Nein, sie verschlingen sie.

Rauch. Marah erkennt den beissenden Geruch sofort. Wie könnte sie vergessen, wie er riecht…nach allem…. Dann hört Marah sie. Die Schreie. Wie in jener unheilvollen Nacht. Dieses Feuer…es ist so heiss. Aber sie ist an der Gala, da ist kein Feuer. Plötzlich sieht sie Naira. Naira sollte nicht hier sein – nein, sie kann nicht hier sein. Und trotzdem versucht sie, ins Haus zu gelangen. Doch das ist unmöglich. Niemandem im Haus könnte sie mehr helfen.

Nein, Naira, es hat keinen Sinn! Es ist zu spät!

Aber wir müssen doch….

Nein!

Die Sirenen der Feuerwehr sind zu hören. Angst steigt in ihr auf. Marah spürt, wie das Gewicht ihres Rucksacks sie nach unten zieht. Er ist so schwer, sie kann – und will – diese Last, die er mit sich bringt, nicht mehr tragen. Sie lässt ihn fallen.

Die Feuerwehr ist dabei, das Feuer zu löschen. Rettungskräfte gehen ins Haus, um nach den Eltern von Marah und ihrer Zwillingsschwester Naira zu suchen. Doch finden können sie nur noch ihre Körper. Ihre Seelen sowie die Erinnerung an sie werden für immer im Haus sein, in den Spiegeln – das ist zumindest das, was ihre Mutter immer zu sagen pflegte: «Unsere Erinnerungen an diejenigen, die nicht mehr bei uns sind, werden wir nie verlieren, Marah. Wenn wir in einen Spiegel sehen, werden wir uns erinnern, denn wir tragen sie in uns. Für immer.»

Nie glaubte Marah tatsächlich an diese Geschichte, aber an diese unheilvolle Nacht wird sie sich für immer erinnern können. Kein Spiegel wird sie das je vergessen lassen. Denn ihr ganz persönlicher Fluch macht das unmöglich. Wo auch immer sie sich sieht, sieht sie auch ihre Zwillingsschwester, und ihr Anblick wird sie nie vergessen lassen, was sie ihr in dieser Nacht angetan hat.

Die Feuerwehr löscht das Feuer. Sie sind sich sicher, dass es Brandstiftung war. Dann finden sie einen Rucksack. Marah’s Gesicht ist von Tränen aufgeweicht. Eine unscharfe Gestalt fragt sie, ob sie wisse, wem der Rucksack gehöre. Und da ist sie wieder – die Angst.

«Naira.»

Sie spürt, wie ein Arm um sie gelegt wird. Es ist Nolan. Marah klammert sich an ihn. Sie schaut in die Spiegel rund um sich herum. Und dann in die Gesichter der Menschen, die sie erwartungsvoll anschauen.

«Wo warst du?»

«In den Spiegeln.»

«War Naira da?»

«Ja, sie ist immer in den Spiegeln Nolan. Immer.»

«Dann lass sie dort. Lass die Erinnerung an sie in den Spiegeln.»

Sie nickt und richtet sich auf. Mit geradem Rücken steht sie in der Mitte des Saales. All diese Menschen sind ihretwegen hier. All diese Menschen wollen, dass sie etwas sagt. Ihre Hände zittern nicht mehr. Da ist eine Ruhe, die sich über sie selbst, aber auch über den ganzen Saal legt.

Ihre Vergangenheit ist genau das – in der Vergangenheit. Genauso wie ihre Schwester. Dagegen kann sie nichts tun. Jetzt nicht mehr. Diese Geschichte, die sie so lange unterdrückt hat, ist jetzt vorbei. Genauso wie diese Erinnerung. Nie wieder wird sie daran denken. Sie ist am Höhepunkt ihres Lebens und nichts und niemand wird ihr das ruinieren. Erst recht keine Erinnerung oder irgendein Spiegelbild. Das wird sie schlicht und einfach nicht zulassen. Ihr Leben, ihre Kontrolle.

Ihr Blick schweift über die Menschen. Ihre Worte nehmen den ganzen Saal ein. Da ist sie wieder.

Mit einer eleganten Bewegung hebt sie ihr Champagnerglas und alle stossen an. Marah lächelt. Es ist ein aufgesetztes Lächeln, doch das bemerkt niemand. Noch nie hat es jemand bemerkt. Für alle ist es ein perfektes Lächeln. Ein perfektes Lächeln für einen perfekten Abend in einem perfekten Leben.

Von Skyla Rossi

Armenien – Der Krieg und die gleichgültige Welt

Armenien ist mein Heimatland. Es ist eines der ältesten Länder der Welt, mit einer Geschichte, die bereits 3000 vor Christus anfängt. Das heutige Armenien bildet mit etwa 29.7km2 einen sehr kleinen Teil des historischen Armeniens. Wie auch andere Länder hat mein Heimatland in seiner Geschichte Kriege, Gewinne und Verluste erlebt. Weiterlesen

Peace


Dicker schwarzer Edding wasserfest auf fast allen Materialien, auch auf dem Fensterglas der Strassenbahn. Der Junge steckte ihn wieder ein, schulterte seinen Rucksack aufs Neue, wartete genauso lange bis die blecherne Stimme verkünden liess: «Nächster Halt Kunsthaus», kramte dann ein Taschentuch aus einer seiner unzähligen Hosentaschen und liess damit die Träne aus seinem Gesicht verschwinden. Er streckte seinen Rücken durch, schob die letzte seiner widerspenstigen Strähnen unter die alte Mütze seines Vater, starrte noch ein letztes Mal auf seinen Schriftzug und trat mit einem angestrengten Lächeln aus der Strassenbahn auf die wartenden Menschen zu. Er würde das Wochenende schon irgendwie überstehen, wenn er ihnen keine Angriffsfläche bot.

Was hatte der Junge mit der hässlichen Mütze bloss an dieser Scheibe gefunden? Die junge Frau verdrehte die schwarz umrahmten Augen, als sie das mickrige, unsicher wirkende «PEACE» in der unteren Ecke des Fensters sah. Nicht gut genug für meinen Account, dachte sie, stieg ein, zog sich die Kopfhörer wieder über die Ohren und schaltete die gleiche Musik wie immer ein. Das laute Schlagzeug übertönte den leisen Ton der Fussglocke, auf die sie versehentlich trat. Sie drückte weiter auf ihrem Handy herum, staunte über eines der Bilder auf Instagram – «SCHEISS SYSTEM» war dort riesig auf eine Wand geschmiert – und hinterliess ein Herzchen, während sie gedankenverloren mit einer ihrer blonden Strähnen spielte.

Eine ältere Frau rannte auf die Bahn zu, hämmerte hektisch auf den grünen Knopf neben der sich schliessenden Türe. Sie durfte sich nicht schliessen…! Erleichtert stolperte sie die drei Stufen hinauf, drängte eine Jugendliche zur Seite und klammerte sich an einer der Metallstangen im Eingangsbereich fest. Ohne etwas wahrzunehmen starrte sie aus dem Fenster. Sie musste nach Hause aufs Land fahren, einkaufen und kochen. Hätte ihr Chef sie doch bloss nicht so lange im Büro aufgehalten, sie musste rechtzeitig fertig werden, um ihre Kinder zu begrüssen. Sie fasste sich an die Stirn, als ihr klar wurde, dass sie ihre Jacke im Büro vergessen hatte. Sie atmete tief durch und sah auf ihre goldene Armbanduhr, deren Zeiger sich viel zu schnell bewegten. Sie fluchte. Sie musste doch den Zug noch erwischen, warum fuhr die Tram denn so langsam! Sie sprang aus dem Waggon, kümmerte sich nicht darum, dass sie einige Leute anrempelte und rannte mit einem letzten hektischen Blick auf ihr Handgelenk auf die Gleise im Hauptbahnhof zu.

Mit einem leisen Ächzen hievte sich der Mann mit der Aktentasche in der Hand in die Tram. Warum konnten diese Irren nicht einmal aufpassen. Diese Woche war er nun schon drei Mal fast über den Haufen gerannt worden. Mit blitzenden Augen sah er sich um. Schon wieder lag am Boden eine dieser stinkenden Getränkedosen und das Fenster direkt neben ihm war auch schon wieder vollgeschmiert. «PEACE», pah, als ob es das jemals geben würde, das hatte es noch nie gegeben! Er konnte diesen Saustall nicht dulden, suchte verzweifelt nach etwas, was er dagegen tun könnte. Er fand nur einen Kugelschreiber, aber er hatte nicht vor aufzugeben! Wütend versuchte er den Schriftzug zu übermalen, von ein paar Kratzern abgesehen, gelang es ihm jedoch nicht. Er schmetterte den zerbrochenen Plastikkugelscheiber auf den Boden, als er bemerkte, dass er ihn etwas zu sehr strapaziert hatte, kickte nach der Getränkedose am Boden und stieg aus. Innerlich wild fluchend über die respektlose moderne Gesellschaft.

Das kleine Mädchen wartete ein wenig, bis es sicher sein konnte, dass der Anzugträger nicht zurückkommen würde und verliess dann seinen Sitz. Die Strassenbahn fuhr unsanft an, während das Kind sich vor dem Fenster, genau dort, wo zuvor der Mann gestanden hatte, auf die Zehenspitzen stellte und sich die fünf schwarzen Buchstaben ansah. P-E-A-C-E, was das wohl hiess? Vorsichtig kramte es aus seiner Schultasche einen violetten Filzstift und malte eine Blume hinter das Wort. Das Mädchen lächelte, als es aus der Tram stieg. Endlich hatte das Wochenende begonnen.

Von Carla Reuter

Mondlicht

Abnehmend, zunehmend, voll, leer. Der Mond hat viele Gesichter und weckt seit dem Beginn der menschlichen Existenz unsere Neugierde. Es existieren etliche Mythen über den hellsten Himmelskörper am Nachthimmel. Der wohl bekannteste ist der des schlechten Schlafs. Nicht selten wird eine unruhige Nacht auf den vollen Mond geschoben. Auch manche Kritiker, die von unwissenschaftlichen Deutungen sonst nicht viel halten, geben zu, dass sie dann schlechter schlafen. Aber was steckt wirklich dahinter? Weiterlesen

Հայաստան – Պատերազը և անտարբեր աշխարհը

Հայաստանն իմ հայրենիքն է։ Այն աշխարհի ամենահին երկրներից է, որի պատմություը սկսվում է դեռևս մեր թվյարկությունից առաջ երրորդ հազարամյակից։ Ներկայիս Հայաստանը կազմում է պատմական Հայաստանի միայն շատ փոքր մասը, մոտ 29,7 km2։ Մյուս պետությունների նման Հայաստանն էլ պատմության ընթացքում ունեցել է տարբեր պատերազմներ, հաղթանակներ, պարտություններ։ Մեր պատմության ամենատխուր էջը թերևես հայոց ցեղասպանությունն է, որը կազմակերպվեց 20-րդ դարի սկզբին թուրքական իշխանության կողմից և որի ժամանակ կոտորվեցին ավելի քան 1,5մլն հայեր։ Weiterlesen

Von Lichtern und Nachttöpfen

Zu «Licht» ist das meiste schon gesagt. Wenigstens vom literarischen Standpunkt aus. Kein Schriftsteller, von der Zeit auf den Sockel gehoben, der nicht irgendetwas übers Licht gesagt hätte. Seitenweise könnte ich sie hier abfeiern, von Novalis über Mörike bis zu Michael Krüger. Allerdings, selbst wenn schon alles gesagt wurde, sind wir doch, wir Allwissenden, wir Herren dieser Welt, Beherrscher aller Feuer, stets aufs Neue gebannt, wenn Helios, Sohn des Hyperion und der Theia, seine Pferde schirrt und gleissend ins Firmament steigt, auch wenn wir couldn’t say exactly where the night became the day*, um nun doch einen dieser Dichter zu zitieren, wenn auch keinen deutschsprachigen. Unabhängig aber, wie weit sich unsere Spezies von ihrem Urgrund entfernt, sie bleibt doch bis zum heutigen Tag gebannt vom archaischen Schauspiel der Sonnenauf- und -untergänge, zwar weniger als Pendlerhorde abends auf den Bahnhöfen denn als Pauschaltouristen beim Sundowner in der Ägäis. Womöglich eine Alterserscheinung, dass mir der Sonnenaufgang mittlerweile näher liegt als der Untergang. Und so stehe ich frühmorgens immer wieder draussen im Dämmerlicht und harre der Sonne, deren tägliches Rührstück ich freilich nur im Winterhalbjahr bezeugen kann; im Sommer geht sie bekanntlich mitten in der Nacht auf. Weiterlesen

Kleines neues Virus versus grosse Alte Kanti

Als am 13. März nachmittags die Meldung die Runde macht, dass die Schulen ab der kommenden Schulwoche schliessen würden, ertönt in den Gängen der Schulgebäude das Jubelgeschrei der Schülerinnen und Schüler: Ferien! Und dann erst noch auf unbestimmte Zeit! Jeder Gedanke an das für diese «Ferien» verantwortliche Virus und die unabsehbaren Folgen im Gesundheitswesen oder in der Gesellschaft, jeder weiterreichende Gedanke scheint in diesem Moment sekundär. Weiterlesen

Das Abo


Ich starre auf die Rechnung und überfliege erneut die Mitteilung. Offene Rechnung … Bitte begleichen Sie diese innerhalb von 30 Tagen. Mit einer Hand schliesse ich den Briefkasten und mit der anderen taste ich nach dem Schlüssel in meiner Tasche.
Ich hebe den Kopf, als Frau Roths Stimme von der anderen Strassenseite zu mir herüberhallt.
«Was schauen Sie denn so erschrocken, Frau Hauser? Haben Sie etwa ein Gespenst gesehen?»
Ich räuspere mich.
«Nein, nein, alles in Ordnung. Nur die Handyrechnung meines Sohnes – Sie wissen ja, wie Jugendliche sind.» Weiterlesen

Wege zum Erfolg ermöglichen

Der aktuelle Newsletter unserer Schule ist mit «Die Alte hat einen Neuen» überschrieben: Ja, wir haben einen neuen Rektor! Ebenfalls auf der Shortlist für den Titel war: «Die Alte hat eine Neue» – nämlich eine neue Schulleitung. Gleich zu dritt haben wir diesen August in unseren Funktionen in der Schulleitung begonnen. Und ich freue mich, innerhalb der Schulleitung die Wirtschaftsmittelschule und die Informatikmittelschule sowie weitere Ressorts wie etwa die der externen Kommunikation mit zahlreichen Anlässen betreuen zu dürfen. Weiterlesen

Flair im János-Tamás-Haus

Auf dem Parkplatz der Alten Kanti, genauer: vor dem Tamáshaus, steht wie immer eine Honda oder ein ähnlich schwerer Töff. Er ist ein Schauobjekt, das auch an einem warmen Sommernachmittag die Aufmerksamkeit von neugierigen Schülern, nein, nicht von Schülerinnen, auf sich zieht. Gerade hat Petra für heute die letzte Unterrichtsstunde beendet, tritt aus dem János-Tamás-Haus und geht in Richtung ihres Fahrzeugs. Dort angekommen, wird sie mit bewundernden Augenpaaren und folgendem Ausruf empfangen: «Wow, gehört dieser Töff dir?» Der Schüler, welcher zuvor bei Petra Unterricht hatte, ist auch bereits da. «Ihr dürft sie doch nicht duzen, sie ist meine Posaunenlehrerin», platzt es aus ihm heraus. Petra hingegen reagiert mit einem Schmunzeln. – Diese Episode aus den neunziger Jahren passt hervorragend zu Petra Bachmanns Charakter. Ihre Spontanität ist wie eine Blume, die sich öffnet, aber überlegt und aufmerksam, denn sie duftet nur, wenn das Umfeld für Petra stimmt.


