Im Gymnasium wird gerade die Maturität reformiert, in der Wirtschafts- und Informatikmittelschule sind tiefgreifende Änderungen bereits beschlossen. In der Berufsmaturität und in der WMS ändert die gesamte Ausbildung im Rahmen der kaufmännischen Grundbildung. Eine Übersicht.
Von Cyrill Engeli, Prorektor
Die Schülerinnen und Schüler der 1. Klasse von Wirtschafts- und Informatikmittelschule starten schon dieses Schuljahr unter neuen Bedingungen: mit aktualisierten Lehrplänen und mit einem neuen Ablauf für die Interdisziplinäre Projektarbeit in der 3. Klasse. Auch werden sie die ersten sein, die im Sommer 2029 kantonal vereinheitlichte Prüfungen für die Berufsmaturität absolvieren werden. Während es bisher an den kaufmännischen Berufsschulen und an den Mittelschulen separate Prüfungen gab, sollen neu alle Kandidatinnen und Kandidaten die gleichen schriftlichen Prüfungen ablegen – egal, ob aus der dualen Lehre oder aus der Vollzeitschule.
Praxisjahr mit noch mehr Realitätsbezug
Auch für die Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse der Wirtschaftsmittelschule stehen Neuerungen an. Nachdem per August 2023 die kaufmännische Grundbildung in der Schweiz radikal umgestellt wurde, läuft nun im Schuljahr 2026-27 das Praxisjahr, also die 4. Klasse, erstmals unter den neuen Bedingungen ab. In den Betrieben und in den überbetrieblichen Kursen ändern nicht nur die zu erwerbenden Kompetenzen, sondern auch die Art und Weise, wie diese beurteilt werden. Dies hat direkte Auswirkungen auf den Unterricht an unserer Schule: Bisher haben wir in den letzten drei Jahren mit den sogenannte Handlungskompetenzen gearbeitet und diese am Ende der 4. Klasse anhand zweier Prüfungen getestet. Neu gibt es eine schriftliche und eine mündliche Prüfung, mit der diese Handlungskompetenzen bewertet werden. Insbesondere die zugelassenen Hilfsmittel für die schriftlichen Prüfungen haben viel zu reden gegeben, auch in den Medien. Die Prüfung wird nämlich im sogenannten „open-book“-Format durchgeführt werden. Zusätzlich darf auch die Künstliche Intelligenz genutzt werden. Diese Rahmenbedingungen sollen dafür sorgen, dass die Prüfung möglichst realitätsnah ist und weitgehend dem Arbeitsleben entspricht. (Teamwork ist allerdings nicht zugelassen.)
Mündliche Prüfung als Rollenspiel
Die mündliche Prüfung soll grösstenteils auf Englisch stattfinden und ein längeres Rollenspiel beinhalten. So sollen die Schülerinnen und Schüler zeigen, wie gut sie mit herausfordernden Situationen mit (internationalen) Kundinnen, Lieferanten oder Vorgesetzten umgehen können – und dies in einer Fremdsprache.
Auch für die Lehrpersonen sind die beiden neuen Prüfungen ungewohnt. Wir werden zu zweit prüfen und abwechselnd Teil des Rollenspiels sein beziehungsweise protokollieren. Die neue schriftliche Prüfung findet zudem auf einer noch zu entwickelnden für uns noch ungewohnten Plattform statt, mit Aufgaben, die ein Resultat fordern, das bewertet werden muss – beispielsweise eine adäquat formulierte Mail an eine Kundin. Seit dem Frühling sind wir daran, uns darauf vorzubereiten, damit wir dann im Juni 2027 erfolgreich prüfen können.
Reformen für die Zukunft
Die beiden Ausbildungen – das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis Kauffrau/Kaufmann und die Berufsmaturität – sind damit wieder an die vielfältigen Veränderungen in der Praxis und an den Fachhochschulen angepasst, und unsere Schülerinnen und Schüler werden auch in der Zukunft beste Voraussetzungen haben, im Arbeitsmarkt und im Studium zu bestehen.
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Bild: Die Reform 22/23
Bild: Berufsbildung 2030
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