Autor: andrne

Die dritte Hälfte

Von Lukas Wampfler, Mathematiklehrer [Bild: zVg] Lieber Peter, vor zwei Jahren fand bereits die erste Hälfte deiner Verabschiedung statt. Die Schule hat dir für den langjährigen Einsatz als Prorektor gedankt und wir haben uns auf zwei Jahre gefreut, wo du wieder «nur» unserer Fachschaft angehören würdest. Es ist aber anders gekommen. Du musstest unverhofft und unfreiwillig noch einmal für ein paar Monate ins Prorektorat. Doch du hast auch diese Herausforderung sportlich angenommen und souverän gemeistert. Nun trittst Du also doch in den Ruhestand – wobei du wahrscheinlich weder ruhen noch stehen wirst. Dafür gibt es zu viele Strecken, die erfahren werden können, Gegenden, die erkundet sein wollen. Für deine Projekte, denen du dich in Zukunft intensiver widmen kannst, wünschen wir dir alles Gute. Lieber Peter, Du wirst uns fehlen. Deine sachliche und doch lockere Art sorgt für gute Atmosphäre, sei es an Sitzungen, im persönlichen Gespräch oder an geselligen Anlässen. Du vermochtest die Schülerinnen und Schüler für dein Fach zu begeistern und hast deine Begeisterungsfähigkeit auch mit anderen geteilt. Kolleginnen und Kollegen, ob jung oder …

«Die Alte Kanti fühlt sich ein bisschen an wie Hogwarts»

Seit 1997 gibt es den Verein für ehemalige Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti – kurz: AULA. Ulrich Price, langjähriges Mitglied und aktueller Präsident der Vereinigung gibt im Interview mit sage&schreibe Auskunft über die Zielsetzungen, Aktivitäten und Visionen von AULA. Von Giada Di Lorenzo, G19A [Bild: Naima Zürcher] Was genau ist «AULA»? Ulrich Price: AULA ist eine Bezeichnung für einen grossen Raum, in dem man sich zusammenfindet und sich austauschen kann. Man kann sich darunter aber auch einen Kochtopf vorstellen, wo alles zusammengemischt wird. Was die Gründer vor 25 Jahren wirklich mit AULA gemeint haben, ist unklar. Wir verstehen uns einfach als die Vereinigung von Ehemaligen der Alten Kanti Aarau, in der ein aktives Gemisch von früheren Schüler(inne)n und Schule entsteht. Oder anders: AULA ist so etwas wie ein Heimathafen. Wieso braucht es einen Verein für die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti? Mit AULA wird ein grosser Reichtum weitergegeben: Geschichten, Traditionen und Wissen. So bleibt immer eine direkte Verbindung zur Schule erhalten. Für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, finanzielle Unterstützung für Projekte …

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona – Teil IV

Eine Schule durch eine Pandemie führen ist nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional eine Herausforderung – Krisenbewältigung zwischen Hoffen und Bangen. Dies zeigt sich auch im vierten Teil der Corona-Chronologie. Aber vielleicht ist es ja der letzte…! Von Dr. Andreas Hunziker, Rektor Nachdem seit Ende Dezember 2021 die extrem ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus dominiert, explodieren die Fallzahlen – in der gesamten Gesellschaft und logischerweise auch bei uns an der Schule. Beim Schulbeginn im neuen Jahr befinden sich über 50 Schulangehörige wegen einer Covid-19-Infektion in Isolation. In den drei Wochen bis zu den Sportferien bleiben die Zahlen konstant hoch. Der Präsenzunterricht läuft weiter, selten weist jedoch eine Abteilung Vollbestand auf; immer wieder werden Schülerinnen und Schüler oder Lehrpersonen per Teams von zu Hause aus zugeschaltet. Sportferien «Skilager finden trotz Corona statt.» – so titelt die Aargauer Zeitung am 27. Januar 2022. Und im Lead heisst es reisserisch: «Aargauer Kantonsschulen trotzen der dringlichen Empfehlung des Regierungsrats, momentan auf Lager zu verzichten.» Aus heutiger Sicht lässt sich sagen: Zum Glück haben wir uns der regierungsrätlichen Empfehlung widersetzt und …

Die Kunst der Berührung

In vielen Sportarten, aber auch im künstlerischen Bereich ist der Körperkontakt als besondere Form von Nähe zentral. Haut, Schweiss, Atem – wie fühlt sich solch extreme Nähe an? Wir haben den mehrfachen Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano, den «eidgenössischen» Schwinger Nick Alpiger und die Tänzerin und Choreographin Brigitta Luisa Merki getroffen und nach ihren Erfahrungen gefragt. Von Nick Häusler und Daut Limani, G19A Im Schwingen ist die Berührung während des Kampfes permanent vorhanden. Damit kennt sich der erfolgreiche Aargauer Schwinger Nick Alpiger bestens aus. Das gegenseitige Berühren beginnt im Schwingen aber bekanntlich schon vor dem Kampf – beim Händedruck, der schon einige Informationen über den Gegner liefert. Nick Alpiger begegnet jedem Gegner gleich, wenn er auch seine Taktik am Schwingstil des Kontrahenten ausrichten muss. Oder an dessen Grösse. Die Nähe im Kampf setzt ziemlich viel Masse in Begegnung, da wirken grosse physikalische Kräfte. Die Verletzungsgefahr schwingt deshalb immer mit. In den Gedanken eines Schwingers darf sie aber keinen grossen Platz einnehmen, denn die Angst vor Verletzungen wirkt sich negativ auf den Kampf aus. Zögerlich angesetzte Schwünge, Passivität …

Einst ein No-Go – heute ein Must

Von Daut Limani und Olivier Schade, G19A Wer heutzutage stylische Sneaker anzieht, trägt dazu meistens weisse Socken, vorausgesetzt, auch der Schuh enthält ein kleines bisschen Weiss. Besonders beliebt sind die weissen Sportsocken von Nike; die werden wie Tennissocken getragen, also bis unter den Wadenmuskel hochgezogen. Die Nike-Socken wurden in den letzten Jahren immer mehr zur Standardsocke von Streetwear-Interessierten. Während weisse Socken unter jungen Leuten längst akzeptiert und sogar trendy sind, gelten sie unter älteren Menschen immer noch als absolutes No-Go und werden als übles Aargauer Klischee abgestempelt. Zu Unrecht! In Wahrheit waren die Aargauer ihrer Zeit einfach voraus, als echte Trendsetter. Es ist also völlig okay, weisse Socken zu tragen, auch zu komplett weissen Sneakern – aus dem ebenso simplen wie einleuchtenden Grund, dass weisse Socken mit jeder anderen Farbe kombiniert werden können und dabei einfach immer schick aussehen. Klar, kein Mensch kommt auf die Idee, zum Beispiel knallgrüne Socken mit roten Schuhen zu kombinieren, das sieht grauenhaft aus. Doch farbige Schuhe und weisse Socken – das passt. Deshalb, liebe Aargauerinnen und Aargauer: Holt die …

Kann man Nähe kaufen?

Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf die Nähe zu seinen Mitmenschen angewiesen. Aber was, wenn man diese Nähe in seinem Umfeld nirgends finden kann? Genau diese Zielgruppe spricht «rent a friend» an, das Online-Portal, welches Menschen, die sich einsam fühlen, einen unkomplizierten Weg zu neuen Freundschaften verspricht. Der einzige Haken dabei: Man muss den gemieteten «friend» für die gemeinsam verbrachte Zeit bezahlen. Geniale Geschäftsidee oder schamloses Ausnützen von Einsamkeit? Wir haben den aus Deutschland stammenden Wahl-Basler Leon C. gefragt, einen der potenziellen Friends, die gebucht werden wollen. Von Naima Zürcher und Anna Lisa Lüthy, G19A Auf der amerikanischen Website «rent a friend» kann man sich als «friend» ein Profil einrichten, worauf sich Interessierte melden können. Kaffee trinken, spazieren, ins Kino gehen oder sogar zusammen verreisen; auf diesem Portal kann man sich für fast alles einen Freund oder eine Freundin mieten. Eine Freundschaft im Austausch für Geld hört sich erst einmal bizarr an. Doch die Idee von «rent a friend» findet in den Staaten sowie manchen Teilen Asiens bereits seit einiger Zeit grossen Zuspruch, …

Erdbeeren mit Niveau

Von Fiorenza Larcher, G20F Also ich kann es jeweils kaum erwarten, die ersten Erdbeeren vom Feld zu pflücken. Die kalten Monate kommen mir ewig vor. Aber jeden Sommer werde ich wieder belohnt: diese vollreifen, süssen, heimischen Erdbeeren – göttlich. Wieso nur gibt es Leute, die im Winter und Frühjahr so teure, geschmacklose Hartgummi-Erdbeeren kaufen? Es ist nicht zu verstehen. Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass im sehr trockenen südlichen Spanien, von wo die meisten Hors-Saison-Erdbeeren in den Schweizer Läden stammen, die für die Früchte-Produktion nötigen Wasserressourcen weitestgehend fehlen. Das führt dazu, dass wegen staatlich verordneter Einschränkungen auch illegal Wasser gezapft und Landwirtschaft betrieben wird. Als Schweizer Verkäufer kann man also nie so genau wissen, ob man nun illegal oder legal produzierte Erdbeeren verkauft. Den Winter-Erdbeer-Konsumentinnen ist das einerlei. Sie übersehen die klein gedruckten Ländernamen gerne – oder schauen gar nicht erst hin. Hauptsache: Erdbeeren, anytime. Ihnen rate ich: Kaufen Sie jetzt Erdbeeren, saisonal und regional, im Supermarkt oder beim Erdbeerbauern – und geniessen Sie! Wenn Sie sich dann in den kalten Monaten bewusst an …

Nähe

Nicht selten zeigt sich erst im Gespräch die wahre Komplexität der Welt – oder wenigstens des vertrauten Begriffs «Nähe». Aber wenn ein Romanist und eine Germanistin zusammen reden, ist auch der Stift nicht weit – und das Flüchtige wird in kondensierter Form fassbar gemacht. Von Francesco Mugheddu und Jacqueline Seiler Auf die Frage «Was ist also Nähe?» könnte man analog zu Augustinus’ Konfessionen über die Zeit antworten: «Wenn mich niemand danach fragt, weiss ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiss ich es nicht.» Tatsächlich ist «Nähe» ein höchst flüchtiger, mehrdeutiger und manchmal paradoxer Begriff. Je nach Kontext ist sie zeitlich, räumlich oder als Gefühl zu deuten, in eigenem bzw. übertragenem Sinn zu verstehen. Als konstitutiv relationaler Begriff nimmt «Nähe» je nach Beziehungsart (Familien-, Liebes-, Freundschafts-, Gesellschaftsbeziehungen etc.) immer neue spezifische Bedeutungen an. Ein medusischer Begriff, bei dem sich immer auch die Frage nach der «richtigen» Nähe stellt. Das Bild der Schärferegulierung bei Fotokameras verdeutlicht diese Problematik: Zoomen wir zu weit raus, ist der Fokus unklar. Sind wir zu nahe dran, entfällt der Kontext …

«Nähe ist Nahrung für den Körper»

Assunta Amatucci ist gelernte Sexualbegleiterin und Berührerin für Menschen mit Beeinträchtigung. Wir haben die 55-Jährige in ihrer Praxis in Solothurn besucht, um mehr über diese noch immer weitgehend tabuisierte Arbeit zu erfahren. Wir wollten wissen, wie sie mit ihren Klientinnen und Klienten umgeht und was für sie Nähe bedeutet. Von Olivier Schade und Johannes Voss, G19A Was genau ist eine Berührerin? Grundsätzlich geht eine Berührerin oder ein Berührer auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten oder der Klientin ein: eine Hand auf den Rücken legen, eine Hand- oder Fussmassage, es kann den ganzen Körper beinhalten, es kann nackt oder bekleidet stattfinden, es kann aber auch nur ein Gespräch sein. Immer geht es darum, diesen Menschen mit Behinderung oder Senior(inn)en etwas zu geben, was sie nirgendwo sonst bekommen können. [Bild: Olivier Schade] Gibt es dafür eine spezifische, anerkannte Ausbildung? Ja, das ist die Ausbildung als Sexualbegleiter/-in. Berührer/-in können sich alle nennen, nicht aber Berührer/-in nach InSeBe (Initiative SexualBegleitung). InSeBe ist eine von mehreren Organisationen, welche die Ausbildung als Sexualbegleiter/-in anbieten. Wie haben Sie zu diesem Thema gefunden? …

«The beauty of polyamory is loving limitlessly»

Desiring or being in multiple romantic relationships at the same time is called polyamory. Orion Toivonen from Scotland was willing to talk openly about polyamory by answering a few questions surrounding themes such as closeness, love or jealousy. Von Valeria Tomassini und Paynavi Punithakumar, G19A An unusual situation: Orion is sitting across from us – but via a screen and in Scotland. His partner Jose is listening in the background as we begin the interview. Orion, currently, you are only in one relationship – with your anchor partner Jose, who is also dating Jaana who has three additional partners. What do the terms closeness, intimacy and love mean to you? How would you distinguish them? Orion: Love is something that you can feel with everyone: You can feel it with friends, maybe even with a stranger that you pass on the street. It is a feeling of appreciation. Closeness, however, I consider something more reserved to the people nearest to me. Although, I am not only close to people that I am involved with romantically, …

Nähe und Distanz im Nanokosmos oder Warum der Kopf nicht durch die Wand geht

Von Dr. Michael Schär, Chemielehrer Plötzlich waren sie da: Die Abstandsregeln während der Corona-Pandemie. Fast gebetsmühlenartig wurden sie wiederholt: 1.5 Meter zwischen zwei Personen (hierzulande) – mehr Nähe musste vermieden werden. Doch egal, wieviel Nähe erlaubt ist, zuletzt gelten sowieso die ‹Abstandsregeln› des Nanokosmos. Dazu gehört, dass Atome einander nicht durchdringen wollen und zueinander auf Distanz gehen, wenn sie sich nicht verbinden können. Ausschlaggebend dafür sind ihre Hüllen mit Elektronen, welche sich gegenseitig abstossen. Gecko an der Wand, wer ist der beste Kletterer im Land? Doch Atome verspüren genauso wie wir Menschen nicht nur Hemmung, sondern auch Attraktion. Und kommen sie sich etwas näher, geschieht manchmal auch Wunderliches. Elektronen bewirken nämlich nicht nur Abstossung, sondern indirekt über Fluktuationen der Ladungsverteilung auch den Zusammenhalt von kleinsten Teilchen: ‹Van-der-Waals-Kräfte› nennt sich dies im Fachjargon. Ohne diese würde sich so manche Kunststoffpackung gleich verflüchtigen. Ihnen verdankt der Gecko, dass er Wände erklimmen kann und selbst bei einer Last von 10 Kilogramm noch an der Decke haftet. Eine ausgeklügelte Nanostruktur am Fuss des Geckos mit Milliarden feiner Haare multipliziert …

Selbstnähe

Von Alexandra Ihle, G19A Wenn wir von Nähe reden, denken wir meistens an die Nähe zu anderen und fast nie an die Nähe zu uns selbst. Eigentlich merkwürdig, denn wir sind uns doch selbst am nächsten. Gemäss Duden wird «sich nahestehen» folgendermassen verstanden: «aufgrund einer Eigenart oder bestimmter Merkmale in die Nähe einer Sache gehören, ihr benachbart sein oder zu jemandem in enger Beziehung stehen, zum Beispiel einer Person oder auch einer Partei». Würde diese Definition auf die Nähe zu sich selbst übertragen, könnte diese folgendermassen erklärt werden: Mir selbst nahe bin ich dann, wenn ich mich so gut kenne, dass ich mir meiner Eigenart mit allen Bedürfnissen und Wünschen bewusst bin. Hand in Hand mit Selbstnähe gehen Selbstakzeptanz und, als Steigerung davon: Selbstliebe. Auch das Vertrauen in sich selbst gehört dazu. – Und in welcher Beziehung stehen diese Begriffe zu einander? Selbstakzeptanz und Liebe. Die beiden Begriffe sind selbsterklärend, aber ihr Verhältnis ist kompliziert. Denn es ist möglich, sich selbst zu akzeptieren, ohne sich zu lieben. Aber Selbstliebe ohne Selbstakzeptanz – das geht nicht. …

