Alle Artikel in: Sage & Schreibe Nr. 35

Erdbeeren mit Niveau

Von Fiorenza Larcher, G20F Also ich kann es jeweils kaum erwarten, die ersten Erdbeeren vom Feld zu pflücken. Die kalten Monate kommen mir ewig vor. Aber jeden Sommer werde ich wieder belohnt: diese vollreifen, süssen, heimischen Erdbeeren – göttlich. Wieso nur gibt es Leute, die im Winter und Frühjahr so teure, geschmacklose Hartgummi-Erdbeeren kaufen? Es ist nicht zu verstehen. Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass im sehr trockenen südlichen Spanien, von wo die meisten Hors-Saison-Erdbeeren in den Schweizer Läden stammen, die für die Früchte-Produktion nötigen Wasserressourcen weitestgehend fehlen. Das führt dazu, dass wegen staatlich verordneter Einschränkungen auch illegal Wasser gezapft und Landwirtschaft betrieben wird. Als Schweizer Verkäufer kann man also nie so genau wissen, ob man nun illegal oder legal produzierte Erdbeeren verkauft. Den Winter-Erdbeer-Konsumentinnen ist das einerlei. Sie übersehen die klein gedruckten Ländernamen gerne – oder schauen gar nicht erst hin. Hauptsache: Erdbeeren, anytime. Ihnen rate ich: Kaufen Sie jetzt Erdbeeren, saisonal und regional, im Supermarkt oder beim Erdbeerbauern – und geniessen Sie! Wenn Sie sich dann in den kalten Monaten bewusst an …

Einst ein No-Go – heute ein Must

Von Daut Limani und Olivier Schade, G19A Wer heutzutage stylische Sneaker anzieht, trägt dazu meistens weisse Socken, vorausgesetzt, auch der Schuh enthält ein kleines bisschen Weiss. Besonders beliebt sind die weissen Sportsocken von Nike; die werden wie Tennissocken getragen, also bis unter den Wadenmuskel hochgezogen. Die Nike-Socken wurden in den letzten Jahren immer mehr zur Standardsocke von Streetwear-Interessierten. Während weisse Socken unter jungen Leuten längst akzeptiert und sogar trendy sind, gelten sie unter älteren Menschen immer noch als absolutes No-Go und werden als übles Aargauer Klischee abgestempelt. Zu Unrecht! In Wahrheit waren die Aargauer ihrer Zeit einfach voraus, als echte Trendsetter. Es ist also völlig okay, weisse Socken zu tragen, auch zu komplett weissen Sneakern – aus dem ebenso simplen wie einleuchtenden Grund, dass weisse Socken mit jeder anderen Farbe kombiniert werden können und dabei einfach immer schick aussehen. Klar, kein Mensch kommt auf die Idee, zum Beispiel knallgrüne Socken mit roten Schuhen zu kombinieren, das sieht grauenhaft aus. Doch farbige Schuhe und weisse Socken – das passt. Deshalb, liebe Aargauerinnen und Aargauer: Holt die …

Die dritte Hälfte

Von Lukas Wampfler, Mathematiklehrer [Bild: zVg] Lieber Peter, vor zwei Jahren fand bereits die erste Hälfte deiner Verabschiedung statt. Die Schule hat dir für den langjährigen Einsatz als Prorektor gedankt und wir haben uns auf zwei Jahre gefreut, wo du wieder «nur» unserer Fachschaft angehören würdest. Es ist aber anders gekommen. Du musstest unverhofft und unfreiwillig noch einmal für ein paar Monate ins Prorektorat. Doch du hast auch diese Herausforderung sportlich angenommen und souverän gemeistert. Nun trittst Du also doch in den Ruhestand – wobei du wahrscheinlich weder ruhen noch stehen wirst. Dafür gibt es zu viele Strecken, die erfahren werden können, Gegenden, die erkundet sein wollen. Für deine Projekte, denen du dich in Zukunft intensiver widmen kannst, wünschen wir dir alles Gute. Lieber Peter, Du wirst uns fehlen. Deine sachliche und doch lockere Art sorgt für gute Atmosphäre, sei es an Sitzungen, im persönlichen Gespräch oder an geselligen Anlässen. Du vermochtest die Schülerinnen und Schüler für dein Fach zu begeistern und hast deine Begeisterungsfähigkeit auch mit anderen geteilt. Kolleginnen und Kollegen, ob jung oder …

Shiatsu

Eine Hunderasse? Oder vielleicht Kampfsport? Mit beidem hat Shiatsu nichts zu tun. Shiatsu kommt ursprünglich aus der fernöstlichen Medizin und ist eine Therapie- beziehungsweise Massageart. Um mehr über Shiatsu herauszufinden, haben wir Elena Ritmeisters, ausgebildete Shiatsu -Therapeutin, in ihrer Praxis in Aarau besucht. Von Selina Wick und Ella Jost, G19A Shiatsu kommt aus Japan und heisst übersetzt «Fingerdruck». Man verwendet dabei also nur die Hände und keine anderen Hilfsmittel wie zum Beispiel Nadeln oder Steine. Shiatsu entspringt der traditionellen chinesischen Medizin und ist so etwas wie die Physiotherapie der fernöstlichen Medizin. Dabei orientiert man sich nicht nur an der äusseren Struktur des Körpers, sondern insbesondere auch an den Energieflüssen. Dazu gehört in erster Linie das Meridiansystem. Dies sind nach der traditionellen chinesischen Medizin energetische Bahnen, in denen die Lebensenergie Qi fliesst. Mit gezielter Behandlung von Akupunkturpunkten, also Punkten auf den Meridianen, soll der Körper in einer ganzheitlichen Balance gehalten werden. Westliche und östliche Medizin Oft unterscheiden sich die Therapieformen der östlichen und westlichen Medizin gar nicht so stark voneinander. Der nach westlichen Standards ausgebildete Physiotherapeut …