[Bild: Sarah Böhler]

Wenn die Posaunistin im János-Tamás-Haus war, dann spürte man es im Nordteil oder im Lehrerzimmer durch die Wände hindurch. Es war nicht ihr «profumo», es war ein freundlicher Blick, ein Lachen oder ein aufgewecktes Wort, welches wie ein fröhlicher Luftzug durch die Räume hallte.

Petra Bachmann, aufgewachsen in Bayern, unterrichtete an der Alten Kantonsschule Aarau während nicht weniger als 35 Jahren Posaune und zeitweise auch Klavier. Bei den Schülerinnen und Schülern erfreute sich Petra mit ihrer fröhlichen, frischen und kommunikativen Art grosser Beliebtheit. Das Resultat dieses motivierenden Unterrichts mit Herzblut und pädagogischem Können kam besonders in den öffentlichen Ensembleauftritten zur Geltung. Das Publikum durfte stets in abwechslungsreiche Klangwelten eintauchen.

Auf die Frage, welches Fach Petra neben ihrem Instrument noch unterrichten möchte, sagt sie spontan: «Sport, da Musik und Bewegung zusammenpassen.»

Als Posaunistin hat Petra eine vielseitige Karriere hinter sich. Sie spielte 30 Jahre lang im Aargauer Sinfonie-Orchester und war im Opernhaus in Zürich als Zuzügerin tätig. Sie absolvierte auch ein Studium in Blasmusikdirektion und dirigierte danach mehrere Jahre eine Brass Band. Zudem spielte sie im Blechbläserquartett AROWE BRASS, u.a. mit dem Trompeter André Wey. Der unterwartete Tod dieses geschätzten Kollegen vor einigen Jahren hat Petra sehr erschüttert. Die Musik hat ihr geholfen, diesen Schmerz zu verarbeiten und mit Hingabe ihren Unterricht fortzusetzen.

Ihrer Wahlheimat Schweiz bleibt sie auch nach der Pensionierung treu: «Meine Lieblingsstadt ist nur ein Städtchen und es heisst Sempach. – Sempach hat Geschichte, Charakter und Charme. Die Menschen sind nett, es ist für mich schnell erreichbar und es liegt am herrlichen Sempachersee, wo es vermutlich schweizweit die schönsten Sonnenuntergänge gibt.»

Wir wünschen Petra für Ihre Zukunft von Herzen alles Gute, vor allem spannende Highlights auf allen Ebenen und Horizonten bei ihren Trekkingvorhaben in den Schweizer Alpen.

Als Kollegin werden wir Petras Ausstrahlung vermissen, aber uns bleibt eine schöne Erinnerung an eine wache und spontane Kollegin.

Unserer Fachschaft gibt Petra übrigens Folgendes auf den Weg: «Haltet zusammen, unterstützt euch und hört euch gegenseitig zu. Seid euch immer bewusst, dass ihr mit eurer Arbeit den Schülerinnen und Schülern etwas vom Schönsten weitergeben dürft: die Liebe zur Musik.»

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Von Esther Flückiger, Klavierlehrerin

«Eine Schule wie vor 25 Jahren – das wäre heute undenkbar»

Zur Pensionierung von Rektor Martin Burkard

Martin Burkard verlässt die Alte Kanti. Nicht weniger als 36 Jahre hat er an der ältesten Kantonsschule der Schweiz gewirkt, anfangs als Lehrer für Deutsch und Latein, während der letzten 22 Jahre hat er die Geschicke der Schule geleitet. Mit Martin Burkards Pensionierung geht eine Ära zu Ende. Versuch einer Bilanz im Gespräch. Weiterlesen

Être und avoir oder Das Wesen der Bildung

Être und avoir? Da denken die meisten wohl zuerst einmal an Lektionen, in denen die beiden Hilfsverben geübt und in allen zu kennenden Tempi und Modi durchkonjugiert werden. Es mag wenig erstaunen, wenn eine Französischlehrerin einen Text im «sage&schreibe» mit den beiden Verben beginnt und diesen sogar noch einen prominenten Platz im Titel des Textes zugesteht: Es sei mir erlaubt, siebzehn Jahre Französischunterricht – und natürlich ganz grundsätzlich die Faszination für mein Fach, die mich immer noch begleitet – in den folgenden Gedanken nicht ganz aussen vor zu lassen. Die Konjugation kann dabei aber für einmal getrost vergessen werden. In den grundsätzlichen Gedanken einer Prorektorin zu Schule und Bildung ist eine weit allgemeinere Warte gefragt. Was also haben sein und haben mit Bildung zu tun? Sehr viel. Weiterlesen

Der Lehrer und die Lücke

Zur Pensionierung von Roland Latscha

Geht einer wie Roland Latscha nach siebenunddreissig Jahren als Deutsch- und Philosophielehrer in den Ruhestand, ist man versucht, auf die Lücke hinzuweisen, die so einer hinterlässt. Dass es sich dabei um eine grosse Lücke handelt, versteht sich von selbst, nicht zuletzt in Anbetracht der ungewöhnlich langen Dienstzeit. Weiterlesen

Kapitän und humorvoller Menschenfreund

«Mein erstes gemeinsames Unternehmen mit Martin Burkard war eine Schulreise. Wir ahnten damals nicht, dass dies der Anfang einer intensiven Zusammenarbeit und herzlichen Freundschaft werden sollte. 14 Jahre später wurde Martin Rektor der AKSA, gerade als MAR 95 umgesetzt werden sollte. Ich wurde als Konrektorin sofort in die politischen und pädagogischen Auseinandersetzungen einbezogen. Wir waren stark gefordert, das Schiff MAR durch die hoch gehenden Wogen zu steuern. Ich erlebte Martin als besonnenen Kapitän, der sich nicht vom Kurs abbringen liess, und war stolz darauf, ihn unterstützen zu dürfen. Martin, es war schön, mit dir zusammen zu arbeiten!»

Silvia Bonati
Deutschlehrerin von 1968-2005
Konrektorin von 1995-2007

«Caesar, Commentarii Belli Gallici, Seneca, Ad Lucilium Epistulae Morales, Vergil, Aeneis – diese drei Bücher sind neben meinem Maturitätszeugnis die einzigen Relikte aus meiner Zeit an der «Alten Kanti» in Aarau. Damit verbunden sind tolle Erinnerungen an den jungen, beliebten und mitreissenden Lateinlehrer Martin Burkard, von dem man schon nach der ersten Lektion wusste, dass er eine grosse Leidenschaft für die Werke von Friedrich Dürrenmatt und den Fussballclub Grasshopper Zürich hegte.»

Andreas Bachmann
Rechtsanwalt
Schüler an der Alten Kanti Aarau von 1984-1988

«Ich habe mit Martin Burkard zwischen 2010 und 2016, während wir als Rektoren den beiden Aarauer Kantonsschulen vorstanden, eng zusammengearbeitet. Ich habe Martin in diesen Jahren als hilfsbereiten und sehr erfahrenen Kollegen, der mir immer wieder zur Seite stand, kennen und schätzen gelernt. Martin war nie belehrend, vielmehr zeigte er mögliche Wege und Herangehensweisen auf, was bei mir zu zahlreichen interessanten und erhellenden Einblicken führte. Ich verdanke Martin Burkard viel.»

Daniel Franz
Rektor Kantonsschule Baden

«Mit Martin Burkard geht ein Rektor in Pension, der sich über Jahrzehnte hinweg mit enormer Hingabe und viel Leidenschaft nicht nur für die Alte Kantonsschule, sondern für den gesamten Mittelschulbereich im Aargau eingesetzt hat. Ich danke Martin Burkard für seine Arbeit, seine Loyalität und seine grossen Verdienste für die Bildung in unserem Kanton und wünsche ihm alles Gute für seinen neuen Lebensabschnitt.»

Regierungsrat Alex Hürzeler
Vorsteher Departement Bildung, Kultur und Sport

«Martin habe ich als blitzgescheit, einsatzfreudig und hilfsbereit kennen gelernt. Als ich ihn anfragte, als Bearbeiter der Umsetzung der MAR Vorgaben ins BKS zu kommen, war er sofort bereit dazu. Viele weitere Eigenschaften Martins traten zutage, er war zuverlässig, führungsstark, zuvorkommend, ziel- und lösungsorientiert, seine Sozialkompetenz und sein Verhandlungsgeschick halfen ihm, kreativ umsetzbare Lösungen zu finden. Zudem war und bleibt er ein humorvoller Menschenfreund. Die Wahl zum Rektor der AKSA war folgerichtig. Beste Wünsche für das neue Leben!»

Bruno Biberstein
ehem. Generalsekretär BKS

Die süsse Verführung der Ablenkung

Aqua. 14:50 Uhr. Weder Motivation noch Aufmerksamkeit sind unter den vielen Schülern, die zur nächsten Lektion schlurfen, zu erkennen. Erschöpft von den vielen Unterrichtsstunden, wünschen sie sich nichts lieber, als nach Hause zu gehen. Aus der Ferne vernehmen einige von ihnen jedoch ein leises: «Pop, plop, pop,…». Gedanklich immer noch nicht ganz anwesend, suchen sie nach dem Ursprung des Geräusches. Doch plötzlich fängt die Nase einen Duft ein. Popcorn! Endlich aus der Trance herausgeholt, wird eruiert, woher dieser Geruch kommt und wer ihn erzeugt. Ist es jemand, den man kennt? Wenn ja, wie stellt man es an, dass man etwas vom Popcorn abbekommt? Aber nein, man kennt die Person natürlich nicht und muss so oder so in die nächste Stunde. Doch der Geruch des Popcorns lässt einen nicht los. Das ganze Gebäude ist davon erfüllt. Auch wenn man schon im Klassenzimmer sitzt, riecht man ihn noch und hört das Poppen der Körner. In den letzten Minuten vor Unterrichtsbeginn kann man an nichts anderes mehr denken. Dann ertönt die Schulglocke. Die Lehrperson beginnt zu sprechen, doch man kann all dem nicht folgen, denn vor lauter Popcorn hat man völlig vergessen, dass man eigentlich noch auf die Toilette hätte gehen müssen. Nach kurzem Hin- und Herrutschen auf dem Stuhl fragt man dann doch lieber, ob man die Toilette aufsuchen dürfe. Unter dem missmutigen Blick der Lehrperson sowie dem Starren aller Mitschüler verlässt man das Zimmer. Auf der Toilette hört man ein Gespräch mit. Über wen oder was sprechen die zwei? Zurück in der Stunde, denkt man an das mitgehörte Gespräch. Haben sie nicht über etwas geredet, wovon man auch schon gehört hat? Da man sowieso müde ist und das Geschwafel der Lehrperson nicht sonderlich interessant zu sein scheint, denkt man lieber über das Gespräch auf der Toilette nach, oder darüber, ob man sich zu Hause nicht auch Popcorn machen könnte. Die Stunde scheint endlos, während man nervös mit dem Stift in der Hand herumspielt, kleine Zeichnungen auf den Rand eines Blattes kritzelt, dem Ticken der Uhr zuhört und den Zeiger beobachtet, wie er langsam über das Zifferblatt kriecht. Die qualvoll lange Stunde geht endlich vorüber, aber mitbekommen hat man nichts. Nun ja. Es ist manchmal halt viel leichter, sich ablenken zu lassen von den eigenen Gedanken, als sich anzustrengen und zuzuhören.

