Pascal Bonini ist Unternehmer, Familienvater und Schweizer Meister im Armwrestling. Tagsüber gestaltet er Räume, abends drückt er Arme nieder. Beides tut er fokussiert und unaufgeregt.
Von Mike Nunziata, G23B
«Die ersten Sekunden entscheiden alles», sagt Pascal Bonini. Er sitzt im Wohnzimmer seines Hauses, ein breit gebauter Mann mit grossen Händen, die kaum gestikulieren, und mit muskulösen Oberarmen, die verraten, womit dieser Mann seine Zeit verbringt. Aiko, der Berner Sennenhund, döst neben ihm, während er mit fester, aber gelassener Stimme weiterspricht: «Es ist nicht die rohe Kraft, die den Unterschied macht. Es ist der Kopf. Die ersten Augenblicke eines Matches sind mental die schwierigsten», sagt er. «Man braucht einen guten Start. Wer zögert, hat schon verloren. Wer sich von der Situation überwältigen lässt, ist bereits besiegt, bevor der Kampf richtig begonnen hat.» In den erfolgversprechenden mentalen Zustand vor dem Kampf bringt er sich mit Hardcore-Musik. Wenn die Beats peitschen, ist er bereit.
Wenn das Leben den Weg weist
Breiter gebaut als andere war Bonini schon immer. In der Schule mass er sich mit Kollegen am Pult, und meistens gewann er. Das war kein Sport, damals, das war Spielerei. Was aus jugendlichem Spass begann, entwickelte sich später zu einem ernsthaft betriebenen Hobby. Mit 18 trat er einem Verein bei und begann mit zielgerichtetem Training. Parallel dazu verlief ein Leben, das ihn in eine ganz andere Richtung führte. Bonini machte erst die Ausbildung zum Gipser, dann wagte er den Schritt in die Welt der Versicherungen und arbeitete als Makler. Am Schreibtisch bearbeitete er Dossiers, führte Kundengespräche über Policen und Prämien. Doch er wurde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. «Mir wurde klar», sagt er nachdenklich und zugleich erleichtert, «ich möchte keinen Bürojob. Ich arbeitete schon damals lieber mit meinen Händen. Ich mag es, wenn ich am Ende des Tages sehe, was ich geleistet habe.» So erstaunt es wenig, dass er sein Leben noch einmal umkrempelte. Heute führt er gemeinsam mit Ehefrau Tabea die eigene Firma im Bereich Innenausbau. Die Arme, die in Neu- und Umbauten Räume gestalten, sind dieselben, die nach Feierabend gestählt werden – und am Wettkampftisch gewinnen. Manche Kunden, erwähnt er schmunzelnd, nennen ihn längst nicht mehr Bonini – sondern Schweizer Meister. «Das ist schmeichelhaft. Aber eben: Das Armwrestling ist ein Teil von mir, längst allerdings nicht alles, was mich ausmacht.»
Hobby, Verein, Gemeinschaft
Den Sport hat Pascal Bonini von Anfang an als Hobby betrachtet. Ambitioniert hat er es betrieben, aber nie verbissen. Wenn die Familie oder die Arbeit mehr Raum forderte, stellte er das Armwrestling ohne Bedauern hintan. – Was ist es denn, was ihm Energie gibt, was ihn motiviert, weiterzugehen im Leben? Bonini braucht nicht zu überlegen. «Meine Familie gibt mir unglaublich viel Kraft. Und mein christlicher Glaube. Das sind Fundamente, die tragen.» Und dann sind da natürlich die Gorillas, die mit ihm trainieren. Gorillas Arm Wrestling heisst der Verein im zürcherischen Dachsen, der Mitglied ist in der Swiss Armsport Federation. «Mindestens so wichtig wie das Training ist das Gesellige danach», sagt er. «Es ist die Atmosphäre, das Zusammensein mit Gleichgesinnten, das kühle Bier nach der Anstrengung.» Armdrücken ist bei den Gorillas nicht nur Sport. Es ist Gemeinschaft unter Menschen, die denselben Zug zum Tisch kennen.
Doppel-Gold als letztes Ziel
Sportlich hat der Schweizer Meister noch nicht alles erreicht. «Ich will Doppel-Schweizer-Meister werden, mit dem rechten und dem linken Arm. Das muss ich noch schaffen.» Er spricht langsam und selbstbewusst. Weil er seine Stärken kennt. Weil er weiss, dass der Kopf über Sieg und Niederlage entscheidet, dass Technik rohe Kraft schlägt und dass die ersten Sekunden eines Matches über alles entscheiden.
Wie er so dasitzt, die Hände im Schoss, die Stimme ruhig, aber bestimmt, scheint alles möglich. Und wenn er irgendwann tatsächlich beide Arme als Meister in die Höhe reisst, feiern Tabea und Aiko mit. Ganz bestimmt.
![]()
Bild: Mike Nunziata