Shiatsu

Eine Hunderasse? Oder vielleicht Kampfsport? Mit beidem hat Shiatsu nichts zu tun. Shiatsu kommt ursprünglich aus der fernöstlichen Medizin und ist eine Therapie- beziehungsweise Massageart. Um mehr über Shiatsu herauszufinden, haben wir Elena Ritmeisters, ausgebildete Shiatsu -Therapeutin, in ihrer Praxis in Aarau besucht. Von Selina Wick und Ella Jost, G19A Shiatsu kommt aus Japan und heisst übersetzt «Fingerdruck». Man verwendet dabei also nur die Hände und keine anderen Hilfsmittel wie zum Beispiel Nadeln oder Steine. Shiatsu entspringt der traditionellen chinesischen Medizin und ist so etwas wie die Physiotherapie der fernöstlichen Medizin. Dabei orientiert man sich nicht nur an der äusseren Struktur des Körpers, sondern insbesondere auch an den Energieflüssen. Dazu gehört in erster Linie das Meridiansystem. Dies sind nach der traditionellen chinesischen Medizin energetische Bahnen, in denen die Lebensenergie Qi fliesst. Mit gezielter Behandlung von Akupunkturpunkten, also Punkten auf den Meridianen, soll der Körper in einer ganzheitlichen Balance gehalten werden. Westliche und östliche Medizin Oft unterscheiden sich die Therapieformen der östlichen und westlichen Medizin gar nicht so stark voneinander. Der nach westlichen Standards ausgebildete Physiotherapeut …

Sichere Häfen für Kinder mit Bindungsstörung

Unser Selbstwert hat sehr viel mit Nähe und sicheren Bindungen bereits im Säuglings- und Kindesalter zu tun. Die Tatsache aber, dass 40 bis 50 Prozent der Menschen als Kind eine unsichere Bindung erfahren haben, lässt aufhorchen. Prof. Dr. Guy Bodenmann, ein führender Experte in der klinischen Paar- und Familienpsychologie, gibt im Interview vertiefte Einblicke in die Thematik der Bindung beziehungsweise Bindungsstörung im Kindesalter. Von Tatjana Gligorevic und Anna Piani, G19A «Stellen wir uns die Psyche als Haus vor. Der Selbstwert ist das Fundament, und alles andere baut darauf auf. Wenn das Dach langsam löchrig wird, die Ziegel nicht mehr festsitzen, kann es sein, dass ein Sturm ein paar Ziegel wegbläst und schlimmstenfalls das Dach davonfliegt. Das Haus an sich aber steht weiterhin robust da – alles ist nicht so schlimm. Wenn hingegen das Fundament schlecht ist, nimmt das Haus schwerere Schäden.» Prof. Dr. Guy Bodenmann sage&schreibe: Welche Bedeutung hat «Nähe» für Kleinkinder? Guy Bodenmann: Im Bindungsaufbau des Säuglings nimmt Stress eine zentrale Rolle ein. Der Säugling ist auf eine feinfühlige Bezugsperson (in der Regel vor …

Studentenfutter

Die Seite für Ratsuchende, Ideenlose, Sparfüchse und Neugierige. Hier gibt es zwar kein Trockenobst mit Nüssen, aber immerhin eine genussvolle, leichtverdauliche Mischung aus allerlei Wissenswertem rund um die Alte Kanti. Von Regina Knüsel, G19A Alte Kanti Unexplored Orte, von denen man (vielleicht) noch nichts weiss Auf dem Dachboden des Einsteinhauses befindet sich ein kleiner L-förmiger Raum, der den Namen «Albertas Ruheraum» trägt. Der Zusammenhang zu «Albertas Lounge» auf dem Dach des Aquariums liegt auf der Hand. Der L-Raum dient als Ruheraum für Lehrpersonen, wohl damit sie sich in Zwischenstunden von den anstrengenden Schülerinnen und Schülern erholen können. Tritt man durch die Tür, kommt man in einen engen, lichtdurchfluteten Raum. Es gibt drei Betten, die jeweils hinter einer dünnen Holzwand stehen und von einem Vorhang verdeckt werden. Die Betten sind mit weissen Laken bezogen, und es hat sogar Kissen. So richtig einladend wirken die Betten allerdings nicht, da sie nicht ordentlich gemacht sind und das Laken nicht besonders frisch aussieht. Auf dem Infozettel an der Tür steht zwar die Aufforderung, eine eigene Unterlage mitzubringen; ob dies …

«Wenn ich massiere, bin ich einfach locker»

Insbesondere Menschen mit Downsyndrom wird ein offener und herzlicher Umgang mit ihren Mitmenschen zugeschrieben. Der Aargauer Simon Federer ist da keine Ausnahme. Was ihn aber besonders macht: Als Masseur hat er eine besondere Art von Nähe zu seinem Beruf gemacht. Von Rahel Furrer und Regina Knüsel, G19A [Bild: Rahel Furrer] Um einen Interviewtermin mit Simon Federer zu vereinbaren, riefen wir ihn an und erhielten nach unserer Anfrage eine Einladung zu ihm nach Hause. Erfreut über diese unerwartete Gastfreundlichkeit, erkundigten wir uns nach der genauen Adresse, doch er bot uns an, uns direkt beim Bahnhof abzuholen. So erwartete uns in Turgi ein klein gewachsener Herr in schwarzem Mantel, der uns herzlich in Empfang nahm. Anschliessend führte er uns in seine Wohnung, in der er bereits seit einiger Zeit allein wohnt. Wir kamen sofort ins Gespräch und waren beeindruckt von seiner klaren Ausdrucksweise. An Formalitäten hielten wir uns nicht lange, schon bald wechselten wir zum Du, so dass das Gefühl aufkam, einander schon länger zu kennen. Simon Federers Wohnung zeugt von dem, was er in seinem Leben …

Zwischen Leben und Tod

Einen ganz besonderen Beruf hat das Luzerner Medium Maria Piazza. Sie sieht sich als mediale Lebensberaterin, als Vermittlerin zwischen der geistigen und der materiellen Welt und hat daher eine eher ungewöhnliche Nähe zu Verstorbenen. Im Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeit, ihre besonderen Fähigkeiten und ihre Beziehung zum Reich der Toten. Von Amina Colombo und Elin Cattaneo, G19A Was ist ein Medium? Ein Medium stellt sich als Kanal zwischen der geistigen und der materiellen Welt zur Verfügung. Auf diese Weise erhalte ich Informationen aus dem Jenseits. Meine Fähigkeiten erlauben es mir also, mit Toten zu kommunizieren. Ich verständige mich mit Engeln und verstorbenen Seelen sowie Geistführern, ich sehe und spüre sie. In spirituellen Sitzungen kann ich meinen Klientinnen und Klienten Zugang zu wichtigen Informationen ermöglichen. Dadurch entsteht für sie eine Möglichkeit, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, womit seelische Blockaden und Probleme gelöst werden können. Kann man sich eine Verbindung zum Jenseits antrainieren oder wird man mit so einer Fähigkeit geboren? Ich spürte bereits als junges Mädchen, dass bei mir etwas anders war. Ich begann …

Schund

Von Reinhold Bruder* «Schund!», het de Tüütschleerer krääit, mit der äinte Hand es John-Kling-Heftli gschwänkt und mit der anderen em Fränzu äis putzt. «Wi mängisch mues is no sääge? Dir sind Bezirksschüeler. Und Bezirksschüeler lääsen Aaspruchsvous. I der Schueubibliothek gits gueti Jugetbüecher, Saage und Sachbüecher. Settige Mischt wott i i mim Zimmer nie me gsee.» Er het s Heftli no äinisch i d Luft ghaa und denn verrisse. De Fränzu het e rooti Baggen überchoo und de zum Ürsu überegscheechet und gmützeret. Beed händ i de Mappe no mee Fueter ghaa; der äint Jim Strong, der ander Micky Maus. Am Schluss vo der Stund – aui händs gsee – isch de Leerer zum Roland ggange und het em e Band griechischi Saage änegstreckt. Wider äinisch het de Grosvatter Roland zäme mit siner Fräu Rosa e Psuech bi de Grooschind gmacht, bim zääjeerige Georg und bim achtjeerige Gregor, der äint e groosse Lääser, der ander het no nie freiwiuig es Buech i d Hand gnoo. Im Gepäck händ d Groseutere zwöi Büecher ghaa. Daas Moou nüüt …

Interview Corina Eichenberger

Corina Eichenberger Rechtsanwältin und Politikerin (ehem. Grossrätin und Nationalrätin) Matura: 1974 [Bild: zVg] Fassen Sie Ihre Kantizeit in einem Satz zusammen. Ich denke gerne an diese schönen und unbeschwerten Kantijahre zurück. Wie sieht Ihr bisheriger Karriereweg aus?Welches sind die wichtigsten Eigenschaften in Ihrem Beruf? Als Rechtsanwältin ist die Fähigkeit zentral, sich in die Gegenpartei (und als Mediatorin in die Streitparteien) einzudenken und manchmal auch einzufühlen, um gute Lösungen und Argumente beziehungsweise Gegenargumente zu finden. Diese Fähigkeit ist auch in der Politik sehr nützlich. Weshalb sind Sie Mitglied im Ehemaligen-Verein der Alten Kanti? Nostalgische Gründe und Erinnerungen an die Schulzeit haben mich motiviert, dem Ehemaligen-Verein beizutreten. Schöne Erinnerungen wecken positive Gefühle, und die tun gut.

Sechsundvierzig Minuten

Von Jakob Schildhauer, G20F Bremsen quietschen. Menschen strömen mir entgegen, als ich versuche, aus der Unterführung auf den Bahnsteig zu gelangen. Ich renne die letzten Meter zum Zug, springe hinein und höre das Fiepen der sich hinter mir schliessenden Türen. Die Atmosphäre eines Schulhofes begrüsst mich, als ich in den Gang des Waggons trete. Den Reservationszetteln an den Fensterscheiben entnehme ich, dass es sich bei den durcheinanderschreienden Kindern um die Klasse 3b handelt, die wie ich bis nach Basel fährt. Schnell laufe ich einige Meter weiter, hinaus aus dem Getümmel. Ich lege meine Tasche auf den nächstbesten Platz in sicherer Entfernung, kämpfe mich aus meiner dicken Winterjacke, die mich nicht loslassen will, schaffe es schliesslich und verstaue sie über den Sitzen. Unterdessen hat sich mein Rucksack verselbstständigt und ist auf den Boden gefallen. Ich hebe ihn auf, setze mich. Heute will auch gar nichts klappen. Erst jetzt fällt mein Blick auf mein Gegenüber. Es ist der Weihnachtsmann. Zumindest ist das mein heimlicher Name für den Herrn vor mir. Wenn es einen Menschen gibt, dem ich …

In der sechsundvierzigsten Minute

Von Adriana Catanese, G19K Das Leben auf dem Land, Früchte und Blumen in allen Farben verwelken mit der Zeit. Zusammen leben wir in einem alten Haus. Meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich. Seitdem ich sechzehn Jahre alt bin, gehe ich nicht mehr zur Schule. Ich helfe unserer Mutter bei der Arbeit, denn sie wurde ihrer Gesundheit beraubt. Sie ist Schneiderin mit jahrelanger Erfahrung. Seit drei Jahren bin ich es auch. Mein Bruder ist sechs Jahre alt. Wichtig ist er mir, so wichtig wie Mutter mir auch ist. Der Tag, an dem er geboren wurde, zählt zu den schönsten meines Lebens. Neues Leben. Gesundes Leben. Neun Jahre vor der Geburt meines Bruders brachte Mutter in der sechsundvierzigsten Minute der sechsten Morgenstunde ein für immer schlummerndes Kind zur Welt. Ihr Grab befindet sich in unserem Garten. Damals war ich zehn Jahre alt. Wie ungerecht war es, dass meine Mutter ihr geliebtes Kind nie lebendig in die Arme nehmen durfte. Wie ungerecht war es, nie auf die Welt kommen zu dürfen. Wie grausam war der Tod. Und …

1938

Von Nadina Schärer Kalte Abendluft peitscht mir entgegen. Vom Himmel fallen ein paar verirrte Schneeflocken. Die Strassen Berlins sind leer. Ich renne quer über den sonst so vollen Potsdamer Platz. Normalerweise versteht man hier unter dem Verkehrslärm und den schnatternden Menschen sein eigenes Wort nicht. Jetzt könnte man eine Stecknadel fallen hören. Geradezu unheimlich. Es liegt etwas in der Luft. Als hätten die Häuser und Bäume, an denen ich vorbeiziehe, auch dieses flaue Gefühl einer dunklen Vorahnung. Mein Gefühl beruht allerdings nicht auf Vermutungen, sondern auf einer bitteren Erkenntnis. Ich kann ihn nicht retten. Wie auch? Mein Bruder hat es mir vorhin selbst gesagt: «Du immer mit deinem Janosch! Aber warte nur, dieses Mal wird er nicht so einfach davonkommen! Es ist eine Schande, dass du dich überhaupt mit einem Drecksjuden wie ihm abgibst!» Bei diesem Wort ist es mir kalt den Rücken hinuntergelaufen. Aber habe ich etwas gesagt? Natürlich nicht. «Eine Deutsche sollte sich nicht so beschmutzen! Aber keine Sorge, nach heute Abend wird er kein Problem mehr für uns sein!» «Was soll das …

46 Minuten

Von Caroline Ritter, G20F Als ich die Türe öffne, schlägt mir die kalte Luft ins Gesicht. Hinter mir höre ich die laute Discomusik. Doch kaum schliesse ich die Tür, ist es ruhig. Ich blicke mich in der Gasse um, in die ich gerade getreten bin. Die Sonne ist schon untergegangen, und das kleine Licht, das an der einen Gebäudewand hängt, erfüllt kaum seinen Zweck. Mit zitternden Händen krame ich in meiner Tasche nach dem Handy. Als ich es endlich gefunden habe, tippe ich schnell die Nummer meines Vaters ein. Die dunkle Gasse ist mir ein wenig unheimlich, und ich möchte so bald wie möglich wieder zurück in die Wärme. «Hallo Papa! Ich bin’s», sage ich, während ich von einem Bein auf das andere wippe. «Ja, Daria. Ist alles okay? Ich dachte, du wärst mit Maya zusammen im Club», antwortet er gewohnt freundlich. «Ja, bin ich auch. Ich wollte dich nur fragen, ob du uns abholen könntest? Meine Füsse tun unglaublich weh, und der Club ist komplett überfüllt. Ausserdem sind wir beide langsam müde, und wir …

46 Minuten

Von Florian Brenner, G19K Diese Idylle ist völlig absurd, wenn sich solch eine Situation als idyllisch beschreiben lässt. Es mag absurd wirken, wie man in solch einer Situation noch so etwas wie Harmonie und Einklang verspüren kann. Doch die Blase ist geplatzt. Ich bin wieder ich und nicht der, der ich einmal war. Es sind Serpentinen, welche die karge Küstenlandschaft zieren. Sie führen hinaus ins Nichts, in die abgeschiedenen Provinzen des Landes. In einem Reiseführer würde diese Ecke Schottlands als authentisch angepriesen werden. Mehr als winzige Fischerdörfchen mit einer überalterten Bevökerung, in dessen Häfen ein mieser Geruch von Rost, Salz und Fisch in der Luft liegt, hat diese überkommene Gegend jedoch nicht zu bieten. Dieser beissenden Meeresluft ist hier nur schwer zu entkommen, denn der Wind trägt sie noch weit ins Landesinnere. Die Häfen zählen meist exakt so viele Schiffe wie das Dorf Einwohner, wovon beide am Zahn der Zeit nagen. Das Einzige, was solchen heruntergekommenen Dörfchen etwas Leben verleiht, sind die zahlreichen Pubs. Jedes noch so kleine Provinznest hat sein eigenes «Inn», wie sie …

Mehr Empathie!