Selbstnähe

Von Alexandra Ihle, G19A Wenn wir von Nähe reden, denken wir meistens an die Nähe zu anderen und fast nie an die Nähe zu uns selbst. Eigentlich merkwürdig, denn wir sind uns doch selbst am nächsten. Gemäss Duden wird «sich nahestehen» folgendermassen verstanden: «aufgrund einer Eigenart oder bestimmter Merkmale in die Nähe einer Sache gehören, ihr benachbart sein oder zu jemandem in enger Beziehung stehen, zum Beispiel einer Person oder auch einer Partei». Würde diese Definition auf die Nähe zu sich selbst übertragen, könnte diese folgendermassen erklärt werden: Mir selbst nahe bin ich dann, wenn ich mich so gut kenne, dass ich mir meiner Eigenart mit allen Bedürfnissen und Wünschen bewusst bin. Hand in Hand mit Selbstnähe gehen Selbstakzeptanz und, als Steigerung davon: Selbstliebe. Auch das Vertrauen in sich selbst gehört dazu. – Und in welcher Beziehung stehen diese Begriffe zu einander? Selbstakzeptanz und Liebe. Die beiden Begriffe sind selbsterklärend, aber ihr Verhältnis ist kompliziert. Denn es ist möglich, sich selbst zu akzeptieren, ohne sich zu lieben. Aber Selbstliebe ohne Selbstakzeptanz – das geht nicht. …

Nähe und Distanz im Nanokosmos oder Warum der Kopf nicht durch die Wand geht

Von Dr. Michael Schär, Chemielehrer Plötzlich waren sie da: Die Abstandsregeln während der Corona-Pandemie. Fast gebetsmühlenartig wurden sie wiederholt: 1.5 Meter zwischen zwei Personen (hierzulande) – mehr Nähe musste vermieden werden. Doch egal, wieviel Nähe erlaubt ist, zuletzt gelten sowieso die ‹Abstandsregeln› des Nanokosmos. Dazu gehört, dass Atome einander nicht durchdringen wollen und zueinander auf Distanz gehen, wenn sie sich nicht verbinden können. Ausschlaggebend dafür sind ihre Hüllen mit Elektronen, welche sich gegenseitig abstossen. Gecko an der Wand, wer ist der beste Kletterer im Land? Doch Atome verspüren genauso wie wir Menschen nicht nur Hemmung, sondern auch Attraktion. Und kommen sie sich etwas näher, geschieht manchmal auch Wunderliches. Elektronen bewirken nämlich nicht nur Abstossung, sondern indirekt über Fluktuationen der Ladungsverteilung auch den Zusammenhalt von kleinsten Teilchen: ‹Van-der-Waals-Kräfte› nennt sich dies im Fachjargon. Ohne diese würde sich so manche Kunststoffpackung gleich verflüchtigen. Ihnen verdankt der Gecko, dass er Wände erklimmen kann und selbst bei einer Last von 10 Kilogramm noch an der Decke haftet. Eine ausgeklügelte Nanostruktur am Fuss des Geckos mit Milliarden feiner Haare multipliziert …

«The beauty of polyamory is loving limitlessly»

Desiring or being in multiple romantic relationships at the same time is called polyamory. Orion Toivonen from Scotland was willing to talk openly about polyamory by answering a few questions surrounding themes such as closeness, love or jealousy. Von Valeria Tomassini und Paynavi Punithakumar, G19A An unusual situation: Orion is sitting across from us – but via a screen and in Scotland. His partner Jose is listening in the background as we begin the interview. Orion, currently, you are only in one relationship – with your anchor partner Jose, who is also dating Jaana who has three additional partners. What do the terms closeness, intimacy and love mean to you? How would you distinguish them? Orion: Love is something that you can feel with everyone: You can feel it with friends, maybe even with a stranger that you pass on the street. It is a feeling of appreciation. Closeness, however, I consider something more reserved to the people nearest to me. Although, I am not only close to people that I am involved with romantically, …

«Nähe ist Nahrung für den Körper»

Assunta Amatucci ist gelernte Sexualbegleiterin und Berührerin für Menschen mit Beeinträchtigung. Wir haben die 55-Jährige in ihrer Praxis in Solothurn besucht, um mehr über diese noch immer weitgehend tabuisierte Arbeit zu erfahren. Wir wollten wissen, wie sie mit ihren Klientinnen und Klienten umgeht und was für sie Nähe bedeutet. Von Olivier Schade und Johannes Voss, G19A Was genau ist eine Berührerin? Grundsätzlich geht eine Berührerin oder ein Berührer auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten oder der Klientin ein: eine Hand auf den Rücken legen, eine Hand- oder Fussmassage, es kann den ganzen Körper beinhalten, es kann nackt oder bekleidet stattfinden, es kann aber auch nur ein Gespräch sein. Immer geht es darum, diesen Menschen mit Behinderung oder Senior(inn)en etwas zu geben, was sie nirgendwo sonst bekommen können. [Bild: Olivier Schade] Gibt es dafür eine spezifische, anerkannte Ausbildung? Ja, das ist die Ausbildung als Sexualbegleiter/-in. Berührer/-in können sich alle nennen, nicht aber Berührer/-in nach InSeBe (Initiative SexualBegleitung). InSeBe ist eine von mehreren Organisationen, welche die Ausbildung als Sexualbegleiter/-in anbieten. Wie haben Sie zu diesem Thema gefunden? …