Von Skyla Rossi, G2l

Indigene Visionen und Weltbilder als Alternativen zum europäisch-westlichen Denken

Weltwahrnehmung. Welch eine Vieldeutigkeit schwingt in diesem einen Wort. Wie kaum ein zweites in der deutschen Sprache vermag es sämtliche Ausrichtungen des menschlichen Ingeniums zu umreissen. Jede Meinung, jede Ahnung und Erinnerung, gar jede emotionale Regung ist Weltwahrnehmung, vorausgesetzt man bezieht die Begrifflichkeit Welt auf alles Äussere, das den Menschen umgibt und auf ihn wirkt – so auch die Begegnung mit sich selbst –, und bezeichnet Wahrnehmung als Informationsfluss aller Sinne. Weiterlesen

Ein kleines Abenteuer

Vielleicht war es eine schlechte Idee, Opa aus dem Altersheim zu schmuggeln. Für einen Rückzieher war es nun aber sowieso zu spät. Opa hielt meine Hand und genoss die spätsommerliche Luft. Als die Sonnenstrahlen auf sein faltiges Gesicht fielen, schloss er die silbernen Augen. In der sanften Brise wippte sein fedriges Haar hin und her. Wir schlenderten über den Parkplatz und ich lächelte die anderen Besucher verkrampft an, um nicht aufzufallen. Ich strich mir die blonden Locken aus der Stirn. Bis jetzt lief alles gut. Der blassblaue Trabant stand schief in der Parklücke. Weiterlesen

Auf der Schwelle zur Wirklichkeit

Ein Grollen. Für einige Sekunden ist alles hell. Dann wieder absolute Dunkelheit. Das nächste Grollen. Doch schon bald ist das erstarrende Geräusch verschwunden. Dann lässt sich nur dem Stürmen des Regens lauschen. Auf einmal wird erneut alles hell, der Waldrand blitzt durch das verregnete Fenster. Und abermals das Grollen und das Toben des Regens. Ein Pfeifen. Durch die Latten des kleinen Hauses bläst der Wind. Die Bretter biegen sich. Die Balken ächzen. Hammer und Nägel liegen griffbereit. In drei Decken eingewickelt, mit Mütze und selbst gestrickten Wollsocken an den zitternden Füssen und dem Knistern des Kamins im Hintergrund liegt er in seinem aus Holz gezimmerten Bett. Auf dem Nachttisch eine Tasse qualmender Tee. Die Hütte gleicht eher einer Baracke. Es reicht gerade so für sein Bett. Der kleine Kleiderschrank lässt seine schief hängende Tür bei jeder unvorsichtigen Bewegung fallen. Daneben ein kleiner, gasbetriebener Herd und ein Kamin aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Ein Jäger hatte sich einst die Hütte gebaut. Und irgendwann verlassen. Am Waldrand, abseits der Zivilisation, nicht weit von einem kleinen Teich.
Das Knistern des Feuers ist beinahe verschwunden. Zeit, Holz nachzulegen. Der Kopf als Erstes, gefolgt von Schulter und Bauch, und ganz zum Schluss die Beine werden von der Decke befreit. Ein schneller und gekonnter Armschwung zur Öllampe. Es folgt der Hüftschwung und schon ist er bei den gestapelten Holzscheiten. Ein Paar in die Glut zu werfen genügt und das Feuer ist wieder entfacht. Mit schnellen Schritten und einem finalen Sprung wirft er sich zurück ins Bett.
Drei Schläge. Ruhe. Nochmals. Drei heftige Schläge gegen die Tür. Das verrostete Vorhängeschloss hält die Tür fest. Mit einem Knall landet der Laden des Kleiderschranks auf dem Boden. Der Kopf verschwindet unter der Decke. Dann wieder ein Blitz. Ohne Donner. Ruhe. Ein dunkler Schatten bleibt beim Fenster stehen. Eine Nase, eine Stirn quetschen sich ans Fenster und starren hinein. Sehen sie ihn im Bett liegen? Ganz vorsichtig schaut sein Auge durch eine kleine Luke in der Daunenfestung hindurch. Ein Gesicht. Es kommt ihm sehr bekannt vor. Und dann erkennt er ihn. Sein Vater. Er schaufelt sich frei. Mit einem grossen Satz ist er an der Tür. Dreht den Schlüssel um. Ein leises Quietschen und die Tür steht offen. Er geht hinaus. Grelles Licht. Nichts zu erkennen. Erst nach ein paar Sekunden bekommt er seinen Vater und den Jäger in kurzen Hosen und T-Shirt zu sehen. Hinter ihm brennt immer noch das Feuer im Kamin. Kurzes Gespräch. Beide auf dem Weg zum Teich, zum Angeln. Sie wollten nur kurz Hallo sagen. Verabschiedung. Angeln war noch nie sein Ding. Mit kleinen Schritten und gesenkten Hauptes kehrt er in seine Hütte zurück. Ein kurzes Zögern auf der Türschwelle. Er schaut auf seine Füsse. Nasse Socken. Verwirrt blickt er zurück. Alles trocken. Am Waldrand erkennt er den Wagen des Jägers. Die rote Farbe lässt sich nur noch erahnen. Überdeckt mit grauem Staub. Sein Blick wandert langsam wieder zu den Füssen. Durchnässt. Der Pullover ebenso. Er steckt den Schlüssel zurück ins Schloss und schliesst die Tür ab. Das Feuer im Kamin knistert. Ihm ist kalt.

Von Noah Schönfeld, G2G

Traum oder nicht Traum – das ist Zirkus

Der Vorhang geht auf, die Artisten des «Jour de fête» erwecken die Manege zum Leben und versetzen das Publikum in Staunen. Das Thema der 35. Monti-Inszenierung ist das bunte Treiben eines Jahrmarktes. Der Circus Monti ist bekannt für seine träumerischen und atemberaubenden Vorstellungen mit Artisten aus aller Welt. Sobald die Show beginnt, befinden sich die Zuschauer in einer Traumwelt. Und was ist das für ein Leben, wenn die Lichter gelöscht sind? Wir haben hinter die Kulissen geschaut. Weiterlesen

Gewitter im Kopf

Einem Palast vergangener Tage ähnelnd, so ragte die imposante Basis vor ihm auf.
Sie war Teil eines staatlichen Verbundes, dem Zentrum für Netzwerk-Verarbeitungsstellen.
Die Basis B-213 war natürlich in ihre Umgebung, eine Höhle von enormen Ausmassen, eingebettet, sodass sie wie aus dem Boden gewachsen erschien. Die ganze Grösse der Grotte war nur zu erahnen, denn ihr Rand verlor sich in tiefem Schwarz. Nur gelegentlich konnte man Licht aus angrenzenden Höhlen erblicken. Die Basis befand sich genau in der Mitte des Hohlraums; sie war von überall her sichtbar, so als wollte sie gesehen und bestaunt werden. Weiterlesen

Heute ist ein guter Tag

«Hellblau oder gestreift?» Obwohl ich ihr die Frage nun schon zum dritten Mal stelle, scheint sie deren Inhalt nicht zu begreifen. Oder sie wägt noch ab. Ungeduldig rutsche ich auf dem altmodischen Holzstuhl hin und her, versuche ihrem kritischen Blick standzuhalten. Heute ist eigentlich ein guter Tag – und doch sieht es aus, als ob sie diese wenigen Worte überfordern würden.
Ich erwäge, ihr die Entscheidung abzunehmen und einfach selbst zu wählen – die Verlockung ist gross. Dennoch halte ich ihr stand und warte ab. Ich warte ab, wie mir geraten wurde.
«Sei geduldig, verlange nicht zu viel, mach oft Pausen …» Weiterlesen

Traum

«Mami? Was schreibst du denn übers Träumen?» – «Ja, was denkst denn du, was Träumen ist?» Als Antwort auf meine Frage präsentiert mir meine 6-jährige Tochter kurze Zeit später die zwei folgenden Skizzen mit der Erklärung: «Träumen ist wie Denken – aber beim Träumen schläft man und beim Denken ist man wach.» Weiterlesen

Gedankenbruch

«Lasst mich! Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid?» Eine keifende Stimme über-tönte trotz des Lärms, der mittags immer in der Mensa herrschte, alle Gespräche, und als die Besitzerin der Stimme aufstand, waren alle Augen auf sie gerichtet. Ich fand es faszinierend, wie schnell etwa zweihundert Schüler ihre Gespräche einstel-len und eine Aufmerksamkeit zu Tage fördern konnten, wie es wohl nur selten in einer Unterrichtsstunde geschah. «Ihr versteht es nicht, ihr versteht es nicht, und so etwas schimpft sich meine Freunde! Ich werde das verdammte Zeug nicht mehr nehmen, ich kann nicht mehr atmen, es erstickt mich, seid still, seid still!» Die Worte wiederholend stand sie da, die Hände auf ihre Ohren gepresst, bis nicht nur ihre ‹Freunde›, sondern wirklich jedes Lebewesen im Raum schwieg und sie an-starrte. Ihre Miene war verschreckt, angespannt, ihre Augen zuckten hin und her, als ob sie nach einem Fluchtweg aus diesem Hexenkessel von Menschen suchte. Immer mehr schienen ihre Instinkte sie zu beherrschen; dann, auf einmal, verän-derte sich ihr Ausdruck und etwas anderes, mindestens genauso Unkontrolliertes, nahm den Platz der Panik ein. Weiterlesen

«Man hat nur dort Ängste, wo man auch Wünsche hat.»

Peter Fischer ist Fachpsychologe für Psychotherapie in einer Gemeinschaftspraxis in Zürich, oberhalb des Freud-Institutes. Er empfängt das sage&schreibe-Team, um über Träume und die Traumdeutung zu sprechen, aber auch Einblicke zu geben in die professionelle Auseinandersetzung mit den Botschaften des Unbewussten. Weiterlesen

Die Traumfängerin

Die Luft war kalt und strich um ihre blossen Beine. Neben den müde funkelnden Sternen hing der Mond am Himmel. Unter ihren Füssen knirschten die Blätter, die sich verfärbt hatten und von den Ästen der Bäume gesegelt waren. Die Fenster der Häuser waren dunkel, die gesamte Lilienstrasse schlief; einzig das Licht der Laternen erhellte die Strasse.
In ihrem weissen Kleid tapste die Traumfängerin die Häuser entlang, bis sie vor einem roten Backsteinhaus stehen blieb. Der Briefkasten im Vorgarten stand schief da. Efeu kletterte an der Fassade hoch. Zwei edle Blumentöpfe standen vor den Stufen, die zur Haustür hinaufführten. Weiterlesen

Ihre Freundschaft

Sind Sie zufrieden mit sage&schreibe? Sogar begeistert? – Dann müssen Sie hier weiterlesen!
Zweimal jährlich präsentiert Ihnen die Alte Kanti in sage&schreibe vielfältige thematische Beiträge, verfasst von Schülerinnen und Schülern und von Lehrpersonen aller Fachschaften. Jedes Heft ist ein publizistisches Gemeinschaftswerk, das aus unterschiedlichen Perspektiven vertiefte, immer wieder überraschende Einblicke in den Alltag an der Schule bietet und über den Ententeich hinausblickt.
Wenn Sie dieses Engagement schätzen und gleichzeitig verhindern möchten, dass sage&schreibe dem vom Kanton Aargau verordneten Konzept der papierlosen Schule zum Opfer fällt, freut uns das sehr.
Der Ausdruck Ihrer Freundschaft in Form eines einmaligen oder wiederkehrenden Unterstützungsbeitrags sichert die Finanzierung des Heftes für die Zukunft. – Wie wir uns bei Ihnen revanchieren, verrät der Freundschafts-Flyer.

Die neue Alte Kanti

«Kleider machen Leute» –Schon Gottfried Keller führte uns vor Augen, wie wichtig das Auftreten ist und was passieren kann, wenn die Wirkung nach aussen nicht mit dem Inhalt übereinstimmt.
Auch die Unternehmenswelt hat die Bedeutung eines einprägsamen, positiven Bildes längst erkannt und dabei die Form mithin gar über den Inhalt gestellt. Das kann allerdings nur kurzfristig funktionieren, denn bekanntlich haben ja Lügen kurze Beine; wir ärgern uns schnell, wenn wir nicht das erhalten, was wir versprochen bekommen.
Negative Beispiele mindern jedoch die Bedeutung eines guten Auftritts nicht. Sie fordern uns vielmehr auf, dass wir nach aussen das darstellen, was auch drin ist. Konsistent, offen, ehrlich. Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern gerade auch für Schulen.

Ein Blick zurück
Mit Mandarinen und grünen Äpfeln haben wir 2005 den Auftritt des damals neuen Logos und der neuen Website der Alten Kantonsschule Aarau lanciert. Farblich frisch, neu, für viele überraschend, für einige auch befremdend. Der Auftritt – das Corporate Design (CD), wie man es heute nennt –, wurde von Andrea Gsell, einer ehemaligen Schülerin der Alten Kantonsschule, erfolgreich gestaltet und umgesetzt.
Simone Leuenberger, eigentlich Deutschlehrerin an unserer Schule, baute auf dieser Basis die Website auf. 2006 durften wir für die besonders klar strukturierte und optisch frisch gestaltete Website einen Preis der Weiterbildungszentrale (WBZ) entgegennehmen.
Mit den Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass unser elektronischer Auftritt rein technisch bald überholt sein würde und die gestalterischen Trends und technologischen Fortschritte neue Möglichkeiten eröffneten. Im Sommer 2018 beschloss die Schulleitung, eine neue Website und gleichzeitig auch einen neuen Auftritt auf den Weg zu bringen.