Von Piotr Kwiatkowski, G19E Wenn ich auf die Welt schaue, bedauere ich sehr, wie viele Gräuel zu sehen sind. Damit soll nicht nur das abstrakte Boshafte aus Zeitungen und auf Bildschirmen gemeint sein, sondern auch der Schrecken des Alltags. Ich finde es frustrierend, wie wir Menschen miteinander umgehen, erst recht, wenn man bedenkt, wie fortgeschritten unsere Spezies doch eigentlich ist. Trotz massiver technologischer Innovationen von mikroskopisch kleinen Prozessoren bis zu Raketen hat sich der Umgang von uns Menschen über die Jahrhunderte nur wenig verändert; es scheint, als müsse die gesellschaftliche Umgestaltung warten – wie der Einwechselspieler auf der Bank. Unabhängig davon, ob man in einem Holzboot aus dem 13. Jahrhundert dahintreibt oder in einer Boeing den Himmel erkundet, noch immer wird diskriminiert, verspottet und verletzt. Ich halte es für eine absolute soziale Notwendigkeit, dass sich hier etwas verändert. Deshalb benütze ich hier die Gelegenheit, an alle zu appellieren – für mehr Akzeptanz, Respekt und Liebe, sodass das menschliche Empathievermögen sich nicht nur in Büchern, sondern auch in unserem Alltag bestätigen lässt. Schaffen wir es, dieses …

Ichigo ichie (Japanisch)

Von Kokone Shigemitsu* 「一期一会」これは日本に古くから伝わることわざである。意味を簡単に説明すれば、世の中は一生に一度限りの出会いで溢れているということだ。これからあなたが出会う人、今まで出会った人。彼らとはもう2度と会うことがないかもしれない。だから、どんな出会いも大切にしなさい、という教えである。 [Bild: rietberg.ch] この言葉は茶道を通して伝えられた。あなたの今、目の前にある貴重な茶碗を見るのは最後になるかもしれない。同席している他のお客さんと出会うことはもうないかもしれない。現代のわたしたちからすれば大袈裟に聞こえるかもしれないが「どんな長い人生を生きても、同じ日は一度たりともない」ということをこの言葉からひしひしと感じる。 私がこの言葉に自分なりの意味を持たせるとすれば、「出会いと別れは簡単にやってきてしまうのだから、それらを見逃さないように」となるだろうか。さよならを突然言わなければならないことなんて、とても稀だけど、私には忘れられない別れがある。あれは2020年の春だった。世界的なパンデミックにより、私のスイスでの留学生活が急に終わりを告げた。クラスメイトや先生方に、直接お礼もお別れの言葉も言えないまま、私はスイスという国を後にすることになった。もうあれから2年が経った。今でも時々、スイスにいた日々を思い出すことがある。出会った人々や景色を懐かしむこともある。今振り返ってみると、私にとっての留学は「人生でまたとないほど貴重な経験」だったし、本当に大きな意義のあるものだった。 21世紀になった今日でも、出会いも別れも知らない間に訪れることはある。簡単に連絡が取れる時代だけど、だからこそ再会できることはとても特別だ。「周りの人を大切にするということ」古くから伝わる「一期一会」という言葉がそれを忘れるな、といつも私に語りかけている。 * Kokone Shigemitsu war 2020 Austauschschülerin in der damaligen Abteilung G1A. Sie lebt und studiert heute in Tokio.

Ichigo ichie (Deutsch)

Von Kokone Shigemitsu* Ichigo Ichie. Diesen Spruch gibt es in Japan schon lange. Wörtlich übersetzt bedeutet es, dass man eine bestimmte Person beziehungsweise einen bestimmten Gegenstand nur einmal in seinem ganzen Leben trifft. [Bild: rietberg.ch] Das Sprichwort ging aus den Teezeremonien hervor. Es könnte das erste und auch das letzte Mal sein, dass man die Teeschale sieht, die vor einem steht, vielleicht wird man nie wieder Gäste einladen und die Zeit mit ihnen teilen. Es mag zu ernst und extrem klingen, im 21. Jahrhundert so zu denken, aber dieser Satz lehrt uns, jeden Moment so zu leben, als gäbe es keine zweite Chance. Ich persönlich interpretiere diesen Satz so: Hallo und auf Wiedersehen können sehr leicht kommen und gehen, also versuchen Sie, einander nicht zu verpassen. Plötzliche Trennungen passieren sehr selten, aber es gibt da einen Moment, an den ich mich immer erinnern werde. Es war das Frühjahr 2020, als mein Austauschjahr wegen der globalen Pandemie plötzlich zu Ende ging. Ohne mich persönlich von meinen Mitschülern und Lehrerinnen verabschieden und mich bei ihnen bedanken zu …

Begegnung erleben

Am 8. und 9. März 2022 hatten die Schülerinnen und Schüler aller 2. Klassen der Alten Kanti die Gelegenheit, im Rahmen von massgeschneiderten Modulen spannende Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft kennenzulernen. Die sage&schreibe-Redaktorinnen Amina Colombo, Alexandra Ihle, Ella Jost, Paynavi Punithakumar, Valeria Tomassini und Selina Wick haben ausgewählte Module besucht und berichten hier von ihren Erfahrungen und Eindrücken. Modul Psychische Krankheiten Das Thema «psychische Krankheiten» ist aktueller denn je. Die Kliniken sind voll, die Warteschlangen lang. Vor allem mit der Pandemie und der damit verbundenen Isolation ist das Thema «Gesundheit» und eben auch die «psychische Gesundheit» mehr in den Fokus gerückt. Früher ein Tabuthema, wird heute immer mehr offen darüber gesprochen. Dadurch fällt es Jugendlichen, die übrigens besonders stark betroffen sind, leichter, sich über ihr psychisches Befinden zu äussern. Das sagt auch Lukas Bösiger, Psychologe, den wir Anfang März im ask! zusammen mit der G20H im Rahmen des Projekthalbtages «Begegnungen» getroffen haben. In diesem Modul, dass sich rund um psychische Krankheiten und mentale Gesundheit drehte, durften wir einen vertieften Einblick in den Fachbereich der …

Schreibwettbewerb 2022 – Jurybericht

Nach einer einjährigen Coronapause fand 2022 wieder der traditionelle Schreibwettbewerb der Alten Kanti statt. «46 Minuten» hiess das Thema, das Schreiberinnen und Schreiber aus insgesamt 5 Abteilungen herausforderte. Von Andreas Neeser, Deutschlehrer und Jurymitglied In der gut gefüllten Aula wurden am 16. März 2022 nicht weniger als 5 prämierte Texte von den Autorinnen und Autoren vorgelesen. Ein eindrücklicher Lesereigen, was nicht zuletzt dem Vorlese-Coaching von Theaterregisseurin Andrea Santschi geschuldet war. Zahlreiche fein ausgearbeitete Texte hatten es der Jury – bestehend aus den Deutschlehrern Christoph Neidhart, Andreas Neeser, Peter Sutter und Lukas Tonetto – nicht leicht gemacht, das vom Ehemaligen-Verein AULA gespendete Preisgeld von 600 Franken gerecht zu verteilen. In der Kategorie 1./2. Klassen schwang schliesslich Jakob Schildhauer (G20F) obenaus. Der geteilte 2. Platz ging an Caroline Ritter (G20F) und an Nadina Schaerer (G20B). In der Kategorie 3./4. Klassen wurden zwei 2. Plätze vergeben – und zwar an Florian Brenner (G19K) und Adriana Catanese (G19K). Hier gibt es die Siegertexte zum Nachlesen: Jakob Schildhauer, Sechsundvierzig Minuten Caroline Ritter, 46 Minuten Nadina Schaerer, 1938 Florian Brenner, 46 …

«Die Schönheit der Polyamorie besteht in der grenzenlosen Liebe»

Mehrere romantische Beziehungen zur gleichen Zeit leben wird als Polyamorie bezeichnet. Genau in so einer Beziehung lebt der Schotte Orion Toivonen, welcher bereit war einige Fragen zur Polyamorie zu beantworten. Dabei werden Themen wie Nähe, Liebe oder Eifersucht in polyamorösen Beziehungen behandelt. Von Valeria Tomassini und Paynavi Punithakumar, G19A Eine ungewöhnliche Situation für ein Interview: Orion sitzt uns gegenüber, jedoch nicht an einem Tisch, sondern mehrere Kilometer entfernt, in Schottland. Über den Smartphonescreen sehen wir Orion in seinem Zimmer, seine Beziehungsperson Jose sitzt im Hintergrund und hört uns zu. Orion, du bist momentan in nur einer Beziehung. Deine Beziehungsperson Jose hat aber selbst noch drei weitere Partner. Was bedeuten die Begriffe «Nähe», «Intimität» und «Liebe» für dich? Wie würdest du die Unterschiede beschreiben? Orion: Ich glaube, Liebe ist etwas, das man bei jedem Menschen spüren kann: bei Freunden und in der Familie, vielleicht sogar bei einem Fremden, den man auf der Strasse trifft. Für mich ist es ein Gefühl der Wertschätzung. Nähe hingegen halte ich eher für etwas, das denjenigen Menschen vorbehalten ist, die mir …

Nur ein Wimpernschlag

Von Skyla Rossi [Bild: Sanne Keller] I Ich reisse die Arme hoch, halte sie vor das Gesicht, um mich vor dem nächsten Schlag zu schützen. Seine Knöchel sind bereits blutig, die Haut ist dort aufgeplatzt, wo seine Faust jeweils mein Gesicht fand. Er ist über mir, kniet auf meinen Oberarmen. Abwechselnd mit der linken und rechten Faust schleudert er meinen Kopf wie einen Ball hin und her. Sein dichtes, russfarbenes Haar ist zerzaust, das Gesicht widerlich verzerrt. Schweiss mischt sich auf seinen Wangen mit dem Blut, das von den wenigen Treffern, die ich landen konnte, aus kleinen Rissen sickert. Seine Augen sind glasig. Obwohl sie keinen Fokus zu finden scheinen, fühlt es sich an, als bohrten sie sich in mich hinein. Ich bin taub, aber ich sehe seinen Schrei, sehe, wie er den Mund aufreisst, wie der Speichel zwischen Ober- und Unterlippe Fäden zieht. Seine Faust kommt näher. Mein Blick verschwimmt. Es wird dunkel. Und wieder hell. Seine Faust ist bereits so nahe an meinem Gesicht, dass ich das Blut auf seinen Knöcheln rieche. Die …

Portraits der Mitarbeitenden

Ein Beitrag zur Umsetzung unserer Leitsätze Unsere Mitarbeitenden: Ins Unterrichtsgeschehen sind sie nicht direkt invol- viert, doch im Hintergrund stellen sie Tag für Tag das reibungslose Funktio- nieren der Alten Kanti sicher. Ob im Sekretariat, im Park oder in den Kata- komben der Telli, ob in Labors, in Büros oder in unseren weitläufigen Gän- gen, ob in der Mediothek, in Dachstöcken oder in Haustechnikräumen: über- all wird geschaut, geplant, gelöst und umgesetzt. Handfest und konkret. Oft im Stillen und unbemerkt. Der Umsetzungsgruppe Leitsätze ist es ein Anliegen, allen Schulangehörigen einen Einblick in das Wirken unserer Mitarbeitenden zu bieten. Denn: Diese tragen wesentlich dazu bei, dass die Alte Kanti als nachhaltige, attraktive, verantwortungsbewusste und professionelle Schule wahrgenommen wird. Erfreulicherweise waren viele Mitarbeitende bereit, sich portraitieren zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler der Abteilung G21A begleiteten sie bei der Arbeit und erfuhren im Gespräch mehr über ihre Tätigkeit an der Alten Kanti. Im Rahmen des Deutschunterrichts bei Simone Leuenberger entstand diese «Portraitgalerie». Herzlichen Dank an alle Beteiligten! Machen Sie sich selbst ein Bild von der Vielseitigkeit und …

3 Gedichte mit Audio

Sterbender Sommer Bernsteinbraune Augen verlieren sich in der weiten Menge der warme Wind wirbelt in meinem Haar und roten Blättern an der Ecke zum Park Die Schönheit der Welt liegt in den Zyklen Geburt und Vergehen und alles ein Anfang Denn ich bin verliebt in den Jungen der im Café sein Buch liest in die Mädchen an der Kreuzung in die alte Dame am Zeitungskiosk Und vielleicht ist das Liebe auf Zeit. —————- Schwarzer Schnee Du tanzt barfuss im Schnee unter tintenschwarzer Nacht unsere Atemwolken schimmern im blassen Fensterlicht wann bist du so schön geworden? Jubelnde Silvestergäste hier draussen hören wir sie nicht zu zweit allein jung und frei du tanzt, ich sehe dich – doch du —————– Graffito I’m sorry I fell for you during a pandemic steht oben geschrieben an der düstergrauen Wand Warum sind es immer fremde Menschen die mir am vertrautesten sind? Von Tabea Geissmann https://sageundschreibe-altekanti.ch/wp-content/uploads/2021/12/Drei_Gedichte_von_Tabea_Geissmann.m4a

Ein Quöllfrisch – und ab nach La Spezia

Ende November trafen sich drei weisse verheiratete Männer, mittleren Alters im Zimmer15 und diskutierten zwei Stunden lang mehr oder weniger erfolgreich über den BegriffLifestyle. Getrunken haben sie dazu ein Appenzeller Quellfrösch, welche einer der dreiaus einer weissen 5-Rappen-Plastik-Tüte des nahen Grossverteiler gezaubert hatte. Von Michael Bouvard, Simon Scholl und Michael Schraner Michael B.: Eigentlich weiss ich gar nicht so recht, was das heisst Lifestyle.Michael Sch.: Übersetzt heisst es ja Lebensstil und be-schreibt eine Lebensweise. Man definiert sich über die Zu-gehörigkeit zu einer Peergruppe und über Materielles. Simon: Im Sport definieren sich Fussballer über Frisuren und Tattoos, Snowboarder und Skifahrer über bestimmte Kleidermarken und Skater über ein bestimmtes Outfit und eine eigene Sprache. Michael Sch.: Bei uns in der Kanti gab es die Buntfalten-hosenfraktion und diejenigen welche die Hosen tief trugen und Hip-Hop hörten. Zweimal dürft ihr raten, zu welchen ich gehört habe. Michael B.: Also gehört alles dazu, was das Leben ausmacht, Musik, Kleider, Film, Vorbilder. Aber auch alles was man von sich weist, von was man sich abgrenzt und wasman nicht sein will. Michael …

Biryani Rezept

Von Paynavi Punithakumar, G19A Reis: 2 Tassen Basmatireis -Reis waschen 3 Tassen Wasser 2TL Salz 1 kleines Stück Butter -Wasser, Salz, Butter und Safran aufkochen 2 Msp. Safran -Reis dazu geben -Evtl. übrig gebliebenes Wasser vom Reis abgiessen 3 Karotten -Kartoffeln und Karotten in kleine Würfel schneiden und 2 Kartoffeln -mit Salz und Chillipulver gut durchmischen 1 TL Salz Chillipulver (Menge je nach Schärfe) Öl – In einer Pfanne zuerst Karotten frittieren, danach die Kartoffeln 50g Erbsen -Erbsen anbraten Am Schluss den fertigen Reis mit dem Gemüse gut durchmischen. Poulet-Curry: 2 grosse Zwiebeln -Zwiebeln in kleine Stücke schneiden und in einer Pfanne auf mittlerer Stufe anbraten 500 g Poulet Fleisch -Das Fleisch in mittelgrosse Stücke schneiden und wenn die Zwiebeln goldbraun sind, in die Pfanne geben. 1 ½ TL Salz -Nach etwa einer Minute mit Salz und rotem Curry würzen und Wasser dazugeben, anschliessend aufkochen lassen Rotes Curry (nach Schärfe anpassen) 100 ml Wasser -Etwa zehn Minuten auf niedriger Stufe weiterkochen lassen 1/2 Zitrone oder Limette -Vom Herd nehmen und Saft der Zitrone oder Limette …

In kleinen Schritten zu einer umweltbewussteren Kanti

Auch 2021 gab es im Rahmen des Projektunterrichts an der Alten Kanti wieder einen Aktionstag rund um die Themen Ernährung, Lebensmittel und Abfall. Genau genommen war es ein Halbtag am 14. September 2021, an dem sich die Abteilungen G19A, G19F und G19H beteiligten und der von Sabrina Aegerter, Fabia Brentano, Lara Dredge und Manuela Knecht geleitet wurde. Ein Erfahrungsbericht.