Nähe

Nicht selten zeigt sich erst im Gespräch die wahre Komplexität der Welt – oder wenigstens des vertrauten Begriffs «Nähe». Aber wenn ein Romanist und eine Germanistin zusammen reden, ist auch der Stift nicht weit – und das Flüchtige wird in kondensierter Form fassbar gemacht. Von Francesco Mugheddu und Jacqueline Seiler Auf die Frage «Was ist also Nähe?» könnte man analog zu Augustinus’ Konfessionen über die Zeit antworten: «Wenn mich niemand danach fragt, weiss ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiss ich es nicht.» Tatsächlich ist «Nähe» ein höchst flüchtiger, mehrdeutiger und manchmal paradoxer Begriff. Je nach Kontext ist sie zeitlich, räumlich oder als Gefühl zu deuten, in eigenem bzw. übertragenem Sinn zu verstehen. Als konstitutiv relationaler Begriff nimmt «Nähe» je nach Beziehungsart (Familien-, Liebes-, Freundschafts-, Gesellschaftsbeziehungen etc.) immer neue spezifische Bedeutungen an. Ein medusischer Begriff, bei dem sich immer auch die Frage nach der «richtigen» Nähe stellt. Das Bild der Schärferegulierung bei Fotokameras verdeutlicht diese Problematik: Zoomen wir zu weit raus, ist der Fokus unklar. Sind wir zu nahe dran, entfällt der Kontext …

Kann man Nähe kaufen?

Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf die Nähe zu seinen Mitmenschen angewiesen. Aber was, wenn man diese Nähe in seinem Umfeld nirgends finden kann? Genau diese Zielgruppe spricht «rent a friend» an, das Online-Portal, welches Menschen, die sich einsam fühlen, einen unkomplizierten Weg zu neuen Freundschaften verspricht. Der einzige Haken dabei: Man muss den gemieteten «friend» für die gemeinsam verbrachte Zeit bezahlen. Geniale Geschäftsidee oder schamloses Ausnützen von Einsamkeit? Wir haben den aus Deutschland stammenden Wahl-Basler Leon C. gefragt, einen der potenziellen Friends, die gebucht werden wollen. Von Naima Zürcher und Anna Lisa Lüthy, G19A Auf der amerikanischen Website «rent a friend» kann man sich als «friend» ein Profil einrichten, worauf sich Interessierte melden können. Kaffee trinken, spazieren, ins Kino gehen oder sogar zusammen verreisen; auf diesem Portal kann man sich für fast alles einen Freund oder eine Freundin mieten. Eine Freundschaft im Austausch für Geld hört sich erst einmal bizarr an. Doch die Idee von «rent a friend» findet in den Staaten sowie manchen Teilen Asiens bereits seit einiger Zeit grossen Zuspruch, …

Die Kunst der Berührung

In vielen Sportarten, aber auch im künstlerischen Bereich ist der Körperkontakt als besondere Form von Nähe zentral. Haut, Schweiss, Atem – wie fühlt sich solch extreme Nähe an? Wir haben den mehrfachen Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano, den «eidgenössischen» Schwinger Nick Alpiger und die Tänzerin und Choreographin Brigitta Luisa Merki getroffen und nach ihren Erfahrungen gefragt. Von Nick Häusler und Daut Limani, G19A Im Schwingen ist die Berührung während des Kampfes permanent vorhanden. Damit kennt sich der erfolgreiche Aargauer Schwinger Nick Alpiger bestens aus. Das gegenseitige Berühren beginnt im Schwingen aber bekanntlich schon vor dem Kampf – beim Händedruck, der schon einige Informationen über den Gegner liefert. Nick Alpiger begegnet jedem Gegner gleich, wenn er auch seine Taktik am Schwingstil des Kontrahenten ausrichten muss. Oder an dessen Grösse. Die Nähe im Kampf setzt ziemlich viel Masse in Begegnung, da wirken grosse physikalische Kräfte. Die Verletzungsgefahr schwingt deshalb immer mit. In den Gedanken eines Schwingers darf sie aber keinen grossen Platz einnehmen, denn die Angst vor Verletzungen wirkt sich negativ auf den Kampf aus. Zögerlich angesetzte Schwünge, Passivität …

Die Alte Kanti in Zeiten von Corona – Teil IV

Eine Schule durch eine Pandemie führen ist nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional eine Herausforderung – Krisenbewältigung zwischen Hoffen und Bangen. Dies zeigt sich auch im vierten Teil der Corona-Chronologie. Aber vielleicht ist es ja der letzte…! Von Dr. Andreas Hunziker, Rektor Nachdem seit Ende Dezember 2021 die extrem ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus dominiert, explodieren die Fallzahlen – in der gesamten Gesellschaft und logischerweise auch bei uns an der Schule. Beim Schulbeginn im neuen Jahr befinden sich über 50 Schulangehörige wegen einer Covid-19-Infektion in Isolation. In den drei Wochen bis zu den Sportferien bleiben die Zahlen konstant hoch. Der Präsenzunterricht läuft weiter, selten weist jedoch eine Abteilung Vollbestand auf; immer wieder werden Schülerinnen und Schüler oder Lehrpersonen per Teams von zu Hause aus zugeschaltet. Sportferien «Skilager finden trotz Corona statt.» – so titelt die Aargauer Zeitung am 27. Januar 2022. Und im Lead heisst es reisserisch: «Aargauer Kantonsschulen trotzen der dringlichen Empfehlung des Regierungsrats, momentan auf Lager zu verzichten.» Aus heutiger Sicht lässt sich sagen: Zum Glück haben wir uns der regierungsrätlichen Empfehlung widersetzt und …

