Alle Artikel in: 2022

Erdbeeren mit Niveau

Von Fiorenza Larcher, G20F Also ich kann es jeweils kaum erwarten, die ersten Erdbeeren vom Feld zu pflücken. Die kalten Monate kommen mir ewig vor. Aber jeden Sommer werde ich wieder belohnt: diese vollreifen, süssen, heimischen Erdbeeren – göttlich. Wieso nur gibt es Leute, die im Winter und Frühjahr so teure, geschmacklose Hartgummi-Erdbeeren kaufen? Es ist nicht zu verstehen. Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass im sehr trockenen südlichen Spanien, von wo die meisten Hors-Saison-Erdbeeren in den Schweizer Läden stammen, die für die Früchte-Produktion nötigen Wasserressourcen weitestgehend fehlen. Das führt dazu, dass wegen staatlich verordneter Einschränkungen auch illegal Wasser gezapft und Landwirtschaft betrieben wird. Als Schweizer Verkäufer kann man also nie so genau wissen, ob man nun illegal oder legal produzierte Erdbeeren verkauft. Den Winter-Erdbeer-Konsumentinnen ist das einerlei. Sie übersehen die klein gedruckten Ländernamen gerne – oder schauen gar nicht erst hin. Hauptsache: Erdbeeren, anytime. Ihnen rate ich: Kaufen Sie jetzt Erdbeeren, saisonal und regional, im Supermarkt oder beim Erdbeerbauern – und geniessen Sie! Wenn Sie sich dann in den kalten Monaten bewusst an …

Shiatsu

Eine Hunderasse? Oder vielleicht Kampfsport? Mit beidem hat Shiatsu nichts zu tun. Shiatsu kommt ursprünglich aus der fernöstlichen Medizin und ist eine Therapie- beziehungsweise Massageart. Um mehr über Shiatsu herauszufinden, haben wir Elena Ritmeisters, ausgebildete Shiatsu -Therapeutin, in ihrer Praxis in Aarau besucht. Von Selina Wick und Ella Jost, G19A Shiatsu kommt aus Japan und heisst übersetzt «Fingerdruck». Man verwendet dabei also nur die Hände und keine anderen Hilfsmittel wie zum Beispiel Nadeln oder Steine. Shiatsu entspringt der traditionellen chinesischen Medizin und ist so etwas wie die Physiotherapie der fernöstlichen Medizin. Dabei orientiert man sich nicht nur an der äusseren Struktur des Körpers, sondern insbesondere auch an den Energieflüssen. Dazu gehört in erster Linie das Meridiansystem. Dies sind nach der traditionellen chinesischen Medizin energetische Bahnen, in denen die Lebensenergie Qi fliesst. Mit gezielter Behandlung von Akupunkturpunkten, also Punkten auf den Meridianen, soll der Körper in einer ganzheitlichen Balance gehalten werden. Westliche und östliche Medizin Oft unterscheiden sich die Therapieformen der östlichen und westlichen Medizin gar nicht so stark voneinander. Der nach westlichen Standards ausgebildete Physiotherapeut …

Einst ein No-Go – heute ein Must

Von Daut Limani und Olivier Schade, G19A Wer heutzutage stylische Sneaker anzieht, trägt dazu meistens weisse Socken, vorausgesetzt, auch der Schuh enthält ein kleines bisschen Weiss. Besonders beliebt sind die weissen Sportsocken von Nike; die werden wie Tennissocken getragen, also bis unter den Wadenmuskel hochgezogen. Die Nike-Socken wurden in den letzten Jahren immer mehr zur Standardsocke von Streetwear-Interessierten. Während weisse Socken unter jungen Leuten längst akzeptiert und sogar trendy sind, gelten sie unter älteren Menschen immer noch als absolutes No-Go und werden als übles Aargauer Klischee abgestempelt. Zu Unrecht! In Wahrheit waren die Aargauer ihrer Zeit einfach voraus, als echte Trendsetter. Es ist also völlig okay, weisse Socken zu tragen, auch zu komplett weissen Sneakern – aus dem ebenso simplen wie einleuchtenden Grund, dass weisse Socken mit jeder anderen Farbe kombiniert werden können und dabei einfach immer schick aussehen. Klar, kein Mensch kommt auf die Idee, zum Beispiel knallgrüne Socken mit roten Schuhen zu kombinieren, das sieht grauenhaft aus. Doch farbige Schuhe und weisse Socken – das passt. Deshalb, liebe Aargauerinnen und Aargauer: Holt die …