«Du kannst du sein»

Mark alias Kira Lafleur hat in der Kunst, in Drag zu performen, das Glück gefunden. Wir haben die 21-Jährige Aargauerin, eine Grösse in der Zürcher Drag-Szene, über Zoom zu ihrer nicht alltäglichen Kunst befragt und einen jungen Menschen kennengelernt, dem es ein Anliegen ist, seine Leidenschaft mit anderen Menschen zu teilen, aber auch Missverständnisse zu klären und mit Vorurteilen aufzuräumen. Von Amina Colombo und Elin Cattaneo, G19A [Bild: zVg] sage&schreibe:Wann hast du mit Drag-Performances begonnen und wie bist du darauf gekommen? Kira Lafleur: Angefangen hat alles, als ich mit 12 Jahren das erste Mal Videos von Dragqueens gesehen habe. Da war ich noch etwas skeptisch, aber als ich dann auf eine Casting-Show für Dragqueens gestossen bin, war ich immer faszinierter. Ich dachte mir, da ich gerne singe, tanze und performe, kann ich das auch machen. Also fing ich an, mich zu schminken, und übte, auf High Heels zu tanzen. Woher kommt dein Künstlername Kira Lafleur? In der Schule war mein Spitzname Kiba. Da ich mich mit dem Namen sehr wohl fühle, wollte ich diesen teilweise …

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona – Teil III

Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2020 ist Rektor Dr. Andreas Hunziker mit seinem Team vor allem als Krisenmanager an der Corona-Massnahmen-Front gefragt. – A never ending story? Teil III seiner Aufzeichnungen jedenfalls lässt noch nicht wirklich auf eine nachhaltige Entspannung der Situation schliessen. Von Dr. Andreas Hunziker, Rektor Schulbeginn im August – ohne Masken Eher unerwartet für alle entscheidet die Kantonsregierung, dass das Maskentragen zum Schulstart im August trotz steigender Fallzahlen freiwillig ist. Eine Massnahme, die von vielen mit Freude und Erleichterung aufgenommen wird – sieht man doch endlich wieder Gesichter statt Verhüllungen –, die aber auch bei zahlreichen Lehrpersonen Unverständnis hervorruft. Und tatsächlich: Nachdem wir vor den Sommerferien fast keine positiven Fälle mehr hatten, sieht die Situation im August wieder anders aus. Etliche Schüler/-innen werden nach den Ferien positiv getestet, mehrere Abteilungen wechseln für eine Woche in den Fernunterricht – eine bewährte schulorganisatorische Massnahme, die für mehr Ruhe sorgt. Da die Fallzahlen seit Schulbeginn exponentiell zunehmen, führt die Regierung drei Wochen nach dem Schulstart die Maskenpflicht wieder ein. Ob ein Start mit Masken nicht …

«Das Leben ist kurz, deshalb darf es auch intensiv sein»

Ein Künstler-Atelier, ausgestattet mit verschiedensten Werkzeugen. An den Wänden hängen nebst Tiergeweihen Fotos von Landschaften und unendlichen Weiten – aus Grönland oder Patagonien. Eines ist darauf immer zu erkennen: ein Mann, der sich ein Ziel gesetzt hat. Sei es als Expeditionsführer in der Arktis oder als Gleitschirmpilot mit einer Gämse als Passagier im Arm – seine Lebensart bedeutet Risiko. – Wir befinden uns im Büro von Thomas Ulrich. Und was für uns auf den ersten Blick nach Risiko aussieht, ist in Wahrheit detaillierte Planung. Von Tatjana Gligorevic, Nick Häusler und Anna Piani, G19A [Bild: zVg] Es sind Selbständigkeit und Freiraum, die seinen Beruf ausmachen. Wie er sein Leben zu leben hat – das ist allein seine Sache. Ein ewiger Einzelgänger, der dafür sowohl Zuspruch als auch Kritik erntet. Thomas Ulrich tippt auf seine Uhr: «Ich wollte etwas finden, bei dem ich nicht ständig nachsehen muss, wann denn endlich Feierabend ist.» Der Vierundfünfzigjährige schloss eine Lehre als Zimmermann ab, die ihn aber nicht erfüllte. Er entdeckte seine Leidenschaft für die Fotografie und schlug damit den Weg …

Studentenfutter

Die Seite für Ratsuchende, Ideenlose, Sparfüchse und Neugierige. Hier gibt es zwar kein Trockenobst mit Nüssen, aber immerhin eine genussvolle, leichtverdauliche Mischung aus allerlei Wissenswertem rund um die Alte Kanti.  Von Regina Knüsel und Alessandro Landolfo, G19A Life Hacks Wissenswertes rund um das Leben an der Alten Kanti Bekannt ist, dass man in der Mensa seine leeren körperlichen Energiespeicher nach einem stressigen Tag durch das Mampfen von Cookies & Co. auffüllen kann. Ein Stockwerk über der Cookie-Station, im Medienzentrum, gibt es allerdings auch eine Ladestation für unseren geliebten Begleiter, das Handy. Wer kennt es nicht? Der Akku ist leer, dabei braucht man seinen treuen Begleiter doch unbedingt noch. Sei es, um auf dem Nachhauseweg Musik zu hören, um in der Pause die neusten Instaposts zu checken oder um noch kurz ein Simpleclub-Video vor der Prüfung reinzuziehen. Was also tun, wenn der Akku kurz vor dem Ende steht? Wir haben die Lösung für euch. Nachdem ihr in der Mensa eure eigenen Batterien aufgefüllt habt, geht ihr beschwingt die Treppe rauf direkt ins Medienzentrum. Dort gibt es …

Fremd und doch zuhause

Viktoria Dzhamgarova, Armenierin aus der Ukraine, und Suthasini Punithakumar, aus Sri Lanka, sind beide in die Schweiz ausgewandert. Sie erzählen, wie sie die Kultur ihrer Heimatländer hier leben und weitergeben. Von Paynavi Punithakumar und Valeria Tomassini, G19A [Bild: Paynavi Punithakumar & Valeria Tomassini] «Ich fühle mich zu 100 Prozent armenisch» Ich bin in Aserbaidschan geboren. Doch schon als ich vier Jahre alt war, musste ich mit meiner Familie in die Ukraine fliehen, da der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan ausbrach. Viele Menschen flüchteten in die Ukraine, unter anderem auch viele meiner Verwandten. Meine Ururgrosseltern kamen aus Armenien. Ihnen war ihre Herkunft und ihre Kultur sehr wichtig und sie gaben sie ihren Kindern weiter. Auch diese gaben die armenische Lebensart weiter, und so machten es auch meine Eltern. Obwohl wir in der Ukraine lebten, erzählten mir meine Eltern viel über die armenische Kultur. Wie die Menschen in Armenien zu allen, auch Fremden, offen sind und sie an ihre Tische einladen. Sie kochten mit mir armenische Gerichte, die immer mit vielen Kräutern gewürzt sind, und sie erzählten …

Hypebeasts – einfach lächerlich!

Von Daut Limani und Olivier Schade, G19A Vor allem bei jungen Leuten, die nicht wissen, was sie mit dem Geld der Eltern oder dem Lehrlingslohn anfangen sollen, ist oft zu beobachten, dass sie sich teure Markenkleider anschaffen. Dies gibt dem Ego einen Boost, und ausserdem ist man bei seinen Freunden besser angesehen, wenn man die neusten und teuersten Markenkleider trägt. Das glauben sie wenigstens. Denn es ist natürlich ein grosser Quatsch! Und zudem ökonomisch höchst fragwürdig. Durch starke Limitation der Stückzahl wird der Preis nämlich künstlich hochgetrieben. Da spielt es dann keine Rolle, ob die Kleider gut aussehen oder nicht. Für die sogenannten Hypebeasts, die auf diese Masche hereinfallen, zählt einzig, dass sie etwas aus der neusten Kollektion der angesagten Marken besitzen. Es geht also nicht um eine Frage des Styles, sondern einfach darum zu zeigen, dass man viel Geld ausgeben kann für wenig Mode. Reine Protzerei. Die erworbenen Kleider werden zudem oft wild durcheinander kombiniert – und teilweise wird das Preisschild mit dem Markenlabel bewusst nicht entfernt. Nichts gegen das Tragen von Markenkleidern, aber …

Lernen für das Klima

Es war das Buch «The Magic of Tidying-up», das Carla Opetnik den Anstoss für ihre besondere Lebensweise bot. Heute ist es Carla selbst, die ihre Mitmenschen «mit einer Prise Ungeduld» und grossem Engagement zum Nachdenken bewegen will, um die Welt ein Stück offener – grüner – zu machen. Ihre Leidenschaft vermittelt die Zürcher Studentin in zahlreichen Projekten wie «bonnieversum» oder «minimalwastezurich». Im Web-Interview bietet sie uns einen Einblick in eine alternative Welt –eine, welche die Bedeutung von Konsumverzicht thematisiert und den Begriff der «Nachhaltigkeit» in ein neues Licht rückt. Von Tatjana Gligorevic, Nick Häusler und Anna Piani, G19A [Bild: zVg] Carla Opetniks Tag beginnt mit einer Dusche. Dann die Velofahrt zum Take-Away, einkaufen, Mittagessen in der Mensa. Wenn sie unterwegs ist, trägt sie stets wiederverwendbare Becher und Taschen bei sich, besucht Unverpacktläden, die Lebensmittel zum Abfüllen anbieten, verwendet Badeartikel in Seifenform und besitzt ein Gemüse-Abo für günstiges Gemüse, dem der Kompost droht. Carla Opetnik lebt «Zero Waste». Und das seit nunmehr vier Jahren. Anfangs war sie knallhart mit sich selbst, wollte alles richtig und nachhaltig …

Wir helfen dort, wo es uns braucht

Schon seit vielen Jahren gibt es an der Alten Kanti Aarau eine Schulkommission. Genau. Nur, was tut so ein Gremium? Und braucht es so was überhaupt? – sage&schreibe hat bei Dr. Ruedi Bürgi, ehemaliger Oberrichter und Präsident der Schulkommission, nachgefragt – und überraschende Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen unserer Schule bekommen. Von Giada Di Lorenzo und Alexandra Ihle, G19A [Bild: Naima Zürcher] sage&schreibe: Was genau ist die Schulkommission und was sind ihre Aufgaben? Ruedi Bürgi: Eine Schulkommission gibt es an jeder Mittelschule im Aargau. Früher hatte die Kommission eine Aufsichtsfunktion. Heute aber dient sie als beratende und unterstützende Organisation; somit ist sie selbst nicht tätig an der Schule, arbeitet aber eng mit dem Rektor und auch mit der Schulleitung als Ganzem zusammen. Unsere Aufgabe besteht darin, übergeordnete wie auch aktuelle Fragen und Probleme zur Schule und deren Entwicklung zu diskutieren und Lösungsansätze zu finden oder Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Die Kommission kann auch als Ombudsstelle Beanstandungen von Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern oder deren Eltern behandeln und wird zudem bei Personalauswahl der Schulleitung beigezogen. Als …

Wir haben die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte

Die Jenischen, oft auch «Fahrende» genannt, gehören zu einer Minderheit in der Schweiz, der von der Gesellschaft wegen ihrer Lebensart nicht selten mit Zurückhaltung, Misstrauen oder gar offener Ablehnung begegnet wird. Wir wollten genauer wissen, was das für ein Leben ist, wenn man während der Sommermonate mit der ganzen Familie von Ort zu Ort zieht. Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft Zürich und heute «sesshaft», hat sich unseren Fragen gestellt. Von Naima Zürcher und Anna Lisa Lüthy, G19A sage&schreibe: Sie waren lange Jahre mit Ihrer Familie unterwegs. In welcher Beziehung stehen Sie zur jenischen Lebensweise? Daniel Huber: Grundsätzlich sind ja nicht alle Jenischen unterwegs, und wer auf die Reise geht, tut es nur während der warmen Monate. Ich zum Beispiel war nicht von klein auf auf der Reise. Aufgewachsen bin ich im Helmetschloo, in einer jenisch geprägten Strasse von Zürich, wo ich mit meinem Vater in einer kleinen Wohnung lebte. Mein Vater war ein sogenanntes Kind der Landstrasse. Zur Erklärung: 1926 begann die schweizerische Stiftung «Pro Juventute» den Fahrenden, insbesondere den Jenischen und Sinti, ihre Kinder …

Rennen ist ein Teil von mir

Valentina Rosamilia besucht die Sportabteilung der Alten Kanti Aarau und kann über 800m mit der Leichtathletik-Weltklasse mithalten. Wir haben darüber gesprochen, was es bedeutet, so viel Zeit und Leidenschaft in den Sport zu investieren und worauf es bei einem Wettkampf ankommt. Von Rahel Furrer, G19A [Bild: zVg] Valentina macht Sport, seit sie klein ist; damals trainierte sie neben Leichtathletik auch noch Eishockey und Triathlon. Wirklich festgelegt auf die Leichtathletik hat sie sich erst im Herbst letzten Jahres, und dies mit Erfolg: Im Sommer 2021 lief sie über 800m auf den dritten Platz bei der U20 EM und auf den zweiten Platz bei der U20 WM. Die richtige mentale Einstellung Es erfordert viel, einen solchen Wettkampf erfolgreich zu meistern. Nicht nur die körperliche Kondition, sondern auch die mentale Einstellung ist entscheidend. «Bei einem guten Wettkampf denke ich während dem Laufen an gar nichts», meint sie. Kommen nämlich Gedanken hoch wie ‹ich bin müde› oder ‹meine Beine brennen›, ist es unmöglich, sein volles Potential auszuschöpfen. «Ich bin überzeugt, dass der Kopf vor allem beim Sprung zwischen Mittelfeld …

Lifestyle

Beim Wort Lifestyle handelt es sich wortgeschichtlich um eine doppelte Entlehnung: Zuerst übernahm das Englische den Begriff aus dem Deutschen, dann kam er als Rückentlehnung wieder ins Deutsche zurück. Das Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache zeichnet den Weg des Wortes sehr präzise nach. Demgemäss wird der Begriff Lebensstil des Individualpsychologen Alfred Adler im Jahr 1929 auf Englisch mit «life-style» (mit Bindestrich) wiedergegeben. Erst ab 1946 erscheint lifestyle als eigener Eintrag im Oxford English Dictionary mit der Bedeutung «style or way of living». Das neue englische Wort verbreitet sich anschliessend über den Bereich der Individualpsychologie hinaus in den der Soziologie: Der Begriff Lebensführung von Max Weber wird 1958 mit «style of life» übersetzt, und Louis Wirth gibt seinem Aufsatz den Titel Urbanism as a Way of Life, deutsch: «Urbanität als Lebensform». Aus der Soziologie wird der Begriff lifestyle in die entstehende Konsum- und Werbeforschung übernommen und Ende der Achtzigerjahre zurück ins Deutsche entlehnt. Allerdings verengt sich dabei die Bedeutung: Im Englischen heisst lifestyle dasselbe wie das deutsche «Lebensstil», im Deutschen dagegen ist lifestyle ein …

Der Konsumzyklus

Von Lena Tschannen, G20F Bald ist es wieder so weit. Diese grelle, blendende Zeit im Jahr, wo die Geschäfte bereits Anfang November ihr gesamtes Weihnachtssortiment herausholen und die perfekten Geschenke im Schaufenster stolz positionieren. In dieser Zeit ist dem Weihnachtswahn nicht zu entkommen. Wohin man auch geht, die grellen Weihnachtsgirlanden, Samichläuse und Engel werden folgen. Weihnachten, das Fest des Gebens und Nehmens. Was war noch mal der Ursprung dieses Festes? Ah, ein Geburtstag! Da ist es nur logisch, dass man sich beschenkt – stellvertretend für das Geburtstagskind, das leider längst verstorben ist. Wer war das noch mal? Weiss das noch jemand? Zweifellos ist der Ursprung von Weihnachten in der heutigen Konsumgesellschaft längst untergegangen. Jedes Jahr wird er aufs Neue begraben unter einem Haufen Weihnachtsguetzli und Geschenke. Das Fest der Liebe. Eine Sünde! Da hilft auch nicht der Besuch des Weihnachtsgottesdienstes, mit dem ohnehin nur für eine Stunde die innere Leere gefüllt wird. Aber bald ist ja Ostern. Dann kann wieder sorgenfrei die Schokolade weggegessen werden. Hauptsache, ein weiteres Datum im Konsumkalender unserer Gesellschaft.

Im Kreis

Ziehen im Oberschenkel, Schmerzen im linken Knie. Toxische Männlichkeit, zumindest in Bezug auf den Säurehaushalt der Beinmuskulatur. Dranbleiben! Dem Typen hinter mir gestehe ich so kurz vor der Passhöhe kein Überholmanöver mehr zu. Die Lippen sind trocken, der Atem geht stossweise, das Merinotrikot nimmt den Schweiss zuverlässig auf. Vorfreude auf die obligate Cola Zero auf einer Scheitelhöhe von 2239 Metern.