«Die Alte Kanti fühlt sich ein bisschen an wie Hogwarts»

Seit 1997 gibt es den Verein für ehemalige Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti – kurz: AULA. Ulrich Price, langjähriges Mitglied und aktueller Präsident der Vereinigung gibt im Interview mit sage&schreibe Auskunft über die Zielsetzungen, Aktivitäten und Visionen von AULA. Von Giada Di Lorenzo, G19A [Bild: Naima Zürcher] Was genau ist «AULA»? Ulrich Price: AULA ist eine Bezeichnung für einen grossen Raum, in dem man sich zusammenfindet und sich austauschen kann. Man kann sich darunter aber auch einen Kochtopf vorstellen, wo alles zusammengemischt wird. Was die Gründer vor 25 Jahren wirklich mit AULA gemeint haben, ist unklar. Wir verstehen uns einfach als die Vereinigung von Ehemaligen der Alten Kanti Aarau, in der ein aktives Gemisch von früheren Schüler(inne)n und Schule entsteht. Oder anders: AULA ist so etwas wie ein Heimathafen. Wieso braucht es einen Verein für die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Alten Kanti? Mit AULA wird ein grosser Reichtum weitergegeben: Geschichten, Traditionen und Wissen. So bleibt immer eine direkte Verbindung zur Schule erhalten. Für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, finanzielle Unterstützung für Projekte …

Sichere Häfen für Kinder mit Bindungsstörung

Unser Selbstwert hat sehr viel mit Nähe und sicheren Bindungen bereits im Säuglings- und Kindesalter zu tun. Die Tatsache aber, dass 40 bis 50 Prozent der Menschen als Kind eine unsichere Bindung erfahren haben, lässt aufhorchen. Prof. Dr. Guy Bodenmann, ein führender Experte in der klinischen Paar- und Familienpsychologie, gibt im Interview vertiefte Einblicke in die Thematik der Bindung beziehungsweise Bindungsstörung im Kindesalter. Von Tatjana Gligorevic und Anna Piani, G19A «Stellen wir uns die Psyche als Haus vor. Der Selbstwert ist das Fundament, und alles andere baut darauf auf. Wenn das Dach langsam löchrig wird, die Ziegel nicht mehr festsitzen, kann es sein, dass ein Sturm ein paar Ziegel wegbläst und schlimmstenfalls das Dach davonfliegt. Das Haus an sich aber steht weiterhin robust da – alles ist nicht so schlimm. Wenn hingegen das Fundament schlecht ist, nimmt das Haus schwerere Schäden.» Prof. Dr. Guy Bodenmann sage&schreibe: Welche Bedeutung hat «Nähe» für Kleinkinder? Guy Bodenmann: Im Bindungsaufbau des Säuglings nimmt Stress eine zentrale Rolle ein. Der Säugling ist auf eine feinfühlige Bezugsperson (in der Regel vor …

Studentenfutter

Die Seite für Ratsuchende, Ideenlose, Sparfüchse und Neugierige. Hier gibt es zwar kein Trockenobst mit Nüssen, aber immerhin eine genussvolle, leichtverdauliche Mischung aus allerlei Wissenswertem rund um die Alte Kanti. Von Regina Knüsel, G19A Alte Kanti Unexplored Orte, von denen man (vielleicht) noch nichts weiss Auf dem Dachboden des Einsteinhauses befindet sich ein kleiner L-förmiger Raum, der den Namen «Albertas Ruheraum» trägt. Der Zusammenhang zu «Albertas Lounge» auf dem Dach des Aquariums liegt auf der Hand. Der L-Raum dient als Ruheraum für Lehrpersonen, wohl damit sie sich in Zwischenstunden von den anstrengenden Schülerinnen und Schülern erholen können. Tritt man durch die Tür, kommt man in einen engen, lichtdurchfluteten Raum. Es gibt drei Betten, die jeweils hinter einer dünnen Holzwand stehen und von einem Vorhang verdeckt werden. Die Betten sind mit weissen Laken bezogen, und es hat sogar Kissen. So richtig einladend wirken die Betten allerdings nicht, da sie nicht ordentlich gemacht sind und das Laken nicht besonders frisch aussieht. Auf dem Infozettel an der Tür steht zwar die Aufforderung, eine eigene Unterlage mitzubringen; ob dies …

«Wenn ich massiere, bin ich einfach locker»

Insbesondere Menschen mit Downsyndrom wird ein offener und herzlicher Umgang mit ihren Mitmenschen zugeschrieben. Der Aargauer Simon Federer ist da keine Ausnahme. Was ihn aber besonders macht: Als Masseur hat er eine besondere Art von Nähe zu seinem Beruf gemacht. Von Rahel Furrer und Regina Knüsel, G19A [Bild: Rahel Furrer] Um einen Interviewtermin mit Simon Federer zu vereinbaren, riefen wir ihn an und erhielten nach unserer Anfrage eine Einladung zu ihm nach Hause. Erfreut über diese unerwartete Gastfreundlichkeit, erkundigten wir uns nach der genauen Adresse, doch er bot uns an, uns direkt beim Bahnhof abzuholen. So erwartete uns in Turgi ein klein gewachsener Herr in schwarzem Mantel, der uns herzlich in Empfang nahm. Anschliessend führte er uns in seine Wohnung, in der er bereits seit einiger Zeit allein wohnt. Wir kamen sofort ins Gespräch und waren beeindruckt von seiner klaren Ausdrucksweise. An Formalitäten hielten wir uns nicht lange, schon bald wechselten wir zum Du, so dass das Gefühl aufkam, einander schon länger zu kennen. Simon Federers Wohnung zeugt von dem, was er in seinem Leben …