Selbstnähe

Von Alexandra Ihle, G19A Wenn wir von Nähe reden, denken wir meistens an die Nähe zu anderen und fast nie an die Nähe zu uns selbst. Eigentlich merkwürdig, denn wir sind uns doch selbst am nächsten. Gemäss Duden wird «sich nahestehen» folgendermassen verstanden: «aufgrund einer Eigenart oder bestimmter Merkmale in die Nähe einer Sache gehören, ihr benachbart sein oder zu jemandem in enger Beziehung stehen, zum Beispiel einer Person oder auch einer Partei». Würde diese Definition auf die Nähe zu sich selbst übertragen, könnte diese folgendermassen erklärt werden: Mir selbst nahe bin ich dann, wenn ich mich so gut kenne, dass ich mir meiner Eigenart mit allen Bedürfnissen und Wünschen bewusst bin. Hand in Hand mit Selbstnähe gehen Selbstakzeptanz und, als Steigerung davon: Selbstliebe. Auch das Vertrauen in sich selbst gehört dazu. – Und in welcher Beziehung stehen diese Begriffe zu einander? Selbstakzeptanz und Liebe. Die beiden Begriffe sind selbsterklärend, aber ihr Verhältnis ist kompliziert. Denn es ist möglich, sich selbst zu akzeptieren, ohne sich zu lieben. Aber Selbstliebe ohne Selbstakzeptanz – das geht nicht. …

Die dritte Hälfte

Von Lukas Wampfler, Mathematiklehrer [Bild: zVg] Lieber Peter, vor zwei Jahren fand bereits die erste Hälfte deiner Verabschiedung statt. Die Schule hat dir für den langjährigen Einsatz als Prorektor gedankt und wir haben uns auf zwei Jahre gefreut, wo du wieder «nur» unserer Fachschaft angehören würdest. Es ist aber anders gekommen. Du musstest unverhofft und unfreiwillig noch einmal für ein paar Monate ins Prorektorat. Doch du hast auch diese Herausforderung sportlich angenommen und souverän gemeistert. Nun trittst Du also doch in den Ruhestand – wobei du wahrscheinlich weder ruhen noch stehen wirst. Dafür gibt es zu viele Strecken, die erfahren werden können, Gegenden, die erkundet sein wollen. Für deine Projekte, denen du dich in Zukunft intensiver widmen kannst, wünschen wir dir alles Gute. Lieber Peter, Du wirst uns fehlen. Deine sachliche und doch lockere Art sorgt für gute Atmosphäre, sei es an Sitzungen, im persönlichen Gespräch oder an geselligen Anlässen. Du vermochtest die Schülerinnen und Schüler für dein Fach zu begeistern und hast deine Begeisterungsfähigkeit auch mit anderen geteilt. Kolleginnen und Kollegen, ob jung oder …