Beten und arbeiten in Einsiedeln

Schon seit fast elf Jahrhunderten lebt im Kloster Einsiedeln eine Gemeinschaft der Benediktiner. Sie lebt nach der Regula Benedicti, dem Kodex des heiligen Benedikt. Ein Tag im Kloster ermöglichte uns einen Einblick in die Lebensart und die Gedankenwelt der Einsiedler Mönche. Von Olivier Schade und Johannes Voss, G19A [Bild: zVg] Hoch ragen die beiden Glockentürme über den Hausdächern von Einsiedeln auf, als wir Richtung Kloster gehen. Jedoch wird uns die wahre Grösse des Klosters erst bewusst, als wir auf dem neuen Vorplatz stehen. Wir sind verabredet mit Frater Clemens an der Klosterpforte. Frater Clemens ist ein Bruder, der die Priesterweihe noch nicht empfangen und somit den Titel des Paters noch nicht bekommen hat. Er begleitet uns durch die weiten Gänge des Klosters, über einen Hintereingang in den unteren Chor der Kirche. Dort stehen bereits einige Patres im Messegewand, um an der täglichen Messe, dem Konventamt, teilzunehmen. Die Wände und Säulen und auch die Decke sind reich geschmückt mit vergoldeten Verzierungen und farbigen Gemälden. Ein bleibender Eindruck. Viel Zeit zum Staunen bleibt uns aber nicht, da …

Treffpunkt Text 2021

Sie ist da – die zweite illustrierte Anthologie mit Texten von aktuellen und ehemaligen Schreibtalenten der Alten Kanti. – Ein Buch, das definitiv ins Regal aller Freunde von guter Literatur gehört. Von Andreas Neeser, Redaktionsleitung Der zweite Band der Reihe «Treffpunkt Text» enthält Geschichten und Gedichte von 14 Autorinnen: Caroline Buck, Lena Franke, Tabea Geissmann, Tatjana Gligorevic, Hannah Hermann, Sarah Hunziker, Sophie Kuse, Anja Obrist, Skyla Rossi, Sofiya Schweizer, Priska Steinebrunner, Anna Sophia Stöckli, Olivia Studer, Sara Katarina Trailovic. Künstlerisch bereichert wird die Textsammlung von der eigenständigen, ausdrucksstarken Bilderspur von Sebastian Samek. Das Buch in englischer Broschur wurde in einer Auflage von 350 Exemplaren gedruckt und kann zum Preis von CHF 20 (CHF 10 für Schülerinnen und Schüler) auf dem Sekretariat erworben werden: info@altekanti.ch. Weitere Texte von Schreibtalenten sind zu finden auf der Website von «Treffpunkt Text»: www.treffpunkttext.ch.

Zorro und die Panzerknacker

Ein Treffen ohne Maske in Zeiten von Corona? Schwierig. Es sei denn, man trifft sich im virtuellen Raum. Immerhin eine der wenigen Möglichkeiten, wieder mal ganze Gesichter zu sehen. Genau das haben eine Geografin und eine Sprachlehrerin der Alten Kanti getan. Dass der im Chatraum Microsoft Teams geführte Wortwechsel dann ausgerechnet um das Thema Masken kreist – wen wunderts!

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona II

Als Rektor Dr. Andreas Hunziker Ende 2020 für sage&schreibe eine «Chronologie der Ereignisse» rund um die Corona-Pandemie skizzierte, zeichnete sich bereits ab, dass eine Fortsetzung unumgänglich sein würde. So präsentieren wir ein halbes Jahr später also Teil II dieser Chronologie, die zeigt, wie herausfordernd Corona-Management auch an der Alten Kanti ist.

«Ich empfinde den Niqab für mich persönlich nicht als nötig»

Das Thema Verschleierung war schon immer Brennstoff für angeregte Auseinandersetzungen, und gerade seit der Abstimmung über das Verhüllungsverbot im März 2021 steht insbesondere der Niqab im Mittelpunkt der Diskussion. Maske? Erniedrigende Verhüllung? Oder religiöses Bekenntnis? –- Und was ist eigentlich mit dem Kopftuch? Fatima Musliju, Schülerin einer dritten Klasse an der Alten Kanti und überzeugte Kopftuchträgerin, gibt Auskunft über ihre Überzeugungen, ihre Haltung zu Niqab und Kopftuch und über ihre Erfahrungen im Alltag.

Masken im Schweizer Brauchtum

Wie wichtig sind unsere Bräuche heute noch? Manche geraten in Vergessenheit, andere werden immer noch von ganzen Regionen gelebt. Ganz besonders Bräuche, in denen Masken eine zentrale Rolle spielen, scheinen trotz (oder wegen!) ihrer jahrhundertelangen Geschichte nach wie vor im Trend zu sein. Worin also liegt die Faszination von Masken im Brauchtum? Und was verbirgt sich dahinter?

Sonne auf dem Teller

Lichtnahrung bezeichnet verallgemeinernd und vereinfachend eine Ernährungsweise, bei der angeblich die Energie aus Sonnenlicht als Hauptnahrungsquelle dient. Dies ist Bestandteil eines esoterischen Konzeptes, das auch als «Breatharianismus» bezeichnet wird. Breatharianisten glauben, dass aus Licht alle lebensnotwendigen Stoffe gewonnen werden können. In Extremfällen verzichten sie deshalb auf die Aufnahme jeglicher herkömmlicher Nahrung, inklusive Flüssignahrung wie Suppen und Säfte.

Zimmer 11

Vaters Hand umklammert meine. Er hält sie ungewohnt fest, so dass die zarten Fingerchen meiner Kinderhand fast abgedrückt werden. Die freie Hand folgt der weiss gestrichenen, rauen Wand. Wieder biegen wir um eine Kurve, diesmal wenden wir uns nach rechts und folgen den nummerierten Zimmertüren. Alle diese Türen haben denselben grau glänzenden Knauf, dieselbe weiß lackierte Oberfläche. Unsere Schritte eilen uns voraus, ergießen sich vor uns in den fast menschenleeren Gang und hallen von den kalkweißen Wänden. Vereinzelte Gestalten, in weiße Kittel gehüllt, fließen ruhig wie kleine Rinnsale von einem Zimmer ins nächste. Ansonsten ist es bedrückend still. Wir folgen weiterhin dem immer enger werdenden Flur. Ich weiß, wohin dieser Weg uns führen wird. In meinem Kopf schwappen die Gedanken wie eine dicke Flüssigkeit von der einen Wand zur anderen, klatschen gegen das Innere meines Kopfes, so dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann. Die Schlinge um meine Hand zieht sich noch enger zusammen und zerrt mich unerbittlich weiter. Da! Hier ist sie! Kalt, ohne Farbe, ohne Gefühl, versperrt sie uns den Weg ins Zimmer. …

Verschwörungstheorien III: Warum den Illuminaten bald die Welt gehören könnte

Immer wieder werden die sogenannten Illuminaten für die verschiedensten bizarren Ereignisse verantwortlich gemacht. Die Gruppe, zusammengesetzt aus den einflussreichsten Menschen der Welt, soll nämlich im Untergrund an einer neuen Weltordnung arbeiten. Was steckt tatsächlich hinter dem mutmasslichen Sündenbock für ungewöhnliche Geschehnisse?

Gespiegelt

«Du hast mein Leben zerstört, Marah. Das werde ich dich nie vergessen lassen!» Marah weicht vom Spiegel zurück. Ihr Spiegelbild funkelt sie aus kalten, grünen Augen an. Das waldgrüne Kleid schmiegt sich an ihre helle Haut. Sorgfältig streicht sie eine nicht-vorhandene Falte aus dem Kleid. Ihr Gesicht ist blass. Die kastanienbraunen Haare sind zu einem strengen Knoten zurückgebunden. Eine einzelne Haarsträhne sträubt sich widerspenstig, doch erfolglos – Marah streicht sie mit einer schnellen Handbewegung zurück an ihren Platz. Sie mag keine Unordnung. Alles muss absolut perfekt sein – und zwar immer! Sie wendet sich vom Spiegel ab und begibt sich nach unten. Nolan wartet schon auf sie an der Eingangstür. Er trägt einen dunkelgrünen Anzug, abgestimmt auf ihr Kleid. Alles passt, alles ist perfekt. Nach einigen Minuten Fahrt kommen sie an ihrem Zielort an. Vor dem majestätischen Gebäude steht eine Limousine neben der nächsten, eine schöner und imposanter als die andere. Mit ihrem Ehemann am Arm stolziert Marah durch das mächtige Eingangstor. Heute sollte sie endlich geehrt werden für all die harten Jahre voller Arbeit, …

Peace

Dicker schwarzer Edding wasserfest auf fast allen Materialien, auch auf dem Fensterglas der Strassenbahn. Der Junge steckte ihn wieder ein, schulterte seinen Rucksack aufs Neue, wartete genauso lange bis die blecherne Stimme verkünden liess: «Nächster Halt Kunsthaus», kramte dann ein Taschentuch aus einer seiner unzähligen Hosentaschen und liess damit die Träne aus seinem Gesicht verschwinden. Er streckte seinen Rücken durch, schob die letzte seiner widerspenstigen Strähnen unter die alte Mütze seines Vater, starrte noch ein letztes Mal auf seinen Schriftzug und trat mit einem angestrengten Lächeln aus der Strassenbahn auf die wartenden Menschen zu. Er würde das Wochenende schon irgendwie überstehen, wenn er ihnen keine Angriffsfläche bot. Was hatte der Junge mit der hässlichen Mütze bloss an dieser Scheibe gefunden? Die junge Frau verdrehte die schwarz umrahmten Augen, als sie das mickrige, unsicher wirkende «PEACE» in der unteren Ecke des Fensters sah. Nicht gut genug für meinen Account, dachte sie, stieg ein, zog sich die Kopfhörer wieder über die Ohren und schaltete die gleiche Musik wie immer ein. Das laute Schlagzeug übertönte den leisen Ton …

Mondlicht

Abnehmend, zunehmend, voll, leer. Der Mond hat viele Gesichter und weckt seit dem Beginn der menschlichen Existenz unsere Neugierde. Es existieren etliche Mythen über den hellsten Himmelskörper am Nachthimmel. Der wohl bekannteste ist der des schlechten Schlafs. Nicht selten wird eine unruhige Nacht auf den vollen Mond geschoben. Auch manche Kritiker, die von unwissenschaftlichen Deutungen sonst nicht viel halten, geben zu, dass sie dann schlechter schlafen. Aber was steckt wirklich dahinter?

Hinter dem Scheinwerfer

Das Theater lebt von der richtigen Beleuchtung. Der Job eines Lichtdesigners ist es, die Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Theaterbühne ins richtige Licht zu setzen. sage&schreibe hat mit dem Zürcher Lichtkünstler Michael Omlin gesprochen und rückt ein wichtiges, aber oft unterschätztes Handwerk für einmal ins Spotlight.

Հայաստան – Պատերազը և անտարբեր աշխարհը

Հայաստանն իմ հայրենիքն է։ Այն աշխարհի ամենահին երկրներից է, որի պատմություը սկսվում է դեռևս մեր թվյարկությունից առաջ երրորդ հազարամյակից։ Ներկայիս Հայաստանը կազմում է պատմական Հայաստանի միայն շատ փոքր մասը, մոտ 29,7 km2։ Մյուս պետությունների նման Հայաստանն էլ պատմության ընթացքում ունեցել է տարբեր պատերազմներ, հաղթանակներ, պարտություններ։ Մեր պատմության ամենատխուր էջը թերևես հայոց ցեղասպանությունն է, որը կազմակերպվեց 20-րդ դարի սկզբին թուրքական իշխանության կողմից և որի ժամանակ կոտորվեցին ավելի քան 1,5մլն հայեր։

Von Lichtern und Nachttöpfen

Zu «Licht» ist das meiste schon gesagt. Wenigstens vom literarischen Standpunkt aus. Kein Schriftsteller, von der Zeit auf den Sockel gehoben, der nicht irgendetwas übers Licht gesagt hätte. Seitenweise könnte ich sie hier abfeiern, von Novalis über Mörike bis zu Michael Krüger. Allerdings, selbst wenn schon alles gesagt wurde, sind wir doch, wir Allwissenden, wir Herren dieser Welt, Beherrscher aller Feuer, stets aufs Neue gebannt, wenn Helios, Sohn des Hyperion und der Theia, seine Pferde schirrt und gleissend ins Firmament steigt, auch wenn wir couldn’t say exactly where the night became the day*, um nun doch einen dieser Dichter zu zitieren, wenn auch keinen deutschsprachigen. Unabhängig aber, wie weit sich unsere Spezies von ihrem Urgrund entfernt, sie bleibt doch bis zum heutigen Tag gebannt vom archaischen Schauspiel der Sonnenauf- und -untergänge, zwar weniger als Pendlerhorde abends auf den Bahnhöfen denn als Pauschaltouristen beim Sundowner in der Ägäis. Womöglich eine Alterserscheinung, dass mir der Sonnenaufgang mittlerweile näher liegt als der Untergang. Und so stehe ich frühmorgens immer wieder draussen im Dämmerlicht und harre der Sonne, deren …

Kleines neues Virus versus grosse Alte Kanti

Als am 13. März nachmittags die Meldung die Runde macht, dass die Schulen ab der kommenden Schulwoche schliessen würden, ertönt in den Gängen der Schulgebäude das Jubelgeschrei der Schülerinnen und Schüler: Ferien! Und dann erst noch auf unbestimmte Zeit! Jeder Gedanke an das für diese «Ferien» verantwortliche Virus und die unabsehbaren Folgen im Gesundheitswesen oder in der Gesellschaft, jeder weiterreichende Gedanke scheint in diesem Moment sekundär.

Das Abo

Ich starre auf die Rechnung und überfliege erneut die Mitteilung. Offene Rechnung … Bitte begleichen Sie diese innerhalb von 30 Tagen. Mit einer Hand schliesse ich den Briefkasten und mit der anderen taste ich nach dem Schlüssel in meiner Tasche. Ich hebe den Kopf, als Frau Roths Stimme von der anderen Strassenseite zu mir herüberhallt. «Was schauen Sie denn so erschrocken, Frau Hauser? Haben Sie etwa ein Gespenst gesehen?» Ich räuspere mich. «Nein, nein, alles in Ordnung. Nur die Handyrechnung meines Sohnes – Sie wissen ja, wie Jugendliche sind.»

Wege zum Erfolg ermöglichen

Der aktuelle Newsletter unserer Schule ist mit «Die Alte hat einen Neuen» überschrieben: Ja, wir haben einen neuen Rektor! Ebenfalls auf der Shortlist für den Titel war: «Die Alte hat eine Neue» – nämlich eine neue Schulleitung. Gleich zu dritt haben wir diesen August in unseren Funktionen in der Schulleitung begonnen. Und ich freue mich, innerhalb der Schulleitung die Wirtschaftsmittelschule und die Informatikmittelschule sowie weitere Ressorts wie etwa die der externen Kommunikation mit zahlreichen Anlässen betreuen zu dürfen.

Flair im János-Tamás-Haus

Auf dem Parkplatz der Alten Kanti, genauer: vor dem Tamáshaus, steht wie immer eine Honda oder ein ähnlich schwerer Töff. Er ist ein Schauobjekt, das auch an einem warmen Sommernachmittag die Aufmerksamkeit von neugierigen Schülern, nein, nicht von Schülerinnen, auf sich zieht. Gerade hat Petra für heute die letzte Unterrichtsstunde beendet, tritt aus dem János-Tamás-Haus und geht in Richtung ihres Fahrzeugs. Dort angekommen, wird sie mit bewundernden Augenpaaren und folgendem Ausruf empfangen: «Wow, gehört dieser Töff dir?» Der Schüler, welcher zuvor bei Petra Unterricht hatte, ist auch bereits da. «Ihr dürft sie doch nicht duzen, sie ist meine Posaunenlehrerin», platzt es aus ihm heraus. Petra hingegen reagiert mit einem Schmunzeln. – Diese Episode aus den neunziger Jahren passt hervorragend zu Petra Bachmanns Charakter. Ihre Spontanität ist wie eine Blume, die sich öffnet, aber überlegt und aufmerksam, denn sie duftet nur, wenn das Umfeld für Petra stimmt. [Bild: Sarah Böhler] Wenn die Posaunistin im János-Tamás-Haus war, dann spürte man es im Nordteil oder im Lehrerzimmer durch die Wände hindurch. Es war nicht ihr «profumo», es war …

«Eine Schule wie vor 25 Jahren – das wäre heute undenkbar»

Zur Pensionierung von Rektor Martin Burkard Martin Burkard verlässt die Alte Kanti. Nicht weniger als 36 Jahre hat er an der ältesten Kantonsschule der Schweiz gewirkt, anfangs als Lehrer für Deutsch und Latein, während der letzten 22 Jahre hat er die Geschicke der Schule geleitet. Mit Martin Burkards Pensionierung geht eine Ära zu Ende. Versuch einer Bilanz im Gespräch.