Zwischen Leben und Tod

Einen ganz besonderen Beruf hat das Luzerner Medium Maria Piazza. Sie sieht sich als mediale Lebensberaterin, als Vermittlerin zwischen der geistigen und der materiellen Welt und hat daher eine eher ungewöhnliche Nähe zu Verstorbenen. Im Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeit, ihre besonderen Fähigkeiten und ihre Beziehung zum Reich der Toten. Von Amina Colombo und Elin Cattaneo, G19A Was ist ein Medium? Ein Medium stellt sich als Kanal zwischen der geistigen und der materiellen Welt zur Verfügung. Auf diese Weise erhalte ich Informationen aus dem Jenseits. Meine Fähigkeiten erlauben es mir also, mit Toten zu kommunizieren. Ich verständige mich mit Engeln und verstorbenen Seelen sowie Geistführern, ich sehe und spüre sie. In spirituellen Sitzungen kann ich meinen Klientinnen und Klienten Zugang zu wichtigen Informationen ermöglichen. Dadurch entsteht für sie eine Möglichkeit, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, womit seelische Blockaden und Probleme gelöst werden können. Kann man sich eine Verbindung zum Jenseits antrainieren oder wird man mit so einer Fähigkeit geboren? Ich spürte bereits als junges Mädchen, dass bei mir etwas anders war. Ich begann …

Schund

Von Reinhold Bruder* «Schund!», het de Tüütschleerer krääit, mit der äinte Hand es John-Kling-Heftli gschwänkt und mit der anderen em Fränzu äis putzt. «Wi mängisch mues is no sääge? Dir sind Bezirksschüeler. Und Bezirksschüeler lääsen Aaspruchsvous. I der Schueubibliothek gits gueti Jugetbüecher, Saage und Sachbüecher. Settige Mischt wott i i mim Zimmer nie me gsee.» Er het s Heftli no äinisch i d Luft ghaa und denn verrisse. De Fränzu het e rooti Baggen überchoo und de zum Ürsu überegscheechet und gmützeret. Beed händ i de Mappe no mee Fueter ghaa; der äint Jim Strong, der ander Micky Maus. Am Schluss vo der Stund – aui händs gsee – isch de Leerer zum Roland ggange und het em e Band griechischi Saage änegstreckt. Wider äinisch het de Grosvatter Roland zäme mit siner Fräu Rosa e Psuech bi de Grooschind gmacht, bim zääjeerige Georg und bim achtjeerige Gregor, der äint e groosse Lääser, der ander het no nie freiwiuig es Buech i d Hand gnoo. Im Gepäck händ d Groseutere zwöi Büecher ghaa. Daas Moou nüüt …

Interview Corina Eichenberger

Corina Eichenberger Rechtsanwältin und Politikerin (ehem. Grossrätin und Nationalrätin) Matura: 1974 [Bild: zVg] Fassen Sie Ihre Kantizeit in einem Satz zusammen. Ich denke gerne an diese schönen und unbeschwerten Kantijahre zurück. Wie sieht Ihr bisheriger Karriereweg aus?Welches sind die wichtigsten Eigenschaften in Ihrem Beruf? Als Rechtsanwältin ist die Fähigkeit zentral, sich in die Gegenpartei (und als Mediatorin in die Streitparteien) einzudenken und manchmal auch einzufühlen, um gute Lösungen und Argumente beziehungsweise Gegenargumente zu finden. Diese Fähigkeit ist auch in der Politik sehr nützlich. Weshalb sind Sie Mitglied im Ehemaligen-Verein der Alten Kanti? Nostalgische Gründe und Erinnerungen an die Schulzeit haben mich motiviert, dem Ehemaligen-Verein beizutreten. Schöne Erinnerungen wecken positive Gefühle, und die tun gut.

Sechsundvierzig Minuten

Von Jakob Schildhauer, G20F Bremsen quietschen. Menschen strömen mir entgegen, als ich versuche, aus der Unterführung auf den Bahnsteig zu gelangen. Ich renne die letzten Meter zum Zug, springe hinein und höre das Fiepen der sich hinter mir schliessenden Türen. Die Atmosphäre eines Schulhofes begrüsst mich, als ich in den Gang des Waggons trete. Den Reservationszetteln an den Fensterscheiben entnehme ich, dass es sich bei den durcheinanderschreienden Kindern um die Klasse 3b handelt, die wie ich bis nach Basel fährt. Schnell laufe ich einige Meter weiter, hinaus aus dem Getümmel. Ich lege meine Tasche auf den nächstbesten Platz in sicherer Entfernung, kämpfe mich aus meiner dicken Winterjacke, die mich nicht loslassen will, schaffe es schliesslich und verstaue sie über den Sitzen. Unterdessen hat sich mein Rucksack verselbstständigt und ist auf den Boden gefallen. Ich hebe ihn auf, setze mich. Heute will auch gar nichts klappen. Erst jetzt fällt mein Blick auf mein Gegenüber. Es ist der Weihnachtsmann. Zumindest ist das mein heimlicher Name für den Herrn vor mir. Wenn es einen Menschen gibt, dem ich …

