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Die niederländische Drogenkultur

Holland. Das Land der Windmühlen, des Käses, der Tulpen – und der Drogen. Tatsächlich sind auch die Drogen mittlerweile ein Teil der Gesellschaft und der Kultur des Landes. Wie wurde die Drogenkultur ausgerechnet in den Niederlanden zu einer der bekanntesten weltweit? Und wie geht der Staat damit um?

Im 17. Jahrhundert erwarb die Niederländische Ostindien-Kompanie Opium von den Bengalen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Niederlande bereits Weltmarktführer in der Kokainproduktion. Die dafür benötigte Kokapflanze importierten sie aus Java, einer ihrer damaligen Kolonien in Indonesien. Aus dem Handel mit diesen beiden Drogen wurden grosse Einnahmen erzielt. Registrierte Süchtige aber gab es nur wenige. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wo der zunehmende Drogenkonsum zu einem gesellschaftlichen Problem wurde. Die wachsenden Probleme führten schliesslich dazu, dass 1912 in Den Haag (gegen den Willen der Niederlande, die eine wichtige Einnahmequelle bedroht sahen) eine internationale Konferenz stattfand, auf der verschiedene Länder den Internationalen Opiumvertrag ausarbeiteten. In den Niederlanden führte dies zum Opiumgesetz, das 1919 in Kraft trat und ein Verbot von Opium und seinen Abkömmlingen beinhaltete. 1953 wurden auch der Besitz und die Produktion von Cannabis verboten. Die Regierung der Niederlande erkannte aber, dass es klüger war, den Konsum von Drogen unter Kontrolle zu halten, als ihn mit Gesetzen einzudämmen.

Ein wichtiger Anstoss für dieses moderne Denken, das schon bald zur Entkriminalisierung von Cannabis führte, war das Holland Pop Festival 1970. Im gleichen Jahr öffneten die ersten Coffeeshops, in denen man öffentlich Cannabis verkauft. Kaffee und Kuchen ist dort eher ein Nebengeschäft. Mit diesem Wechsel hatten sich die Niederlande gegen eine Verbots- und für eine Toleranzpolitik entschieden.
Ab 1992 erarbeitete die Politik in den Niederlanden präzise Vorschriften für Coffeeshops. Die Läden wurden streng kontrolliert und im Falle eines Verstosses geschlossen. Die Zahl der Coffeeshops ist seitdem zurückgegangen. In den 90er Jahren wurde die Regelungen weiter verfeinert und angepasst, bis schliesslich 2008 auch der heimische Anbau von Cannabis in Ausnahmefällen erlaubt wurde.
Das Beispiel der Niederlande zeigt, dass gerade im Umgang mit der Drogenproblematik streng geregelte Toleranz mehr bringt als Verbote und Strafverfolgung.

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Von Sanne Keller, G1A