Alle Artikel in: Nähe

Shiatsu

Eine Hunderasse? Oder vielleicht Kampfsport? Mit beidem hat Shiatsu nichts zu tun. Shiatsu kommt ursprünglich aus der fernöstlichen Medizin und ist eine Therapie- beziehungsweise Massageart. Um mehr über Shiatsu herauszufinden, haben wir Elena Ritmeisters, ausgebildete Shiatsu -Therapeutin, in ihrer Praxis in Aarau besucht. Von Selina Wick und Ella Jost, G19A Shiatsu kommt aus Japan und heisst übersetzt «Fingerdruck». Man verwendet dabei also nur die Hände und keine anderen Hilfsmittel wie zum Beispiel Nadeln oder Steine. Shiatsu entspringt der traditionellen chinesischen Medizin und ist so etwas wie die Physiotherapie der fernöstlichen Medizin. Dabei orientiert man sich nicht nur an der äusseren Struktur des Körpers, sondern insbesondere auch an den Energieflüssen. Dazu gehört in erster Linie das Meridiansystem. Dies sind nach der traditionellen chinesischen Medizin energetische Bahnen, in denen die Lebensenergie Qi fliesst. Mit gezielter Behandlung von Akupunkturpunkten, also Punkten auf den Meridianen, soll der Körper in einer ganzheitlichen Balance gehalten werden. Westliche und östliche Medizin Oft unterscheiden sich die Therapieformen der östlichen und westlichen Medizin gar nicht so stark voneinander. Der nach westlichen Standards ausgebildete Physiotherapeut …

Selbstnähe

Von Alexandra Ihle, G19A Wenn wir von Nähe reden, denken wir meistens an die Nähe zu anderen und fast nie an die Nähe zu uns selbst. Eigentlich merkwürdig, denn wir sind uns doch selbst am nächsten. Gemäss Duden wird «sich nahestehen» folgendermassen verstanden: «aufgrund einer Eigenart oder bestimmter Merkmale in die Nähe einer Sache gehören, ihr benachbart sein oder zu jemandem in enger Beziehung stehen, zum Beispiel einer Person oder auch einer Partei». Würde diese Definition auf die Nähe zu sich selbst übertragen, könnte diese folgendermassen erklärt werden: Mir selbst nahe bin ich dann, wenn ich mich so gut kenne, dass ich mir meiner Eigenart mit allen Bedürfnissen und Wünschen bewusst bin. Hand in Hand mit Selbstnähe gehen Selbstakzeptanz und, als Steigerung davon: Selbstliebe. Auch das Vertrauen in sich selbst gehört dazu. – Und in welcher Beziehung stehen diese Begriffe zu einander? Selbstakzeptanz und Liebe. Die beiden Begriffe sind selbsterklärend, aber ihr Verhältnis ist kompliziert. Denn es ist möglich, sich selbst zu akzeptieren, ohne sich zu lieben. Aber Selbstliebe ohne Selbstakzeptanz – das geht nicht. …

Nähe und Distanz im Nanokosmos oder Warum der Kopf nicht durch die Wand geht

Von Dr. Michael Schär, Chemielehrer Plötzlich waren sie da: Die Abstandsregeln während der Corona-Pandemie. Fast gebetsmühlenartig wurden sie wiederholt: 1.5 Meter zwischen zwei Personen (hierzulande) – mehr Nähe musste vermieden werden. Doch egal, wieviel Nähe erlaubt ist, zuletzt gelten sowieso die ‹Abstandsregeln› des Nanokosmos. Dazu gehört, dass Atome einander nicht durchdringen wollen und zueinander auf Distanz gehen, wenn sie sich nicht verbinden können. Ausschlaggebend dafür sind ihre Hüllen mit Elektronen, welche sich gegenseitig abstossen. Gecko an der Wand, wer ist der beste Kletterer im Land? Doch Atome verspüren genauso wie wir Menschen nicht nur Hemmung, sondern auch Attraktion. Und kommen sie sich etwas näher, geschieht manchmal auch Wunderliches. Elektronen bewirken nämlich nicht nur Abstossung, sondern indirekt über Fluktuationen der Ladungsverteilung auch den Zusammenhalt von kleinsten Teilchen: ‹Van-der-Waals-Kräfte› nennt sich dies im Fachjargon. Ohne diese würde sich so manche Kunststoffpackung gleich verflüchtigen. Ihnen verdankt der Gecko, dass er Wände erklimmen kann und selbst bei einer Last von 10 Kilogramm noch an der Decke haftet. Eine ausgeklügelte Nanostruktur am Fuss des Geckos mit Milliarden feiner Haare multipliziert …