Être und avoir oder Das Wesen der Bildung

Être und avoir? Da denken die meisten wohl zuerst einmal an Lektionen, in denen die beiden Hilfsverben geübt und in allen zu kennenden Tempi und Modi durchkonjugiert werden. Es mag wenig erstaunen, wenn eine Französischlehrerin einen Text im «sage&schreibe» mit den beiden Verben beginnt und diesen sogar noch einen prominenten Platz im Titel des Textes zugesteht: Es sei mir erlaubt, siebzehn Jahre Französischunterricht – und natürlich ganz grundsätzlich die Faszination für mein Fach, die mich immer noch begleitet – in den folgenden Gedanken nicht ganz aussen vor zu lassen. Die Konjugation kann dabei aber für einmal getrost vergessen werden. In den grundsätzlichen Gedanken einer Prorektorin zu Schule und Bildung ist eine weit allgemeinere Warte gefragt. Was also haben sein und haben mit Bildung zu tun? Sehr viel.

Der Lehrer und die Lücke

Zur Pensionierung von Roland Latscha Geht einer wie Roland Latscha nach siebenunddreissig Jahren als Deutsch- und Philosophielehrer in den Ruhestand, ist man versucht, auf die Lücke hinzuweisen, die so einer hinterlässt. Dass es sich dabei um eine grosse Lücke handelt, versteht sich von selbst, nicht zuletzt in Anbetracht der ungewöhnlich langen Dienstzeit.

Kapitän und humorvoller Menschenfreund

«Mein erstes gemeinsames Unternehmen mit Martin Burkard war eine Schulreise. Wir ahnten damals nicht, dass dies der Anfang einer intensiven Zusammenarbeit und herzlichen Freundschaft werden sollte. 14 Jahre später wurde Martin Rektor der AKSA, gerade als MAR 95 umgesetzt werden sollte. Ich wurde als Konrektorin sofort in die politischen und pädagogischen Auseinandersetzungen einbezogen. Wir waren stark gefordert, das Schiff MAR durch die hoch gehenden Wogen zu steuern. Ich erlebte Martin als besonnenen Kapitän, der sich nicht vom Kurs abbringen liess, und war stolz darauf, ihn unterstützen zu dürfen. Martin, es war schön, mit dir zusammen zu arbeiten!» Silvia Bonati Deutschlehrerin von 1968-2005 Konrektorin von 1995-2007 «Caesar, Commentarii Belli Gallici, Seneca, Ad Lucilium Epistulae Morales, Vergil, Aeneis – diese drei Bücher sind neben meinem Maturitätszeugnis die einzigen Relikte aus meiner Zeit an der «Alten Kanti» in Aarau. Damit verbunden sind tolle Erinnerungen an den jungen, beliebten und mitreissenden Lateinlehrer Martin Burkard, von dem man schon nach der ersten Lektion wusste, dass er eine grosse Leidenschaft für die Werke von Friedrich Dürrenmatt und den Fussballclub Grasshopper Zürich …

Die süsse Verführung der Ablenkung

Aqua. 14:50 Uhr. Weder Motivation noch Aufmerksamkeit sind unter den vielen Schülern, die zur nächsten Lektion schlurfen, zu erkennen. Erschöpft von den vielen Unterrichtsstunden, wünschen sie sich nichts lieber, als nach Hause zu gehen. Aus der Ferne vernehmen einige von ihnen jedoch ein leises: «Pop, plop, pop,…». Gedanklich immer noch nicht ganz anwesend, suchen sie nach dem Ursprung des Geräusches. Doch plötzlich fängt die Nase einen Duft ein. Popcorn! Endlich aus der Trance herausgeholt, wird eruiert, woher dieser Geruch kommt und wer ihn erzeugt. Ist es jemand, den man kennt? Wenn ja, wie stellt man es an, dass man etwas vom Popcorn abbekommt? Aber nein, man kennt die Person natürlich nicht und muss so oder so in die nächste Stunde. Doch der Geruch des Popcorns lässt einen nicht los. Das ganze Gebäude ist davon erfüllt. Auch wenn man schon im Klassenzimmer sitzt, riecht man ihn noch und hört das Poppen der Körner. In den letzten Minuten vor Unterrichtsbeginn kann man an nichts anderes mehr denken. Dann ertönt die Schulglocke. Die Lehrperson beginnt zu sprechen, doch …

Indigene Visionen und Weltbilder als Alternativen zum europäisch-westlichen Denken

Weltwahrnehmung. Welch eine Vieldeutigkeit schwingt in diesem einen Wort. Wie kaum ein zweites in der deutschen Sprache vermag es sämtliche Ausrichtungen des menschlichen Ingeniums zu umreissen. Jede Meinung, jede Ahnung und Erinnerung, gar jede emotionale Regung ist Weltwahrnehmung, vorausgesetzt man bezieht die Begrifflichkeit Welt auf alles Äussere, das den Menschen umgibt und auf ihn wirkt – so auch die Begegnung mit sich selbst –, und bezeichnet Wahrnehmung als Informationsfluss aller Sinne.

Ein kleines Abenteuer

Vielleicht war es eine schlechte Idee, Opa aus dem Altersheim zu schmuggeln. Für einen Rückzieher war es nun aber sowieso zu spät. Opa hielt meine Hand und genoss die spätsommerliche Luft. Als die Sonnenstrahlen auf sein faltiges Gesicht fielen, schloss er die silbernen Augen. In der sanften Brise wippte sein fedriges Haar hin und her. Wir schlenderten über den Parkplatz und ich lächelte die anderen Besucher verkrampft an, um nicht aufzufallen. Ich strich mir die blonden Locken aus der Stirn. Bis jetzt lief alles gut. Der blassblaue Trabant stand schief in der Parklücke.

Auf der Schwelle zur Wirklichkeit

Ein Grollen. Für einige Sekunden ist alles hell. Dann wieder absolute Dunkelheit. Das nächste Grollen. Doch schon bald ist das erstarrende Geräusch verschwunden. Dann lässt sich nur dem Stürmen des Regens lauschen. Auf einmal wird erneut alles hell, der Waldrand blitzt durch das verregnete Fenster. Und abermals das Grollen und das Toben des Regens. Ein Pfeifen. Durch die Latten des kleinen Hauses bläst der Wind. Die Bretter biegen sich. Die Balken ächzen. Hammer und Nägel liegen griffbereit. In drei Decken eingewickelt, mit Mütze und selbst gestrickten Wollsocken an den zitternden Füssen und dem Knistern des Kamins im Hintergrund liegt er in seinem aus Holz gezimmerten Bett. Auf dem Nachttisch eine Tasse qualmender Tee. Die Hütte gleicht eher einer Baracke. Es reicht gerade so für sein Bett. Der kleine Kleiderschrank lässt seine schief hängende Tür bei jeder unvorsichtigen Bewegung fallen. Daneben ein kleiner, gasbetriebener Herd und ein Kamin aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Ein Jäger hatte sich einst die Hütte gebaut. Und irgendwann verlassen. Am Waldrand, abseits der Zivilisation, nicht weit von einem kleinen Teich. …

Traum oder nicht Traum – das ist Zirkus

Der Vorhang geht auf, die Artisten des «Jour de fête» erwecken die Manege zum Leben und versetzen das Publikum in Staunen. Das Thema der 35. Monti-Inszenierung ist das bunte Treiben eines Jahrmarktes. Der Circus Monti ist bekannt für seine träumerischen und atemberaubenden Vorstellungen mit Artisten aus aller Welt. Sobald die Show beginnt, befinden sich die Zuschauer in einer Traumwelt. Und was ist das für ein Leben, wenn die Lichter gelöscht sind? Wir haben hinter die Kulissen geschaut.

Gewitter im Kopf

Einem Palast vergangener Tage ähnelnd, so ragte die imposante Basis vor ihm auf. Sie war Teil eines staatlichen Verbundes, dem Zentrum für Netzwerk-Verarbeitungsstellen. Die Basis B-213 war natürlich in ihre Umgebung, eine Höhle von enormen Ausmassen, eingebettet, sodass sie wie aus dem Boden gewachsen erschien. Die ganze Grösse der Grotte war nur zu erahnen, denn ihr Rand verlor sich in tiefem Schwarz. Nur gelegentlich konnte man Licht aus angrenzenden Höhlen erblicken. Die Basis befand sich genau in der Mitte des Hohlraums; sie war von überall her sichtbar, so als wollte sie gesehen und bestaunt werden.

Heute ist ein guter Tag

«Hellblau oder gestreift?» Obwohl ich ihr die Frage nun schon zum dritten Mal stelle, scheint sie deren Inhalt nicht zu begreifen. Oder sie wägt noch ab. Ungeduldig rutsche ich auf dem altmodischen Holzstuhl hin und her, versuche ihrem kritischen Blick standzuhalten. Heute ist eigentlich ein guter Tag – und doch sieht es aus, als ob sie diese wenigen Worte überfordern würden. Ich erwäge, ihr die Entscheidung abzunehmen und einfach selbst zu wählen – die Verlockung ist gross. Dennoch halte ich ihr stand und warte ab. Ich warte ab, wie mir geraten wurde. «Sei geduldig, verlange nicht zu viel, mach oft Pausen …»

Traum

«Mami? Was schreibst du denn übers Träumen?» – «Ja, was denkst denn du, was Träumen ist?» Als Antwort auf meine Frage präsentiert mir meine 6-jährige Tochter kurze Zeit später die zwei folgenden Skizzen mit der Erklärung: «Träumen ist wie Denken – aber beim Träumen schläft man und beim Denken ist man wach.»

Gedankenbruch

«Lasst mich! Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid?» Eine keifende Stimme über-tönte trotz des Lärms, der mittags immer in der Mensa herrschte, alle Gespräche, und als die Besitzerin der Stimme aufstand, waren alle Augen auf sie gerichtet. Ich fand es faszinierend, wie schnell etwa zweihundert Schüler ihre Gespräche einstel-len und eine Aufmerksamkeit zu Tage fördern konnten, wie es wohl nur selten in einer Unterrichtsstunde geschah. «Ihr versteht es nicht, ihr versteht es nicht, und so etwas schimpft sich meine Freunde! Ich werde das verdammte Zeug nicht mehr nehmen, ich kann nicht mehr atmen, es erstickt mich, seid still, seid still!» Die Worte wiederholend stand sie da, die Hände auf ihre Ohren gepresst, bis nicht nur ihre ‹Freunde›, sondern wirklich jedes Lebewesen im Raum schwieg und sie an-starrte. Ihre Miene war verschreckt, angespannt, ihre Augen zuckten hin und her, als ob sie nach einem Fluchtweg aus diesem Hexenkessel von Menschen suchte. Immer mehr schienen ihre Instinkte sie zu beherrschen; dann, auf einmal, verän-derte sich ihr Ausdruck und etwas anderes, mindestens genauso Unkontrolliertes, nahm den Platz …

«Man hat nur dort Ängste, wo man auch Wünsche hat.»

Peter Fischer ist Fachpsychologe für Psychotherapie in einer Gemeinschaftspraxis in Zürich, oberhalb des Freud-Institutes. Er empfängt das sage&schreibe-Team, um über Träume und die Traumdeutung zu sprechen, aber auch Einblicke zu geben in die professionelle Auseinandersetzung mit den Botschaften des Unbewussten.

Gewitter im Kopf – Gewinner

Auch 2019 führte die Fachschaft Deutsch der alten Kanti wieder einen Schreibwettbewerb durch. Über das Thema «Gewitter im Kopf» machten sich viele Schülerinnen und Schüler aus insgesamt acht Abteilungen Gedanken und schrieben schliesslich einen Text dazu – mit kreativen Ergebnissen. Am Mittwoch, dem 30. Oktober, wurden die Gewinner prämiert.

Die Traumfängerin

Die Luft war kalt und strich um ihre blossen Beine. Neben den müde funkelnden Sternen hing der Mond am Himmel. Unter ihren Füssen knirschten die Blätter, die sich verfärbt hatten und von den Ästen der Bäume gesegelt waren. Die Fenster der Häuser waren dunkel, die gesamte Lilienstrasse schlief; einzig das Licht der Laternen erhellte die Strasse. In ihrem weissen Kleid tapste die Traumfängerin die Häuser entlang, bis sie vor einem roten Backsteinhaus stehen blieb. Der Briefkasten im Vorgarten stand schief da. Efeu kletterte an der Fassade hoch. Zwei edle Blumentöpfe standen vor den Stufen, die zur Haustür hinaufführten.

Ihre Freundschaft

Sind Sie zufrieden mit sage&schreibe? Sogar begeistert? – Dann müssen Sie hier weiterlesen! Zweimal jährlich präsentiert Ihnen die Alte Kanti in sage&schreibe vielfältige thematische Beiträge, verfasst von Schülerinnen und Schülern und von Lehrpersonen aller Fachschaften. Jedes Heft ist ein publizistisches Gemeinschaftswerk, das aus unterschiedlichen Perspektiven vertiefte, immer wieder überraschende Einblicke in den Alltag an der Schule bietet und über den Ententeich hinausblickt. Wenn Sie dieses Engagement schätzen und gleichzeitig verhindern möchten, dass sage&schreibe dem vom Kanton Aargau verordneten Konzept der papierlosen Schule zum Opfer fällt, freut uns das sehr. Der Ausdruck Ihrer Freundschaft in Form eines einmaligen oder wiederkehrenden Unterstützungsbeitrags sichert die Finanzierung des Heftes für die Zukunft. – Wie wir uns bei Ihnen revanchieren, verrät der Freundschafts-Flyer.

Die neue Alte Kanti

«Kleider machen Leute» –Schon Gottfried Keller führte uns vor Augen, wie wichtig das Auftreten ist und was passieren kann, wenn die Wirkung nach aussen nicht mit dem Inhalt übereinstimmt. Auch die Unternehmenswelt hat die Bedeutung eines einprägsamen, positiven Bildes längst erkannt und dabei die Form mithin gar über den Inhalt gestellt. Das kann allerdings nur kurzfristig funktionieren, denn bekanntlich haben ja Lügen kurze Beine; wir ärgern uns schnell, wenn wir nicht das erhalten, was wir versprochen bekommen. Negative Beispiele mindern jedoch die Bedeutung eines guten Auftritts nicht. Sie fordern uns vielmehr auf, dass wir nach aussen das darstellen, was auch drin ist. Konsistent, offen, ehrlich. Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern gerade auch für Schulen. Ein Blick zurück Mit Mandarinen und grünen Äpfeln haben wir 2005 den Auftritt des damals neuen Logos und der neuen Website der Alten Kantonsschule Aarau lanciert. Farblich frisch, neu, für viele überraschend, für einige auch befremdend. Der Auftritt – das Corporate Design (CD), wie man es heute nennt –, wurde von Andrea Gsell, einer ehemaligen Schülerin der Alten Kantonsschule, …

Knacke den Smarties-Jackpot! – BEENDET

Wie viel Geld geben wir eigentlich in der Mensa aus? Wollen wir gar nicht wissen. Doch was wäre, wenn man eine ganze Woche lang kein Geld für Essen ausgeben müsste? Mit ein bisschen Glück bist du schon bald Besitzer eines Mensa-Gutscheins im Wert von 60 CHF und einer Riesenportion Smarties!

musicfactory time

Während Monaten waren die Schülerinnen und Schüler der Schwerpunktfach- und Ergänzungsfachklasse der Neuen sowie der Alten Kantonsschule Aarau damit beschäftigt, ihre eigenen Werke zu komponieren. Am 4. April 2019 kamen diese Werke im Rahmen der musicfactory zur Aufführung. Die ehemalige Emus-Schülerin Michelle Claus führte locker durch den musikalischen Abend.

Verschwörungstheorien I: Warum die Erde flach ist

Die NASA lügt, und die Mondlandung ist ein Fake – das behaupten die Anhänger der sogenannten Flat Earth Theory, der Theorie der flachen Erde, einer Verschwörungstheorie, die angeblich beweist, dass die Erde in Wahrheit nicht rund, sondern flach ist. Auf den ersten Blick mag dies ziemlich absurd wirken. Es lohnt sich aber durchaus, einige Aspekte genauer zu betrachten.

