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Die letzte Generation in der Zeitenwende? 

Geschichte ist eine Rekonstruktion der Vergangenheit. Das lernen alle meine Schülerinnen und Schüler in den ersten Geschichtsstunden. Nur ist das mit der Rekonstruktion so eine Sache. Denn jede Rekonstruktion hat auch mit Interpretation und politischen Interessen zu tun. So ist es wenig erstaunlich, dass es beispielsweise nicht die eine Rekonstruktion des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine gibt. Vielmehr haben der russische Präsident, die grosse Mehrheit der Russinnen und Russen, aber auch viele der sogenannten «Putin-Versteher» hier im Westen eine andere Version der Geschichte als neutralere Betrachter. Wenn Rekonstruktion also nicht faktenbasiert geschieht, haben wir es nicht mit historischen Wahrheiten, sondern mit Geschichtsklitterung zu tun, mit Fake News und letztlich mit politischer Propaganda. Grundsätzlich wirken sich Umdeutungen von historischen Fakten nicht nur auf die Gegenwart aus, sondern sie sind auch eminent zukunftswirksam. Dies ist gerade angesichts einer zu befürchtenden neuen Teilung der Welt in Demokratien und autoritäre bis totalitäre Diktaturen problematisch, befördert aber auch massiv die Spaltung innerhalb der westlichen Gesellschaften.

Von Sebastian Grüninger, Lehrer für Geschichte

Selbstverständlich sind politische Blockbildungen und Spaltungstendenzen in pluralistischen Gesellschaften nicht neu; im Gegenteil: sie sind wesentlicher Bestandteil davon Ich erinnere mich gut an das Schreckgespenst Sowjetunion, das vor allem im bürgerlichen Lager heraufbeschworen wurde, aber auch an dessen Gegenstück, die tatsächlichen und vermeintlichen neoimperialistischen Bestrebungen der USA, die im Kalten Krieg vor allem vom linken Lager angeprangert wurden. Abhängig von der politischen Gesinnung ganz unterschiedlich gedeutet wurden etwa auch die Fakten im Zusammenhang mit dem Fichenskandal, den Jugendprotesten der 1980er-Jahre oder der frühen Umweltbewegung im Zuge von Waldsterben und Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Emotionen, politische Propaganda und Demagogen gab es schliesslich bereits im Alten Athen.

Im Zuge der medialen und gesellschaftlichen Digitalisierung und Algorithmisierung bekommt die interessengeleitete Rekonstruktion von Geschichte aber eine ganz neue Qualität. Vor dreissig Jahren wusste man noch, von welchen Zeitungen was zu erwarten war, oder man glaubte es zumindest. Heute ist die Gemengelage einigermassen unübersichtlich. Zum einen hat sich die Tonlage im politischen Diskurs deutlich verschärft, zum andern kommt insbesondere in digitalen Echokammern eine zunehmend menschenverachtende Gesinnung offen zum Ausdruck. Gesinnung ist alles in einer Gesellschaft, die sich vom Versuch einer möglichst neutralen Rekonstruktion von Geschichte verabschiedet hat. Denn Gesinnung braucht heutzutage kaum noch Argumente, kaum Fakten – und Geschichte, wie sie einem gefällt. Im postfaktischen Zeitalter wird Gesinnung von Emotionen generiert. In diesem Zusammenhang stellen sich unangenehme Fragen: Was geschieht dort, in diesen digitalen Echokammern, weitgehend unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit? Wer steuert die Algorithmen heute und in Zukunft? Wie entwickelt sich diese «Kommunikationskultur» weiter und wie wirkt sie sich auf Gesellschaft und Politik aus?

Da ich kein Hellseher, sondern nur Historiker bin, habe ich keine schlüssige Antworten auf diese Fragen. Klar aber scheint mir, dass von unserem Umgang mit den Herausforderungen der digitalen Welt und der Globalisierung nichts weniger als der Zusammenhalt unserer freiheitlichen, pluralistischen Gesellschaft abhängt.

Viele Politiker und Forscherinnen rechnen damit, dass wir in Zukunft mit weniger Sicherheiten leben müssen: Der lebenslange fixe Job ist für die meisten längst Geschichte, die Rentensicherheit scheint zu wanken, aus den Armuts- und Konfliktgebieten Afrikas und Asiens drängen mit periodischen Ausschlägen immer mehr Menschen in unser mitteleuropäisches Paradies, selbst die seit Jahrzehnten andauernde Friedenszeit in der westlichen Welt scheint akut bedroht: Auch nach zwei Jahren noch führt Putin einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine, seit dem Spätsommer schwelt der Kosovo-Konflikt wieder bedrohlich, und am 7. Oktober hat die radikal-islamische Hamas das demokratische Israel mit nie gekanntem palästinensischem Terror attakiert und damit den nahöstlichen Dauerkonflikt zum erneuten Krieg ausgeweitet.

Zu alledem kommt der Klimawandel. Haben wir bereits die ersten «Kipp-Punkte» erreicht, welche eine immer stärkere Beschleunigung der Erderwärmung unumkehrbar machen? Zumindest ein Teil der Wissenschaft behauptet das, und keine ernstzunehmende Institution ist der Meinung, dass wir noch viel Zeit für wirksame Gegenmassnahmen haben. Was erwartet unsere Schülerinnen und Schüler? Werden sie tatsächlich die «letzte Generation» sein, wie es eine Gruppe von Klimaaktivist/-innen behauptet? Wann werden die ersten Flüchtlinge bei uns eindeutig als «Klimaflüchtlinge» einzustufen sein, und wie gehen wir mit ihnen um? Beunruhigenderweise haben die oben genannten politischen Konflikte dieses mindestens so zukunftsrelevante Thema teilweise aus den Schlagzeilen verdrängt, trotz Rekordhitzesommer und Extremwetterereignissen.

Düstere Aussichten, so scheint es. Und sowieso: Früher war alles besser.

Nein, war es nicht! Noch nie gab es in den westlichen Gesellschaften so viele individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, so viele denkbare Lebensentwürfe, so viele neue Perspektiven wie heute. Auch wenn gewisse Tendenzen wie etwa das konsequente Gendern, Klimakleben, Ernährungstrends oder Körperkult so manches Gemüt erhitzen – die Gesellschaft soll und kann diese und viele weitere Entwicklungen zulassen. Werte wandeln sich – und das ist gut so! Denn so wird Zukunft. Schön, dass wir uns heute noch nicht vorstellen können, was die Zukunft noch alles an Ideen, kulturellen Leistungen und Spielarten von Geschmack und Lifestyle für uns bereithält.

Schon jetzt jedenfalls ist zu erkennen, dass unsere Schülerinnen und Schüler vieles für selbstverständlich halten, woran ältere Jahrgänge sich erst noch gewöhnen müssen: Online-Dating, das Vordringen des Englischen in Alltags- und Bildungssprache, die Digitalisierung von immer mehr Bereichen des Lebens, der achtsame Umgang mit Queerness aller Art – die Aufzählung könnte fast beliebig weitergeführt werden.

Es ist wohl kein Zufall, dass solche Entwicklungen in den autoritär geführten wertekonservativen Staaten unterbunden werden durch Zensur, Diskriminierung und Verfolgung. Wir sind gut beraten, solche rückwärtsgewandten Tendenzen nicht unsere Zukunft bestimmen zu lassen.

Dann besteht die berechtigte Hoffnung, dass wir auf guten Wegen in die Zukunft gehen; dann kann es uns gelingen, einen Umgang mit den neuen digitalen Kommunikations- und Informationsformen zu finden, der sich wieder vermehrt an Fakten orientiert und die Gesellschaft nicht weiter spaltet; dann werden sich bei allen Herausforderungen, vor die uns die multipolare Weltordnung stellt, auch Chancen zeigen, gerade für Schwellenländer und bisher unterprivilegierte Regionen des globalen Südens; dann dann sind die schrecklichen Ereignisse in Israel und Palästina nicht nur eine Zäsur im Nahost-Konflikt, sondern auch ein Wendepunkt hin zu einer positiven Entwicklung, an deren Ende die friedliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern steht; dann, schliesslich, nutzen wir die Energieprobleme, die uns aus den vielfältigen Konflikten erwachsen, zur konsequenten und schnellen Dekarbonisierung,

Es gibt also durchaus Anknüpfungspunkte für Optimismus: Voraussetzung dafür ist jedoch zweifellos, dass die Teilhabe an den Errungenschaften und Möglichkeiten der Moderne in den Regionen sowie den sozialen Milieus dieser Welt zunimmt und nicht verhindert wird. Nur so können wir sicher sein, dass die «Letzte Generation» mit ihrer apokalyptischen Zukunftsvision nicht Recht behält.

Bild: Hanna Siegel

In kleinen Schritten zu einer umweltbewussteren Kanti

Auch 2021 gab es im Rahmen des Projektunterrichts an der Alten Kanti wieder einen Aktionstag rund um die Themen Ernährung, Lebensmittel und Abfall. Genau genommen war es ein Halbtag am 14. September 2021, an dem sich die Abteilungen G19A, G19F und G19H beteiligten und der von Sabrina Aegerter, Fabia Brentano, Lara Dredge und Manuela Knecht geleitet wurde. Ein Erfahrungsbericht. Weiterlesen

Masken im Schweizer Brauchtum

Wie wichtig sind unsere Bräuche heute noch? Manche geraten in Vergessenheit, andere werden immer noch von ganzen Regionen gelebt. Ganz besonders Bräuche, in denen Masken eine zentrale Rolle spielen, scheinen trotz (oder wegen!) ihrer jahrhundertelangen Geschichte nach wie vor im Trend zu sein. Worin also liegt die Faszination von Masken im Brauchtum? Und was verbirgt sich dahinter? Weiterlesen

Zuekonft ond Scheffbroch

Von Erst Strebel

As aute Ma, wo scho öber sebezg Johr Zuekonft hender sech het, möcht i Muet mache för d Zuekonft. Aber wen i a d Wäutlag dänke, schiint mer, am stärchschte sege di zerstörerische Chreft, ond d Klimapolitik wärdi prägt vo egoestischer Chorzsechtigkeit.

Do chont mer es italiänisches Gedecht e Senn, wo me e de letschte föfzg Johr emmer weder begleitet het. Gschrebe het’s de Giuseppe Ungaretti em erschte Wäutchrieg, ar italiänisch-öschtrichische Front, zmetzt em maschinelle Abschlachte vo jonge Manne. I probier’s of Mondart z öbersetze.

Heiteri Scheffbröch

(Versa, am 14. Februar 1917)

Ond sofort räist är
wiiter
wie
naoch em Scheffbroch
en öberläbende
Seebär

Em Italiänisch riimt «viaggio» (Räis) met «naufragio» (Scheffbroch). Das han i ned chönne öbersetze. Aber i wönsch vor allem dene, wo no am Aafang vo der Reis stöhnd, dass si naoch de Scheffbröch, wo chum z ’vermiide send, emmer weder wiiterräiesed. Ond ungarettischi «al-legria» wönsch i ou.

PS: «allegro» chame öbersetze met «loschtig», «fröhlech», «vergnüegt», «heiter», «läbhaft», mängisch au met «liechtsennig», «aagheiteret». Me cha wähle, was för all di Scheffbröch passt.

Allegria di naufragi

(Versa, il 14 febbraio 1917)

E subito riprende
il viaggio
come
dopo il naufragio
un superstite
lupo di mare

Ernesto Strebel, Italienischlehrer im Teilamt von 1978 -2015

Kantitag der Kulturen

Am 8. September 2023 ticken die Uhren an der Alten Kanti anders als normal. Der Stundenplan ist ausser Kraft gesetzt, viele Klassenzimmer bleiben leer, Abteilungen mischen sich bunt durcheinander, die Schul- und Sportanlagen sowie weitere Räumlichkeiten in der näheren Umgebung stehen für einen besonderen Anlass bereit – den Kantitag der Kulturen.
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Suomalaisia hauskoja faktoja (DEUTSCH)

Deutsch-Übersetzung

Finnland? – Ach ja, das Land in Skandinavien! – Das denken viele, aber es stimmt nicht. Finnland gehört nicht zu Skandinavien, sondern zu den sogenannten Nordischen Ländern. Soll man dieses Land besuchen? Als Entscheidungshilfe hier ein paar Funfacts:

In Finnland gibt viele Sportarten, die sehr ungewöhnlich sind. Zum Beispiel gibt es Wettbewerbe, bei denen man ein altes Nokia-Handy so weit wie möglich werfen muss (und ja: das Nokia Handy wurde in Finnland erfunden). Dann gibt Wettrennen, bei denen die Männer ihre Frauen tragen müssen. Oder: Fussball spielen im Schlamm. – Wir finden das orignell, denn so was gibt es nur bei uns in Finnland. Und zwar bis heute.

Noch etwas, das populär ist in Finnland: Saunas. In jedem Haus – egal ob klein oder gross, ob billig oder teuer – gibt es eine Sauna. Die Sauna-Kultur ist etwa 2000 Jahre alt und wurde in Finnland erfunden. Es gibt verschiedenene Typen von Saunas: Dampfsaunas, Rauchsaunas, Holzsaunas, türkische Saunas und so weiter. Alle sind sie nicht aus dem finnischen Alltag wegzudenken.

In Finnland gibt es Polarnächte, und es gibt die Mitternachtssonne. Finnland liegt nämlich am Polarkreis; deshalb ist es möglich, dass die Sonne nie untergeht oder nie aufgeht. Das sind fantastische Naturphänomene. Ausserdem gibt es die Nordlichter. Es gibt sogar spezielle Hotels mit transparenten Dächern, damit Touristinnen und Touristen vom Kaminfeuer aus die Sterne und die bunten Nordlichter sehen können. – Übrigens: In Finnland kann man den Nikolaus in seinem eigenen Dorf besuchen.

Und? Entschieden?

Von Anastasia Uosukainen, G23B
Anastasia Uosukainen lebt in Espoo, Finnland. Aktuell besucht sie als Austauschschülerin eine erste Klasse der Alten Kanti.

Finnische Übersetzung

Suomi? – Aah, se maa Skandinaviassa! – Monet ajattelevat niin, mutta se ei pidä paikkaansa. Suomi ei kuulu Skandinaviaan, vaan niin kutsuttuihin Pohjoismaihin. Kannattaako tätä maata käydä? Päätöksen tueksi tässä muutamia hauskoja faktoja:

Suomessa on monia epätavallisia urheilulajeja. Esimerkiksi on kilpailuja, joissa heitetään vanhaa Nokia-kännykkää niin pitkälle kuin mahdollista (ja kyllä, Nokia-kännykkä keksittiin Suomessa). Sitten on kilpailuja, joissa miehet kantavat vaimonsa. Tai: jalkapalloa mutaisella kentällä. – Pidämme sitä omaperäisenä, koska tällaista on vain meillä Suomessa. Ja vielä tänään.

Toinen asia, joka on suosittua Suomessa: saunat. Jokaisessa talossa – oli se sitten pieni tai suuri, halpa tai kallis – on sauna. Saunakulttuuri on noin 2000 vuotta vanha ja se keksittiin Suomessa. On erilaisia saunoja: höyrysaunoja, savusaunoja, puusaunoja, turkkilaisia saunoja ja niin edelleen. Ne kaikki ovat kiinteä osa suomalaista arkea.

Suomessa on napajäätä, ja siellä on keskiyön aurinko. Suomi sijaitsee nimittäin napapiirillä; siksi aurinko ei koskaan laske tai nouse. Nämä ovat fantastisia luonnonilmiöitä. Lisäksi on revontulia. On jopa erityisiä hotelleja läpinäkyvillä katoilla, jotta matkailijat voivat nähdä tähdet ja värikkäät revontulet takkatulen äärellä. – Muuten: Suomessa voi vierailla joulupukin omassa kylässä.
Entä sitten? Päätetty?

Von Anastasia Uosukainen, G23B
Anastasia Uosukainen lebt in Espoo, Finnland. Aktuell besucht sie als Austauschschülerin eine erste Klasse der Alten Kanti.