Neuer Auftritt und neue Website
Die beiden Projekte wurden zeitgleich gestartet. In der Arbeitsgruppe «Neue Website» mit Cyrill Engeli, Simone Leuenberger, Stefan Märki und Michael Eger beschafften wir uns Informationen zu den Bedürfnissen, um die Ausschreibung für eine neue Website vornehmen zu können. Gleichzeitig holten wir mit Unterstützung des Departements BKS von mehreren Agenturen Offerten für die Gestaltung des neuen Auftritts ein.
für die externe Website samt Aufbau einer neuen internen Website entschieden wir uns für die Firma zeitgeist; für die Gestaltung des neuen Corporate Designsfür die reaktor ag. Bei beiden Agenturen handelt es sich um Aarauer Unternehmen, was die Zusammenarbeit deutlich vereinfachte.
Am Anfang des neuen Auftritts stand ein Workshop mit der Schulleitung, um die Werte der Alten Kantonsschule aufzunehmen und damit sicherzustellen, dass am Ende auch das nach aussen dargestellt wird, was wir sind.
Es zeigte sich gleich: Wir sind die Alte Kanti. Unser Name soll Programm sein, der Name mit der eigens für und mit uns entwickelten Schrift, der Farbe und weiteren grafischen Elementen soll unser Logo sein. Konsistent, offen, ehrlich.
Es folgten die Anwendungen für die verschiedenen Informationsmittel wie Flyer, Drucksachen, Briefe oder auch die Website. Letztere wurde in der Zwischenzeit von der Arbeitsgruppe in Absprache mit der Schulleitung mit Herrn Wegmann von zeitgeist konzeptionell aufbereitet und mit den umfangreichen Bedürfnissen hinsichtlich interne Informationsvermittlung mit schulNetz, Webmail etc. abgestimmt.
Das Resultat der beiden längeren Prozesse liegt nun vor. Und wir meinen: Es kann sich sehen lassen. Nun liegt es an uns, das neue Kleid auch richtig zu tragen.


[Bild: zVg]

Herzlichen Dank!
Für die befruchtende Zusammenarbeit in Form von Gesprächen, Erwägungen, Rückkommensanträgen und Entscheiden danke ich Reto Hell und Marcel Deubelbeiss von reaktor ag sowie Beat Wegmann von zeitgeist ganz herzlich. In diesen Dank schliesse ich Anouk Gyssler ein, welche die Texte neu formuliert hat. Intern danke ich Cyrill Engeli für die grosse Unterstützung, Sonja Pirotta und Michael Bouvard für die wertvollen gestalterischen Inputs und allen weiteren Personen, die sich für das Gelingen der beiden Projekte eingesetzt haben und weiterhin einsetzen werden.

Von Ulrich Salm, Prorektor

musicfactory time

Während Monaten waren die Schülerinnen und Schüler der Schwerpunktfach- und Ergänzungsfachklasse der Neuen sowie der Alten Kantonsschule Aarau damit beschäftigt, ihre eigenen Werke zu komponieren. Am 4. April 2019 kamen diese Werke im Rahmen der musicfactory zur Aufführung. Die ehemalige Emus-Schülerin Michelle Claus führte locker durch den musikalischen Abend. Weiterlesen

Verschwörungstheorien I: Warum die Erde flach ist

Die NASA lügt, und die Mondlandung ist ein Fake – das behaupten die Anhänger der sogenannten Flat Earth Theory, der Theorie der flachen Erde, einer Verschwörungstheorie, die angeblich beweist, dass die Erde in Wahrheit nicht rund, sondern flach ist. Auf den ersten Blick mag dies ziemlich absurd wirken. Es lohnt sich aber durchaus, einige Aspekte genauer zu betrachten. Weiterlesen

Sieben Stücke, die den Abend versüssen

Die Sonne ist kurz davor, den Horizont zu streifen, sodass die reformierte Kirche in Buchs goldenen bestrahlt wird. Die Temperatur sinkt und die letzten Musikerinnen und Musiker betreten den hinteren Teil des Gebäudes, während die Besucher beim Haupteingang warten. Sinfoniekonzert der Alten Kanti. Eine genaue Ahnung von dem, was an diesem 24. März 2019 auf sie zukommt, haben die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht. Das stört sie auch nicht, denn alle sind hier, um sich zu überraschen lassen. > Weiterlesen

Aargauer Mensa-Check I

Für den grossen Aargauer Mensa-Check haben wir alle sechs Mittelschulen im Kanton besucht, mit den Verantwortlichen gesprochen und das Essen vor Ort getestet. Über tausend Gäste gehen in den jeweiligen Mensas täglich ein und aus. Drei bis vier Menüs werden angeboten, darunter mindestens ein vegetarisches. Doch worin unterscheiden sich die Mensas überhaupt?  Für den ersten Teil des Mensa-Checks haben wir die Mensas in Baden, Wohlen und an der Neuen Kantonsschule Aarau auf Herz und Nieren geprüft. Weiterlesen

Die fahrende Sardinenbüchse

«Weg von der Tür!», ruft der Busfahrer missmutig durch die Sprechanlage. «Ich kann nicht losfahren, solange ihr da nicht weggeht!» Unter den Fahrgästen macht sich genervtes Murmeln breit, während drei Schüler verzweifelt versuchen, einen grösseren Abstand zwischen sich und die Tür zu bringen. Nach einigen Sekunden, in denen gedrückt, geschoben und gezwängt wird, ertönt endlich der Motor. Alle Passagiere atmen erleichtert auf. Doch dann senkt sich der Bus auf der Einstiegsseite erneut ab. Ein keuchender Schüler, der offensichtlich direkt vom Sportunterricht kommt, drückt hektisch auf den Knopf, in der Hoffnung, dass sich die Tür erneut öffnet. Und siehe da, der Busfahrer ist gnädig und erweitert die Schar der leidenden Fahrgäste um eine Person. Weiterlesen

Warum Lesen unglücklich macht

Glück ist als Dauerzustand im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen. Diese melancholische Einsicht verdanken wir Sigmund Freud, dem 81-jährigen Hellmuth Karasek und der Firma Ikea. Freud schrieb sie 1930 in Das Unbehagen in der Kultur nieder; der berühmte Literaturkritiker Karasek zitierte sie 2015 in einem Werbespot für Ikea: In einem behaglichen Sessel rezensiert Karasek «das meistverbreitete Buch der Welt», nämlich den Ikea-Katalog. Er liest: «Glück ist, wenn du ein superbequemes Sofabett, ein paar Beistelltische und eine gute Wifi-Verbindung hast». Daraufhin lässt er den Katalog sinken, schaut halb besserwisserisch, halb milde in die Kamera und kontert mit Freud. Weiterlesen

China – 1 Land, 4 Regionen, 4 Küchen

China ist ein Land mit langer Geschichte und Tradition, wenn es ums Essen und um Essgewohnheiten geht. Es gibt viele verschiedene Regeln und Bräuche, wie anständig gegessen wird. Grundsätzlich wird das Essen nicht jedem Einzelnen auf einem eigenen Teller serviert, sondern alles wird auf den Tisch gelegt, sodass jeder das essen kann, was er will. Weiterlesen

Finalis

Grässlich. Einfach grässlich. Endlich habe ich ein passendes Wort für die Kakofonie namens «Babywillstmeinneuesstückhören». Existiert eigentlich Ohrenkrebs? Ich fürchte, schon. Bestimmt gibt es Klänge, welche die Ohrenzellen mutieren lassen. Und am Ende werde ich eine Radio-Therapie in einem spezialisierten Krankenhaus irgendwo in Israel über mich ergehen lassen müssen. – Es regnet wieder. Zum wievielten Mal heute? – Vielleicht bin ich einfach zu altmodisch und checke das moderne Zeug nicht. Ich meine, wenn du mir von deinen musikalischen Reisen erzählst, die nur in deinem Kopf stattfinden, dann wird mir einfach nur übel. Moment – diese Passage kenne ich – die kommt auch in einem anderen Stück vor, nicht? Na ja. Mama hat immer gesagt, das Leben mit einem Musiker sei anstrengend. Sie hatte Recht. Mama hat immer Recht. Ich sollte sie vielleicht mal anrufen und fragen, wie es ihrem Pudel geht. Bono. Schon sein Vorgänger hiess so. Sie wählt immer denselben Namen. Keine Veränderungen – kein Stress. Gutes Motto, Mama. Weiterlesen

Glück und die Sprache der Kunst

Der Künstler Raja Dibeh ist 48 Jahre alt und hat erlebt, was niemand erleben will. Blut, Leid und Krieg hat er in seiner Heimat Syrien tagtäglich gesehen und hautnah erfahren. Vor allem für islamistische Rebellengruppen wie den IS war Raja Dibeh als christlicher Künstler eine Zielscheibe. Deshalb musste er flüchten und lebt nun seit vier Jahren in der Schweiz. Zusammen mit anderen Geflüchteten wohnt er in einer Asylunterkunft in Schupfart. Wir haben ihn nach der Bedeutung von Glück gefragt. Weiterlesen

Glück

Irgendwie haben wir es ja vermutet: Glückserfahrungen haben nicht nur mit Psychologie, sondern auch eine ganze Menge mit Biologie zu tun. Die Zusammenhänge zwischen körperlichen Prozessen und seelischer Empfindung sind ebenso spannend wie komplex – und es zeigt sich: Auch aus biologischer Sicht ist das Glück ein flüchtiges und alles andere als ungefährliches «Geschenk». > Weiterlesen

Weniger lauffe – meh Liftschlüssel

Das tägliche Rennen gegen die Zeit beziehungsweise die eigenen Mitschüler um den letzten freien Tisch im Erdgeschoss des Aquariums. Der leidige Kampf um einen Platz im Lift. Immer kein Kleingeld in der Mensa. – Das muss nicht sein! Der sage&schreibe-Fotowettbewerb «Weniger laufe, mehr Liftschlüssel» macht das Leben an der Alten Kanti lebenswerter. – Vielleicht auch deines!
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Wunder? Wunder!

„Glauben Sie an Wunder?» Kaum jemand im Umfeld einer Kantonsschule wird diese Frage mit einem uneingeschränkten «Ja» beantworten. Wunder wirken wie ein Relikt aus alten Tagen. Sie erinnern an Aberglaube und Magie. Im Denken unserer Zeit scheinen sie keinen Platz mehr zu haben. Der Gang Jesu auf dem Wasser? – Spontane Heilungen an Wallfahrtsorten? – Eine Madonna, die Blutstropfen weint? – Wundersame Erscheinungen am Himmel? Nein, danke! Weiterlesen

Von Eintretenswahrscheinlichkeiten für das Unglaubliche

Bei einem Kaffee und einem Chai im Barista Shop haben sich der Biologie Stefan Girod (SG) und der Pianist Daniel Woodtli (DW) über einen der ganz grossen Begriffe unterhalten. Im Dialog unternehmen die beiden Lehrer der Alten Kanti Aarau einen ebenso unterhaltenden wie anregenden Gedankenspaziergang – immer im Spannungsfeld zwischen der Macht der Fakten und der Macht des Göttlichen. Weiterlesen

Die Wunderstätte

Schmid Beck im beschaulichen Zunzgen ist eine Feinbäckerei, Konditorei und Chocolaterie der besonderen Sorte, denn sie trägt die herausragende Qualität bereits in ihrem Namen: «echt weltmeisterlich». Um die Genusswelt zu erkunden und der Leidenschaft der Erschaffer auf die Spur zu kommen, sind wir tief in die preisgekrönte Wunderstätte eingetaucht. Weiterlesen

Der Wunderbaum – Fluch und Segen

Tatsächlich: Es gibt einen Baum, aus dem eines der tödlichsten natürlichen Gifte und gleichzeitig ein tagtäglich gebrauchtes Öl gewonnen wird. Vielleicht klingelts bei der einen oder anderen Krimi-Leseratte oder bei faltengeplagten Beautyfans bei den Begriffen Rizin und Rizinusöl. – Was hat es wirklich auf sich mit dem Wunderbaum? Wir haben über die «Giftpflanze des Jahres 2018» recherchiert. Weiterlesen

Leichte Kost

Einhundert Gramm durchschnittliches Brot enthalten etwa zweihundertsiebenundsechzig Kalorien. Eine Schreibe davon wiegt ungefähr fünfzig Gramm, hier jedoch können wir von mindestens siebzig ausgehen. Also sind wir mit einer Scheibe schon mal bei einhundertneunundachtzig Kalorien. Je nach dem, von welchem Teil des Brotes das Stück stammt, lassen sich durch die Kruste weitere Kalorien addieren oder subtrahieren. Weiterlesen

Ελλάδα

Η Ελλάδα είναι χώρα της νοτιοανατολικής Ευρώπης. Συνορεύει βορειοδυτικά με την Αλβανία, αποτελείται από την ήπειρο και την Πελοπόννησο και έχει πάνω από 3000 νησιά. Η χώρα βρέχεται από το Λιβυκό Πέλαγος στον Νότο και το Ιονικό Πέλαγος στη Δύση. Η Ελλάδα έχει Έκταση 131’957 τετραγωνικά χιλιόμετρα και είναι τρείς φορές μεγαλύτερη απο τήν Ελβετία. Η χώρα έχει περίπου 11,2 χιλιάδες πληθυσμό. Λόγο των πολλών νησιών η Ελλάδα έχει μια ακτογραμμή από 13’000 χιλιόμετρα. Αν και υπάρχουν πολλά νησιά και μεγάλη επιφάνεια θάλασσας, η Ελλάδα έχει επίσης 80 της εκατό βουνά. Weiterlesen

Zwischenstunde

Ding – ein paar letzte Plopps ertönen aus der Mikrowelle, dann ist es ruhig. Ich nehme die Tüte vorsichtig in die Hand und trage sie zu unserem Tisch. Ein buttriger Duft steigt daraus auf, der Duft einer Zwischenstunde. Alle haben ihre Schulsachen ausgepackt, Stifte liegen achtlos verstreut auf dem Tisch. Wirklich am Arbeiten ist jedoch niemand. Dazu fehlt die Motivation. Weiterlesen

#3 Poesie

In unregelmässigen Abständen hält der passionierte Filmer und Fotograf Tobias Gamp (G4L) seinen Blick auf die Welt in einem ganz persönlichen Video fest. Mal frech, mal schräg, mal nachdenklich, mal knallig – immer aber zusammen mit Alexander Levnajic (G3B). Nur zusammen sind sie «Ganz Gamp.»

