2024, Aktuelles, dies&das, Kolumne, Sage & Schreibe Nr. 39

Eine haarige Fashiondebatte 

Von Susanna Burkhard, G21K

Nach unzähligen Tierschutzkampagnen und Protesten war letzten Winter dennoch wieder ein Comeback von Pelzmänteln und anderer felliger Kleidung zu sehen. – Moral und Trendfieber treffen erneut aufeinander, wobei die Generation Z neue Aspekte zum Meinungsstreit beizufügen hat.

Eigentlich könnte man annehmen, jahrzehntelange Dispute hätten den meisten bewusst gemacht, wie viel Tierleid in fast allen Fällen am Echtpelz hängt. So haben selbst die grossen Fashionhäuser Pelze seit Jahren weitgehend aus ihrer Produktion ausgeschlossen. Wurde nichts aus all diesen Fortschritten in Richtung tierfreundliche Mode gelernt?

Ein Grossteil der Menschen, welche der neuen Welle des Felltrends folgen, demonstrieren tatsächlich Lernfortschritte: Ihre Pelze sind nämlich secondhand. So zeigen sich Content Creators zum Beispiel stolz mit Pelzmänteln ihrer Grossmütter.

Tatsächlich hat Echtpelz die Stärke, dass er mit genügend Pflege und Sorgfalt noch nach vielen Jahren fast wie neu aussehen kann. Zudem wird damit argumentiert, dass Kunstfell aus Plastik, zum Beispiel aus Polyester, hergestellt wird. Das heisst, dass Kunstfell eine Mikroplastikquelle sein kann und hunderte von Jahren braucht, bis es biologisch abgebaut ist. Auch wenn an biobasierten Methoden für die Kunstfellherstellung geforscht wird, ist Echtpelz aus ökologischer Perspektive momentan also die bessere Option.

Obwohl man mit gebrauchtem Pelz den noblen Look ohne schlechtes Gewissen bezüglich Tier Leid oder Umweltverschmutzung tragen kann, sollte man mögliche Nebenwirkungen in Betracht ziehen. Als Außenstehender kann man nun mal die Quelle des Fells kaum beurteilen, und solange der Markt für neue Echtpelze weiterhin besteht, könnte dies bedeuten, dass die Trendwelle von Secondhand-Pelzen die Produktion sowie den Kauf von neu produzierten Pelzen mit ankurbeln könnte.