Bild: Anastasia Uosukainen

«Der digitale Richter bleibt hoffentlich Utopie» 

Gesetze sind juristische Setzungen. So leicht lassen sie sich nicht verändern. Genau dies aber verlangt der rasant fortschreitende gesellschaftliche und technologische Wandel. Wie soll das gehen, und wo setzt man in Zukunft die Schwerpunkte? – sage&schreibe hat nachgefragt beim Aarauer Oberrichter Dr. Lukas Cotti.
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Der Mensch der Zukunft

Arten verändern sich, so auch Homo sapiens. Was offensichtlich für seine kulturellen Errungenschaften gilt, stimmt auch für seine natürlichen Eigenschaften, bestimmt durch sein Erbgut. Was, wenn wir diese genetische Entwicklung aktiv beeinflussen und gestalten wollten? Wo könnten wir ansetzen, und wie müssten wir dabei vorgehen? Ein weihnächtliches Gedankenspiel.
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Die letzte Generation in der Zeitenwende? 

Von Sebastian Grüninger, Lehrer für Geschichte

Geschichte ist eine Rekonstruktion der Vergangenheit. Das lernen alle meine Schülerinnen und Schüler in den ersten Geschichtsstunden. Nur ist das mit der Rekonstruktion so eine Sache. Denn jede Rekonstruktion hat auch mit Interpretation und politischen Interessen zu tun. So ist es wenig erstaunlich, dass es beispielsweise nicht die eine Rekonstruktion des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine gibt. Vielmehr haben der russische Präsident, die grosse Mehrheit der Russinnen und Russen, aber auch viele der sogenannten «Putin-Versteher» hier im Westen eine andere Version der Geschichte als neutralere Betrachter. Wenn Rekonstruktion also nicht faktenbasiert geschieht, haben wir es nicht mit historischen Wahrheiten, sondern mit Geschichtsklitterung zu tun, mit Fake News und letztlich mit politischer Propaganda. Grundsätzlich wirken sich Umdeutungen von historischen Fakten nicht nur auf die Gegenwart aus, sondern sie sind auch eminent zukunftswirksam. Dies ist gerade angesichts einer zu befürchtenden neuen Teilung der Welt in Demokratien und autoritäre bis totalitäre Diktaturen problematisch, befördert aber auch massiv die Spaltung innerhalb der westlichen Gesellschaften.

Selbstverständlich sind politische Blockbildungen und Spaltungstendenzen in pluralistischen Gesellschaften nicht neu; im Gegenteil: sie sind wesentlicher Bestandteil davon Ich erinnere mich gut an das Schreckgespenst Sowjetunion, das vor allem im bürgerlichen Lager heraufbeschworen wurde, aber auch an dessen Gegenstück, die tatsächlichen und vermeintlichen neoimperialistischen Bestrebungen der USA, die im Kalten Krieg vor allem vom linken Lager angeprangert wurden. Abhängig von der politischen Gesinnung ganz unterschiedlich gedeutet wurden etwa auch die Fakten im Zusammenhang mit dem Fichenskandal, den Jugendprotesten der 1980er-Jahre oder der frühen Umweltbewegung im Zuge von Waldsterben und Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Emotionen, politische Propaganda und Demagogen gab es schliesslich bereits im Alten Athen.

Im Zuge der medialen und gesellschaftlichen Digitalisierung und Algorithmisierung bekommt die interessengeleitete Rekonstruktion von Geschichte aber eine ganz neue Qualität. Vor dreissig Jahren wusste man noch, von welchen Zeitungen was zu erwarten war, oder man glaubte es zumindest. Heute ist die Gemengelage einigermassen unübersichtlich. Zum einen hat sich die Tonlage im politischen Diskurs deutlich verschärft, zum andern kommt insbesondere in digitalen Echokammern eine zunehmend menschenverachtende Gesinnung offen zum Ausdruck. Gesinnung ist alles in einer Gesellschaft, die sich vom Versuch einer möglichst neutralen Rekonstruktion von Geschichte verabschiedet hat. Denn Gesinnung braucht heutzutage kaum noch Argumente, kaum Fakten – und Geschichte, wie sie einem gefällt. Im postfaktischen Zeitalter wird Gesinnung von Emotionen generiert. In diesem Zusammenhang stellen sich unangenehme Fragen: Was geschieht dort, in diesen digitalen Echokammern, weitgehend unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit? Wer steuert die Algorithmen heute und in Zukunft? Wie entwickelt sich diese «Kommunikationskultur» weiter und wie wirkt sie sich auf Gesellschaft und Politik aus?

Da ich kein Hellseher, sondern nur Historiker bin, habe ich keine schlüssige Antworten auf diese Fragen. Klar aber scheint mir, dass von unserem Umgang mit den Herausforderungen der digitalen Welt und der Globalisierung nichts weniger als der Zusammenhalt unserer freiheitlichen, pluralistischen Gesellschaft abhängt.

Viele Politiker und Forscherinnen rechnen damit, dass wir in Zukunft mit weniger Sicherheiten leben müssen: Der lebenslange fixe Job ist für die meisten längst Geschichte, die Rentensicherheit scheint zu wanken, aus den Armuts- und Konfliktgebieten Afrikas und Asiens drängen mit periodischen Ausschlägen immer mehr Menschen in unser mitteleuropäisches Paradies, selbst die seit Jahrzehnten andauernde Friedenszeit in der westlichen Welt scheint akut bedroht: Auch nach zwei Jahren noch führt Putin einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine, seit dem Spätsommer schwelt der Kosovo-Konflikt wieder bedrohlich, und am 7. Oktober hat die radikal-islamische Hamas das demokratische Israel mit nie gekanntem palästinensischem Terror attakiert und damit den nahöstlichen Dauerkonflikt zum erneuten Krieg ausgeweitet.

Zu alledem kommt der Klimawandel. Haben wir bereits die ersten «Kipp-Punkte» erreicht, welche eine immer stärkere Beschleunigung der Erderwärmung unumkehrbar machen? Zumindest ein Teil der Wissenschaft behauptet das, und keine ernstzunehmende Institution ist der Meinung, dass wir noch viel Zeit für wirksame Gegenmassnahmen haben. Was erwartet unsere Schülerinnen und Schüler? Werden sie tatsächlich die «letzte Generation» sein, wie es eine Gruppe von Klimaaktivist/-innen behauptet? Wann werden die ersten Flüchtlinge bei uns eindeutig als «Klimaflüchtlinge» einzustufen sein, und wie gehen wir mit ihnen um? Beunruhigenderweise haben die oben genannten politischen Konflikte dieses mindestens so zukunftsrelevante Thema teilweise aus den Schlagzeilen verdrängt, trotz Rekordhitzesommer und Extremwetterereignissen.

Düstere Aussichten, so scheint es. Und sowieso: Früher war alles besser.

Nein, war es nicht! Noch nie gab es in den westlichen Gesellschaften so viele individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, so viele denkbare Lebensentwürfe, so viele neue Perspektiven wie heute. Auch wenn gewisse Tendenzen wie etwa das konsequente Gendern, Klimakleben, Ernährungstrends oder Körperkult so manches Gemüt erhitzen – die Gesellschaft soll und kann diese und viele weitere Entwicklungen zulassen. Werte wandeln sich – und das ist gut so! Denn so wird Zukunft. Schön, dass wir uns heute noch nicht vorstellen können, was die Zukunft noch alles an Ideen, kulturellen Leistungen und Spielarten von Geschmack und Lifestyle für uns bereithält.

Schon jetzt jedenfalls ist zu erkennen, dass unsere Schülerinnen und Schüler vieles für selbstverständlich halten, woran ältere Jahrgänge sich erst noch gewöhnen müssen: Online-Dating, das Vordringen des Englischen in Alltags- und Bildungssprache, die Digitalisierung von immer mehr Bereichen des Lebens, der achtsame Umgang mit Queerness aller Art – die Aufzählung könnte fast beliebig weitergeführt werden.

Es ist wohl kein Zufall, dass solche Entwicklungen in den autoritär geführten wertekonservativen Staaten unterbunden werden durch Zensur, Diskriminierung und Verfolgung. Wir sind gut beraten, solche rückwärtsgewandten Tendenzen nicht unsere Zukunft bestimmen zu lassen.

Dann besteht die berechtigte Hoffnung, dass wir auf guten Wegen in die Zukunft gehen; dann kann es uns gelingen, einen Umgang mit den neuen digitalen Kommunikations- und Informationsformen zu finden, der sich wieder vermehrt an Fakten orientiert und die Gesellschaft nicht weiter spaltet; dann werden sich bei allen Herausforderungen, vor die uns die multipolare Weltordnung stellt, auch Chancen zeigen, gerade für Schwellenländer und bisher unterprivilegierte Regionen des globalen Südens; dann dann sind die schrecklichen Ereignisse in Israel und Palästina nicht nur eine Zäsur im Nahost-Konflikt, sondern auch ein Wendepunkt hin zu einer positiven Entwicklung, an deren Ende die friedliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern steht; dann, schliesslich, nutzen wir die Energieprobleme, die uns aus den vielfältigen Konflikten erwachsen, zur konsequenten und schnellen Dekarbonisierung,

Es gibt also durchaus Anknüpfungspunkte für Optimismus: Voraussetzung dafür ist jedoch zweifellos, dass die Teilhabe an den Errungenschaften und Möglichkeiten der Moderne in den Regionen sowie den sozialen Milieus dieser Welt zunimmt und nicht verhindert wird. Nur so können wir sicher sein, dass die «Letzte Generation» mit ihrer apokalyptischen Zukunftsvision nicht Recht behält.

Bild: Hanna Siegel

Geschlechtsneutrale Fashion 

Von Susanna Burkhard, G21K

Die Marken Gucci und Zara sind nicht gerade bekannt für ihre Gemeinsamkeiten. Trotz ihrer Unterschiede haben sie jedoch etwas gemeinsam: Beide haben in den letzten Jahren geschlechtsneutrale Modelinien veröffentlicht. Ein Trend, welcher immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Das Prinzip von «Unisex Mode» ist simpel. Anstatt Modelinien separat für Frauen und Männer zu entwerfen, wird bei Unisex Mode eine einzige Linie für alle Geschlechter vermarktet. Dies ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll: Oft bestehen solche Linien aus Kleidungstücken, deren Funktion den meisten Personen, egal welchen Geschlechts, bereits bekannt ist, wie zum Beispiel weite Hosen, Blazer oder T-Shirts in neutralen Farben. Zudem ist solche Kleidung oft sehr bequem und funktional. Besonders im Vergleich zu den meisten Frauenmode-Linien ist dies ein Vorteil, da zweckmässige Funktionen wie Hosentaschen bei Frauenmode gerne minimiert werden.

Der Trend spiegelt auch die generelle Genderdebatte, welche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Selbstverständlich wird es noch eine Weile dauern, bis wir uns in einem Kleidungsgeschäft nicht mehr zu der für ein Geschlecht bestimmten Kleidungsabteilung durchfragen müssen. Unisex Mode stellt jedoch die wichtige Frage, ob geschlechterspezifische Kleidung tatsächlich einen bestimmten Nutzen hat oder ob es sich dabei doch eher um ein veraltetes Konzept handelt. Es sind genau solche Fragen, welche als Ansatz für grössere Veränderungen dienen können.

«Ich lese in meiner Freizeit keine Businessbücher» 

Alois Zwinggi: von der Zementindustrie zum Managing Director des World Economic Forum

sage&schreibe hat Alois Zwinggi, den Managing Director des World Economic Forum, in Cologny am Genfersee zu einem persönlichen Gespräch getroffen. Der Innenschweizer erzählt von seinem Werdegang, von den Anliegen des WEF und macht sich Gedanken über die Zukunft. Ein intensives und humorvolles Gespräch, bei dem der charismatische Alois Zwinggi auch einiges von sich selbst preisgibt.
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Intellektualitätsposerei 

Von Anna Caviezel, G20F

Es gibt eine sehr spezielle Art von intelligenten Menschen. Die Intelligenz, bei der in einem simplen Apfel die Verkörperung des Guten oder der Unschuld gesehen wird. Es geht nicht darum, etwas zu essen, sondern man erörtert philosophisch dieses nun abstrakte Symbol. Mit solchen Menschen kann jedes banale Gespräch über das Wetter zu einer wissenschaftlichen Debatte über die Flüchtigkeit der Nimbostratuswolken werden. Eine simple oder klare Antwort existiert in dieser Welt schlichtweg nicht. Denn warum soll man etwas verständlich erklären, wenn man alle von seiner scheinbaren Intelligenz überzeugen kann und in jedem Gespräch unbedingt erwähnen muss, dass man «Stolz und Vorurteil» gerne gelesen hat, das Stück Weltliteratur aber ein bisschen zu einfältig fand.

Es wird mit Begrifflichkeiten um sich geworfen, die nicht mal der Duden kennt. Und doch scheint es diese Menschen aufs Tiefste zu befriedigen, wenn sie diesen Schwall an Wörtern ausgekotzt haben, denn sie schauen sich Beifall heischend um und warten vielleicht sogar darauf, dass man klatscht. Es ist, als würden sie in einem intellektuellen Zirkus auftreten, bei dem die wahre Kunst darin besteht, so zu tun, als wisse man alles besser, ohne tatsächlich etwas Substanzielles zu irgendetwas beizutragen.

Auf solche Intelligenz können wir alle getrost verzichten, denn es geht nicht um die Sache, nicht ums Verstehen, nicht um Erkenntnis. Es geht nicht einmal um sich selbst, sondern einzig um den hohlen Kopf, der narzisstisch zur Schau getragen wird.

Self Care: das neue Erfolgsrezept! 

Von Lena Tschannen, G20F

Triggerwarnung: Unerwünschte Nebeneffekte des unten skizzierten Erfolgsrezepts könnten Einsamkeit, sozialer Ausschluss und Verlust des nahestehenden Kreises sein. Hilfe bietet jederzeit die Dargebotene Hand unter der Nummer 143.

Wenn es etwas gibt, das dich immer weiterbringen wird, dann ist es Egozentrik. Schließlich musst du dich durchsetzen, um herauszustechen, oder wie sonst stellst du dir vor, die Masse zu übertreffen? Aber wie kannst du das auch verkaufen in einer Umgebung, die aus lauter Sittenwächtern besteht? Die Antwort ist einfach: Nenne es Self Care. Wenn du dich ausschließlich um dich selbst kümmerst und dabei niemand anderen als dich selbst im Blick hast, können die Leute kaum verärgert über dich sein, denn du willst ja nur das Beste für dich, damit du das Beste geben kannst für alle anderen. «Werde die beste Version von dir selber» soll deine neue Maxime sein. Du widmest dir selbst deine ganze Zeit und Energie. Wenn dabei Gefühle von anderen verletzt werden, dann ist das nicht dein Problem. Der Erfolg der Menschheitsgeschichte liegt im Einzelgängertum. Die grössten Popstars wie Beyoncé und Taylor Swift spielen schliesslich nicht in einer Band, sondern praktizieren diesen Leitgedanken. Was also lernst du daraus? Setze dein bestes «Mir ist alles egal»-Gesicht auf und heb den Mittelfinger in die Luft. Jetzt ist deine Zeit gekommen! Und wenn es anderen nicht passt, dann gehst du aufs Ganze: Schneide sie komplett aus deinem Leben heraus!

Zeitgenössischer Tanz 

Von Eowyn Wark

Wenn man früher an Tanz dachte, kam einem sofort das Bild einer Ballerina in den Sinn. Perfekte Linien, perfekte Technik und ein Tutu mit Spitzenschuhen. Heute dringt ein anderer Stil immer mehr in die Köpfe der Gesellschaft: Contemporary oder Zeitgenössischer Tanz. Zeitgenössischer Tanz ist ein Sammelbegriff für die choreografische Bühnentanzkunst der Gegenwart. Anfang 1900 wurde in Amerika in Abgrenzung zum klassischen Ballett der Begriff «Modern Dance» von Martha Graham geprägt. In Deutschland entstand im Zeichen des Expressionismus der deutsche Ausdruckstanz.

Während im Ballett strikte Formen und Positionen vorgegeben sind, besteht zeitgenössischer Tanz nicht nur aus einer Technik oder ästhetischen Form. Er entwickelt sich aus der Vielfalt verschiedener Tanzstile und Techniken und sucht Grenzüberschreitungen. Somit versucht man vorhandene Formen und Normen zu brechen und neue Wege zu finden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Viele Leute wissen daher nicht so recht, was sie mit dem Gesehenen anfangen sollen, wenn sie zum ersten Mal eine Aufführung eines zeitgenössischen Stückes gesehen haben.

