2018, Bericht, Sage & Schreibe Nr. 28, Wunder

Weihnachten im Winter – ein Wunder

Unmittelbar nach dem kürzesten Tag des Jahres feiern wir mit Weihnachten das Fest der Liebe und des Lichts: die Geburt von Jesus Christus. Doch Jesus wurde gar nicht im Winter geboren. Was also liegt hinter unserem Weihnachtsfest verborgen?

In den zwanzig Sätzen, welche in der Bibel der Geburt Jesu gewidmet sind, gibt uns der Apostel Lukas zwei Hinweise, dass Christus nicht im Dezember geboren sein kann. So steht geschrieben: «In jenen Tagen erliess Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.» (Lk2,1) Die Römer führten ihre Volkszählungen traditionellerweise nach der Erntezeit durch, wenn keine grossen Aufgaben mehr zu bewältigen waren. Die Erntezeit im damaligen Palästina dürfte meteorologisch bedingt im Oktober stattgefunden haben.

Einen weiteren Hinweis liefert Lukas mit folgender Beschreibung: «In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.» (Lk 2,8) Der Dezember war und ist in Palästina ein kalter und verregneter Monat. 2000 Jahre hin oder her – kein Schäfer sitzt freiwillig bei fünf Grad und Regen auf offenem Feld.

Auf der Suche nach einem Datum

Im 4. Jahrhundert nach Christus war die christliche Kirche bestrebt, möglichst viele Heiden zu bekehren. Aus diesem Grund versuchte sie das damals populärste heidnische Volksfest zu verbieten. Die Abschaffung des Festes zur Geburt des römischen Sonnengottes Sol Invictus («unbesiegter Sonnengott») schlug jedoch wegen seiner grossen Verbreitung und Beliebtheit fehl. Ein Problem, eine Lösung: Da man das Fest zur Wintersonnenwende nicht beseitigen konnte, wurde einfach der Sinn verdreht. Fortan feierten die Christen am 25. Dezember nicht länger die Geburt des Sonnengottes, sondern diejenige Jesus Christi. Das Datum stammt übrigens noch aus dem julianischen Kalender und wurde bei der Kalenderreform Papst Gregors einfach übernommen.

Wie man Unwahrscheinliches wahrscheinlich macht

Obwohl in der Bibel einiges auf eine Geburt Jesu im Herbst hinweist, braucht es dennoch Gründe, weshalb man die Geburt des Herrn im Winter feiern soll. Glücklicherweise liefert das Lukas-Evangelium auch da die passende Erklärung: «Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie.» (Lk 2,9) Die Rede ist von Glanz, und was leuchtet am meisten? Natürlich die Sonne beziehungsweise eben der Sonnengott. Des Weiteren sprechen die Engel vom «Retter, der geboren worden ist.» (Lk 2,11) Auch etwas, das sich wunderbar auf Sol Invictus ummünzen lässt. Er rettet die Leute vor der ewigen Nacht, indem durch ihn die Sonne wieder länger scheint.

Wie gezeigt, spricht einiges dafür, dass Sol Invictus eigentlich nur eine verkleinerte Version von Jesus Christus ist, da er zentrale Eigenschaften Christi auf sich vereint, ohne ihn zu überstrahlen. Im Zuge der Übertragung der Bibel ins Lateinische war es zudem ein Leichtes, das Wissen um den wahren Geburtstag Christi zu vertuschen. So wurde das Wunder von Christi Geburt auch zu einem kalendarischen Wunder.

Von Salvea Friedrich, G4L