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1 – 68 – 60

Im November fand an der Alten Kantonsschule erstmals der zusammen mit der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW konzipierte TecDay statt. 1 Tag. 68 Workshop-Module. 60 Schulklassen. Und alles drehte sich für einmal um Technik und Naturwissenschaften. Ein Stimmungsbericht.

Jede Schülerin und jeder Schüler der AKSA besuchte am 9. November Tag drei Workshop-Module, die vorab hatten ausgewählt werden können. Die Auswahl war riesig: Es wurden Module aus allen Bereichen der Technik und der Naturwissenschaften angeboten. Dabei berichteten Fachleute von ihrem Forschungsgebiet oder von ihrem Arbeitsplatz. In den Modulen durften die Studierenden der Alten Kanti auch selbst Hand anlegen, Experimente machen oder sich im Gespräch einbringen.

Start in den Tag
Der Tag begann mit der Begrüssung im Aquarium oder gleich mit dem ersten Modul, je nachdem, wo man eingeteilt worden war. Durch die geschickte Einteilung waren die Unterrichtsräume gut besetzt. Das Interesse der Schülerinnen und Schüler war von Anfang an da, der Grad der Begeisterung allerdings hing naturgemäss stark vom Inhalt der Module, den Mitgestaltungsmöglichkeiten und der individuellen Müdigkeit ab.

Pausenstimmung
In der Pause waren die Gänge so voll wie sonst nie. Alle tauschten sich angeregt über die Module aus, die sie besucht hatten: Tatort: Kunst; Fotoshooting für Proteine; Der «farbige» Puls; Technik im Pilotenberuf: Höher, schneller, weiter. Auch versuchte man herauszufinden, ob man vielleicht jemanden im nächsten Modul kannte. Obwohl die Module ja wegen des Inhalts gewählt worden waren, war jeder froh, jemanden zu kennen, um nicht 90 Minuten mit Unbekannten verbringen zu müssen. Es war einer der Tage, da man so richtig realisiert, wie gross die Alte Kanti ist.

Abwechslung steigtert die Motivation
Und schon war das nächste Modul an der Reihe. Auch wenn man etwas lernen wollte – 90 Minuten knallharte Theorie waren auch am TecDay nicht leicht zu ertragen; entsprechend war man dankbar um jede Möglichkeit, etwas machen, sich irgendwie aktiv einbringen zu können. Sei es nun ein Geo Game spielen, eine Brücke bauen, die möglichst viel Gewicht tragen kann, ein 3D-Computerspiel programmieren oder die Simulation einer Operation durchführen.

Schlussspurt und Tagesabschluss
Nach dem Mittagessen war es auch schon Zeit für das letzte Modul. Noch einmal erhielt man zu einem Gebiet interessante Informationen, zum Beispiel, dass mit einem Metall alle Farben erzeugt werden können, je nach Grösse der Teilchen des Metalls. Ganz kleine Teilchen ergeben die Farbe Blau, etwas grössere ergeben Rot. Auch versteckt sich in einem Smartphone unglaublich viel komplexe Technik auf engstem Raum, und Verkehrsampeln sind sehr viel smarter, als wir denken.

Schliesslich war der TecDay der Alten Kanti um 15:30 Uhr zu Ende. Den Kopf mit neuem Wissen und anregenden Erlebnissen des Tages gefüllt, vielleicht sogar mit einem Souvenir in der Tasche, traten die Schüler den Heimweg an. Während sie im Zug oder im Bus bereits erste Anekdoten austauschten, liessen die Workshop-Leiterinnen den Tag bei einem wohlverdienten Apero in der Mensa ausklingen.

Was bleibt
Neues gelernt? Auf jeden Fall. Echte Einblicke in die Praxis erhalten? Absolut. Eine neue oder gar positivere Sicht auf die Technik und die Naturwissenschaften erhalten? Das ist wohl jedem selbst überlassen. Jedenfalls war der Tag so etwas wie ein Vorgeschmack auf die gymnasiale Zukunft: Mit mehr Technik und Naturwissenschaften im Unterricht müssen sich nämlich schon sehr bald alle anfreunden, zumal ab 2019 der Stundenanteil dieser Fächer auf Kosten der Sprachen erhöht werden soll. Insofern war der TecDay zweifellos ein sinnvolles Projekt. Nur, was soll aus den Sprachen und Geisteswissenschaften werden? Technik-Bildung in Ehren, aber ohne Sprachen, ohne die Sprache überhaupt ist doch gar kein Nachdenken über Technik möglich – und schon gar keine Bildung. Wie wäre es also – ganz im Sinn der Stärkung von wichtigen Schweizer Stärken – mit einem Tag der Sprachen und Geisteswissenschaften? Vielleicht schon nächstes Jahr.

Von Mirjam Sutter, G3L