2018, Alte Kanti, Menschen, Porträt, Sage & Schreibe Nr. 27, Verabschiedung

Wenn die Glocke schlägt

Es brauchte schon einen Markus Meier, um das Glockentürmchen auf dem First des Einstein-Hauses wieder zum Klingen zu bringen. Wenn er jetzt die Alte Kantonsschule zum zweiten Mal verlässt, bleibt von seinem Engagement glücklicherweise viel mehr als dieser helle, regelmässig wiederkehrende Glockenschlag.

Die Karriere von Markus Meier an der Alten Kantonsschule begann bereits in seiner Jugendzeit – als Schüler. Dass er als Fachlehrer an die Schule zurückkehren würde, zeichnete sich damals nicht ab. Er absolvierte zwar erst einmal äusserst erfolgreich ein Physikstudium an der ETH Zürich und doktorierte, bestritt sein Berufsleben dann aber hauptsächlich in der technischen und optischen Industrie. Einen besonderen Stellenwert hatte für Markus Meier die Firma Kern, für die er lange Jahre tätig war. Später wurde er in die Schulleitung der Fachhochschule des Kantons Solothurn berufen – und dann also, im Jahr 2005, führte ihn das Schicksal doch zurück an die Alte Kantonsschule.

Anfangs unterrichtete Markus Meier als Mathematiklehrer, auf tiefem Niveau1. Es dauerte, bis sich in ihm das Wesen des Physikpädagogen ganz ausgebildet und er sich in die 7. Etage des Paul-Karrer-Hauses hochgearbeitet hatte, um dann ausschliesslich als Fachlehrer für Physik zu wirken.

Wie sehr ihm sein Fachgebiet am Herzen lag, stellte er immer wieder auch ausserhalb des Unterrichts unter Beweis. So begann er bereits 2009, Schülerinnen und Schüler für die Teilnahme an der nationalen und internationalen Physikolympiade zu motivieren und zu trainieren. Die Medaillenausbeute durfte (und darf sich bis heute) sehen lassen! – Auch als Ausstellungsmacher trat Markus Meier in Erscheinung. Leistete er zur grossen Einstein-Ausstellung 2005 noch einen Teilbeitrag, konzipierte er in den Folgejahren zusammen mit Herbert Hunziker Ausstellungen über Leonhard Euler und mechanische Rechenmaschinen; die Ausstellung über Rechenschieber stemmte er gar im Alleingang.

Ein besonderes Hobby von Markus bescherte ihm den Spitznamen Computermeier: Er sammelte alte, aber noch funktionstüchtige Bildschirme, Harddisks, Tastaturen, Mäuse und alles andere, was die IT-Menschen herz- und gewissenlos entsorgten. Seine Schätze lagerten in seinem Vorbereitungszimmer im siebten Stock und dehnten sich kontinuierlich aus.

Die Ernsthaftigkeit und die konsequente Haltung, die seinem Wirken an der Alten Kantonsschule zugrunde lagen, lässt sich anschaulich illustrieren anhand folgender kleiner Episode, die durchaus einen der dunkelsten Tage in der jüngeren Geschichte der Fachschaft Physik markiert: Im Verlauf eines fachlich auf hohem Niveau geführten Streits über rotierende Bezugssysteme verhärteten sich die Fronten zusehends und schliesslich so sehr, dass Markus mit der Rückgabe seiner sämtlichen Diplome drohte, sollte er sich in der Sache tatsächlich irren2.

Nun, da Markus die Schule im Sommer zum zweiten Mal verlassen und eine weitere Lebensetappe in Angriff nehmen wird, geht so einiges verloren: ein immenses Physikwissen, äusserst kreative Ideen, ein waches fotografisches Auge, eine grosse Portion Humor und Heiterkeit – und, zur Beruhigung all derer, die das Karrerhaus längst als akut einsturzgefährdet erachten: die tonnenschwere IT-Sammlung im 7. Stock.

Zusammen mit der ganzen Fachschaft Physik wünsche ich dir, lieber Markus, für die Zukunft nur das Beste.

Von Jonathan Haselmann, Physiklehrer


1 Der Begriff bezieht sich hier selbstredend auf die potenzielle Energie der Mathematikzimmer.
2 Bis zum heutigen Tag ist eine alle Streitparteien zufriedenstellende Lösung nicht gefunden – und Markus Meiner noch immer im Besitz seiner Diplome.