2026, dies&das, Kolumne, Sage & Schreibe Nr. 43

Sei keine Pussy

Von Madita Müller, G25K

Trink ein Bier, hau dir ein paar Shots rein, mix deinen Cocktail, sauf dich ins Koma, vergiss deine Sorgen. Sei keine Pussy!
Bier bei einer Grillparty zur Fussballweltmeisterschaft, Cocktails mit Früchten und Schirmchen im Summertime an der Aare, ein Glas Wein in einem Restaurant, Champagner an Neujahr oder Shots in einem Club. Wo man auch hingeht, man trifft auf Alkohol in den unterschiedlichsten Formen. In unserer Gesellschaft ist Trinken ungemein normalisiert, gerade auch unter Jugendlichen wird exzessiv getrunken. Doch was passiert mit einer Jugend, die ihre Sinne mit Rauschmitteln betäubt?
Der Druck auf die heutige Generation ist höher denn je: Die Arbeitsmärkte sind unsicher, in Europa herrscht Krieg, an der Spitze der USA steht ein oranger Faschist, die Inflation schreitet voran und die Zukunft scheint auf einmal alles andere als sicher. Nur verständlich scheint es daher, dass man einfach mal abschalten, entspannen und alles für einen Moment vergessen will. Man trifft sich mit ein paar Kolleginnen und Freunden, um gemeinsam einen Zustand der Zufriedenheit und der Ruhe zu erreichen. Alkohol hilft auch, die soziale Hemmschwelle zu überwinden: «Trink einen Schluck und werd locker.» Wer nicht mittrinkt, gehört nicht dazu, wird als prüde oder ängstlich bezeichnet. «Sei keine Pussy!», heisst es dann.
Ich denke, dass Alkohol durchaus ein Mittel der Sozialisierung sein und verbindend wirken kann. Jedoch müssen auch und vor allem wir Jungen einen anderen Weg finden, mit Stress, Druck und Gefühlen der Angst umzugehen. So sollten wir uns lieber mal mit Gleichaltrigen zusammensetzen und über Sorgen und Probleme sprechen, dann würden wir nämlich merken, dass andere sehr ähnliche Probleme haben wie wir selbst.
Also: Lieber Reden als Trinken. Sei eine Pussy!