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Eine bäumige Idee wird zum Erfolg

Aus einer kleinen Idee ist etwas Grosses entstanden: Das Label NIKIN setzt heute ein starkes Zeichen für Nachhaltigkeit in der Schweizer Modebranche. Die Freunde Nicholas Hänny und Robin Gnehm gründeten das Label 2016 mit der Vision, Mode und Umweltbewusstsein zu verbinden. sage&schreibe wollte von Mitgründer Nicholas Hänny wissen, wie alles ins Rollen kam.

Von Lynn Chakaï und Sara Lea Küng, G23B
Kaum haben wir den Laden betreten, kommt Nicholas Hänny mit einem Lächeln auf uns zu und begrüsst uns freundlich. Er führt uns durch das neu eröffnete, mehrstöckige TreeHouse. Schnell merken wir: In diesem Ort steckt viel Leidenschaft. Ein mehrere Meter hoher Baumstamm steht – oder besser: hängt in den Freiräumen zwischen den Etagen. Das architektonische Konzept folgt konsequent dem Motto eines Baumhauses.

Gründungsmythos
Bereits früh im Gespräch wird klar, dass eine verbreitete Erzählung nicht ganz der Wahrheit entspricht. Die Annahme, NIKIN sei direkt aus dem YES-Mini-Unternehmen der Alten Kanti Aarau entstanden, ist ein Mythos. «Ohne die Erfahrungen, die ich als Mini-Unternehmer an der Alten Kanti machen konnte, wäre es jedoch wahrscheinlich niemals zu NIKIN gekommen», erklärt Hänny. Wahr ist: Während seines Studiums an der Universität St. Gallen gründete er zunächst «Nikit», ein Projekt, aus dem er später gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Robin Gnehm NIKIN entwickelte. Eine tiefere Bedeutung stecke nicht hinter dem Namen, betont er, dafür umso mehr Arbeit hinter der Idee. «Wir hatten ja eigentlich keine Ahnung. Zu Beginn mussten wir sogar googeln, was nachhaltige Mode überhaupt ist», sagt Nicholas schmunzelnd. Erst durch die Recherchen kristallisierte sich ihre unternehmerische Ausrichtung heraus: nachhaltige Mode zu fairen Preisen anzubieten.

Der Schlüsselmoment zum Erfolg
Wenn Nicholas Hänny von den Anfangsjahren erzählt, spürt man Mut, Unsicherheit und Begeisterung zugleich. 2016 gründeten die beiden «Pfadi-Brüder» das Unternehmen und führten es zunächst neben Job und Studium weiter. Doch schon 2018 setzten sie sich ein klares Ziel: NIKIN hauptberuflich führen zu können. Dafür war allerdings nicht weniger als eine Million Umsatz zu machen. Nach ansprechendem Start stand das Unternehmen am Beginn der Pandemie 2020 unfreiwillig an einem Wendepunkt. «Wir hatten grosse Angst vor dem Lockdown, denn wir befürchteten, wir würden nicht zu den Profiteuren gehören», erinnert sich Hänny. Gerade deshalb aber gingen sie ins Risiko: Während andere Firmen die Marketingkosten massiv senkten, verdoppelten sie ihr Budget. Dank ihres Know-hows im Online-Marketing verschafften sie sich die nötige Sichtbarkeit, sodass 2020 trotz Lockdown das bisher erfolgreichste Jahr von NIKIN wurde.

Baum um Baum
Ein wesentlicher Teil der nachhaltigen Firmenphilosophie besteht darin, für jeden verkauften Artikel einen Baum pflanzen zu lassen. Dass wir in diesem Punkt nachfragen, überrascht Hänny nicht. «Wir pflanzen die Bäume natürlich nicht selbst», sagt er und lacht. «Aber wir sorgen dafür, dass es gemacht wird.» Verlässliche Partner sind dabei zentral. Durch Fotos, Berichte und persönliche Besuche – wie zuletzt in Brasilien – kann NIKIN die Pflanzungen überprüfen und deren Wirkung sicherstellen.

Nachhaltigkeit und Wirtschaft im Doppelpack
NIKIN möchte wachsen, internationaler werden, sagt Hänny. Vor allem liegt ihm daran zu beweisen, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg zusammengehören. Bis 2030 komplett zirkulär zu werden, ist ein ambitioniertes Vorhaben. Ziel ist es, Kleidungsstücke möglichst lange im Gebrauch zu halten. So können Kunden etwa solche bereits zirkulären Stücke zurückbringen, wenn sie beschädigt oder ausgetragen sind – damit sie vollständig recycelt und zu neuen Kleidungsstücken gemacht werden können.

Dieses Projekt steht noch am Anfang und wird derzeit durch das Konzept «Circular Cashback» vorangetrieben. «Wer bestimmte zirkuläre Artikel bei uns wieder abgibt, erhält Geld zurück. So wird einerseits der Wert der Materialien anerkannt, und andererseits wird der Idee der Nachhaltigkeit Rechnung getragen», erklärt Nicolas Hänny abschliessend, denn schon steht für ihn der nächste Termin an.


Bild: Navid Fathi