Am Anfang ist diese Art von Kunst sehr gewöhnungsbedürftig. Doch ich lege allen ans Herz, noch ein zweites oder drittes zeitgenössisches Stück sehen zu gehen, bevor sie sich vom Thema abwenden. Eine spezielle Welt braucht eine spezielle Kunstform, und dies ist dem zeitgenössischen Tanz gelungen.

Eowyn Wark war bis 2023 Schülerin der G20B. Im Januar 2024 hat sie ihre Ausbildung an der Stage School Hamburg begonnen.

Obsession Zukunft

Die Gegenwart gestalten. Im Moment leben. Irgendwie versuchen wir das ja alle. Immer wieder aber bremst uns dabei die Erinnerung aus, denn die Vergangenheit hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Und die Zukunft? Für uns alle ein weisses Blatt, das wir beschreiben sollen. Das ist unheimlich. Ungelebtes Leben verunsichert, weckt Ängste und Hoffnungen. Nicht wenige beschäftigt die ungewisse Zukunft deshalb mehr als die Gegenwart. Woran liegt es, dass wir uns so schwertun mit dem Augenblick? Woher die Faszination für das, was noch gar nicht ist? Der Psychologe Prof. Dr. Christopher J. Hopwood von der Universität Zürich liefert Antworten.

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Partnersuche vor Publikum

Während man früher mangels Alternativen im richtigen Leben nach einer Partnerschaft suchte, sieht das heute ganz anders aus. Zahlreiche Internet-Plattformen ermöglichen Dating im virtuellen Raum. Selbst vor laufenden Fernsehkameras lässt sich das Beziehungsglück suchen. Und in der Zukunft? Werden wir bald unseren Avatar zum ersten Date schicken? – Wir haben einen gefragt, der sich auskennt mit der Partnersuche: Stephan Schulz, Casting-Verantwortlicher der Schweizer TV-Dating-Sendung «Bauer, ledig, sucht…».

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Die Wespe im Weltall 

Von Nadia Bajrami

Luca richtete sich zu voller Grösse auf und versuchte vergeblich, einen Blick auf den Brief in den Händen seiner Mutter zu werfen, die konzentriert am Pult sass. Er stellte sich auf die Zehenspitzen, doch auch das half nicht. Also hüpfte er auf den alten Stuhl neben dem Pult – seinen heissgeliebten Mount Everest. Von oben herab starrte er nun gebannt auf das Papier, die Augen weit aufgerissen. Es sah aus, als hätte man ihm blaue Murmeln in das Marshmallow-Gesicht gedrückt. «Mama!», rief er halb ratlos, halb belustigt, «dieses Zeichen da oben links sieht aus wie ein Elefant!»

«Hör mal, mein Schatz, Mama braucht jetzt Zeit für sich allein, ja.»

«Aber ich hab doch gar nichts gemacht!»

Als die Mutter nicht antwortete, kraxelte er mit einem betont lauten Seufzer von seinem Berg herunter und stampfte aus dem Arbeitszimmer, dass der Boden vibrierte. Aber die Mutter reagierte noch immer nicht.

Im Wohnzimmer liess er sich auf das Sofa fallen, verschränkte die Arme vor der Brust und schob trotzig die Lippen vor. Dann fiel Lucas Blick auf die Fernbedienung auf dem Salontisch. Bevor er nach dem Gerät langte, schaute er noch einmal in Richtung Arbeitszimmer, dann schaltete er den Fernseher an und suchte den Kanal mit seiner Lieblingsserie.

Ein sprechender Seestern jammerte, er sei auf der Strasse einer toten Miesmuschel begegnet. Der gelbe Schwamm – nicht weniger redselig – entgegnete: «Tote Miesmuscheln zu berühren – das ist gefährlich. Schlimme Krankheiten können übertragen werden, man kann sogar daran sterben.»

Luca rümpfte die Nase. Schluckte. Schauderte. Wie konnte etwas Totes einen tot machen? Er hatte immer gedacht, nur Lebendiges könne etwas töten.

Mit diesem mulmigen Gefühl machte er den Fernseher aus, legte die Fernbedienung weg und ging auf sein Zimmer.

Auf dem Weg dorthin kam er schnell auf andere Gedanken, denn es galt, wie immer, so über den Boden zu hüpfen, dass er nicht in die abgrundtiefen Canyons zwischen den Fliesen stürzte. In seinem Zimmer setzte er sich auf den bunten Auto-Teppich und bastelte aus Legosteinen ein Raumschiff mit Leoparden-Muster. Immer wieder versuchte er dabei, das Geräusch eines Raumschiff-Antriebs nachzuahmen, doch da er keine Ahnung hatte, wie sich so was anhörte, liess er sich ein Geräusch einfallen, das wie eine seltsame Mischung aus Mofa und Elektroroller klang.

Versunken in seine Arbeit und konzentriert auf sein Triebwerksgeräusch, hatte er nicht bemerkt, dass eine Wespe durch das offene Fenster ins Zimmer geflogen war und sich ins Bücherregal gesetzt hatte. Als der Düsenantrieb stockte und stotterte und der kleine Weltraumtechniker wütend mit den Armen fuchtelte, hob sie wieder ab und flog Schleifen im Zimmer. Sie brummte jetzt so laut, dass Luca auf sie aufmerksam wurde. Er zuckte, zog den Kopf ein und griff reflexartig nach einem Heft, das auf dem Boden lag.

Wespen gehörten definitiv nicht ins Weltall, also musste er den nervenden Brummer in die Flucht schlagen, und zwar richtig. In der einen Hand das Heft, in der anderen das Raumschiff, schlug er wild um sich, bis es still war.

Er hörte noch einmal genau hin, dann war er beruhigt.

Er hatte es geschafft. Er hatte das Weltall heldenhaft verteidigt und war nun in Sicherheit. Erleichtert widmete er sich wieder dem Raumschiff und zog nach erfolgreicher Reparatur neue Bahnen durch seine überirdische Welt. Direkt über dem Bücherregal entdeckte er einen neuen Planeten, neben der Spielzeugkiste gleich drei.

Nachdem er noch zwei Sterne am Rand des Teppichs gefunden hatte, knurrte ihm der Magen, und er wollte sich auch schon aufrappeln, als seine Finger etwas berührten. Er schaute genau hin und vergass zu atmen. Mitten auf dem Teppich, zwischen ein paar bunten Lego-Steinen, lag die Wespe, die er eben aus seinem Universum vertrieben hatte. Sie lag auf dem Rücken, die dürren Beinchen zeigten zum Planeten über dem Bücherregal. Und sie bewegte sich nicht.

Moment mal – hatte er die Wespe tatsächlich angefasst? Luca roch kurz an seinen Fingern und fragte sich, wie eine Wespe überhaupt rieche. Eine tote Wespe.

Er wurde bleich. Wie war das noch mal? Was hatte der blöde Schwamm gesagt? Schlimme Krankheiten… Luca spürte, wie ihm gleichzeitig heiss und kalt wurde.

Langsamer als sonst tapste er ins Arbeitszimmer der Mutter. Vorsichtig. Leise.

«Mama?», flötete er, «darf ich dich was fragen?»

«Hm?»

«Wie steht es eigentlich so mit – ich meine, mit Wespen?»

«Wespen? Wie kommst du denn –»

«Also, nehmen wir mal an… eine Wespe stirbt. Wespen sterben ja, oder?»

Sie hob den Kopf, kniff die Augen zusammen und sah ihn fragend an. «Korrekt, ja. Aber –»

«Und Wespen sind ja Tiere…»

«Ja, und Katzen und Hunde und Bienen sind auch Tiere. Keines lebt ewig – selbst wir Menschen sterben eines Tages.»

«Das weiss ich doch – aber wegen der Wespe, Mama!»

Ihr Blick verdüsterte sich, Falten zogen sich über die Stirn. «Wie bitte? Ich versteh gar nichts, Luca.»

Luca spürte, wie sein Herz pochte. Sie verlor allmählich die Geduld, aber er musste es wissen, selbst wenn ihm die Antwort nicht gefiel. Und er durfte nicht weinen. Astronaut mit einem riesigen Raumschiff war er; bis zur letzten Sekunde seines Lebens würde er nicht heulen. Trotzdem wollte er es wissen, unbedingt.

«Also rein theoretisch, Mama: Kann ein totes Tier Krankheiten übertragen?»

Luca war ein bisschen stolz darauf, diesen Begriff benutzt zu haben. Rein theoretisch. Den hatte er von seiner Mutter.

«Wie kommst du denn darauf?»

«In der Schule meinte Tobias, dass das möglich ist. Er sagte, er habe mal so was im Fernsehen gesehen.»

«Also, es ist schon möglich. Rein theoretisch.»

Die Mutter legte eine Pause ein und dachte nach. Dann erklärte sie: «Wenn dich zum Beispiel ein Fuchs beisst, der Tollwut hat, kann diese Krankheit auch auf dich übertragen werden. Verstehst du? Dann folgen Gliederschmerzen, schreckliche Krämpfe und Angst vor Wasser. Der Speichel läuft dir übers Kinn, und schlussendlich stirbst du.»

Luca schluckte.

«Also nur bei Füchsen, oder?»

«Auch bei Hunden und Wölfen.»

«Und rein theoretisch auch bei Wespen?»

«Hat dich etwa eine gestochen?»

Er zögerte, räusperte sich, machte den Mund auf und schloss ihn wieder. Er musste das Gespräch sofort beenden, andernfalls würde Mama etwas ahnen. Das durfte er natürlich nicht riskieren. Schliesslich war er Astronaut.

«Nein, nein. Ich dachte bloss», sagte er und ging so leise aus dem Arbeitszimmer, wie er reingekommen war.

Luca legte sich auf sein Bett. Wenn er den Kopf leicht drehte, sah er die Wespe auf dem Teppich. Sein Herz klopfte bis in den Hals hinauf, ihm wurde ganz übel.

Mit einer ruckartigen Bewegung zog Luca die Decke über den Kopf.

Und wartete.

«You’re dead only if you’re warm and dead» 

Eine der wenigen Gewissheiten im Leben ist zweifellos die Unumstösslichkeit dess Todes. Könnte man denken. Denn schon bald wird der Tod möglicherweise nicht mehr das Ende des Lebens sein, sondern der Anfang zu einem neuen. Dies jedenfalls ist das Forschungsgebiet der Kryobiologie, die damit experimentiert, Tote einzufrieren, um sie zu gegebener Zeit wieder zum Leben zu erwecken. sage&schreibe hat den Molekularbiologen Patrick Burgermeister, einen der Vorreiter auf dem Gebiet, zum Gespräch getroffen.
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Zukunft und Politik 

Klimakrise, Migration, steigende Energie- und Lebenshaltungskosten, rekordhohe Krankenkassenprämien – selten war die Schweiz mit so vielen existenziellen Problemen gleichzeitig konfontiert. Nachhaltige Lösungen erhoffen wir uns von der Politik. sage&schreibe hat mit Martin Bäumle, Nationalrat GLP, und Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, zwei Politiker aus unterschiedlichen Lagern und Generationen mit Fragen zur politischen Zukunftsgestaltung konfrontiert.
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Zukunftsforschung? Zukunftsforschung! 

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Zukunft ist ein verhältnismässig junger Forschungszweig. Die Zukunftsforschung versucht Trends und Entwicklungen in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft oder Innovation frühzeitig zu erkennen, damit uns die Zukunft nicht unvorbereitet trifft. – sage&schreibe hat mit der renommierten Zukunftsforscherin Karin Frick vom Gottlieb Duttweiler Institut gesprochen und unter anderem gefragt, wie genau man etwas erforscht, was es noch gar nicht gibt.
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Die Magie musikalischer Harmonie im eigenen Heim 

Hausmusik, eine jahrhundertealte Tradition, beschreibt das gemeinschaftliche Musizieren in den eigenen vier Wänden. Dabei vereinen sich Familie, Freunde und musikbegeisterte Nachbarn, um in entspannter Atmosphäre zusammen zu musizieren. Dieses intime Musikerlebnis schafft eine einzigartige Magie, die in größeren Konzertsälen selten erfahrbar ist.
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För s Reglemänt 

Von Ernst Strebel*

Velech het sech öpper ufgregt öber mi letscht Kolumne. Dass en aute Sack, wo nömm a de Front esch, gäg d Reglemänt schribt. Aute Sack esch ok, aber i be ned gäg aui Reglemänt. Zom Bispel wär i för es rigoroses Reglemänt gäg die, wo d Strosse blockiere. Gäg die, wo Tag för Tag, äine oder äini eläi, emene (meischt idiotisch grosse) Auto hocke ond d Strosse verstopfe. Di Auti Kanti esch jo diräkt betroffe. E Kolleg, e begäischterete Biolog, het for Johre an ere Wiiterbeudig gsäit, dass s Strosse-Drüegg om öisi Schuel för Tier em Park e Todesgränze seg. För d Mönsche zwar ned, aber em Lärm und de Abgas send täglech öppe 1500 Jongi vo der Kanti ond KSB usgsetzt. Of die sött me Röcksecht näh ond d Strosse för e Vercher speere. Woäne met de Auto? Ondere Bode. Grossi Städt händ U-Bahne; Aarau (wo jo scho di Meyersche Stolle het) chönt di erscht (fasch grossi) Stadt met U-Strosse wärde: Die Stadt der schönen Giebel und der stillenden Stollen.

Jetz spennt dä aut Sack totau, wärde di Automobile rüefe. Aute Sack esch we gsäit ok, aber d Idee stammt vom grosse Dechter Friedrich Schiller, wo em letschte Värs vo «Nenie» schriibt: «Denn das Gelärme geht klanglos zum Orkus hinab.» Ecco!

PS: I ha fasch 40 Johr lang gschompfe öber e Strosselärm rond om öisi Schuel. I ha bem Onterrechte em Sommer d Fäischter ned chönne uftue. Nie aber ben i met eme Transparänt of d Loränzi gstande. I ha de Muet ned gha.

* Italienischlehrer im Teilamt von 1978–2015

De Vouäärnter

«Nääääi!» No äinisch «nääääi!» Denn es dritts Moou. Deewääg luut und schaarf, dass mes wiitume ghöört, bis zum Waudrand, bis abe zum Schiessplatz und bis is Buech use. Di paar Spaziergänger im Waud bliibe stoo, schüttle de Chopf und froge sech, was ächt loos seig. E Schlegerei drei Taag vor de Wienecht? De Haubstarche isch jo äu der Advänt nümm häilig. Nach eme Wiili hets plötzlech überluut ghüület, entsetzlech, häärzzerriissend. Aui sind schweer verschrocke, hätte gäärn ghouffe, aber e kene het gwüsst, wohäär dass s chunt.
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»Nicht alles ist bei uns traurig»

In der Schweiz werden laut Bundesamt für Statistik jährlich knapp 20’000 Menschen Opfer von häuslicher Gewalt. Bei mehr als 70% der Fälle handelt es sich um Frauen. Als Zufluchtsort für betroffene Frauen und deren Kinder gibt es in der Schweiz 23 Frauenhäuser. sage&schreibe hat Rosmarie Hubschmid, die Leiterin des Frauenhauses Aargau-Solothurn, über Zoom getroffen und Einblick erhalten in eine wichtige Institution.
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Schöner Wohnen

Zweifellos ist es die Wohnungseinrichtung, die uns ein Gefühl von Behaglichkeit und Zuhause-Sein vermittelt. Die gemütliche Sofa-Ecke, der grosse Esstisch, ein Bücherregal, vielleicht. sage&schreibe wollte wissen, wie die Schweizerinnen und Schweizer wohnen, und hat einen gefragt, der sich auskennt: Ralph Hasler, Mitglied der Geschäftsleitung und Regionalverkaufsleiter von Pfister.
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Jeden Tag ein bisschen mehr ankommen

Nach dem völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine fühlten sich Anna Pavlova und Liudmyla Pavlova nicht mehr sicher in ihrem eigenen Land. Mutter und Tochter versuchten der ständigen Bedrohung zu entkommen und verliessen die Ukraine. Seit April 2022 leben die beiden zusammen mit drei Landsleuten am Hallwilersee. Angst um ihr Leben brauchen sie keine mehr zu haben. Doch die Angst um ihre Lieben nimmt ihnen keiner.
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Zuhause in der WG

Die klassische Wohnsituation von Studentinnen und Studenten: die Wohngemeinschaft. sage&schreibe hat eine Neun-Personen-WG in Zürich besucht, um mehr über das studentische Zusammenleben zu erfahren. Red und Antwort gestanden sind zum einen die 22-jährige Jelena Hufschmid, die an der Uni Zürich Veterinärmedizin studiert und seit November 2020 in der WG lebt, zum anderen Janick Baumann, 23, der Gesundheitswissenschaften und Technologie an der ETH studiert und Mitte Juni in die WG eingezogen ist.
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ALLEGRA! (Deutsch)

Von Katrin Brupbacher*

Allegra! Forsa pensasch uossa da l’aua minerala. Forsa üna jada hast gìa vis üna buttiglia sü la maisa d’ün restaurant. Ubain hasch però fat vacanzas en chantun Grischun, ingio scuntrasch «allegra» sün via: sco salüd, surtuot enturn mezdi ed davomezdi. Eu chat quai in fich bel salüd: el cuntegn l’allegria. Oriundamaing fa apart dals idioms rumantschs Putèr, Vallader/Jauer che vegnan scrits e discurrids en Engiadina ed en Val Müstair.

