2020, Alte Kanti, Menschen, Sage & Schreibe Nr. 31, Verabschiedung

Flair im János-Tamás-Haus

Auf dem Parkplatz der Alten Kanti, genauer: vor dem Tamáshaus, steht wie immer eine Honda oder ein ähnlich schwerer Töff. Er ist ein Schauobjekt, das auch an einem warmen Sommernachmittag die Aufmerksamkeit von neugierigen Schülern, nein, nicht von Schülerinnen, auf sich zieht. Gerade hat Petra für heute die letzte Unterrichtsstunde beendet, tritt aus dem János-Tamás-Haus und geht in Richtung ihres Fahrzeugs. Dort angekommen, wird sie mit bewundernden Augenpaaren und folgendem Ausruf empfangen: «Wow, gehört dieser Töff dir?» Der Schüler, welcher zuvor bei Petra Unterricht hatte, ist auch bereits da. «Ihr dürft sie doch nicht duzen, sie ist meine Posaunenlehrerin», platzt es aus ihm heraus. Petra hingegen reagiert mit einem Schmunzeln. – Diese Episode aus den neunziger Jahren passt hervorragend zu Petra Bachmanns Charakter. Ihre Spontanität ist wie eine Blume, die sich öffnet, aber überlegt und aufmerksam, denn sie duftet nur, wenn das Umfeld für Petra stimmt.

Wenn die Posaunistin im János-Tamás-Haus war, dann spürte man es im Nordteil oder im Lehrerzimmer durch die Wände hindurch. Es war nicht ihr «profumo», es war ein freundlicher Blick, ein Lachen oder ein aufgewecktes Wort, welches wie ein fröhlicher Luftzug durch die Räume hallte.

Petra Bachmann, aufgewachsen in Bayern, unterrichtete an der Alten Kantonsschule Aarau während nicht weniger als 35 Jahren Posaune und zeitweise auch Klavier. Bei den Schülerinnen und Schülern erfreute sich Petra mit ihrer fröhlichen, frischen und kommunikativen Art grosser Beliebtheit. Das Resultat dieses motivierenden Unterrichts mit Herzblut und pädagogischem Können kam besonders in den öffentlichen Ensembleauftritten zur Geltung. Das Publikum durfte stets in abwechslungsreiche Klangwelten eintauchen.

Auf die Frage, welches Fach Petra neben ihrem Instrument noch unterrichten möchte, sagt sie spontan: «Sport, da Musik und Bewegung zusammenpassen.»

Als Posaunistin hat Petra eine vielseitige Karriere hinter sich. Sie spielte 30 Jahre lang im Aargauer Sinfonie-Orchester und war im Opernhaus in Zürich als Zuzügerin tätig. Sie absolvierte auch ein Studium in Blasmusikdirektion und dirigierte danach mehrere Jahre eine Brass Band. Zudem spielte sie im Blechbläserquartett AROWE BRASS, u.a. mit dem Trompeter André Wey. Der unterwartete Tod dieses geschätzten Kollegen vor einigen Jahren hat Petra sehr erschüttert. Die Musik hat ihr geholfen, diesen Schmerz zu verarbeiten und mit Hingabe ihren Unterricht fortzusetzen.

Ihrer Wahlheimat Schweiz bleibt sie auch nach der Pensionierung treu: «Meine Lieblingsstadt ist nur ein Städtchen und es heisst Sempach. – Sempach hat Geschichte, Charakter und Charme. Die Menschen sind nett, es ist für mich schnell erreichbar und es liegt am herrlichen Sempachersee, wo es vermutlich schweizweit die schönsten Sonnenuntergänge gibt.»

Wir wünschen Petra für Ihre Zukunft von Herzen alles Gute, vor allem spannende Highlights auf allen Ebenen und Horizonten bei ihren Trekkingvorhaben in den Schweizer Alpen.

Als Kollegin werden wir Petras Ausstrahlung vermissen, aber uns bleibt eine schöne Erinnerung an eine wache und spontane Kollegin.

Unserer Fachschaft gibt Petra übrigens Folgendes auf den Weg: «Haltet zusammen, unterstützt euch und hört euch gegenseitig zu. Seid euch immer bewusst, dass ihr mit eurer Arbeit den Schülerinnen und Schülern etwas vom Schönsten weitergeben dürft: die Liebe zur Musik.»

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Von Esther Flückiger, Klavierlehrerin