Griechenland

Das im Südosten von Europa liegende Griechenland grenzt an das südliche Ende des Balkans und besteht aus der bekannten Halbinsel Peloponnes sowie mehr als 3000 Inseln. Eingegrenzt wird das griechische Festland vom im Süden liegenden Libyschen Meer und dem Ionischen Meer im Westen. Griechenland erstreckt sich über eine Fläche von 131 957 km² und ist somit fast dreimal grösser als die Schweiz. Es leben 11,2 Millionen Einwohner auf dem Festland und den umliegenden Inseln. Wegen seiner vielen Inseln besitzt das Land eine Küstenlinie von über 13’000 km. Obwohl viele Inseln und eine grosse Wasserfläche zu Griechenland zählen, hat die Nation einen Gebirgsanteil von fast 80 Prozent. Weiterlesen

Schweizer und Schweizerinnen umarmen sich viel

Die 18-jährige Claire Ngo aus Kanada kam im August 2018 in die Schweiz, wo sie zuerst einmal einen zweiwöchigen Deutschkurs für Anfänger besuchte. Ab September war sie dann ein Jahr lang Austauschschülerin in der G2F an der Alten Kanti Aarau. Der vorliegende Text ist ihr sprachlich nicht bearbeitetes) Abschiedsreferat, das sie anlässlich eines Farewell-Dinners des Rotary Clubs Aarau Alpenzeiger gehalten hat. Weiterlesen

Glückspost

«Die Arthritis, weisst du, die wird immer schlimmer. In den Händen auch. Zwei Reihen stricken, Andi, zwei, dann muss ich’s schon wieder hinlegen», jammert Oma Ingrid. Ihr Körper versinkt beinahe im übergrossen Bademantel, und händeringend blickt sie ihren Enkel an. Die Glückspost, die Andi ihr hilflos entgegenstreckt, lässt ihre Augen für einen Moment aufleuchten. «Wie lieb von dir! Sag Erika lieben Dank. Willst du Kaffee? Komm, ich ruf die Heike, die bringt dir einen.» «Nee nee, lass mal Oma. Ich trink doch eh keinen Kaffee, weisst du doch. Ich muss ja sowieso auch gleich weiter. Hab noch viel zu tun. Schule und so», murmelt der schlaksige Junge, vergräbt die Hände tief in den Hosentaschen seiner verwaschenen Jogginghose und der Rechten ertastet ein kleines Plastiktütchen, das er fest mit den Fingern umschliesst. Weiterlesen

«Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit sind unser wichtigstes Gut»

Mit 43 Jahren ist Christian Dorer bereits Chefredaktor von BLICK, SonntagsBlick, Blick am Abend und Blick online. Der Absolvent der Alten Kantonsschule Aarau bestimmt, was jede Woche 1.8 Millionen Schweizerinnen und Schweizer lesen. Wie fühlt sich so viel Verantwortung (und Macht) an? Wie begegnet Christian Dorer der digitalen Herausforderung? Und wie geht er mit der allgegenwärtigen Gefahr von Fake News um? – Wir haben den einflussreichsten Journalisten der Schweiz in Zürich zum Gespräch getroffen. Weiterlesen

Die vier Sinne des Menschen

Wenn im Wald ein Feuer brennt, können wir das mithilfe unserer Sinne feststellen, was uns in verschiedenen Szenarien einen evolutiven Vorteil bringen kann. Das Feuer werden wir aber nie in seiner Gesamtheit erfassen können. Dafür sehen wir gelbe Flammen züngeln und hören ein Knistern, obwohl das Feuer genau genommen weder Farben besitzt noch Geräusche erzeugt. Wie kommt’s? Weiterlesen

«Schau, deine Schuhe sind Mittwoch!»

Stell dir vor, der September wäre hellgrün, der Februar eisig-rosa, das «E» gelb, alle 20er Zahlen rötlich und die Melodie der Schulglocke orange. Genau so geht es Victoria Dvořák, einer Schülerin der Alten Kantonsschule Aarau. Wir treffen sie an einem Mittwoch in einem Café. Sie erzählt uns von ihrem Leben als Synästhetikerin und legt uns ihre ungewöhnliche Wahrnehmung offen: die Verknüpfung von Musik, Zahlen und Wörtern mit Farben.  Weiterlesen

Vom (Un-)Sinn der Ökonomie

Veronika Potykanowicz (PotVe), Wirtschaftslehrerin an der Alten Kantonsschule Aarau, sucht über WhatsApp das Gespräch mit ihrer 19-jährigen Nichte Bernadette Schwarz (SchBe) aus Österreich, die zurzeit Umweltsystemwissenschaften an der Universität Graz studiert. Immer im Zentrum des Dialogs zwischen der Pädagogin und der jungen Idealistin: der (Un-)Sinn der Ökonomie. Weiterlesen

Freddy Nock: Sinnfindung und das Seil

Viele Leute fürchten sich davor, über einen Baumstamm zu gehen; Freddy Nock hat das Balancieren, noch dazu in schwindelerregenden Höhen, zu seinem Beruf gemacht. Bei einem Besuch des Artisten zu Hause in Uerkheim haben wir einen Einblick in seine Arbeit erhalten – und von seinem neusten Projekt erfahren, das alles andere in den Schatten stellen wird. Weiterlesen

Fünf Sinne, ein Erlebnis

Der Mensch hat fünf Sinne. Was auch immer wir tun: Erst das Zusammenspiel aller Sinne ermöglicht die ganzheitliche Wahrnehmung eines Erlebnisses. – Wie aber ist es, wenn wir uns bei einem Erlebnis ausschliesslich auf einen Sinn konzentrieren? Wir haben uns aufgemacht in ein Burger-Restaurant und uns beim gemeinsamen Essen jeweils ganz auf einen einzigen Sinn konzentriert. Ein sinnliches Experiment. Weiterlesen

ZIRP

Ich hetze auf den letzten Drücker ins Zimmer – geschafft. Mein Kopf braucht etwas Zeit, um sich zurechtzufinden. Also, ganz langsam: Ich sitze in einer Biologiestunde. Biologie zählt dieses Jahr für die Matur, also sollte ich mich nun zwei Stunden konzentrieren. Unser heutiges Thema: Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen. ZIRP. Meine Sinne erinnern mich gerade wieder daran, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, kurze Hosen anzuziehen. Vorsichtig löse ich mein Bein vom Stuhl und platziere es etwas weiter rechts; zwecklos – es fängt schon wieder an, am Stuhl festzukleben. ZIRP. Die Hitze ist unerträglich. Wieso bekommen wir bei diesen Temperaturen nicht hitzefrei? Weiterlesen

Himmelblaue Himbeere

Bazar. Der süsse Duft, kaum spürbar
Zimt, Koriander, Nelken
die Himbeere, süss und verführerisch
wie das Geschrei der Verkäufer
himmelblau, Himmelbeere, mitten im Bazar
die Verlockung, süsser als Honig
verstörende Farbe, einzigartig
die Sinne berauschend
alles vergessend, vergessen
versinken
und schweben, höher und höher
ekstatisch, ein Geschmack wie Vollendung
der Abgang ist böses Erwachen
himmellos bitter bleibt Ingwer
im Nachgeschmack.

 

Von Nadine Girod und Su Haskaya, G3L 
Aquarell von Nicole Wehrli, G3K

Digitalisierung an der Schule – Alte Kanti 4.0?

Digitalisierung – für die einen ein Zauberwort, das Türen in ungeahnte neue Lebens- und Arbeitsräume öffnet, für die anderen ein Unwort, der Inbegriff einer datengesteuerten, gefühlskalten, insgesamt inhumanen Welt. – Wie auch immer: Als moderne Mittelschule sind wir verpflichtet, uns dem Wandel auch in diesem Bereich zu stellen, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Eine Bestandesaufnahme. Weiterlesen

Ertrinken

Mein Zug war schon da, als ich den Bahnsteig erreichte und auf den Türöffner drückte. Ich setzte mich an den erstbesten Platz am Fenster, und als der Zug langsam losfuhr, heftete sich mein Blick an einen der vielen Regentropfen an der Scheibe. Ich beobachtete, wie ein Tropfen grösser wurde, runterkullerte und alle, die seinen Weg kreuzten, mit sich riss. Etwa hundert Tropfen später wurde meine Haltestelle angekündigt. Ich stieg aus und blickte nach oben, fühlte, wie der Regen auf mein Gesicht prasselte, den Hals runterlief, und sah, wie sich meine Schultasche verfärbte. Ich machte mich auf den Weg nach Hause.  Weiterlesen

Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn die Tür aufgeht

So ein Lift ist schon eine praktische Erfindung. Ohne Lift würden wir nicht weit kommen, vor allem nicht in die oberen Stockwerke des Aquariums beziehungsweise Paul-Karrer-Hauses. Da sind wir schon ab und zu dankbar, dass es gleich drei an der Zahl hat. Doch das gerät manchmal in Vergessenheit, wenn wir uns über die Lifte aufregen müssen, und das ist keine Seltenheit. Weiterlesen

Glühbirnen, Doppelnetzgeräte und Diodenlaser

Schweizer Physikolympiade – dazu braucht es Physiktalente aus der Schweiz, Prüfungsunterlagen und spezifische Utensilien für den experimentellen Teil des Wettkampfs. Am 24./25. März 2018 ging es für 24 Schülerinnen und Schüler darum, sich für den europäischen Wettbewerb in Moskau zu qualifizieren. sage&schreibe war beim experimentellen Teil der Prüfungen an der Neuen Kantonsschule Aarau vor Ort. 
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Immer am Ball bleiben!

Er trainiert bis zu 18 Stunden pro Woche. Denn Volleyball ist seine Leidenschaft! Irian Mika ist ein wahrhaft grosser Spieler – nicht nur wegen seiner 192 cm Körperlänge: Der 20-jährige spielt im Nationalliga-A-Team von Volley Schönenwerd. Als Schüler der Sportabteilung der Alten Kanti stellt Irian jeden Tag unter Beweis, dass sich Spitzensport und Gymnasium bestens vereinen lassen! Weiterlesen

Eviva España!

España meets Aarau – und dies in der einladend dekorierten reformierten Kirche Buchs. Das Orchester der Alten Kantonsschule Aarau, verstärkt durch das Holzbläserensemble, verzauberte das Publikum regelrecht mit temperamentvollen südländischen Klängen. Das Herz Spaniens pulsierte, und die Wärme des Frühlings war trotz der tiefen Temperaturen deutlich zu spüren.
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#02 Aufzüge

In unregelmässigen Abständen hält der passionierte Filmer und Fotograf Tobias Gamp (G3L) seinen Blick auf die Welt in einem ganz persönlichen Video fest. Mal frech, mal schräg, mal nachdenklich, mal knallig – immer aber zusammen mit Alexander Levnajic (G3L). Nur zusammen sind sie «Ganz Gamp.»

Inclusive Digital Video Training in Youth Work (InDVT)

What is InDVT and what does it do for our society?

The InDVt is a project sponsored by the European Union involving several countries. The objective of the project is to create a way of teaching youth trainers to increase the use of “inclusive videos” in their daily work. It is intended to be used for non-formal youth trainings of any sort.

The platform for all the basic and enhanced training was created by the partners in Bulgaria. They developed a website which will be translated into many different languages. On the platform there are several training modules each written by a different partner. You can access information, such as how to collect digital videos, the digitization of videos and TV, raising digital awareness, digital videos in inclusive training and last but not least some tips for trainers. After completion of each module, one will be able to take a self-assessment to test if one has understood the material correctly.

In addition, there is one surprising element in the platform. They have an absolutely stunning resource page, where they list a lot of examples they have found during researches dealing with these topics. Each of the accessible videos has a deeper meaning and can directly be applied to educational and awareness raising purposes. Thanks to nanoo.tv and Mr. Henning Timcke, all of these videos are now on a secured platform and will always be available to youth trainers in the future.

The Meeting

On the 15th of December 2017, the third partner meeting of the InDVT Project took place in Prague. With participants from Bulgaria, Germany, Switzerland and the Czech Republic many competent partners convened at the University of Life Science in Prague.

The project partner responsible for Switzerland, Mr. Henning Timcke, was entitled to bring two guests along to the event in Prague. After due consideration he decided to invite a couple of students from the “Alte Kantonsschule Aarau” with whom he had just finished a project. Natalia Castro Castell and Pascal Meier were given the opportunity to attend, and they were very grateful to join him on this adventure.

The goal of the meeting was to enhance the product proposition in such a way that it would become more user-friendly and ready to be campaigned to a broader base of youth trainers. After an exhausting day of discussing improvement ideas, all partners agreed on the next steps to be pursued and implemented during the following weeks. All the attending representatives unanimously agreed that the meeting was considered a full success.

Prague the city

The day after the meeting the two students from Aarau had some time to explore the city of Prague. Cognizant that a single day of sightseeing was not enough to see the entire city, after a conversation with local guides, we had decided to make our own very ambitious plan. Within a couple of hours, we managed to see most of the sights and monuments, such as the beautiful Karls Bridge, the John Lennon Wall, the Petřín observation tower and some more impressive old buildings. During a small break in the old part of the city, we enjoyed some delicious Czech food in an old restaurant and tasted some hot wine in one of the many wonderfully decorated Christmas markets.

Conclusion

In summary, it can be said that the trip was very successful, both in terms of what we learned and experienced in a different environment. Personally, the highlight of the trip was the dinner with all the partners during which we enjoyed delicious local Czech dishes, like the amazing dumplings, and the good and interesting conversations. We were really honored to be able to have had the opportunity to further observe this project and to represent our school. It will be interesting to follow the further development of this InDVT project and the success it will have.

