2025, dies&das, Klartext, Kolumne, Sage & Schreibe Nr.41

Studentenfutter

Trockenobst mit Nüssen gibt es hier nicht. Dafür eine köstliche und leichtverdauliche Mischung aus allerlei Wissenswertem rund um die Alte Kanti.

Von Lynn Chakaï und Mirco Manco, G23B

Die geheimnisvollen Schuhabdrücke im Treppenhaus des Einsteinhauses – sie haben Generationen von Schülerinnen und Lehrpersonen bewegt. Sind es Spuren von Bauarbeitern? Vielleicht von Einstein höchst persönlich? Zahllose Versuche wurden unternommen, die Herkunft der Abdrücke zu klären. Erfolglos.

Bis jetzt. Denn dank Kommissar Zufall und einem Freund und Helfer der Schülerverbindung Industria ist das Rätsel endlich gelöst. Peter Meier, der natürlich anders heisst, hat uns erzählt, dass beim Aufnahmeritual in die Schülerverbindung jeder Kandidat ein Geheimnis preisgeben muss. Und das hat Peter Meier getan. Seine wahre Geschichte geht so: Im Jahr 1953, als das letzte Semester schon fast vollendet war, hatten zwei Schüler der Alten Kanti noch eine letzte Mission zu erfüllen. An der Schule, die sie viel Mühe, Schweiss und Zeit gekostet hatte, wollten sie sich verewigen. Spuren hinterlassen, aber richtig. Und sie hatten einen genialen Plan. Im Chemieunterricht hatten sie nämlich gelernt, dass das neuartige Süssgetränk Rivella rot Milchsäure beinhalte und diese gewisse Gesteinsarten zersetze. Auf Jura-Muschelkalk etwa, wie er für das Treppenhaus verwendet worden sei, hinterlasse Rivella rot unauslöschbare Spuren. Die Warnung des Chemielehrers war für sie der beste Grund, zur Tat zu schreiten.

Nach dem Unterricht besorgten sie sich Rivella, versteckten sich in der Schule, bis es dunkel wurde. Um Mitternacht standen sie jeder auf einer anderen Treppenstufe in einer Rivella-Pfütze. Jedoch merkten sie schnell, dass da nichts passierte. Der Milchsäure-Gehalt war zu gering. So schlichen sie ins Chemie-Zimmer, schnappten sich ein Glas voll konzentrierter Milchsäure und wiederholten die Spurenaktion. Diesmal mit bleibendem Erfolg.
Die Maturaprüfung bestanden sie übrigens problemlos, sagt Peter Meier. Er behauptet sogar, einer der beiden sei Jahre später an die Schule zurückgekehrt. Als Chemielehrer. Aber sein Name, sagt Peter Meier, bleibe sein Geheimnis.


Bild: Aldin Mehdi