Nähe und Distanz im Nanokosmos oder Warum der Kopf nicht durch die Wand geht

Von Dr. Michael Schär, Chemielehrer Plötzlich waren sie da: Die Abstandsregeln während der Corona-Pandemie. Fast gebetsmühlenartig wurden sie wiederholt: 1.5 Meter zwischen zwei Personen (hierzulande) – mehr Nähe musste vermieden werden. Doch egal, wieviel Nähe erlaubt ist, zuletzt gelten sowieso die ‹Abstandsregeln› des Nanokosmos. Dazu gehört, dass Atome einander nicht durchdringen wollen und zueinander auf Distanz gehen, wenn sie sich nicht verbinden können. Ausschlaggebend dafür sind ihre Hüllen mit Elektronen, welche sich gegenseitig abstossen. Gecko an der Wand, wer ist der beste Kletterer im Land? Doch Atome verspüren genauso wie wir Menschen nicht nur Hemmung, sondern auch Attraktion. Und kommen sie sich etwas näher, geschieht manchmal auch Wunderliches. Elektronen bewirken nämlich nicht nur Abstossung, sondern indirekt über Fluktuationen der Ladungsverteilung auch den Zusammenhalt von kleinsten Teilchen: ‹Van-der-Waals-Kräfte› nennt sich dies im Fachjargon. Ohne diese würde sich so manche Kunststoffpackung gleich verflüchtigen. Ihnen verdankt der Gecko, dass er Wände erklimmen kann und selbst bei einer Last von 10 Kilogramm noch an der Decke haftet. Eine ausgeklügelte Nanostruktur am Fuss des Geckos mit Milliarden feiner Haare multipliziert …

«The beauty of polyamory is loving limitlessly»

Desiring or being in multiple romantic relationships at the same time is called polyamory. Orion Toivonen from Scotland was willing to talk openly about polyamory by answering a few questions surrounding themes such as closeness, love or jealousy. Von Valeria Tomassini und Paynavi Punithakumar, G19A An unusual situation: Orion is sitting across from us – but via a screen and in Scotland. His partner Jose is listening in the background as we begin the interview. Orion, currently, you are only in one relationship – with your anchor partner Jose, who is also dating Jaana who has three additional partners. What do the terms closeness, intimacy and love mean to you? How would you distinguish them? Orion: Love is something that you can feel with everyone: You can feel it with friends, maybe even with a stranger that you pass on the street. It is a feeling of appreciation. Closeness, however, I consider something more reserved to the people nearest to me. Although, I am not only close to people that I am involved with romantically, …

«Nähe ist Nahrung für den Körper»

Assunta Amatucci ist gelernte Sexualbegleiterin und Berührerin für Menschen mit Beeinträchtigung. Wir haben die 55-Jährige in ihrer Praxis in Solothurn besucht, um mehr über diese noch immer weitgehend tabuisierte Arbeit zu erfahren. Wir wollten wissen, wie sie mit ihren Klientinnen und Klienten umgeht und was für sie Nähe bedeutet. Von Olivier Schade und Johannes Voss, G19A Was genau ist eine Berührerin? Grundsätzlich geht eine Berührerin oder ein Berührer auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten oder der Klientin ein: eine Hand auf den Rücken legen, eine Hand- oder Fussmassage, es kann den ganzen Körper beinhalten, es kann nackt oder bekleidet stattfinden, es kann aber auch nur ein Gespräch sein. Immer geht es darum, diesen Menschen mit Behinderung oder Senior(inn)en etwas zu geben, was sie nirgendwo sonst bekommen können. [Bild: Olivier Schade] Gibt es dafür eine spezifische, anerkannte Ausbildung? Ja, das ist die Ausbildung als Sexualbegleiter/-in. Berührer/-in können sich alle nennen, nicht aber Berührer/-in nach InSeBe (Initiative SexualBegleitung). InSeBe ist eine von mehreren Organisationen, welche die Ausbildung als Sexualbegleiter/-in anbieten. Wie haben Sie zu diesem Thema gefunden? …