«The beauty of polyamory is loving limitlessly»

Desiring or being in multiple romantic relationships at the same time is called polyamory. Orion Toivonen from Scotland was willing to talk openly about polyamory by answering a few questions surrounding themes such as closeness, love or jealousy. Von Valeria Tomassini und Paynavi Punithakumar, G19A An unusual situation: Orion is sitting across from us – but via a screen and in Scotland. His partner Jose is listening in the background as we begin the interview. Orion, currently, you are only in one relationship – with your anchor partner Jose, who is also dating Jaana who has three additional partners. What do the terms closeness, intimacy and love mean to you? How would you distinguish them? Orion: Love is something that you can feel with everyone: You can feel it with friends, maybe even with a stranger that you pass on the street. It is a feeling of appreciation. Closeness, however, I consider something more reserved to the people nearest to me. Although, I am not only close to people that I am involved with romantically, …

«Nähe ist Nahrung für den Körper»

Assunta Amatucci ist gelernte Sexualbegleiterin und Berührerin für Menschen mit Beeinträchtigung. Wir haben die 55-Jährige in ihrer Praxis in Solothurn besucht, um mehr über diese noch immer weitgehend tabuisierte Arbeit zu erfahren. Wir wollten wissen, wie sie mit ihren Klientinnen und Klienten umgeht und was für sie Nähe bedeutet. Von Olivier Schade und Johannes Voss, G19A Was genau ist eine Berührerin? Grundsätzlich geht eine Berührerin oder ein Berührer auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten oder der Klientin ein: eine Hand auf den Rücken legen, eine Hand- oder Fussmassage, es kann den ganzen Körper beinhalten, es kann nackt oder bekleidet stattfinden, es kann aber auch nur ein Gespräch sein. Immer geht es darum, diesen Menschen mit Behinderung oder Senior(inn)en etwas zu geben, was sie nirgendwo sonst bekommen können. [Bild: Olivier Schade] Gibt es dafür eine spezifische, anerkannte Ausbildung? Ja, das ist die Ausbildung als Sexualbegleiter/-in. Berührer/-in können sich alle nennen, nicht aber Berührer/-in nach InSeBe (Initiative SexualBegleitung). InSeBe ist eine von mehreren Organisationen, welche die Ausbildung als Sexualbegleiter/-in anbieten. Wie haben Sie zu diesem Thema gefunden? …

Nähe

Nicht selten zeigt sich erst im Gespräch die wahre Komplexität der Welt – oder wenigstens des vertrauten Begriffs «Nähe». Aber wenn ein Romanist und eine Germanistin zusammen reden, ist auch der Stift nicht weit – und das Flüchtige wird in kondensierter Form fassbar gemacht. Von Francesco Mugheddu und Jacqueline Seiler Auf die Frage «Was ist also Nähe?» könnte man analog zu Augustinus’ Konfessionen über die Zeit antworten: «Wenn mich niemand danach fragt, weiss ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiss ich es nicht.» Tatsächlich ist «Nähe» ein höchst flüchtiger, mehrdeutiger und manchmal paradoxer Begriff. Je nach Kontext ist sie zeitlich, räumlich oder als Gefühl zu deuten, in eigenem bzw. übertragenem Sinn zu verstehen. Als konstitutiv relationaler Begriff nimmt «Nähe» je nach Beziehungsart (Familien-, Liebes-, Freundschafts-, Gesellschaftsbeziehungen etc.) immer neue spezifische Bedeutungen an. Ein medusischer Begriff, bei dem sich immer auch die Frage nach der «richtigen» Nähe stellt. Das Bild der Schärferegulierung bei Fotokameras verdeutlicht diese Problematik: Zoomen wir zu weit raus, ist der Fokus unklar. Sind wir zu nahe dran, entfällt der Kontext …

Kann man Nähe kaufen?

Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf die Nähe zu seinen Mitmenschen angewiesen. Aber was, wenn man diese Nähe in seinem Umfeld nirgends finden kann? Genau diese Zielgruppe spricht «rent a friend» an, das Online-Portal, welches Menschen, die sich einsam fühlen, einen unkomplizierten Weg zu neuen Freundschaften verspricht. Der einzige Haken dabei: Man muss den gemieteten «friend» für die gemeinsam verbrachte Zeit bezahlen. Geniale Geschäftsidee oder schamloses Ausnützen von Einsamkeit? Wir haben den aus Deutschland stammenden Wahl-Basler Leon C. gefragt, einen der potenziellen Friends, die gebucht werden wollen. Von Naima Zürcher und Anna Lisa Lüthy, G19A Auf der amerikanischen Website «rent a friend» kann man sich als «friend» ein Profil einrichten, worauf sich Interessierte melden können. Kaffee trinken, spazieren, ins Kino gehen oder sogar zusammen verreisen; auf diesem Portal kann man sich für fast alles einen Freund oder eine Freundin mieten. Eine Freundschaft im Austausch für Geld hört sich erst einmal bizarr an. Doch die Idee von «rent a friend» findet in den Staaten sowie manchen Teilen Asiens bereits seit einiger Zeit grossen Zuspruch, …

Die Kunst der Berührung

In vielen Sportarten, aber auch im künstlerischen Bereich ist der Körperkontakt als besondere Form von Nähe zentral. Haut, Schweiss, Atem – wie fühlt sich solch extreme Nähe an? Wir haben den mehrfachen Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano, den «eidgenössischen» Schwinger Nick Alpiger und die Tänzerin und Choreographin Brigitta Luisa Merki getroffen und nach ihren Erfahrungen gefragt. Von Nick Häusler und Daut Limani, G19A Im Schwingen ist die Berührung während des Kampfes permanent vorhanden. Damit kennt sich der erfolgreiche Aargauer Schwinger Nick Alpiger bestens aus. Das gegenseitige Berühren beginnt im Schwingen aber bekanntlich schon vor dem Kampf – beim Händedruck, der schon einige Informationen über den Gegner liefert. Nick Alpiger begegnet jedem Gegner gleich, wenn er auch seine Taktik am Schwingstil des Kontrahenten ausrichten muss. Oder an dessen Grösse. Die Nähe im Kampf setzt ziemlich viel Masse in Begegnung, da wirken grosse physikalische Kräfte. Die Verletzungsgefahr schwingt deshalb immer mit. In den Gedanken eines Schwingers darf sie aber keinen grossen Platz einnehmen, denn die Angst vor Verletzungen wirkt sich negativ auf den Kampf aus. Zögerlich angesetzte Schwünge, Passivität …

Sichere Häfen für Kinder mit Bindungsstörung

Unser Selbstwert hat sehr viel mit Nähe und sicheren Bindungen bereits im Säuglings- und Kindesalter zu tun. Die Tatsache aber, dass 40 bis 50 Prozent der Menschen als Kind eine unsichere Bindung erfahren haben, lässt aufhorchen. Prof. Dr. Guy Bodenmann, ein führender Experte in der klinischen Paar- und Familienpsychologie, gibt im Interview vertiefte Einblicke in die Thematik der Bindung beziehungsweise Bindungsstörung im Kindesalter. Von Tatjana Gligorevic und Anna Piani, G19A «Stellen wir uns die Psyche als Haus vor. Der Selbstwert ist das Fundament, und alles andere baut darauf auf. Wenn das Dach langsam löchrig wird, die Ziegel nicht mehr festsitzen, kann es sein, dass ein Sturm ein paar Ziegel wegbläst und schlimmstenfalls das Dach davonfliegt. Das Haus an sich aber steht weiterhin robust da – alles ist nicht so schlimm. Wenn hingegen das Fundament schlecht ist, nimmt das Haus schwerere Schäden.» Prof. Dr. Guy Bodenmann sage&schreibe: Welche Bedeutung hat «Nähe» für Kleinkinder? Guy Bodenmann: Im Bindungsaufbau des Säuglings nimmt Stress eine zentrale Rolle ein. Der Säugling ist auf eine feinfühlige Bezugsperson (in der Regel vor …

