2025, Bericht, Im Fokus, Sage & Schreibe Nr.41, Spuren

Spurenvielfalt in der Mediothek

Eine Postkarte, eine ausländische Banknote oder Kaffeeflecken und Fettränder – wenn ausgeliehene Bücher zurückkommen, erleben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mediothek so manche Überraschung. Eine Übersicht.

Von Nina Federer und Stephan Häfliger, Medienzentrum der Alten Kanti


Zwischen Buchdeckeln eröffnen sich fantastische Welten. Wird ein Buch erstmals aus der Bibliothek ausgeliehen, werden erste Spuren hinterlassen. Meistens sind es aber unsichtbare, geistige Spuren, die mit einer Bibliothek in Verbindung gebracht werden. Das Medienzentrum hat die Aufgabe, diesen Wissenserwerb für Schule und Freizeit zu unterstützen.

Fundstücke
Nicht nur Bibliotheken wirken mit ihrem Angebot; auch die Nutzenden selbst hinterlassen Spuren. Zu den positiven gehören etwa dankbare Schulangehörige und Komplimente an das Bibliothekspersonal. Aber auch die Fantasie anregende Fundstücke wie das zwischen den Buchseiten vergessene, mit verschiedenen Namen beschriebene Stück Papier. Ein Versuch in Schönschreiberei? Oder Fingerübungen für die Fälschung einer elterlichen Unterschrift? Zu den originellen Hinterlassenschaften gehören beispielsweise auch die Postkarten aus dem Aargauer Kunsthaus (inklusive Beleg des Ausstellungsbesuchs Blumen für die Kunst), gefunden in der Tasche einer zurückgebrachten Spiegelreflexkamera. Wurde das Gerät ausgeliehen, um Ausstellungsstücke zu fotografieren? Oder wurden dann doch nur Postkarten gekauft, vielleicht aus Bequemlichkeit oder Zeitnot? Man wird es nie erfahren.
Kunst jedenfalls hinterlässt auch im Medienzentrum auf verschiedenste Weise Spuren. Sei es in Form der von Katharina Grosse gestalteten Wand bei der Treppe, durch Ausstellungen des Fachbereichs Bildnerisches Gestalten oder dank des Fensters mit einem Zitat des ehemaligen Schülers und Nobelpreisträgers Werner Arber.
Immer wieder finden wir in Büchern auch Notizen für Vorträge, Papierfetzen und ausländische Banknoten, die wohl als Lesezeichen dienten. Manchmal entdecken wir das Vergessene gleich, manchmal erst nach Jahren.

Schäden
Auch negative Spuren werden hinterlassen. Gerade Bücher sind anfällig für Schäden, weshalb sorgfältig mit ihnen umgegangen werden sollte. Schäden entstehen trotzdem immer wieder. Meistens sind es Flecken, Markierungen mit Leuchtstift, eingerissene Umschläge, beschädigte Buchseiten, Kaffeeflecken oder Wasserschäden. Aber es gibt auch ab und zu groteske «Überbleibsel». So löste ein zwar vollkommen platter, aber dennoch erstaunlich gut erhaltener Berliner zwischen den Buchdeckeln trotz des irreparablen Schadens, den er angerichtet hatte, allseitiges Schmunzeln aus. Wahrlich ein Lesezeichen der anderen Art.
Auch in den Fachschaftsbibliotheken der Alten Kanti kommen Spuren wie Schimmel, Vergilbung, Frassspuren oder Abnutzung durch regen Gebrauch oder falsche Lagerung nicht selten vor.

Digitales
Auf Papier allein setzt das Medienzentrum allerdings nicht; auch Multimediales ist gefragt.
Die digitalen Datenträger mögen vielleicht in Sachen Sinnlichkeit nicht an Bücher herankommen, aber sie sind praktisch resistent gegen lieblose oder unsachgemässe Behandlung. Spuren allerdings hinterlässt auch das Abspielen eines Films oder der Blick in eine Online-Datenbank.

Und vielleicht sind die unsichtbaren Spuren, die der Gebrauch von Medien hinterlässt, ohnehin spannender als die sichtbaren. Zweifellos wäre das Stoff für mehr als ein Buch.

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