Nähe

Nicht selten zeigt sich erst im Gespräch die wahre Komplexität der Welt – oder wenigstens des vertrauten Begriffs «Nähe». Aber wenn ein Romanist und eine Germanistin zusammen reden, ist auch der Stift nicht weit – und das Flüchtige wird in kondensierter Form fassbar gemacht. Von Francesco Mugheddu und Jacqueline Seiler Auf die Frage «Was ist also Nähe?» könnte man analog zu Augustinus’ Konfessionen über die Zeit antworten: «Wenn mich niemand danach fragt, weiss ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiss ich es nicht.» Tatsächlich ist «Nähe» ein höchst flüchtiger, mehrdeutiger und manchmal paradoxer Begriff. Je nach Kontext ist sie zeitlich, räumlich oder als Gefühl zu deuten, in eigenem bzw. übertragenem Sinn zu verstehen. Als konstitutiv relationaler Begriff nimmt «Nähe» je nach Beziehungsart (Familien-, Liebes-, Freundschafts-, Gesellschaftsbeziehungen etc.) immer neue spezifische Bedeutungen an. Ein medusischer Begriff, bei dem sich immer auch die Frage nach der «richtigen» Nähe stellt. Das Bild der Schärferegulierung bei Fotokameras verdeutlicht diese Problematik: Zoomen wir zu weit raus, ist der Fokus unklar. Sind wir zu nahe dran, entfällt der Kontext …

Kann man Nähe kaufen?

Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf die Nähe zu seinen Mitmenschen angewiesen. Aber was, wenn man diese Nähe in seinem Umfeld nirgends finden kann? Genau diese Zielgruppe spricht «rent a friend» an, das Online-Portal, welches Menschen, die sich einsam fühlen, einen unkomplizierten Weg zu neuen Freundschaften verspricht. Der einzige Haken dabei: Man muss den gemieteten «friend» für die gemeinsam verbrachte Zeit bezahlen. Geniale Geschäftsidee oder schamloses Ausnützen von Einsamkeit? Wir haben den aus Deutschland stammenden Wahl-Basler Leon C. gefragt, einen der potenziellen Friends, die gebucht werden wollen. Von Naima Zürcher und Anna Lisa Lüthy, G19A Auf der amerikanischen Website «rent a friend» kann man sich als «friend» ein Profil einrichten, worauf sich Interessierte melden können. Kaffee trinken, spazieren, ins Kino gehen oder sogar zusammen verreisen; auf diesem Portal kann man sich für fast alles einen Freund oder eine Freundin mieten. Eine Freundschaft im Austausch für Geld hört sich erst einmal bizarr an. Doch die Idee von «rent a friend» findet in den Staaten sowie manchen Teilen Asiens bereits seit einiger Zeit grossen Zuspruch, …

Die Kunst der Berührung

In vielen Sportarten, aber auch im künstlerischen Bereich ist der Körperkontakt als besondere Form von Nähe zentral. Haut, Schweiss, Atem – wie fühlt sich solch extreme Nähe an? Wir haben den mehrfachen Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano, den «eidgenössischen» Schwinger Nick Alpiger und die Tänzerin und Choreographin Brigitta Luisa Merki getroffen und nach ihren Erfahrungen gefragt. Von Nick Häusler und Daut Limani, G19A Im Schwingen ist die Berührung während des Kampfes permanent vorhanden. Damit kennt sich der erfolgreiche Aargauer Schwinger Nick Alpiger bestens aus. Das gegenseitige Berühren beginnt im Schwingen aber bekanntlich schon vor dem Kampf – beim Händedruck, der schon einige Informationen über den Gegner liefert. Nick Alpiger begegnet jedem Gegner gleich, wenn er auch seine Taktik am Schwingstil des Kontrahenten ausrichten muss. Oder an dessen Grösse. Die Nähe im Kampf setzt ziemlich viel Masse in Begegnung, da wirken grosse physikalische Kräfte. Die Verletzungsgefahr schwingt deshalb immer mit. In den Gedanken eines Schwingers darf sie aber keinen grossen Platz einnehmen, denn die Angst vor Verletzungen wirkt sich negativ auf den Kampf aus. Zögerlich angesetzte Schwünge, Passivität …

