2026, Aktuelles, Bericht, Im Fokus, Rollen, Sage & Schreibe Nr. 42

Wissen für alle –Bibliotheken und Demokratie

Ein Medienzentrum als Informations-Hub ist mehr als ein Ort, an dem Wissen aufbewahrt wird. Hier wird auf vielfältige Art und Weise Wissen zugänglich gemacht und Schulangehörige lernen einen verantwortungsvollen Umgang mit Information. Hier stehen nicht nur Medien, sondern auch die Menschen im Mittelpunkt.

Von Marcella Haab, Leiterin Medienzentrum

Das Medienzentrum richtet sich mit seinem Angebot an die Alte Kanti und die Kantonale Schule für Berufsbildung. Eine Schulbibliothek – egal auf welcher Schulstufe – ist für viele Schülerinnen und Schüler der erste Kontakt mit einer Bibliothek. Sie lässt Nutzerinnen und Nutzer in Geschichten aus anderen Lebenswelten eintauchen, was den persönlichen Horizont erweitert und die Toleranz für eine pluralistische Gesellschaft fördert. Eine Bibliothek bietet darüber hinaus Wissen in unterschiedlichen Formen an: gedruckt als Buch, Zeitschrift oder Zeitung – oder digital als E-Medium oder Datenbank. Bibliotheken können dabei Zugänge anbieten, die sich Einzelne nicht leisten können, da Lizenzgebühren oft sehr kostspielig sind. Durch Medienausstellungen wird die Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten und zeitgemässen Themen zusätzlich angeregt.

Keine Demokratie ohne Information
In ihrem 2025 herausgegebenen Leitfaden «Demokratie braucht Medienbildung! Bibliotheken als (Lern-)Orte für den Umgang mit Desinformation» bringen Raphaela Müller, Stoyan Radoslav und Matthias Heinen die Wichtigkeit von Information und gesellschaftlich-politischer Teilhabe auf den Punkt: Demokratie lebt von einer informierten, kritischen und aktiven Gesellschaft. Dafür müssen Menschen informiert Entscheidungen treffen und sich eine Meinung bilden […]. Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken […] spielen eine entscheidende Rolle dabei, Menschen mit dem notwendigen Wissen dafür auszustatten und ihre Kompetenzen zu fördern, um sich sicher und souverän in der heutigen Informationslandschaft zu bewegen.

Der Medienbestand einer Schulbibliothek soll deshalb politisch und weltanschaulich ausgewogen sein, also verschiedene Perspektiven berücksichtigen, die Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft beachten sowie Diskriminierung vermeiden. Im Medienzentrum der Alten Kanti werden denn auch vor jeder eidgenössischen Abstimmung Informationen zusammengestellt und aufgelegt. Grundsätzlich muss sämtliche zur Verfügung gestellte Information aktuell und verlässlich sein. Ein Sachbuch etwa wird nach einer gewissen Lebensdauer durch ein neueres ersetzt, damit der jeweils aktuelle Forschungsstand abgebildet ist. Im Medienzentrum orientiert sich der Medienbestand ausserdem an den Lehrplanthemen der unterschiedlichen Fächer und Schultypen.

Eine Schulbibliothek hat zusätzlich zum Bestandsaufbau die Aufgabe, die Informationskompetenz der Schulangehörigen zu schulen, damit sie mündige, verantwortungsbewusste und engagierte Bürgerinnen und Bürger werden. So lernen die Schülerinnen und Schüler, gute von weniger guter Information zu unterscheiden und verantwortlich mit Inhalten aus dem Internet und von KI-Tools umzugehen. Das Medienzentrum ist daher durch die spiralcurricular aufgebauten Schulungslektionen eine wesentliche Ergänzung zum Unterricht im Bereich Umgang mit Information, ganz im Sinn der oben erwähnten Publikation:

«In einer Zeit, in der viele Desinformationen verbreitet werden und demokratische Werte unter Druck geraten, sind Bibliotheken mehr denn je gefragt, verlässliche Orte für Informationen, Vielfalt und einen respektvollen Dialog zu sein. […] Bibliotheken sind aktive Akteurinnen
in der Demokratie.»

Barrierefreier Zugang
Eine Schulbibliothek ist idealerweise an einem zentralen Ort auf dem Schulareal untergebracht, um allen Schulangehörigen einfach und möglichst barrierefrei Zugang zu Wissen und Information zu ermöglichen. Das Personal gewährleistet nicht nur die nötige Fachkompetenz, sondern stellt auch sicher, dass die Bibliothek ein sicherer Ort für alle ist. Sind diese beiden Anforderungen erfüllt, stehen – wie im Fall des Medienzentrums der Alten Kanti – tatsächlich Medien und Menschen gleichermassen im Mittelpunkt.