Quai cun la quarta lingua naziunala es üna chosa cumplicada: main co 0.5% en Svizra discuorran rumantsch sco lura lingua principala, e lura i sun tschinch idioms!

Ünsacura sco giuvenila eu vaiva decidì d’imprender tuot las quatter linguas naziunalas. Id ha deplorablamain durà ün pa fin che eu n’ha pudü cumanzar. Durant ün sogiuorn plü lunga en Val Müstair avant trais ons eu n’ha quai pudü as metter vi. Intant che meis uffants sun sfunsads en la lingua in scoula, sün la plazza da ballapè ed en l’auto da posta cun lur collegas, eu n’ha fat ün prüm pass cun meis vaschinas chi han 80 onns ed plü, insembel cun café ed un cudesch da cuors. Daspö eu exercitesch la lingua durant las fins d’eivnas ed en vacanzas en Val Müstair. I basta s-chars per scriver quist text – ed con quist eu as di adieu. Grazia fichun ed a revair, Alte Kanti!

Deutsche Übersetzung

Allegra! Vielleicht denkst du jetzt an Mineralwasser. Vielleicht hast du irgendwann mal eine solche Flasche auf einem Tisch im Restaurant gesehen. Oder aber du hast Ferien in einer Ecke Graubündes gemacht, wo «allegra» dir auf der Strasse begegnet: als Grusswort, vorwiegend um den Mittag und am Nachmittag. Ich finde das einen sehr schönen Gruss: er trägt die Freude, die allegria, in sich. Ursprünglich gehört er in die rätoromanischen Idiome Putèr, Vallader/Jauer, die im Engadin und im Val Müstair geschrieben und gesprochen werden.

Ja, das mit der vierten Landessprache ist eine komplizierte Sache: weniger als 0.5% der Schweizer Bevölkerung nennen sie ihre Muttersprache, und dann gibt es auch noch fünf Idiome!

Irgendwann als Jugendliche habe ich entschieden, alle vier Landessprachen zu lernen. Es hat leider etwas lange gedauert, bis ich das in Angriff nehmen konnte. Während eines längeren Aufenthalts im Val Müstair vor drei Jahren habe ich damit begonnen. Während meine Kinder in der Schule, auf dem Fussballplatz und im Postauto mit ihren Kollegen in die Sprache eintauchten, habe ich mit meinen über 80-jährigen Nachbarinnen bei Kaffee und mit einem Kursbuch erste Versuche gemacht. Seither übe ich an Wochenenden und in den Ferien im Val Müstair. Es reicht gerade, um diesen Text zu schreiben – und mit ihm verabschiede ich mich. Danke vielmals und auf Wiedersehen, Alte Kanti!.

*Katrin Brupbacher, langjährige Geschichtslehrerin an der Alten Kanti, wird ab August 2023 als Gründungsrektorin die neue Kantonsschule Fricktal in Stein aufbauen und leiten.

Damit Herkunft keine so grosse Rolle mehr spielt…

Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aus finanziell bescheidenen Verhältnissen unterstützen und fördern und für sie eine Brücke schlagen, damit sie nach der obligatorischen Schulzeit leichter Zugang zu einer weiterführenden Schule finden? «Chagall» macht es möglich. Das Förderprogramm wird neu auch in Aarau umgesetzt.
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Ein neues Zuhause im Pflegezentrum

Für viele Menschen ist der letzte Umzug ein besonders schwieriger, denn er bedeutet, vom alten Zuhause Abschied zu nehmen und sich in einem Alters- oder Pflegezentrum neu einzuleben. Was bedeutet dieser Schritt für die Betroffenen? Wie wichtig ist es gerade für ältere Menschen, sich zuhause und geborgen zu fühlen? sage&schreibe hat das Pflegezentrum Sanavita AG in Windisch besucht – und nachgefragt beim Geschäftsleiter und drei lebensfrohen Bewohnerinnen.
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Festung Europa

Von Melanie del Fabro, G21E

Die Aussengrenzen Europas werden immer undurchdringlicher. Es gibt kaum legale Fluchtwege. Diejenigen, die es trotzdem versuchen, geniessen zu wenig Schutz, laufen Gefahr, ausgebeutet, geschlagen, gefoltert oder gar getötet zu werden.

Die Abschottungspolitik der EU beziehungsweise Europas zeigt gerade im Juni 2023 wieder ihr hässliches Gesicht.

Frontex arbeitet mit der libyschen Küstenwache zusammen, um illegale Pushbacks von Flüchtlingsbooten in Auftrag zu geben oder gar durchzuführen. Die kroatische Polizei zwingt Geflüchtete illegal und mit Gewalt zurück über die bosnische Grenze. Die griechische Küstenwache greift bei einem der schrecklichsten Schiffsunglücke viel zu spät ein, woraufhin über 600 Menschen im Mittelmeer ertrinken.

Sobald Menschen nicht-europäisch beziehungsweise nicht-weiss sind oder kein Kapital besitzen, sind ihre Leben kaum mehr etwas wert. Allein seit 2016 gab es über 27’000 Tote im Mittelmeer. Viele davon hätte man retten können, doch Seenotrettungsaktivist/-innen werden kriminalisiert, während Frontex gerne bewusst wegschaut und Fluchtrouten nach Europa erschwert.
In Zukunft wird es allein aufgrund der Klimakrise Millionen Menschen geben, die ihr Land verlassen müssen. Sie werden trotz der grossen Risiken versuchen, Europa zu erreichen, denn die Gefahr in ihrer Heimat ist grösser.

Nun bleibt die Frage, was sich in Europa schliesslich durchsetzt: Menschenrechte oder Rassismus?

Mr. Sportkanti goes Fliegenfischen

Dr. Andreas Hunziker, Rektor
mit Unterstützung von Dr. Martin Burkard, Rektor a.D.

Aarau und Boniswil. An diesen zwei Orten im Aargau hat Kurt Büchler Wurzeln geschlagen. Noch heute verrät sein Dialekt jedoch unmissverständlich die Solothurner Herkunft: In Olten wuchs er auf und besuchte die Kanti, in Solothurn absolvierte er das Oberseminar. Bereits während seines Sport-Studiums an der ETH aber schnupperte er als Stellvertreter und Skilagerleiter Alte-Kanti-Luft – bis er 1984 eine Anstellung als Hilfslehrer im Fach Sport erhielt und damit definitiv in Aarau ankam. 1993 wurde er zum Hauptlehrer gewählt, weitere 10 Jahre später zum Prorektor. Dieses Amt prägte er während 20 Jahren massgeblich und nachhaltig.

Verbunden mit Aarau war er auch durch seine grosse Leidenschaft, den Handballsport, fanden doch die Trainings und Spiele des TV Suhr in der Aarauer Schachenhalle statt. Als Rückraumspieler war er im Nationalliga-A-Team stets ein sicherer Wert. Ein grosser Rückhalt war er auch bis zuletzt für unsere Schule. Denn auch als Prorektor packte Kurt die Dinge sportlich an, – klar und geradlinig, immer das Resultat im Blick. Für die Alte Kanti war und ist es ein Glück, dass Kurt eindeutige Abmachungen und Regeln liebte, verdankt sie ihm doch zahlreiche wichtige Überarbeitungen von Reglementen im Bereich Organisation und Administration. Seine umsichtig ordnende Hand wird uns fehlen, aber die Spuren, die er beispielsweise im Bereich Spezieller Unterricht, im Austauschwesen oder in verschiedenen Krisenkonzepten hinterlassen hat, werden bleiben.

Kurts Verdienste erschöpfen sich freilich nicht im Organisatorischen und Administrativen. Immer stand für ihn nämlich der Mensch im Vordergrund. Nicht selten traf ich Kurt nachdenklich an; Schicksalsschläge von Schülerinnen oder Schülern, aber auch von Lehrpersonen oder Mitarbeitenden machten ihm ebenso zu schaffen wie soziale Ungerechtigkeiten. Wo es ihm möglich war, bot er deshalb Unterstützung mit Rat und Tat, auch ausserhalb der Schule. So engagiert er sich etwa seit Jahren als ehrenamtlicher Stiftungsrat der Stiftung FARO für Menschen mit kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen.

Kantonal, wenn nicht sogar national bekannt wurde Kurt seit 2005 als Mitgründer und Leiter des Sportgymnasiums an der Alten Kanti, das es schulisch starken Spitzensportlerinnen und -sportlern ermöglicht, das Gymnasium in fünf statt vier Schuljahren abzuschliessen. Seiner Initiative und planerischen Finesse ist es auch zu verdanken, dass der Lehrgang 2022 dank eines deutlich flexibleren Unterrichtsmodells mit mehr selbstständigen Arbeitsformen für die Schülerinnen und Schüler nachhaltig modernisiert werden konnte. Kurts Kontakte in die Welt des (Handball-)Sports waren bei seiner Arbeit als Mr. Sportkanti immer wieder Gold wert für unsere Schule.

Seine Fähigkeiten als Projektleiter stellte Kurt nicht zuletzt als Verantwortlicher für die Sportanlage Telli unter Beweis, als er ab Ende der 90er-Jahre die Reorganisation und Modernisierung der komplexen Strukturen begleitete und dabei eng mit Stadt und Kanton zusammenarbeitete.

Privat schlug Kurt Wurzeln in Boniswil am Hallwilersee, wo er bis heute mit seiner Familie lebt – in einem alten Bauernhaus, bei dessen Umbau der begabte Handwerker und nimmermüde Schaffer auch selbst Hand anlegte. Kreative Pausen gönnt sich Kurt im Garten oder – in enger Zusammenarbeit mit seinem früheren Vorgesetzten – bei der Produktion von edlen Obstbränden. Auch auf dem See ist Kurt regelmässig anzutreffen, wo er sich einem weiteren Hobby, dem Fischen, widmet. Nach der Pensionierung wird er sich übrigens in der schwierigsten Disziplin, dem Fliegenfischen, weiterbilden.
Kurt zieht es aber auch immer wieder weg, in die Glarner Berge, nach Braunwald, wo seine Frau Bea herkommt, auf abenteuerliche Safaris in Afrika, nach Griechenland zum Klettern oder in die Fauna und Flora Costa Ricas.

Ich danke Kurt herzlich für seinen grossen und bis zuletzt unermüdlichen Einsatz zugunsten der Alten Kanti und wünsche ihm Musse und viel Freude bei seinen sportlichen und handwerklichen Aktivitäten – und wunderschöne weitere Entdeckungsreisen im nagelneuen VW-Camper.

Zeitenwende

«Die Zeit ist kein Sumpf, sie ist Strom. Alle Völker nennen sie so, und mit Recht. Denn Stillstand ist nirgends, sondern fortwährender Wandel der Dinge und darum Verwandlung von Allem», schrieb der aus Magdeburg stammende und in Aarau sesshaft gewordene Publizist Heinrich Zschokke (1771 – 1848) im Jahr 1817 in seinen «Überlieferungen zur Geschichte unserer Zeit».
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Frag Aarau

Chiara Audia und Giada Di Lorenzo vom sage&schreibe- Videoteam haben am Weihnachtsmarkt in Aarau
einige Aarauerinnen und Aarauer auf die Probe gestellt und ihr Allgemeinwissen getestet. Ganz nach dem
Motto: «Frag Aarau.»

Zeitenwende

«Die Zeit ist kein Sumpf, sie ist Strom. Alle Völker nennen sie so, und mit Recht. Denn Stillstand ist nirgends, sondern fortwährender Wandel der Dinge und darum Verwandlung von Allem», schrieb der aus Magdeburg stammende und in Aarau sesshaft gewordene Publizist Heinrich Zschokke (1771 – 1848) im Jahr 1817 in seinen «Überlieferungen zur Geschichte unserer Zeit».
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MOREinga am Europäischen Entrepreneurship Finale in Tallinn

Anfang Juni lagen wir uns überwältigt und freudetaumelnd in den Armen. Am nationalen Finale des Company Programmes, organisiert durch Young Enterprise Switzerland, wurden wir zur «Company of the Year 2022» gekürt. Über 200 Miniunternehmen aus der ganzen Schweiz nahmen an diesem Wettbewerb teil, und unsere Leistungen konnten die Jury überzeugen. Dadurch wurden wir für das Europäische Finale nominiert und hatten das Flugticket nach Tallinn in der Tasche. Das bedeutete für uns allerdings viel Arbeit: Geschäftsbericht, Flyer, Homepage, Präsentation etc. – alles musste innerhalb von zwei Wochen auf Englisch übersetzt werden. Weiterlesen

Vom Glück zu spielen

Schon früh war Jakob Schildhauer von der Blockflöte fasziniert, seit seinen ersten Versuchen auf dem Instrument hat der Schüler der Alten Kanti viel erreicht: Er ist Teil der Spitzenförderung Aargau, hat diverse Preise gewonnen, spielt mit den Besten seines Fachs und in so vielen Formationen, dass er selbst manchmal den Überblick verliert. Wir habenden aufstrebenden Flötisten mit Fragen zu seinem Instrument, zur Technik und zu seiner noch jungen Karriere konfrontiert.
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Wenn Geschichte lebendig wird

Im Schweizer Mittelland soll das Mittelalter wieder lebendig werden. Möglich macht es der Verein «abenteuer – zeitreise», welcher den Nachbau einer Siedlung plant, wie sie zwischen 1000 und 1500 n. Chr. ausgesehen haben könnte. Wir haben uns zusammen mit Silvia Aeschimann, der Initiantin des Projekts, einerseits auf eine Zeitreise zurück ins Mittelalter begeben, andererseits aber auch auf eine Reise in die Zukunft, denn die Umsetzung des Projekts steht noch in den Sternen.
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«Die Zeit hat für mich jetzt einen anderen Wert»

Sandresegarem Tharmachandran ist 73 Jahre alt und bereiste dank seiner Arbeit auf Frachtschiffen Länder wie Brasilien, Japan, Amerika, Kanada, Saudi-Arabien und viele weitere. Er flüchtete wegen des Bürgerkriegs aus Sri Lanka und lebt heute in der Schweiz. – Ein Porträt über einen Menschen mit einer besonderen Beziehung zur Zeit.
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Viel zu kurz

Im April 2022 starb völlig überraschend nach kurzer Krankheit der Publizist, Schriftsteller und Germanist Lukas Tonetto im Alter von nur 49 Jahren. Lukas Tonetto unterrichtete von 2019 bis 2022 Deutsch an der Alten Kanti.
Der nachfolgende Text des Musiklehrers Michael Schraner ist eine persönliche Annäherung an einen vielschichtigen, schillernden Menschen und Kollegen, der im Kollegium der Alten Kanti schmerzlich vermisst wird.
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Wie Demenz das Zeitgefühl verschiebt

Von Demenzkranken heisst es oft, sie hätten den Bezug zur Zeit verloren. Tatsächlich verlieren viele das Gefühl für Tag und Nacht, sind mit dem normalen Tagesablauf überfordert. Nicht wenige ziehen sich dann in eine für Aussenstehende verschlossene Vergangenheitswelt zurück. Was macht diese Krankheit mit den Betroffenen? Wie verändert sie insbesondere den Umgang mit der Zeit? sage&schreibe hat nachgefragt bei Ralph Juchli, Wohngruppen-Teamleiter auf der Demenzabteilung des Alterszentrums Haslibrunnen in Langenthal BE.
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Kaufmännische Grundbildung mit neuem Fokus

Mit Beginn des kommenden Schuljahrs verändert sich einiges in den Lehrplänen der Wirtschaftsmittelschule. Verantwortlich dafür ist die vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, SBFI, konzipierte Reform der kaufmännischen Grundbildung, welche der Digitalisierung und dem Fachkräftemangel Rechnung trägt und Handlungskompetenzen in den Fokus der Ausbildung rückt.
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«Im Gefängnis lebst du in der Vergangenheit»

Für den Rest des Lebens eingesperrt sein. Wegen weniger Minuten, wegen eines grossen Fehlers. Das ist die Realität von B. der heute 56-Jährige wurde im April 2009 festgenom- men und bekam achteinhalb Jahre später das Urteil. Seither verbüsst er eine lange Frei- heitsstrafe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg.* Vor seinem Tod wird er das Gefängnis wahrscheinlich nicht mehr verlassen. Wie er damit umgeht, was das mit einem Menschen macht und was Zeit für ihn bedeutet – mit sage&schreibe hat er darü- ber gesprochen.
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Auf und davon

Ein halbes oder ein ganzes Jahr fremde Familie, fremde Sprache und fremde Kultur satt – dies ist das Programm eines Austausch-Aufenthalts im Ausland. Jedes Jahr wagen zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti das Abenteuer, sich auch im übertragenen Sinn auf unbekanntem Terrain zurechtzufinden. sage&schreibe hat vier Schülerinnen der Abteilung G21K gebeten, von ihren Erfahrungen zu berichten.
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«Wir sind alle nur ein Zahnrad in der Uhr des Lebens»

Die Uhrmacherei hat eine lange Tradition in der Schweiz. Uhren verraten mehr als nur die Zeit. Um den Geheimnissen, welche sich hinter den Uhren verstecken, auf den Grund zu gehen, haben wir die Uhrmacherin Rebekka Meier in der Uhrenstadt Grenchen besucht. Sie betreibt dort in der alten Michel-Villa seit Jahren ein Uhrenatelier. Weiterlesen

Die Kunst der Berührung

In vielen Sportarten, aber auch im künstlerischen Bereich ist der Körperkontakt als besondere Form von Nähe zentral. Haut, Schweiss, Atem – wie fühlt sich solch extreme Nähe an? Wir haben den mehrfachen Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano, den «eidgenössischen» Schwinger Nick Alpiger und die Tänzerin und Choreographin Brigitta Luisa Merki getroffen und nach ihren Erfahrungen gefragt. Weiterlesen

Kann man Nähe kaufen?

Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf die Nähe zu seinen Mitmenschen angewiesen. Aber was, wenn man diese Nähe in seinem Umfeld nirgends finden kann? Genau diese Zielgruppe spricht «rent a friend» an, das Online-Portal, welches Menschen, die sich einsam fühlen, einen unkomplizierten Weg zu neuen Freundschaften verspricht. Der einzige Haken dabei: Man muss den gemieteten «friend» für die gemeinsam verbrachte Zeit bezahlen. Geniale Geschäftsidee oder schamloses Ausnützen von Einsamkeit? Wir haben den aus Deutschland stammenden Wahl-Basler Leon C. gefragt, einen der potenziellen Friends, die gebucht werden wollen. Weiterlesen

«Nähe ist Nahrung für den Körper»

Assunta Amatucci ist gelernte Sexualbegleiterin und Berührerin für Menschen mit Beeinträchtigung. Wir haben die 55-Jährige in ihrer Praxis in Solothurn besucht, um mehr über diese noch immer weitgehend tabuisierte Arbeit zu erfahren. Wir wollten wissen, wie sie mit ihren Klientinnen und Klienten umgeht und was für sie Nähe bedeutet. Weiterlesen

Shiatsu

Eine Hunderasse? Oder vielleicht Kampfsport? Mit beidem hat Shiatsu nichts zu tun. Shiatsu kommt ursprünglich aus der fernöstlichen Medizin und ist eine Therapie- beziehungsweise Massageart. Um mehr über Shiatsu herauszufinden, haben wir Elena Ritmeisters, ausgebildete Shiatsu -Therapeutin, in ihrer Praxis in Aarau besucht. Weiterlesen

Sichere Häfen für Kinder mit Bindungsstörung

Unser Selbstwert hat sehr viel mit Nähe und sicheren Bindungen bereits im Säuglings- und Kindesalter zu tun. Die Tatsache aber, dass 40 bis 50 Prozent der Menschen als Kind eine unsichere Bindung erfahren haben, lässt aufhorchen. Prof. Dr. Guy Bodenmann, ein führender Experte in der klinischen Paar- und Familienpsychologie, gibt im Interview vertiefte Einblicke in die Thematik der Bindung beziehungsweise Bindungsstörung im Kindesalter. Weiterlesen

Zwischen Leben und Tod

Einen ganz besonderen Beruf hat das Luzerner Medium Maria Piazza. Sie sieht sich als mediale Lebensberaterin, als Vermittlerin zwischen der geistigen und der materiellen Welt und hat daher eine eher ungewöhnliche Nähe zu Verstorbenen. Im Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeit, ihre besonderen Fähigkeiten und ihre Beziehung zum Reich der Toten.

Von Amina Colombo und Elin Cattaneo, G19A Weiterlesen

Begegnung erleben

Am 8. und 9. März 2022 hatten die Schülerinnen und Schüler aller 2. Klassen der Alten Kanti die Gelegenheit, im Rahmen von massgeschneiderten Modulen spannende Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft kennenzulernen.
Die sage&schreibe-Redaktorinnen Amina Colombo, Alexandra Ihle, Ella Jost, Paynavi Punithakumar, Valeria Tomassini und Selina Wick
haben ausgewählte Module besucht und berichten hier von ihren Erfahrungen und Eindrücken. Weiterlesen

«Die Schönheit der Polyamorie besteht in der grenzenlosen Liebe»

Mehrere romantische Beziehungen zur gleichen Zeit leben wird als Polyamorie bezeichnet. Genau in so einer Beziehung lebt der Schotte Orion Toivonen, welcher bereit war einige Fragen zur Polyamorie zu beantworten. Dabei werden Themen wie Nähe, Liebe oder Eifersucht in polyamorösen Beziehungen behandelt.

Von Valeria Tomassini und Paynavi Punithakumar, G19A Weiterlesen

3 Gedichte mit Audio

Sterbender Sommer
Bernsteinbraune Augen
verlieren sich
in der weiten Menge
der warme Wind wirbelt
in meinem Haar
und roten Blättern
an der Ecke zum Park

Die Schönheit der Welt
liegt in den Zyklen
Geburt und Vergehen
und alles ein Anfang

Denn ich bin verliebt
in den Jungen
der im Café sein Buch liest
in die Mädchen an der Kreuzung
in die alte Dame am Zeitungskiosk

Und vielleicht
ist das Liebe auf Zeit.

—————-
Schwarzer Schnee
Du tanzt barfuss im Schnee
unter tintenschwarzer Nacht
unsere Atemwolken schimmern
im blassen Fensterlicht
wann bist du so schön geworden?

Jubelnde Silvestergäste
hier draussen hören wir sie nicht
zu zweit allein
jung und frei
du tanzt, ich sehe dich –
doch du

—————–
Graffito
I’m sorry I fell for you during a pandemic
steht oben geschrieben
an der düstergrauen Wand

Warum sind es immer fremde Menschen
die mir am vertrautesten sind?

Von Tabea Geissmann

Ein Quöllfrisch – und ab nach La Spezia

Ende November trafen sich drei weisse verheiratete Männer, mittleren Alters im Zimmer15 und diskutierten zwei Stunden lang mehr oder weniger erfolgreich über den BegriffLifestyle. Getrunken haben sie dazu ein Appenzeller Quellfrösch, welche einer der dreiaus einer weissen 5-Rappen-Plastik-Tüte des nahen Grossverteiler gezaubert hatte. Weiterlesen

Biryani Rezept

Von Paynavi Punithakumar, G19A

Reis:
2 Tassen Basmatireis -Reis waschen
3 Tassen Wasser
2TL Salz
1 kleines Stück Butter -Wasser, Salz, Butter und Safran aufkochen
2 Msp. Safran -Reis dazu geben
-Evtl. übrig gebliebenes Wasser vom Reis abgiessen

3 Karotten -Kartoffeln und Karotten in kleine Würfel schneiden und
2 Kartoffeln -mit Salz und Chillipulver gut durchmischen
1 TL Salz
Chillipulver (Menge je nach Schärfe)
Öl – In einer Pfanne zuerst Karotten frittieren, danach die Kartoffeln
50g Erbsen -Erbsen anbraten
Am Schluss den fertigen Reis mit dem Gemüse gut durchmischen.

Poulet-Curry:
2 grosse Zwiebeln -Zwiebeln in kleine Stücke schneiden und in einer Pfanne auf mittlerer Stufe anbraten
500 g Poulet Fleisch -Das Fleisch in mittelgrosse Stücke schneiden und wenn die Zwiebeln goldbraun sind, in die Pfanne geben.
1 ½ TL Salz -Nach etwa einer Minute mit Salz und rotem Curry würzen und Wasser dazugeben, anschliessend aufkochen lassen
Rotes Curry (nach Schärfe anpassen)
100 ml Wasser -Etwa zehn Minuten auf niedriger Stufe weiterkochen lassen
1/2 Zitrone oder Limette -Vom Herd nehmen und Saft der Zitrone oder Limette dazu pressen und gut umrühren. Reis mit dem Curry und mit gekochten Eiern servieren.

«Du kannst du sein»

Mark alias Kira Lafleur hat in der Kunst, in Drag zu performen, das Glück gefunden. Wir haben die 21-Jährige Aargauerin, eine Grösse in der Zürcher Drag-Szene, über Zoom zu ihrer nicht alltäglichen Kunst befragt und einen jungen Menschen kennengelernt, dem es ein Anliegen ist, seine Leidenschaft mit anderen Menschen zu teilen, aber auch Missverständnisse zu klären und mit Vorurteilen aufzuräumen. Weiterlesen

Die Alte Kanti in der grossen weiten Welt

Im Zeitalter der Digitalisierung ist es selbstverständlich, dass auch eine so alte und ehrwürdige Institution wie die Alte Kanti sich die Vielzahl von digitalen Möglichkeiten zu Nutze macht. sage&schreibe bietet hier eine Übersicht über die verschiedenen Arten, wie die Alte Kanti in der grossen weiten Welt auf sich aufmerksam macht. Weiterlesen

«Das Leben ist kurz, deshalb darf es auch intensiv sein»

Ein Künstler-Atelier, ausgestattet mit verschiedensten Werkzeugen. An den Wänden hängen nebst Tiergeweihen Fotos von Landschaften und unendlichen Weiten – aus Grönland oder Patagonien. Eines ist darauf immer zu erkennen: ein Mann, der sich ein Ziel gesetzt hat. Sei es als Expeditionsführer in der Arktis oder als Gleitschirmpilot mit einer Gämse als Passagier im Arm – seine Lebensart bedeutet Risiko. – Wir befinden uns im Büro von Thomas Ulrich. Und was für uns auf den ersten Blick nach Risiko aussieht, ist in Wahrheit detaillierte Planung. Weiterlesen

Lernen für das Klima

Es war das Buch «The Magic of Tidying-up», das Carla Opetnik den Anstoss für ihre besondere Lebensweise bot. Heute ist es Carla selbst, die ihre Mitmenschen «mit einer Prise Ungeduld» und grossem Engagement zum Nachdenken bewegen will, um die Welt ein Stück offener – grüner – zu machen. Ihre Leidenschaft vermittelt die Zürcher Studentin in zahlreichen Projekten wie «bonnieversum» oder «minimalwastezurich». Im Web-Interview bietet sie uns einen Einblick in eine alternative Welt –eine, welche die Bedeutung von Konsumverzicht thematisiert und den Begriff der «Nachhaltigkeit» in ein neues Licht rückt. Weiterlesen

Wir helfen dort, wo es uns braucht

Schon seit vielen Jahren gibt es an der Alten Kanti Aarau eine Schulkommission. Genau. Nur, was tut so ein Gremium? Und braucht es so was überhaupt? – sage&schreibe hat bei Dr. Ruedi Bürgi, ehemaliger Oberrichter und Präsident der Schulkommission, nachgefragt – und überraschende Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen unserer Schule bekommen. Weiterlesen

Wir haben die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte

Die Jenischen, oft auch «Fahrende» genannt, gehören zu einer Minderheit in der Schweiz, der von der Gesellschaft wegen ihrer Lebensart nicht selten mit Zurückhaltung, Misstrauen oder gar offener Ablehnung begegnet wird. Wir wollten genauer wissen, was das für ein Leben ist, wenn man während der Sommermonate mit der ganzen Familie von Ort zu Ort zieht. Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft Zürich und heute «sesshaft», hat sich unseren Fragen gestellt. Weiterlesen

Lifestyle

Beim Wort Lifestyle handelt es sich wortgeschichtlich um eine doppelte Entlehnung:
Zuerst übernahm das Englische den Begriff aus dem Deutschen, dann kam er als Rückentlehnung wieder ins Deutsche zurück.
Das Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache zeichnet den Weg des Wortes sehr präzise nach. Demgemäss wird der Begriff Lebensstil des Individualpsychologen Alfred Adler im Jahr 1929 auf Englisch mit «life-style» (mit Bindestrich) wiedergegeben. Erst ab 1946 erscheint lifestyle als eigener Eintrag im Oxford English Dictionary mit der Bedeutung «style or way of living». Das neue englische Wort verbreitet sich anschliessend über den Bereich der Individualpsychologie hinaus in den der Soziologie: Der Begriff Lebensführung von Max Weber wird 1958 mit «style of life» übersetzt, und Louis Wirth gibt seinem Aufsatz den Titel Urbanism as a Way of Life, deutsch: «Urbanität als Lebensform». Aus der Soziologie wird der Begriff lifestyle in die entstehende Konsum- und Werbeforschung übernommen und Ende der Achtzigerjahre zurück ins Deutsche entlehnt. Allerdings verengt sich dabei die Bedeutung: Im Englischen heisst lifestyle dasselbe wie das deutsche «Lebensstil», im Deutschen dagegen ist lifestyle ein Unterbegriff von «Lebensstil». Es bezeichnet einen «Lebensstil, der dem Zeitgeist entspricht und der der sozialen Distinktion dient». Lifestyle feiert das pulsierende Lebensgefühl der Stadtbevölkerung, die Mode und Design, Fitness und Wellness und ganz allgemein hochwertige, erlesene Konsumangebote schätzt.
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Im Kreis

Ziehen im Oberschenkel, Schmerzen im linken Knie. Toxische Männlichkeit, zumindest in Bezug auf den
Säurehaushalt der Beinmuskulatur. Dranbleiben! Dem Typen hinter mir gestehe ich so kurz vor der
Passhöhe kein Überholmanöver mehr zu. Die Lippen sind trocken, der Atem geht stossweise, das
Merinotrikot nimmt den Schweiss zuverlässig auf. Vorfreude auf die obligate Cola Zero auf einer
Scheitelhöhe von 2239 Metern.
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Treffpunkt Text 2021

Sie ist da – die zweite illustrierte Anthologie mit Texten von aktuellen und ehemaligen Schreibtalenten der Alten Kanti. – Ein Buch, das definitiv ins Regal aller Freunde von guter Literatur gehört.

Von Andreas Neeser, Redaktionsleitung

Der zweite Band der Reihe «Treffpunkt Text» enthält Geschichten und Gedichte von 14 Autorinnen:

Caroline Buck, Lena Franke, Tabea Geissmann, Tatjana Gligorevic, Hannah Hermann, Sarah Hunziker, Sophie Kuse, Anja Obrist, Skyla Rossi, Sofiya Schweizer, Priska Steinebrunner, Anna Sophia Stöckli, Olivia Studer, Sara Katarina Trailovic.

Künstlerisch bereichert wird die Textsammlung von der eigenständigen, ausdrucksstarken Bilderspur von Sebastian Samek.

Das Buch in englischer Broschur wurde in einer Auflage von 350 Exemplaren gedruckt und kann zum Preis von CHF 20 (CHF 10 für Schülerinnen und Schüler) auf dem Sekretariat erworben werden: info@altekanti.ch.

Weitere Texte von Schreibtalenten sind zu finden auf der Website von «Treffpunkt Text»: www.treffpunkttext.ch.