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona – Teil IV

Eine Schule durch eine Pandemie führen ist nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional eine Herausforderung – Krisenbewältigung zwischen Hoffen und Bangen. Dies zeigt sich auch im vierten Teil der Corona-Chronologie. Aber vielleicht ist es ja der letzte…! Von Dr. Andreas Hunziker, Rektor Nachdem seit Ende Dezember 2021 die extrem ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus dominiert, explodieren die Fallzahlen – in der gesamten Gesellschaft und logischerweise auch bei uns an der Schule. Beim Schulbeginn im neuen Jahr befinden sich über 50 Schulangehörige wegen einer Covid-19-Infektion in Isolation. In den drei Wochen bis zu den Sportferien bleiben die Zahlen konstant hoch. Der Präsenzunterricht läuft weiter, selten weist jedoch eine Abteilung Vollbestand auf; immer wieder werden Schülerinnen und Schüler oder Lehrpersonen per Teams von zu Hause aus zugeschaltet. Sportferien «Skilager finden trotz Corona statt.» – so titelt die Aargauer Zeitung am 27. Januar 2022. Und im Lead heisst es reisserisch: «Aargauer Kantonsschulen trotzen der dringlichen Empfehlung des Regierungsrats, momentan auf Lager zu verzichten.» Aus heutiger Sicht lässt sich sagen: Zum Glück haben wir uns der regierungsrätlichen Empfehlung widersetzt und …

«Die Alte Kanti fühlt sich ein bisschen an wie Hogwarts»

Seit 1997 gibt es den Verein für ehemalige Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti – kurz: AULA. Ulrich Price, langjähriges Mitglied und aktueller Präsident der Vereinigung gibt im Interview mit sage&schreibe Auskunft über die Zielsetzungen, Aktivitäten und Visionen von AULA. Von Giada Di Lorenzo, G19A [Bild: Naima Zürcher] Was genau ist «AULA»? Ulrich Price: AULA ist eine Bezeichnung für einen grossen Raum, in dem man sich zusammenfindet und sich austauschen kann. Man kann sich darunter aber auch einen Kochtopf vorstellen, wo alles zusammengemischt wird. Was die Gründer vor 25 Jahren wirklich mit AULA gemeint haben, ist unklar. Wir verstehen uns einfach als die Vereinigung von Ehemaligen der Alten Kanti Aarau, in der ein aktives Gemisch von früheren Schüler(inne)n und Schule entsteht. Oder anders: AULA ist so etwas wie ein Heimathafen. Wieso braucht es einen Verein für die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti? Mit AULA wird ein grosser Reichtum weitergegeben: Geschichten, Traditionen und Wissen. So bleibt immer eine direkte Verbindung zur Schule erhalten. Für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, finanzielle Unterstützung für Projekte …

Sichere Häfen für Kinder mit Bindungsstörung

Unser Selbstwert hat sehr viel mit Nähe und sicheren Bindungen bereits im Säuglings- und Kindesalter zu tun. Die Tatsache aber, dass 40 bis 50 Prozent der Menschen als Kind eine unsichere Bindung erfahren haben, lässt aufhorchen. Prof. Dr. Guy Bodenmann, ein führender Experte in der klinischen Paar- und Familienpsychologie, gibt im Interview vertiefte Einblicke in die Thematik der Bindung beziehungsweise Bindungsstörung im Kindesalter. Von Tatjana Gligorevic und Anna Piani, G19A «Stellen wir uns die Psyche als Haus vor. Der Selbstwert ist das Fundament, und alles andere baut darauf auf. Wenn das Dach langsam löchrig wird, die Ziegel nicht mehr festsitzen, kann es sein, dass ein Sturm ein paar Ziegel wegbläst und schlimmstenfalls das Dach davonfliegt. Das Haus an sich aber steht weiterhin robust da – alles ist nicht so schlimm. Wenn hingegen das Fundament schlecht ist, nimmt das Haus schwerere Schäden.» Prof. Dr. Guy Bodenmann sage&schreibe: Welche Bedeutung hat «Nähe» für Kleinkinder? Guy Bodenmann: Im Bindungsaufbau des Säuglings nimmt Stress eine zentrale Rolle ein. Der Säugling ist auf eine feinfühlige Bezugsperson (in der Regel vor …