Websites:
InDVT: http://inclusivevideo.org/de
Nanoo.tv: https://portal.nanoo.tv

By Pascal Meier, G3L

Turin, die verkannte Schöne

Drei Tage Turin! Eine Stadt, die in ihrem alten Glanz als ehemalige Hauptstadt Italiens erstrahlt und die Besucher – auch bei Regen – mit ihrer Schönheit in ihren Bann zieht. Turin überzeugt in allen Bereichen: beeindruckende Architektur, glorreiche Paläste, interessante Museen, gemütliche Cafés, Kirchen, Lauben, leckeres Essen und vieles mehr. Ein Erlebnisbericht über die Projektwoche Turin vom Frühjahr 2018. Weiterlesen

Atem und Hoffnung

Zwei Germanistinnen schreiben einander Briefe mit Luft. Ihr Gespräch über den Atem wird zu einer Reise ins Universum und ins eigene Innerste. Atemzug für Atemzug.

Von Lara Dredge und Rahel Hubacher, Deutschlehrerinnen

Liebe Lara
Beim Nachdenken über das Phänomen Luft drängt sich der Aspekt des Atems auf – wir kommen ja nicht umhin, ständig Luft zu holen. Goethe spricht in diesem Zusammenhang von der «ewigen Systole und Diastole», dem ewigen Ein- und Ausatmen. Für ihn sind die gegenläufigen Bewegungen des Ein- und Ausatmens Sinnbild für eine fortwährende Entzweiung ebenso wie für eine ewige, letztlich unzerstörbare Einheit.

Kürzlich habe ich gelesen, dass der Austausch über den Atem keine Grenzen kennt, weder geographisch noch zeitlich. Mit jedem Atemzug nehmen wir Milliarden von Atomen auf. Wenn man ausatmet, gibt man sie wieder ab und sie verteilen sich. Dieser Austausch über die Atemluft ist unermesslich: Die Luft, die wir einatmen, enthält Atome aller Menschen, Zonen und Zeiten. Wenn wir einatmen, wandern Atome durch unseren Körper, die einst Jesus, Mozart, Einstein und Gandhi gehört haben. Genauso enthält unsere Atemluft Atome von Männern und Frauen, von denen wir uns mit aller Deutlichkeit distanzieren – Hitler, Pol Pot, die Verantwortlichen der Massaker von Srebrenica oder Kigali. Der Gedanke, dass uns jeder Atemzug mit allen Geschehnissen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft verbindet, vom Anfang des Universums bis zu seinem Ende, ist überwältigend. Der Atem ist in diesem Sinne naheliegend und fundamental – und zugleich zeiten- und weltenumspannend.

Herzlich, Rahel


 

Liebe Rahel
Diese fundamentale Bedeutung ist auch der deutschen Sprache eingeschrieben, da schöpft jemand Atem und hat vielleicht einen längeren Atem als ein Kurzatmiger, dem im Notfall schnell der Atem ausgeht. Mitunter verschlägt es einem den Atem, vielleicht sogar dann, wenn wir von einer Sache in Atem gehalten worden sind – bis zum letzten Atemzug?

Die Vorstellung, dass die Atome alles Vergangenen, wie du sagst, durch alle Zeiten bis hin zum Jetzt uns umgeben, ist atemberaubend. Was meint dann gesunde Luft? Eine, die nicht belastet oder ist mit den Irrtümern früherer Generationen? Wenn die Luft rein ist – prägt uns das als Menschen ebenso, wie wenn dicke Luft herrscht? Beeinflusst es unser Werden? Es liegt in der Luft, sagt man – was genau? Ein Zeichensystem von Atomen, die unser Wesen verändern, lenken, bestimmen?

Herzlich, Lara


 

Liebe Lara
Den langen (und ruhigen) Atem suchen viele, gewiss auch die Fähigkeit und die Kraft, für reine Luft zu sorgen. Die Irrtümer früherer Generationen können wir nicht ungeschehen machen, wohl aber die Verbindung zu den Menschen stärken, die mit uns dieses Leben teilen. Anspruchsvoll genug! Dabei helfen die in Stille geschöpften Atemzüge. In Eichendorffs Gedicht «Mondnacht» rauschen leis die Felder, die Ähren wogen sacht – es ist alles ganz still und doch wunderbar bewegt, sodass der Seele gleichsam Flügel wachsen. Dass die Literatur solche Momente erfahrbar macht und damit das kaum fassbare Zeichensystem, von dem du sprichst, vermitteln kann, ist grossartig und beglückend.

Herzlich, Rahel


 

Liebe Rahel
Grossartig und beglückend: Möge die Realität, die dazu anstiftet, solche Momente einzufangen, lange andauern. Wenn ich an Grossstädte denke und an verpestete Luft in den Industriegürteln nicht nur der Dritten Welt, frage ich mich, wie lange der Mensch im Raum-Zeit-Kontinuum des Universums verbleibt. Dass sich alles verändert, ist eine Konstante, und doch bleibt, so die Theorie, die Energie die gleiche. Unsere Zukunft – die des Menschengeschlechts – wäre möglicherweise die, als Atome einverleibt zu werden in andere Seinsweisen? Wer würde dann noch Bücher lesen können?

Herzlich, Lara


 

Liebe Lara
Du erwähnst das Universum. In Verbindung mit unserem Ausgangspunkt – der Atemluft – denke ich an die chinesische Kosmologie, die in der Idee des Atems gründet. Die frühen chinesischen Denker haben die Auffassung eines lebendigen Universums geprägt, in dem alles miteinander zusammenhängt und sich gegenseitig stützt. Dabei ist der Atem die Grundeinheit. Interessant ist die Vorstellung eines «dreigliedrigen» Atems. Die Chinesen unterscheiden einen oberen, einen unteren und einen Atem der «mittleren Leere». Der Atem der mittleren Leere, der sich zwischen dem «Yang», der aktiven Kraft, und dem «Yin», der empfangenden Sanftheit, bewegt, hat die Gabe, die beiden anderen Arten des Atems zu einer positiven Interaktion zu bewegen. Daraus folgt, dass das, was sich zwischen zwei Wesen ereignet, so wichtig ist wie die Wesen selber. Das Entscheidende ist also das, was in der Interaktion und der Beziehung zwischen zwei Menschen entsteht. Das ist zugleich eine Form von Transzendenz – das, was in der Beziehung entsteht, überschreitet den Einzelnen. Die Chinesen sagen, dass auf diese Weise wahre Schönheit entstehe – Schönheit, die uns berühre, weil sie sich in der lebendigen Begegnung ereigne. Diese Schönheit ist der ebenso wahre Gegenpol zu der von dir erwähnten verpesteten Luft. Wenn wir die Entschlossenheit finden können, Abkommen für reine Luft einzuhalten, dann im Bewusstsein dieser überwältigenden und verletzlichen Schönheit.

Herzlich, Rahel


 

Liebe Rahel
Wahre Schönheit entsteht durch das wohlwollende Zueinanderfinden! Das, würde ich meinen, ist in unserem Beruf zentral. In der Beziehung zwischen den Lernenden und uns Lehrpersonen einerseits, aber auch in der Interaktion zwischen uns (Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler etc.) und allen möglichen Texten, Autorinnen, Autoren, im Dialog zwischen Welten, Ansichten, Epochen, Meinungen, Zeichensystemen…

Ich schöpfe Atem und Hoffnung.

Herzlich, Lara

Atmen, du unsichtbares Gedicht!
Immerfort um das eigne
Sein rein eingetauschter Weltraum. Gegengewicht,
in dem ich mich rhythmisch ereigne.

Einzige Welle, deren

allmähliches Meer ich bin;
sparsamstes du von allen möglichen Meeren, –

Raumgewinn.

Rainer Maria Rilke, aus: Die Sonette an Orpheus / II,1

 

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Joseph Freiherr von Eichendorff, aus: Mondnacht

 

Ich setzte den Fuss in die Luft
und sie trug.

Hilde Domin, aus: Nur eine Rose als Stütze

Wo die Luft gemacht wird

Zum Schneiden dicke Luft nach einer Doppelstunde Physik? Tagelanger Gestank nach chemischen Experimenten? Unerträgliche Hitze im Sommer? Nicht im Paul-Karrer-Haus der Alten Kanti. Denn hier sorgt eine ausgeklügelte Heizungs-und Belüftungsanlage für ein neutrales Klima – wenigstens in Bezug auf die Luft. Eine begleitete Entdeckungsreise ins klimatische Herz des Gebäudes.

Paul-Karrer-Haus – fünf vor Zwei. Wir sind mit Beat Spillmann und Pascal Auf der Maur vom Hausdienst der Alten Kantonsschule Aarau verabredet. Sie werden uns zeigen, wie das Haus mit der vielen dicken Denkluft der Schülerinnen und Schüler umgeht. Ein letzter Check, ob wir alles dabeihaben, dann kommen die beiden auch schon. Wir werden freundlich begrüsst und begeben uns gleich an einen Ort, zu dem Schülerinnen und Schüler normalerweise keinen Zutritt haben: den Technik-Raum des Paul-Karrer-Hauses. Da liegt unter anderem das Lüftungssystem verborgen, das für die frische und jederzeit kühle Luft im Haus sorgt.


[Bild: Alexander Levnajic]

Beim Betreten der Räume fällt uns die Wärme auf. Ebenso der Lärm der Maschinen, von denen einige beindruckende Masse aufweisen und einigermassen geheimnisvoll aussehen. Zum Glück sind Herr Auf der Maur und Herr Spillmann vom Fach und beginnen ganz von vorn: Hier unten befindet sich nicht nur das Lüftungssystem des Paul-Karrer-Hauses, sondern auch die Heizungsübergabestation für alle Gebäude des Schulgeländes. Dazu noch Luftschutzkeller und diverse Lagerräume. Auch von der Lüftungsanlage müsste eigentlich im Plural gesprochen werden. Während nämlich die Hauptanlage alle Schulräume im Paul-Karrer-Haus mit frischer Luft versorgt, dienen verschiedene kleinere Anlagen zur Belüftung des Erdgeschosses, der Toiletten oder der Nebenräume.

Rauchalarm in den Schulzimmern
«Der Luftumwälzungsprozess beginnt damit, dass zahlreiche Ventilatoren Aussenluft ansaugen», erklärt Spillmann. Der Lüftungseingang befindet sich auf dem Vorplatz des Paul-Karrer-Hauses, liegt leicht erhöht, von Sträuchern geschützt, damit sich keine Personen auf das Gitter setzen.

Dazu gebe es eine witzige Geschichte, sagt Beat Spillmann. Und natürlich wollen wir sie hören. Die Sträucher, erzählt er, seien auch deshalb gepflanzt worden, weil die Schülerinnen und Schüler dort früher regelmässig gesessen und geraucht hätten. Der Ventilator habe diese wenig appetitliche Luft natürlich angesogen und den Rauchgeruch im ganzen Gebäude verteilt. Schmunzelnd fügt Spillmann an, ein wenig schade sei es schon, dass die Schüler sich dort nicht mehr aufhalten könnten; immerhin habe man jeweils ein kleines Vermögen gemacht, wenn das darunterliegende Auffangbecken für Regenwasser gesäubert wurde. Den Schülerinnen, sagt er, sei nämlich oft Kleingeld aus den Taschen gefallen. «Da kamen so 20 bis 30 Franken im Jahr zusammen. Für unsere Kaffeekasse.»

Weitere Bilder finden Sie in unserer GALERIE.

[Bild: Alexander Levnajiv]

Umweltfreundliche und kostengünstige Wärme
Zurück zum Theoretischen. Bevor die Luft in den Kreislauf eintritt, wird sie gefiltert. Die Filter werden jährlich gewechselt, um saubere Luft zu garantieren. Nach dem Filtern gibt es zwei Optionen: Entweder wird die Luft mit Hilfe der Kältemaschine gekühlt, oder sie wird erwärmt. Die Wärme wird von den Industriellen Betrieben Aarau als Fernwärme bereitgestellt.
Das war nicht immer so. Bis im Jahr 2016 nämlich wurde eine Ölheizung für den gesamten Wärmebedarf eingesetzt. «Fernwärme», erläutert Beat Spillmann, «ist zwar umweltfreundlicher, leider aber noch nicht kostengünstiger. – Beim Hinausblasen der verbrauchten Luft aus dem Gebäude wird ihr die Wärme oder die Kälte entzogen und wiederverwendet. Damit kann der Energieverbrauch reduziert werden. Dieser Vorgang geschieht über einen Wärmetauscher.»

Im nächsten Schritt wird die Luft mit Hilfe eines sogenannten Wabensystems befeuchtet. Dabei geben Sprühdüsen kleinste Wassertropfen an die Luft ab, um die Luftfeuchtigkeit konstant auf 45% bis 48% zu halten. Das für diesen Vorgang benötigte Wasser wird vorher entkalkt und entmineralisiert, damit die feinen Sprühdrüsen nicht verstopfen. In zwei Hauptkanälen mit diversen Abgängen zu den Stockwerken wird die Luft nach oben transportiert und in die verschiedenen Zimmer verteilt. Gleichzeitig wird die verbrauchte Luft abgesaugt und aus dem Gebäude geblasen.

«Im Zug der Renovation in den Jahren 1999 und 2000», erklärt Pascal Auf der Maur, «wurde das 1969 eingeweihte Gebäude komplett saniert. Dazu zählte auch das Ersetzen der alten Lüftungsanlage durch eine dem aktuellen Stand der Technik entsprechende neue Anlage.» Schon damals war vorgegeben, dass die neue Anlage gewisse Energievorschriften zu erfüllen habe; so durfte zum Beispiel der maximale Unterschied zwischen Innen- und Aussentemperatur im Sommer nicht mehr als 5° Celsius betragen. Wurden draussen also 30° Celsius gemessen, durfte im Innern des Gebäudes auf höchstens 25° Celsius runtergekühlt werden. «Daher konnte man eigentlich nur von einer Temperatur-Erträglichkeits-Anlage sprechen», ergänzt Spillmann mit einem Schmunzeln.

