2017, Menschen, Porträt, Sage & Schreibe Nr. 26, Sport

Peng!

Chiara Leone besucht die vierte Klasse der Sportabteilung an der AKSA. Seit über zehn Jahren trainiert die Fricktalerin im Schiessstand. In ihrer Sportart durfte sie schon mehrere Erfolge feiern; so nahm sie an zwei Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft teil. Kürzlich konnte sie sogar den Alpencup in Bologna gewinnen. Es bleibt der Traum von Olympia.

Der Fussabstand ist ausgemessen, der stabilisierende Anzug passt genau, und das Gewehr wird minutenlang in die richtige Position gebracht. Nichts wird dem Zufall überlassen. Den Blick auf das Ziel gerichtet, steht die 19-jährige Chiara Leone im Keller des Werkhofs in Frick. Mit dem Finger am Abzug zielt sie auf die zehn Meter entfernte Zielscheibe. Dann – peng!

Angefangen hat alles, als Chiara einmal ihren Vater zum Volkschiessen begleitete. Auf Anhieb war sie von dieser Sportart begeistert und fing an, regelmässig zu trainieren. Am Sportschiessen faszinieren sie vor allem die Präzision und die mentale Stärke, beides absolut essentiell für diesen Sport.

Da sie immer besser wurde und so immer mehr Trainingseinheiten nötig wurden, entschloss sie sich, die Sportkanti zu besuchen. Mittlerweile ist ihr Alltag gut geregelt, und ihr Körper hat genügend Zeit, sich zu regenerieren. Ihr Training ist sehr vielfältig: Natürlich beinhaltet es das Schiessen – fünfmal die Woche, ausserdem Kraft- und Ausdauertraining, welches eine optimale Basis für die Saison bietet. Nicht zu vergessen das Mentaltraining, welches in der heutigen Zeit immer wichtiger wird. «Ein tiefer Ruhepuls und eine gute Rumpf- und Bauchmuskulatur», sagt Chiara Leone, «sind unabdingbar für die Gelassenheit und Stabilität beim Schiessen.»

Das Gewehr als Sportgerät
Chiara Leone schiesst über die 10m-Distanz mit dem Luftgewehr und über die 50m mit einem Kleinkalibergewehr. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Gewehren sei nicht sehr gross, sagt sie, das Kleinkalibergewehr habe halt einfach den heftigeren Rückstoss. Auf die Frage, welche Bedeutung sie dem Gewehr zuschreibt, das ja eigentlich ein Instrument zum Töten ist, antwortet Chiara sehr bestimmt: Das Gewehr sei für sie ein Sportgerät, nichts mehr – wie der Fussball für einen Fussballer. Weder sie noch ein anderer Sportschütze würden es je einsetzen, um jemandem zu schaden.

Olympia wartet
Wettkämpfe mit dem Luftgewehr laufen bei den Frauen immer gleich ab: Man hat 50 Minuten Zeit, um 40 Schüsse abzugeben. Vorher hat man eine Viertelstunde Zeit, um sich im Stand einzurichten, dann nochmals 15 Minuten, um Probeschüsse abzugeben. Die mentale Vorbereitung ist ein zentraler Aspekt des Sportschiessens. Chiara sagt, sie stelle sich vor jedem Wettkampf den Ablauf genau vor und versuche das dann bei jedem einzelnen Schuss so umzusetzen.

Chiaras bisher eindrücklichstes Erlebnis war, als sie vor drei Jahren ihren ersten nationalen Wettkampf gewinnen konnte. «Ich war krasse Aussenseiterin», sagt sie mit einem Augenzwinkern, «konnte aber einen sehr guten Wettkampf zeigen und sogar die damalige Junioren-Weltmeisterin schlagen.»

Ein gutes Omen für Olympia.

Von Evamaria Fuchs und Mirjam Sutter, G3L