2018, Alte Kanti, Audio, Menschen, Porträt, Sage & Schreibe Nr. 28, Verabschiedung

Gespräch im Gebirg – oder: Ohode an Ariane (im umarmenden Teamreim)

Aus Anlass der Pensionierung von Ariane Bolli, Deutschlehrerin, im Herbst 2018

«… eine Würdigung? Von Arianes Tätigkeit an der Schule?»
«Genau, sozusagen was die Fachschaft Deutsch im Innersten zusammenhält.»
«Das ist ein weites Feld. Soll es ein Roman werden?»
«Eher etwas Kürzeres.»
«Eine Novelle kommt nicht in Frage, dass Ariane ein Tausendsassa ist mit einer unerschöpflichen Begeisterung für den Unterricht und die Literatur, ist niemandem neu.»
«Wäre eine Legende nicht passend?»
«Das würde sie bescheiden ablehnen. Allerdings weiss Google einiges über ihren unermüdlichen Einsatz für die gute Sache.»
«Ein Theaterstück vielleicht? Als Fachschafts-Vorsitzende führte sie fast zehn Jahre lang diskret Regie, setzte aber kaum je die Donnermaschine ein. Und als AMV-Vertreterin bespielte sie auch die politische Bühne.»
«Eh ich es vergesse, es war von maximal 3000 Zeichen die Rede. Bleiben 2007. Minus vier.»
«Dann bleibt nur noch eine Gattung, Arianes liebste: Die Lyrik.»
«Kannst du dichten?»
«Nö, du? Aber With a little help from our friends und mit ein bisschen andern Worten …»

Kennt ihr das Land, wo die Alpen glüh’n
Und hoch im Fels die Enziane* blüh‘n
Kennt ihr es wohl? Dahin, dahin
Fährt mit Aufsätzen die Lehrerin.

Die zweite Heimat im Bündnerland
Fanden Nietzsche, Hesse, auch Thomas Mann.
Ariane indes ist höchstselbst von dort,
Man hört das auch, bei jedem Wort:

«Wenn’s bir Nochbüüri es Poppi git,
Un uf dr Schkiipischte entli schniit,
Denn fahrt ma weidli döte hii
– Das isch nu ei Beispiil gsii.»

Wie Heidi in den Alpen droben,
Fühlt sie sich in Klosters aufgehoben.
Erst Physio, dann Studium,
Die Jahre der Jugend sind schnell herum.

Nun bleibt sie halt im Unterland,
Wo sie im Aargau Arbeit fand.
Und mehr. Sie gäb’s nicht gern mehr her,
Auch wenn die Badenfahrt nicht wär.

Und doch: Es zieht sie hinan und in die Höh’,
Öfters sagt sie dem Unterland: «Adieu!»
Wählt die Bergluft, die Frische, den Kurort Davos.
Rotstift & Sport als Kombi: Famos!

Sie schwingt sich aufs Rad, saust hinunter die Pisten,
Zieht Wellenlinien über die weissen, weiten
Seiten vom Berg der Korrekturarbeiten,
Es gelten schliesslich die Rückgabefristen.

«Ariane, was birgst du so bang dein Gesicht?»
«Die Kommas sind‘s, es hat sie nicht!»
«Die Kommas nicht, nicht hier, nicht dort?»
«Ein Elend ist‘s, sie sind stets fort!

Dass ich nicht Lästerung auf mich lade,
doch leider ist hier kein Satz gerade!
Weh mir, wie setz’ ich im Tanz um die Mitte
gänzlich faire Notenschnitte?»

Willst, Ariane, du mit uns gehn?
Du musst diese Texte doch lassen stehn.
Und die Sätze, die du nicht gebaut.
Komm mit, bevor der Morgen graut.

Du gute Frau, komm, lass sie hier,
Wir wandern nach oben und trinken ein Bier.
Lass lieber die Hefte jetzt in Ruh,
Sonst macht die Beiz über den Wipfeln zu.

Lass die Kommas Kommas sein,
Jeder setzt schliesslich nach Gefühl sie ein.
Regeln sind Schall und Rauch und so weiter,
Die Studierenden werden auch so gescheiter.

Doch sieh! Den Bau der Sonette,
Den Stil, die Reime, die feinen Quartette!
Daran wirst du immer und immer dich freuen:
Wie Poesie und Schönes sich ewig verneuen.

Jetzt brichst du auf zu neuen Kulturen,
Hinterlässt woanders deine Spuren.
Wie wird das sein? Ach, ach! Wir wissen:
Wir werden dich enorm vermissen!

*Lesehinweis: Setzen Sie je nach Stimmung ein: blaue Hortensie (impressionistisch), blaue Blume (na?), blauer Enzian (Après-Ski).

Von Lara Dredge und Simone Leuenberger