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«Dreinschlagen – das war definitiv gestern»

Sie sichern das Gelände der Alten Kanti, räumen nötigenfalls auf und sorgen zusätzlich zur Video-Überwachung für Ruhe und Ordnung: das Security-Team von Special Protect AG. Wir haben Adrian Buchser und Martin Vetter auf einem Rundgang begleitet.

Von Luca Bützberger und Balian Wark, G23B

Regelmässig patrouillieren Teams von Special Protect AG auf dem Gelände der Alten Kanti und kontrollieren am Abend jeweils auch die Gebäude, kurz bevor sie schliessen. Auf Nachfrage nennt Rektor Dr. Andreas Hunziker drei Hauptgründe für die Massnahme: Vandalismus, Littering und Drogenverkauf beziehungsweise -konsum. Adrian Buchser und Martin Vetter bestätigen das aus eigener Erfahrung. Da sich das Gelände der Alten Kanti unmittelbar neben dem Bahnhof befindet, trifft man hier abends auf allerhand Leute, die sich nicht angemessen verhalten. Auf ihrem Rundgang beobachten Vetter und Buchser die Umgebung genau. Auf einem kleinen Stück Wiese zwischen den Gebäuden hat es sich ein Pärchen bequem gemacht und trinkt offensichtlich Alkohol. Vetter und Buchser gehen hin und schicken das Paar weg. – Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt es äusserst selten. Auch heute ist soweit alles ruhig.

Beträchtliche psychische Belastung
Da Special Protect AG nicht nur Areale oder Häuser bewacht, sondern auch etwa in psychiatrischen Kliniken für Sicherheit sorgt, kann der Job sehr intensiv und belastend sein. Wichtig sei dabei, sagt Martin Vetter, sich einzugestehen, wenn man eine Pause braucht. Eine unterstützende Familie und Freunde trügen wesentlich dazu bei, in diesem Job zu bestehen. Aber es brauche auch viel Verständnis vonseiten der Firma. «Wenn ich spüre, ich brauche eine Pause, Abstand, einen anderen Fokus, dann braucht es das Entgegenkommen der Firma und eine gute interne Koordination.»
Buchser und Vetter gehen an einer Gruppe junger Männer vorbei. Sie grüssen sie freundlich. Mit ihrer Art aber geben sie ihnen zu verstehen, sie sind nicht zum Spass hier, sondern bereit, bei Regelverstössen jederzeit konsequent durchzugreifen.

Dem Klischee des Türstehers oder Rausschmeissers entsprechen Buchser und Vetter so gar nicht. Darauf angesprochen, schmunzelt Martin Vetter. «Früher», sagt er, «brauchtest du vor allem Muskeln, um Recht und Ordnung zum Beispiel vor einem Lokal oder auf einem Areal durchzusetzen. Heute ist das komplizierter; sie zücken sofort das Smartphone und filmen. Dann siehst du nicht gut aus. Man muss es also mit Sozialkompetenz machen, mit psychologischem Gespür. Dreinschlagen – das war definitiv gestern.» Martin Vetter überlegt, dann ergänzt er: «Man muss das Gegenüber lesen können und vertraut sein mit der Technik. Bei Special Protect AG haben wir zudem einmal pro Woche Training, jeden Donnerstag. Da holen wir uns auf den Sicherheitsdienst ausgelegte Erfahrung im Kampfsport. Für den Fall der Fälle.»

Dokumentation
Der Fall der Fälle tritt heute nicht ein. Aber Buchser und Vetter wären dafür auch technisch ausgerüstet. Vorfälle werden nämlich über eine spezielle Software dokumentiert. Die Auftraggeberschaft hat dabei Live-Einblick in das Geschehen und kann mitverfolgen, wie sich eine Lage entwickelt. Sollte die Situation allerdings eskalieren, wird die Polizei beigezogen und die Sache dann letztlich von einem Gericht geklärt.
Der Rundgang ist für heute beendet. Die Arbeit jedoch noch nicht. «Ein beträchtlicher Teil unserer Arbeit», erklärt Buchser, «ist das Protokollieren.» Heute war es zwar grösstenteils ruhig – aber auch das muss erfasst werden. Buchser trägt alles ins Programm der Firma auf seinem Handy ein. Danach ist aber wirklich Feierabend.


Bild: Yumiko Huguenin-Dumittan