Grenzwerte, Durchschnittwerte, Peaks
Im Sommer werden jeweils am Morgen zwei Rauchabzüge im 7. OG des Hauses eingeschaltet; die sollten eigentlich im Brandfall den Rauch nach draussen befördern, doch während Hitzeperioden dienen sie dazu, einen Sog zu generieren, der die kühle Morgenluft ins Gebäude hinein- und die warme Luft hinausbläst. So wird die Temperatur in der Eingangshalle und im Treppenhaus noch angenehmer – und auch frischer. Das sei auch nötig, sagt Auf der Maur. «Die CO2-Werte müssen unbedingt eingehalten werden. Schweizweit gilt ein Kohlenstoffdioxid-Grenzwert von maximal 1’500 ppm (1), gemessen über eine längere Zeitspanne. Aber diesbezüglich sind wir gut unterwegs mit unserer Anlage.» Tatsächlich zeigen Messungen, dass der Durchschnittswert im Paul-Karrer-Haus bei belegten Klassenzimmern zwischen 600 und 1000 ppm liegt, also weit unter dem vorgeschriebenen Grenzwert. Wir sind erstaunt. Mit unserer Wahrnehmung jedenfalls deckt sich das nicht zu hundert Prozent. Wir haken nach. Keine Grenzwertüberschreitungen? Keine Ausreisser nach oben? Pascal Auf der Maur überlegt. «Entscheidend ist der Durchschnitt, und der ist top. Aber ja, es kommt schon mal vor, dass es Ausschläge gibt. – Das sind sogenannte Peaks», ergänzt er. «Also das Gröbste, was wir je gemessen haben, waren gut 1’500 ppm.»

Ein Hauch von Abenteuer
Nach all den theoretischen Ausführungen nimmt unser Ausflug in die Innereien des Paul-Karrer-Hauses eine unerwartete Wende. Das Angebot, den Verbindungsgang zwischen den Gebäuden zu besichtigen, können wir unmöglich ablehnen. In diesem Gang befinden sich einerseits Leitungen, die den Wärmeaustausch vom Paul-Karrer-Haus in die anderen Gebäude ermöglichen, andererseits dient der Gang auch als Notausgang. Falls man im Keller gefangen sein sollte. Und dann geht’s los. Über eine lange, für Unterhaltsdienste bereitgestellte Leiter gelangen wir alle sicher in den erhöhten Verbindungsgang. Es ist ziemlich eng und düster hier. Und schon fällt unser Blick auf einen grossen, knallrot auf die Wand gemalten Schriftzug: «Notausgang». Wir fühlen uns wie in einer schlechten Episode von «American Horror Story», in der man in jedem Moment mit dem Unmöglichen und Undenkbaren rechnen muss. Nach ein paar Metern treten wir glücklicherweise wieder den Rückweg an. Der Abstieg stellt sich dann aber als unerwartet schwierig heraus. Die Leiter wackelt um einiges mehr als vorher, wir spüren den Puls im Hals. Entsprechend sind wir heilfroh, Augenblicke später wieder sicheren Boden unter den Füssen zu haben.

Nachdem wir uns von unseren kompetenten Technik-Guides verabschiedet haben, schauen wir uns an und sind ziemlich sicher, dass wir dasselbe denken: Eine interessante und sehr lehrreiche Expedition war das. Aber diese 1500 ppm: Entweder ist der Grenzwert für gute Luft in Schulzimmern zu hoch angesetzt, vor allem im Sommer, oder unsere Nasen sind zu empfindlich. Aber das ist ein anderes Thema. Vielleicht für ein anderes Mal.

(1) ppm steht für engl. «parts per million». Mit diesem Mass werden Teilchenkonzentrationen im Millionstelbereich bezeichnet.

Von Marion Müller, G3L

Das Spiel mit der Luft

Luft ist Leben. Und wenn sie über unsere Stimmbänder streicht, können wir sogar Laute erzeugen, verbal miteinander kommunizieren. – Und beim Spielen eines Blasinstrumentes? Was spielt die Luft da für eine Rolle? Die beiden Klarinettisten Thomas Hunziker und Julian Remund geben Auskunft.

Wenn wir reden, denken wir gar nicht daran, ein- und ausatmen zu müssen, und wir brauchen uns nicht um die Stimmbänder zu kümmern, denn alles funktioniert ganz automatisch. Ganz anders beim Klarinettenspiel. Hier wird die Luft gebraucht, um das Holzblatt am Mundstück zum Schwingen zu bringen und dem Instrument Töne zu entlocken. Weil es in erster Linie um das Instrument geht, wird die physiologische Bedeutung der Luft zweitrangig. Luft also nicht als Lebenselixier oder Kommunikationshilfe, sondern zum Spiel. Setzt dies den Körper nicht unter Stress?


[Bild Tobias Gamp]

Wir haben nachgefragt bei zweien, die es wissen müssen: Der eine ist Julian Remund, Schüler der AKSA und vor kurzem als Klarinettist aufgenommen in das Spitzenförderungsprogramm Musik des Kantons Aargau, der andere ist Thomas Hunziker, weit herum gefragter Klarinettist und Lehrer von Julian.

Lufthaushalt als Selbstverständlichkeit
Während des Klarinettenunterrichts mit Julian erklärt Thomas Hunziker: «Der Lufthaushalt ist auch beim Spielen eines Blasinstrumentes eine völlige Selbstverständlichkeit. Wir beschäftigen uns überhaupt nicht aktiv damit. Während des Spiels nehmen wir so viel Luft auf, wie der Körper braucht. Es ist wie beim Reden: Man atmet ein, ohne dass man bewusst daran denkt. Einfach mit dem Unterschied, dass das Ausatmen durch das Instrument hindurch geschieht.»

Trotzdem, meint Julian, habe er manchmal das Gefühl, beim Spielen keine Luft mehr zu haben. Es fühle sich an, als laufe er einen Berg hoch. Man verlangt dem Körper also einiges ab beim Spielen, und je nach Passage ist das Atmen eben doch unregelmässiger als beim Sprechen. «Dann geht es darum, möglichst schnell wieder in einen natürlichen Atemrhythmus zu kommen», sagt Julian, «daran arbeite ich.»

Entspannt zur Höchstleistung
Ist es von Vorteil, als Bläser oder Bläserin ein grosses Lungenvolumen zu haben? – Ein bewusstes diesbezügliches Training gebe es nicht, meint der junge Musiker. Das Lungenvolumen passe sich automatisch den Bedürfnissen an. Allein das regelmässige Üben genüge, um die Lungen entsprechend zu trainieren. Dass sich dabei, ähnlich wie beim Sport, ein Trainingseffekt einstelle, merke man, wenn man während der Ferien für längere Zeit nicht gespielt habe. Dann brauche es eine gewisse Zeit, bis sich das ganze Atmungssystem wieder angepasst habe. «Als Musiker arbeitet man ein Leben lang daran, ein stabiles Luftkissen zu haben», erklärt er. «Beim Spielen aber nimmt man es nicht mehr wahr. Je selbstverständlicher die Luftzirkulation für einen Bläser wird, desto besser», sagt er und sieht seinen Lehrer an. «Genau», sagt Hunziker. «Wenn du bereits das Einatmen als einen entspannenden Vorgang erlebst, hast du alles im Griff. So wird nämlich der gesamte Atemzyklus während des Spielens als natürlich erlebt. Du kommst kaum in Atemnot und kannst dich ganz auf die Finger und auf das Ausgestalten des Stückes konzentrieren. Klar, lange Passagen sind eine Herausforderung,  weil sie das Luftholen anspruchsvoll machen. Umso wichtiger ist es, danach schnellstmöglich wieder zum regelmässigen Atemzyklus zurückzufinden.»

Julian Remund: Claude Crousier, Brouillasse & Broussaille

Thomas Hunziker: Othmar Schoeck, Sonate für Bassklarinette und Klavier (am Klavier: Tomas Dratva)

Das Spiel mit der Luft – für den Lehrer und den Schüler eine Leidenschaft. Und eine Kunst, in der es sich mit jedem Atemzug weiter zu perfektionieren gilt. Oder anders gesagt: Wer als Bläser vorne mit dabei sein will, braucht einen langen Atem.

Von Nadine Girod und Antonia Schmid, G3L

«Die Schweiz war immer mein Traumland.»

Enson Ng ist 17 Jahre alt und kommt aus Malaysia, genau gesagt aus der Hauptstadt Kuala Lumpur. Noch bis Januar 2018 lebt der Austauschschüler in Schöftland. Die ausgeprägte Körperlichkeit bei Begrüssung, Verabschiedung und auch zwischendurch, kamen ihm hier anfangs komisch vor, aber mittlerweile hat sich Enson daran gewöhnt – und er spricht sogar ein paar Sätze «Schwiizertüütsch».

Was war dein bisher bestes Erlebnis in der Schweiz?
Das ist schwer zu sagen. Etwas vom Besten war aber bestimmt, als ich in Laax war und zum ersten Mal in meinem Leben Schnee gesehen habe. Es war unglaublich und so aufregend. Ich hoffe sehr, dass ich diesen Winter vielleicht sogar einmal Ski fahren gehen kann, das wäre echt toll.


[Bild: Delia Limacher]

Wie kam es dazu, dass du dich für die Schweiz entschieden hast?
Viele Leute denken, ich sei wegen der deutschen Sprache in die Schweiz gekommen. Aber das ist nicht der Hauptgrund. In Kuala Lumpur, wo ich wohne, haben wir so viele Gebäude, alles ist zugepflastert. Wann immer ich hingegen die Schweiz googelte, sah ich wunderschöne Naturaufnahmen. Die Schweiz war immer mein Traumland, und jetzt ist der Traum wahr geworden.

Wie sieht dein Alltag in der Schweiz aus?
Unter der Woche gehe ich natürlich in die Schule und danach mache ich oft Musik (ich spiele Gitarre) oder treffe mich mit Freunden. An den Wochenenden gehe ich häufig zu Austauschschülertreffen. Und ich unternehme auch viele Reisen mit meinen Kollegen. Ich versuche die Schweiz so gut wie möglich zu bereisen, da dieses Land einfach zu schön ist.

Hast du einen Kulturschock erlebt?
Ja! Die asiatische Kultur ist sehr anders, zum Beispiel in Bezug auf die Tischmanieren. Hier in der Schweiz esst ihr Reis mit Gabel und Messer, wir in Malaysia würden das niemals tun. Ich esse Reis immer mit Löffel und Gabel – oder natürlich mit Chopsticks.

Woran wirst du dich noch in 50 Jahren erinnern?
Ganz sicher an die wunderschöne Landschaft, aber auch an die Züge. In Malaysia sind wir immer mit dem Auto unterwegs. Unter anderem, weil es zu heiss ist in den Zügen, aber auch, weil wir kein so gutes öffentliches Verkehrssystem haben. Die Unabhängigkeit als Zugfahrer geniesse ich sehr. Und ich finde es auch schön, dass die Schweizer viel zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind.

Fiel es dir leicht, hier Freunde zu finden?
Anfangs war es sehr schwer, vor allem auch wegen der Sprache. Ich hatte gehört, dass die Schweizer nicht so offen sind, was irgendwie auch stimmt. In der Schule kamen anfangs nicht viele auf mich zu, ich war oft allein. Jetzt ist es aber viel besser und ich habe tolle Freunde gefunden. Die Schweizer sind vielleicht nicht so offen, aber wenn du sie besser kennenlernst, können sie sehr gute Freunde werden.

Was ist deiner Meinung nach der grösste Unterschied zwischen einem Malaysier und einem Schweizer?
Das ist sehr schwer zu sagen, aber es ist auf jeden Fall ein sehr grosser Unterschied vorhanden. Hier in der Schweiz beispielsweise läuft alles immer sehr pünktlich ab. In Malaysia hingegen hat die Zeit nicht diese Wichtigkeit. Hier gibt es zudem viel mehr Regeln – und sie werden strikter eingehalten.

Von Su Haskaya und Laura Wälchli, G3L

«Man sitzt da einfach im Kreis und trinkt Tee.»

Andrea Audétat aus Suhr war 2016 für ein Jahr in Japan, in Saitama City. Während dieser Zeit hat sie bei nicht weniger als vier verschiedenen Gastfamilien gewohnt. Für «sage&schreibe» hat sie noch einmal zurückgeblickt auf eine spannende und lehrreiche Zeit.

Was war dein bestes Erlebnis in Japan?
Das Beste Erlebnis – das war wahrscheinlich die Reise mit allen Austauschschülerinnen und -schülern nach Kyoto und Hiroshima. In Hiroshima haben wir den berühmten Itsukushima-Shinto-Schrein angeschaut. Danach die Atombombenkuppel. – Das war sehr eindrücklich. Eine absolut prägende Erfahrung. Mit dem Schnellzug sind wir dann nach Kyoto gefahren. Dort haben wir Tempel besichtigt, sind shoppen gegangen und hatten einfach Spass.


[Bild: Alexander Levnajic]

Wie kam es dazu, dass du dich für Japan entschieden hast?
Die USA kenne ich von Ferienaufenthalten, auch die lateinamerikanische Kultur ist mir vertraut, da meine Mutter ursprünglich aus Mexiko stammt. – Ich wollte einfach etwas komplett Neues und Anderes, Fremdes sehen.

Wie sah dein Alltag in Japan aus?
In die Schule gehen, danach noch in einen Biologieclub. Es gab da übrigens auch Tee-Clubs. Bei diesen ‹Teezeremonien› ist es so: Man sitzt da einfach im Kreis und trinkt Tee. Es gibt sogar einen genauen Ablauf, wie man den Tee zubereitet, dieser ist aber ziemlich kompliziert. Tee ist ein sehr wichtiger Bestandteil im Leben der Japaner; die trinken mehr Tee als Wasser. – Und natürlich habe ich auch gerne Zeit mit der Gastfamilie verbracht.

