Von Larissa Ostgen, Italienischlehrerin
Nach über 25 Jahren an der Alten Kanti ging Francesco Mugheddu mit Beginn der Sportferien in Pension. Mit ihm verabschiedete die Schule einen engagierten Geschichts- und Italienischlehrer, der es auf ganz natürliche Art und Weise verstand, sowohl seine Schülerschaft als auch sein Kollegium zu begeistern. Denn Francesco war un mostro auf verschiedensten Ebenen.
Er war un mostro laborioso. Francesco schien keinen Aufwand zu scheuen, um jedem einzelnen Schüler und jeder einzelnen Schülerin gerecht zu werden, war die Heterogenität im Italienischunterricht noch so gross. Es ist also kein Zufall, dass sich das Fach Italienisch unter seiner Leitung als Fachschaftsvorsteher zu einem etablierten Frei- und Grundlagenfach mit einem PLIDA-Sprachprüfungszenter und zu einem regelmässig besuchten Schwerpunktfach entwickelt hat.
Francesco überzeugte seine Klassen nicht nur mit Fleiss, sondern vor allem als mostro didattico. Die Ausschreibung der von ihm ins Leben gerufenen und mittlerweile legendären Projektwoche «Italiano subito» beschreibt seinen Unterrichtsstil sehr treffend: «motivierend, situativ, leicht, aber sehr ernst». Durch einen spielerischen Zugang zur Sprache wurde die Italianità nicht nur vorgelebt, sondern von allen gemeinsam erlebt, beispielsweise beim Essen von selbst zubereiteten italienischen Spezialitäten oder beim regelmässigen Singen – getreu dem Motto canta che ti passa. Der Unterricht bei Francesco war aber keineswegs il dolce far niente. Insbesondere das nachhaltige Lernen wurde bei ihm grossgeschrieben. Er bot permanent Anlässe zu Konversationen, in denen Wortschatz und Grammatik aktiv geübt werden konnten. Dabei gelang es ihm, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle einbringen konnten. Fehler waren keine Schande, sondern Teil des Lernprozesses. Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler erzählen noch heute, wie sehr sie durch seinen Unterricht Selbstvertrauen im Umgang mit der Sprache gewonnen haben.
Dieses wertschätzende Lernklima beruhte nicht zuletzt darauf, dass Francesco un mostro empatico war. Er erreichte seine Mitmenschen auf sanfte Art, indem er sich ehrlich für das Gegenüber interessierte und wollte, dass sich alle wohlfühlten. Dies durften im Übrigen auch seine Kolleginnen und Kollegen erfahren, denen er bei jedem Treffen im Zimmer 28 als erstes einen Espresso aus seiner dort festinstallierten Kaffeemaschine anbot.
Nebst einem grossen Herzen zeichnete sich Francesco jedoch auch durch einen aussergewöhnlichen Geist aus. Wer mit ihm zusammenarbeitete oder sich mit ihm unterhielt, merkte schnell, dass er un mostro intellettuale war, ja, wohl einer der letzten Universalgelehrten. Sein breites Wissen teilte Francesco nicht nur mit seinen Schülerinnen und Schülern. Auch das Kollegium durfte davon profitieren, etwa wenn er perfekt organisierte Fachschaftsreisen durchführte. Eigentlich kam aber jeder Austausch mit ihm einer kleinen Weiterbildung gleich.
Trotz seiner beeindruckenden Bildung blieb Francesco immer bescheiden, war er doch auch un mostro modesto. Er begegnete Menschen auf Augenhöhe, behandelte alle gleich und ermutigte sie, ihre Gedanken zu teilen. Neue Lehrpersonen erlebten ihn als anregenden und hilfsbereiten Mentor, Schülerinnen und Schüler als motivierenden und zugewandten Lehrer – und nicht selten auch als Vorbild für ihren eigenen Weg in den Lehrberuf.
Mit Francesco Mugheddu hat eine Persönlichkeit die Alte Kanti verlassen, die das Schulleben über Jahrzehnte mitgeprägt hatte. Seine Leidenschaft für Bildung, seine Menschlichkeit und seine Begeisterung werden fehlen. Gleichzeitig bleiben die Erinnerungen an einen Lehrer, der unzählige Menschen inspiriert und begleitet hat.
Für seinen neuen Lebensabschnitt wünschen wir Francesco viel Zeit für seine Familie, für Reisen, Musik, Literatur und all die Interessen, für die neben dem Schulalltag oft zu wenig Raum blieb. Und sollte ihn sein Weg für einen Besuch an die Alte Kanti zurückführen, werden nun wir die Kaffeemaschine für einen gemeinsamen Espresso bereithalten. Grazie di cuore, caro Francesco!