Studentenfutter

Die Seite für Ratsuchende, Ideenlose, Sparfüchse und Neugierige. Hier gibt es zwar kein Trockenobst mit Nüssen, aber immerhin eine genussvolle, leichtverdauliche Mischung aus allerlei Wissenswertem rund um die Alte Kanti. Von Regina Knüsel, G19A Alte Kanti Unexplored Orte, von denen man (vielleicht) noch nichts weiss Auf dem Dachboden des Einsteinhauses befindet sich ein kleiner L-förmiger Raum, der den Namen «Albertas Ruheraum» trägt. Der Zusammenhang zu «Albertas Lounge» auf dem Dach des Aquariums liegt auf der Hand. Der L-Raum dient als Ruheraum für Lehrpersonen, wohl damit sie sich in Zwischenstunden von den anstrengenden Schülerinnen und Schülern erholen können. Tritt man durch die Tür, kommt man in einen engen, lichtdurchfluteten Raum. Es gibt drei Betten, die jeweils hinter einer dünnen Holzwand stehen und von einem Vorhang verdeckt werden. Die Betten sind mit weissen Laken bezogen, und es hat sogar Kissen. So richtig einladend wirken die Betten allerdings nicht, da sie nicht ordentlich gemacht sind und das Laken nicht besonders frisch aussieht. Auf dem Infozettel an der Tür steht zwar die Aufforderung, eine eigene Unterlage mitzubringen; ob dies …

«Wenn ich massiere, bin ich einfach locker»

Insbesondere Menschen mit Downsyndrom wird ein offener und herzlicher Umgang mit ihren Mitmenschen zugeschrieben. Der Aargauer Simon Federer ist da keine Ausnahme. Was ihn aber besonders macht: Als Masseur hat er eine besondere Art von Nähe zu seinem Beruf gemacht. Von Rahel Furrer und Regina Knüsel, G19A [Bild: Rahel Furrer] Um einen Interviewtermin mit Simon Federer zu vereinbaren, riefen wir ihn an und erhielten nach unserer Anfrage eine Einladung zu ihm nach Hause. Erfreut über diese unerwartete Gastfreundlichkeit, erkundigten wir uns nach der genauen Adresse, doch er bot uns an, uns direkt beim Bahnhof abzuholen. So erwartete uns in Turgi ein klein gewachsener Herr in schwarzem Mantel, der uns herzlich in Empfang nahm. Anschliessend führte er uns in seine Wohnung, in der er bereits seit einiger Zeit allein wohnt. Wir kamen sofort ins Gespräch und waren beeindruckt von seiner klaren Ausdrucksweise. An Formalitäten hielten wir uns nicht lange, schon bald wechselten wir zum Du, so dass das Gefühl aufkam, einander schon länger zu kennen. Simon Federers Wohnung zeugt von dem, was er in seinem Leben …

Zwischen Leben und Tod

Einen ganz besonderen Beruf hat das Luzerner Medium Maria Piazza. Sie sieht sich als mediale Lebensberaterin, als Vermittlerin zwischen der geistigen und der materiellen Welt und hat daher eine eher ungewöhnliche Nähe zu Verstorbenen. Im Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeit, ihre besonderen Fähigkeiten und ihre Beziehung zum Reich der Toten. Von Amina Colombo und Elin Cattaneo, G19A Was ist ein Medium? Ein Medium stellt sich als Kanal zwischen der geistigen und der materiellen Welt zur Verfügung. Auf diese Weise erhalte ich Informationen aus dem Jenseits. Meine Fähigkeiten erlauben es mir also, mit Toten zu kommunizieren. Ich verständige mich mit Engeln und verstorbenen Seelen sowie Geistführern, ich sehe und spüre sie. In spirituellen Sitzungen kann ich meinen Klientinnen und Klienten Zugang zu wichtigen Informationen ermöglichen. Dadurch entsteht für sie eine Möglichkeit, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, womit seelische Blockaden und Probleme gelöst werden können. Kann man sich eine Verbindung zum Jenseits antrainieren oder wird man mit so einer Fähigkeit geboren? Ich spürte bereits als junges Mädchen, dass bei mir etwas anders war. Ich begann …