Sieben Stücke, die den Abend versüssen

Die Sonne ist kurz davor, den Horizont zu streifen, sodass die reformierte Kirche in Buchs goldenen bestrahlt wird. Die Temperatur sinkt und die letzten Musikerinnen und Musiker betreten den hinteren Teil des Gebäudes, während die Besucher beim Haupteingang warten. Sinfoniekonzert der Alten Kanti. Eine genaue Ahnung von dem, was an diesem 24. März 2019 auf sie zukommt, haben die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht. Das stört sie auch nicht, denn alle sind hier, um sich zu überraschen lassen. >

Aargauer Mensa-Check I

Für den grossen Aargauer Mensa-Check haben wir alle sechs Mittelschulen im Kanton besucht, mit den Verantwortlichen gesprochen und das Essen vor Ort getestet. Über tausend Gäste gehen in den jeweiligen Mensas täglich ein und aus. Drei bis vier Menüs werden angeboten, darunter mindestens ein vegetarisches. Doch worin unterscheiden sich die Mensas überhaupt?  Für den ersten Teil des Mensa-Checks haben wir die Mensas in Baden, Wohlen und an der Neuen Kantonsschule Aarau auf Herz und Nieren geprüft.

Die fahrende Sardinenbüchse

«Weg von der Tür!», ruft der Busfahrer missmutig durch die Sprechanlage. «Ich kann nicht losfahren, solange ihr da nicht weggeht!» Unter den Fahrgästen macht sich genervtes Murmeln breit, während drei Schüler verzweifelt versuchen, einen grösseren Abstand zwischen sich und die Tür zu bringen. Nach einigen Sekunden, in denen gedrückt, geschoben und gezwängt wird, ertönt endlich der Motor. Alle Passagiere atmen erleichtert auf. Doch dann senkt sich der Bus auf der Einstiegsseite erneut ab. Ein keuchender Schüler, der offensichtlich direkt vom Sportunterricht kommt, drückt hektisch auf den Knopf, in der Hoffnung, dass sich die Tür erneut öffnet. Und siehe da, der Busfahrer ist gnädig und erweitert die Schar der leidenden Fahrgäste um eine Person.

Warum Lesen unglücklich macht

Glück ist als Dauerzustand im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen. Diese melancholische Einsicht verdanken wir Sigmund Freud, dem 81-jährigen Hellmuth Karasek und der Firma Ikea. Freud schrieb sie 1930 in Das Unbehagen in der Kultur nieder; der berühmte Literaturkritiker Karasek zitierte sie 2015 in einem Werbespot für Ikea: In einem behaglichen Sessel rezensiert Karasek «das meistverbreitete Buch der Welt», nämlich den Ikea-Katalog. Er liest: «Glück ist, wenn du ein superbequemes Sofabett, ein paar Beistelltische und eine gute Wifi-Verbindung hast». Daraufhin lässt er den Katalog sinken, schaut halb besserwisserisch, halb milde in die Kamera und kontert mit Freud.

China – 1 Land, 4 Regionen, 4 Küchen

China ist ein Land mit langer Geschichte und Tradition, wenn es ums Essen und um Essgewohnheiten geht. Es gibt viele verschiedene Regeln und Bräuche, wie anständig gegessen wird. Grundsätzlich wird das Essen nicht jedem Einzelnen auf einem eigenen Teller serviert, sondern alles wird auf den Tisch gelegt, sodass jeder das essen kann, was er will.

Finalis

Grässlich. Einfach grässlich. Endlich habe ich ein passendes Wort für die Kakofonie namens «Babywillstmeinneuesstückhören». Existiert eigentlich Ohrenkrebs? Ich fürchte, schon. Bestimmt gibt es Klänge, welche die Ohrenzellen mutieren lassen. Und am Ende werde ich eine Radio-Therapie in einem spezialisierten Krankenhaus irgendwo in Israel über mich ergehen lassen müssen. – Es regnet wieder. Zum wievielten Mal heute? – Vielleicht bin ich einfach zu altmodisch und checke das moderne Zeug nicht. Ich meine, wenn du mir von deinen musikalischen Reisen erzählst, die nur in deinem Kopf stattfinden, dann wird mir einfach nur übel. Moment – diese Passage kenne ich – die kommt auch in einem anderen Stück vor, nicht? Na ja. Mama hat immer gesagt, das Leben mit einem Musiker sei anstrengend. Sie hatte Recht. Mama hat immer Recht. Ich sollte sie vielleicht mal anrufen und fragen, wie es ihrem Pudel geht. Bono. Schon sein Vorgänger hiess so. Sie wählt immer denselben Namen. Keine Veränderungen – kein Stress. Gutes Motto, Mama.

Glück und die Sprache der Kunst

Der Künstler Raja Dibeh ist 48 Jahre alt und hat erlebt, was niemand erleben will. Blut, Leid und Krieg hat er in seiner Heimat Syrien tagtäglich gesehen und hautnah erfahren. Vor allem für islamistische Rebellengruppen wie den IS war Raja Dibeh als christlicher Künstler eine Zielscheibe. Deshalb musste er flüchten und lebt nun seit vier Jahren in der Schweiz. Zusammen mit anderen Geflüchteten wohnt er in einer Asylunterkunft in Schupfart. Wir haben ihn nach der Bedeutung von Glück gefragt.

Glück

Irgendwie haben wir es ja vermutet: Glückserfahrungen haben nicht nur mit Psychologie, sondern auch eine ganze Menge mit Biologie zu tun. Die Zusammenhänge zwischen körperlichen Prozessen und seelischer Empfindung sind ebenso spannend wie komplex – und es zeigt sich: Auch aus biologischer Sicht ist das Glück ein flüchtiges und alles andere als ungefährliches «Geschenk». >

Weniger lauffe – meh Liftschlüssel

Das tägliche Rennen gegen die Zeit beziehungsweise die eigenen Mitschüler um den letzten freien Tisch im Erdgeschoss des Aquariums. Der leidige Kampf um einen Platz im Lift. Immer kein Kleingeld in der Mensa. – Das muss nicht sein! Der sage&schreibe-Fotowettbewerb «Weniger laufe, mehr Liftschlüssel» macht das Leben an der Alten Kanti lebenswerter. – Vielleicht auch deines!

Wunder? Wunder!

„Glauben Sie an Wunder?» Kaum jemand im Umfeld einer Kantonsschule wird diese Frage mit einem uneingeschränkten «Ja» beantworten. Wunder wirken wie ein Relikt aus alten Tagen. Sie erinnern an Aberglaube und Magie. Im Denken unserer Zeit scheinen sie keinen Platz mehr zu haben. Der Gang Jesu auf dem Wasser? – Spontane Heilungen an Wallfahrtsorten? – Eine Madonna, die Blutstropfen weint? – Wundersame Erscheinungen am Himmel? Nein, danke!

Von Eintretenswahrscheinlichkeiten für das Unglaubliche

Bei einem Kaffee und einem Chai im Barista Shop haben sich der Biologie Stefan Girod (SG) und der Pianist Daniel Woodtli (DW) über einen der ganz grossen Begriffe unterhalten. Im Dialog unternehmen die beiden Lehrer der Alten Kanti Aarau einen ebenso unterhaltenden wie anregenden Gedankenspaziergang – immer im Spannungsfeld zwischen der Macht der Fakten und der Macht des Göttlichen.

Die Wunderstätte

Schmid Beck im beschaulichen Zunzgen ist eine Feinbäckerei, Konditorei und Chocolaterie der besonderen Sorte, denn sie trägt die herausragende Qualität bereits in ihrem Namen: «echt weltmeisterlich». Um die Genusswelt zu erkunden und der Leidenschaft der Erschaffer auf die Spur zu kommen, sind wir tief in die preisgekrönte Wunderstätte eingetaucht.

Der Wunderbaum – Fluch und Segen

Tatsächlich: Es gibt einen Baum, aus dem eines der tödlichsten natürlichen Gifte und gleichzeitig ein tagtäglich gebrauchtes Öl gewonnen wird. Vielleicht klingelts bei der einen oder anderen Krimi-Leseratte oder bei faltengeplagten Beautyfans bei den Begriffen Rizin und Rizinusöl. – Was hat es wirklich auf sich mit dem Wunderbaum? Wir haben über die «Giftpflanze des Jahres 2018» recherchiert.

Leichte Kost

Einhundert Gramm durchschnittliches Brot enthalten etwa zweihundertsiebenundsechzig Kalorien. Eine Schreibe davon wiegt ungefähr fünfzig Gramm, hier jedoch können wir von mindestens siebzig ausgehen. Also sind wir mit einer Scheibe schon mal bei einhundertneunundachtzig Kalorien. Je nach dem, von welchem Teil des Brotes das Stück stammt, lassen sich durch die Kruste weitere Kalorien addieren oder subtrahieren.

Ελλάδα

Η Ελλάδα είναι χώρα της νοτιοανατολικής Ευρώπης. Συνορεύει βορειοδυτικά με την Αλβανία, αποτελείται από την ήπειρο και την Πελοπόννησο και έχει πάνω από 3000 νησιά. Η χώρα βρέχεται από το Λιβυκό Πέλαγος στον Νότο και το Ιονικό Πέλαγος στη Δύση. Η Ελλάδα έχει Έκταση 131’957 τετραγωνικά χιλιόμετρα και είναι τρείς φορές μεγαλύτερη απο τήν Ελβετία. Η χώρα έχει περίπου 11,2 χιλιάδες πληθυσμό. Λόγο των πολλών νησιών η Ελλάδα έχει μια ακτογραμμή από 13’000 χιλιόμετρα. Αν και υπάρχουν πολλά νησιά και μεγάλη επιφάνεια θάλασσας, η Ελλάδα έχει επίσης 80 της εκατό βουνά.

Zwischenstunde

Ding – ein paar letzte Plopps ertönen aus der Mikrowelle, dann ist es ruhig. Ich nehme die Tüte vorsichtig in die Hand und trage sie zu unserem Tisch. Ein buttriger Duft steigt daraus auf, der Duft einer Zwischenstunde. Alle haben ihre Schulsachen ausgepackt, Stifte liegen achtlos verstreut auf dem Tisch. Wirklich am Arbeiten ist jedoch niemand. Dazu fehlt die Motivation.

#3 Poesie

In unregelmässigen Abständen hält der passionierte Filmer und Fotograf Tobias Gamp (G4L) seinen Blick auf die Welt in einem ganz persönlichen Video fest. Mal frech, mal schräg, mal nachdenklich, mal knallig – immer aber zusammen mit Alexander Levnajic (G3B). Nur zusammen sind sie «Ganz Gamp.» 

Griechenland

Das im Südosten von Europa liegende Griechenland grenzt an das südliche Ende des Balkans und besteht aus der bekannten Halbinsel Peloponnes sowie mehr als 3000 Inseln. Eingegrenzt wird das griechische Festland vom im Süden liegenden Libyschen Meer und dem Ionischen Meer im Westen. Griechenland erstreckt sich über eine Fläche von 131 957 km² und ist somit fast dreimal grösser als die Schweiz. Es leben 11,2 Millionen Einwohner auf dem Festland und den umliegenden Inseln. Wegen seiner vielen Inseln besitzt das Land eine Küstenlinie von über 13’000 km. Obwohl viele Inseln und eine grosse Wasserfläche zu Griechenland zählen, hat die Nation einen Gebirgsanteil von fast 80 Prozent.

Schweizer und Schweizerinnen umarmen sich viel

Die 18-jährige Claire Ngo aus Kanada kam im August 2018 in die Schweiz, wo sie zuerst einmal einen zweiwöchigen Deutschkurs für Anfänger besuchte. Ab September war sie dann ein Jahr lang Austauschschülerin in der G2F an der Alten Kanti Aarau. Der vorliegende Text ist ihr sprachlich nicht bearbeitetes) Abschiedsreferat, das sie anlässlich eines Farewell-Dinners des Rotary Clubs Aarau Alpenzeiger gehalten hat.

Glückspost

«Die Arthritis, weisst du, die wird immer schlimmer. In den Händen auch. Zwei Reihen stricken, Andi, zwei, dann muss ich’s schon wieder hinlegen», jammert Oma Ingrid. Ihr Körper versinkt beinahe im übergrossen Bademantel, und händeringend blickt sie ihren Enkel an. Die Glückspost, die Andi ihr hilflos entgegenstreckt, lässt ihre Augen für einen Moment aufleuchten. «Wie lieb von dir! Sag Erika lieben Dank. Willst du Kaffee? Komm, ich ruf die Heike, die bringt dir einen.» «Nee nee, lass mal Oma. Ich trink doch eh keinen Kaffee, weisst du doch. Ich muss ja sowieso auch gleich weiter. Hab noch viel zu tun. Schule und so», murmelt der schlaksige Junge, vergräbt die Hände tief in den Hosentaschen seiner verwaschenen Jogginghose und der Rechten ertastet ein kleines Plastiktütchen, das er fest mit den Fingern umschliesst.

«Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit sind unser wichtigstes Gut»

Mit 43 Jahren ist Christian Dorer bereits Chefredaktor von BLICK, SonntagsBlick, Blick am Abend und Blick online. Der Absolvent der Alten Kantonsschule Aarau bestimmt, was jede Woche 1.8 Millionen Schweizerinnen und Schweizer lesen. Wie fühlt sich so viel Verantwortung (und Macht) an? Wie begegnet Christian Dorer der digitalen Herausforderung? Und wie geht er mit der allgegenwärtigen Gefahr von Fake News um? – Wir haben den einflussreichsten Journalisten der Schweiz in Zürich zum Gespräch getroffen.

Die vier Sinne des Menschen

Wenn im Wald ein Feuer brennt, können wir das mithilfe unserer Sinne feststellen, was uns in verschiedenen Szenarien einen evolutiven Vorteil bringen kann. Das Feuer werden wir aber nie in seiner Gesamtheit erfassen können. Dafür sehen wir gelbe Flammen züngeln und hören ein Knistern, obwohl das Feuer genau genommen weder Farben besitzt noch Geräusche erzeugt. Wie kommt’s?

«Schau, deine Schuhe sind Mittwoch!»

Stell dir vor, der September wäre hellgrün, der Februar eisig-rosa, das «E» gelb, alle 20er Zahlen rötlich und die Melodie der Schulglocke orange. Genau so geht es Victoria Dvořák, einer Schülerin der Alten Kantonsschule Aarau. Wir treffen sie an einem Mittwoch in einem Café. Sie erzählt uns von ihrem Leben als Synästhetikerin und legt uns ihre ungewöhnliche Wahrnehmung offen: die Verknüpfung von Musik, Zahlen und Wörtern mit Farben. 

Die Frage nach dem Sinn

Wie sinnvoll und also wie lebenswert ist die menschliche Existenz in einer Welt ohne Gott? – Die Frage nach dem Sinn, so gestellt, ist dann eben keine religiöse, sondern eine eminent philosophische. Und eine, die schon viele Denker umgetrieben hat, weil es keine allgemeingültige Antwort darauf gibt.

Vom (Un-)Sinn der Ökonomie

Veronika Potykanowicz (PotVe), Wirtschaftslehrerin an der Alten Kantonsschule Aarau, sucht über WhatsApp das Gespräch mit ihrer 19-jährigen Nichte Bernadette Schwarz (SchBe) aus Österreich, die zurzeit Umweltsystemwissenschaften an der Universität Graz studiert. Immer im Zentrum des Dialogs zwischen der Pädagogin und der jungen Idealistin: der (Un-)Sinn der Ökonomie.

Freddy Nock: Sinnfindung und das Seil

Viele Leute fürchten sich davor, über einen Baumstamm zu gehen; Freddy Nock hat das Balancieren, noch dazu in schwindelerregenden Höhen, zu seinem Beruf gemacht. Bei einem Besuch des Artisten zu Hause in Uerkheim haben wir einen Einblick in seine Arbeit erhalten – und von seinem neusten Projekt erfahren, das alles andere in den Schatten stellen wird.

Fünf Sinne, ein Erlebnis

Der Mensch hat fünf Sinne. Was auch immer wir tun: Erst das Zusammenspiel aller Sinne ermöglicht die ganzheitliche Wahrnehmung eines Erlebnisses. – Wie aber ist es, wenn wir uns bei einem Erlebnis ausschliesslich auf einen Sinn konzentrieren? Wir haben uns aufgemacht in ein Burger-Restaurant und uns beim gemeinsamen Essen jeweils ganz auf einen einzigen Sinn konzentriert. Ein sinnliches Experiment.