«Wenn ich massiere, bin ich einfach locker»

Insbesondere Menschen mit Downsyndrom wird ein offener und herzlicher Umgang mit ihren Mitmenschen zugeschrieben. Der Aargauer Simon Federer ist da keine Ausnahme. Was ihn aber besonders macht: Als Masseur hat er eine besondere Art von Nähe zu seinem Beruf gemacht. Von Rahel Furrer und Regina Knüsel, G19A [Bild: Rahel Furrer] Um einen Interviewtermin mit Simon Federer zu vereinbaren, riefen wir ihn an und erhielten nach unserer Anfrage eine Einladung zu ihm nach Hause. Erfreut über diese unerwartete Gastfreundlichkeit, erkundigten wir uns nach der genauen Adresse, doch er bot uns an, uns direkt beim Bahnhof abzuholen. So erwartete uns in Turgi ein klein gewachsener Herr in schwarzem Mantel, der uns herzlich in Empfang nahm. Anschliessend führte er uns in seine Wohnung, in der er bereits seit einiger Zeit allein wohnt. Wir kamen sofort ins Gespräch und waren beeindruckt von seiner klaren Ausdrucksweise. An Formalitäten hielten wir uns nicht lange, schon bald wechselten wir zum Du, so dass das Gefühl aufkam, einander schon länger zu kennen. Simon Federers Wohnung zeugt von dem, was er in seinem Leben …

Zwischen Leben und Tod

Einen ganz besonderen Beruf hat das Luzerner Medium Maria Piazza. Sie sieht sich als mediale Lebensberaterin, als Vermittlerin zwischen der geistigen und der materiellen Welt und hat daher eine eher ungewöhnliche Nähe zu Verstorbenen. Im Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeit, ihre besonderen Fähigkeiten und ihre Beziehung zum Reich der Toten. Von Amina Colombo und Elin Cattaneo, G19A Was ist ein Medium? Ein Medium stellt sich als Kanal zwischen der geistigen und der materiellen Welt zur Verfügung. Auf diese Weise erhalte ich Informationen aus dem Jenseits. Meine Fähigkeiten erlauben es mir also, mit Toten zu kommunizieren. Ich verständige mich mit Engeln und verstorbenen Seelen sowie Geistführern, ich sehe und spüre sie. In spirituellen Sitzungen kann ich meinen Klientinnen und Klienten Zugang zu wichtigen Informationen ermöglichen. Dadurch entsteht für sie eine Möglichkeit, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, womit seelische Blockaden und Probleme gelöst werden können. Kann man sich eine Verbindung zum Jenseits antrainieren oder wird man mit so einer Fähigkeit geboren? Ich spürte bereits als junges Mädchen, dass bei mir etwas anders war. Ich begann …

«Die Schönheit der Polyamorie besteht in der grenzenlosen Liebe»

Mehrere romantische Beziehungen zur gleichen Zeit leben wird als Polyamorie bezeichnet. Genau in so einer Beziehung lebt der Schotte Orion Toivonen, welcher bereit war einige Fragen zur Polyamorie zu beantworten. Dabei werden Themen wie Nähe, Liebe oder Eifersucht in polyamorösen Beziehungen behandelt. Von Valeria Tomassini und Paynavi Punithakumar, G19A Eine ungewöhnliche Situation für ein Interview: Orion sitzt uns gegenüber, jedoch nicht an einem Tisch, sondern mehrere Kilometer entfernt, in Schottland. Über den Smartphonescreen sehen wir Orion in seinem Zimmer, seine Beziehungsperson Jose sitzt im Hintergrund und hört uns zu. Orion, du bist momentan in nur einer Beziehung. Deine Beziehungsperson Jose hat aber selbst noch drei weitere Partner. Was bedeuten die Begriffe «Nähe», «Intimität» und «Liebe» für dich? Wie würdest du die Unterschiede beschreiben? Orion: Ich glaube, Liebe ist etwas, das man bei jedem Menschen spüren kann: bei Freunden und in der Familie, vielleicht sogar bei einem Fremden, den man auf der Strasse trifft. Für mich ist es ein Gefühl der Wertschätzung. Nähe hingegen halte ich eher für etwas, das denjenigen Menschen vorbehalten ist, die mir …