2024, Aktuelles, Alte Kanti, Interview, Kultur, Sage & Schreibe Nr. 39

Hinter den Kulissen des Kanti-Theaters

Seit vier Jahren leitet Andrea Santschi überaus erfolgreich die Theatergruppe der Alten Kanti. Im Nachgang zur jüngsten Produktion – der szenischen Umsetzung des Mittelalter-Romans «Tristan und Isolde» – haben wir Andrea Santschi zum Gespräch getroffen.

Von Alexandra Ellena, Emilia Laube und Lilly Zgraggen, G21K

sage&schreibe: Wie lange führen Sie das Kanti-Theater schon?
Andrea Santschi: Begonnen habe ich, als ich mit meinem Master in Theaterpädagogik angefangen habe. Damals war Heinz Schmid noch in der Leitung. Das erste eigene Stück, welches ich auf die Beine gestellt habe, konnte aufgrund des Lockdowns 2020 nie aufgeführt werden. Seither leite ich das Kanti-Theater zusammen mit Eva Welte. Zu zweit fällt die Arbeit deutlich leichter; ein ganzes Stück allein zu meistern, ist nicht immer einfach.

Was ist Ihre Motivation?
Als Gymnasiastin habe ich nicht Theater gespielt; ich habe getanzt und gesungen. Erst später, als ich Lehrerin wurde, habe ich mit Rollenspielen und kleinen Inszenierungen im Klassenzimmer angefangen. Da hat mich das Interesse so richtig gepackt, weil das Schöne am Theater ist, dass etwas von den Schülerinnen und Schülern zurückkommt. In einer Theaterproduktion braucht es jeden Einzelnen, und das ist das Schöne. Es ist ein Gemeinschaftsgefühl. – Spielplatz, Gemeinschaft, Erlebnis – das ist für mich Theater.

Wie entsteht so ein Theaterstück?
Das braucht Zeit. Die Vorbereitungen fangen eineinhalb bis zwei Jahre im Voraus an. Eva Welter und ich suchen nach Texten und Ideen, je nachdem, ob wir ein Stück selber entwickeln (was mehr Zeit braucht) oder ob wir eines adaptieren. Es braucht viel Denkarbeit, viele Sitzungen. Licht, Kostüme und Bühnenbilder müssen geplant werden. Ein Raum zum Proben muss gefunden werden, und dann erst fängt das Inszenieren an. Hier können sich auch die Schülerinnen und Schüler einbringen. Wir schätzen jeden ihrer Inputs. Am Ende müssen wir dann aber selber entscheiden, was wir davon aufnehmen und was nicht.

Falls man mitmachen möchte, welche Qualitäten sollte man mitbringen?
Wer neugierig und bereit ist, sich zu exponieren, eine gewisse Selbstironie besitzt und Lust und Mut hat, kann sich anmelden. Mer muess chönne blöd tue, experimentieren, ausprobieren. Jedoch braucht es nicht nur Leute auf der Bühne; zu unserem Team gehören auch Lichttechniker und so weiter. Zu beachten gilt es: Die Produktion dauert zwei Jahre, Der Einstieg ist also ideal für Erstklässler und Zweitklässlerinnen. Die Proben finden montagabends statt. Und: Wer einmal in der Gruppe drin ist, darf aber gerne auch nach der Kanti bleiben.

Und wie verteilen Sie die Rollen?
Ein Vorsprechen gibt es in diesem Sinne nicht. Das Skript wird zusammen durchgelesen, bevor jede und jeder sich mehrere Rollen aussucht, die er oder sie gerne spielen würde. Im nächsten Schritt kann man seine Mitschülerinnen und Mitschüler für Rollen vorschlagen. So werden die Rollen verteilt, bis alle zufrieden sind. Dieses Vorgehen hat sich bis jetzt stets bewährt.

Und gibt es schon Pläne für die Zukunft?
Zwischen unseren grossen Auftritten führen wir auch kleinere Stücke auf. Daran arbeiten wir im Moment. Wir sind noch in der Anfangsphase und warten natürlich auf die neuen Erstklässler/-innen nach den Sommerferien. Das Stück werden wir selber erarbeiten. Im Zentrum wird das Thema «Familie und Geschwister» stehen. Uns ist bei jedem Stück wichtig, dass es etwas mit den Schülerinnen und Schülern zu tun hat, dass es sie betrifft. Denn im Endeffekt ist es immer ein Stück für sie. Wir werden es draussen auf dem Pausenhof vortragen – sozusagen als Pausen-Geschichte. Ein bisschen gedulden muss man sich noch, aber nächsten Sommer sind wir soweit.