Von Allegra Guiffo Longué, G23F
Ich muss früher mit dem Lernen anfangen. Ich muss mich besser organisieren. Ich muss bessere Noten schreiben. – Stimmt. Ich muss perfekter werden. Das wird dauern, aber es ist eben auch nötig.
Der Perfektionismus hilft mir, das Bestmögliche aus mir herauszuholen. Nur: Ich vergesse immer wieder, dass mein Bestes nicht perfekt sein muss – und auch nicht sein kann. Kritisch wird es, wenn der Perfektionismus zum Perfektionismuss wird, sich in einen Zwang zur Makellosigkeit verwandelt und man keine Fehler mehr akzeptiert. Wenn man sein Selbstwertgefühl von seiner Leistung abhängig macht und ständig das Gefühl hat, man sei nicht gut genug.
Verstärkt wird dieses Gefühl durch den Vergleich mit anderen. Denn dadurch fokussiert man sich nur auf Dinge, die man besser machen könnte und nicht auf die, die man bereits besser gemacht hat.
Genau das ist das Problem beim Perfektionismuss: das«-muss» am Ende. In der heutigen Gesellschaft sehen wir uns ständig gezwungen, bestimmte Leistungen zu erbringen. Das Müssen geht mit der Angst einher, zu versagen. Und diese Angst ist es, die uns häufig in unseren Vorhaben aufhält und uns denken lässt, wir seien nicht gut genug.
Deshalb: Sich Ziele zu setzen, ist etwas Gutes, wenn die Motivation kein Zwang ist. Wenn man beim Ergebnis nicht auf Perfektion hofft, sondern auf den Weg, also auf den Prozess und auf die Fortschritte fokussiert ist. Fehler sind Teil davon, klar, denn aus ihnen lernt man.
Und jetzt streich ich dieses eine, verhängnisvolle «s».
