Druck gehört für ihn zum Alltag. Nicht der Druck von Terminen oder Deadlines, sondern jener, der mit jedem Meter unter der Wasseroberfläche zunimmt. Und doch ist der Wasserdruck nicht die grösste Herausforderung für den 54-jährigen Spitzen-Freitaucher Peter Colat.
Von Carla-Julie Brandenberger und Sara Lea Küng, G23B
Ruhig sitzt er am Tisch, die Arme locker ineinander verschränkt. Wenn er von seinen gewöhnlichen Tauchgängen erzählt, wirkt er gelassen, beinahe so, als hätte er die Ruhe der Tiefe mit an die Oberfläche gebracht. Doch sobald er über das Freitauchen spricht, huscht ihm immer wieder ein Lächeln über das Gesicht. Seine Begeisterung ist ansteckend, seine Augen beginnen zu leuchten. Peter Colat gehört zu den Pionieren des Schweizer Freitauchens und hat über Jahre hinweg zahlreiche Rekorde aufgestellt. Wer seine Geschichte hört, merkt schnell: Freitauchen ist weit mehr als die Fähigkeit, lange die Luft anzuhalten. Es ist die hohe Kunst des Umgangs mit Druck – körperlich und mental.
Zum Sport kam er eher zufällig während Ferien mit Freunden. Schon früh bemerkte er, dass er die Luft länger anhalten konnte als andere. Aus Neugier wurde Ehrgeiz, aus Ehrgeiz eine Leidenschaft. «Damals gab es kaum Kurse oder Trainer», erklärt er. «Vieles brachte ich mir selbst bei, und über Tauchzeitschriften suchte ich Kontakt zu Gleichgesinnten.»
Wasserdruck und mentaler Druck
Und wie ist das jetzt mit dem Druck beim Freitauchen? Erstaunlicherweise spricht Colat vor allem vom mentalen Druck. Beim Luftanhalten werde der Erfolg zu einem grossen Teil im Kopf entschieden, sagt er. «Zweifel, Nervosität oder Stress können über Erfolg oder Misserfolg bestimmen. Wer sich von seinen Gedanken kontrollieren lässt, verbraucht Energie. Wer ruhig bleibt, gewinnt wertvolle Sekunden.» Deshalb sei mentale Stärke oft wichtiger als körperliche Fitness. Doch auch den Wasserdruck – insbesondere beim Tieftauchen – kennt Colat nur zu gut. Besonders in den ersten Metern unter der Wasseroberfläche nehme der Druck stark zu. Ein sauberer Druckausgleich sei entscheidend, um Verletzungen zu vermeiden. «Das lernt man. Es gehört einfach dazu», sagt er lakonisch.
Beeindruckende Karriere
Dass Colat mit jeglicher Art von Druck umgehen kann, zeigt seine beeindruckende Karriere. Zahlreiche Schweizer Rekorde gehen auf sein Konto. Sogar Weltrekorde. Besonders eindrücklich und prägend war ein Versuch unter einer geschlossenen Eisdecke – in Badehosen. Schlechte Sichtverhältnisse zwangen ihn damals dazu, den Versuch abzubrechen. Viele hätten das Vorhaben für immer aufgegeben. Er nicht.«Ich kehrte zurück und meisterte die Herausforderung. Damals habe ich gelernt, dass Geduld und Beharrlichkeit oft wichtiger sind als schnelle, spektakuläre Erfolge.» Trotz des hohen Risikos, das er immer wieder eingeht, steht für Colat die Sicherheit an erster Stelle.
Als junger Sportler suchte er noch häufiger seine Grenzen. Heute trägt er Verantwortung für eine Patchworkfamilie. Der Druck, gesund nach Hause zu kommen, ist grösser geworden. Wenn sich ein Tauchgang nicht richtig anfühlt, bricht er ihn ab. «Ich sehe das nicht als Niederlage an, sondern als eine bewusste Entscheidung.» Peter Colat schmunzelt, als er diesen Satz sagt, und man nimmt ihm jedes Wort ab. Es ist die Überzeugung von einem, der gelernt hat, auf sich selbst zu vertrauen.
Die innere Ruhe
«Der Sport hat mich gelehrt, mit Druck im Wasser und ausserhalb umzugehen, auf meinen Körper zu hören und Warnsignale ernst zu nehmen. Auch in Bezug auf die Psyche. Denn Stress, Sorgen oder belastende Erlebnisse wirken sich unmittelbar auf die Leistung aus.» Freitauchen, sagt er, sei deshalb immer auch eine Begegnung mit sich selbst – ehrlich, direkt und ohne Ausweichmöglichkeiten.
Am Ende des Gesprächs mit Peter Colat bleibt vor allem eine Erkenntnis: Druck lässt sich nicht vermeiden. Weder unter Wasser noch im Alltag. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Der erfahrene und erfolgreiche Freitaucher hat gelernt, ihm nicht auszuweichen, sondern in innerer Ruhe zu begegnen.
![]()
Bild: Navid Fathi
