2023, Aktuelles, Menschen, Porträt, Sage & Schreibe Nr. 36

Vom Glück zu spielen

Schon früh war Jakob Schildhauer von der Blockflöte fasziniert, seit seinen ersten Versuchen auf dem Instrument hat der Schüler der Alten Kanti viel erreicht: Er ist Teil der Spitzenförderung Aargau, hat diverse Preise gewonnen, spielt mit den Besten seines Fachs und in so vielen Formationen, dass er selbst manchmal den Überblick verliert. Wir habenden aufstrebenden Flötisten mit Fragen zu seinem Instrument, zur Technik und zu seiner noch jungen Karriere konfrontiert.

Von Alexandra Ihle, G19A, und Lena Keller, G20F

Oft wird die Blockflöte als Einstiegsinstument angesehen. Warum hast du dich dazu entschieden, dabei zu bleiben?
Ich glaube, das ist ein Klischee. Es stimmt zwar, dass für viele Kinder die Blockflöte das erste Instrument ist, das sie erlernen. Letztlich aber kann auf jedem Instrument auf verschiedenen Niveaus gespielt werden, auch professionell. Mir hat die Blockflöte auf Anhieb Freude bereitet, und ich hatte auch immer grosses Glück mit meinen Lehrpersonen, die eine entscheidende Rolle spielen. Wirklich wichtig wurde die Musik für mich aber erst, als ich dreizehn war; da machte ich zum ersten Mal am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb mit, kam ins Finale und gewann dort einen ersten Preis. Dies ermöglichte mir dann wiederrum die Teilnahme an einem Meisterkurs in Gstaad, wo ich Unterricht bei namhaften Musikerinnen und Musikern wie Maurice Steger erhielt. Plötzlich erschlossen sich mir so ganz neue Welten und Vorstellungen, was Musikmachen bedeuten kann.


[Bild: Lena Keller]

Neben der Blockflöte spielst du auch Oboe, unter anderem im Jugend Sinfonieorchester Zürich. Kürzlich warst du mit dem Orchester auf Konzerttournee in Südkorea. Wie war das für dich?
Sehr speziell. Zum einen das Land und diese ganz andere Kultur, die ich sehr bereichernd fand. Zum anderen aber auch die Musik und die Konzerte an sich. Diese fanden in fünf verschiedenen Regionen und Städten des Landes statt, und wir hatten das Glück, in fantastischen Räumen zu spielen. Besonders beeindruckend war hier für mich die Lotte Concert Hall in Seoul mit über zweitausend Sitzplätzen. Als Zugabe spielten wir dort ein bekanntes koreanisches Lied, das die Trennung des Landes thematisiert und bei dem das Publikum mit einstimmte. Das war ein überaus emotionaler Augenblick für alle Leute im Saal, der mir sehr in Erinnerung geblieben ist.

Auf diesem Niveau ein Instrument zu spielen, braucht viel Zeit. Wie geht das für dich mit der Schule zusammen?
Es ist ein beträchtlicher Zeitaufwand. Konzerte spielen, die Ensembles und Orchester – und natürlich das Üben an sich. Ich habe das Glück, dass ich in die kantonale Spitzenförderung aufgenommen wurde; neben vielen weiteren Dingen erhalte ich Gehörbildung, eine Instrumentallektion zusätzlich, kann mehr Übezeit beantragen und somit in ein paar Lektionen fehlen. Das ist für mich eine grosse Entlastung.

Der Atem ist bei deinen Instrumenten zentral. Was bedeutet für dich Luft? Und kann man die Lunge trainieren?
Auf der Blockflöte steht der Atem für mich nicht so im Fokus, ich denke kaum darüber nach. Bei der Oboe ist es vielleicht ein bisschen anders, weil viel mehr Druck und Spannung benötigt wird. Daher trainiert man schon durchs Spielen den Körper, aber auch das Körperbewusstsein. Ausserdem gibt es hilfreiche Atemübungen, um eine gute Kontrolle über die Luftführung zu erlangen. Für mich hat sich herausgestellt, dass diese auch als Konzentrationsübung sehr gut funktionieren, weshalb ich das häufig vor Konzerten mache.

Könntest du dir vorstellen, Musik zu deinem Beruf zu machen?
Diese Entscheidung schiebe ich noch etwas hinaus. Ich könnte mir auch noch einige andere Studienrichtungen wie Mathematik gut vorstellen, und würde die verschiedenen Interessen am liebsten kombinieren, was aber nicht leicht ist. In der Musik gäbe es auch ganz verschiedene Karrieremöglichkeiten; ich persönlich würde gerne nicht ausschliesslich unterrichten, sondern auch viel konzertieren, weil mich das Musizieren am glücklichsten macht.