Hast du einen Kulturschock erlebt?
Nein nicht wirklich, ich hatte mich ja auf Japan vorbereitet. Was ich aber bis heute nicht verstehe: Ich habe in Japan keinen einzigen öffentlichen Abfalleimer gesehen. Trotzdem ist es extrem sauber. Die Leute schmeissen ihren Abfall wohl einfach nicht weg.

Woran wirst du dich noch in 50 Jahren erinnern?
Als ich im Skytree war. Von dort sieht man bis ans Meer und sogar bis zu den Bergen. Die einzige Fläche, die man sieht, sind die Parks der Stadt. Die sind aber künstlich angelegt. Sonst gibt es keine Grünflächen.

Fiel es dir leicht, Freunde zu finden?
In der Schule eher nicht. Einfach weil die Japaner zu schüchtern sind, um auf andere zuzugehen. Auch die Sprache war ein Problem. Aber irgendwann pendelte sich alles ein und ich fand doch noch Freunde, auch deshalb, weil ich immer mit einer Gruppe von Leuten zu Mittag gegessen habe.

Was ist deiner Meinung nach der grösste Unterschied zwischen einem Schweizer und einem Japaner?
Schwer zu sagen. Ich habe das Gefühl, ein Schweizer würde eher reklamieren, wenn ihm etwas nicht passt. Der Japaner nimmt sehr vieles einfach still hin.

Von Su Haskaya und Laura Wälchli, G3L

Sparen und weiterentwickeln an den Aargauer Kantonsschulen: das Unterrichtsmodell 2019+

Die Aargauer Kantonsschulen müssen – wie schon oft in früheren Jahren – auch bei den bevorstehenden finanziellen Sanierungsmassnahmen ihren Beitrag leisten. Sie haben den Auftrag, für den kantonalen Aufgaben- und Finanzplan 2018-2021 Einsparungen in der Höhe von rund zwei Millionen Franken zu erbringen. Die Rektorenkonferenz hat deshalb zusammen mit der Sektion Mittelschule eine Gesamtschau vorgenommen und eigene Vorschläge in die Spardiskussion eingebracht. Vorgelegt wurden drei Massnahmen. Die erste Massnahme betrifft die Betriebskosten der Schulen. Konkret sollen ab Schuljahr 2018/19 die Schülerpauschalen für Lehrmittel sowie Investitionen im Unterrichtsbereich über alle Kantonsschulen hinweg um je ca. 6% gekürzt werden. Ebenfalls ab Schuljahr 2018/19 werden im Bereich der Alten Sprachen (Latein, Griechisch und Hebräisch) die Synergien zwischen den Schulen besser genutzt, indem der Unterricht regional koordiniert und schulstandortübergreifend durchgeführt wird. Als dritte Massnahme wurde die Einführung eines neuen Unterrichtsmodells an den Kantonsschulen vorgeschlagen, die auf Beginn des Schuljahres 2019/20 erfolgen soll. Die Rektorenkonferenz ist überzeugt, dass dieser Massnahmenkatalog in Anbetracht der aktuellen Situation eine vertretbare Lösung ist, denn er erfüllt den Sparauftrag mit einem pädagogisch durchdachten Leistungsabbau und verteilt die Sparlast auf viele Schultern. Gleichzeitig schaffen die Massnahmen – insbesondere das Unterrichtsmodell 2019+ – in einem schwierigen Umfeld aber auch die Möglichkeit für notwendige Weiterentwicklungen an den Kantonsschulen, indem ein Teil der erzielten Einsparungen für wichtige Verbesserungen und Neuerungen reinvestiert wird.

Ein neues Unterrichtsmodell für die Aargauer Kantonsschulen
Gemäss dem von der Rektorenkonferenz vorgeschlagenen Unterrichtsmodell 2019+ soll an den Aargauer Kantonsschulen ab dem Schuljahr 2019/20 nicht mehr in 45-Minuten-Lektionen, sondern in Lektionen von 80 Minuten Dauer unterrichtet werden. Gleichzeitig werden die Stundentafeln aller Bildungsgänge (Gymnasium, Fach-, Wirtschafts- und Informatikmittelschule) revidiert und den heutigen Anforderungen angepasst.

80-Minuten-Lektionen bringen viele Vorteile auf der Sekundarstufe II
Aus der Sicht der Rektorenkonferenz bieten 80-Minuten-Lektionen auf der Sekundarstufe II mehrere pädagogische und schulische Vorteile. So reduziert sich beispielsweise für die Schülerinnen und Schüler die Anzahl der Fächer pro Tag und damit die «Zerstückelung» von Unterrichtsinhalten deutlich. Gleichzeitig sind längere Lektionseinheiten für viele Lernformen ein günstigeres Zeitgefäss als 45-Minuten-Lektionen, denn sie ermöglichen den Einsatz eines breiten Repertoires an Unterrichtsmethoden und einen Unterricht, in dem Phasen von Instruktion, selbständigem Lernen und individualisiertem Unterricht gut aufeinander abgestimmt werden können. Schliesslich fördern längere Lektionen die vertiefte Auseinandersetzung mit einem Unterrichtsgegenstand und das problemlösende Lernen – genau das, was auf der Sekundarstufe II im Zentrum steht. Erfahrungen anderer Schulen im In- und Ausland zeigen zudem, dass sich Langlektionen in der Praxis bewähren und bei Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und Eltern in der Regel auf grosse Akzeptanz stossen.

Revidierte und aktualisierte Stundentafeln in allen Bildungsgängen
Die Grundausrichtung und die Grundstruktur der Bildungsgänge sind eine wichtige Voraussetzung für die hohe Qualität von Gymnasium, Fach-, Wirtschafts- und Informatikmittelschule im Aargau. Das bestätigen auch externe Bildungsexperten und Vergleiche mit anderen Mittelschulen in der Schweiz. Deshalb sollen Grundausrichtung und -struktur der verschiedenen Bildungsgänge unangetastet bleiben. Die Zusammensetzung und die Gewichtung der Unterrichtsstunden (die sogenannten Stundentafeln) hingegen bilden gewisse gesellschaftliche Entwicklungen und damit verbundene Anforderungen zu wenig ab. Insbesondere beim Gymnasium ist eine Aktualisierung der 20 Jahre alten Stundentafel angezeigt. So haben politische Bildung, digitale Medien, Informatik und Technik heute eine andere Bedeutung als noch vor zwanzig Jahren. Weniger Veränderungen gibt es in den Stundentafeln der drei anderen Mittelschultypen, weil diese Stundentafeln relativ jung sind.

Die fünf wichtigsten Veränderungen im Gymnasium

  1. Die vorgeschlagene Stundentafel für das Gymnasium verkürzt die Unterrichtspräsenzzeit für die Schülerinnen und Schüler über alle vier Jahre um durchschnittlich rund 5%.
  2. Das Verhältnis zwischen den beiden grossen Fachbereichen «Sprachen» und «MINT» (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) wird ausgeglichener gestaltet. Konkret wird der Bereich MINT über das Fach Informatik und ein Naturwissenschaftspraktikum gestärkt. Die zweite Landessprache (Französisch, Italienisch) und Englisch werden im Gegenzug gekürzt.
  3. Das Ergänzungsfach wird gestärkt und soll sich neu über zwei Jahre erstrecken. Damit können die Schülerinnen und Schüler in den oberen beiden Klassenstufen einen weiteren Schwerpunkt setzen. Zudem wird eine Akzentuierung der erfolgreichen zweigliedrigen Struktur des aargauischen Gymnasiums erreicht: Breite der Allgemeinbildung in der Grundstufe, Vertiefung in der 3. und 4. Klasse.
  4. Politische Bildung und Medienbildung werden in der Stundentafel explizit verankert. Beide Themen sind wichtig und sollen entsprechend das notwendige Gewicht erhalten. Es ist vorgesehen, Medienbildung dem Fach Deutsch und Politische Bildung dem Fach Geschichte anzugliedern.
  5. Die Ressourcen für die Betreuung der Schülerinnen und Schüler werden erhöht. Konkret geht es um die Entlastung der Klassenlehrer/innen. Dies ist unter anderem notwendig, weil die Betreuung von Schülerinnen und Schüler, die beispielsweise eine Krise durchleben, oder die Integration von Schüler/innen mit einer Behinderung auch auf der Sekundarstufe II sehr anspruchsvoll geworden ist.

Mit dem Unterrichtsmodell 2019+ werden 1.6 Millionen Franken gespart
Das neue Unterrichtsmodell kann Einsparungen in der Höhe von 1.6 Millionen Franken bringen. Gespart wird mit dem Abbau von Unterrichtszeit für die Schüler/innen. Das hat unter dem Strich zur Folge, dass für die Lehrpersonen weniger Pensen zur Verfügung stehen. Mit dem Unterrichtsmodell 2019+ ergibt sich über alle sechs Tagesmittelschulen eine Reduktion von rund zehn Vollzeitstellen. Die Rektorenkonferenz geht davon aus, dass der Stellenabbau grösstenteils über natürliche Fluktuation erfolgen kann.

Einbezug der Lehrer/innen
Die Rektorenkonferenz hat am 22. September 2017 im Kultur- und Kongresszentrum Aarau zwei Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit allen Aargauer Kantonsschullehrpersonen durchgeführt. Ziel dieser Anlässe war es, den Lehrerinnen und Lehrern das Unterrichtsmodell 2019+ vorzustellen sowie ein Stimmungsbild und Hinweise im Hinblick auf eine allfällige Umsetzung einzuholen. Beide Aspekte – Stimmungsbild und Hinweise – bilden zusammen mit den Beiträgen aus einer anschliessenden rund sechswöchigen Vernehmlassung die Basis für die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in der Rektorenkonferenz. Denn ein so wichtiger Schritt kann nur mit Rückhalt bei den Lehrpersonen erfolgen. Die Rektorenkonferenz schliesst ihren Meinungsbildungsprozess im Dezember ab und entscheidet dann über das weitere Vorgehen.

Grundlage für den vorliegenden Text ist ein im September 2017 verabschiedetes Positionspapier der Rektorenkonferenz der Kantonsschulen Aargau.

Von Dr. Martin Burkard, Rektor Alte Kantonsschule Aarau

 

Der aktuelle Stand der Diskussion im Zusammenhang mit dem Unterrichtsmodell 2019+ im Beitrag des Regionaljournals Aargau/Solothurn:

Der kubische Retter

Endlich ertönt das befreiende Klingeln der Schulglocke. In Windeseile packe ich meine Sachen in den Rucksack und stürme aus dem Zimmer. Schon die ganze Stunde habe ich darauf gewartet, mit dem kühlen Nass meine ausgetrocknete Kehle zu benetzen. Die Treppe hinunterstolpernd, bahne ich mir einen Weg durch den dichten Strom von Schülerinnen und Schülern. Der kubische Retter steht erhaben in der Ecke, als warte er nur darauf, eine verzweifelte Schülerin aus ihrer Not zu befreien. Zittrig werfe ich mit viel Mühe meine silbrigen Taler ein. Weiterlesen

Peng!

Chiara Leone besucht die vierte Klasse der Sportabteilung an der AKSA. Seit über zehn Jahren trainiert die Fricktalerin im Schiessstand. In ihrer Sportart durfte sie schon mehrere Erfolge feiern; so nahm sie an zwei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft teil. Kürzlich konnte sie sogar den Alpencup in Bologna gewinnen. Es bleibt der Traum von Olympia.

Der Fussabstand ist ausgemessen, der stabilisierende Anzug passt genau, und das Gewehr wird minutenlang in die richtige Position gebracht. Nichts wird dem Zufall überlassen. Den Blick auf das Ziel gerichtet, steht die 19-jährige Chiara Leone im Keller des Werkhofs in Frick. Mit dem Finger am Abzug zielt sie auf die zehn Meter entfernte Zielscheibe. Dann – peng!


[Video: Chiara Leone beim Training]

Angefangen hat alles, als Chiara einmal ihren Vater zum Volkschiessen begleitete. Auf Anhieb war sie von dieser Sportart begeistert und fing an, regelmässig zu trainieren. Am Sportschiessen faszinieren sie vor allem die Präzision und die mentale Stärke, beides absolut essentiell für diesen Sport.

Da sie immer besser wurde und so immer mehr Trainingseinheiten nötig wurden, entschloss sie sich, die Sportkanti zu besuchen. Mittlerweile ist ihr Alltag gut geregelt, und ihr Körper hat genügend Zeit, sich zu regenerieren. Ihr Training ist sehr vielfältig: Natürlich beinhaltet es das Schiessen – fünfmal die Woche, ausserdem Kraft- und Ausdauertraining, welches eine optimale Basis für die Saison bietet. Nicht zu vergessen das Mentaltraining, welches in der heutigen Zeit immer wichtiger wird. «Ein tiefer Ruhepuls und eine gute Rumpf- und Bauchmuskulatur», sagt Chiara Leone, «sind unabdingbar für die Gelassenheit und Stabilität beim Schiessen.»

Das Gewehr als Sportgerät
Chiara Leone schiesst über die 10m-Distanz mit dem Luftgewehr und über die 50m mit einem Kleinkalibergewehr. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Gewehren sei nicht sehr gross, sagt sie, das Kleinkalibergewehr habe halt einfach den heftigeren Rückstoss. Auf die Frage, welche Bedeutung sie dem Gewehr zuschreibt, das ja eigentlich ein Instrument zum Töten ist, antwortet Chiara sehr bestimmt: Das Gewehr sei für sie ein Sportgerät, nichts mehr – wie der Fussball für einen Fussballer. Weder sie noch ein anderer Sportschütze würden es je einsetzen, um jemandem zu schaden.

Olympia wartet
Wettkämpfe mit dem Luftgewehr laufen bei den Frauen immer gleich ab: Man hat 50 Minuten Zeit, um 40 Schüsse abzugeben. Vorher hat man eine Viertelstunde Zeit, um sich im Stand einzurichten, dann noc