2019, Interview, Menschen, Sage & Schreibe Nr. 30, Traum

Ein Leben ohne Zirkus? Nicht einmal im Traum!

Seit seiner Kindheit steht der heute 23-jährige Jongleur Mario Muntwyler in der Manege des Circus Monti. Was ist das für ein Leben, und wie geht er damit um?

Mario, wie ist es, in eine Zirkus-Dynastie hineingeboren zu werden? Fühlst du dich verpflichtet, im Circus Monti tätig zu sein?
Nein, ich bin einfach schon seit meiner Kindheit dabei. Dies war eine freiwillige Entscheidung, man wird von diesem Lebensstil einfach mitgerissen. Mit fünf Jahren hatte ich meinen ersten Auftritt mit dem Diabolo. Neben der Manege hatten wir Schulunterricht in einem Zirkuswagen. So konnte ich meine obligatorische Schulzeit abschliessen. Danach entschied ich mich, eine KV-Lehre in Wohlen zu machen. Für mich war es wichtig, neben dem Zirkus noch etwas anderes in der Hand zu haben.

Was geht einem durch den Kopf, wenn man in der Manege steht?
Das ist schon ein cooles Gefühl, darum mache ich es auch gern. Es ist der Lohn für die harte Arbeit. Der grosse Zeitaufwand für die Trainings und die Trockenübungen ohne Gäste wird belohnt. Die Première in Wohlen ist immer ein grosser Moment. Dann sieht man, wie die Show bei den Gästen ankommt.

Wie fühlt man sich, wenn ein Auftritt völlig daneben geht?
Man gewöhnt sich daran. Als Kind hatte ich grosse Mühe damit. Da sah man es mir auf der Bühne teilweise auch an, dass mich dies richtig wütend gemacht hat. Doch eine Panne kann immer vorkommen. Innerlich nervt es dich, egal in welchem Alter. Doch die Show muss als Ganzes gelingen. Das ist das Wichtigste.

Wolltest du neben dem Jonglieren auch eine andere Disziplin ausüben?
Ich habe schon immer etwas Akrobatik gemacht. Saltos und Überschläge zeige ich unter anderem auch in den Vorführungen. Jedoch mache ich keine andere Disziplin neben der Jonglage. Sie ist meine Leidenschaft und zusätzlich auch sehr praktisch beim Reisen: Du packst alles in eine Kiste und bist schnell bereit. Du brauchst fast keine Requisiten und die Verletzungsgefahr ist gering. In der Probezeit trainiere ich sehr intensiv für die neue Show, während der Tournée mache ich jedoch nur das Nötigste. Mein Ehrgeiz und das Bedürfnis, die ganze Zeit zu trainieren, sind nicht mehr so stark. Dennoch steht das Streben nach Perfektion über allem.

Ist das Leben im Circus Monti dein Traumleben?
Es ist auf jeden Fall ein interessantes Leben. Vielleicht werde ich in Zukunft nicht mehr so regelmässig in der Manege zu sehen sein, sondern vermehrt im Hintergrund arbeiten. Aber ein Leben ganz ohne Zirkus kann ich mir nicht vorstellen.

Zur Person:
Mario Muntwyler, geboren in Wohlen AG, tritt seit seinem sechsten Lebensjahr im Circus Monti auf. Nach Anfängen mit dem Diabolo entdeckte er seine Leidenschaft für das Jonglieren. Seit seiner Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten 2012 ist er neben der Manege vor allem im Büro tätig. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Buchhaltung, die Administration der Zeltvermietung sowie weitere administrative Arbeiten im Büro des Circus Monti.

Von Hannah Mücke und Aurora Wildi, G2L