2022, Bericht, Im Fokus, Nähe, Sage & Schreibe Nr. 35

Shiatsu

Eine Hunderasse? Oder vielleicht Kampfsport? Mit beidem hat Shiatsu nichts zu tun. Shiatsu kommt ursprünglich aus der fernöstlichen Medizin und ist eine Therapie- beziehungsweise Massageart. Um mehr über Shiatsu herauszufinden, haben wir Elena Ritmeisters, ausgebildete Shiatsu -Therapeutin, in ihrer Praxis in Aarau besucht.

Von Selina Wick und Ella Jost, G19A

Shiatsu kommt aus Japan und heisst übersetzt «Fingerdruck». Man verwendet dabei also nur die Hände und keine anderen Hilfsmittel wie zum Beispiel Nadeln oder Steine. Shiatsu entspringt der traditionellen chinesischen Medizin und ist so etwas wie die Physiotherapie der fernöstlichen Medizin. Dabei orientiert man sich nicht nur an der äusseren Struktur des Körpers, sondern insbesondere auch an den Energieflüssen. Dazu gehört in erster Linie das Meridiansystem. Dies sind nach der traditionellen chinesischen Medizin energetische Bahnen, in denen die Lebensenergie Qi fliesst. Mit gezielter Behandlung von Akupunkturpunkten, also Punkten auf den Meridianen, soll der Körper in einer ganzheitlichen Balance gehalten werden.

Westliche und östliche Medizin
Oft unterscheiden sich die Therapieformen der östlichen und westlichen Medizin gar nicht so stark voneinander. Der nach westlichen Standards ausgebildete Physiotherapeut spricht vielleicht beispielsweise von einem muskulären Ungleichgewicht. Eine Shiatsu-Therapeutin würde hingegen von einem energetischen Ungleichgewicht sprechen. Im Grunde aber meinen beide dasselbe. Elena Ritmeisters erklärt: «Ich habe manchmal das Gefühl, wir sprechen nicht die gleiche Sprache, aber der Körper funktioniert bei allen gleich.»
In der westlichen Gesellschaft ist die fernöstliche Medizin noch nicht so bekannt; deshalb hat die Shiatsu Gesellschaft Schweiz (SGS) in den letzten Jahren viel in die öffentliche Präsenz investiert – mit Erfolg. Immer häufiger wird Shiatsu heute mit therapeutischer Körperarbeit assoziiert. «Als ich angefangen habe, wurde ich von den Leuten gefragt, ob ich Kampfsport mache oder Hunde züchte», sagt Elena Ritmeisters mit einem Schmunzeln.

Ungewöhnliches Setting
Anders als gewöhnliche Massagen wird Shiatsu nicht auf einem Massagetisch praktiziert, sondern auf dem Boden, auf den eine grosse Matte gelegt wird. Zudem werden die Kleider anbehalten. Beides hat einen kulturellen Hintergrund. In Japan schläft man traditionell auf dem Futon, einer dünnen Matratze. Diese wird auch für das Shiatsu verwendet, was dem Therapeuten oder der Therapeutin mehr Spielraum und Behandlungsmöglichkeiten gibt. Dass man sich nicht auszieht, hat viel mit der japanischen Lebensweise zu tun, in der Freizügigkeit oder Nacktheit keine Selbstverständlichkeit sind. Elena Ritmeisters sieht hier vor allem den Vorteil, dass es Menschen gibt, die sich ausgezogen nicht wohlfühlen und so nie in eine Massage gehen würden. «Die Kleidung gibt einen gewissen Schutz, da man nicht ganz exponiert ist. Das hilft ganz vielen Menschen, sich zu öffnen.»

Gezielte Berührungen
Wenn wir berührt werden, passiert in unserem Körper sehr viel. Berührungen werden ganz unterschiedlich wahrgenommen, dabei ist von Zärtlichkeit bis zur Gewalt alles möglich. «Sicher ist», sagt Ritmeisters, «Berührungen machen immer etwas mit uns. In der Shiatsu-Massage wird deshalb viel mit Körperwahrnehmung gearbeitet.» Tatsächlich nehmen wir viele Emotionen über unseren Körper wahr. Klientinnen oder Klienten lernen in der Massage, auf ihren Körper zu hören. Beim Shiatsu beginnt die Behandlung aber erst einmal beim Gespräch – um herauszufinden, ob Lebensumstände oder Alltagssituationen zu den beschriebenen Beschwerden geführt haben und in diesen Bereichen eventuell eine Anpassung notwendig ist.
Zweifellos gibt es im medizinischen Bereich viele unterschiedliche Herangehensweisen und Ansichten und Therapien; unbestritten ist jedoch, dass Körperarbeit in vielen Bereichen hilft. Und Elena Ritmeisters bringt es auf den Punkt: «Unseren Körper haben wir schliesslich immer dabei.»

Elena Ritmeisters
Praxis für Shiatsu, Aarau
aaraushiatsu.ch


[Bild: Chiara Audia]