ZIRP

Ich hetze auf den letzten Drücker ins Zimmer – geschafft. Mein Kopf braucht etwas Zeit, um sich zurechtzufinden. Also, ganz langsam: Ich sitze in einer Biologiestunde. Biologie zählt dieses Jahr für die Matur, also sollte ich mich nun zwei Stunden konzentrieren. Unser heutiges Thema: Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen. ZIRP. Meine Sinne erinnern mich gerade wieder daran, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, kurze Hosen anzuziehen. Vorsichtig löse ich mein Bein vom Stuhl und platziere es etwas weiter rechts; zwecklos – es fängt schon wieder an, am Stuhl festzukleben. ZIRP. Die Hitze ist unerträglich. Wieso bekommen wir bei diesen Temperaturen nicht hitzefrei?

Himmelblaue Himbeere

Bazar. Der süsse Duft, kaum spürbar Zimt, Koriander, Nelken die Himbeere, süss und verführerisch wie das Geschrei der Verkäufer himmelblau, Himmelbeere, mitten im Bazar die Verlockung, süsser als Honig verstörende Farbe, einzigartig die Sinne berauschend alles vergessend, vergessen versinken und schweben, höher und höher ekstatisch, ein Geschmack wie Vollendung der Abgang ist böses Erwachen himmellos bitter bleibt Ingwer im Nachgeschmack.   Von Nadine Girod und Su Haskaya, G3L  Aquarell von Nicole Wehrli, G3K

Digitalisierung an der Schule – Alte Kanti 4.0?

Digitalisierung – für die einen ein Zauberwort, das Türen in ungeahnte neue Lebens- und Arbeitsräume öffnet, für die anderen ein Unwort, der Inbegriff einer datengesteuerten, gefühlskalten, insgesamt inhumanen Welt. – Wie auch immer: Als moderne Mittelschule sind wir verpflichtet, uns dem Wandel auch in diesem Bereich zu stellen, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Eine Bestandesaufnahme.

Ertrinken

Mein Zug war schon da, als ich den Bahnsteig erreichte und auf den Türöffner drückte. Ich setzte mich an den erstbesten Platz am Fenster, und als der Zug langsam losfuhr, heftete sich mein Blick an einen der vielen Regentropfen an der Scheibe. Ich beobachtete, wie ein Tropfen grösser wurde, runterkullerte und alle, die seinen Weg kreuzten, mit sich riss. Etwa hundert Tropfen später wurde meine Haltestelle angekündigt. Ich stieg aus und blickte nach oben, fühlte, wie der Regen auf mein Gesicht prasselte, den Hals runterlief, und sah, wie sich meine Schultasche verfärbte. Ich machte mich auf den Weg nach Hause. 

Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn die Tür aufgeht

So ein Lift ist schon eine praktische Erfindung. Ohne Lift würden wir nicht weit kommen, vor allem nicht in die oberen Stockwerke des Aquariums beziehungsweise Paul-Karrer-Hauses. Da sind wir schon ab und zu dankbar, dass es gleich drei an der Zahl hat. Doch das gerät manchmal in Vergessenheit, wenn wir uns über die Lifte aufregen müssen, und das ist keine Seltenheit.

Glühbirnen, Doppelnetzgeräte und Diodenlaser

Schweizer Physikolympiade – dazu braucht es Physiktalente aus der Schweiz, Prüfungsunterlagen und spezifische Utensilien für den experimentellen Teil des Wettkampfs. Am 24./25. März 2018 ging es für 24 Schülerinnen und Schüler darum, sich für den europäischen Wettbewerb in Moskau zu qualifizieren. sage&schreibe war beim experimentellen Teil der Prüfungen an der Neuen Kantonsschule Aarau vor Ort. 

Immer am Ball bleiben!

Er trainiert bis zu 18 Stunden pro Woche. Denn Volleyball ist seine Leidenschaft! Irian Mika ist ein wahrhaft grosser Spieler – nicht nur wegen seiner 192 cm Körperlänge: Der 20-jährige spielt im Nationalliga-A-Team von Volley Schönenwerd. Als Schüler der Sportabteilung der Alten Kanti stellt Irian jeden Tag unter Beweis, dass sich Spitzensport und Gymnasium bestens vereinen lassen!

Eviva España!

España meets Aarau – und dies in der einladend dekorierten reformierten Kirche Buchs. Das Orchester der Alten Kantonsschule Aarau, verstärkt durch das Holzbläserensemble, verzauberte das Publikum regelrecht mit temperamentvollen südländischen Klängen. Das Herz Spaniens pulsierte, und die Wärme des Frühlings war trotz der tiefen Temperaturen deutlich zu spüren.

#02 Aufzüge

In unregelmässigen Abständen hält der passionierte Filmer und Fotograf Tobias Gamp (G3L) seinen Blick auf die Welt in einem ganz persönlichen Video fest. Mal frech, mal schräg, mal nachdenklich, mal knallig – immer aber zusammen mit Alexander Levnajic (G3L). Nur zusammen sind sie «Ganz Gamp.» 

Inclusive Digital Video Training in Youth Work (InDVT)

What is InDVT and what does it do for our society?  The InDVt is a project sponsored by the European Union involving several countries. The objective of the project is to create a way of teaching youth trainers to increase the use of “inclusive videos” in their daily work. It is intended to be used for non-formal youth trainings of any sort. The platform for all the basic and enhanced training was created by the partners in Bulgaria. They developed a website which will be translated into many different languages. On the platform there are several training modules each written by a different partner. You can access information, such as how to collect digital videos, the digitization of videos and TV, raising digital awareness, digital videos in inclusive training and last but not least some tips for trainers. After completion of each module, one will be able to take a self-assessment to test if one has understood the material correctly. In addition, there is one surprising element in the platform. They have an absolutely …

Turin, die verkannte Schöne

Drei Tage Turin! Eine Stadt, die in ihrem alten Glanz als ehemalige Hauptstadt Italiens erstrahlt und die Besucher – auch bei Regen – mit ihrer Schönheit in ihren Bann zieht. Turin überzeugt in allen Bereichen: beeindruckende Architektur, glorreiche Paläste, interessante Museen, gemütliche Cafés, Kirchen, Lauben, leckeres Essen und vieles mehr. Ein Erlebnisbericht über die Projektwoche Turin vom Frühjahr 2018.

Auf dem Weg zur Spitze

Der Fleiss der Pianistin Sophie Holma wird sich auszahlen [Bild: zVg] Anfang 1999 als Kind zweier Pianisten geboren, wurde ihr das Klavierspiel in die Wiege gelegt. Ihre Mutter begann, sie im Alter von fünf Jahren zu unterrichten. Schnell zeigte sich, dass Sophie Begabung für das Pianospiel hatte. Oberste Priorität für eine Karriere als Musikerin haben allerdings Fleiss und Disziplin. Ihre Eltern begleiteten sie als Lehrer und Mentoren bis zum Ende der Bezirksschule.

Defekte Drucker und andere Debakel

Eine Reportage über den Hausdienst der Alten Kanti ‹Der Drucker im unteren Stock ist schon wieder kaputt!›, ruft ein Lehrer im Vorbeigehen, bevor er im Lift verschwindet und sich die Türen vor ihm schliessen. Solche impliziten Hinweise und Bemerkungen gehören zum Alltag von Beat Spillmann, dem langjährigen Leiter des Hausdienstes der Alten Kanti. Doch nebst den Druckerreparaturen gehört noch so manch anderes zu seiner Arbeit. Zusammen mit seinem Team, bestehend aus drei Hauswarten, einem Gärtner, einem technischen Supporter, zwei Lernenden im Beruf Fachmann/Fachfrau Betriebsunterhalt und den Reinigungskräften, sorgt er dafür, dass an unserer Schule alles reibungslos abläuft.

„Keine Frau macht Politik, weil sie gut aussieht“

 Was bedeutet es, als junge Frau in der Politik aktiv zu sein? 43 Jahre nach der Einführung des Wahlrechts der Frau besteht noch keine ausgewogene Verteilung der Geschlechter auf politischer Ebene. Wir haben mit einer Frau gesprochen, die für Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau einsteht. Irène Kälin ist seit fünf Jahren im Grossen Rat und Präsidentin der Grünen Lenzburg. Frau Kälin, hatten Sie ein Schlüsselerlebnis, das sie zur Politik führte? Irène Kälin: Ja und nein. Ich war irgendwie schon immer politisch, Fragen der Ungerechtigkeit auf der Welt, aber auch in unserer Gesellschaft haben mich schon immer beschäftigt. Aber bis zu meinem Nachrücken in den Grossen Rat vor fünf Jahren habe ich nie daran gedacht, Politik in einem Amt zu machen, sondern fühlte mich wohl in der Rolle der politischen Aktivistin. Warum glauben Sie, gibt es weniger Politikerinnen? Kälin: Weil die Politik noch immer – auch im Jahre 2015 – eine primär männliche Domäne ist und weil die bürgerlichen Parteien es offenbar nicht schaffen, jeweils mit ausgewogenen Listen anzutreten. In den linken Parteien hat es erstaunlich …

Wenn Wissenschaft und Fantasie verschmelzen

„Der weisse Kalong“ – zwölf Schauspieler, zwei Theaterleiter und ein ungelöstes Mysterium: Der Flughund aus dem fernen Borneo. Samstag, 5. März 2016, 20 Uhr: Die Geschäfte entlang der Bahnhofsstrasse in Aarau sind geschlossen, im Naturama brennt jedoch noch Licht. Im Foyer des mehrstöckigen Gebäudes sitzen wir gemeinsam mit etwa dreissig anderen Zuschauern auf farbigen Klappstühlen und lauschen den Worten des „Museumsdirektors“.

Das andere Gefängnis

Ein Besuch auf dem Arxhof Stellen wir uns vor, wir sind im Gefängnis, doch wir sind nicht eingesperrt, der Weg nach draussen ist frei. Jederzeit könnten wir davonlaufen. Würden wir es tun? Kann so etwas überhaupt ein „Gefängnis“ sein, als Strafe für einen Gewalttäter? Und ist das sinnvoll?

Spitzensport inklusive Matura

Das Sportgymnasium an der Alten Kanti feiert sein zehnjähriges Bestehen Ehemaliger Spitzen-Handballer, Sportlehrer und seit 2003 Prorektor an der Alten Kantonsschule Aarau: Kurt Büchler ist in Sachen Sportgymnasium der Mann der ersten Stunde. Massgeblich bei der Projektierung und der Umsetzung beteiligt, zeichnet Büchler nun seit zehn Jahren verantwortlich für eine optimale Verbindung von Gymnasium und Spitzensport.

Was die Infrastruktur im Innersten zusammenhält

Eine Reportage über das Arbeitsleben des IT-Supports der AKSA Wir steigen eine alte, schmale Wendeltreppe empor und betreten das Reich des IT-Supports. Eine freundliche Atmosphäre füllt das sonnengeflutete Obergeschoss. Der feine Duft nach Kaffee hängt noch in der Luft und zusammen mit dem leisen Surren der Computer deutet alles darauf hin, dass hier gearbeitet wird. Auf beiden Seiten des knarrenden Ganges befinden sich Zimmer mit jeweils zwei verstellbaren Arbeitspulten, auf denen grosse Bildschirme thronen. Zwei Männer begrüssen uns und führen uns hinauf in eine kleine Dachkammer. Die gekippten Fenster lassen eine angenehme Brise ins Zimmer. In der Nähe erklingt die Kirchenglocke.

Sich mit Worten verstehen – oder besser ohne?

Theater@49 verblüfft das Publikum mit Gilles Dyreks Komödie „Venedig im Schnee“ Haben Sie sich jemals gefragt, was sich im 4. Stock des Einstein-Gebäudes befindet? Vielleicht wussten Sie von der Lehrerbibliothek oder dem Konferenzraum? Doch haben Sie schon einmal etwas vom Theaterraum mit der Quadratzahl 49 an Anzahl Plätzen gehört? Wenn nicht, dann haben Sie etwas verpasst, im Besonderen das letztens aufgeführte Stück „Venedig im Schnee“ unter der Regie von Heinz Schmid und gespielt von den talentierten Schauspielerinnen und Schauspieler mit Namen Michel von Känel, Thomas Waldmeier, Jessica Zybach und Delia Berner. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie besuchten die Alte Kanti; und das ist auch das Markenzeichen der Gruppe Theater@49, all ihre Mitglieder sind Ehemalige der Schule. Die Premiere des Stückes „Venedig im Schnee“ fand am 15. Februar 2017 statt. In der Folge kam es zu einer Reihe weiterer Aufführungen bis in den März.

Die Büchse

Es ist vorbei. Alles ist vorbei. Er hatte sich von der Apotheke hergemüht und saß nun auf dem Boden der Abstellkammer, in der er sich als kleiner Junge schon versteckt hatte, wenn die Welt ihm zu nahe gerückt war. Er legte die Tablettenschachtel neben einen grossen Koffer, der verriet, dass seine Eltern früher gemeinsam Ferien verbracht haben mochten. Über einer alten Blechdose tanzten Staubkörner im Licht, das durch das Dachfenster flutete. Noch immer zögerte er, die Büchse zu öffnen. Die Überwindung, die es ihn kostete, liess sich in verstrichenen Minuten messen.

Dicke Luft

Dunkelheit umgab die Hoffnung, als sie zum ersten Mal ihre Augen öffnete. Orientierungslos setzte sie sich auf und versuchte, ihre Umgebung zu erkennen. «Hallo?», rief sie zögerlich. Vielleicht waren ihre Freunde ja auch hier. «WO ZUM TEUFEL BIN ICH? WER HAT MICH HIERHER GEBRACHT?», kam es in ohrenbetäubender Lautstärke zurück. Na toll, das ist bestimmt die Wut, dachte Hoffnung. Aber mit ihr kann man sich sicher auch gut unterhalten. Sie kroch in die Richtung, in der sie vermutete, Wut zu finden. Dabei stiess sie auf einen noch regungslosen Körper, den sie als die Hinterlist identifizierte. Hoffnung schubste sie leicht, um sie zu wecken, doch plötzlich ging ein Ruck durch ihren Körper und Hinterlist packte Hoffnung. Sie legte ihre Hände um den Hals von Hoffnung und flüsterte drohend: «Sag mir sofort, wo wir sind, oder du wirst es bereuen!» «Ich habe keine Ahnung, du schon?», erwiderte Hoffnung. «Nein, natürlich nicht!»

Die Hände von Prometheus

Lärm hallte in den engen Gassen des altertümlichen Bergstädtchens wider. Der hereinbrechende Herbst brachte kalte, scharfe Winde mit sich. Die Windstösse brausten durch die schmalen Gassen des Dorfes und trugen den Lärm weit über die Dorfgrenze hinaus. Die wenigen verbleibenden Dorfbewohner störten sich nicht am Lärm. Sie hatten sich daran gewöhnt, seit Jahrzehnten erfüllte er das Dorf am Tage und in der Nacht. Der Lärm kam aus einer kleinen Werkstatt mit schiefen Fenstern am Fusse des Berges. Je näher man der Werkstatt kam, desto klarer konnte man hören, dass es sich bei dem Lärm um Hämmern, Meisseln und Schleifen handelte. Manchmal war auch das Ächzen eines alten Mannes zu vernehmen. Keiner der Dorfbewohner wusste, was in dieser verschrobenen Werkstatt vor sich ging, die Tür war immer verschlossen. Man sagte sich, dass dort ein äusserst begabter Bildhauer lebte, der Figuren aus Stein meisseln konnte, welche aussahen, als ob sie vor Leben sprühen würden und sich jeden Moment aus ihrer Starre lösen könnten.

Die Uhr

Telekinese, das sollte ich jetzt können. Aber egal, wie stark ich mich konzentriere, der Zeiger will sich einfach nicht schneller bewegen. Funktioniert diese Uhr denn überhaupt noch?! Ich erinnere mich an den Physikunterricht – Einstein hat dieses Phänomen schon lange beschrieben: Zeit ist relativ, und je schneller man sich bewegt, desto langsamer vergeht die Zeit.

Percy und ich

Mittag, 12.15 Uhr, für einige Schülerinnen und Schüler die Hölle auf AKSA-Erden. Acht Retter warten auf ihre Arbeit, unerreichbar ein jeder, so scheint es. Denn der Weg zur Erlösung ist weit. Gefühlte hundert Schüler versammeln sich vor der weltbewegenden Erfindung von Percy Spencer. Nun ist die richtige Taktik gefragt. Nach anfänglichem Zögern, genauem Überlegen und bedachtem Abschätzen wird eine Entscheidung gefällt, und man stellt sich hinter einer der zwei endlosen Schlangen an. Mit wachsamem Auge wird die Umgebung beobachtet. Ist ein bekanntes Gesicht unter den Kontrahenten? Ein kurzer Blick auf die Uhr, 12.26, schon bald 15 Minuten vorbei, und die Rettung noch immer weit …