Zorro und die Panzerknacker

Ein Treffen ohne Maske in Zeiten von Corona? Schwierig. Es sei denn, man trifft sich im virtuellen Raum. Immerhin eine der wenigen Möglichkeiten, wieder mal ganze Gesichter zu sehen. Genau das haben eine Geografin und eine Sprachlehrerin der Alten Kanti getan. Dass der im Chatraum Microsoft Teams geführte Wortwechsel dann ausgerechnet um das Thema Masken kreist – wen wunderts! Weiterlesen

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona II

Als Rektor Dr. Andreas Hunziker Ende 2020 für sage&schreibe eine «Chronologie der Ereignisse» rund um die Corona-Pandemie skizzierte, zeichnete sich bereits ab, dass eine Fortsetzung unumgänglich sein würde. So präsentieren wir ein halbes Jahr später also Teil II dieser Chronologie, die zeigt, wie herausfordernd Corona-Management auch an der Alten Kanti ist. Weiterlesen

«Ich empfinde den Niqab für mich persönlich nicht als nötig»

Das Thema Verschleierung war schon immer Brennstoff für angeregte Auseinandersetzungen, und gerade seit der Abstimmung über das Verhüllungsverbot im März 2021 steht insbesondere der Niqab im Mittelpunkt der Diskussion. Maske? Erniedrigende Verhüllung? Oder religiöses Bekenntnis? –- Und was ist eigentlich mit dem Kopftuch?
Fatima Musliju, Schülerin einer dritten Klasse an der Alten Kanti und überzeugte Kopftuchträgerin, gibt Auskunft über ihre Überzeugungen, ihre Haltung zu Niqab und Kopftuch und über ihre Erfahrungen im Alltag.
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Larven sind keine Masken!

Einmal im Jahr ist es so weit – jeweils am Montag nach Aschermittwoch beginnen in den Strassen Basels mit dem Morgenstreich um vier Uhr früh die «drey scheenschte Dääg»: die Basler Fasnacht. Obwohl sie auch 2021 der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist, haben wir uns auf die Suche nach dem Geheimnis der berühmten Larven gemacht. Weiterlesen

Sonne auf dem Teller

Lichtnahrung bezeichnet verallgemeinernd und vereinfachend eine Ernährungsweise, bei der angeblich die Energie aus Sonnenlicht als Hauptnahrungsquelle dient. Dies ist Bestandteil eines esoterischen Konzeptes, das auch als «Breatharianismus» bezeichnet wird. Breatharianisten glauben, dass aus Licht alle lebensnotwendigen Stoffe gewonnen werden können. In Extremfällen verzichten sie deshalb auf die Aufnahme jeglicher herkömmlicher Nahrung, inklusive Flüssignahrung wie Suppen und Säfte. Weiterlesen

Zimmer 11


Vaters Hand umklammert meine. Er hält sie ungewohnt fest, so dass die zarten Fingerchen meiner Kinderhand fast abgedrückt werden. Die freie Hand folgt der weiss gestrichenen, rauen Wand. Wieder biegen wir um eine Kurve, diesmal wenden wir uns nach rechts und folgen den nummerierten Zimmertüren. Alle diese Türen haben denselben grau glänzenden Knauf, dieselbe weiß lackierte Oberfläche. Unsere Schritte eilen uns voraus, ergießen sich vor uns in den fast menschenleeren Gang und hallen von den kalkweißen Wänden. Vereinzelte Gestalten, in weiße Kittel gehüllt, fließen ruhig wie kleine Rinnsale von einem Zimmer ins nächste. Ansonsten ist es bedrückend still. Wir folgen weiterhin dem immer enger werdenden Flur. Ich weiß, wohin dieser Weg uns führen wird. In meinem Kopf schwappen die Gedanken wie eine dicke Flüssigkeit von der einen Wand zur anderen, klatschen gegen das Innere meines Kopfes, so dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann. Die Schlinge um meine Hand zieht sich noch enger zusammen und zerrt mich unerbittlich weiter. Da! Hier ist sie! Kalt, ohne Farbe, ohne Gefühl, versperrt sie uns den Weg ins Zimmer. Aha, Zimmer 11. Ich blicke hoch in das Gesicht meines Vaters. Aschfahl, kaum lebendig, schwebt es dort oben. Die Sorgen haben tiefe Falten in sein Gesicht gefressen. Langsam, ganz langsam, löst er den Griff um meine Hand, dreht den Türknauf nach links und stößt sachte die Tür auf. Seufzend gibt sie den Weg ins Zimmer frei. Ganz behutsam, als würden wir über zartflauschige Wolken waten und ihnen ja keine Delle verpassen wollen, treten wir ein. Hinter uns fällt die Tür kaum hörbar ins Schloss. Kühles Mondlicht ist die einzige Lichtquelle in diesem vor Kummer und Schwärze geradezu überquellenden Krankenzimmer. In seinem Schein erkenne ich Trauernde, zwei tuscheln leise zusammen, den Rücken dem Krankenbett zugewandt. Ich weiß, wo dieses Krankenbett steht, rechts in der Ecke des Raumes steht es. Links an der Wand, welche meine Schulter streift, stehen zwei hölzerne Stühle und ein kleiner runder Tisch. Rechts befindet sich das karg eingerichtete Bad, zu welchem die Tür jedoch geschlossen sein wird. Ich bin mir sicher, dass sie geschlossen ist, weil sie immer geschlossen war, wenn wir zu Besuch kamen. Aber vielleicht ist sie es heute ausnahmsweise doch nicht? Ich widerstehe der Versuchung, nachzusehen. Mein Blick klebt nun an der gelblich schimmernden Zimmertapete über dem Ort, wo das Bett steht. Ich will sie nicht sehen! Nicht so! Mein Herz pocht. Und dann auch noch diese Stille, diese alles verwüstende, mich auffressende Stille! Sie ist unerträglich. Gierig steuere ich auf die geschlossene, sauber geputzte Fensterfront zu. Luft ! Der Gedanke an frischen, noch nicht vom Gram weggeatmeten Sauerstoff tobt in meinem Kopf. Doch plötzlich…verweinte Augen, rötlich glänzend, die Lippen zusammengepresst. Ein Mann taumelt auf mich zu, seine Augen klammern sich hilfesuchend an meinen fest, während sich seine wulstigen Finger in das Fleisch meines Oberarmes graben. Doch ich fühle den Schmerz nicht, nicht diesen. Sobald er mich erreicht hat, presst er mich an sich. Mein kleines Gesicht gräbt sich in einen rundlichen Bierbauch. Der raue Stoff des weißen Hemdes streicht über meine Wange. Und da ist sie! Eine einzelne Träne muss sich aus meinem Auge gekämpft haben, denn sie kullert über meine Wange und zerfließt im Stoff. Als der Mann sich schwerfällig von mir löst und sich auf einen der beiden Stühle fallen lässt, spüre ich die Trauer. Sie hatte sich unbemerkt wie ein Tuch über mich und alle hier in diesem Raum gelegt, uns isoliert von aller Freude. Weitere Tränen strömen in unregelmäßigen Abständen über meine Wangen auf den Hals. Benommen wanke ich in Richtung des Betts, um sie zu sehen, mich ein letztes Mal zu verabschieden. Doch während ich mich zu ihr vorkämpfe, ruht mein Blick auf den Sternen draußen am beruhigenden, dunkelblauen Nachthimmel. Der Mond ist aufgegangen, die goldenen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. Dieses Lied, welches sie, wie auch mein Vater, mir zu singen pflegte, fällt mir ein. Die Melodie hallt durch den Raum, umfließt die Silhouetten aller Anwesenden und taucht sie in goldenes Licht. Doch nur für einen kurzen Augenblick. Dann erreiche ich das Totenbett, wo mich Vater auf seinen steifen Schoss hebt. Sein Dasein fängt mich auf, bewahrt mich davor, in der Verlustangst zu ertrinken. Er gibt mir die Kraft, sie anzusehen. Sie liegt auf der geblümten, fein säuberlich gefalteten Bettwäsche. Die kurzen Haare sauber zurückgekämmt, das Kinn mit Hilfe einer Stütze in Position gehalten, ruht sie auf dem Bett. So schön hergerichtet wie sie ist, wirkt sie wie eine Statue. Ich lasse den Blick über ihre blassblau angelaufenen Lippen gleiten und folge ihren unebenen Wölbungen. Ob sie Durst hat? Oder Hunger? Sie muss sicherlich ganz dringend ins Bad! Ist ihr vielleicht kalt? Liegt sie denn auch ganz bestimmt bequem? Die Augen wandern weiter, über den von Adern durchzogenen Hals bis hin zur Brust; sie hebt und senkt sich nicht mehr. Die Luft muss ihre vom Krebs zerfressene Lunge vollständig verlassen haben. Ihre Hände und Arme umrahmen den schmächtigen Oberkörper. Die kraftlosen Beine, in schwarze Hosen gezwängt, stramm gestreckt, hindrapiert. Noch einmal, ein letztes Mal, beginne ich sie von Kopf bis Fuß mit meinen Augen abzutasten, mir jedes Detail ihrer letzten Erscheinung einzuprägen. Die glatte Stirn, die filigranen, mit Perlen geschmückten Ohren, ihren Lieblingspullover. Ein schwarzer Strickpullover aus Baumwolle mit einem eingenähten, weißen Hemdkragen. So zufrieden wie sie hier liegt, mit geschlossenen Augenlidern, befreit von ihrer Erschöpfung, könnte man meinen, dass es einfacher sei, sie gehen zu lassen. Doch in Wahrheit starrt mich das fürchterliche Gesicht des Todes an. Es ist kaum zu ertragen! Ob ich sie noch ein letztes Mal berühren darf? Ehrfürchtig lege ich meine Hand auf die ihre. Sie ist eiskalt! Diese Kälte, die Kälte des Todes, versetzt mir einen Schrecken, jagt über die Fingerspitzen meinen Arm hinauf direkt in das vor Qual und Kummer zu zerbrechen drohende Herz. Ich zucke zurück, nur, um sie dann noch einmal fester zu halten. Ihr ist bloß kalt, ich muss ihre Hand nur kurz wärmen. Warum sagt sie denn nicht, dass sie friert? Erst als mein Vater meinen kleinen Körper sanft hochhebt, löst sich die nun kalte Kinderhand von der ihren. Bevor sich die Tür hinter uns schließt, erhasche ich einen letzten Blick auf den Sternenhimmel. Der Mond ist aufgegangen die goldenen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. «Papa, wo ist sie jetzt?», flüstere ich in sein Ohr. Er hält inne, dann hebt er mich auf die andere Seite seiner Hüfte und geht wortlos weiter. Draußen zeigt er auf einen Stern, den hellsten aller Sterne. «Siehst du diesen Stern dort oben? Dort ist sie jetzt.»

Von Sophie Kuse

Verschwörungstheorien III: Warum den Illuminaten bald die Welt gehören könnte

Immer wieder werden die sogenannten Illuminaten für die verschiedensten bizarren Ereignisse verantwortlich gemacht. Die Gruppe, zusammengesetzt aus den einflussreichsten Menschen der Welt, soll nämlich im Untergrund an einer neuen Weltordnung arbeiten. Was steckt tatsächlich hinter dem mutmasslichen Sündenbock für ungewöhnliche Geschehnisse? Weiterlesen

Gespiegelt


«Du hast mein Leben zerstört, Marah. Das werde ich dich nie vergessen lassen!»

Marah weicht vom Spiegel zurück. Ihr Spiegelbild funkelt sie aus kalten, grünen Augen an. Das waldgrüne Kleid schmiegt sich an ihre helle Haut. Sorgfältig streicht sie eine nicht-vorhandene Falte aus dem Kleid. Ihr Gesicht ist blass. Die kastanienbraunen Haare sind zu einem strengen Knoten zurückgebunden. Eine einzelne Haarsträhne sträubt sich widerspenstig, doch erfolglos – Marah streicht sie mit einer schnellen Handbewegung zurück an ihren Platz. Sie mag keine Unordnung. Alles muss absolut perfekt sein – und zwar immer!

Sie wendet sich vom Spiegel ab und begibt sich nach unten. Nolan wartet schon auf sie an der Eingangstür. Er trägt einen dunkelgrünen Anzug, abgestimmt auf ihr Kleid. Alles passt, alles ist perfekt.

Nach einigen Minuten Fahrt kommen sie an ihrem Zielort an. Vor dem majestätischen Gebäude steht eine Limousine neben der nächsten, eine schöner und imposanter als die andere. Mit ihrem Ehemann am Arm stolziert Marah durch das mächtige Eingangstor. Heute sollte sie endlich geehrt werden für all die harten Jahre voller Arbeit, die sie in ihren Beruf gesteckt hat. Nolan strahlt voller Stolz, während er neben der Top-Immobilienmaklerin der Stadt – wenn nicht sogar des Landes – steht. Sie kann alles verkaufen, und sie kann es an jeden verkaufen. Niemand schlägt ihr ein Angebot aus.

Das Telefon klingelt. Marah wendet sich ab und entfernt sich einige Schritte von den anderen. Sie hebt ab.

«Eine Insassin des Ignatium – Staatsgefängnisses versucht Sie zu erreichen. Um anzunehmen, drücken Sie bitte die Eins. Wollen Sie ablehnen, drücken Sie die Nummer Zwei.»

Nein, nicht heute. Sie drückt die Zwei und nimmt das Telefon vom Ohr. Als sie sich wieder gefangen hat, schreitet sie bestimmt zurück zum Gespräch, und zu ihrem Mann.

Doch Marah ist alles andere als gefasst. Ihre Hände zittern kaum merklich, aber sie zittern. Ihre Haut fühlt sich heiss an. Gott, schwitzt sie etwa? Das kann doch jetzt nicht sein! Marah entschuldigt sich und eilt einem Tablett Champagner hinterher. Champagner, der wird sie jetzt beruhigen. Doch nach einer halben Stunde Smalltalk mit einigen Anwesenden ist sie alles andere als gelassen.

Endlich ist es soweit. Ihr Chef führt die versammelte Menge in einen riesigen Saal. Die Wände sind mit einem blutroten Vorhang abgedeckt. Rot – was für eine schreckliche Farbe. Sie bringt so viel…Zerstörung. Marah ist noch immer heiss. Ihre zittrigen Hände klammern sich an ihr bereits viertes Champagnerglas. Dann beginnt die Rede. Es ist eine Laudatio von ihrem Chef, doch sie hört sie gar nicht. Ihr ist heiss. So heiss. Wieso nur? Das passt gar nicht zu ihr. Sie hat immer alles unter Kontrolle. Bei ihr läuft immer alles nach Plan.

Klatschen. Ja, die Leute klatschen. Sie steht in der Mitte des gigantischen Raumes. Nolan lächelt ihr zu und hebt sein Glas in die Höhe. Alle andern tun es ihm gleich. Dann fallen die Vorhänge. Und da sind sie. Spiegel. Aus der Ferne hört sie ihren Chef sagen, dass sie heute nur sich selbst sehen soll. Sie stehe heute im Mittelpunkt, sie habe es sich verdient. Doch Marah sieht nicht sich…sie sieht Naira. Naira ist überall. In welchen Spiegel sie auch schaut, eine Erinnerung starrt zurück.

Die Spiegel kommen näher, immer näher.

Stop!

Vergeblich. Marah streckt ihre Arme von sich, will die Spiegel auf Distanz halten, doch sie halten nicht an. Nein, sie verschlingen sie.

Rauch. Marah erkennt den beissenden Geruch sofort. Wie könnte sie vergessen, wie er riecht…nach allem…. Dann hört Marah sie. Die Schreie. Wie in jener unheilvollen Nacht. Dieses Feuer…es ist so heiss. Aber sie ist an der Gala, da ist kein Feuer. Plötzlich sieht sie Naira. Naira sollte nicht hier sein – nein, sie kann nicht hier sein. Und trotzdem versucht sie, ins Haus zu gelangen. Doch das ist unmöglich. Niemandem im Haus könnte sie mehr helfen.

Nein, Naira, es hat keinen Sinn! Es ist zu spät!

Aber wir müssen doch….

Nein!

Die Sirenen der Feuerwehr sind zu hören. Angst steigt in ihr auf. Marah spürt, wie das Gewicht ihres Rucksacks sie nach unten zieht. Er ist so schwer, sie kann – und will – diese Last, die er mit sich bringt, nicht mehr tragen. Sie lässt ihn fallen.