In der sechsundvierzigsten Minute

Von Adriana Catanese, G19K Das Leben auf dem Land, Früchte und Blumen in allen Farben verwelken mit der Zeit. Zusammen leben wir in einem alten Haus. Meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich. Seitdem ich sechzehn Jahre alt bin, gehe ich nicht mehr zur Schule. Ich helfe unserer Mutter bei der Arbeit, denn sie wurde ihrer Gesundheit beraubt. Sie ist Schneiderin mit jahrelanger Erfahrung. Seit drei Jahren bin ich es auch. Mein Bruder ist sechs Jahre alt. Wichtig ist er mir, so wichtig wie Mutter mir auch ist. Der Tag, an dem er geboren wurde, zählt zu den schönsten meines Lebens. Neues Leben. Gesundes Leben. Neun Jahre vor der Geburt meines Bruders brachte Mutter in der sechsundvierzigsten Minute der sechsten Morgenstunde ein für immer schlummerndes Kind zur Welt. Ihr Grab befindet sich in unserem Garten. Damals war ich zehn Jahre alt. Wie ungerecht war es, dass meine Mutter ihr geliebtes Kind nie lebendig in die Arme nehmen durfte. Wie ungerecht war es, nie auf die Welt kommen zu dürfen. Wie grausam war der Tod. Und …

1938

Von Nadina Schärer Kalte Abendluft peitscht mir entgegen. Vom Himmel fallen ein paar verirrte Schneeflocken. Die Strassen Berlins sind leer. Ich renne quer über den sonst so vollen Potsdamer Platz. Normalerweise versteht man hier unter dem Verkehrslärm und den schnatternden Menschen sein eigenes Wort nicht. Jetzt könnte man eine Stecknadel fallen hören. Geradezu unheimlich. Es liegt etwas in der Luft. Als hätten die Häuser und Bäume, an denen ich vorbeiziehe, auch dieses flaue Gefühl einer dunklen Vorahnung. Mein Gefühl beruht allerdings nicht auf Vermutungen, sondern auf einer bitteren Erkenntnis. Ich kann ihn nicht retten. Wie auch? Mein Bruder hat es mir vorhin selbst gesagt: «Du immer mit deinem Janosch! Aber warte nur, dieses Mal wird er nicht so einfach davonkommen! Es ist eine Schande, dass du dich überhaupt mit einem Drecksjuden wie ihm abgibst!» Bei diesem Wort ist es mir kalt den Rücken hinuntergelaufen. Aber habe ich etwas gesagt? Natürlich nicht. «Eine Deutsche sollte sich nicht so beschmutzen! Aber keine Sorge, nach heute Abend wird er kein Problem mehr für uns sein!» «Was soll das …

46 Minuten

Von Caroline Ritter, G20F Als ich die Türe öffne, schlägt mir die kalte Luft ins Gesicht. Hinter mir höre ich die laute Discomusik. Doch kaum schliesse ich die Tür, ist es ruhig. Ich blicke mich in der Gasse um, in die ich gerade getreten bin. Die Sonne ist schon untergegangen, und das kleine Licht, das an der einen Gebäudewand hängt, erfüllt kaum seinen Zweck. Mit zitternden Händen krame ich in meiner Tasche nach dem Handy. Als ich es endlich gefunden habe, tippe ich schnell die Nummer meines Vaters ein. Die dunkle Gasse ist mir ein wenig unheimlich, und ich möchte so bald wie möglich wieder zurück in die Wärme. «Hallo Papa! Ich bin’s», sage ich, während ich von einem Bein auf das andere wippe. «Ja, Daria. Ist alles okay? Ich dachte, du wärst mit Maya zusammen im Club», antwortet er gewohnt freundlich. «Ja, bin ich auch. Ich wollte dich nur fragen, ob du uns abholen könntest? Meine Füsse tun unglaublich weh, und der Club ist komplett überfüllt. Ausserdem sind wir beide langsam müde, und wir …

46 Minuten

Von Florian Brenner, G19K Diese Idylle ist völlig absurd, wenn sich solch eine Situation als idyllisch beschreiben lässt. Es mag absurd wirken, wie man in solch einer Situation noch so etwas wie Harmonie und Einklang verspüren kann. Doch die Blase ist geplatzt. Ich bin wieder ich und nicht der, der ich einmal war. Es sind Serpentinen, welche die karge Küstenlandschaft zieren. Sie führen hinaus ins Nichts, in die abgeschiedenen Provinzen des Landes. In einem Reiseführer würde diese Ecke Schottlands als authentisch angepriesen werden. Mehr als winzige Fischerdörfchen mit einer überalterten Bevökerung, in dessen Häfen ein mieser Geruch von Rost, Salz und Fisch in der Luft liegt, hat diese überkommene Gegend jedoch nicht zu bieten. Dieser beissenden Meeresluft ist hier nur schwer zu entkommen, denn der Wind trägt sie noch weit ins Landesinnere. Die Häfen zählen meist exakt so viele Schiffe wie das Dorf Einwohner, wovon beide am Zahn der Zeit nagen. Das Einzige, was solchen heruntergekommenen Dörfchen etwas Leben verleiht, sind die zahlreichen Pubs. Jedes noch so kleine Provinznest hat sein eigenes «Inn», wie sie …

Mehr Empathie!

