Viel Arbeit für die Literaturpreis-Jury auch beim 4. Wedekind-Preis für junge Literatur. «Ich mache nicht mehr mit» hiess das Thema, und 80 Einsendungen aus der ganzen Deutschschweiz mussten begutachtet werden, bevor dann am Palmsonntag im prall gefüllten Aargauer Literaturhaus Lenzburg die besten der sechs Finaltexte bestimmt werden konnten.
Von Andreas Neeser, Redaktionsleitung
Auch die vierte Austragung der literarischen Finalissima im Aargauer Literaturhaus war ein eigentliches literarisches Happening: Der Festsaal im schönsten Patrizierhaus des Kantons Aargau war bis auf den letzten Platz besetzt, alle sechs Finalistinnen-Texte wurden von Schauspieler Jens Wachholz brillant vorgelesen und die dreiköpfige Jury hatte vor und nach der Häppchen-Pause alle Hände voll zu tun. Kathrin Steinmann (Buchhändlerin), Kathrin Haegler (Übersetzerin, Literaturvermittlerin) und Carolina Gut (Theaterpädagogin, Deutschlehrerin) fiel diesmal die Aufgabe zu, aus den sechs Finalistinnen zwei Siegerinnen zu machen. Das ist denn auch das Spannende an diesem Final-Format: Das Publikum bekommt nicht nur die Texte zu Gehör, sondern erlebt hautnah mit, wie die kompetente Jury die Qualität der Texte einschätzt.
Zwiebeln schälen
Die Jury-Diskussion war implizit geprägt von der Frage, wie stark Texte von Jugendlichen überhaupt vor dem Publikum kritisiert werden dürfen. Müssen Jugendliche in ihrem Schreiben ausschliesslich bestärkt werden, oder bedeutet die Teilnahme an einem Wettbewerb immer auch, dass sie sich mit ihren Texten auch kritischen Jury-Voten aussetzen? Die Jury-Diskussion zeigte diesmal die ganze Bandbreite von Kritik. Während einige der Final-Texte sehr gelobt wurden, wurden bei anderen deutliche Mängel festgestellt. Der spätere Siegertext in der Kategorie I etwa wurde mit einer Zwiebel verglichen; bei jeder Lektüre zeigten sich neue, tiefere Schichten der komplexen Geschichte – wie beim Schälen einer Zwiebel eben. Demgegenüber wurde bei einem anderen Text die Frage aufgeworfen, ob es sich überhaupt um einen fiktionalen Text
Nuia Maria Villiger aus Baden
handle oder doch eher um einen Essay. Während sich die Jury diesbezüglich nicht einig war, fällte das Publikum einen klaren Entscheid und verlieh dem Text den Publikumspreis.
Neuausrichtung 2027
Für den 5. Wedekind-Preis für junge Literatur sind einige Änderungen geplant, die den Wettbewerb noch attraktiver und sichtbarer machen sollen. So sind 2027 auch lyrische Texte zugelassen, und auf eine Themenvorgabe wird generell verzichtet, zudem sollen die Finalist/-innen eine «Lesetour» an verschiedenen Gymnasien und Schreiborten absolvieren. Einsendeschluss für die Wettbewerbstexte ist der 31. Januar 2027.
Eda Aydogmus aus Kölliken
Fabia Niggli aus Samedan
Nuia Maria Villiger aus Baden
Bilder: Andreas Neeser
Der mit insgesamt CHF 2’100.– dotierte «Wedekind-Preis für junge Literatur» ist ein Engagement der Alten Kanti Aarau und des Aargauer Literaturhauses Lenzburg. Der Preis wird unterstützt von der Beisheim Stiftung.
Die Preisträgerinnen 2026
Eda Aydogmus, Kölliken
Nuia Maria Villiger, Baden
Publikumspreis: Fabia Niggli, Samedan GR