Die Feuerwehr ist dabei, das Feuer zu löschen. Rettungskräfte gehen ins Haus, um nach den Eltern von Marah und ihrer Zwillingsschwester Naira zu suchen. Doch finden können sie nur noch ihre Körper. Ihre Seelen sowie die Erinnerung an sie werden für immer im Haus sein, in den Spiegeln – das ist zumindest das, was ihre Mutter immer zu sagen pflegte: «Unsere Erinnerungen an diejenigen, die nicht mehr bei uns sind, werden wir nie verlieren, Marah. Wenn wir in einen Spiegel sehen, werden wir uns erinnern, denn wir tragen sie in uns. Für immer.»

Nie glaubte Marah tatsächlich an diese Geschichte, aber an diese unheilvolle Nacht wird sie sich für immer erinnern können. Kein Spiegel wird sie das je vergessen lassen. Denn ihr ganz persönlicher Fluch macht das unmöglich. Wo auch immer sie sich sieht, sieht sie auch ihre Zwillingsschwester, und ihr Anblick wird sie nie vergessen lassen, was sie ihr in dieser Nacht angetan hat.

Die Feuerwehr löscht das Feuer. Sie sind sich sicher, dass es Brandstiftung war. Dann finden sie einen Rucksack. Marah’s Gesicht ist von Tränen aufgeweicht. Eine unscharfe Gestalt fragt sie, ob sie wisse, wem der Rucksack gehöre. Und da ist sie wieder – die Angst.

«Naira.»

Sie spürt, wie ein Arm um sie gelegt wird. Es ist Nolan. Marah klammert sich an ihn. Sie schaut in die Spiegel rund um sich herum. Und dann in die Gesichter der Menschen, die sie erwartungsvoll anschauen.

«Wo warst du?»

«In den Spiegeln.»

«War Naira da?»

«Ja, sie ist immer in den Spiegeln Nolan. Immer.»

«Dann lass sie dort. Lass die Erinnerung an sie in den Spiegeln.»

Sie nickt und richtet sich auf. Mit geradem Rücken steht sie in der Mitte des Saales. All diese Menschen sind ihretwegen hier. All diese Menschen wollen, dass sie etwas sagt. Ihre Hände zittern nicht mehr. Da ist eine Ruhe, die sich über sie selbst, aber auch über den ganzen Saal legt.

Ihre Vergangenheit ist genau das – in der Vergangenheit. Genauso wie ihre Schwester. Dagegen kann sie nichts tun. Jetzt nicht mehr. Diese Geschichte, die sie so lange unterdrückt hat, ist jetzt vorbei. Genauso wie diese Erinnerung. Nie wieder wird sie daran denken. Sie ist am Höhepunkt ihres Lebens und nichts und niemand wird ihr das ruinieren. Erst recht keine Erinnerung oder irgendein Spiegelbild. Das wird sie schlicht und einfach nicht zulassen. Ihr Leben, ihre Kontrolle.

Ihr Blick schweift über die Menschen. Ihre Worte nehmen den ganzen Saal ein. Da ist sie wieder.

Mit einer eleganten Bewegung hebt sie ihr Champagnerglas und alle stossen an. Marah lächelt. Es ist ein aufgesetztes Lächeln, doch das bemerkt niemand. Noch nie hat es jemand bemerkt. Für alle ist es ein perfektes Lächeln. Ein perfektes Lächeln für einen perfekten Abend in einem perfekten Leben.

Von Skyla Rossi

Armenien – Der Krieg und die gleichgültige Welt

Armenien ist mein Heimatland. Es ist eines der ältesten Länder der Welt, mit einer Geschichte, die bereits 3000 vor Christus anfängt. Das heutige Armenien bildet mit etwa 29.7km2 einen sehr kleinen Teil des historischen Armeniens. Wie auch andere Länder hat mein Heimatland in seiner Geschichte Kriege, Gewinne und Verluste erlebt. Weiterlesen

Peace


Dicker schwarzer Edding wasserfest auf fast allen Materialien, auch auf dem Fensterglas der Strassenbahn. Der Junge steckte ihn wieder ein, schulterte seinen Rucksack aufs Neue, wartete genauso lange bis die blecherne Stimme verkünden liess: «Nächster Halt Kunsthaus», kramte dann ein Taschentuch aus einer seiner unzähligen Hosentaschen und liess damit die Träne aus seinem Gesicht verschwinden. Er streckte seinen Rücken durch, schob die letzte seiner widerspenstigen Strähnen unter die alte Mütze seines Vater, starrte noch ein letztes Mal auf seinen Schriftzug und trat mit einem angestrengten Lächeln aus der Strassenbahn auf die wartenden Menschen zu. Er würde das Wochenende schon irgendwie überstehen, wenn er ihnen keine Angriffsfläche bot.

Was hatte der Junge mit der hässlichen Mütze bloss an dieser Scheibe gefunden? Die junge Frau verdrehte die schwarz umrahmten Augen, als sie das mickrige, unsicher wirkende «PEACE» in der unteren Ecke des Fensters sah. Nicht gut genug für meinen Account, dachte sie, stieg ein, zog sich die Kopfhörer wieder über die Ohren und schaltete die gleiche Musik wie immer ein. Das laute Schlagzeug übertönte den leisen Ton der Fussglocke, auf die sie versehentlich trat. Sie drückte weiter auf ihrem Handy herum, staunte über eines der Bilder auf Instagram – «SCHEISS SYSTEM» war dort riesig auf eine Wand geschmiert – und hinterliess ein Herzchen, während sie gedankenverloren mit einer ihrer blonden Strähnen spielte.

Eine ältere Frau rannte auf die Bahn zu, hämmerte hektisch auf den grünen Knopf neben der sich schliessenden Türe. Sie durfte sich nicht schliessen…! Erleichtert stolperte sie die drei Stufen hinauf, drängte eine Jugendliche zur Seite und klammerte sich an einer der Metallstangen im Eingangsbereich fest. Ohne etwas wahrzunehmen starrte sie aus dem Fenster. Sie musste nach Hause aufs Land fahren, einkaufen und kochen. Hätte ihr Chef sie doch bloss nicht so lange im Büro aufgehalten, sie musste rechtzeitig fertig werden, um ihre Kinder zu begrüssen. Sie fasste sich an die Stirn, als ihr klar wurde, dass sie ihre Jacke im Büro vergessen hatte. Sie atmete tief durch und sah auf ihre goldene Armbanduhr, deren Zeiger sich viel zu schnell bewegten. Sie fluchte. Sie musste doch den Zug noch erwischen, warum fuhr die Tram denn so langsam! Sie sprang aus dem Waggon, kümmerte sich nicht darum, dass sie einige Leute anrempelte und rannte mit einem letzten hektischen Blick auf ihr Handgelenk auf die Gleise im Hauptbahnhof zu.

Mit einem leisen Ächzen hievte sich der Mann mit der Aktentasche in der Hand in die Tram. Warum konnten diese Irren nicht einmal aufpassen. Diese Woche war er nun schon drei Mal fast über den Haufen gerannt worden. Mit blitzenden Augen sah er sich um. Schon wieder lag am Boden eine dieser stinkenden Getränkedosen und das Fenster direkt neben ihm war auch schon wieder vollgeschmiert. «PEACE», pah, als ob es das jemals geben würde, das hatte es noch nie gegeben! Er konnte diesen Saustall nicht dulden, suchte verzweifelt nach etwas, was er dagegen tun könnte. Er fand nur einen Kugelschreiber, aber er hatte nicht vor aufzugeben! Wütend versuchte er den Schriftzug zu übermalen, von ein paar Kratzern abgesehen, gelang es ihm jedoch nicht. Er schmetterte den zerbrochenen Plastikkugelscheiber auf den Boden, als er bemerkte, dass er ihn etwas zu sehr strapaziert hatte, kickte nach der Getränkedose am Boden und stieg aus. Innerlich wild fluchend über die respektlose moderne Gesellschaft.

Das kleine Mädchen wartete ein wenig, bis es sicher sein konnte, dass der Anzugträger nicht zurückkommen würde und verliess dann seinen Sitz. Die Strassenbahn fuhr unsanft an, während das Kind sich vor dem Fenster, genau dort, wo zuvor der Mann gestanden hatte, auf die Zehenspitzen stellte und sich die fünf schwarzen Buchstaben ansah. P-E-A-C-E, was das wohl hiess? Vorsichtig kramte es aus seiner Schultasche einen violetten Filzstift und malte eine Blume hinter das Wort. Das Mädchen lächelte, als es aus der Tram stieg. Endlich hatte das Wochenende begonnen.

Von Carla Reuter

Mondlicht

Abnehmend, zunehmend, voll, leer. Der Mond hat viele Gesichter und weckt seit dem Beginn der menschlichen Existenz unsere Neugierde. Es existieren etliche Mythen über den hellsten Himmelskörper am Nachthimmel. Der wohl bekannteste ist der des schlechten Schlafs. Nicht selten wird eine unruhige Nacht auf den vollen Mond geschoben. Auch manche Kritiker, die von unwissenschaftlichen Deutungen sonst nicht viel halten, geben zu, dass sie dann schlechter schlafen. Aber was steckt wirklich dahinter? Weiterlesen

Հայաստան – Պատերազը և անտարբեր աշխարհը

Հայաստանն իմ հայրենիքն է։ Այն աշխարհի ամենահին երկրներից է, որի պատմություը սկսվում է դեռևս մեր թվյարկությունից առաջ երրորդ հազարամյակից։ Ներկայիս Հայաստանը կազմում է պատմական Հայաստանի միայն շատ փոքր մասը, մոտ 29,7 km2։ Մյուս պետությունների նման Հայաստանն էլ պատմության ընթացքում ունեցել է տարբեր պատերազմներ, հաղթանակներ, պարտություններ։ Մեր պատմության ամենատխուր էջը թերևես հայոց ցեղասպանությունն է, որը կազմակերպվեց 20-րդ դարի սկզբին թուրքական իշխանության կողմից և որի ժամանակ կոտորվեցին ավելի քան 1,5մլն հայեր։ Weiterlesen

Von Lichtern und Nachttöpfen

Zu «Licht» ist das meiste schon gesagt. Wenigstens vom literarischen Standpunkt aus. Kein Schriftsteller, von der Zeit auf den Sockel gehoben, der nicht irgendetwas übers Licht gesagt hätte. Seitenweise könnte ich sie hier abfeiern, von Novalis über Mörike bis zu Michael Krüger. Allerdings, selbst wenn schon alles gesagt wurde, sind wir doch, wir Allwissenden, wir Herren dieser Welt, Beherrscher aller Feuer, stets aufs Neue gebannt, wenn Helios, Sohn des Hyperion und der Theia, seine Pferde schirrt und gleissend ins Firmament steigt, auch wenn wir couldn’t say exactly where the night became the day*, um nun doch einen dieser Dichter zu zitieren, wenn auch keinen deutschsprachigen. Unabhängig aber, wie weit sich unsere Spezies von ihrem Urgrund entfernt, sie bleibt doch bis zum heutigen Tag gebannt vom archaischen Schauspiel der Sonnenauf- und -untergänge, zwar weniger als Pendlerhorde abends auf den Bahnhöfen denn als Pauschaltouristen beim Sundowner in der Ägäis. Womöglich eine Alterserscheinung, dass mir der Sonnenaufgang mittlerweile näher liegt als der Untergang. Und so stehe ich frühmorgens immer wieder draussen im Dämmerlicht und harre der Sonne, deren tägliches Rührstück ich freilich nur im Winterhalbjahr bezeugen kann; im Sommer geht sie bekanntlich mitten in der Nacht auf. Weiterlesen

Kleines neues Virus versus grosse Alte Kanti

Als am 13. März nachmittags die Meldung die Runde macht, dass die Schulen ab der kommenden Schulwoche schliessen würden, ertönt in den Gängen der Schulgebäude das Jubelgeschrei der Schülerinnen und Schüler: Ferien! Und dann erst noch auf unbestimmte Zeit! Jeder Gedanke an das für diese «Ferien» verantwortliche Virus und die unabsehbaren Folgen im Gesundheitswesen oder in der Gesellschaft, jeder weiterreichende Gedanke scheint in diesem Moment sekundär. Weiterlesen

Das Abo


Ich starre auf die Rechnung und überfliege erneut die Mitteilung. Offene Rechnung … Bitte begleichen Sie diese innerhalb von 30 Tagen. Mit einer Hand schliesse ich den Briefkasten und mit der anderen taste ich nach dem Schlüssel in meiner Tasche.
Ich hebe den Kopf, als Frau Roths Stimme von der anderen Strassenseite zu mir herüberhallt.
«Was schauen Sie denn so erschrocken, Frau Hauser? Haben Sie etwa ein Gespenst gesehen?»
Ich räuspere mich.
«Nein, nein, alles in Ordnung. Nur die Handyrechnung meines Sohnes – Sie wissen ja, wie Jugendliche sind.» Weiterlesen

Wege zum Erfolg ermöglichen

Der aktuelle Newsletter unserer Schule ist mit «Die Alte hat einen Neuen» überschrieben: Ja, wir haben einen neuen Rektor! Ebenfalls auf der Shortlist für den Titel war: «Die Alte hat eine Neue» – nämlich eine neue Schulleitung. Gleich zu dritt haben wir diesen August in unseren Funktionen in der Schulleitung begonnen. Und ich freue mich, innerhalb der Schulleitung die Wirtschaftsmittelschule und die Informatikmittelschule sowie weitere Ressorts wie etwa die der externen Kommunikation mit zahlreichen Anlässen betreuen zu dürfen. Weiterlesen

Flair im János-Tamás-Haus

Auf dem Parkplatz der Alten Kanti, genauer: vor dem Tamáshaus, steht wie immer eine Honda oder ein ähnlich schwerer Töff. Er ist ein Schauobjekt, das auch an einem warmen Sommernachmittag die Aufmerksamkeit von neugierigen Schülern, nein, nicht von Schülerinnen, auf sich zieht. Gerade hat Petra für heute die letzte Unterrichtsstunde beendet, tritt aus dem János-Tamás-Haus und geht in Richtung ihres Fahrzeugs. Dort angekommen, wird sie mit bewundernden Augenpaaren und folgendem Ausruf empfangen: «Wow, gehört dieser Töff dir?» Der Schüler, welcher zuvor bei Petra Unterricht hatte, ist auch bereits da. «Ihr dürft sie doch nicht duzen, sie ist meine Posaunenlehrerin», platzt es aus ihm heraus. Petra hingegen reagiert mit einem Schmunzeln. – Diese Episode aus den neunziger Jahren passt hervorragend zu Petra Bachmanns Charakter. Ihre Spontanität ist wie eine Blume, die sich öffnet, aber überlegt und aufmerksam, denn sie duftet nur, wenn das Umfeld für Petra stimmt.


[Bild: Sarah Böhler]

Wenn die Posaunistin im János-Tamás-Haus war, dann spürte man es im Nordteil oder im Lehrerzimmer durch die Wände hindurch. Es war nicht ihr «profumo», es war ein freundlicher Blick, ein Lachen oder ein aufgewecktes Wort, welches wie ein fröhlicher Luftzug durch die Räume hallte.

Petra Bachmann, aufgewachsen in Bayern, unterrichtete an der Alten Kantonsschule Aarau während nicht weniger als 35 Jahren Posaune und zeitweise auch Klavier. Bei den Schülerinnen und Schülern erfreute sich Petra mit ihrer fröhlichen, frischen und kommunikativen Art grosser Beliebtheit. Das Resultat dieses motivierenden Unterrichts mit Herzblut und pädagogischem Können kam besonders in den öffentlichen Ensembleauftritten zur Geltung. Das Publikum durfte stets in abwechslungsreiche Klangwelten eintauchen.

Auf die Frage, welches Fach Petra neben ihrem Instrument noch unterrichten möchte, sagt sie spontan: «Sport, da Musik und Bewegung zusammenpassen.»

Als Posaunistin hat Petra eine vielseitige Karriere hinter sich. Sie spielte 30 Jahre lang im Aargauer Sinfonie-Orchester und war im Opernhaus in Zürich als Zuzügerin tätig. Sie absolvierte auch ein Studium in Blasmusikdirektion und dirigierte danach mehrere Jahre eine Brass Band. Zudem spielte sie im Blechbläserquartett AROWE BRASS, u.a. mit dem Trompeter André Wey. Der unterwartete Tod dieses geschätzten Kollegen vor einigen Jahren hat Petra sehr erschüttert. Die Musik hat ihr geholfen, diesen Schmerz zu verarbeiten und mit Hingabe ihren Unterricht fortzusetzen.