Von Piotr Kwiatkowski, G19E Wenn ich auf die Welt schaue, bedauere ich sehr, wie viele Gräuel zu sehen sind. Damit soll nicht nur das abstrakte Boshafte aus Zeitungen und auf Bildschirmen gemeint sein, sondern auch der Schrecken des Alltags. Ich finde es frustrierend, wie wir Menschen miteinander umgehen, erst recht, wenn man bedenkt, wie fortgeschritten unsere Spezies doch eigentlich ist. Trotz massiver technologischer Innovationen von mikroskopisch kleinen Prozessoren bis zu Raketen hat sich der Umgang von uns Menschen über die Jahrhunderte nur wenig verändert; es scheint, als müsse die gesellschaftliche Umgestaltung warten – wie der Einwechselspieler auf der Bank. Unabhängig davon, ob man in einem Holzboot aus dem 13. Jahrhundert dahintreibt oder in einer Boeing den Himmel erkundet, noch immer wird diskriminiert, verspottet und verletzt. Ich halte es für eine absolute soziale Notwendigkeit, dass sich hier etwas verändert. Deshalb benütze ich hier die Gelegenheit, an alle zu appellieren – für mehr Akzeptanz, Respekt und Liebe, sodass das menschliche Empathievermögen sich nicht nur in Büchern, sondern auch in unserem Alltag bestätigen lässt. Schaffen wir es, dieses …

Ichigo ichie (Japanisch)

Von Kokone Shigemitsu* 「一期一会」これは日本に古くから伝わることわざである。意味を簡単に説明すれば、世の中は一生に一度限りの出会いで溢れているということだ。これからあなたが出会う人、今まで出会った人。彼らとはもう2度と会うことがないかもしれない。だから、どんな出会いも大切にしなさい、という教えである。 [Bild: rietberg.ch] この言葉は茶道を通して伝えられた。あなたの今、目の前にある貴重な茶碗を見るのは最後になるかもしれない。同席している他のお客さんと出会うことはもうないかもしれない。現代のわたしたちからすれば大袈裟に聞こえるかもしれないが「どんな長い人生を生きても、同じ日は一度たりともない」ということをこの言葉からひしひしと感じる。 私がこの言葉に自分なりの意味を持たせるとすれば、「出会いと別れは簡単にやってきてしまうのだから、それらを見逃さないように」となるだろうか。さよならを突然言わなければならないことなんて、とても稀だけど、私には忘れられない別れがある。あれは2020年の春だった。世界的なパンデミックにより、私のスイスでの留学生活が急に終わりを告げた。クラスメイトや先生方に、直接お礼もお別れの言葉も言えないまま、私はスイスという国を後にすることになった。もうあれから2年が経った。今でも時々、スイスにいた日々を思い出すことがある。出会った人々や景色を懐かしむこともある。今振り返ってみると、私にとっての留学は「人生でまたとないほど貴重な経験」だったし、本当に大きな意義のあるものだった。 21世紀になった今日でも、出会いも別れも知らない間に訪れることはある。簡単に連絡が取れる時代だけど、だからこそ再会できることはとても特別だ。「周りの人を大切にするということ」古くから伝わる「一期一会」という言葉がそれを忘れるな、といつも私に語りかけている。 * Kokone Shigemitsu war 2020 Austauschschülerin in der damaligen Abteilung G1A. Sie lebt und studiert heute in Tokio.

Ichigo ichie (Deutsch)

Von Kokone Shigemitsu* Ichigo Ichie. Diesen Spruch gibt es in Japan schon lange. Wörtlich übersetzt bedeutet es, dass man eine bestimmte Person beziehungsweise einen bestimmten Gegenstand nur einmal in seinem ganzen Leben trifft. [Bild: rietberg.ch] Das Sprichwort ging aus den Teezeremonien hervor. Es könnte das erste und auch das letzte Mal sein, dass man die Teeschale sieht, die vor einem steht, vielleicht wird man nie wieder Gäste einladen und die Zeit mit ihnen teilen. Es mag zu ernst und extrem klingen, im 21. Jahrhundert so zu denken, aber dieser Satz lehrt uns, jeden Moment so zu leben, als gäbe es keine zweite Chance. Ich persönlich interpretiere diesen Satz so: Hallo und auf Wiedersehen können sehr leicht kommen und gehen, also versuchen Sie, einander nicht zu verpassen. Plötzliche Trennungen passieren sehr selten, aber es gibt da einen Moment, an den ich mich immer erinnern werde. Es war das Frühjahr 2020, als mein Austauschjahr wegen der globalen Pandemie plötzlich zu Ende ging. Ohne mich persönlich von meinen Mitschülern und Lehrerinnen verabschieden und mich bei ihnen bedanken zu …

Begegnung erleben

Am 8. und 9. März 2022 hatten die Schülerinnen und Schüler aller 2. Klassen der Alten Kanti die Gelegenheit, im Rahmen von massgeschneiderten Modulen spannende Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft kennenzulernen. Die sage&schreibe-Redaktorinnen Amina Colombo, Alexandra Ihle, Ella Jost, Paynavi Punithakumar, Valeria Tomassini und Selina Wick haben ausgewählte Module besucht und berichten hier von ihren Erfahrungen und Eindrücken. Modul Psychische Krankheiten Das Thema «psychische Krankheiten» ist aktueller denn je. Die Kliniken sind voll, die Warteschlangen lang. Vor allem mit der Pandemie und der damit verbundenen Isolation ist das Thema «Gesundheit» und eben auch die «psychische Gesundheit» mehr in den Fokus gerückt. Früher ein Tabuthema, wird heute immer mehr offen darüber gesprochen. Dadurch fällt es Jugendlichen, die übrigens besonders stark betroffen sind, leichter, sich über ihr psychisches Befinden zu äussern. Das sagt auch Lukas Bösiger, Psychologe, den wir Anfang März im ask! zusammen mit der G20H im Rahmen des Projekthalbtages «Begegnungen» getroffen haben. In diesem Modul, dass sich rund um psychische Krankheiten und mentale Gesundheit drehte, durften wir einen vertieften Einblick in den Fachbereich der …

