2020, Menschen, Porträt, Sage & Schreibe Nr. 32

Schachmatt

Gohar Tamrazyan pflegt ein nicht ganz so übliches Hobby. Seit vielen Jahren widmet sich die Schülerin der Alten Kanti intensiv dem Schachspiel und mischt mittlerweile bei den ganz Grossen mit. Heute darf sie sich mehrfache Schweizermeisterin nennen.

Mit vier Jahren bekam sie ihr erstes Schachbrett geschenkt. Nicht ahnend, welchen Einfluss das Brett auf ihr Leben haben würde, benutzte sie die Figuren als Spielzeuge. «Wie ein vierjähriges Kind das halt so macht», schmunzelt die heute Sechzehnjährige. Ihre Tante aber beschliesst, ihr das Spiel der Könige beizubringen. Mit Erfolg. Denn Gohar entpuppt sich als wahres Schachtalent – und sie ist nach wie vor fasziniert von dem Strategiespiel. Das endlose schachspezifische Lernen bereitet ihr Freude. «Man kann nie gut genug sein», sagt sie und schmunzelt.

Ein zeitintensives Hobby
Ihre Ambition widerspiegelt sich auch in ihrem Alltag. Täglich investiert sie zwei Stunden in das Lesen von Büchern und das Lernen von Strategien. Zusätzlich löst sie taktische Aufgaben oder spielt Online-Partien. «Ich trainiere Schach, wie andere Kugelstossen, Rugby oder Turnen.»
Auch ihre zukünftigen Gegner nimmt Gohar genau unter die Lupe. Vor den jeweiligen Spielen werden die Paarungen veröffentlicht. Dies ermöglicht es ihr, Partien ihrer Kontrahentinnen zu analysieren und sich entsprechend auf den Wettkampf vorzubereiten.
Laut Gohar ist Schach definitiv eine Sportart. Man verbrenne beim Schachspielen etwa gleich viele Kalorien wie bei einem Marathonlauf. Extremsport fürs Gehirn. Denn was einfach klingen mag, fordert viel Energie und ein Höchstmass an Konzentration. Die Kritik der Sportler, die sich körperlich auspowern, ist ihr egal. «Jeder soll denken, was er will!», so die Schweizermeisterin.

Internationale Turniere
Seit 2013 ist das Schachtalent jedes Jahr an einer Europa- oder Weltmeisterschaft anzutreffen. Dies gibt ihr nicht nur die Möglichkeit, ihr Schachwissen zu erweitern, sondern auch neue Länder und Leute kennenzulernen. Mittlerweile hat sich die junge Aargauerin ein soziales Netz mit Schachspielerinnen und -spielern aus aller Welt aufgebaut und nimmt von den vielen Reisen wertvolle menschliche und sportliche Erfahrungen mit.

Machbar
Über die Jahre hat sich die Erlinsbacherin daran gewöhnt, nicht so viel Zeit für anderes zu haben. Schule, Schach und Freizeit unter einen Hut zu kriegen, ist nämlich nicht leicht. Besonders jetzt, nachdem sie die zweite Klasse der Kantonsschule übersprungen hat.
Das Schachspiel aber fördert ihre Konzentrationsfähigkeit und das logische Denken, was ihr nicht nur das Leben an der Schule, sondern überhaupt die Bewältigung des Alltags wesentlich leichter macht.
In ihrem späteren Leben möchte Gohar studieren und sich auch auf andere Dinge konzentrieren. Das Schachspiel aber soll sie weiterhin begleiten.

Von Leonie Simmen, G3L