Ihrer Wahlheimat Schweiz bleibt sie auch nach der Pensionierung treu: «Meine Lieblingsstadt ist nur ein Städtchen und es heisst Sempach. – Sempach hat Geschichte, Charakter und Charme. Die Menschen sind nett, es ist für mich schnell erreichbar und es liegt am herrlichen Sempachersee, wo es vermutlich schweizweit die schönsten Sonnenuntergänge gibt.»

Wir wünschen Petra für Ihre Zukunft von Herzen alles Gute, vor allem spannende Highlights auf allen Ebenen und Horizonten bei ihren Trekkingvorhaben in den Schweizer Alpen.

Als Kollegin werden wir Petras Ausstrahlung vermissen, aber uns bleibt eine schöne Erinnerung an eine wache und spontane Kollegin.

Unserer Fachschaft gibt Petra übrigens Folgendes auf den Weg: «Haltet zusammen, unterstützt euch und hört euch gegenseitig zu. Seid euch immer bewusst, dass ihr mit eurer Arbeit den Schülerinnen und Schülern etwas vom Schönsten weitergeben dürft: die Liebe zur Musik.»

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Von Esther Flückiger, Klavierlehrerin

«Eine Schule wie vor 25 Jahren – das wäre heute undenkbar»

Zur Pensionierung von Rektor Martin Burkard

Martin Burkard verlässt die Alte Kanti. Nicht weniger als 36 Jahre hat er an der ältesten Kantonsschule der Schweiz gewirkt, anfangs als Lehrer für Deutsch und Latein, während der letzten 22 Jahre hat er die Geschicke der Schule geleitet. Mit Martin Burkards Pensionierung geht eine Ära zu Ende. Versuch einer Bilanz im Gespräch. Weiterlesen

Être und avoir oder Das Wesen der Bildung

Être und avoir? Da denken die meisten wohl zuerst einmal an Lektionen, in denen die beiden Hilfsverben geübt und in allen zu kennenden Tempi und Modi durchkonjugiert werden. Es mag wenig erstaunen, wenn eine Französischlehrerin einen Text im «sage&schreibe» mit den beiden Verben beginnt und diesen sogar noch einen prominenten Platz im Titel des Textes zugesteht: Es sei mir erlaubt, siebzehn Jahre Französischunterricht – und natürlich ganz grundsätzlich die Faszination für mein Fach, die mich immer noch begleitet – in den folgenden Gedanken nicht ganz aussen vor zu lassen. Die Konjugation kann dabei aber für einmal getrost vergessen werden. In den grundsätzlichen Gedanken einer Prorektorin zu Schule und Bildung ist eine weit allgemeinere Warte gefragt. Was also haben sein und haben mit Bildung zu tun? Sehr viel. Weiterlesen

Der Lehrer und die Lücke

Zur Pensionierung von Roland Latscha

Geht einer wie Roland Latscha nach siebenunddreissig Jahren als Deutsch- und Philosophielehrer in den Ruhestand, ist man versucht, auf die Lücke hinzuweisen, die so einer hinterlässt. Dass es sich dabei um eine grosse Lücke handelt, versteht sich von selbst, nicht zuletzt in Anbetracht der ungewöhnlich langen Dienstzeit. Weiterlesen

Kapitän und humorvoller Menschenfreund

«Mein erstes gemeinsames Unternehmen mit Martin Burkard war eine Schulreise. Wir ahnten damals nicht, dass dies der Anfang einer intensiven Zusammenarbeit und herzlichen Freundschaft werden sollte. 14 Jahre später wurde Martin Rektor der AKSA, gerade als MAR 95 umgesetzt werden sollte. Ich wurde als Konrektorin sofort in die politischen und pädagogischen Auseinandersetzungen einbezogen. Wir waren stark gefordert, das Schiff MAR durch die hoch gehenden Wogen zu steuern. Ich erlebte Martin als besonnenen Kapitän, der sich nicht vom Kurs abbringen liess, und war stolz darauf, ihn unterstützen zu dürfen. Martin, es war schön, mit dir zusammen zu arbeiten!»

Silvia Bonati
Deutschlehrerin von 1968-2005
Konrektorin von 1995-2007

«Caesar, Commentarii Belli Gallici, Seneca, Ad Lucilium Epistulae Morales, Vergil, Aeneis – diese drei Bücher sind neben meinem Maturitätszeugnis die einzigen Relikte aus meiner Zeit an der «Alten Kanti» in Aarau. Damit verbunden sind tolle Erinnerungen an den jungen, beliebten und mitreissenden Lateinlehrer Martin Burkard, von dem man schon nach der ersten Lektion wusste, dass er eine grosse Leidenschaft für die Werke von Friedrich Dürrenmatt und den Fussballclub Grasshopper Zürich hegte.»

Andreas Bachmann
Rechtsanwalt
Schüler an der Alten Kanti Aarau von 1984-1988

«Ich habe mit Martin Burkard zwischen 2010 und 2016, während wir als Rektoren den beiden Aarauer Kantonsschulen vorstanden, eng zusammengearbeitet. Ich habe Martin in diesen Jahren als hilfsbereiten und sehr erfahrenen Kollegen, der mir immer wieder zur Seite stand, kennen und schätzen gelernt. Martin war nie belehrend, vielmehr zeigte er mögliche Wege und Herangehensweisen auf, was bei mir zu zahlreichen interessanten und erhellenden Einblicken führte. Ich verdanke Martin Burkard viel.»

Daniel Franz
Rektor Kantonsschule Baden

«Mit Martin Burkard geht ein Rektor in Pension, der sich über Jahrzehnte hinweg mit enormer Hingabe und viel Leidenschaft nicht nur für die Alte Kantonsschule, sondern für den gesamten Mittelschulbereich im Aargau eingesetzt hat. Ich danke Martin Burkard für seine Arbeit, seine Loyalität und seine grossen Verdienste für die Bildung in unserem Kanton und wünsche ihm alles Gute für seinen neuen Lebensabschnitt.»

Regierungsrat Alex Hürzeler
Vorsteher Departement Bildung, Kultur und Sport

«Martin habe ich als blitzgescheit, einsatzfreudig und hilfsbereit kennen gelernt. Als ich ihn anfragte, als Bearbeiter der Umsetzung der MAR Vorgaben ins BKS zu kommen, war er sofort bereit dazu. Viele weitere Eigenschaften Martins traten zutage, er war zuverlässig, führungsstark, zuvorkommend, ziel- und lösungsorientiert, seine Sozialkompetenz und sein Verhandlungsgeschick halfen ihm, kreativ umsetzbare Lösungen zu finden. Zudem war und bleibt er ein humorvoller Menschenfreund. Die Wahl zum Rektor der AKSA war folgerichtig. Beste Wünsche für das neue Leben!»

Bruno Biberstein
ehem. Generalsekretär BKS

Die süsse Verführung der Ablenkung

Aqua. 14:50 Uhr. Weder Motivation noch Aufmerksamkeit sind unter den vielen Schülern, die zur nächsten Lektion schlurfen, zu erkennen. Erschöpft von den vielen Unterrichtsstunden, wünschen sie sich nichts lieber, als nach Hause zu gehen. Aus der Ferne vernehmen einige von ihnen jedoch ein leises: «Pop, plop, pop,…». Gedanklich immer noch nicht ganz anwesend, suchen sie nach dem Ursprung des Geräusches. Doch plötzlich fängt die Nase einen Duft ein. Popcorn! Endlich aus der Trance herausgeholt, wird eruiert, woher dieser Geruch kommt und wer ihn erzeugt. Ist es jemand, den man kennt? Wenn ja, wie stellt man es an, dass man etwas vom Popcorn abbekommt? Aber nein, man kennt die Person natürlich nicht und muss so oder so in die nächste Stunde. Doch der Geruch des Popcorns lässt einen nicht los. Das ganze Gebäude ist davon erfüllt. Auch wenn man schon im Klassenzimmer sitzt, riecht man ihn noch und hört das Poppen der Körner. In den letzten Minuten vor Unterrichtsbeginn kann man an nichts anderes mehr denken. Dann ertönt die Schulglocke. Die Lehrperson beginnt zu sprechen, doch man kann all dem nicht folgen, denn vor lauter Popcorn hat man völlig vergessen, dass man eigentlich noch auf die Toilette hätte gehen müssen. Nach kurzem Hin- und Herrutschen auf dem Stuhl fragt man dann doch lieber, ob man die Toilette aufsuchen dürfe. Unter dem missmutigen Blick der Lehrperson sowie dem Starren aller Mitschüler verlässt man das Zimmer. Auf der Toilette hört man ein Gespräch mit. Über wen oder was sprechen die zwei? Zurück in der Stunde, denkt man an das mitgehörte Gespräch. Haben sie nicht über etwas geredet, wovon man auch schon gehört hat? Da man sowieso müde ist und das Geschwafel der Lehrperson nicht sonderlich interessant zu sein scheint, denkt man lieber über das Gespräch auf der Toilette nach, oder darüber, ob man sich zu Hause nicht auch Popcorn machen könnte. Die Stunde scheint endlos, während man nervös mit dem Stift in der Hand herumspielt, kleine Zeichnungen auf den Rand eines Blattes kritzelt, dem Ticken der Uhr zuhört und den Zeiger beobachtet, wie er langsam über das Zifferblatt kriecht. Die qualvoll lange Stunde geht endlich vorüber, aber mitbekommen hat man nichts. Nun ja. Es ist manchmal halt viel leichter, sich ablenken zu lassen von den eigenen Gedanken, als sich anzustrengen und zuzuhören.

Von Skyla Rossi, G2l

Indigene Visionen und Weltbilder als Alternativen zum europäisch-westlichen Denken

Weltwahrnehmung. Welch eine Vieldeutigkeit schwingt in diesem einen Wort. Wie kaum ein zweites in der deutschen Sprache vermag es sämtliche Ausrichtungen des menschlichen Ingeniums zu umreissen. Jede Meinung, jede Ahnung und Erinnerung, gar jede emotionale Regung ist Weltwahrnehmung, vorausgesetzt man bezieht die Begrifflichkeit Welt auf alles Äussere, das den Menschen umgibt und auf ihn wirkt – so auch die Begegnung mit sich selbst –, und bezeichnet Wahrnehmung als Informationsfluss aller Sinne. Weiterlesen

Ein kleines Abenteuer

Vielleicht war es eine schlechte Idee, Opa aus dem Altersheim zu schmuggeln. Für einen Rückzieher war es nun aber sowieso zu spät. Opa hielt meine Hand und genoss die spätsommerliche Luft. Als die Sonnenstrahlen auf sein faltiges Gesicht fielen, schloss er die silbernen Augen. In der sanften Brise wippte sein fedriges Haar hin und her. Wir schlenderten über den Parkplatz und ich lächelte die anderen Besucher verkrampft an, um nicht aufzufallen. Ich strich mir die blonden Locken aus der Stirn. Bis jetzt lief alles gut. Der blassblaue Trabant stand schief in der Parklücke. Weiterlesen

Auf der Schwelle zur Wirklichkeit

Ein Grollen. Für einige Sekunden ist alles hell. Dann wieder absolute Dunkelheit. Das nächste Grollen. Doch schon bald ist das erstarrende Geräusch verschwunden. Dann lässt sich nur dem Stürmen des Regens lauschen. Auf einmal wird erneut alles hell, der Waldrand blitzt durch das verregnete Fenster. Und abermals das Grollen und das Toben des Regens. Ein Pfeifen. Durch die Latten des kleinen Hauses bläst der Wind. Die Bretter biegen sich. Die Balken ächzen. Hammer und Nägel liegen griffbereit. In drei Decken eingewickelt, mit Mütze und selbst gestrickten Wollsocken an den zitternden Füssen und dem Knistern des Kamins im Hintergrund liegt er in seinem aus Holz gezimmerten Bett. Auf dem Nachttisch eine Tasse qualmender Tee. Die Hütte gleicht eher einer Baracke. Es reicht gerade so für sein Bett. Der kleine Kleiderschrank lässt seine schief hängende Tür bei jeder unvorsichtigen Bewegung fallen. Daneben ein kleiner, gasbetriebener Herd und ein Kamin aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Ein Jäger hatte sich einst die Hütte gebaut. Und irgendwann verlassen. Am Waldrand, abseits der Zivilisation, nicht weit von einem kleinen Teich.
Das Knistern des Feuers ist beinahe verschwunden. Zeit, Holz nachzulegen. Der Kopf als Erstes, gefolgt von Schulter und Bauch, und ganz zum Schluss die Beine werden von der Decke befreit. Ein schneller und gekonnter Armschwung zur Öllampe. Es folgt der Hüftschwung und schon ist er bei den gestapelten Holzscheiten. Ein Paar in die Glut zu werfen genügt und das Feuer ist wieder entfacht. Mit schnellen Schritten und einem finalen Sprung wirft er sich zurück ins Bett.
Drei Schläge. Ruhe. Nochmals. Drei heftige Schläge gegen die Tür. Das verrostete Vorhängeschloss hält die Tür fest. Mit einem Knall landet der Laden des Kleiderschranks auf dem Boden. Der Kopf verschwindet unter der Decke. Dann wieder ein Blitz. Ohne Donner. Ruhe. Ein dunkler Schatten bleibt beim Fenster stehen. Eine Nase, eine Stirn quetschen sich ans Fenster und starren hinein. Sehen sie ihn im Bett liegen? Ganz vorsichtig schaut sein Auge durch eine kleine Luke in der Daunenfestung hindurch. Ein Gesicht. Es kommt ihm sehr bekannt vor. Und dann erkennt er ihn. Sein Vater. Er schaufelt sich frei. Mit einem grossen Satz ist er an der Tür. Dreht den Schlüssel um. Ein leises Quietschen und die Tür steht offen. Er geht hinaus. Grelles Licht. Nichts zu erkennen. Erst nach ein paar Sekunden bekommt er seinen Vater und den Jäger in kurzen Hosen und T-Shirt zu sehen. Hinter ihm brennt immer noch das Feuer im Kamin. Kurzes Gespräch. Beide auf dem Weg zum Teich, zum Angeln. Sie wollten nur kurz Hallo sagen. Verabschiedung. Angeln war noch nie sein Ding. Mit kleinen Schritten und gesenkten Hauptes kehrt er in seine Hütte zurück. Ein kurzes Zögern auf der Türschwelle. Er schaut auf seine Füsse. Nasse Socken. Verwirrt blickt er zurück. Alles trocken. Am Waldrand erkennt er den Wagen des Jägers. Die rote Farbe lässt sich nur noch erahnen. Überdeckt mit grauem Staub. Sein Blick wandert langsam wieder zu den Füssen. Durchnässt. Der Pullover ebenso. Er steckt den Schlüssel zurück ins Schloss und schliesst die Tür ab. Das Feuer im Kamin knistert. Ihm ist kalt.

Von Noah Schönfeld, G2G

Traum oder nicht Traum – das ist Zirkus

Der Vorhang geht auf, die Artisten des «Jour de fête» erwecken die Manege zum Leben und versetzen das Publikum in Staunen. Das Thema der 35. Monti-Inszenierung ist das bunte Treiben eines Jahrmarktes. Der Circus Monti ist bekannt für seine träumerischen und atemberaubenden Vorstellungen mit Artisten aus aller Welt. Sobald die Show beginnt, befinden sich die Zuschauer in einer Traumwelt. Und was ist das für ein Leben, wenn die Lichter gelöscht sind? Wir haben hinter die Kulissen geschaut. Weiterlesen

Gewitter im Kopf

Einem Palast vergangener Tage ähnelnd, so ragte die imposante Basis vor ihm auf.
Sie war Teil eines staatlichen Verbundes, dem Zentrum für Netzwerk-Verarbeitungsstellen.
Die Basis B-213 war natürlich in ihre Umgebung, eine Höhle von enormen Ausmassen, eingebettet, sodass sie wie aus dem Boden gewachsen erschien. Die ganze Grösse der Grotte war nur zu erahnen, denn ihr Rand verlor sich in tiefem Schwarz. Nur gelegentlich konnte man Licht aus angrenzenden Höhlen erblicken. Die Basis befand sich genau in der Mitte des Hohlraums; sie war von überall her sichtbar, so als wollte sie gesehen und bestaunt werden. Weiterlesen