2026, dies&das, Druck, Kolumne, Sage & Schreibe Nr. 43

Peng!

Von Mia Marfurt, G23B

Druck erzeugt Widerstand und Druck erzeugt Risse. Und manchmal erzeugt Druck etwas Wunderbares: einen Knall, eine Wolke aus Dampf – und das weichste, luftigste Ding, das die Küche zu bieten hat: Popcorn. Und das aus einer Handvoll unscheinbarer Maiskörner.
Popcorn ist im Grunde das Resultat einer kleinen Explosion. Denn im Inneren eines jeden Maiskorns steckt ein winziger Tropfen Wasser, eingeschlossen von einer harten Schale. Erhitzt man das Korn, verwandelt sich das Wasser in Dampf. Dadurch steigt der Druck im Inneren, bis er fast viermal so gross ist wie der eines Autoreifens. Wenn die Schale das nicht mehr aushält, macht es peng. Was eben noch ein hartes, gelbes, unbewegliches Korn war, stülpt sich nach aussen und wird zu etwas Weissem, Zartem. Popcorn.
Das Verrückte daran: Man muss die leckeren Dinger gar nicht sehen, um von ihrer Produktion zu wissen. Jedenfalls nicht an der Alten Kanti. Der Geruch reicht. Denn irgendwo in einem Gebäude, irgendwo hinter einer geschlossenen Tür läuft immer eine Mikrowelle. Und plötzlich riecht der ganze Gang nach Popcorn.
Gleiches passiert auch in Kinosälen, in Wohnhäusern, in Büros, und manchmal mitten in der Pause im Paul-Karrer-Haus. Der Geruch zieht durch die Stockwerke hinauf. Und alle wissen es, auch wenn sie es nicht sehen: Irgendwer macht Popcorn. Diese Person ist in diesem Moment zweifellos die beliebteste Person im Haus. Zumindest so lange, bis alle zarten, weissen Dinger gegessen sind und der Geruch langsam wieder verschwindet. Dann kehrt wieder der unspektakuläre Alltag ein. Für die Zukurzgekommenen bleibt das leise Hungergefühl. Und die Hoffnung, dass beim nächsten Mal irgendwo jemand teilt.


Bild: Navid Fathi