Schund

Von Reinhold Bruder* «Schund!», het de Tüütschleerer krääit, mit der äinte Hand es John-Kling-Heftli gschwänkt und mit der anderen em Fränzu äis putzt. «Wi mängisch mues is no sääge? Dir sind Bezirksschüeler. Und Bezirksschüeler lääsen Aaspruchsvous. I der Schueubibliothek gits gueti Jugetbüecher, Saage und Sachbüecher. Settige Mischt wott i i mim Zimmer nie me gsee.» Er het s Heftli no äinisch i d Luft ghaa und denn verrisse. De Fränzu het e rooti Baggen überchoo und de zum Ürsu überegscheechet und gmützeret. Beed händ i de Mappe no mee Fueter ghaa; der äint Jim Strong, der ander Micky Maus. Am Schluss vo der Stund – aui händs gsee – isch de Leerer zum Roland ggange und het em e Band griechischi Saage änegstreckt. Wider äinisch het de Grosvatter Roland zäme mit siner Fräu Rosa e Psuech bi de Grooschind gmacht, bim zääjeerige Georg und bim achtjeerige Gregor, der äint e groosse Lääser, der ander het no nie freiwiuig es Buech i d Hand gnoo. Im Gepäck händ d Groseutere zwöi Büecher ghaa. Daas Moou nüüt …

Interview Corina Eichenberger

Corina Eichenberger Rechtsanwältin und Politikerin (ehem. Grossrätin und Nationalrätin) Matura: 1974 [Bild: zVg] Fassen Sie Ihre Kantizeit in einem Satz zusammen. Ich denke gerne an diese schönen und unbeschwerten Kantijahre zurück. Wie sieht Ihr bisheriger Karriereweg aus?Welches sind die wichtigsten Eigenschaften in Ihrem Beruf? Als Rechtsanwältin ist die Fähigkeit zentral, sich in die Gegenpartei (und als Mediatorin in die Streitparteien) einzudenken und manchmal auch einzufühlen, um gute Lösungen und Argumente beziehungsweise Gegenargumente zu finden. Diese Fähigkeit ist auch in der Politik sehr nützlich. Weshalb sind Sie Mitglied im Ehemaligen-Verein der Alten Kanti? Nostalgische Gründe und Erinnerungen an die Schulzeit haben mich motiviert, dem Ehemaligen-Verein beizutreten. Schöne Erinnerungen wecken positive Gefühle, und die tun gut.

Sechsundvierzig Minuten

Von Jakob Schildhauer, G20F Bremsen quietschen. Menschen strömen mir entgegen, als ich versuche, aus der Unterführung auf den Bahnsteig zu gelangen. Ich renne die letzten Meter zum Zug, springe hinein und höre das Fiepen der sich hinter mir schliessenden Türen. Die Atmosphäre eines Schulhofes begrüsst mich, als ich in den Gang des Waggons trete. Den Reservationszetteln an den Fensterscheiben entnehme ich, dass es sich bei den durcheinanderschreienden Kindern um die Klasse 3b handelt, die wie ich bis nach Basel fährt. Schnell laufe ich einige Meter weiter, hinaus aus dem Getümmel. Ich lege meine Tasche auf den nächstbesten Platz in sicherer Entfernung, kämpfe mich aus meiner dicken Winterjacke, die mich nicht loslassen will, schaffe es schliesslich und verstaue sie über den Sitzen. Unterdessen hat sich mein Rucksack verselbstständigt und ist auf den Boden gefallen. Ich hebe ihn auf, setze mich. Heute will auch gar nichts klappen. Erst jetzt fällt mein Blick auf mein Gegenüber. Es ist der Weihnachtsmann. Zumindest ist das mein heimlicher Name für den Herrn vor mir. Wenn es einen Menschen gibt, dem ich …