2018, Im Fokus, Menschen, Porträt, Sage & Schreibe Nr. 27, Sinn

Der sechste Sinn – vom Natürlichen zum Übernatürlichen

Isabelle Egger ist ein ausgebildetes Medium mit langjähriger Erfahrung und führt eine ganzheitlich mediale Beratungspraxis im Herzen Aaraus. – Ein Besuch bei jemandem, der dank des ausgeprägten sechsten Sinnes mit übernatürlichen Phänomenen auf du und du lebt.

«Das Übernatürliche ist das Natürliche, das wir noch nicht verstehen,» sagte der amerikanische Philosoph Elbert Hubbard – Worte, die auf die meisten von uns, nicht aber auf Isabelle Egger zutreffen. Denn sie sieht, was für viele unsichtbar ist, sie hört, was nicht hörbar ist. Zusätzlich zu den bekannten fünf Sinnen besitzt sie einen sechsten: die Fähigkeit, Schwingungen und Energien wahrzunehmen, diese zu bündeln und in den Lebensalltag zu integrieren.

Kindheitserfahrungen mit dem Übersinnlichen

Als Kind realisierte Egger ihre aussergewöhnliche Gabe noch nicht. Rückblickend fällt ihr jedoch auf, dass sie sehr naturverbunden und verträumt war. «Ich konnte stundenlang mit Steinen oder anderen Gegenständen spielen, ohne Langeweile dabei zu erfahren», sagt sie. Wann genau die aktive Kommunikation mit den feinstofflichen Welten stattfand, weiss sie nicht. Das war ein natürlicher Prozess, welcher sich stetig verfeinert und gefestigt hat.

Ein Leben voller Sinn

Einfacher, erzählt sie, mache diese Gabe das Leben nicht. Mit Sicherheit aber sei dieses Talent für sie sinnvoll. Dies mache das Dasein abwechslungsreicher, man gewinne an Einsicht, Geduld und Verständnis gegenüber seinen Mitmenschen. Für Isabelle Egger ist längst klar: «Ich könnte mir kein anderes Leben vorstellen.»
Dies hat auch damit zu tun, dass ihr das Verständnis von den übergeordneten Zusammenhängen hilft, mit gewissen Situationen besser umzugehen. So erleichtert es ihr etwa die Verarbeitung von Schicksalsschlägen oder anderen prägenden Ereignissen. Beispielsweise hat ein lieber Freund nach seinem plötzlichen Unfalltod in ihrer Wohnung auf sich aufmerksam gemacht, sagt Egger. Als sie die Energie des Freundes direkt ansprach, hatte sie mit einem Mal den Duft seines Aftershaves in der Nase. Von diesem Moment an spürte sie jeweils intensiv seine Präsenz, und noch heute nimmt sie ihn in Form von Energie wahr. «Er begleitet mich auf meinem Lebensweg und gibt mir Hinweise aus einem anderen Blickwinkel, quasi aus der Vogelperspektive», sagt Isabelle Egger. «Er ist jetzt übrigens auch jetzt anwesend, hört mit und freut sich, dass wir dieses Gespräch führen. Er liebt Gespräche, die Tiefgang haben und das Ungewöhnliche beinhalten!»
Das Spirituelle bedeutet für Isabelle Egger ganz allgemein «Bewusstsein in das Leben und in den Alltag integrieren». Eine Lebenseinstellung, die man unabhängig von Raum und Zeit in und mit sich trägt. Die Art und Weise, wie Isabelle Egger ihre Spiritualität lebt, hat nichts mit Oujia Boards und irgendwelchen Dämonen zu tun, wie man es aus zweitklassigen Kinofilmen kennt. «Negative Energien mit bösen Absichten», sagt sie, «gibt es aus meiner Erfahrung nicht. Es gibt nur Energien, die in uns das auslösen, was wir ihnen gegenüber empfinden.» Sie nennt diese Schwingungen auch bewusst «Energien» und nicht «Geister». Denn Geister sind Fabelwesen, Produkte unserer Vorstellung. Für Egger ist ein spiritueller Lebensweg eine stetige Entwicklung, denn die Kommunikation mit den Energien wächst und verändert sich, wie Lebewesen wachsen und sich verändern. Die Individualität dahinter ist in ihren Augen zentral, was bedeutet, dass jede lebende Form eben für sich entscheidet, was ist und was nicht ist. Diese individuelle Entscheidung gilt es zu akzeptieren. Auch deshalb würde sie nie versuchen, andere Personen von ihren Ansichten zu überzeugen.

Beratungspraxis

In ihren Sitzungen vermittelt sie Menschen, die mit einem Anliegen auf sie zukommen, Informationen zu einem aktuellen Thema, zeigt die Zusammenhänge auf und legt dar, welche Kräfte eine Situation wie beeinflussen können. Letztlich aber liegt die Verantwortung und Entscheidung immer beim Klienten, ob und wie er diese Informationen in sein Leben integrieren will: «Ich kann die Menschen ein Stück auf ihrem Weg begleiten, aber letztlich ist jeder selber verantwortlich für sein Handeln oder Nicht-Handeln.»
Isabelle Egger stellt ihre aussergewöhnliche Gabe auch der Wissenschaft zur Verfügung, denn es ist ihr ein Anliegen, dass diese erweiterte Wahrnehmung auf mehr Verständnis und Akzeptanz stösst. So beteiligt sie sich etwa an einer englischen Studie über Schizophrenie. Dabei soll herausgefunden werden, wo die Grenze zwischen einer psychischen Erkrankung und einer extrem erhöhten Sensibilität liegt.
Das Gespräch findet dann aber ein ganz unwissenschaftliches Ende: Auf die Frage, ob es vielleicht einen allgemeingültigen Tipp für ein gelingendes Leben gebe, antwortet sie mit der Sicherheit und Überzeugung eines Menschen, der auf viel Lebenserfahrung bauen kann – in dieser und in anderen Welten: «Auf das Bauchgefühl vertrauen, lernen, sich selber zu mögen mit dem, was ist, und sich nicht immer so ernst nehmen. Über sich selber lachen zu können, hat etwas unglaublich Heilsames.»

Von Melanie Exer, G3L