Schreibwettbewerb 2022 – Jurybericht

Nach einer einjährigen Coronapause fand 2022 wieder der traditionelle Schreibwettbewerb der Alten Kanti statt. «46 Minuten» hiess das Thema, das Schreiberinnen und Schreiber aus insgesamt 5 Abteilungen herausforderte. Von Andreas Neeser, Deutschlehrer und Jurymitglied In der gut gefüllten Aula wurden am 16. März 2022 nicht weniger als 5 prämierte Texte von den Autorinnen und Autoren vorgelesen. Ein eindrücklicher Lesereigen, was nicht zuletzt dem Vorlese-Coaching von Theaterregisseurin Andrea Santschi geschuldet war. Zahlreiche fein ausgearbeitete Texte hatten es der Jury – bestehend aus den Deutschlehrern Christoph Neidhart, Andreas Neeser, Peter Sutter und Lukas Tonetto – nicht leicht gemacht, das vom Ehemaligen-Verein AULA gespendete Preisgeld von 600 Franken gerecht zu verteilen. In der Kategorie 1./2. Klassen schwang schliesslich Jakob Schildhauer (G20F) obenaus. Der geteilte 2. Platz ging an Caroline Ritter (G20F) und an Nadina Schaerer (G20B). In der Kategorie 3./4. Klassen wurden zwei 2. Plätze vergeben – und zwar an Florian Brenner (G19K) und Adriana Catanese (G19K). Hier gibt es die Siegertexte zum Nachlesen: Jakob Schildhauer, Sechsundvierzig Minuten Caroline Ritter, 46 Minuten Nadina Schaerer, 1938 Florian Brenner, 46 …

«Die Schönheit der Polyamorie besteht in der grenzenlosen Liebe»

Mehrere romantische Beziehungen zur gleichen Zeit leben wird als Polyamorie bezeichnet. Genau in so einer Beziehung lebt der Schotte Orion Toivonen, welcher bereit war einige Fragen zur Polyamorie zu beantworten. Dabei werden Themen wie Nähe, Liebe oder Eifersucht in polyamorösen Beziehungen behandelt. Von Valeria Tomassini und Paynavi Punithakumar, G19A Eine ungewöhnliche Situation für ein Interview: Orion sitzt uns gegenüber, jedoch nicht an einem Tisch, sondern mehrere Kilometer entfernt, in Schottland. Über den Smartphonescreen sehen wir Orion in seinem Zimmer, seine Beziehungsperson Jose sitzt im Hintergrund und hört uns zu. Orion, du bist momentan in nur einer Beziehung. Deine Beziehungsperson Jose hat aber selbst noch drei weitere Partner. Was bedeuten die Begriffe «Nähe», «Intimität» und «Liebe» für dich? Wie würdest du die Unterschiede beschreiben? Orion: Ich glaube, Liebe ist etwas, das man bei jedem Menschen spüren kann: bei Freunden und in der Familie, vielleicht sogar bei einem Fremden, den man auf der Strasse trifft. Für mich ist es ein Gefühl der Wertschätzung. Nähe hingegen halte ich eher für etwas, das denjenigen Menschen vorbehalten ist, die mir …

Nur ein Wimpernschlag

Von Skyla Rossi [Bild: Sanne Keller] I Ich reisse die Arme hoch, halte sie vor das Gesicht, um mich vor dem nächsten Schlag zu schützen. Seine Knöchel sind bereits blutig, die Haut ist dort aufgeplatzt, wo seine Faust jeweils mein Gesicht fand. Er ist über mir, kniet auf meinen Oberarmen. Abwechselnd mit der linken und rechten Faust schleudert er meinen Kopf wie einen Ball hin und her. Sein dichtes, russfarbenes Haar ist zerzaust, das Gesicht widerlich verzerrt. Schweiss mischt sich auf seinen Wangen mit dem Blut, das von den wenigen Treffern, die ich landen konnte, aus kleinen Rissen sickert. Seine Augen sind glasig. Obwohl sie keinen Fokus zu finden scheinen, fühlt es sich an, als bohrten sie sich in mich hinein. Ich bin taub, aber ich sehe seinen Schrei, sehe, wie er den Mund aufreisst, wie der Speichel zwischen Ober- und Unterlippe Fäden zieht. Seine Faust kommt näher. Mein Blick verschwimmt. Es wird dunkel. Und wieder hell. Seine Faust ist bereits so nahe an meinem Gesicht, dass ich das Blut auf seinen Knöcheln rieche. Die …

Portraits der Mitarbeitenden

Ein Beitrag zur Umsetzung unserer Leitsätze Unsere Mitarbeitenden: Ins Unterrichtsgeschehen sind sie nicht direkt invol- viert, doch im Hintergrund stellen sie Tag für Tag das reibungslose Funktio- nieren der Alten Kanti sicher. Ob im Sekretariat, im Park oder in den Kata- komben der Telli, ob in Labors, in Büros oder in unseren weitläufigen Gän- gen, ob in der Mediothek, in Dachstöcken oder in Haustechnikräumen: über- all wird geschaut, geplant, gelöst und umgesetzt. Handfest und konkret. Oft im Stillen und unbemerkt. Der Umsetzungsgruppe Leitsätze ist es ein Anliegen, allen Schulangehörigen einen Einblick in das Wirken unserer Mitarbeitenden zu bieten. Denn: Diese tragen wesentlich dazu bei, dass die Alte Kanti als nachhaltige, attraktive, verantwortungsbewusste und professionelle Schule wahrgenommen wird. Erfreulicherweise waren viele Mitarbeitende bereit, sich portraitieren zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler der Abteilung G21A begleiteten sie bei der Arbeit und erfuhren im Gespräch mehr über ihre Tätigkeit an der Alten Kanti. Im Rahmen des Deutschunterrichts bei Simone Leuenberger entstand diese «Portraitgalerie». Herzlichen Dank an alle Beteiligten! Machen Sie sich selbst ein Bild von der Vielseitigkeit und …