2026, dies&das, Kolumne, Sage & Schreibe Nr. 43

Ki und Autorschaft

Von Jakub Kwiatkowski

Sie sind mittlerweile Realität geworden: Romane, zu denen die KI einen massgeblichen Anteil beigesteuert hat, welche gar von einer KI geschrieben wurden. Die Kunst des Schreibens ist banalisiert worden, heutzutage können auch Unbegabte, Ahnungslose und Ideenlose Autor oder Autorin werden. Publikationen von KI-Romanen werden von Verlagen in Aussicht gestellt, die KI wird von einer Literaturnobelpreisträgerin als legitimes Hilfsmittel benannt. Preiswert, effizient, verlockend.
Es hat da jedoch einen Haken an der Sache. Zunächst sind künstliche Intelligenzen nicht wirklich intelligent, sondern funktionieren auf Basis von bisherigem menschlichem Schaffen. Selbst kreieren sie nichts, denn sie analysieren und synthetisieren lediglich bereits bestehendes, von Menschen verfasstes Textmaterial. Noch gibt es genug von Menschen geschriebene Texte, um die KI zu trainieren. Die Zahl menschengemachter Texte nimmt jedoch stetig ab, das Futter geht den KIs aus. Die Konsequenz: Die Sprache und die Literatur entwickeln sich nicht weiter, enden in einer Sackgasse.
Zudem fehlt der KI etwas ganz Grundsätzliches: Sinne. Künstliche Intelligenzen können die Welt nicht erfassen, sie können sie nicht wie Menschen hören, riechen, schmecken, sehen und spüren. Auf diese Weise werden unsere Erfahrungen geprägt, Erfahrungen, die uns und unser Denken ausmachen – also letztendlich auch das, was wir zu Papier bringen. Die KI hat das nicht. Sie braucht eine vermittelnde Instanz, die ihr sagt, was in der Welt vor sich geht und was damit anzufangen wäre. Ohne diese Instanz ginge es der KI wie der von ihr geschriebenen Literatur: Sie befände sich in einer Sackgasse. Deshalb brauchen wir Autorinnen und Autoren. Menschen, welche die Welt erfahren und sie in Worte fassen können.